Montag, 24. Mai 2010

Intermezzo - Tag 57 - Zwei Hühner auf Safari gesichtet!

Juchei, sind vorgestern rüber gefahren nach Gabon und verbringen heute die zweite Nacht in Lopé. Das ist so ca. 300 Kilometer östlich von Libreville, etwas südlich vom Äquator. Den haben wir gestern unter großem Jubeln überquert, als wir von unserer ersten Bleibe in Gabun, Bitam, Richtung Süden weiter gefahren sind. Gestern habe ich mich auch ein bissel in die Nesseln gesetzt, was die geschätzte Ankunftszeit betrifft. Ich hatte für die 300 noch was Kilometer von Bitam nach Lopé berechnet, dass wir gegen 1400Uhr ankommen würden. Es war dann knapp 2200Uhr als wir noch 100 Kilometern schönster und abwechslungsreichster Dirt Road schließlich in unserer Bleibe, dem Lopé Hotel, angekommen waren. Und die Straße hatte es in sich. Wunderschöne Equatoriallandschaft mit Kleinstsavannen dazwischen, ganz putzig anzuschauen. Aber die Straße war Hardcore und hat der Maschine und ihrer Besatzung alles abverlangt. Die neuen TKC80 sehen nach dieser Tour auch schon nicht mehr ganz so neu aus... Na ja, allet jut aber soweit. In Kribi, Kamerun, hatte ich noch einen Ölwechsel gemacht, und die Kleine läuft und läuft und läuft. Acht Wochen und sechzehn Tausend Mille hat se jetzt auf'm Buckel. Gestern haben wir sie nochmal sanft gestreichelt und gelobt für die treuen und klaglosen Dienste, die sie für uns verrichtet. Braves Pferdchen!

Die Gegend hier in Gabun ist echt toll, heute haben wir mal ne kleine 'Safari' gemacht, mit 'nem Klapper-Jeep vom Herrn. Ich weiß nicht, was abenteuerlicher sein sollte. Die Landschaft oder die Tortur auf der Ladefläche dieses de facto ungedämpften Ungetüms. Uns hat's ordentlich durchgeschüttelt. Und na ja, die Tierchen, die wir gesehen haben, hielten sich in Grenzen. Aber immerhin haben wir aus ein paar Kilometern Entfernung ein paar Elephanten, die mit den Ohren gewackelt haben, gesehen. Und 'nen Büffel, und 'n Reh, und - die Hauptattraktion - zwei Hühner. Kein Witz, unsere verpeilten Guides haben mehrmals vor den Viechern angehalten, damit wir Fotos machen können. Wahrscheinlich waren die armen Dinger gerade erst vor ein paar Tagen vom Schlachter des Dorfes entflohen und dachten, sie wären jetzt in Sicherheit. Aber nix da, die Menschen sind echt die Hölle.

In Bitam vorgestern haben wir alles dafür getan, eine Bleibe zu finden, wo wir fein das Champions League Finale gucken können und sind dafür auch in einem echt strangen Hotel untergekommen. Ich habe erstmal unseren Fernseher ausser Gefecht gesetzt, beim Versuch, das schwache Antennensignal zu 'verbessern'. Deshalb  mussten wir in die Bar, wo Rauchverbot (!) angesagt war. Ausserdem gab's dort das wahrscheinlich beste Gemüse der Welt. Für eine lieblos servierte Ansammlung von Grüngemüse (Spinat, Bohnen, Erbsen) sowie etwas Reis wollte der vollkommen verpeilte Kellner 13000 CFAs berechnen (sind so 20 Euros...). Au weia, kein Wunder, dass die Bayern dann das Ding in den Sand gesetzt haben. Hat ganz schön auf die Stimmung gedrückt, zumal die ebenfalls verpeilten anderen Gäste ausnahmslos Inter Fans waren, wegen Et'o... Na ja, dann werden wir eben Weltmeister!

In Kamerun waren wir übrigens, bevor wir nach Gabun rüber gefahren sind, nochmal in Yaounde im Hilton abgestiegen. Mussten dort eine Notlandung machen, nachdem wir so richtig fett in einen Regenguss gekommen waren. Der Aufenthalt diesmal im Hilton war ganz cool, musste keine ellenlange Rechnung an Extrakosten begleichen. Und die Leute aus dem Hotel haben sich noch recht begeistert zurück erinnert an mich und mein Bike.

Morgen geht's wieder Richtung Westen. Südlich von Libreville gibt's einen Nationalpark, in der wir fahren möchten. Aber nicht zum Tiere gucken, sondern lieber zum Baden. Wollen noch ein paar Tage an 'nem schönen Strand chillen, bevor ich Nina am Freitag wieder 'abgeben' muss, in Libreville am Flughafen ;-(

Ein dickes Lob an meine Süße! War echt nicht so unanstrengend die 1600 Kilometer, die sie mit mir auf dem Bike gesessen ist bislang. Ziemlich viel Regen, die Straßen so la la. Also net schlecht, Respekt, meine Kleine!

Yupp, ich überlege derweil noch einigermaßen angestrengt, wie ich es machen werde mit der weiteren Tour nach Congo-Brazzaville, Congo-Kinshasa und Angola. Ich habe ein paar 'Issues' mit den Visa und bin mir auch noch nicht so klar wegen der Route. Momentan tendiere ich dazu, nicht über den Osten raus aus Gabun zu fahren, sondern die südliche Route zu nehmen, Richtung Pointe-Noir. Aber ich brauche da noch mehr Informationen, am besten von Leuten, die da kürzlich unterwegs waren. Aber Traveller, die individuell unterwegs sind, sieht man hier echt selten, sehr selten... Ich frage mich allerdings immer noch, was das für eine Gruppe war, die wir gestern in Oyem gesehen hatte. Es waren so ca. 20-25 Bikes, die in nördlicher Richtung unterwegs waren. Begleitet von einigen Jeeps. Ein paar Kilometer später kamen uns dann noch mal 3-4 Quads entgegen. Interessante Reisegruppe. Sah eher aus wie ein Filmteam oder so. Hab schon gestaunt, die Leute da zu sehen, aber wir hatten leider nicht die Gelegenheit, uns mit denen zu unterhalten. Hmm.

Fotos und so weiter kommen alle später, bin gerade per UMTS im Internet. Aber sauteuer, 30 Cent pro Minute. Wird wohl noch dauern, bis die Internetqual ein Ende hat...

Bis denne,
Nina & René.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Intermezzo - Tag 52 - Fi-na-leh, oh-hoh!

Erschuettert und fassungslos haben wir das WM-Aus unseres Kapitaens aus der Ferne mitverfolgt. Dieser Kevin-Prince Mistkerl. Unglaublich. Na ja, ist schon klar, dass die Medien jetzt auf ihn einpruegeln, ist ja eigentlich ein Berliner Jung und sollte - wenn ueberhaupt - eher fuer die deutsche Nationalmannschaft spielen. Aber das sind dann mal die Geschichten, die nur der Fussball schreibt.

Aber was sollen wir nun jetzt machen? Nina und ich sind noch nicht so recht ueber den Schock hinweg und weiterhin ratlos. Etwa Frings zurueck holen und als Sechser neben Schweini spielen lassen? Oder die Defensive gleich abhaken, nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung"? Keine Ahnung, macht die WM-Vorbereitung auf jeden Fall nicht leichter. Kann sich aber auch als Vorteil erweisen am Ende. Vielleicht kommt ja jetzt eine "Jetzt erst recht" Reaktion des Teams und die anderen Spieler, die sich verantwortungstechnisch sonst neben Ballack ein bissel ausgeruht haetten, sind jetzt mehr gefordert. Kann ja auch klappen. Also mal schoen abwarten und Lage peilen. Irgendwie wird's schon werden Und - auch wenn's unwahrscheinlich ist - entpuppt sich Ballacks Verletzung als Publicity-Gag und nach zwei Wochen steht schon eine "Wunderheilung" im Raum...

Heute haben wir uns schoen auf das CL-Finale im Bernabeu gefreut, hab schon tagelang daraufhin gefiebert. Und dann die grosse Enttaeuschung. Is ja gar nicht heute, erst am Samstag. Seit wann - what the fuck - laufen CL-Spiele bitteschoen samstags, heh? Komisch, komisch... Jetzt muss ich mein angestautes Adrenalin erst mal wieder los werden...

Wir sind gestern uebrigens nach zwei Naechten in Limbe nach Kribi gefahren in den Sueden Kameruns. Hier jefaellt's uns doch eine janze Ecke besser als in diesem unglaublich schwuelen Bergland da oben. Die Straende hier sind einfach mal schicker und die janze Atmosphaere ist sehr chillig. Haben uns im Ilomba-Hotel einquartiert, top of the pops in Limbe, aber das isses wert. Werden hier wohl noch zwei Naechte bleiben und dann mal gucken. Entweder fahren wir gleich rueber nach Gabun oder wir machen noch einen Abstecher nach Aequatorial-Guinea. Ist ja nur einen Steinwurf entfernt und bestimmt witzig dort. Check gleich mal, ob man dafuer ein Visum benoetigt und wie kompliziert es waere, eines zu bekommen.

Das Internet im Hotel ist - na ja - Mittelklasse. Vielleicht reisse ich mich morgen aber mal zusammen und schiebe noch ein bissel was aus den letzten zwei Wochen nach. Komme ja ganz schoen in Rueckstand. Wenn's der liebe Internet-Gott in Kamerun gut mit mir meint, kommen sogar noch ein paar Fotos.

Also, Gruezi aus Kribi, bleibt sauber und drueckt am Samstag dem richtigen Team die Daumen!

Nina & Rene.

Montag, 17. Mai 2010

Intermezzo - Tag 50 - Gemeinsam schwitzt's sich am schoensten

Nina ist sicher und wohlbehalten gelandet in Doula am Samstag. Nur war ich natuerlich nicht so puenktlich, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte. Ca. 90 Minuten durfte Nina in den haerrlichen Genuss der Services der vielen Fixer und Berater auf dem Flughafen von Doula kommen, bevor ich endlich angegurkt kam, um sie abzuholen. Hatte ja auch wieder eine lustige Anfahrt hingelegt. Natuerlich viel zu spaet aus dem Hilton in Yaounde losgefahren, aber wenn alles optimal gelaufen waere und ich gerast waere wie ein Henker, haette ich es sicher noch geschafft. Aber ich bin erst mal nicht mehr als 500 Meter in Yaounde voran gekommen bis zum ersten ungewollten Zwischenstopp. Hatte mir noch fein die Route bis Doula erklaeren lassen, aber auf dem ersten grossen Kreisverkehr dann der entscheidene Fehler. Statt wie alle anderen rechts auf den Kreisverkehr abzubiegen, bin ich dreisterweise einfach gerade aus gefahren. Es war zwar meiner Meinung nach nix ausgeschildert, dass dies verboten gewesen waere, aber es war ein entscheidener Fehler. Denn dies war die "Praesidentenstrasse". Offenbar darf die nur vom Praesidenten und seinem Tross passiert werden. Alles klar. Ein Bulle mit Trillerpfeife kontrolliert noch auf dem Kreisverkehr meine Personalien und dann geht's ab in die Polizeibutze zum Geld abdruecken. 25000 CFAs und eine Menge Zeit hat der Spass gekostet. Wunderbar.

Ziemlich geladen und genervt schwinge ich mich dann auf's Bike und geb Gummi. 100 Meter spaeter steht dann ein Taxi im Weg rum und ich muss auf die Bremse. Jut, kein Problem, aber der Vorderreifen schlittert bedenklich ueber den Asphalt. Au weia. Bremse losgelassen, nochmal gebremst, gleiches Verhalten. Ich komme geradeso noch zum Stehen, verliere aber die Balance, und kippe (mal wieder) auf die alte Aua-Seite nach rechts. Und das vor den Augen der versammelten Menge, die ich eigentlich mit meinem wuetenden Beschleunigungsversuch beeindrucken wollte. Peinlich, peinlich. Mit Hilfe richte ich das Bike wieder auf und brause endlich davon. Die energischen Hinweise der Menge nach "Motivation" oder "Taxi" (hiesige Begriffe fuer Baksheesh) ignoiere ich einfach mal, kein Bock mehr, hier laenger als noetig abzuhaengen... Mann, Mann, Mann. Die 200 Kilometer nach Doula war ich dann ganz schoen gehemmt und hab mich nicht wohl auf dem Mopped gefuehlt. In Doula verfahre ich mich dann nochmal, aber dann komme ich endlich kurz nach sechs auf dem Flughafen. Und schwupps sehe ich Nina. Endlich! Ein tolles Gefuehl, sie wieder in die Arme nehmen und kuessen zu koennen. Fantastico, ich bin echt gluecklich. Hoffentlich bringe ich sie noch heil ins naechste Hotel. bei meinen haeufigen 90 Grad Schraeglagen nach rechts in letzter Zeit habe ich schon ein bisschen das Vertrauen in meine Fahrkuenste verloren... Neben der Aktion in Nord-Kamerun, als ich nach dem Regenguss versucht hatte, wieder auf die Strasse zurueck zu kehren und der Sache in Yaounde nach der Praesidentenstrasse hab ich es am Tag darauf sogar geschafft, das Bike beim Schieben auf dem Hotel-Parkplatz auf die (selbstverstaendlich rechte) Seite zu kippen. Mann, Mann, Mann. Leichte Erschoepfungserscheinungen? Kann sein.

Auf jeden Fall haben wir noch auf dem Flughafengelaende bemerkt, dass die Luft aus dem Hinterreifen mit besorgniserregender Geschwindigkeit entweicht. Also noch langsam runter geschlichen zur naechsten Reifen-Service-Station und Luft drauf gejagt. Nachdem wir im zweiten Anlauf ein brauchbares Hotel gefunden hatten, war die Luft schon wieder runter, und die Aufgabe fuer den naechsten Tag klar: nochmal flicken oder jetzt mal wirklich wechseln. Das Hotel in der City von Doula war durchaus brauchbar, auch wenn es am naechsten Tag wieder mal Stress gab, beim Versuch, mit VISA zu zahlen. Es bleibt dabei, dass ich bislang in Afrika noch kein Hotel gefunden habe, welches VISA tatsaechlich akzeptiert. Na ja, egal. Auf jeden Fall habe ich noch einem ausgiebigen Fruehstueck am naechsten Morgen und unserer ersten gemeinsamen Nacht nach vielen Jahren (...) mein "Team" fuer die Reifenreparatur zusammen gestellt. Julian vom Hotel war "mein Mann". Und er war auch super cool und nett. Ich habe den Hinterreifen abmontiert, wir haben uns das Teil angeschaut, und es war klar: da muessen neue Pneus rauf! Es gab nicht ein Loch, es gab zig Loecher. Kleine Risse im Gummi, keine Ahnung, ob die von Steinen oder Dornen herruehren. Im Vorderreifen sah's auch nicht viel besser aus. Also beide Reifen runter, und die TKC80 rauf. Endlich. Habe ich ja mehr als 10000 Kilometer durch Afrika transportiert. Jetzt konnten sie mal zeigen, was sie drauf haben. Alles lief wie geschmiert. Nachdem ich einen Reifen abmontiert hatte, sind wir mit dem alten und den neuen Reifen per Taxi zur Servicestation gefahren, die auch am Sonntag auf hatte, und dort wurde der alte Pneu gegen den neuen innerhalb von 15 Minuten gewechselt. Die hatten ein ganz witziges System mit einer Presse, um den alten Gummi von der Felge zu loesen. Ging aber alles ganz einfach und nach ca. zwei Stunden stand meine feine GS mit niegelnagelneuen TKC80 im Innenhof des Hotels. Fein! Dann noch ein bissel Oel nachgefuellt, die letzten Milliliter aus meiner 1l 10W40 Nachfuellflasche aus Deutschland. Ich muss jetzt dringend mal den Oelwechsel machen, habe jetzt schon fast 15 Tausend Kilometer runter, normal sind 10000 bis zum Oelwechsel...

Von Doula sind wir gestern weiter gefahren nach Limbe, weil wir gehoert hatten, dass es dort tolle Straende gibt mit Beach Ressorts und den ganzen Kram. Leider habe ich eine Abbiegung uebersehen, und so sind wir 40 Kilometer mit wachsender Nervositaet (wann komm'n se denn, die tollen Straende?) in die falsche Richtung gefahren, nach Mbanga. Die Auskuenfte der befragten Einheimischen konnte man dann zu grossen Teilen auch in die Tonne treten. Auf jeden Fall haben wir es geschafft, auf die richtige Strasse nach Limbe zurueck zu kommen, aber es daemmerte traditionell mal wieder, als wir uns Richtung Limbe fortbewegten. Eine beeindruckende Situation war, als ich das erste Mal den Mount Cameroun war mir am Horizont gesehen habe. 4000 Meter geht das Ding praktisch direkt vom Meer in die Hoehe. Ein gewaltiger Koloss aus Stein und Erde. Woahnsinn.

Es war stockfinster als wir in Limbe ankamen. Eine uebermotivierte kleine Lady hat uns mehr in die Irre gefuehrt, als sie uns geholfen hat. Zur "Mile Eight", wo wir eigentlich hin wollten, sind wir deshalb nicht gekommen (zu weit, zu "gefaehrlich", dann noch die falsche Richtung angezeigt...). Deshalb sind wir in die Stadt gefahren und haben uns auf ihren Tipp hin in einem Hotel (Atlantic Beach Ressort) im Botanic Garden einquartiert. Okay, aber nicht ueberragend. Besonderes Feature: eine Bohrinsel (!!!) direkt vor dem Strand des Hotels (kein Witz!). Echt irre.

Heute sind wir weiter gefahren, haben uns wieder einmal verfahren beim Versuch, die "Mile Eight" bzw. ein Dorf namens Bakote zu finden. Haben es dann auch geschafft, aber so geil, wie es im Lonely Planet gepriesen wurde. Die Informationen aus ebenjenen scheinen auch aus den 70ern zu sein, das meisste ist nicht mehr aktuell.

Wir waren heute auf einem Spaziergang durch den Botanic Garden und sind dann in einem Hotel in Bakote unter gekommen. Wir haben uns aber entschieden, morgen in aller Fruehe aufzubrechen und nach Kribi weiter zu fahren. Da isse vielleicht doch ein bissel mehr so, wie wir uns Beach Ressorts und so was vorstellen. Der Strand hier ist ziemlich zugemuellt und einfach nicht einladend. Ausserdem sind die dunklen Straende in der Naehe von so einem Vulkan auch nicht jedermann's Sache... Und schwuel isses hier, oh mein Gott. Hab sowas, glaube ich, noch nicht erlebt. Es ist nicht mal sonderlich heiss oder so, aber die Suppe laueft mir vom Koerper und aus dem Gesicht, es ist der Hammer. Geschaetze 102% Luftfeuchte, wuerde ich sagen.

Aber mit Nina laesst sich sowas (genauso wie eine unterirdische Internet-Connection in dem Cafe, in dem wir hier gerade sitzen) problemlos aushalten. Ich bin einfach nur happy, dass sie bei mir ist. Maup!

Ah ja, hoffentlich faellt jetzt nicht wieder der Strom aus in der Butze hier, bevor ich auf den "Veroeffentlichen" Button geklickt habe... Es gibt noch ne Menge nachzutragen aus der letzten Zeit; ich weiss aber nicht, wann und wie ich das hinbekomme. Mit dem Internet hat es sich irgendwie erst mal erledigt hier unten.

Ich halte euch trotzdem so gut es geht auf dem Laufenden.

Bis denne, Servus und fiat di,
Rene und Nina.

Samstag, 15. Mai 2010

Intermezzo - Tag 48 - Ab nach Doula

So, die Bloggerei dauert und dauert. Sitze noch im Hilton und es ist bald 1400Uhr. Muss mal langsam raus hier und zum Flughafen nach Douala, mein Ninalein abholen. Hab ihr gestern versprochen, dass ich diesmal pünktlich bin und ich dieses Mal auf sie warte und nicht umgekehrt. Also nix wie los. Mache dann späda irgendwann weiter mit de Bloggerei, juti?

Bis denne, Amigos!

The Sound of Afrique - War in the Streets of Nigeria

Well, die Mucke von Six Feet Under trifft vortrefflich meine Gemütslage auf dem Weg nach Kano, Nigeria. Keine Ahnung, warum ich diese Fahrt so sehr mit Krieg assoziiere. Es war einfach mal heftig. Hier gleich zwei Chansons der amerikanischen Berserker. "War is Coming" und das wunderschöne "War Machine", ein Kiss-Cover; das Original dieses lustigen Titels stammt von Gene Simmons. Tolle Liedchen!


Six Feet Under - War is Coming

Prepare yourself for the worst it's coming soon
I believe in those foretold prophecies of doom
They say the end is close, it's coming fast
Not every single one of us is gonna last
So, stand and fight or kill yourself right now
It'll be one less motherfucker to kill
Skin shot, burned, stabbed, scorched and torn
This pain is real - you can't ignore...

War is coming

Arm yourself with the right to kill at will
Shoot to kill it's them or you
Time to choose, time to choose or die
Blood's pouring from the hole in your side
Take the pain - it'll focus and strengthen you
Take the pain - or your life's fuckin' through
Face the pain - let it become part of you
Take the pain

War is coming

Prepare yourself for the worst it's coming soon
I believe in those foretold prophecies of doom
They say the end is close, it's coming fast
Not every single one of us is gonna last
So, stand and fight or kill yourself right now
It'll be one less motherfucker to kill
Skinned, burned, stabbed, scorched and torn
This pain is real - you can't ignore...

War is coming


Six Feet Under - War Machine

Wanna bite the hand that feeds me
Wanna turn the tides
Set the demons free and watch 'em fly
Strike down the one who leads me
I'm gonna take his place
Gonna vindicate the human race

Better watch out
'Cause I'm a war machine
Better watch out
'Cause I'm a war machine

Take the reins of power and seize them
Draw the battle lines
Armageddon's just a matter of time
Tear down the voice of reason
Let the arrows fly
Your freedom's just a state of mind, yeah

Better watch out
'Cause I'm a war machine
You better watch out
'Cause I'm a war machine

You better watch out
'Cause I'm a war machine
You better watch out
'Cause I'm a war machine

Better watch out
'Cause I'm a war machine
I'm a war machine
I'm a war machine ...

Tag 41 – Gib dem Niger ein I, Gib dem Niger ein A! Niger-I-A!

Heiliger Strohsack, Jessus und Maria, Junge-Junge, was geht ab? Was war das für ein Tag? Echt der Hammer. Bin mittlerweile in Nigeria angekommen, in Kano. Die Stadt ist ein Monster, ein Riesen-Chaos. Holy Shit! Ich bin echt froh, dass ich noch lebe; die Tour heute hat echt an Körper und Nerven gezehrt.

Die letzen Kilometer nach Kano rein waren der blanke Wahnsinn. Ich bin natürlich wieder mal ins Dunkel reingekommen. Und diese Nachtfahrt heute hat mich echt fast um den Verstand gebracht. Meine Fresse! Ist es massiv mehr los auf den Straßen hier als noch in Niger oder Burkina. Eine ganz andere Dimension. Und die Nigerianer haben einen Zahn drauf, frag nicht nach Sonnenschein. Die rasen wie die Bekloppten, vor allen Dingen nachts. Dazu das unglaubliche Lichtermeer. Ich hab' keine Ahnung, was für Augen die Leute hier haben. Ich habe jedenfalls nix mehr gesehen. Mein Visier war feucht und verklebt. Ich überlege, meine Skibrille rauszuholen; mit geschlosssenem Visier kann ich auf keinen Fall fahren, da sehe ich überhaupt nix. Ich fahr dann am Abend mit offenem Visier, aber die Abgase und der Staub geben mir den Rest. Die Augen tränen wie Sau. Damn Shit. Die Straßen sind relativ eng, es gibt keine Fahrbahnmarkierungen. Hin und wieder gibt's auch mal ein Schlagloch und ausgebesserte Straßenabschnitte. Dazu eine Menge Moppeds und unbeleuchtete Fahrzeuge. Wenigstens habe ich heute keine Esel-Karren mehr gesehen wie noch in Niger. Offenbar ist mein Abblendlicht immer noch zu hoch eingestellt. Ich bekomme praktisch von jedem Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn Lichthupe. Ich fühle mich fast wie im Krieg hier. Wenn ich von einer ganzen Kolonne Lichthupe bekomme, habe ich keine Chance, irgendwas zu erkennen. Deshalb versuche ich mir Verbündete zu suchen, die mit mir Lichthupe geben können in die andere Richtung. Es ist, als würde ich gegen eine Stadtionbeleuchtung anfahren. Meine Strategie ist es, mich an ein etwas langsameres Fahrzeug ranzuhängen und hinterher zu rollen. Aber es gibt fast keine langsamen Fahrzeuge. Und wenn, dann rasen die durch die Ortschaften, ohne abzubremsen. Einfach irre. Ich bete, dass ich das hier heil überstehe.

Und, well, es klappt. Ich komme irgendwie nach Kano in das Verkehrchaos und schaffe es auch irgendwie, dass ich in ein Hotel komme. Das Great Palace in der Nähe des Flughafens. Verdammte Scheiße. Was war das nur für eine krasse Geschichte?

Aber okay, well, alles schön der Reihe nach. Los ging's in Birnin-Konni, Niger. Ich bin in meiner Butze aufgewacht und hab mich körperlich echt bescheiden gefühlt. Ich esse momentan nur wenig, eigentlich nur abends was Richtiges. Die Hitze wird irgendwie immer krasser, weil jetzt auch eine ordentliche Portion Luftfeuchte dazu kommt. Heute hat sie richtig umgehauen, als ich aus meiner Butze mit Air Con raus bin, um ein bissel was zu 'frühstücken'. Hab dann an der Bar im La Motel nur nen Kaffee und 'ne Fanta hinter gewürgt. Dazu ein paar Kippen. Hätte das bisschen Flüssigkeit aber gleich wieder auskotzen können.  Mir ist echt übel, ich hab‘ Kopfschmerzen und ich fühl mich ganz schön schummerig und schwach.


Prima, optimale Voraussetzungen also. Sobald ich aber eine Weile auf dem Mopped sitze, geht es schon wieder ganz gut. Mein Problem sind eher die Aufenthalte in den Hotels und die Ruhephasen. Wenn der Körper runter kommt, merke ich die Anstrengungen und es zehrt. Ganz übel isses, wenn ich  mehrere Tage an einem Ort verbringe. Damit kommt mein Körper (und Geist?) gar nicht klar. Das Moppedfahren sorgt für Adrenalin und hält mich munter. Also auf geht's.

Die heutige Tour führt mich über  Madaoua nach Maradi. Von dort aus weiter Richtung Nigerianische Grenze und nach Katsina sowie letzten Endes nach Kano. Ich checke aus dem La Motel aus in "Konni". Es ist ganz schön teuer für die Qualität des Zimmers (knapp 35€), aber okay. Das Essen war dafür echt ganz gut; so mit das Beste, was ich in Hotels in Afrika bislang bekommen hatte.







Die ersten ca. 100 Kilometer von "Konni" aus geht's über eine ziemlich bescheidene Straße. Sie ist zwar geteert, hat aber sehr viele Schlaglöcher und ich komme nur langsam voran. Vielleicht 80 Kilometer vor Maradi halte ich dann mal in einem Niger-Dorf. Ich finde die Behausungen, die irgendwie aussehen wie Salatschüsseln, ziemlich putzig und will sie fotografieren. Nachdem ich zwei Fotos oder so geschossen hatte, stürmen die Massen aus ihren Hütten. Okay. Der Kontakt zu den Dorfbewohnern ist wieder mals sehr witzig. Ich wende wieder meine alte Strategie an. Ich mache Fotos von den Leuten und zeige sie ihnen auf dem Display meiner Kamera. Das ist für uns alle eine sehr spassige Angelegenheit. Ich finde es einfach cool, wie sie sich darüber amüsieren können... Ein Typ aus dem Dorf kann Französisch, und ich komme ein bisschen ins Gespräch mit ihm. Dann gibt's einen Riesenschreck. Ein ohrenbetäubender Knall, als ein Minibus durch’s Dorf rollt. Aber Gott sei Dank gibt's gleich die Entwarnung. Es ist kein Terroranschlag, sondern nur ein Reifenplatzer. Das kommt wahrscheinlich extrem oft vor hier. Die Kinder und Frauen hatten sich - wie ich auch - mächtig erschrocken, und sie waren sogar hektisch davon gelaufen. Die Männer lachen mich aus, weil ich auch zusammen gezuckt war. Hui, na wenn das die größte Gefahr hier ist, dass ein Reifen platzt, dann geht's ja noch, gel?






Heiss isses heute wie Sau. Es sind hohe 30er Temperaturen, aber die Luftfeuchtigkeit gibt mir den Rest. Ich schwitze was das Zeug hält und muss aufpassen, dass ich immer schön trinke. 




Nicht weit nach Maradi komme ich an die Grenze zu Nigeria. Die Formalitäten auf der Niger-Seite gehen relativ problemos. Allerdings zickt dann der Zoll ein bisschen rum. Die Tussi vom Zoll bei der Einreise hatte mir ein falsches Dokument ausgestellt. Da stand drauf, dass ich von Maradi wieder nach Niamey zurückfahren würde, was natürlich Blödsinn war. Das hatte sie nicht gepeilt, wie so vieles andere auch... Na ja, was ich nicht für möglich gehalten hätte, geschieht tatsächlich.  Der Zollbeamte fragt mich nach den Authorization de Passage, dieses sinnlose Dokument, was ich bei der Botschaft von Niger in Berlin zusäztlich zum Visum beantragen und bezahlen musste. Hätte schwören können, dass das nur Abzocke war, aber okay, aufgrund des Fehlers bei der Einreise braucht ich das Teil jetzt. Na jut, kein Problem, Dokument vorgezeigt und die Erlaubnis eingeholt, dass ich jetzt rüber dürfe nach Nigeria. Im Prinzip hätte ich auch einfach (ohne zum Zoll zu gehen) einfach raus können Richtung Nigerianische Grenzposten, aber wollte eben ganz korrekt sein (siehe meine Erlebnisse in Mauretanien...).



Die Soldaten  in Niger sind noch ganz fluffig und locker. Sie tragen alle Flip Flops und schaukeln sich in ihren Militär-Butzen die Eier. Und das obwohl Niger im Moment praktisch eine Militärdiktatur hat. Na ja, in Nigeria sollte der Wind dann ein bisschen anders wehen...

Ich habe aber auch keine Berührungsängste mit den Leuten und strahle irgendwie eine gute Portion Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein aus. Das scheint gut anzukommen, auch bei den Uniformierten. Die scheinen mich sogar irgendwie zu mögen. Wahrscheinlich liegt das auch an meinem großen Motorrad. Dazu ein großer Deutscher. Irgendwie haben die Respekt vor mir – und das hilft mir schon oft weiter. Selbst in den Riesen-Menschenmengen, die sich manchmal um mich und mein Mopped bilden, kommt nichts weg. Bis auf Marokko hatte ich bislang auch null Probleme bzgl. Langfingern. Mittlerweile habe ich auch ein gewisses Vertrauen aufgebaut in die Leute hier. Sind doch ganz fluffig eigentlich.

Well, dann mal rüber nach Nigeria.  Ich habe von von Anfang an ein ziemlich komisches Gefühl in Nigeria. Es wirkt irgendwie krass. Auf jeden Fall schon mal deutlich wohlhabender als Nigeria oder Mali oder Burkina.

An der Grenze erlebe ich den bislang komplexester Prozess. Bei der Security muss ich ein eigenes Formular ausfüllen. Dann zur Immigration mit dem Visa-Interview und nochml einem eigenem Formular. Dann ab zum Zoll, Station 1, wo der Impfausweis kontrolliert wird. Dann weiter zum Zoll, Station 2. Hier brauche ich dann erstmals den Carnet de Passage. Der Zoll-Oberboss macht sich fast in die Hose wegen diesem Scheiß-Carnet und besteht darauf, dass das alles dort formal korrekt eingetragen wird. Der Ober-Zollguru erklärt mir lang und breit, wie wichtig der Carnet sei und wie geregelt übrigens alles in Nigeria zugehen würde und was für ein tolles Land es sei und bla bla. Na ja, ist schon gut Keule, dann mach das mal alles schön ordentlich. Hatte den Carnet eigentlich auch schon halb vergessen, bislang hatte keine Sau an den Grenzen danach gefragt. Wie auch einige andere Dokumente offenbar keine Bedeutung haben hier in Afrika. Z.B. kann man den Internationalen Führerschein oder Fahrzeugschein gleich zu Hause lassen. Die Leute hier wollen - wenn überhaupt - dann das deutsche Original sehen. Von den Internationalen Varianten fühlen sie sich eher leicht verarscht... So, zu guter Letzt noch eine Erklärung über die eingeführten Währungen ausgefüllt. Junge, Junge. Ham' ma jetzt alles, oder was?

Diese ganze Show hier an der Grenze erinnert doch sehr stark an Amerika. Ein wahnsinnig aufgeblasener Prozess mit viel Trara, nur damit man so eine beschissene Grenze von Land A nach Land B passieren kann. Irgendwie fühlt es sich auch etwas doof an, in einem englischsprachigen Land zu sein; ich vermisse schon jetzt 'mein' Francais Afrique…

Die Bullen hier sind irgendwie komisch aufgeblasen und einfach eine Nummer 'härter', 'ernsthafter', 'gedrillter' als noch in Niger (statt Flip Flops sind jetzt wieder richtige Boots mit Stahlkappen angesagt...); irgendwie scheinen die alle ein kleines Ding an der Waffel zu haben. Trotzdem versuchen die Leute schon auch, einigermaßen nett rüber zu kommen. Also alles halb so schlimm. Wir spaßen sogar ein bisschen, und als mich einer der Typen fragt, ob ich einen Sponsor hätte, hole ich zum Spaß eine Schachtel Kippen raus, um zu erklären, von wem ich mich gerne sponsorn lassen würde. Das raffen die nicht ganz. Sie denken, ich will mir eine Kippe anzünden. Oh Gott, oh Gott!!! Sie holen fast schon das Weihwasser raus und kreuzen die Hände, als ob soeben der Antichrist die Erde betreten hätte. Aha, alles klar, ist also auch einer dieser militanten Nichtraucherstaaten (wie z.B. auch Ghana – beide englisschprachige Länder übrigens – interessant...) Also übertriebenes Rumgezicke - was das Rauchen betrifft - kann ich ja sowieso nicht leiden. Aber vor allem in Afrika geht es mir richtig auf'n Sack. Was soll der Blödsinn? Habt ihr keine anderen Probleme? Die Kindersterblichkeit ist wahnsinnig hoch, die Lebenserwartung unter aller Sau, es gibt HIV-Prozentsätze jenseits von Gut und Böse - und jetzt kommt ihr mir dumm, weil ich mir 'ne Kippe anzünden möchte? Oh Mann, oh Mann... Für mich ist das einfach mal der Beweis: diese ganze Nichtraucherscheiße ist staatlich aufdoktriniert; die Leute werden von oben geimpft; wieso sonst pissen sie sich ab einer Landesgrenze auf einmal derartig in’s Hemd? Ist auf jeden Fall gut, dass wir das schon mal geklärt hätten...

Na ja, meine Kippe rauche ich (was ich ohnehin vor hatte) schön brav von der Tür des Zollgebäudes. Ich wünsche den Beamten ein langes gesundes Leben ohne tödlichen Zigarettenqualm, kann mich aber nicht zurück halten, ein paar Weisheiten zu verkünden à la "Life is dangerous" & "Life is killing me". Okay, hab noch ein Stückchen vor mir. Mit Collins, meinem ehemaligen Mitbewohner aus dem Eichkamp, konnte ich leider keinen Kontakt herstellen. Er hat meine Email wahrscheinlich nicht bekommen und ich werde ihn wohl nicht sehen in Nigeria. Schade, das wäre echt der Hammer gewesen, wenn das geklappt hätte.

Auf der Fahrt Richtung Katsina lasse ich die ersten Eindrücke von Nigeria auf mich einwirken. Ich sehe eine ganze Menge ziemlich dicker Karren durch's Land fahren. Irgendwas ist hier komisch. Auf der einen Seite fahren reichlich Benze durch die Gegend, andererseits scheint’s 'ner Menge Leute richtig dreckig zu gehen. Ich glaube, einen gewissen sozialen Brennstoff regelrecht 'spüren' zu können. Meine erste Assoziation hier ist Ruanda mit den Tutsis und Hutus. Ist natürlich Blödsinn, aber ein unbehagliches Gefühl begleitet mich auf meinen ersten Kilometern durch Nigeria.

Es handelt sich bei Nigeria eben auch um einen  'scheiß neureicher‘ Öl-Staat. Das schwarze Gold sorgt seit ein paar Jahrzehnten für eine Menge Action und macht die Leute regelrecht deppert inner Birne. Es ist ein Fluch und Segen zugleich…

Ich frage mich: wem ‚gehört‘ dieses verdammte Öl denn eigentlich? Haben es sich die Leute, die es sich unter den Nagel gerissen haben und jetzt mit den dicken Benzen durch die Gegend fahren und sich in Kano im islamischen Norden mit Bier im Hotel besaufen, einfach verdient, weil sie ‚besser‘ oder cleverer oder wettbewerbsfähiger sind als die anderen? Oder haben sie es sich einfach geklaut? Wo ist da die Fairness? Nach welchem Prinzip wird hier verteilt? Die gleiche Frage stellt sich natürlich auch in anderen Ländern mit vielen Ressourcen (Russland zum Beispiel, wo nach der Wende auf wundersame Weise die Öl-, Stahl- oder Sonstwas-Magnaten aus dem Boden sprossen). Wie wird man über Nacht vom Suppenkasper zum Milliardär, Herr Abramowitsch? Muss ja einige beeindruckende Erfolgsgeschichte sein... Respekt, Respekt. Aber auch auf globaler gibt's da so einige Fragezeichen. Warum leben die paar Millionen Norwegen in nahezu unendlicher sozialer Sicherheit? Könnte das damit zusammen hängen, dass in der Nordsee in ihrem Hoheitsgebiet beträchtliche Mengen Öl lagern? Warum profitieren sie davon, ist es wirklich 'ihr' Öl? Warum gehört es ihnen? Warum setzen die Scheichs am Persischen Golf ein Sinnlos-Projekt nach dem anderen in die Wüste? Wer zum Henker braucht Dubai? Warum müssen moderne 'Sklaven' vom indischen Subkontinent die Städte aufbauen, während die Scheichs ihre dicken Eier schaukeln und sich in den vollklimatisierten Shopping Malls vom anstrengenden Zählen ihrer Geldscheine erholen? Kann den armen Jungs nicht jemand helfen bei der schweren Aufgabe, ihre unglaublich viele Kohle umme Ecke zu bringen? Ich tue mich einfach mal verdammt schwer, solche Dinge einfach als gottgegeben gemäß dem calvinistisches Prinzip hinzunehmen. Für mich stinkt das zum Himmel. Den Calvinismus (die Reichen sind eben von Gott beschenkt und die Gegebenheiten auf der Welt sind von Gott so gewollt) halte ich für einen heuchlerischen Scheiß! Ich vertrete da eher die old school urchristliche These "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelör, als ein Reicher in den Himmel...".

Und ich glaube auch, dass das Thema Ressourcen bzw. Rohstoffe in Zukunft ein richtig spannendes wird. Ressourcen haben die lustige Eigenschaft, dass sie im Laufe der Zeit knapper werden, währen der Bedarf nach ihnen steigt. Das klingt nach einer ganzen Menge Action, gel? Der Kampf um die Ressourcen hat gerade mal begonnen, und Afrika steht da mitten im Fokus. Ein neuer "scramble for Africa" steht an. Die Chinesen sind schon längst dabei, sich ihre Anteile zu sichern. Coole Sache. Während die Welt bereits die Zähne fletscht nach den kostbaren Ressourcen, stehen die Afrikanischen Völker - wie immer - da wie die Volldeppen und beobachten  mehr oder weniger ohnmächtig wie ihre Länder auslbuten. Obwohl Nigeria ein Ölland ist, ist Sprit hier knapp. Ich konnte es erst nicht richtig deuten, aber nur wen eine Tanke ein "Fuel yes" Schild anzeigt, gibt's auch tatsächlich Sprit. Na Prost Mahlzeit!

Nach der Grenze zwischen Niger und Nigeria gibt es sehr viele Checkpoints. Jeweils nach gefühlten zwei Kilometern gibt es entweder  Immigration, Police, Customs oder sonst einen Dreck, bäh! Ab und zu muß ich mal anhalten und ein bisschen plaudern. Ich bin nur noch genervt, wenn ich anhalten muss; in der Regel will der Typ dann nur ein Schwätzchen halten; manchmal stresst er und verlangt sogar den Ausweis, aber für mich ist es immer ein innerlichen Abkotzen, wenn ich anhalten muss. Mir geht die Zeit verloren und vor allen Dingen habe ich in dem Moment kein Fahrtwind und schwitze wie eine besengte Sau.

Ca. 40 Kilometer nach der Grenze komme ich dann nach Katsina und kann meine üblichen Formalitäten erledigen. Nigeria hat eine eigene Währung (Naira), aber es ist durchaus schwierig, eine Bank mit funktionierendem ATM zu finden. Die Stadt ist irgendwie komisch und gefällt mir nicht. Es ist wahnsinnig viel Betrieb auf den Straßen (Autos, Moppeds, Leute insgesamt). Nigeria ist einfach mal spürbar ‚voller‘ als die Länder, durch die ich bislang gereist bin. Als ich endlich mal eine Bank gefunden habve, bildet sich gleich wieder eine Gruppe von Stressern (Fixern) um mich herum. Ich fühle mich diesmal mit meinem Mopped unangenehm im Fokus der Aufmerksamkeit, irgendwie gefällt mir das hier alles nicht; ich fühle mich nicht behaglich, vielleicht sogar unsicher/ängstlich. Bislang hatte ich eigentlich nie Angst auf der Reise – außer vielleicht ein bisschen in Beni Mellal oder in Mali beim Bush Camp. Aber ich kann die Lage und die Leute hier irgendwie nur total schwer einschätzen.

Mit der Bank, die ich mir ausgesucht hatte, habe ich Glück. Es gibt ein paar freundliche Security-Typen, die mir mit meinen Sachen helfen. Sie schirmen mich vor den Stressern ab und besorgen mir Getränke sowie eine Telefonkarte. Puh, ich fühle mich fertich, es sind noch 170 Kilometer bis Kano und ich denke/hoffe, dass ich die in zwei Stunden schaffen werde.

Am Horizont zeichnet sich eine wunderschöne braune Wolke ab, aber ich hoffe doch stark, dass ich das Teil umfahren werde. Aber nix da! Ich mache noch ein paar schöne Kurven aus Katsina raus und dann schwupps – Sandsturm! Und was für ein Teil, es weht mir dermaßen ordentlich umme Ohren. Um Gottes Willen. Laß ich denn gar nix aus? Später am Abend finde ich Sand überall in meinen Klamotten; sogar in den Innentaschen. Es ist einfach mal heftig.  Aber (zunächst mal) ist kein Regen in Sicht.  Hoffentlich ist der Sandsturm bald vorbei, und ich kann dann schön weiter nach Kano fahren, suche mir ein nettes Hotel und ruhe mich erst mal schön aus.



Aber ich hatte meine Lektion in Sachen afrikanisches Wetter noch nicht gelernt. Wo ein Sandsturm ist, da kommt auch ein Dusche hinterher. Ist alles fein so eingerichtet.  Erst kamen vereinzelte Hammertropfen runter geprasselt und dann - innerhalb von Sekunden - ging’s los. Ich befand mich gerade auch noch auf einem beschissenen Abschnitt der Straße. Es war eine Art Baustelle, das heißt Dirt Road, ungeteert und schöne fette Löcher auf der Fahrbahn. Es giesst wie aus Eimern und ich werde innerhalb von Sekunden nass bis auf die Knochen. Dazu ein massiver Wind von der Seite; ich kann keinen Meter mehr weiter; es geht null voran. Prost Mahlzeit! Ich sehe neben mir einen Moppedfahrer am Straßenrand unter’m Baum stehen, und ich entschließe mich, mir ebenfalls ein Plätzchen zu suchen.


Nach einer Weile sehe ich einen geeigneten Baum und fahre runter vonner Straße. Ich sehe erst spät, dass der Baum schon 'besetzt' ist. Ein paar Jungs stehen ebenfalls darunter, aber sie scheinen nix dagegen zu haben, dass ich mich zu ihnen geselle. Da steh ick nu mit meinen Kumpels und warte darauf, dass der Regen nachlässt. Und ich sehe mich schon wieder auf einer Nachtfahrt. Mann, Mann, Mann. Langsam verliere ich ein bisschen die Geduld mit mir. Bin ich so verplant oder was? Das muß doch auch etwas smoother funktionieren mit dem Fortkommen. Ist ja echt jedes Mal ein Akt, von Stadt A nach Stadt B zu kommen...



Ich teile mit den Jungs meine letzten drei Kippen und rette meine Sachen aus den Innentaschen vor der Nässe in die Koffer. Mann fühlt sich das ekelig an. Erst sandig, jetzt plitschnass. Hoffentlich sind die Geräte alle heil geblieben (Handy, Digicam, Headset, MP3 Player, Navi - das trage ich ja alles in meiner Motorradjacke...). Die Kippen bekommen wir nach langen Versuchen endlich an, aber ich rauche kaum mit. Bin irgendwie angespannt. Ich beschäftige mich mit der armen Kreatur, die an einem Seil am Baum angebunden ist. Chica heißt die feine Hündin, mit der ich ausgiebig knuddele. Ganz schön zersaust und verlaust die kleine Chica. Aber sie dankt es mir, dass ich mich mit ihr beschäftige und versuche, sie trocken zu klappsen. Ich glaub, sie mag mich. Ist ja auch sooo süß! Nach einer Weile klappert sie schon nicht mehr mit dem ganzen Körper wegen der Kälte und fühlt sich sogar wieder stark genug, die Kühe, die nahe an den Baum heran kommen, zurecht zu weisen und durch energisches Kläffen in ihre Schranken zu verweisen. Feine Chica, sehr brav! 

Irgendwann hört es auf zu regnen und ich entschliesse mich, weiter zu fahren. Also runter vom Acker und zurück auf die Straße. Gott sei Dank kein Problem, der Boden war noch nicht zu sehr aufgeweicht. Nach ein paar hundert Metern fängt’s aber wieder an zu tröpfeln. Und dann schüttet es auch schon wieder. Wunderbar! Ist aber jetzt auch egal; bin ja sowieso schon total nass und meine Sachen sind in den Koffern...

Ich tucker also weiter und warte, dass zuerst diese beschissene Straße wieder besser wird. Nach 5-10 Kilometern isses dann soweit, es gibt wieder Teer. Nächster Prozessschritt: Regen, bitte aufhören! Yep, hat auch funktioniert. Jetzt muss ich mal ein bisschen Gas geben, damit meine Sachen ein bissel durchlüftet und so getrocknet werden. Ich bin wieder gut unterwegs und back on the road. Allerdings sind’s noch gut 100 Kilometer bis Kano, und es wird langsam richtig dunkel. Damn.. Ca. 75 Kilometer vor Kano isses finster, und ich glaube, ich kann nicht mehr weiterfahren. Ich halte ich in einem Dorf und will nach einem Hotel fragen. Es ist zu anstrengend, so weiter zu fahren.

Aber es gibt kein Hotel hier. Ich kaufe lediglich Kippen. Als ich zurück am Bike bin, hat sich wieder mal eine Riesenmenschenmenge um mein Mopped gebildet. Es herrscht eine super herzliche Athomasphöre und ich habe fast schon Gänsehautfeeling. Ich fühle mich überhaupt nicht mehr unsicher. Ich unterhalte mich mit den Leuten über Fußball und frage auf Englisch, ob Nigeria Weltmeister wird. Ein vielstimmiges "yeahh!!!" ist die Antwort. Ich tippe dann darauf, dass Deutschland und Nigeria im Finale spielen werden. Das finden die Leute nicht schlecht. Ich find's einfach nur wunderbar, wie Fußball verbindet!

Einer der älteren Dorfbewohner mit gutem Englisch fragt mich nach meiner Einschätzung der politischen Lage in Nigeria und Afrika und danach, wie Deutschlands Position dazu ausschaut. Ich bin echt überrascht über diese Frage, nach so etwas wurde ich hier noch nicht gefragt. Ich fühle mich aber sehr geehrt/berufen, darauf zu antworten und es entwickelt sich ein sehr nettes und interessantes Gespräch mit dem älteren Herrn. Ich erkläre ihm meine Ansichten, insbesondere zum Thema westlicher 'Entwicklungshilfe' und ich glaube, wir lagen hier ziemlich nah beieinander. Er erklärt mir auch, dass die Leute (mittlerweile war's echt eine riesige Menschenmenge) nicht nur am Motorrad interessiert sind, sondern vor allem auch an mir als Person. Mann, Mann. Ich fange gleich an zu weinen, ohne Scheiß. Es fühlt sich alles sehr sehr warmherzig an; ich bin echt gerührt irgendwie… Mag sein, dass Nigeria ein ziemlich ambivalentes Land ist. Aber die Leute sind (vor allem in den 'unverdorbenen' ländlichen Gegenden einfach genial. Wie auch in anderen Teilen Afrikas, aber hier kam es irgendwie unerwarteter. "Der Mensch ist des Menschen Wolf" heißt es so schön. Fuck it. Ich glaube an den Menschen. Und ich glaube daran, dass es im Interesse ganz bestimmter Leute ist, eine pessimistische Grundstimmung zu verbreiten, weil es auf deren Basis möglich ist, ein System der Unfreiheit und Ungerechtigkeit zu errichten. Aber okay,  ein andernmal vielleicht wieder mehr davon...

Die restlichen 70 Kilometer nach Kano sind dann der blanke Wahnsinn (siehe oben), und mich treibt eigentlich nur das Überlebensprinzip voran. Ich bin schon längst im roten Bereich unterwegs und beiße die Zähne zusammen. Tollerweise gibt es diese Hormone. Adrenalin und Testosteron und weiß der Geier was. Damit kann der Mensch in extremen Situationen immer noch etwas Extra-Energie frei setzen. Und diese Extra-Energie bringt mich schließlich bis nach Kano.

Das Monster Kano, eine Riesenkrake. Ist mit knapp vier Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Nigeria hinter Lagos. Hatte ich bei meiner Planung voll unterschätzt. Es gibt wahnsinnig viel Verkehr auf den Straßen. Ich habe das mal versucht, in einem Video mit der Digicam einzufangen. Einfach irre, dieses Hupkonzert. Jetzt weiß ich übrigens auch, was Smog bedeutet. In Kano kam ich mir vor wie in den Misty Mountains, die Sichtweite war unter aller Sau. Hier wäre es echt nicht schlecht, Abgaskontrollen einzuführen und die größten Dreckschleudern aus dem Verkehr zu ziehen. Lächerlich, wenn man sich in Deutschland Gedanken über Feinstaub und Umweltplaketten macht, während hier die Luft dermaßen verpestet wird. Die Kollegen aus den deutschen Amtsstuben sollten sich das mal zur Inspiration reinziehen. Und ich erinnere mich an die Freaks vom Zoll, die das Rauchen so gefährlich finden. Ganz ehrlich, ohne Quatsch. Zwei Packungen Schwarzer Krauser am Tag sind mit Sicherheit weniger schlimm, als täglich diesem Smog ausgesetzt zu sein. Ich bin mir sicher, dass der durchschnittliche Nigerianische Stadtbewohner eine schwarze Raucherlunge hat - ohne Kippen...

Nigeria ist einfach nochmal ein anderer Level gegenüber den afrikanischen Ländern, die ich bislang besucht habe.  140-160 Millionen Leute leben hier, ein Vielfaches der Nachbarstaaten. Nigeria ist ein Koloss, ein Schwergewicht, hier geht se ab die Post, das merkt man einfach.  Das Land  hat ‚Potential‘, hier ist Wumms hinter… Ich sehe auf meiner nächtlichen Tingel-Tour durch Kano einige Public Viewing Locations, wo auf riesigen Leinwänden  Fußball übertragen wird. Wahnsinn. Ich bin mir sicher, dass hier während der WM und den Live-Übertragungen der Bär tanzt, die Kuh fliegt und die Sause so richtig abgeht. Ich bin jetzt schon ein bisschen wehmütig, dass ich dann in  in Südafrika sein werde und nicht hier...

In Kano arbeite ich mich langsam zum Zentrum vor; es ist die Hölle los, die ganze Stadt scheint auf den Beinen und Rädern zu sein. Ich fahre schließlich Richtung Flughafen, in der Hoffnung, dort ein Hotel zu finden und frage einen Taxifahrer. Er eskotiert mich dann schließlich zum Great Palace Hotel, wo ich am späten Abend ENDLICH ankomme.

Boah, was für Erleichterung. Unbeschreiblich!


Nachdem ich mein Quartier bezogen und das wieder einmal unglaublich komplexe Checkin-Formular ausgefüllt habe, geht's ab ins Restaurant. Futter fassen, mir knurrt der Magen. 



Aber das Thema Service Qualität in den Hotels ist halt auch ein Kapitel für sich. Ich frage mich, ob ich mich noch daran gewöhnen oder ob ich mich dauerhaft daran aufreiben werde. Die Preise in halbwegs akzeptablen Unterkünften orientieren sich durchaus an den europäischen Vorbildern, aber was man dafür geboten bekommt, ist halt schon ein Unterschied von Tag und Nacht. Es ist teilweise zum Haarereaufen. Ich habe auch im Great Palace wieder viel Spaß. Das Internet geht mal wieder leider nicht; ich bin sicher, dass man nur mal den Router neu starten müsste, aber das ist zuviel verlangt, man begnügt sich lieber mit dem Status Quo und zuckt die Schultern. Okay, Leute, alles klar. Im Restaurant habe ich dann so richtig Spaß. Der "Kellner" treibt mich echt in den Wahnsinn. Nachdem es Ewigkeiten dauert mit dem Essen, bestelle ich als Hungerstiller eine Ladung Brot. Kein Problem meint er, nur kommt leider nix. Ich spreche ihn zig mal darauf an und er meint nur "ja, ja, kommt gleich". Erst als ich mein Essen schon längst fertich habe, bekomme ich zwei Scheiben trockenes Toastbrot als Antwort auf meine Bestellung. Äh, geht's noch? Was ein Dessert ist, davon hat er auch noch nie was gehört. "Dizza?" Okay, bleib locker, Alder, ruhig, Brauner! Ich mag ja Ragga sehr gerne, aber hier will ich doch einfach nur mal was futtern, oh je. Hauptsache so tun, als sei man beschäftigt, ist die Devise. Aber de facto haben die Leute im Service-Bereich hier oftmals einfach null Bock, kein Interesse... Am nächsten morgen um 0730Uhr hämmert’s dann bei mir an der Tür. Zeit zum frühstücken - hat sich mein Kellner wohl überlegt. Bin noch ganz schön platt, aber okay, mache auf. Es ist Sonntag. Als Frühstück gibt’s zwei (ungeröstete) Scheiben Toastbrot und eine Kanne (!) Kaffee, okay, merci beaucoup… Das ich gerne ‚Brot‘ mag, hatte er sich wohl noch von gestern gemerkt, ganz tolle Geschichte.
Eine Stunde später kommt dann eine Lady vorbei und bringt mir Rühreier. Hatte ich zwar nicht bestellt, aber okay, kann nicht schaden. Ist ja nett. Das einzige, was sie von sich gegeben hat, war "500". Äh, wie jetzt? Ich schicke sie zur Rezeption, die mir gestern das Wechselgeld nicht rausgegeben haben und sage, sie soll sich das Geld dort holen. Werde später nochmal mit der Rezeption reden; das Frühstück sollte doch eigentlich inklusive sein. Warum soll ich jetzt noch mal extra zahlen? Komisch, komisch...  Ich bekomme dann später wieder mein Geld zurück von der trist drein blickenden Lady, die mir die Rühreier gebracht hatte. Vielleicht hatte sie sich die 500 auch als Servicegebühr selbst überlegt, keine Ahnung. Trinkgeld gibt's für diesen Scheiß auf jeden Fall nicht.

Da fällt mir noch eine lustige Begebenheit aus Ouagadougou ein. Eines Nachts klingelt plötzlich mein Telefon in meinem Zimmer. gehe natürlich nicht ran. Wie ich am nächsten Morgen erfahren habe, hatte ich zwei Schachteln Kippen nicht bezahlt. Eigentlich ein Fehler der Kellner, dass sie die nicht berechnet hatten. Ich find's irre, dass sie mich deswegen nachts rausklingeln wollen und nicht bis zum nächsten Morgen warten können. Ham' die nich mehr alle Tassen im Schrank?
Okay, als letzte Aktion des Tages checke ich noch meine Elektrogeräte. Gott sei Dank
haben sie den Regen ganz gut überstanden. Nur das Handy scheint ein bisschen was abbekommen zu haben. Die Registrierung der SIM-Karte klappt manchmal nicht. Nach einer Weile isses aber wieder schön trocken und funzt einwandfrei.

Im Hotelfernsehen habe ich das erste Mal seit einer Ewigkeit wieder CNN und bekomme so mal wieder was mit, was in der Welt vor sich geht. Erfahre aber auch einen Haufen unnützen Scheiß.

In Shanghai findet dieses Jahr die Expo statt. Aha. Interessant. Mich überkommt eine ganz schlimme Vision. Ich sehe vor mir eine Milliarde Chinesen, die mit Fotoapparaten bewaffnet die Welt überrennen.

Au weia, das wird noch ganz übel. Also guckt euch die Welt an, bevor es zu spät dafür ist!!!

The Sound of Afrique - Sportfreunde

Ich alter Schisser habe natürlich zuviel Angst, die kurze und direkte Strecke in Westafrika zu fahren, also über Ghana, Togo und Benin nach Nigeria und weiter nach Kamerun. Mache einen großen Schlenker über Niger rein in den Norden Nigerias und dann in den Nordzipfel Kameruns. Womöglich wäre die Strecke über Accra- Lomé-Porto Novo und Lagos auch ganz okay. Hab nach Europäer getroffen, die sich in Afrika ganz gut auskennen und hier schon lange wohnen. Die meinten, Porto Novo - Lagos wäre eigentlich kein Problem.

Na ja, sei's wie's ist. Die kleinen Statten am Golf von Guinea sind auf jeden Fall 'ne coole Nummer. Hier ein Tibute an Togo, dass ich leider nicht durchfahre. Vielleicht beim nächsten Mal, gel?


Sportfreunde Stiller - Pogo in Togo

Chaos in Nahost
drums in the Slums
no french toast in Ivory coast
but pogo in Togo
samba in Uganda
pogo in Togo
coca cola in Angola
chaos in Nahost
drums in the Slums
birds of pray in USA
only banana in Ghana
samba in Uganda
pogo in Togo
coca cola in Angola

Tag 40 – Allez les pneus! Von Niamey nach Birnin-Konni

Die Idee für heute ist eigentlich, bis mindestens Madari zu kommen, das ist relativ weit im Osten Nigers und kurz vor der Grenze nach Nigeria. Vielleicht würde ich es sogar schaffen, rüber nach Nigeria zu fahren und in Katsina oder Kano zu pennen.

Der Plan stellt sich allerdings als unrealistisch heraus. Bis Madari sind es durchaus zwei volle Tagesreisen, selbst wenn ich heute in Niamey zeitiger losgekommen wäre.

Aber jut, erst mal stehen ein paar Reparaturarbeiten an. Ein Typ vom Hotel hilft mir dabei, einen Laden zu finden, bei dem ich meinen Reifen untersuchen kann. Den Hinterreifen scheint's irgendwie erwischt zu haben, über Nacht ist die ganze Luft raus und ich ahne nix gutes. Hoffentlich isses 'nur ein Loch'... Ca. 100 Meter vom Hotel entfernt gibt’s dann auch schon die erste Reifenstation, und ich schiebe die Karre zu dieser Butze. An den Tanken gibt's übrigens nur in den seltensten Fällen Kompressoren; dafür gibt's Reifen Service Points wie Sand am Meer, wo man Reifen flicken, austuaschen oder aufpumpen kann...


 Es dauert nicht lange, und das Loch im Reifen ist gefunden, keine Ahnung, wie ich es mir rein gefahren habe, vielleicht gestern bei der Grenze oder dann später in Niamey in der Stadt. Habe jedenfalls nix von gemerkt. Egal, hab ja mein tolles Flickzeug dabei und folge brav der Anleitung zum Flicken des Reifens. Der Typ vom Hotel assitiert mir bei jedem Arbeitsschritt, oder besser gesagt: ich schaue ihm dabei zu, wie er für mich die Arbeit erledigt. Ganz schön ekelige Paste, dieses Flickzeug, eine kleine braune Kackwurst, aber sie scheint zu halten...


Nach ca. einer halben Stunde Wartezeit und einer Menge Kippen, wage ich es, Luft rauf zu pumpen, und tatsächlich, es scheint zu halten! Ich drücke dem Betreiber der Station 1000 Franc ab und fahre vorsichtig los... Dit hält, dit hält, dit hält! Fantastisch! Also, ich bin schon einigermaßen begeistert von dieser Kleberwurst, das scheint echt was zu taugen, Merci beaucoup, Papa! Laut Beipackzettel des Flick-Equippments darf ich nach dem Flicken allerdings nur noch max. 60km/h Höchstgeschwindigkeit fahren und nach spätestens 400 Kilometern muss ich den geflickten Reifen auf jeden Fall wechseln. Ähem, ja, gut... Das ist jetzt aber irgendwie blöd... Ich fahre natürlich auch sehr vorsichtig mit dem geflickten Reifen, weil ich ziemliche Angst habe, dass der Pfusch von eben wieder aufgeht und mit die ganze Luft auf einmal raus schießt. Aber nach und nach finde ich mehr Vertrauen zum Reifen und es geht wieder einigermaßen vorwärts. Ich entschließe mich, die Vorschriften des Beipackzettels nicht mehr als zweifach zu überschreiten. Zumindest bemühe ich mich... Mit 120 maximaler Geschwindigkeit kehrt auch mehr Ruhe ein auf meiner Tour, macht eigentlich mehr Spaß, nicht so zu rasen, und ich kann besser entspannen, ausserdem mache ich trotzdem gut Kilometer, eigentlich 'ne gute Geschichte so ein kaputter Reifen!

Der Zeitpunkt, dass ich endlich mal meine TKC80 drauf ziehe, rückt aber näher. Der Vorderreifen hat mittlerweile 25000 runter, der Hinterreifen ist angezählt. Am besten also demnächst mal komplett wechseln lassen, optimalerweise vor den schwierigen Strecken in Kamerun. Wird auf der ToDo - Liste notiert. Gemeinsam mit dem anstehenden Ölwechsel, schließlich habe ich schon 10000 runter mit der aktuellen Ladung Motoröl... Ich hoffe, dass sich in Nigeria die Möglichkeit dazu ergibt.

Den Helm habe ich mir übrigens auch vorgenommen, da sich schon wieder eine Schraube gelöst hat. Diesmal hilft nur das gute alte Gaffer-Tape. Schön alles zugeklebt und dann mal schauen, ob das hält. Aber auch das war eine gute Lösung, ich muss das Gaffer-Tape zwar ab und an mal neu drauf kleben, aber der Sonnenschutz ist jetzt endlich mal wieder stabil und klappert nicht wie blöde, wenn ich mal etwas Gas gebe...



Ich brauche nur ca. eine Stunde, um das Mopped wieder fahrtüchtig zu bekommen, allerdings komme ich heute trotzdem erst extrem spät los. Erst um 1330Uhr verlasse ich Niamey. "Schuld" daran ist das Internet, habe hier im Hotel eine Connection und will das unbedingt ausnutzen. 

Ich pflege meine Kontakte zu den anderen Travellern. Irgendwie isses witzig. Ich komme mir vor wie ein Vampir, dessen Vampir-Gefährten überall auf der Welt verstreut sind. Man sucht sich und redet miteinander. Letzten Endes geht aber doch jeder seinen eigenen Weg und ist in letzter Konsequenz Individualist. Es gibt einen wunderschönen Dualismus aus Invidualität einerseits und der sehnsuchtsvollen Suche nach Gemeinschaft andererseits. Das klassische Vampir-Dilemma, nich wahr? Siehe auch Anne Rice's geilen Roman "Lestat - The Vampire".

Noch in der Zebrabar hatte ich von Monika den Gedank zu einem Dänen bekommen, der auf einer Straßenmaschine (VFR) eine Around the World Tour durchzieht und in Afrika auf einer ähnlichen Route unterwegs ist wie ich. Nur etwas vor mir halt. Mick Hoey heißt der gute Mann und seinen Blog-Einträgen zufolge scheint er ganz witzig zu sein. Ich erfahre allerdings von seiner spanischen Freundin, Bea, dass er bereits mit einer anderen Reisebekanntschaft im Congo angekommen ist. Boah, da hat er aber seit seinem letzten Blog-Eintrag von Ouaga ganz schön Gas gegeben. Junge, Junge. Und es eben tatsächlich geschafft, mit seiner VFR die Dirt Roads von Kamerun und Gabun zu meistern. Herzlichen Glückwunsch! Der Kontakt zu Mick (über Bea) ist sehr nett, und wir bleiben auf jeden Fall in touch. Mal sehen, ob sich das ausgeht, aber wir planen vage, uns in Cape Town zu treffen. Mick und sein Kumpel sind einfach schon zu weit voraus, als dass sie auf mich warten könnten. Ist auch okay, ich will ja auch nicht schnurstracks runter in den Congo, sondern noch einen kleinen Urlaub mit Nina in Kamerun einschieben ;-)

'Auch von Didi gibt's ein Update. Er ist gerade in Laayoune, West Sahara, angekommen. Ich gebe ihm eine grobe Routenbeschreibung, denn er wird wohl eine sehr ähnliche Strecke fahren wie ich. Allerdings ist er auch mit anderem Zeitplan unterwegs und hat nicht so viel Streß. Da kann er sich alles etwas mehr in Ruhe anschauen unt mit seinem Zelt an den verschiedenen Orten mal etwas länger bleiben... Heute schaut er sich wohl mal zwei gestrandete Schiffe an, die bei Boudjouin am Strand hängen...

Bueno, ich komme ja wie gesagt wieder mal extrem spät los und schaffe es heute deshalb nur nach Birnin-Konni. Und auch das nur mit Mühe und Not. Es sind mehr als 400 Kilometer, und ich komme mal wieder in die Dämmerung rein. Der Weg nach "Konni" führt mich über Dosso und Dogondoutchi.

Ich mache nicht so sonderlich viele Stopps heute, will einfach ein paar Kilometer machen und Richtung Nigeria kommen. Bereits ab Burkina Faso gab es mal wieder - nach langer Zeit - Ampeln und auch kostenpflichtige Peage für mich als Moppedfahrer. Die Ampeln habe ich absolut nicht vermisst in Senegal, Mali und so weiter. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man diesen Blödsinn weltweit abschaffen sollte. Gibt's einfach bessere Lösungen für, die den Verkehr eher 'fließen' lassen. Es fällt mir auf jeden Fall sehr schwer, die paar Ampeln, die ich jetzt im Niger sehe, wirklich zu respektieren...

Einen Kompass braucht man übrigens im islamischen Teil Afrikas nicht. Die häufigen Gebete genügen, man man sich immer bestens auskennt, wo der Osten ist. Wenn die Kollegen ihre Gebetsteppiche ausrollen ist man wieder im Bilde. Und kein Witz, das hilft tatsächlich bei der Navigation! Dabei gibt es oft sehr ‚spezielle‘ Orte für die Gebete, z.B. am Straßenrand neben dem abgestelltem LKW, hinter der Tankstelle oder auf'm Parkplatz. Die Location wird scheinbar sehr spontan auserkoren und ist eher Nebensache. Eine besondere Intimsphäre scheint das Beten auch nicht zu sein, die Leute sind da relativ abgehärtet, glaube ich...

Auf den Straßen sehe ich überdurchschnittlich viele Pärchen. Ich meine abgeschleppte Autos, die mittels teilweise sehr beängstigender improvisierter Abschleppseile durch die Gegend gezogen werden. Interessanterweise sind abgeschleppte Fahrzeuge in der Regel schneller unterwegs als normale Autos. Das scheint hier eine regelrechte Strategie zu sein: gemütlich tingeln, solange alles okay ist  am Auto. Aber sobald irgendwas nicht okay ist (es wird dunkel, es gibt schlechte Sicht, es regnet oder es gibt irgendein technisches Problem) – dann heißt es Rasen bis der Arzt kommt… Vielleicht wollen die dadurch nur schnell dafür sorgen, dass die Straße wieder frei wird, keine Ahnung; ich bin nicht so richtig dahinter gestiegen. Geplatzte Reifen sind hier absolut Standard, und es kommt alle Nase lang vor, dass man auf der Straße ein liegen gebliebenes Fahrzeug sieht oder selbst Zeuge eines ohrenbetäubenden Bängs wird. Ist auch kein Wunder, bei den alten Pneus, die hier verwendet werden, und den Straßen hier.  Insbesondere die ‚Huckel‘ zur Geschwindigkeitsbegrenzung in den Dörfern sind eigentlich kleine Wehrtürme. Ich komme mit meiner ausgezeichneten Federung/Dämpfung ganz gut drüber weg, aber die einheimischen Kaschemmen müssen da jedes Mal Existenzängste ausstehen. Manchmal kommt es mir so vor, als säßen die Leute in den Dörfern um diese Huckel rum und warteten darauf, dass wieder mal ein Auto oder Mopped hopps geht an so einer Barrikade… Ist bestimmt eine interessante Methode, sich die Zeit zu vertreiben.

Die Leute in Afrika sind übrigens auch wahre Großmeister der Beladekunst. Unglaublich, was sie auf ihren Fahrzeugen so alles transportieren. Mopppeds mit drei Personen drauf sind eigentlich Standard. Habe aber auch schon vier Leute auf einer Kiste gesehen. Auch ein Mopped auf (!) einem anderen Mopped war mal dabei. Alles geht, kein Problem. Muss nur schön verzurrt oder sonstwie gehalten werden, und ab geht die Post. Die Kleinbusse, mit denen hier der öffentliche Nahverkehr abgewickelt wird, sind besonders schöne Beispiele für die hohe Schule des Beladens. Regelrechte Hochstapler sind hier am Werk. Nicht selten kommt es vor, dass sich auf dem total überfrachteten Dach eines solchen Kleinbusses auch noch diverse Leute tummeln, die sich an irgendetwas festhalten und so über die Fernstraßen gurken.

Achtung, da kommt einer...


Kawumm, wackel, wackel...


Beängstigend sind aber erst mal so richtig manche atemberaubend beladene LKWs. Mir ist da schon hin und wieder mal so ein „schiefer Turm von Pisa“ entgegen gekommen. Da habe ich schon hin und wieder mal ein etwas mulmiges Gefühl bekommen auf der Straße, und ich habe gebetet, dass sich da nix von der Ladung löst...

Im Gegensatz zu Mali und Burkina gibt es in Niger wieder verhältnismässig viele Checkpoints. Polizei, Gendarmerie, Zoll und Peage wechseln sich in kurzen Abständen ab. Meine Fresse, geht's noch? Manchmal treten die verschiedenen Grüppchen kombiniert auf, oft folgen sie aber auch unmittelbar direkt aufeinander - was mich schon ganz schön kirre machen kann.

Ich werde auch öfters angehalten, allerdings wollen die Bullen auch nur ins Gespräch kommen und ein bisschen mit diesem Freak da auf seiner gigantomanischen Maschine quatschen. Kaum einer will mal den Ausweis sehen und wenn, dann gucken sie auf das Teil wie ein Neandertaler auf 'nen iPod. Es sind immer wieder die gleichen Gespräche, die ich mit den Herren führe. Das nervt dann irgendwann, und ich will ja eigentlich nur zügig weiter. Außerdem ist es echt Scheiße, in der brütenden Hitze anzuhalten, dumm rum zu stehen, die Handschuhe auszuziehen, dann wieder anzuziehen. Muss ja nicht sein, ick will ja nur fahren, Kollegas, ok? Bin keine Bedrohung für die nationale Sicherheit, ich versprech's! Auf der anderen Seite haben die Bullen natürlich die Autorität auf ihrer Seite und es ist gewissermaßen ein Drahtseilakt. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu ‚schnippisch‘ werde und mein Blatt überreize. Denn wenn sie richtig sauer werden, habe ich bestimmt auch keine guten Karten mehr… Es gibt aber keine kritischen Situationen, ich bleibe immer ausreichend nett und lasse mich auf die zeitaufwendigen Small Talks ein. Ich bekomme ziemlich viele Angebote von Interessenten, die das Mopped kaufen wollen, wenn ich aus Südafrika wieder zurückkehre. Yep, yep, mach ich ja bestimmt, wenn ich wieder zurück komme. Bla bla bla.

Bewusst oder unbewusst überfahre ich dann auch mal ab und an einfach einige Stopps. Natürlich nicht dann, wenn sie explizit nach mir winken oder so. Aber oft sitzen sie einfach abseits irgendwo am Straßenrand und ich winke mal kurz und gib dann Gummi. Habe einfach keinen Bock, bei jedem Idioten anzuhalten und das übliche bla bla durchzuziehen. Die können mir sowieso nix. Hierher fahren werden sie mir sicher nicht. Und im Prinzip wollen die meisten ja auch nur gemütlich im Schatten sitzen und ihre Zeit rumkriegen. Manche 'verstecken' sich auch so gekonnt, dass ich schon anhalten und direkt nach ihnen suchen müsste. Das lasse ich aber, man muss den Ärger ja nicht provozieren, gel? Sollte also kein Problem sein, wenn ich zügig weiter fahre...




Eine  coole Sache isses übrigens mit den Banken hier in Afrika. Ich habe echt so gut wie keine Probleme, an den Guichetes (ATMs) Cash zu ziehen. Es gibt eine ganze Reihe von Banken, die das anbieten. Meine aktuelle Lieblingsbank ist die panafrikanische Ecobank. Die gab’s bislang in allen Ländern hier und ist praktisch meine erste Anlaufstelle, wenn ich in eine neue Stadt komme und wieder mal Cash brauche.

Bueno, als es schon wieder dunkel wurde und mir klar wurde, dass ich es nicht bis nach Madari schaffen würde, habe ich mich Gott sei Dank rechtzeitig besonnen und in der größeren Stadt, Birnin-Konni, angehalten. Im Dunkeln sind die Städte hier schon etwas scary. Das liegt daran, dass es praktisch keine Straßenbeleuchtung gibt, es also stockfinster ist. Die Autos, die unterwegs sind, scheinen alle mit Fernlicht zu fahren. Es blendet wie Sau. Und man sieht innerhalb einer Stadt nur ein paar Meter weit. Echt schwierig, sich dann dort zu orientieren. Aber in "Konni" habe ich wieder mal nicht lange gebraucht, um mit ein paar Einheimischen in's Gespräch zu kommen. Und schwupps, hatte ich auch schon meinen Hotelberater zur Seite, der mir die verschiedenen Optionen in "Konni" zeigte. Bin dann im La Motel untergekommen, einer Location, die auch im Lonely Planet gelistet ist. Nicht der Brüller, aber das Essen war ganz annehmbar. Egal, Hauptsache pennen und morgen geht's weiter.

Ich bin mittlerweile schon ganz schön faul und bequem. Die Kackwurst lasse ich gleich mal auf dem Mopped zurück. Hab einfach keinen Bock, sie abzuschnallen und morgen früh wieder drauf zu tun. Wäsche wechseln steht für heute sowieso nicht auf dem Programm. Muss bloß mal sehen, dass ich die Socken irgendwo draußen auslüfte. Die stinken nämlich pervers...




 Für morgen steht wieder eine lange Tour auf dem Programm. Von Birnin-Konni bis Kano in Nigeria sind's etwas mehr als 500 Kilometer. Dazu kommt ein Grenzübergang. Also einiges los morgen... Ein bisschen irre, dass ich ursprünglich geglaubt hatte, es wäre möglich, an einem Tag von Niamey nach Kano zu fahren...

Ja! Und? Äh...

Yaoundé - da bin ick!

Ganz schön heftige Nummer die letzte Woche seit meinem Aufbruch aus Ouagadougou, Burkina Faso. Dürften etwas mehr als 3000 Kilometer gewesen sein durch Burkina, Niger, Nigeria und Kamerun. Und die Strecken waren nicht gerade das leichteste, was ich bislang in Afrika hatte. Also ich fühle mich durchaus gutgehend geschlaucht, körperlich und auch im Kopf. Morgen nachmittag kommt mein Schatz eingeflogen aus Österreich, und ich werde sie in Doula abholen. Das ist nochmal eine 250 Kilometer "Spazierfahrt" aus Yaoundé, sollte also null problemo sein - im Vergleich zu den teilweise echt krassen Touren der letzten Tage. Dann werden wir erst mal gemeinsam an nen schönen Strand fahren, nach Kribi oder so, und gemütlich auschillen...

Ich habe mich für heute Nacht im Hilton einquartiert und habe das erste Mal seit langer Zeit wieder eine passable Internet Connection. Nu muss alles raus aus'm Kopf und rein in's Netz, was sich angestaut hat. Ich werfe die gesammelte Grütze wie gewohnt chronologisch online, hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack. So können sich die Übernachtungsmöglichkeiten in Afrika unterscheiden.

Mein aktuelles Zimmer im Hilton:



Mein Bettchen von gestern Abend (über das ich mich aber wesentlich mehr gefreut hab als über das King Size Fußballfeld von heute):

Mittwoch, 12. Mai 2010

Mond an Houston - bitte kommen!

Halli Hallo Halloele liebe Freunde,

hab ziemlich Gas gegeben die letzten Tage und bin mittlerweile im wunderschoenen Ngaoundere in Kamerun. Aber das geht ihr ja alle sicherlich bestens aus dem Fernsehen ("Baywatch", "Ein Fall fuer zwei" sowie "TKKG - Die Profis sind wir"). Laut Navi sind es jetzt noch knapp 850 Kilometer bis Yaunde und nochmal 200 weitere bis Doula. In einem der beiden Orte wird Nina am Samstag oder Sonntag mit dem Flieger ankommen. Ich denke, das sollte zu schaffen sein. Fuer morgen steht aber eine tolle Etappe von 270 Kilometern Dirt Road auf dem Programm, von Ngaoundere bis Garoua Boulai - ein Abschnitt, von dem ich schon in Senegal gehoert habe. Na ich bin mal gespannt, ob's wirklich so schlimm ist, wie ich gehoert habe...

Also bei mir laueft alles bestens, ich habe wieder eine Menge zu berichten, scheitere aber momentan am schlechten bzw. nicht verfuegbaren Internet hier unten. Vielleicht kann ich den Typen an der Rezeption meines heutigen Hotels geeignet unter Druck setzen, damit er den Code fuer's Wifi raus rueckt, noch ziert sich der Junge ziemlich. Dann pumpe ich wieder einen ganzen Bottich gequirlten Afrika-Reise-Scheiss in's Netz. Ich habe natuerlich fleissig weiter offline gebloggt und da kommt ne Lawine, versprochen.

Vielleicht nur mal janz kurz zur Auffrischung die Etappen der letzten Tage:

Freitag:       Niamey (Niger) - Birnin Konni
Samstag:     Birnin Konni - Kano (Nigeria)
Sonntag:     Kano - Maiduguri
Montag:      Maiduguri - Waza (Kamerun)
Dienstag:     Waza - Garoua
Mittwoch:    Garoua - Ngaoudere

Yep, so sieht's mal aus. Gehe jetzt erst mal was futtern und versuch's dann noch mal ueber WiFi reinzukommen. In die Butze, wo ich gerade am Desktop PC sitze, werd ich wohl nicht noch mal zurueck kehren, um meine Eintraege online zu stellen. Kriegt man ja 'nen Koller bei dieser Kiste hier...

Also, bleibt sauber & bis spaeda!

Freitag, 7. Mai 2010

The Sound of Afrique - Mal ordentlich eins inne Fresse

Sechs Wochen on the road, bald 8000 Kilometer auf dem schwarzen Kontinent, kein Schokomüsli weit und breit, überall schwarze Menschen. Das hält doch kein Mensch aus auf Dauer und man wird ganz deppert inner Birne. Tja, da hilft doch nur eines. Und zwar eine gehörige Portion nordischer Todesblei. Und wer beherrscht den besser, als der Godfather of Black/Death Metal, Peter Tägtren. Einfach nur geil diese Band, ick liebe sie! Rummsen muss es, Alda, rummsen!!!

Und - für alle, denen das bislang noch nicht so 100% klar war - ja, es gibt auch beim Death Metal Lyrics (siehe unten). Sind zwar nicht immer astrein zu verstehen - und im Falle von Tägtren vielleicht nicht die geilsten der Welt - aber es gibt sie ;-)


Hypocrisy - Fractured Millenium

Yeah!!!

I came from second Universe.
I've travelled far.
I'm a god, I'm not pleased.
Is this the way you're supposed to be?
You're free from the game.
Doesn't anyone care anymore?
Killing your own world.
There's nothing to stop you.
Can't you see what you're doing?
Its got an end, or nothing will be left!
Dying... planet!!!
Mother Nature bleeding, She will die.
Burning... planet!
Burning lives and torching wilderness.

I'm screaming out inside.
But there's no one around.
Raping people ???, but you won't quit.
No!
Ready to strike back.
Ready for death.
Armageddon waits near.
Do the rules of this ???
You gotta go on 'til you die.
We're entering an Age of Money.
Power is all you breed.
Praying to god who don't exist.
Can't you see what you're doing?
Its gotta end, or nothing will be there!
Dying... planet!!!
Mother Nature bleeding, She will die.
Burning... planet!
Burning lives and torching wilderness.

DFB-Inside: Die vorläufige WM-Aufstellung

Wie ihr wisst, hat Jogi gestern den vorläufigen 27-köpfigen Kader für die WM in Südafrika bekannt gegeben. Ich muss mich noch entschudligen, dass ich in den letzten Tagen nicht so oft zum posten gekommen bin. Jetzt kann ich es ja sagen: der Aufenthalt im OK Inn war nur dafür da, dass ich in Ruhe mit Jogi, Olli, Hansi und Andi skypen kann. Es gab ja doch noch einige Baustellen, die wir fixen müssen in der Nationalmannschaft. Na ja, und die Jungs aus dem Trainerstab sind halt ganz schön aufgeregt gewesen, bis ich ihnen nochmal meine Vision verdeutlichen konnte und wir mit dem Kader an die Öffentlichkeit gingen. Na ja, ein paar Nominierungen sind ja de facto nur dafür da, um die Öffentlichkeit ruhig zu stellen. Hier kommt die tatsächliche Elf, auf die ich mich, äh, ich meine auf die wir uns in den letzten Tagen festgelegt haben:

Tor:
Hans-Jörg Butt

Also Neuer oder Wiese könnten den Job auch machen, aber Butt hat einfach die Erfahrung und ist - hat er mit Bayern gezeigt - auf jeden Fall ein Keeper mit internationalem Niveau.

Abwehr:
Jerome Boateng
Per Mertesacker
Holger Badstuber / Arne Friedrich
Philipp Lahm

Ok, bis auf die Position des zweiten Innenverteidigers gibt's hier nicht viel zu diskutieren. Badstuber hat eine überragende Saison bei Bayern abgeliefert und ist sicher DER Mann der Zukunft. Aber er ist noch nicht integriert in die Nationalmannschaft. Von Westermann und Tasci halte ich ja nichts. Deshalb Arne! Etwas überraschend, aber ich finde, es hat was, dass der Kapitän von Absteiger Hertha dabei ist bei der WM. Sicher kein Filigrantechniker, aber als Innenverteidiger womöglich eine gute Wahl (er darf nur auf keinen Fall rechts außen spielen!)

Mittelfeld:
Bastian Schweinsteiger
Michael Ballack
Mesut Özil
Marcell Jansen / Marko Marin / Toni Kroos / Piotr Trochowski

Im defensiven Mittelfeld gibt's keine Frage, da sind Ballack und Schweini gesetzt. Im offensiven dürfte Özil spielen und neben ihm bieten sich eine ganze Reihe von Spielern an, die aus meiner Sicht auf einer Stufe stehen. Mein Lieblingsspieler hier ist Jansen, aber womöglich passt Marin besser, weil Özil und Marin sich aus Bremen kennen. Bleibt noch spannend im offensiven Mittelfeld. Zumal Podolski und Müller beide ebenfalls hier spielen können. Aber wir gehen erst mal von einem klassischen 4-4-2 aus, gel?

Sturm:
Miro Klose
Lukas Podolski / Thomas Müller

Im Sturm ist es definiv am schwierigsten. Deshalb die konservative Jogi-Variante mit Klose und Poldi. Von Gomez halte ich nicht viel, Cacao (aka Helmut) kenne ich zu wenig, Kießling darf ja mal mitfahren (aber um Gottes Willen nicht spielen!) Daß es Klose und Poldi drauf haben, wissen wir. Okay, sie sind nicht gerade in Überform, aber so ein beinhartes Jogi-Trainingslager kann da schon einiges bewegen. Das wird schon. Und der Mann der Zukunft ist Thomas Müller. Er kann auch heute schon spielen, kein Problem, wenn einer der anderen beiden wirklich nicht mehr in Tritt kommt...

So, jetzt wisst ihr Bescheid.

Ach ja, mein Tipp: Deutschland wird Weltmeister durch ein 19:17 im Elfmeterschießen gegen Ghana. Den entscheidenen Elfmeter verwandelt Oliver Kahn. Der musste ran, als schon alle Mitglieder der DFB-Delegation (inklusive Franz Beckenbauer und Johannes B. Kerner) einmal geschossen hatten.