Ist ja auch schön hier, wenngleich nicht der günstigste Ort ‚to be‘. Es gibt zwar auch einige französischer Urlauber, die hier her kommen – teilweise wohnen sie aber irgendwo hier in der Nähe, im Senegal, in Mali etc. – aber der Schwerpunkt liegt auf jeden Fall auf Individualreisenden, die mit ihren Jeeps oder Moppeds eine Erholungseinheit einlegen. Da gibt’s dann natürlich eine Menge zu erzählen und auszutauschen. Abends sitzt man dann nett zusammen an einer großen Tafel zum Futtern und so kommt man sehr gut in Kontakt mit allen, die da sind. Dementsprechend gut gefüttert mit neuen Infos verlasse ich auch die Zebrabar.
Auf dem Gelände der Zebrabar gibt’s ne ganze coole Aussichtsplattform, auf die man rauf klettern und sich dann den ganzen Spaß mal von oben anschauen kann. Nach reiflicher Überlegung habe ich den Aufstieg dann mal am zweiten oder dritten Tag gewagt und war begeistert. Schön hier!
Das Gelände ist liebevoll hergerichtet und, na ja, lädt einfach mal zum Faulsein ein. Hat mich vom Konzept her ziemlich an die Green Turtle Lodge in Ghana, Busua/Dixcove, erinnert, wo wir im Februar mit Nina so richtig schön ‚hängen geblieben‘ sind. Von solch einem Ort möchte man einfach nicht mehr so gerne weg.
Ein paar Tierchen zum Knuddeln gibt’s auch noch, als da wären: „Miez the Mauz“, zur Abwechslung mal eine ganz gepflegte Miezekatze in Afrika mit einer Lebenserwartung, die wohl mal über zwei Jahre liegt. Dann noch zwei putzige Schnuffis. Und natürlich Fury, das Pferdchen. Da muss man immer mal aufpassen, wenn man noch etwas verpennt aus seiner Butze kriecht, um zum Klo zu gehen. Fury-lein legt gerne mal auf dem Gelände einen kurzen Zwischensprint ein und dann sollte man lieber nicht im Weg stehen… Meinen Annäherungsversuchen gegenüber war das Pferdchen etwas skeptisch eingestellt. Ich hab’s nicht geschafft, es mal zu streicheln. Wahrscheinlich hätte ich besser nicht ‚laut denken‘ sollen, dass ich mich mal auf seinen Rücken schwinge und es als Fortbewegungsmittel zwischen meiner Butze und dem ‚Restaurant‘ auf dem Gelände benutze. Da hat es sicher Rot gesehen und den nächsten Bandscheibenvorfall vor der Tür. Und dann die ganzen nervtötenden Besuche beim Tier-Orthopäden. Lieber nicht. Ich glaube, auf den Rücken des Pferdchens durften sowieso nur ausgesuchte Kinners, keine 120 Kilo Berserker von meinem Kaliber. Schade.
Meine ‚Spezis‘ in den letzten Tagen waren vor allem Sam und Simon, die beiden Engländer, die ich schon in Nouakchott kennengelernt hatte und die einen längeren ‚Stay‘ in der Zebrabar eingelegt haben. Sie wollen ein paar Sachen an ihrem Jeep fixen, auch einen ‚offiziellen‘ Service in der Toyota-Werkstatt in St. Louis machen, und nach einer Weile hatten sie auch das notwendige Ersatzteil für ihren Fensterheber gefunden bzw. mit ein bisschen nachfeilen ‚passend‘ gemacht. Martin, der Schweizer der die Zebrabar betreibt, hat Simon einen entsprechenden Mechaniker besorgt, der ihm bei dieser Anpassung behilflich ist. Ich glaube, sie wollen am Dienstag oder Mittwoch aufbrechen. Allerdings werden sich unsere Routen wohl nicht mehr kreuzen, da sie eine ganze Weile in Westafrika zubringen wollen und wahrscheinlich erst im Juni oder so in Ghana sein wollen.
Ich war mit den beiden auch mal in St. Louis, was futtern. Und danach hat uns ein ziemlich zugedröhnter Senegalese irgendwie bequatscht, mit ihm zu einem ‚Konzert‘ zu gehen. Wir waren ziemlich skeptisch, sind dann aber doch hinterher getrottet. Nach einer Weile waren wir dann beim Konzert. Fünf Trommler, drei Besucher (ich, Sam und Simon). Well. Die Jungs gaben sich Mühe, aber trotzdem war’s natürlich ne etwas peinliche Angelegenheit. Nach einem Drink und ner guten halben Stunde kamen dann noch zwei weitere ‚irre geleitete (?)‘ Weißhäute des Weges und wir konnten wieder das Feld räumen. War gar nicht so leicht, unseren ‚Berater‘, den bekifften Senegalesen, wieder los zu werden. Obwohl das Taxi zur Zebrabar mit fünf Leuten (die Ehefrau des Taxifahrers begleitete ihn auf all seinen Fahrten…) durchaus gut gefüllt war, wollte er sich auf jeden Fall auch noch irgendwie mit rein quetschen und aus welchem Grund auch immer mit uns zur Zebrabar fahren. Wahrscheinlich um mir weiter auf den Geist zu gehen. Er hatte mir, als ich mal in Ruhe eine Kippe rauchen wollte, so einen komischen Schmuck um die Hand gemacht, den ich später kaum wieder abbekommen habe. Er dachte sicher, dass er mit damit das Gefühl vermittelt hätte, ich würde ihm irgendwas schulden. Und er laberte danach ständig irgendwas von „Participation“ und „Help“ und bla bla bla. Aber da hatte ich keine Nerven für an diesem Tag.
Neben Simon und Sam – das ist der jüngere der beiden (Onkel und Neffe) , mit dem ich mir einige packende Partien Fooseball (Tischfußball) geliefert hatte – gab es natürlich noch eine Menge weiterer interessanter Leute in der Zebrabar. Der Norweger, von dem ich schon erzählt hatte, Elding heißt er übrigens, ist aber schon am Samstag oder so nach St. Louis weiter gedüst. Ihm war’s zu ruhig und abgelegen in der Zebrabar. Musste wohl noch ein paar Sachen in der Stadt erledigen.
Monika, von der ich auch schon erzählt hatte, ist ja bereits eine Weile (5 Wochen oder so) auf dem Gelände und veranstaltete Abends vor ihrer Butze immer nette Get-Together-Events mit den anderen Travellern und auch die Mitarbeiter der Zebrabar haben sich des Öfteren mal dazu gesellt. Lagerfeuer, ein paar Stühle ringsum und meistens gab’s auch anständig was zu bechern. Sehr witzig.
Gleich jeht's wieda los mit schick Feuerchen und gemeinsames Abhängen bis der Arzt kommt...
Mal schau'n, wie lange es Monika hier noch aushält inner Zebrabar. Potential, ne kleine deutsche Stachelhecke aufzuziehen, ein paar anständige Gartenzwerge aufzustellen und 'nen Bratwurschtstand aufzubauen, gibt's ja reichlich. Wäre vielleicht auch 'ne coole Maßnahme à la "fuck the system", inmitten der Zebrabar eine kleine Parallelwelt entstehen zu lassen...
Sie nutzt die Zeit, während der sie hier ‚fest hängt‘ und auf eine Mitfahrgelegenheit irgendwohin wartet, mit Trommelunterricht, Ausflügen in die Nachbardörfer, und sie ist mittlerweile auch schon ganz gut ‚in touch‘ mit den Einheimischen hier…
Ich glaub am Samstag war’s, als Kim und Tanja mit ihrem Toyota-Jeep auf dem Gelände ankamen. Die beiden kommen aus Heilbronn und sind seit drei Jahren on the road, haben natürlich auch ne schicke Webseite. Geplant war mal ein Jahr durch Afrika, aber als sie dann erst in Tanzania waren, haben sie die Dauer ihres Trips mal spontan ein wenig erweitert. Sie machen meine Tour praktisch im Uhrzeigersinn, also genau umgedreht zu meiner Route. Mittlerweile haben sie genug von Afrika und wollen in sechs Wochen wieder daheim sein in der Heimat, wo sie ihr Heim haben… Die beiden waren sehr angenehm und entspannt, und an Monikas Lagerfeuer haben sie so einige interessante Anekdoten rausgehauen.
Witzig fand ich zum Beispiel die Geschichte vom „Dragon Man“. Das ist so ein Reiseunternehmen, welches Überlandfahrten durch Afrika in solchen riesigen Trucks anbietet. Wird in erster Linie von Engländern und Australiern genutzt. Und das müssen wohl so richtige Ballermann-Touren durch den schwarzen Kontinent sein. Party ohne Ende. Die Leute sitzen in den Trucks auf ihren Bänken und fangen schon während der Fahrt an zu saufen, dann wird ein Campingplatz gestürmt. Wenn man nicht schnell genug weglaufen kann, wird man unter dem Meer ihrer Zelte begraben. Eine regelrechte Invasion eben. Und dann geht’s los. Party bis um vier Uhr morgens, ab in den Truck zur Weiterfahrt um fünf Uhr morgens. Und das jeden Tag. Junge, Junge!
Ah well, und dann gab’s natürlich noch Raphael und seine Familie, ein echt witziger Typ, von dem ich lange nicht wusste, woher er eigentlich kommt.
Also, Raphael und seine Frau sind französische Staatsbürger, haben aber ihre Wurzeln in Afrika. Raphael in Guinea und seine Frau in Mali. Seit ca. sechs Jahren leben sie in Bamako, Mali, mit ihrer Familie und arbeiten dort als Lehrer. Sie bereisen Westafrika ziemlich intensiv, erstens um ihren eigenen Wurzeln auf die Spur zu kommen und zweitens, um ihren Kindern einen entsprechenden Bezug zu vermitteln. Langfristig wollen sie noch weiter in den Süden, auf eine französische Insel in der Nähe von Madagaskar. Hab leider den Namen vergessen, ist in der Nähe von Le Reunion. Coole Sache, Raphael spricht auch ein sehr passables Englisch und so kommen wir sehr oft ins Gespräch und ich bekomme auch von ihm eine Menge Tipps für die Weiterreise.
Ob es sich Raphael gut überlegt hat, das halbe Camp zu sich nach Hause nach Bamako einzuladen, weiß ich aber nicht. Sein Problem wird sein: wir kommen! ALLE! Na, ich bin mal gespannt...
Darüber hinaus gibt’s noch eine Reihe weiterer Traveller, mit denen ich aber nicht weiter in Kontakt gekommen bin. Strengt ja auch ein bisschen an die vielen Gespräche, auch wenn sie immer super interessant und für mich nützlich sind. Zwei ziemlich junge Kanadier sind in einem Truck unterwegs und nehmen eine ziemlich außergewöhnliche Route an der west-afrikanischen Küste entlang über Guinea, Sierra Leone, Liberia und so weiter. Wahrscheinlich auch gut möglich, wird aber von den allermeisten Leuten im Moment aufgrund der Sicherheitslage gemieden. Zwei französische Motorradfahrer verpasse ich leider. Sie sind mit ihren BMWs unterwegs und bleiben offenbar nur eine Nacht. Wäre ja mal gespannt gewesen, wo es sie hingezogen hat oder ob sie vielleicht einfach nur eine Spritztour von Dakar hierher unternommen haben. Es gibt ja wie gesagt eine Menge Franzosen, die hier einfach in der Gegend leben…
Well, fassen wir mal kurz zusammen, was wir von den Kollegen in den letzten Tagen bzgl. der weiteren Route so erfahren haben. Erkenntnis Nummer 1 ist, dass es heiß wird, sehr heiß, um genauer zu sein. Ab Mali werden die Temperaturen deutlich über 40 Grad sein. Die beiden Heilbronner sind regelrecht vor der Hitze im Osten geflohen und in einer 1200 Kilometer Gewalttour bis an die Senegalesische Küste durch geprescht. Au Mann. Raphael bezeichnete seine derzeitige Heimatstadt Bamako als „Hell’s Kitchen“, kaum auszuhalten in der jetzigen (heißesten) Phase des Jahres. Wunderbar! Außerdem gibt’s dort auch einige Sicherheitsprobleme, allerdings in erster Linie nachts. Deshalb: don’t drive at night! Es gibt sogar Carjacker, die sich auf Moppeds (allerdings die kleinen Roller der Einheimischen) konzentrieren und mit über die Straße gespannten Seilen arbeiten. Ouch! Das klingt echt übel.
Für Kayes (Hotel Khasso), Bamako (Hotel Tamana) und Quagadougou (Okay Inn) bekomme ich Tipps bzgl. guter Unterkünfte (mit WiFi und anderen Travellern vor Ort). Getrieben durch Simon setzen wir uns eine Stunde zusammen mit Kim, dem Heilbronner, hin und gehen die Route bis nach Südafrika durch. Ich lerne, dass ich in Kamerun wohl ein Stückchen durch die Regenzeit komme, diese sich aber, sobald ich südlich des Äquators bin, umkehrt und erst im November startet. D.h. Kamerun wird eine Herausforderung. Außerdem gibt es dort auf meiner Route ca. 270 Kilometer „dirt road“, die aber größtenteils ‚okay‘ ist. Well, schau’n mer mal. Ansonsten ist die Straße durch Mali, Burkina Faso und Niger wohl ganz ordentlich, allesamt geteert. In Mali, nach Bamako, habe ich die Option, in den Norden zu fahren nach Mopti. Das ist wohl eine sehr geile Gegend, hat aber den Nachteil, nicht auf meiner direkten Route Richtung Osten zu liegen und außerdem schlechtere Straßen als die ‚main route‘. Wahrscheinlich werde ich Mopti knicken, ist mir sicher sowieso zu heiß und ich will so schnell wie möglich durch diese Hitze-Hölle rauschen…
Die Bekanntschaften on the road mit anderen Individualreisenden werden sich wohl spätestens ab Quagadougou mächtig ausdünnen. Laut Kim sind die meisten Leute schon ‚durch‘ diese Gegend gefahren und bereits südlich des Äquators. Es sind danach nur noch sehr wenige Leute unterwegs und es wird einigermaßen schwierig werden, Konvois zu bilden. Schade, denn gerade für die Strecken durch Niger, Nigeria und Kamerun würde ich liebend gerne mit ein paar Leuten gemeinsam fahren. Aber mal sehen, vielleicht ergibt sich etwas. Kim meinte auch, dass er ziemlich erstaunt war, als er selbst in Ghana noch Konvois von holländischen Campern getroffen hat, die zu acht von Holland durch das komplette Westafrika mit ihren Wohnmobilen gedüst sind. Soviel zum Thema „Abenteuer Westafrika“!
In Kamerun werden wie gesagt die größten Probleme die Regenzeit in Teilen des Landes sowie die 270 Kilometer „dirt road“ sein. Im schlimmsten Fall muss ich auf der „dirt road“ einen LKW fragen, ob er meine Maschine auflädt und mich durch diese Region ‚mit schleppt‘. Aber ma gucken, ich möchte ja schon so viele Kilometer wie möglich selbst auf dem Mopped machen und so wenig wie möglich als Passagier auf einer Fähre oder auf nem LKW.
Mein Plan, über Cabinda nach Angola einzureisen, ist wahrscheinlich auch eine Schnapsidee. Ich hatte mir gedacht, dass es eine Fähre von Cabinda nach Angola geben müsste. Davon weiß aber niemand etwas. Wahrscheinlich gibt es die gar nicht. Außerdem ist die Sicherheitslage in Cabinda – sagen wir mal – nicht so doll. Es gibt kaum bzw. keine Leute, die diese Route wählen. Stattdessen fahren die Leute von Kamerun nach Gabun, dort dann ein ganzes Stück in östlicher Richtung über ziemlich bescheidene Straßen (Elding, der Norweger, meinte, das sind die übelsten Straßen in ganz Afrika) weiter in den Congo und dort nach Brazzaville. Dann rüber nach Kinshasa in die DRC. Ein Land, das ich eigentlich meiden wollte. Sollte man aber die 1100Uhr Fähre von Brazzaville nach Kinshasa bekommen, hat man gute Chancen, bis zum Nachmittag zur Angolanischen Grenze weiter zu fahren. Leider gibt es nur zwei Fähren täglich an der Grenze zwischen Congo-Brazzaville und der Democratic Republic Congo und die Fahrt auf der Fähre und der anschließende Grenzeintritt in der DRC sollen wohl alles andere als ein Zuckerschlecken sein. Besonders die Einheimischen werden von den dortigen Grenzposten wie Vieh behandelt und man braucht zwingend einen Guide für die Grenzformalitäten in Kinshasa. Sonst hat man keine Chance. Hmm, ein bisschen blöd. Zumal ich mir dann noch in Brazzaville ein Visum für die DRC besorgen muss. Aber vielleicht nutze ich dann auch die Gelegenheit und quartiere mich für eine Nacht in’s Intercontinental in Kinshasa ein, ein Hotel, über das ich schon eine Menge gelesen habe in meinem Mobutu-Buch. Da ging’s ganz schön ab Ende der Neunziger, Anfang der 2000er. Na ja, okay, ist ja noch ein Stückchen hin. Ich denke, ich werde noch ein bisschen mehr Infos bekommen, wenn ich weiter in diese Richtung fahre. Und, vor allem, muss ich erst mal dahin kommen. Yaounde in Kamerun ist der nächste große Meilenstein. Da werde ich mir dann wieder ein paar Tage Auszeit gönnen, im Hilton in Yaounde oder vielleicht auch irgendwo am Strand, z.B. in Kripti. Da soll’s sehr schön sein. Und vielleicht kommt meine Süße dann ja auch nach Yaounde und wir können diese Zeit gemeinsam genießen. Yummie!
Von Kim bekomme ich dann noch eine ziemlich detaillierte Anleitung, wie ich am besten Angola in fünf Tagen durchkreuze. Die Straßen in Nord-Angola bis Luanda sind wohl noch mal richtig übel, danach beruhigt es sich aber wieder und es geht auf einer annehmbaren Teerstraße weiter Richtung Süden. Auch wenn ich merken sollte, dass ich es nicht innerhalb von fünf Tagen in Angola schaffe, sollte ich trotzdem weiter zur Grenze fahren und auf gar keinen Fall nach Luanda, um dort z.B. das Visum verlängern zu lassen. Dies ist nahezu aussichtslos, die dortigen Behörden stellen sich stur, haben keinen Bock oder sonst was. Laut Kim ist Angola ein herrliches Land und auch die Leute sind wahnsinnig nett. Nur die Behörden – die kannste inne Tonne treten. Keine Chance. Außerdem bietet Luanda wohl das größte Verkehrschaos überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent…
Habe mir alles fein notiert, und spätestens an der Angolanisch-Namibischen Grenze beginnt für mich dann wieder das Wellness-Cruisen ;-)
Am Samstag gab’s dann für ein bis zwei Stunden ausnahmsweise mal eine Riesenhektik auf dem Gelände der Zebrabar. Alle Leute, die ich kannte, wurden in eine noch nie da gewesenen Suchaktion involviert. Irgendwie war mir meine geliebte Paperdose abhanden gekommen auf dem Weg vom Restaurant zu meiner Hütte. Panik. Angst. Namenloses Entsetzen. Wer mich kennt, weiß, wie viel ideeller Wert für mich in dieser ranzigen Dose steckt. Ich war aber zuversichtlich, dass sie nicht weg sein konnte, hatte mir ja eben noch eine Kippe gedreht. Aber nach einer Stunde oder so war ich dann schon ganz schön beunruhigt. Ganz schöne Scheiße. Ich habe dann bestimmt dreimal meine Hütte auf den Kopf gestellt und alles durchsucht. Na ja, und beim vierten Mal habe ich sie dann gefunden. Lag ganz brav und unschuldig neben dem Handy auf dem Nachttisch. Hmm, okay. Die ganze Panik umsonst. Puh, aber Hauptsache, das Ding ist wieder da, yummie! Danach habe ich mir aber überlegt, dass es eigentlich ganz schön blöd ist, so sehr an bestimmten materiellen Dingen zu hängen. Das erzeugt Abhängigkeit und Unfreiheit. Vielleicht wäre es ja eine schöne Geste, meine geliebte Paperdose, sollte ich denn in Südafrika am Kap der Guten Hoffnung ankommen, dort einfach zu verbuddeln und so der Erde ‚zurück zu geben‘ in einer Art ritueller Zeremonie. Asche zu Asche, Sand zu Sand…
Yep, was ist sonst noch gelaufen an der Zebrabar? Ich war natürlich nicht komplett faul, und auch wenn es mir schwer fiel, habe ich mich doch ab und an aufgerafft, etwas ‚zu erledigen‘. So habe ich mit aller innerer Disziplin Waschtag Nummer 2 durchgezogen. Klamotten wohlgemerkt, geduscht habe ich noch gar nicht (scherz!). Nee, also das zweite Mal die Klamotten gewaschen. Ging schon besser als beim ersten Mal in Chefchaouen in Marokko. Nehmen wir mal 30 Tage unterwegs, jeweils drei Paar Unterhosen und Socken sowie die zweite Wäsche jetzt, dann ergibt das eine durchschnittliche Tragedauer der Socken und Unterhosen von fünf Tagen. Ist doch gar nicht so übel, oder?
Den MP3 Player habe ich auch endlich mal mit einer Ladung frischer Mucke bestückt, auf dass er mir durch die nächsten Länder treu zur Seite stehe! In St. Louis hatte ich bereits meine Barreserven aufgestockt, einige Besorgungen gemacht, getankt und mal kurz das Internet gecheckt. Trotz oder vielleicht auch wegen der vielen Fixer, die mir zur Seite standen, kein Problem.
Nach vorherigem Telefonat mit Papa habe ich mich dann sogar endlich mal wieder mit dem Mopped beschäftigt und eine kleine ‚Inspektion‘ durchgeführt. Hier die Ergebnisse:
- Luftdruck vorne und hinten bleibt konstant, war aber etwas zu niedrig für die Beladung, die ich aktuell drauf habe. Also mal schön ein paar Zehntel Bar nachgepumpt.
- Der hintere Reifen (Metzelder Tourance) sieht nach nunmehr knapp 4000 Kilometern absolut okay aus. Leichte Gebrauchsspuren, aber kaum Abnutzungserscheinungen.
- Der Vorderreifen (Bridgestone TrailWing) hat mittlerweile ja schon deutlich über 20000 auf dem Buckel und sieht auch dementsprechend ziemlich fertig aus. Ich komme sicher noch ein ganzes Stückchen mit dem Teil, aber die Unebenheiten und Wellen im Vorderreifen machen das Fahren nicht gerade zum Vergnügen.
- Mit ziemlicher Erleichterung habe ich festgestellt, dass die Maschine dann doch ein bisschen Öl verbraucht und ich mal wieder 200-300ml 10W40 nachkippen konnte. Muss ja nix schlimmes bedeuten, es hatte mich nur irritiert, dass sie auf immerhin 8000 Kilometer scheinbar kein Öl gezogen hatte…
- Den Luftfilter ausgebaut und mal angekiekt. Okay, waren schon ein paar Staubkörner dran, die ich so gut es ging entfernt habe. Ein bisschen ausgekloppt, ausgepustet und dann wieder rein das Teil. Richtig versandet oder so war er jedenfalls nicht.
- So, dann mal ran an die Kupplung. Die Kupplungsflüssigkeit ist absolut im grünen Bereich, also es geht nix verloren oder so. Ich wollte dann noch die Kupplung entlüften, hab es aber gelassen, da ich keinen passenden Schlauch für diese Aktion dabei hatte. Lasse das erst mal und beobachte, wie sich die Kupplung weiter verhält. Hatte jetzt auch schon länger keine Probleme mehr beim Runterschalten. Vielleicht hat es sich inzwischen ja auch von selbst erledigt.
- Dann die Federung/Dämfpung. Die Idee war, alles etwas härter einzustellen, weil ich ja praktisch immer noch mit den Standard-Einstellungen (Solo-Fahrer 85kg ohne Gepäck) unterwegs war. Hinten war’s kein Problem, die Federung und Dämpfungsschraube entsprechend zu verstellen. Vorne bin ich diesmal gescheitert mit dem ‚Spezialwerkzeug‘. Hatte wahrscheinlich einfach keine Nerven dafür und probiere es nochmal einen anderen Tag. D.h. hinten bin ich jetzt ziemlich hart unterwegs, vorne immer noch recht weich. Fährt sich aber gar nicht so übel. Ich teste das erst mal und gucke, wie ich das weiter ‚fein tune‘.
- Yeppie, bei dieser Gelegenheit nochmal alle (Torx-)Schrauben am Cockpit und der Verkleidung durchgegangen und schön fest gezogen. Kommt ja ab und zu vor, dass sich was bei einer Buckelpiste löst und dann fängt es so hässlich an zu klappern…
- Die Bremsbeläge hinten (neu) und vorne sehen ganz ordentlich aus, soweit ich das beurteilen kann. Fühle mich immer noch nicht so 100% in der Lage, das richtig einschätzen zu können. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, aber irgendwie kann ich den ganzen Salat aus Bremsbelag, Bremsscheibe etc. nicht auseinander halten. Technisches Genie halt!
- Die Verkabelung am Helm (mit meinem MP3 Player) hatte sich als nicht so optimal erwiesen. Mittlerweile hatten sich durch die nicht so gut angebrachten Kabelbinder die Innenfutter des Helms gelöst und es war eine ziemlich hässliche Angelegenheit. Hab jetzt aber alles nochmal schön neu verkabelt und die Innenfutter wieder fein eingesetzt.
- Last but not least, den gröbsten Schmutz vom Helm, dem Cockpit und den Spiegeln entfernt. Die Maschine würde sicher eine richtige Grundreinigung gut vertragen können. Aber das muss noch warten, gibt’s wahrscheinlich auch hier in Senegal, muss ich mal die Augen offenhalten.
- Offen bleibt natürlich noch mein Problem mit der Beleuchtung. LAMPF ist immer noch aktuell. D.h. ich habe kein Abblendlicht. Ganz selten kommt’s aber mal wieder zurück – für kurze Zeit. Außerdem streiken die Nebelscheinwerfer. Und die Hupe setzt hin und wieder mal aus nach mehrmaliger Betätigung. Alles nicht so schön, weil alles wichtige Instrumente sind (v.a. auch die Hupe für den Stadtverkehr). Aber ich sehe mich da nicht in der Lage, irgendwas daran zu machen und hoffe auf die nächste richtige BMW Werkstatt (in Windhuk, Namibia).
- Der Spritverbrauch macht mir übrigens auch ein bisschen Gedanken. Laut Bord Computer bewege ich mich aktuell in einem Bereich von 9-10 (!!!) Litern auf 100 Kilometern. Ich glaube, er berechnet das falsch. Wenn es aber stimmt, wäre das schon echt eine Menge. Okay, die Spritqualität hier ist sicher nicht so prall. Ich fahre vielleicht auch etwas zu ‚dynamisch‘. Aber 10 Liter ist definitiv zu viel, oder?
Die Tage in der Zebrabar waren aber nicht nur faul und verschlafen. Trotz der vielen Gesellschaft, die ich hatte, fühlte ich mich trotzdem ziemlich einsam mitunter. Besonders beim chilligen Rumhängen an Monika’s Lagerfeuer habe ich Nina ziemlich krass vermisst. Solange ich unterwegs bin auf dem Mopped und relativ viel um die Ohren habe, bin ich ganz gut abgelenkt und muss mich die ganze Zeit konzentrieren. Viel Zeit für sehnsüchtige Gedanken bleibt da gar nicht. Anders in der Zebrabar. Das ist einfach ein Ort, wo wir super zu zweit abhängen hätten können. Allein isses aber nix für mich. Deshalb, nix wie weg von hier und weiter, immer weita!
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