Ich bin in den letzten beiden Tagen ganz gut voran gekommen und schon eine ziemliche Strecke durch Mali gerauscht. Gestern Abend dachte ich, bis nach Mopti kommen zu können. Das ist ca. 650 Kilometer nordöstlich von Bamako und eine Art Pforte in’s „Dogon Country“, eine wohl sehr reizvolle Gegend in Mali mit netten Leuten, dufter Kultur, schöne Landschaft u.s.w. Na wunderbar, laut Lonely Planet sollte es in Mopti bzw. dem benachbarten Sévaré dufte Hotels geben, wo ich mich am Abend mal richtig auschillen könnte. Die Nacht zuvor war nicht soo erholsam gewesen (aber dazu später mehr).
Na jut, kein Problem, ich bin gut vorangekommen, erst mal die 160 Kilometer von meinem Bush Camp vorletzte Nacht bis Bamako, dann mal schön rein in den Hexenkessel, von dem alle so geschwärmt haben. Und in der Tat, die Stadt ist der Hammer. Heiß, chaotisch, eng. Tres bien! Ich wollte in Bamako eigentlich nur frühstücken und evtl. mal ins Internet. Letzteres habe ich gelassen und habe eine Monster-Tofu Portion beim Chinesen zum Frühstück verdrückt. Gar nicht mal so unlecker. Well, derart gestärkt ging’s dann auf die noch lange Route nach Mopti. Nach knapp zwei Stunden war ich in Ségou, hatte also ein Drittel der gesamten Tour geschafft. Die Stadt zog sich ewig hin und mit wachsendem Interesse habe ich beobachtet, dass sich der Himmel am Horizont so seltsam verfärbte. Gab’s da sogar nen Regenbogen oder was? Hmm, also erst mal weiter und nach ein paar Kilometern war klar, was los ist: Sandsturm. Ei, ei, ei. Mein erster richtiger Sandsturm, dufte! Hab mal lieber keine Fotos gemacht, die Kamera wird’s mir hoffentlich danken. Der Luftfilter muss aber durch hier! Auf jeden Fall war’s interessant anzusehen, und es hat ganz schön gewindet. Okay, sehr zu meinem Erstaunen hat’s dann noch einer Weile angefangen zu tröpfeln, erst ein bisschen, dann richtig Sturmflut-mässig. Dabei dachte ich doch, dass es in Mali immer ‚schön‘ trocken ist. In den 70ern und 80ern gab’s aufgrund anhaltender Dürren ziemlich massive Hungersnöte… Außerdem ist jetzt alles andere als Regenzeit in Mali. Aber okay, da gab’s jetzt niemanden, wo ich mich beschweren konnte. Und nach einer Brücke (über’n Niger?) ging’s nicht mehr weiter. Ich musste anhalten und mir einen Unterschlupf suchen. Gesacht, getan. Unter so eine Butze gestellt und zwei Minuten später hält ein weißer Toyota-Jeep und zwei Obrunis springen raus. Roland und Denise, ein Schwyzer Pärchen. Na hoppla! Coole Sache, ich hatte sie wohl gerade überholt, aber gar nicht bemerkt. Sie mich hingegen schon und so kamen wir erst mal, während der Regen nieder geprasselt ist als gäbe es kein Morgen, nett ins Gespräch. Sie hatten seit ca. sechs Wochen keine Traveller mehr getroffen und waren entsprechend froh, mich zu sehen. Sie waren ca. drei Wochen in Guinea-Conakry unterwegs, eine ziemlich abgelegene und von den Reisenden zur Zeit eher gemiedene Gegend. Sie wollen auch nach Südafrika, haben dafür ca. ein Jahr Zeit und sind dementsprechend etwas entspannter unterwegs als meine Wenigkeit. Cool, cool, natürlich erst mal Kontakte ausgetauscht. Und dann mal gucken. Meinen Plan, heute bis nach Mopti zu kommen, hatte ich im Prinzip schon aufgegeben. Das Wetter hatte mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wäre wahrscheinlich sowieso eine Hetzerei geworden; tendiere leider immer noch dazu, mir ziemlich ehrgeizige Etappenziele zu setzen… Na ja, ist ja auch wurscht, auf jeden Fall planten Roland und Denise gleich in der Gegend auf einen etwas abgelegenen Camping- bzw. Bungalowplatz (von Europäern – ich glaube sogar Deutschen – betrieben) zu fahren. Nach 12 Kilometer auf der Teerpiste und dann noch mal ca. 40 Kilometer auf einer Nebenstraße bis zum Camp. Ich habe mich entschlossen, mit den beiden zu fahren und ebenfalls in dieses Camp zu gehen, vorausgesetzt die Straße dorthin ist nicht allzu übel (bei dem Regen weiß man ja nie, gel?). Okay, also haben wir gemeinsam den gröbsten Regen abgewartet. Ich war durschtig wie ne Ziege und hab mir dann bei den Locals so eine komische Ingwer-Plürre gekauft, drei Portionen. Ziemlich süß und natürlich ein übler Nachgeschmack durch den Ingwer, aber ansonsten ganz annehmbar. Wie es mit der Reinheit des verwendeten Wassers aussah, daran will ich lieber nicht denken. Aber so eine ordentliche Portion Darm-Trouble gehört ja nun mal auch dazu zu so einer Reise, oder? Übrigens gibt’s gerade in den Dörfern die erstaunliche Situation, dass man praktisch kein Wasser bekommt (weder in Flaschen, noch in diesen üblichen Plastikbeuteln). Es gibt alles Mögliche an Soft Drinks (süße Ekel-Plürre), aber kein Wasser. Das hat mir bis jetzt schon ein paar Kopfschmerzen bereitet. Ich meine, wenn man richtig fett am Schwitzen ist und dringend Flüssigkeit benötigt, ist Cola einfach total ätzend und man braucht janz einfach mal normales Wasser…
So, wir waren sehr froh, als der Regen nachließ. Also rauf auf’s Bike. Brumm, brumm machen und dann ab zum Camp. Hab mich schon innerlich gefreut, dass ich jetzt eine ‚Entschuldigung‘ hatte, nicht mehr weiter fahren zu müssen. War nämlich schon ganz schön platt und durchaus bereit für ne schöne Dusche oder sogar nen Schwimmingpfuhl… Dann kam die Dusche, allerdings etwas kälter als ich sie mir gewünscht hätte. Zündung eingeschalten, Starterknopf gedrückt: „Blöb, Blä, bläääääh“. Nix, keine Reaktion. Nochmal probiert, wieder das gleiche. Ein drittes Mal, da macht’s nur noch ein mitleidserregendes „klack“. Tja, sieht so aus, als ob die Batterie keinen Bock mehr hat, oder? Scheiße, scheiße. So ein Mist aber auch. Vielleicht waren diese Sturzfluten eben auch nicht so sonderlich förderlich? Keine Ahnung, zum Glück habe ich immer, wenn ich in Trouble bin, ein paar deutschsprachige Mitreisende um mich rum. Also Starterkabel rausgeholt und dann über die 24V Batterie von Roland fremdgestartet. Hat ne Weile gedauert, meinen Krempel aus den Koffern zu holen, mit den Reifen drauf ist es schon etwas umständlicher… Weiß gar nicht, wo die alle her kamen, aber sobald man mit dem Mopped ein offensichtliches Problem hat, zieht’s die Einheimischen an wie Fliegen in’s Licht. Eine ordentliche Traube beobachtet uns also beim Fremdstarten. Die Karre läuft aber wieder, ich ziehe mir wieder Helm und Handschuhe an und will gerade losfahren. Lege den ersten Gang ein und dann „bäääääh – blupp“. Aus, abgesoffen, keine Ahnung. Schöne Scheiße. Das darf doch nicht wahr sein. Bin nochmal in mich gegangen, konnte aber ausschließen, dass ich gerade an der Tanke war und Diesel getankt habe. Muss wohl ein anderes Problem sein. Scheiß drauf. Ich habe zwei Einheimische und Roland gebeten, mich an zu schieben. Das hat auch gleich beim ersten Mal funktioniert. Jetzt aber schön am Gas bleiben. Hohe Drehzahl, das tut der Batterie bestimmt gut. Vielleicht hat sie sich ja durch einen dummen Zufall gerade mal komplett entladen? Ich meine, so lange haben wir da ja nicht gestanden, aber vielleicht hatte ich noch das Fernlicht an oder so. Wer weiß. Erst mal versuchen, weiter zu fahren. Immerhin hatte ich ja noch Roland und Denise als Backup. Also sind wir die 12 Kilometer auf der Teerstraße weiter gedängelt. Und dann ging die Nebenstraße ab Richtung Camp. Der Plan war, erst mal ein paar Kilometer einzufahren und dann zu entscheiden, ob der Weg für uns okay ist. Nach ca. zwei Kilometern hatte ich für mich entschieden, dass er es nicht ist. Es war ziemlich modderig, die Pfützen waren eher kleine Seen und es war insgesamt sehr rutschig. Wenn ich solch eine Strecke nicht unbedingt fahren muss, dann lasse ich es lieber. Und diese Strecke würde mich sicherlich anderthalb Stunden kosten, auch morgen früh, wenn ich wieder zurück auf die Hauptstraße musste. Also wieder zurück. Roland und Denise wollten weiter fahren. Roland hat ein Aufladegerät für die Batterie dabei, wäre also sicher gut gewesen, bei ihnen zu bleiben. Wir tauschten noch die Malinesischen Handynummern aus, damit wir in jedem Fall im Kontakt bleiben können. Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße stirbt mir der Motor vielleicht 500-800 Meter vor der Straße nochmal ab. Schöne Kacke. Jetzt bin ich ganz allein in der Pampa. Ich schaffe es aber noch, das Mopped schweißgebadet bis zur Hauptstraße zurück zu schieben. Den erstbesten LKW halte ich an und bitte die Insassen, mich anzuschieben. Das hat schon nicht mehr so gut funktioniert wie beim ersten Mal, aber es hat funktioniert. Mittlerweile war es ca. 1700Uhr und ich hatte vielleicht noch eine, anderthalb Stunden, um Kilometer zu machen und mich in den nächsten größeren Ort (San) durchzuschlagen. Meine Hoffnung war, dass die Maschine aufgrund der geringen Drehzahlen auf dieser Nebenstraße (wo ich im ersten oder zweiten dahin getuckert bin) ausging und dass es jetzt besser funktionieren müsste, wenn ich schön am Gas bleibe.
Statt bis nach San kam ich aber nur noch bis in’s nächste Dorf, Touna, ca. 3 Kilometer hinter der Abzweigung zum Camp. Bei der Ortseinfahrt macht’s „bupp, blubba, bupp“ und wieder ist die Maschine aus. Okay, spätestens jetzt war mir klar, dass ich ein Problem habe. Roland und Denise waren auf dem Weg in ihr Camp. Segou in die eine Richtung war ca. 50 Kilometer, San in die andere Richtung ca. 120 Kilometer entfernt. Ich hänge in so einem Dorf rum, wo mich wahrscheinlich keine Sau versteht bzw. mir irgendwie weiter helfen kann. Yumm, yumm, yumm, was macht man denn da?
Erst mal was futtern! Trotz des Regens war’s schon wieder mächtig warm in meinen Motorradklamotten und ich habe gut Flüssigkeit verloren. Wasser gab’s keins in dem Ort. Irgendwie konnte ich mir eine Flasche Tonic und zwei Baguettes organisieren. Dazu noch das Wasser aus meinem 10L Kanister. Erst mal durchatmen und überlegen. Ich hatte keine Kohle mehr auf der Pre Paid Karte, aber natürlich gab’s auch in diesem Nest einen Verchecker, der mit weiter helfen konnte. Also 2000 CFA (5€) raufgeladen und Nina und Roland Bescheid jesacht und danach mit meinem Papa telefoniert. Nach ein paar Checks, die wir gemeinsam per Telefon am Mopped durchgeführt hatten, war klar: die Batterie ist komplett weg. Plan war jetzt, das Ding irgendwie aufladen zu lassen. Und mein Gefühl täuschte mich nicht, dass der Handykarten-Typ mir da weiterhelfen könnte. Also Batterie ausgebaut, und er ist mit dem Teil losgeschossen, vielleicht in’s Nachbardorf, keine Ahnung. Nach knapp einer Stunde war er wieder zurück – mit schlechten Nachrichten. Er meinte, die Batterie kann nicht mehr geladen werden, sie ist komplett geschrottet. Warum auch immer. Irgendwie überrascht mich das gar nicht. Meine weibliche Intuition hat dieser Batterie nie besonders großes Vertrauen geschenkt. Na ja, was nu? Mittlerweile war das halbe Dorf, definitiv aber alle Kinder des Dorfes, um meine Maschine geschart und beobachtete jeden Handgriff. Der erste Gedanke dreht sich darum „ist alles gut verschnürt?“ bzw. „hoffentlich klauen die mir nix“. Während der zwei-drei Stunden im Dorf kommt aber nix weg. Sie sind einfach nur interessiert, was da los ist. So ein Mopped sehen sie sicherlich auch nicht alle Tage. Und ein Weißer verirrt sich hier schon mal erst gar nicht. Anstrengend isses aber schon. Ich bin schon einigermaßen fertich für heute und würde jetzt viel lieber irgendwo am Pool sitzen, als mit einer defekten Batterie in einem Malinesischen Dorf zu hängen und nicht zu wissen, wie ich jetzt weiter komme. Richtige Panik kommt aber nicht auf bei mir. Irgendwie habe ich mittlerweile ein Vertrauen aufgebaut zu den Leuten hier und ich war mir sicher, dass sie mir schon irgendwie helfen würden. Und so war’s dann auch. Während ich selbst gar nicht mehr bis zum Motorrad kam aufgrund der ca. 50 Kinder, die dicht gedrängt drum rum standen, haben zwei-drei „Mechaniker“ (meine Boxen-Crew sozusagen) aus dem Dorf mittels einer alten Batterie eines Mercedes Starthilfe gegeben. Ich wusste erst nicht genau, was sie vorhaben und dachte, dass sie die Mercedes-Batterie eventuell fix einbauen, damit ich damit weiterfahren konnte. War aber wie gesagt erst mal nur Starthilfe, und sie haben meine alte, defekte Batterie wieder eingebaut.
Okay, ich fand’s trotzdem super cool und habe den Leuten 10000 CFAs (ca. 20€) als Dankeschön gegeben. Ich wusste selbst schon nicht mehr genau, was ich von dieser Lösung jetzt zu erwarten hatte, aber nach 30 Metern war die Maschine wieder aus. Aha, geht also definitiv nicht mehr mit meiner alten Batterie. Mittlerweile war’s schon schön finster und im Dunkeln mit ner Taschenlampe griffen meine Mechaniker zur ultimativen Waffe. Nützt alles nix, die Benz-Batterie muss ran, und zwar diesmal permanent. Nur mit Hilfe des Benz kann ich in die nächste Stadt kommen! Wir tauschen die Telefonnummern aus und ich verspreche, am nächsten Morgen zurück zu kommen und die Batterie wieder zu bringen. Davor muss ich natürlich eine neue besorgen in der Stadt. Ich hatte schon mit Roland telefoniert, und er hatte mir empfohlen, auf jeden Fall nach Segou zurück zu kehren und es nicht nach San zu versuchen. Segou ist wesentlich näher, außerdem gibt’s da eine ganze Reihe von Unterkunftsmöglichkeiten. Okay, mit der wunderbar improvisierten Lösung und der Benz-Batterie als zweites ‚Herz‘ neben der Sitzbank verabschiede ich mich aus dem Dorf, bedanke mich bei den coolen Leuten und trete meinen Rückweg nach Segou an.
Wieder mal eine Nachtfahrt, aber heute gibt es keine Alternative. Das Abblendlicht geht immer noch nicht, deshalb schleiche ich die 50 Kilometer bis Segou mit 40-45 über die Landstraße. Jeder LKW gibt mir Lichthupe, aber was soll ich machen? Es ist echt furchtbar unangenehm, in diesem Zustand, in diesem Land im Dunkeln zu fahren und ich zähle jeden Kilometer. Zwischendurch schiebe ich einen Film, dass ich vielleicht im Dunkeln irgendwo falsch abgebogen bin, denn die Stadt will und will nicht kommen. Nach einer scheinbar endlosen Tingelei ist es dann aber soweit. Ick bin in Ségou. Juchu! Ich fahre ein paar Kilometer rein in die Stadt, kann schon kaum noch was sehen, die Augen tränen vom hochgeklappten Visier, ich bin müde und will einfach nur noch in’s Hotel. Aber erst mal finden. Ich beschließe erst mal rechts ranzufahren und eine Kippe zu rauchen. Ist bestimmt eine gute Idee. Und siehe da, war’s auch. Ich gucke rüber auf die andere Straßenseite und sehe das Hotel Independance. Genau das, wonach ich gesucht habe. Also rüber mit der Karre und endlich rein in die gute Stube. Wird von zwei Franzosen betrieben, es gibt nen Pool und WiFi. Ich begeb mich noch ins Restaurant, zieh mir ne Pizza rein, telefoniere kurz mit daheim und hau mich dann ins Bett. Was für ein Tag!
Ich werde heute erst mal hier bleiben im Hotel in Ségou und etwas chillen. War doch etwas heftig gestern. Außerdem muss ich jetzt mal los und die Batterie besorgen – und natürlich in’s Dorf, um die Benz-Batterie wieder zurückzugeben. Stelle die Fotos später im Laufe des Tages ein. A plus tard, amigos!
... ein paar Stunden später ...
Yup, es ist 1845Uhr Ortszeit und ich sitze im Hotelrestaurant und warte darauf, dass ein Kellner kommt und mich nach meinen Wünschen befragt. Könnte noch etwas dauern. Es gibt zwar eine Menge Angestellte hier, aber die Service Qualität ist halt manchmal nicht soo rosig. Ist ja auch egal, ich werd's aushalten. Gestern abend habe ich einen Café au Lait bestellt, und der Kellner bringt mir mit besten Grüßen einen schönen extra starken Espresso. Statt der angekündigten 3 Kugeln Eis Schoko, Vanille und Erdbeer kommen Stracciatella, Minze (?) und Pfirsich (?). Als ich noch gemütlich beim Kaffee chillen möchte nach dem Essen suggeriert mir der Kellner, dass ich den Kaffee ja auch mit auf's Zimmer nehmen könnte und beginnt schon damit, meinen Tisch für das nächste Frühstück einzudecken... Na ja, so isses halt, nicht böse gemeint denke ich. Es sind schätzungsweise auch gerade mal zehn Gäste hier, vielleicht kommen sie da ein bisschen durcheinander...
Hab einen schönen ausgiebigen Mittagsschlaf gemacht, nachdem ich heute noch unterwegs war. Gemeinsam mit einem Hotelangestellten bin ich am späten Vormittag noch los inne City, um die Batterie zu besorgen. Wir sind in einer ganzen Menge von Läden gewesen, bevor eine 12V-Batterie dabei war, die in den dafür vorgesehenen Schacht meiner BMW passt. Sie hat 12Ah, ist also etwas schmalbrünstiger als die bisherige Batterie, so eine Blei-Säure Mischung. Alles nicht sooo optimal, aber es läuft. Das Mopped springt sofort an und scheint zufrieden zu sein. Hab allerdings noch nicht prüfen lassen, ob die Lichtmaschine überhaupt noch funktioniert, d.h. ob die Batterie beim Fahren überhaupt noch aufgeladen wird oder ob ich auch da ein Problem habe. Aber in meinem grenzenlosen Optimismus gehe ich mal davon aus. Von meiner alten (Original-)Batterie konnte ich mich noch nicht trennen. Werde sie wohl eine Weile mitnehmen, bis ich sie entsorgen lasse.
Die geborgte Mercedes-Batterie habe ich inzwisch zurück gebracht ins Dorf und ich hatte ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich ja versprochen hatte, am Morgen da zu sein. Es war dann aber erst gegen halb zwei, als ich schließlich im Dorf auftauchte. Und ich wurde schon erwartet. Wie schon gestern bildete sich auch heute rasch eine größere Menge an Schaulustigen und ich konnte noch ein paar Fotos schießen n Rettern und dem Dorf, in dem sie leben...
Typische Ortsdurchfahrt in Mali:
Auf dieser Bank links habe ich den Großteil des gestrigen späten Nachmittags / frühen Abends verbracht. Nach dem Regenguss musste ich dazu allerdings einen mittelgroßen Fluß überqueren, der zwischen Straße und den Geschäften dort verlief.
Yep, mit Müll wird hier nicht lange gefackelt, breitflächige Mülldeponie inmitten des Dorfes:
Da sind se, meine Helden. Auch wenn der Typ mit Mütze und Sonnenbrille mit Abstand am wichtigsten aussieht auf dem Foto; die wahren Experten waren der Typ im schwarzen Hemd etwas links im Bild und der im blauen Trikot in der Mitte. Merci beaucoup, Amigos!
Die Kinners von Tonah:
Da ich bislang nicht so oft am Straßenrand angehalten hab, um mal ein paar Bilder von der Gegend zu schießen, bin ich auf dem Rückweg von Tonah nach Ségou einfach mal angehalten und wollte lediglich mal ein Bäumchen fotografieren, ditte hier:
Aber da hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ich hatte das Mini-Dorf, was etwas abseits gelegen von der Hauptstraße war, gar nicht bemerkt. Vielleicht ist die Bezeichnung Dorf für diese Siedlung auch übertrieben. Auf jeden Fall kamen die Bewohner, zuerst die Kinder, dann immer mehr, bis das halbe Dorf auf den Beinen zu sein schien, auf die Hautstraße und die unausweichliche Fotosession konnte beginnen.
Yuti, was ist passiert seit meiner Abreise aus Tambacounda am Donnerstag?
Well, am Donnerstagmorgen hat’s sich doch noch ein bisschen hingezogen in Tambacounda. Die Aussicht auf ein leckeres Frühstück im Hotelrestaurant hat mich dazu bewegt, meine Abfahrt etwas hinauszuzögern. Na ja, der zeitige Vogel fängt den Wurm (oder so ähnlich). Meine Wurm-Fangquote hält sich bislang noch sehr in Grenzen. Aber dafür achte ich um so mehr darauf, dass ich immer genügend futtere!
Tschüs jesacht von der Hotel-Crew. Nette Leute, a bientot!
Ungefähr zur Mittagszeit war ich dann an der Grenze von Senegal zu Mali angekommen. Im Gegensatz zu den vorherigen Ländern (Marokko und Mauretanien) ging es im Senegal bislang regelrecht entspannt zu, was die Checkpoints und Polizisten betrifft. Kein Schwein wollte einen Pass oder einen Fiche sehen, an den Checkpoints wurde ich, wenn sie denn überhaupt besetzt waren, einfach durch gewunken. Ich hab mir schon seit einer Weile angewöhnt, an den Checkpoints ziemlich abzubremsen, den Blickkontakt zu einem der Uniformierten zu suchen und einmal anerkennend mit dem Kopf zu nicken, so nach dem Motto „Mann, du bist soo toll!“. Das finden sie offenbar ganz schnuckelig und sie nicken oder winken zurück, und ich kann wieder Gas geben, yeah!
Im Nachhinein betrachtet finde ich diesen ganzen Checkpoint-Terror in der West-Sahara und Mauretanien ziemlich lächerlich. Ich vermute, dass der Grund für die vielen Checks darin besteht, „Sicherheit“ zu gewährleisten. Das heißt, die Reisenden sollen beschützt werden und das versucht man dadurch zu gewährleisten, in dem man sie ständig kontrolliert, notfalls auch zweimal innerhalb von 500 Metern. Das erinnert mich doch sehr an die fantastischen Sicherheitskontrollen an unseren tollen Flughäfen. Man soll eigentlich beschützt werden, wird aber in letzter Konsequenz durch total sinnlose und überflüssige Maßnahmen erst recht terrorisiert. Ich meine, die gesamte Last zur Gewährleistung einer (nicht realisierten) Sicherheit wird auf die Leute gelegt, die eigentlich beschützt werden sollen. Weder im Flugzeug noch auf den Straßen Mauretaniens wird aber damit wirklich Sicherheit erzeugt. Wenn jemand einen Flieger zum Absturz bringen möchte oder einen Touristen in Mauretanien entführen möchte, dann schafft er das auch trotz der vielen Kontrollen. Ich denke ja, dass die bessere Strategie zur Wahrung der Sicherheit darin besteht, Terrorismus oder Fanatismus generell die Grundlage zu entziehen, z.B. durch eine faire Welt und Bekämpfung der Armut… Aber okay, dit führt mal wieder zu weit.
Auf jeden Fall hat’s mich ein bisschen Zeit gekostet, von Kidira (Senegal) nach Diboli (Mali) die Grenze zu passieren. Allerdings nicht wegen übertriebener Sicherheitsvorkehrungen, sondern weil’s einfach mal ein bissel chaotisch, sprich undurchsichtig war. In Kidira angekommen, bin ich gleich mal nach Mali über die Brücke rüber gefahren, hab aber gestutzt, als ich schon die Butze mit dem Malinesischen Zoll vor mir hatte. Ich hatte ja gelernt, dass es richtig wichtig ist, alles schön abstempeln zu lassen und die „Prozesse“ korrekt zu befolgen. Also erst mal zum Senegalesischen Zoll, mein Mopped austragen lassen aus dem Reisepass, dann zu den Senegalesischen Bullizisten und dann erst rüber nach Mali. Puh, leider waren der Zoll und die Polizei nicht da, wo man sie vielleicht erwarten würde (an der Grenze?), sondern irgendwo versteckt in Kidira. War eine schöne Rundfahrt durch dieses ziemlich trübe Nest, bis ich endlich meine Stempel beisammen hatte und rüber konnte über die Brücke nach Mali.
Auf der Malinesischen Seite dann noch mal das gleiche, zum Zoll und zur Polizei. Hoffentlich ist da alles okay gelaufen, ich hatte diesmal vom Zoll keinen Eintrag meines Moppeds in den Pass bekommen, sondern nur so eine komische Wartemarke, die ich dann bei der Grenzkontrolle vorgezeigt und abgegeben habe. Na ja, werde es spätestens merken, wenn ich nach Burkina Faso weiterfahre, ob da was fehlte…
In Mali sind die Straßen eigentlich unverändert gut bis okay. Well, es gibt schon einige Schlaglöcher, die auch mal etwas größer sein können (und eine komplette Fahrspur in Anspruch nehmen), aber in der Regel sind sie gut zu sehen, und gerade mit dem Mopped kann man sich ganz ordentlich durchschlängeln. Wenn ich mal ein kleineres Schlagloch übersehen habe und eine ausreichende Geschwindigkeit drauf hatte (80 oder so), war’s auch kein Problem. Da fliegt die Maschine praktisch drüber. Geschwindigkeitslimits gibt’s zwar (90 auf der Landstraße, 40 oder 50 in der Ortschaft), sind aber meiner Meinung nach eher Interpretationssache. Das handhabe ich genauso wie in Deutschland. Wenn’s in einer Kurve heißt „50“, dann gehe ich etwas runter vom Gas und fahre statt 120 eben 90 oder 100 durch. Ganz ehrlich, in den allermeisten Fällen kann man das Geschwindigkeitslimit mit 2,5 multiplizieren, um die angenehme Reise-Cruising-Geschwindigkeit zu ermitteln. Die Polizei regt sich auf jeden Fall nicht auf, wenn man mal ein bisschen flotter unterwegs ist. Im Gegenteil, die scheinen sich sogar zu freuen, wenn man mal ein bisschen Gas gibt und den Motor etwas aufheulen lässt. Wie auch beim Rest der Bevölkerung erregt die Maschine insbesondere auch bei den Polizisten großes Interesse und sie fragen hin und wieder mal nach ein paar technischen Details.
Im Gegensatz zum Senegal gibt’s in Mali wieder „Peage“, also Mautstraßen, was allerdings nicht heißt, dass die Straßen auf solchen Strecken irgendwie erkennbar besser wären als auf Nicht-Mautstraßen. Ist ja auch egal, als Moppedfahrer bin ich von der Maut befreit und muss lediglich Slalom durch die Absperrungen der Mautstationen fahren. Bemerkenswert vor allem in Mali fand ich, dass auf einen fahrenden LKW scheinbar zwei kommen, die irgendwo relativ unmotiviert am Straßenrand abgestellt wurden mit irgendeinem Defekt oder Reifenplatzer oder sonst was. Extrem hohe Ausfallquote bei den Kollegen hier. Auch Auto- bzw. LKW-Wracks habe ich eine Menge gesehen. Die sehen dann echt so aus, als ob sie vor zwei Stunden da gestrandet wären und dann einfach zurückgelassen wurden. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig das Ganze und man muss natürlich wieder aufpassen, weil es immer sein kann, dass hinter einem solchen LKW jemand hervor springt auf die Fahrbahn. Also immer schön auf der Hupe bleiben!
Yupp. In Mali ging’s wie gewohnt gut voran. Durch Kayes, die erste größere Stadt durchgerauscht, dann nach Diéma zum Tankstopp. Und was trinken/futtern. Ich merke es teilweise nicht so krass, aber ich verliere schon eine Menge Flüssigkeit während des Fahrens. Dabei halten sich die Temperaturen für meine Begriffe absolut in Grenzen. In Ganz Mali hatte ich bislang höchstens 43°, also ein ganzes Stückchen von den befürchteten 50 entfernt. Ab Freitag bewegten sich die Temperaturen auch ‚nur‘ noch in den hohen Dreissigern. Also, ich finde, da kann man sich nicht beschweren. Ist zwar schon warm-heiß, aber okay, wir sind ja mal in Afrika, oder? Da kann man ja auch mal erwarten, dass es etwas sonniger ist als z.B. in der Eifel.
Die große Frage war, ob ich es noch bis Bamako schaffen würde. Nach Diéma war Didjeni die nächste Zwischenstation auf dem Weg nach Bamako. Es war ca. 1730Uhr, als ich Didjeni ankam und da merkte ich, dass ich mich schon eine Weile schnurstracks Richtung Osten bewegte. Die Zeitzone war immer noch dieselbe wie in St. Louis, aber ich war mittlerweile 8 Breitengrade weiter östlich. D.h. die Sonne ging um einiges zeitiger unter, als ich es gewohnt war. Bis Yaounde (Kamerun) geht’s übrigens nochmal 20 weitere Breitengrade gen Osten…
Es hatte keinen Sinn, um 1800Uhr dämmerte es schon, und ich beschloss, die 160 Kilometer nach Bamako auf den nächsten Tag zu verschieben. Nach Didjeni, ein ziemlich keines Dorf eigentlich, bin ich reingefahren, um nochmal Getränke und was zu Futtern aufzutreiben. Wie immer, wenn ich irgendwo anhalte, bildet sich sofort eine kleine Menschenmenge, die konstant anwächst, um so länger ich da bleibe. Das ist auf der einen Seite ganz witzig, auf der anderen Seite kann man in solch einer Situation natürlich nicht so optimal chillen und mal was futtern.
Was die Leute hier auch extrem witzig finden, ist, wenn ich sie mit der Digicam fotografiere und ihnen dann auf dem Display der Digicam die Fotos zeige. Das erzeugt immer wieder maximalen Spaß und allgemeine Belustigung. Ich amüsiere mich dann immer ganz prächtig, und wir alle sind am Lachen. Toll, wenn Technik so begeistert, oder?
Ich musste aber wieder los, es dämmerte ja schon kräftig, und an ein Hotel oder so in diesem Dorf war nicht zu denken. Deshalb: Bushcamp heute! Ich hatte mir schon vorher ein paar Plätze links und rechts von der Hauptstraße ausgeguckt. Und ab ging’s wieder zurück Richtung Diéma, ca. 8 Kilometer nach Didjeni bin ich dann links in den Busch abgebogen und 500 Meter später war ich der Meinung, dit is ne dufte Location zum Zeltaufbauen.
Gesagt, getan, Zelt aufgebaut, alles schön gemütlich eingerichtet. Ach, wie romantisch! Meine erste richtige Nacht im afrikanischen Busch, Mann-o-Mann, coole Sache, Crocodile Dundee! So ganz 100% behaglich war’s mir allerdings nicht. Meine letzte Erfahrung mit der Camping-Location war ja nicht so astrein. Nach 1-2 Stunden war ich mir jedoch sicher, dass hier keiner vorbei kommt. War schon ganz gut abgelegen, auch wenn die Hauptstraße nicht allzu weit weg war und ich die LKWs ziemlich deutlich hören konnte. So, noch Nina angerufen und stolz berichtet, wie tapfer ich hier im Busch sitze. Yummie! So kam ich auch noch in den Genuss einer Live-Schaltung zum Rückspiel des Champions League Halbfinals zwischen Barca und Inter. Piques 1:0 hat ja nicht so richtig ausgereicht, also heißt es jetzt im Finale Inter gegen Bayern in Old Trafford. Dit wird ein heißer Tanz, und irgendwie traue ich Bayern gegen Inter mehr zu als gegen Barca. Mal schauen!
Ein heißer Tanz war’s dann auch mit der Übernachtung. Alle Klamotten, Koffer und was weiß ich was waren im Laufe des Tages ziemlich heftig aufgeheizt worden. Es waren heute ja nochmal 43 Grad da draußen. Und obwohl die Sonne weg war, war’s auch nachts immer noch ziemlich warm. Ich brauchte richtig lange, bevor ich aufgehört hatte zu schwitzen. Dann nochmal eine kleine Dusche mit Hilfe meines 10 Liter Kanisters. Aber immer noch irgendwie zu warm zum pennen. Ein paar Stunden versuche ich, im Zelt einzupennen. Aber es ist zu warm, ich schwitze. Außerdem nerven mich das Geraschel der Alufolie, auf der ich mein Zelt immer aufbaue sowie der Lärm von der Straße. Dazu höre ich noch alle möglichen anderen Geräusche und stelle mir in meiner Phantasie vor, von diversen gefährlichen Raubtieren umzingelt zu werden. Nach einer Weile habe ich die Nase voll und verziehe mich mit meiner Isomatte nach draußen, im Zelt geht’s schon mal gar nicht. Aber auch draußen ist es nicht viel besser. Etwas frischer zwar, aber dafür scheint der Mond so stark, als würde jemand nen Scheinwerfer auf mich richten.
Keine Ahnung, wie lange ich dann wirklich geschlafen habe. Habe aber geschlafen. Und mein erster Gedanke nach dem Aufstehen war ein schöner Swimming Pool in einem Hotel in Mopti. Diese Nacht war Motivation genug, um mich bis nach Mopti zu bringen heute. Eine schöne Abkühlung, Wasser, yes, das war alles, was ich wollte. Dass es ein so langer Tag werden sollte, habe ich da natürlich noch nicht geahnt.





