Sonntag, 25. Juli 2010

Intermezzo - Tag 119 - Namibia

Juchei, hier isses aba schön!


Bin am Freitag aus dem SaltyCrax aufgebrochen und habe Kapstadt und ein paar Stunden später Südafrika verlassen. Fiel schon alles sehr schwer, der Abschied. Besonders von Freddie, meinem "seelenverwandten" Schnuffi vom Hostel. Freddie hatte sich schon so schöne Zukunftspläne ausgemalt; es schien für ihn absolut ausser Frage zu stehen, dass er sein restliches Leben lang abends immer ein schönes warmes Bettchen zum Pennen haben würde. Aber jut, das Leben ist manchmal grausam, und so mussten wir Lebewohl sagen... Übrigens, dank Ninas sagenhafter Kenntnis aller Tierarten und inbesondere Hunderassen weiß ich jetzt auch, um welche genaue Gattung es sich bei Freddie handelt: Wursthund, Freddie ist ein Vertretter der Gattung Wursthund. Besondere Kennzeichen: viel Körper (in Form einer Pommerschen) und wenig Gliedmaßen, die dienen eigentlich im wesentlichen nur zur Dekoration bzw. dafür, dass er nicht sofort umfällt, wenn ein laues Lüftchen weht...


Das Wetter in Südafrika war erst mal richtig beschissen. Regen und Kälte, aber nach ca. 200 Kilometer war alles wieda dufte. Das schlechte Wetter (und auch die Zivilisation) lag hinter mir. Das südafrikanische Bundesland "Northern Cape" ist ähnlich "dicht" besiedelt wie Namibia, nämlich so gut wie gar nicht. Ich bin am Freitag knapp 800 Kilometer gefahren, wollte noch unbedingt rüber nach Namibia, und das hat auch geklappt.


Es ging über Clanwilliam, Vanrhynsdorp, Bitterfontein, Garies, Springbok Steinkopf nach Vioolsdrif und dort rüber über den Orange River, die Grenze zu Namibia. Tja, wie Grenzen halt so sind, nä? Ich war aber brav und hab keine Leute zusammengeschlagen. War auch nix besonders nerviges dabei diesmal... Well, Noordoewer war der erste Ort in Namibia, und ich bin weiter Richtung Grünau (sic!), wo ich mir eine Butze gesucht hab für die Nacht.




Jut, schon der erste Tag bzw. Nachmittag in Namibia hat mich ordentlich geflashed. Das nenne ich Weite und Entspannung! Und dieses geile Licht in der Abenddämmerung.. Yummie!

Ach ja, ist nicht alles Gold was glänzt, auch nicht in Afrika. Neben wunderschönen Landschaften, gastfreundlichen Menschen und perfekt funktionierenden Motorrädern, gibt es auch Schattenseiten und deren Anblick ist nicht unbedingt immer leicht zu ertragen:


Also, meinen Zeh hat's ja schon ziemlich übel erwischt und unterwegs waren die Schmerzen schon äußerst unangenehm. Irgendwie scheint da aus dem großen Zeh ein weiterer Zeh wachsen zu wollen, keine Ahnung. Auf jeden Fall drückt's an dieser Stelle in meinem neuen Stiefel gewaltig. Ganz besonders unangenehm... Nachdem ich die Sohle aus dem betreffenden Stiefel entfernt hab', geht's aber schon besser. Vielleicht bildet sich jetzt auch dieses "Teil" da zurück. Wäre wirklich wünschenswert, sonst muß ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland meine ganzen Schuhe wegwerfen und mir neue maßschneidern lassen, passend für meinen deformierten 6-kralligen Humpen...

Well, in Grünau (kleines Nest) habe ich mir dann ein ganz nettes Hotel organisiert. Internet gab's natürlich nicht, aber als die Dame an der Rezeption meinte, das nächste Internet gäbe es im 160 Kilometer entfernten Keetmanshoop, wusste ich Bescheid: hier biste echt jwd (janz weit draußen).


Aber war alles schick. Wie's der Zufall so will, habe ich ein deutsches Pärchen kennen gelernt (Pia-Maria und Jens). Und na ja, Jens war auch mal eben mit seiner 1200 GS Adventure in Südafrika, ähnliche Geschichte wie bei mir. Nur dassa die Ostroute runter gekommen ist. Jetzt ist das Mopped bereits auf der Heimreise nach Deutschland, während die beiden noch einen ausgedehnten Urlaub hier unten in der Gegend anhängen. Super sympathisch die beiden, wir quatschen eine ganze Weile. Ich erfahre, dass Jens "Ground Hopper" ist, kannte ich vorher nicht so richtig, begeistert mich aber total. Ground Hopper sind Fußballfans, die das angenehme (Fußball) mit dem noch angenehmeren (Reisen) verbinden und praktisch danach streben, in möglichst vielen verschiedenen Ländern der Welt Fußballspiele anzugucken. Jens' Counter steht derzeit wohl bei 95 Ländern oder so; selbst auf seiner Afrika-Tour hat er in jedem bereisten Land mindestens ein Spiel angeguckt. Einfach geil! Wir treffen uns vielleicht nächsten Samstag nochmal in Windhuk und gucken dann gemeinsam das Spiel der einheimischen "Eleven Warriors" gegen die Kaizer Chiefs aus Joburg. Ui, das wär' ne coole Sache, wenn das klappt. Und es könnte hinhauen, weil ich jetzt ne knappe Woche in Nordwest-Namibia rumtoure. Einmal um den Etosha-Nationalpark herum sozusagen und dann Ende nächster Woche wieder in Windhuk sein sollte...

Jut, jut, alles bestens. Am Samstagmorgen hätte ich mich durch eine "Unachtsamkeit" fast in's Jenseits befördert. Die Warnschilder gemäß meinem Grundsatz natürlich ignorierernd, habe ich mich gegen den Zaun des Hotels gelehnt, um ein paar Fotos von der Umgebung zu schießen. Well, 10-15 Sekunden ging's gut. Danach hat's mich fast aus den Latschen gehauen. So einen Stromschlag habe ich noch NICHT bekommen. Es hat einmal richtig "RUMMS" gemacht, meine Muskeln haben sich verselbständigt und die Kamera flog in hohem Bogen davon (und in den Sand, aargh!). Den Kaffee am frühen Morgen hätte ich mir sparen können, ein besseren "Schub" für den Kreislauf gibt es nicht. Ich war auch danach noch eine Weile etwas benommen und einfach ein bisschen geschockt. Damnation, fühlte sich an wie ein "Reboot" beim Computer. Alle Systeme wieder neu gestartet, Memory gelöscht und weiter geht's. Hab aber keine bleibenden Schäden davon getragen, glaube ich. Wenn man mal von diesem ständigen unkontrollierten Zucken im Gesicht und den spontanen Faustschlägen und Fußtritten absieht...


Am Samstag war ich dann vielleicht ein ganz klein wenig unvernünftig. Obwohl ich erst um zehn losgekommen bin aus Grünau, wollte ich trotzdem irgendwie besonders gern nach Swakopmund, und nicht in Windhuk Halt machen. Na ja, das sind mal eben 1022 Kilometer von Grünau über Keetmanshoop, Mariental, Rehoboth, Windhuk, Okahandja, Karibib und Usakos nach Swakopmund... Aber die Straßen hier sind sooo gut und sooo leer, dass ich noch mit dem letzten Fitzel Helligkeit in Swakopmund angekommen bin. Ich hab selbst nicht schlecht gestaunt, als mein Bord Computer als Durchschnittsgeschwindigkeit (!) von Kapstadt bis Swakop etwas im 130er Bereich anzeigte...






Ich musste mich schon ab und an zwingen, mal anzuhalten, eine Kippe zu rauchen und die tolle Landschaft zu fotografieren.



Ein Großteil der letzten 360 Kilometer von Windhuk nach Swakopmund habe ich übrigens gemeinsam mit einem anderen GS-Fahrer zurück gelegt. Der hatte sich sein Bike gerade niegelnagelneu aus Windhuk abgeholt und fuhr nun heim nach Swakop. War offenbar ein Einheimischer deutscher Abstammung, und wir unterhielten uns an den diversen Ampeln auf deutsch...


Schon sehr verrückt hier, diese Geschichte mit den Deutschen. Ich glaub, ich brauch noch eine Weile, um mich an deutsche Straßennamen in Afrika zu erinnern. Irre... Swakopmund gefällt mir ausgesprochen gut, es ist einfach angenehm hier, ziemlich kühl, ein deutlich deutsches Flair und überhaupt kein Streß.

Ich habe mich nach längerem Suchen für eine günstige Absteige, eine Art Backpackers, entschieden, was auch ganz cool war. Ich hab' gleich ein paar Leute kennen gelernt, die waren alle von einer Truppe, die Tandemsprünge mit dem Fallschirm anbietet. Coole Sache. Hab schon überelgt, ob ich das vielleicht mal machen sollte. Ist aber nicht ganz billig.



Und so habe ich mich heute für etwas anderes entschieden. Ich bleibe noch eine Nacht in Swakop und fahre morgen erst weiter Richtung Norden in den Skeleton Coast Park und von dort aus weiter zum Etosha Park. Egal, aber heute bin ich ganz kurzfristig noch in eine Gruppe reingekommen, die mit den Quad-Bikes in die Dünen fährt. Und das war ein absoluter Haupt-Spaß!!! Das hat wirklich unglaublich Laune gemacht, mit diesem Teil wie ein Geisteskranker durch den Namibischen Sand zu driften, rauf und runter, einfach toll. Kann ich wirklich absolut empfehlen. Traumhafte Szenerie mit den Sanddünen und direkt daneben dem Meer, und für Speedjunkies einfach ein Muß. Unglaublich, was man mit diesen Quads so alles anstellen kann. Leider hat der "Guide" immer aufgepasst, dass wir nicht zu wild werden, aber selba durfte er die ganzen lustigen Sachen (Wheelies, Endos, Doughnnuts, Fishtails und was weiß ich noch alles) machen. Wie ungerecht... Aber er kann ja nicht immer auf alle gleichermaßen aufpassen, gel?




Juti, jetzt bin ich gerade mal im Internet-Café und kann wieder einen Eintrag einstellen. Aber ansonsten sieht's hier erstaunlich schlecht aus in Sachen Vernetzung. Hatte ich mir besser vorgestellt. Könnte also sein, dass ich wieder ein ganz paar Tage offline sein werde...

Donnerstag, 22. Juli 2010

Tag 116 - Cape Town III

Uapp, Kapstadt hab ich abgehakt. Ich penne heute noch eine Nacht hier im SaltyCrax, und morgen geht's dann "endlich" los Richtung Heimat. Nach Namibia, Botswana und was da noch so alles kommt. Wollte eigentlich heute schon losdüsen, hatte aber ziemlich mies gepennt und mich dann entschieden, das Ganze nochmal um einen Tag zu verschieben. Will ja topfit und ausgeruht sein, wenn's weiter geht. Außerdem konnte ich so noch die letzten Rückstände in Sachen Blog aufholen und hab' auch da keine Hausaufgaben, die ich noch nach Norden mitnehmen muss ;-)

Am Sonntag bin ich übrigens im SaltyCrax nochmal fein umgezogen. Das war einfach das Beste für mich und die Wauzis. Ich habe seitdem ein nettes ruhiges Zimmer weiter weg von der Partyzentrale, und das ist genau der Ruhepol, den wir hier brauchten. Ausserdem ist das Zimmer eine ganze Ecke günstiger als mein erstes, Außenklo und Außendusche fallen für mich nicht so sehr in's Gewicht. Vor allen Dingen letzteres. Ich hab erst drei Tage nach meinem Umzug gemerkt, dass ich mein Duschzeug im alten Zimmer vergessen hatte, ich altes Schwein. Na ja, fällt ja niemandem auf hier unten, und außerdem spare ich Wasser, yep!

Well, neben Chillout und ein kleines bisschen Sightseeing stand diese Woche in erster Linie Organisatorisches auf dem Plan. Ich musste noch die ein oder andere Sache erledigen, damit ich perfekt vorbereitet bin für die "Spazierfahrt" nach Hause. Ich bin echt manchmal in Versuchung, die Rücktour gewissermassen zu unterschätzen. Sollte ich nicht tun. Auch wenn die Ostroute vielleicht unproblematischer sein soll als der Westen, wird's trotzdem bestimmt spannend und aufregend, besonders an den Grenzübergängen... Ich bin mal gespannt.

Well, am Dienstag war ich mit Mick unterwegs in der Stadt. Er hatte endlich nach etlichen Wochen das OK vom Zoll bekommen, dass sein Carnet nun endlich abgestempelt wird. Er hatte ja schon vor ein paar Wochen sein Bike beim Zoll bzw. beim Frachtunternehmen abgegeben, welches das Motorrad (die VFR) nach Buenos Aires transportieren soll. Beim Zoll hatten sich einige Leute offenbar fast in die Hosen gemacht, aus Angst, einen Fehler zu begehen mit dem Carnet. Echt ärgerlich, ist eigentlich eine triviale Sache. Ausbaden muss es natürlich immer der "kleine Mann", in dem Fall Mick... Na ja, in Buenos Aires geht für ihn auf jeden Fall die Reise ja praktisch erst richtig los, und er will von dort aus erst nach Feuerland und dann wieder ganz rauf nach Kanada. Ich hab eine Menge Respekt, vor allem aufgrund der Tatsache, dass er mit einer nur leicht modifizierten Straßenmaschine die Tour durch Westafrika gewagt hat. Junge, Junge. Das macht auch nicht jeder.


Was nicht passt, wird passend gemacht... Viel passt da nicht mehr rein inne Kiste, in der sein Bike die lange Schiffsfahrt nach Argentinien absolvieren wird. Mick selbst fliegt Anfang August rüber. Da kommt er praktisch genau richtig zur Skisaison. Das muß schon geil sein, jetzt in den Anden die Pisten runter zu boarden...


Ich selbst durfte am Dienstag meinen neuen "temporären" Reisepass abholen, mit dem ich hoffentlich die komplette Heimreise überstehe. Es sind aber nur 15 Seiten oder so drin, weshalb es nicht ausgeschlossen ist, dass ich auf dem Rückweg nochmal zu einer deutschen Botschaft und einen weiteren "temporären" Pass beantragen muss. Well, ich weiß es nicht. Mir will's in mein Spatzenhirn irgendwie nicht so recht rein, dass das immer alles so kompliziert sein muss mit diesen - sorry - Scheiß-Formalitäten...



Bei unserem kleinen Ausflug in die Kapstädter City hab' ich natürlich nochmal fotografiert, was das Zeug hält. Dieses Bergchen da im Hintergrund ist doch einfach zu schön, und ich kann mich einfach nicht sattsehen an dieser Kulisse.











Am Mittwoch stand meine vorerst letzte touristische Aufgabe an. Ehrlich gesagt versuche ich die meisten Touristen-Attraktionen so gut es geht zu vermeiden, auch wenn ich dadurch sicherlich einiges "verpasse". Aber ich fühle mich einfach notorisch unwohl in diesen Touristengruppen. Wie in einer Schafherde, wo der Leithammel laut blökend voran schreitet und die Menge besinnungslos hinterher trabt. Na ja, für Robben Island wollte ich aber schon eine Ausnahme machen. Das berühmteste Gefängnis der Apartheid-Ära direkt vor der Küste Kapstadts gelegen "beherbergte" neben dem berühmtesten Insassen, Nelson Mandela, praktisch das "Who is Who" des südafrikanischen Freiheitskampfes. Walter Sisulu, Robert Sobukwe oder der aktuelle südafrikanische Präsident, Jacob Zuma, sind nur einige Beispiele. Die Gefängnisinsel wurde auch die "Mandela University" genannt, weil trotz der natürlich stark eingeschränkten Kommunikation untereinander der politische Kampf im Gefängnis fortgesetzt wurde.







200 Rand kostete der Spaß. Bootstour hin und zurück einbegriffen. Und natürlich die zweigeteilte Führung auf der Insel. Well, ich fahre eigentlich nicht so gerne in's Gefängnis, und es war auch sicher nicht die allerangenehmste Aktivität, die ich jemals gemacht habe, aber ich finde, es hat sich gelohnt udn war super interessant.




Von Robben Island aus hat man eine tolle Sicht auf Kapstadt und den Tafelberg, und so war ein Busstop auf der Insel während der Inselrundfahrt natürlich unvermeidlich, damit auch jeder noch sein Tafelberg-Foto machen kann ;-)






"Freiheit"- dieses Wort hat für mich während meiner Reise definitiv an Bedeutung gewonnen. Es ist einfach zum Kotzen, eingesperrt zu sein, nicht nur im Gefängnis. Gerade ein System wie das der Apartheid ist im Prinzip ein System der Unfreiheit der Chancenungleichheit. Ziemlich pervers nach unserem heutigen Maßstab, sicherlich. Aber in (Süd-)Afrika gehörte die gesetzliche Segregation der "Rassen" zum Alltag, war in das selbstverständliche Leben über gegangen. Und dieses "Trennungsdenken" verschwindet auch nicht über Nacht aus den Köpfen der Menschen. Unser Guide auf der Bustour hat es meiner Meinung nach gut auf den Punkt gebracht. Es wird - fuck it - Generationen dauern, bis dieser ganze geistige Müll der letzten Jahrhunderten wirklich verschwunden ist. Bleibt zu hoffen, dass Südafrika diese Zeit bekommt...


Na, dann mal rein innen Knast...





Der zweite Teil der Tour wird von ehemaligen politischen Gefangenen der Insel durchgeführt. Da hört man doch noch etwas genauer hin.


Ab in die Section, wo Mandela 18 seiner 27 Knastjahre in einer winzigen Zelle verbracht hat.


Nelson Mandela im Gespräch mit Walter Sisulu. Hierbei handelt es sich um eine Art Propagandafoto der Regierung. De facto gab es natürlich auch im Knast selbst rassenbedingte unterschiedliche Behandlung der Häftlinge. Die Kombination "Schwarz" und "Politisch" war dabei dann sowas wie der absolute Zonk. Mandela und seinesgleichen haben in Wahrheit nie langärmlige Klamotten oder Schuhe tragen dürfen! Als Schwarzer durfte man nur kurzärmelig und barfuß in seiner Zelle sitzen. Und im Winter kann es schon mal etwas kühler werden hier unten...


"Auslaufbereich" und kleiner Garten von Nelson Mandela.



Blick in die Zelle des afrikanischen Übervaters. Am Sonntag hatte Nelson Rolihlahla Mandela (auch "Tata" oder "Madiba" genannt) übrigens seinen 92. Geburtstag. War 'ne große Sache in den einheimischen Medien. Mittlerweile ist Mandela auch schon wieder fast 20 Jahre in Freiheit...



Nicht schön, das Gefühl, hinter Gittern zu sein...



Nu aba wieder raus anne frische Luft...


Yeah, geschafft. Endlich wieder frei. Victory!


Yep, ist eine interessante Geschichte, die Südafrika da hat. Auf Wiki gibt's zum Thema Apartheid einen sehr guten, quasi allumfassenden Artikel, der das Thema ordentlich durchleuchtet: Sharpeville Massaker, Soweto Aufstand, Rivonia-Prozess, etc. etc. Bemerkenswert und positiv finde ich, dass das Thema "Versöhnung" ganz oben auf der Agenda der südafrikanischen Politik steht, seit dem Ende der Apartheid und mit dem Beginn des "neuen" Südafrika 1994. Man war sich bewusst, dass die Gefahr besteht, in eine "Rache-Kultur" zu verfallen, wie es vielleicht zum Teil in Zimbabwe zu beobachten war.  Die "Truth and Reconciliation Commission", in der u.a. auch Desmond Tutu mitgewirkt hat, wurde eigens zu diesem Zweck gegründet. Wie erfolgreich das funktioniert, weiß ich nicht. Es gibt definitiv noch eine ganze Menge Probleme in Südafrika. Und auch ein gewisser Exodus der Weißen ist zu beobachten. Vielleicht hat die WM etwas für diesen Prozess beigetragen, und Südafrika kann längerfristig davon profitieren. Bleibt auf jeden Fall spannend, wie das Land mit dieser Mammutaufgabe fertig wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten.

Well, soviel dazu. Am Mittwoch hatte ich auch endlich meinen Termin bei Atlantic Motorrad, der BMW Werkstatt meines Vertrauens, wo ich bereits letzten Freitag die Teile bestellt hatte. Ich hatte mir gleich für morgens um halb Acht einen Termin geben lassen, diesen dann aber grandios um drei Stunden verpennt. Mist. Ich hatte vergessen, den Kopfhörer aus dem Laptop zu ziehen, und so bimmelte mein Wecker stundenlang vergeblich...

Na ja, halb so wild, ich "durfte" mein Bike trotzdem noch abgeben, und Shane hat fleissig meine Liste abgearbeitet. Am Wochenende habe ich die 25000 Kilometer voll gemacht, seit meiner Abfahrt in Berlin. Mal sehen, bei wievielen Kilometern ich am Ende lande, mehr als die anfangs geschätzten 35000 werden's wohl auf alle Fälle. 

Als erstes der Motorschutz. Simon hatte mir ja damals in Kinshasa geholfen, die gebrochenen Schrauben wieder hinzubekommen. Und es hatte ja auch noch eine ganze Weile gehalten. Aber nu sollte ein neuer Motorschutz mit neuen Schrauben ran. Und diesmal wollte ich den "richtigen" Schutz. Das originale "Mini-Blech" halte ich für den Dirt Road Einsatz für definitiv nicht ausreichend.



Aber das schlägt auch ordentlich in die Portokasse. 2800 Rand kostet das Teil, ist zwar ein Original BMW Bauteil, aber trotzdem ganz schön heftig...


Die Schale mit dem Abblendlicht und Fernlicht ist jetzt wieder "in der Fassung". D.h. ich bekomme jetzt hoffentlich nicht mehr so oft Lichthupen, wenn ich mal im Dunkeln unterwegs sein sollte.


Die Nebelscheinwerfer waren beide "durch" und mussten ausgetauscht werden. 700 Rand pro Stück, ouch!


Ich bin mit meinem Schlüssel zur Einstellung der Vorderfeder einfach nicht mehr zurecht gekommen. Shane hat die Feder zwei Stufen härter eingestellt. Perfecto!


Damit mir nicht nochmal so eine "Scheiße" wie in Sambia passiert, wo mir so ein Depp 4,0bar auf den Hinterreifen drauf knallt, hab ich mir jetzt ein eigens vernünftiges Luftdruckmessgerät besorgt. Scheint ganz ordentlich zu sein.


Die Hupe, die seltsamerweise immer mal wieder ausfällt, was in bestimmten afrikanischen Gegenden durchaus ein Problem sein kann, hat Shane auch nochmal gecheckt. Sollte jetzt alles wieder wunderbar hupen ;-)


Meine neue Geheimwaffe gegen verschmutzte Visiere: Mr. Min! Wurde mir - ohne Quatsch - von mehreren unabhängigen Quellen empfohlen. Sowas wie Visierspray scheinen die hier gar nicht zu kennen. Na, ich bin mal gespannt...


Hier die "Endabrechnung" von der BMW Werkstatt. Knappe 6000 Ränder. Heiliger Strohsack, ich komm' noch in den Schuldenturm, wenn das so weiter geht...


Meine Boots haben ausgedient, das hab ich einfach mal so beschlossen. Ich hab' keinen Bock mehr auf kalte (und vor allem nasse!) Füße. Die Sohlen sind einfach mal hinüber und halten kein Wasser mehr ab. Da muss was neues her!


In 'nem Zubehör-Laden werde ich relativ schnell fündig, allerdings sind auch hier die Preise gepfeffert. 1800 Rands für meine neuen Boots. Happig, happig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die durchschnittlichen Preise hier eigentlich etwas niedriger sind als in Europa; das Lohnniveau ja sowieso...

Noch ein letztes Mal das geliebte und vertraute Fußaroma schnuppern. Welch olfaktorischer Genuß!


Tja, und das sind se, meine neuen Domina-Stiefletten. Die müssen sich ja erst mal beweisen, draußen, in der Wildnis. Aber Freddie scheint sie auf jeden Fall zu mögen.


Schon am Montag hatte ich meiner GS neue Reifen gegönnt. Ich hatte den Laden (Craigs Motorcycles) vorher im Internet ausfindig gemacht, angerufen und einen Termin vereinbart. Aber es wurde für mich fast zur unlösbaren Aufgabe, diese beknackte Adresse zu finden - trotz Navi. 79 Voortrekker Road. Wunderbar, kein Problem eigentlich. Aber warum man auf ein und derselben Straße immer wieder die gleichen Nummern vergeben? Es geht immer so bis 200/300, dann fängt die Nummerierung wieder von vorne an. Ich bin während meiner Suche sicherlich an fünf verschiedenen "79 Voortrekker Road" Adressen vorbei gekommen. Ätzend.


Na ja, dafür ging's dann vor Ort um so schneller. Ich habe einen neuen TKC80 Hinterreifen als Ersatz gekauft. Den aktuellen TKC80 Vorderreifen habe ich ausbauen lassen und nehme ich jetzt ebenfalls als Ersatz mit. Der alte TKC80 Hinterreifen kommt in die Tonne. Und ein niegelnagelneuer Satz Bridgies (Trail Wing) darf rauf. Das sind "ganz normale" Straßenreifen, die Originalbereifung meiner GS quasi. Ich rechne mir aus, dass ich damit auf den vor mir liegenden Straßen ganz gut zurecht kommen sollte. Ein bisschen Risiko ist es schon, aber dafür habe ich ja noch sicherheitshalber die TKC80 dabei. So, damit habe ich jetzt auf meiner Reise Vorderreifen Nr. 3 und Hinterreifen Nr. 5 aufgezogen, wobei zu sagen ist, dass ein Vorderreifen und zwei Hinterreifen bereits angefahren waren. Und einen der benutzten Vorderreifen habe ich ja auch noch dabei als Ersatz, der ist noch lange nicht hinüber... Trotzdem bleibt da schon ganz schön viel Gummi auffer Strecke.


Der Abschied aus dem SaltyCrax wird mir schwer fallen, soviel ist sicher. Im Laufe der Tage hier habe ich ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu den Wuffis, insbesondere natürlich (Gaylord) Freddie, aufgebaut, und ich werde sie bestimmt vermissen.


Wir waren wirklich ein eingespieltes Team. Freddie passte auf wie ein Luchs, dass niemand ungebeten mein Zimmer betritt.


Dafür durfte er nach getaner Arbeit selbstverständlich im flauschigen Bettchen die verdiente Ruhe geniessen. Feiner braver Freddie!



Well, und so richte ich meinen Blick jetzt mal janz klar Richtung Norden. Mal sehen, wie ich morgen aus dem Bett komme. Bis Windhuk sind's von Kapstadt aus ca. 1500 Kilometer, also zuviel für einen Tag. Aber bis zur Grenze sollte ich morgen eigentlich komen können, vorausgesetzt ich komme nicht erst um 1500Uhr in die Gänge...

Und so sage ich, auf Wiedersehen, es war mal wieder schön an's SaltyCrax. Hier wird in Zukunft sicher noch die ein oder andere Flasche Jägermeister vernichtet. Recht so.