Montag, 3. Mai 2010

Tag 35 - Wie heißt die Hauptstadt von Burkina Faso?

So oder so ähnlich lautet ja eine Standardfrage der Nerds, mit der man eindeutig feststellen kann, ob sich jemand in Geographie auskennt oder nicht. Na ja, Quagadougou ist die Antwort und ja, ich hätte es auch gewusst, wenn ich nicht auf meiner Reise durch Burkina Faso gekommen wäre. Komisch, aber Quagadougou war mir schon als kleines Kind ein Begriff. Klingt einfach so abgefahren und ziemlich 'real' afrikanisch, oder?

Am Samstag, dem Tag der Arbeit (gääähn...), war ich ja noch in Ségou, also Zentral-/Südmali, nach meiner Batterieaustausch-Aktion am Tag zuvor. Im Hotel Independance gab's mal wieder WiFi und so habe ich noch am Samstagmorgen einiges online gestellt, was mich aber aufgrund der langsamen Internet-Verbindung ganz schön genervt hat. Ich bin dann auch mal wieder erst am Nachmittag losgekommen, aber für den Tag stand nur eine 'kurze' Etappe nach Mopti bzw. Sévaré auf dem Programm. Dort wollte ich mich mit den beiden Schwyzern, Roland und Denise, wieder treffen und noch eine Nacht übernachten, bevor es weiter über die Grenze nach Burkina gehen sollte.

Im Hotel Independance in Ségou war ja nicht so elend viel los, die paar Leute, die aber da waren, schienen an irgendeinem Kongress teilzunehmen bzw. teilgenommen zu haben. Irgendeine Hilfsorganisation (US Aid) schien da mit drin involviert zu sein.



Ich wollte gerade los, als die Meute aus dem Sitzungssaal raus kam, und dann gab's natürlich erst mal einiges an Smalltalk und Fotos zu machen...

Well, während der Reise und auch schon davor habe ich mir des öfteren Gedanken über die Frage gemacht, warum es eigentlich Afrika so 'beschissen' geht, auch ca. 50 Jahre nach der Entlassung in die Unabhängigkeit von ihren ehemaligen 'Kolonialherren'. Wir hatten dann auch an diesem Abend in Sévaré mit Roland und Denise ausführlich darüber diskutiert. Ich denke, dass es - wie so oft - eine ziemlich komplexe Geschichte ist. Alles auf die Europäer abzuwälzen wäre wahrscheinlich zu einfach. Es aber nur auf die afrikanische Mentalität und die durchaus vorhandene Chillout-Kultur (Lassez-faire) zu schieben, trifft's meiner Meinung nach auch nicht. Es kommen einige Gründe zusammen, aber ich sehe definitiv die Europäer noch sehr stark in der Verantwortung, dabei zu helfen, die Scheiße, die sie vor gar nicht allzu langer Zeit verzapft haben, wieder gerade zu biegen, sofern das überhaupt möglich ist.

Was mich dabei zunehmend aufregt, ist die Kultur der unzählig vielen Hilfsorganisationen und NGO's, die auf dem afrikanischen Kontinent tätig sind. Keine Ahnung, ich kenne auch nicht jede einzelne, und es gibt sicher auch aufrechte, integre Vereine, die mit aller Kraft versuchen, etwas zu erreichen. Daneben gibt es aber definitiv auch eine ganze Menge dieser Organisationen, die einfach um ihrer selbst Willen existieren. Ich hatte schon in Ghana eine ziemliche Wut im Bauch, als ich Mitarbeiter der Hilfsorganisationen in ultramodernen 4x4 Jeeps durch den Busch cruisen gesehen habe, während sich die Bevölkerung (und die Rucksack-Touristen) in den ultra-gefährlichen Trotros zusammen quetscht oder zu Fuß, auf'm Esel oder sonstwie durch die Lande reist. Das Bild, was sich da bei mir gebildet hat, war das eines gut versorgten 'Beamten', der in seinem klimatisierten Büro einen 'leichten' Job erledigt, dabei noch einen oder mehrere einheimische Assistenten zur Seite gestellt bekommt, die die eigentliche Arbeit machen, sollte es denn welche geben, und wenn Feierabend ist, well, dann is eben Feierabend. Ich halte das oft für alles andere als heldenhaft, was die Jungs und Mädels da abziehen. Und das natürlich komplett auf Basis öffentlicher oder Spendengelder. Das ist eine derart große Maschinerie, die sich da im Laufe der letzten Jahrzehnte aufgebaut hat, dass mittlerweile sicherlich eine riesige Anzahl von Leuten gerade von dieser Maschinerie leben. Und sich dabei gut 'eingerichtet' haben. Und sie haben mit Sicherheit kein inhärentes Interesse daran, an diesem Status Quo, d.h. an den bestehenden Geldflüssen etwas zu ändern. Eine große Scheiße ist das. Ich meine, das Konzept der Entwicklungshilfe hat einfach mal versagt. Den afrikanischen Ländern geht es trotz dieser Geldflüsse einfach mal beschissen, und ich glaube mittlerweile, dass diese Geldflüsse mehr Schaden anrichten, als dass sie Nutzen bringen. Für die Einheimischen ist es das falsche Signal ("Hilfe kommt immer von außen..."), die NGOs und Hilfsorganisationen sitzen als Nutznießer zwischen den Geldgebern und den Geldempfängern und darüber hinaus gibt es noch zig Leute an den Schalthebeln der jeweiligen Empfängerländer, die Mittel und Güter zum eigenen Vorteil abzweigen. Ich weiß nicht, ob's stimmt, könnte es mir aber gut vorstellen, dass nach den Riesen-Spendenaktionen im Rahmen der Live Aid Geschichte in den 80ern mehr Kohle für Waffen als für Lebensmittel investiert wurde. Einfach krank. Meiner Meinung nach benötigt Afrika dieses Scheiß-System nicht, allenfalls Hilfe zur Selbsthilfe, Beratung, Knowledge Transfer und so weiter. Und natürlich mal ein wirklich faires Weltwirtschaftssystem, in dem die afrikanischen Länder auch tatsächlich eine echte Chance haben. Aber dazu müsste die G8 ganz schön ihren Arsch bewegen und eigene Interessen preisgeben. Und das ist dann wahrscheinlich doch etwas viel verlangt, zu mal es sich mit dem aktuellen Status Quo doch auch hervorragend leben lässt (zumindest im Westen, gel?).

Na ja, man macht sich da so seine Gedanken, aber zurück zum Thema. Ab nach Sévaré sollte es gehen. Bevor es losgehen konnte, nochmal mein Bike angekiekt. Macht wirklich eine gute Figur, wenn ich es mit den 125er Yamaha und China-Moppeds vergleiche, die hier ansonsten verbreitet sind. Stolz, yummie!


Von Ségou ging's dann endlich los und ich bin zum vierten Mal in Tonah gewesen, bei meinen Kumpels, die mir so fein mit der Batterie geholfen hatten. Dabei nochmal den Bani überquert, einen Ableger des Niger. Hinter der Brücke bei Pont Bani (oder so) hatte ich vor ein paar Tagen die Schweizer kennen gelernt. Dann weiter nach Bla, einer größeren Siedlung zwischen Ségou und San, nicht zu verwechseln mit Blubba oder Kladderadatsch.

Angekommen in San hätte ich die Möglichkeit gehabt, den direkten Weg nach Burkina Faso zu fahren, d.h. auf der Hauptstaße in Richtung Süden in die burkinische Stadt Bobo-Dioulasso. Aber ich hatte mich ja für die etwas schwierigere und weitere, dafür aber landschaftlich und kulturell tollere Gegend über Mopti und das Dogon-Gebiet entschieden. Nach San habe ich noch mal eine kleine Pause eingelegt. Kippe rauchen, was trinken. Das ganze schön im Schatten eines dieser megafetten Brummer-Bäume. Leider bin ich auch ein botanischer Analphabet und hab keine Ahnung, wie die Dinger heißen. Ich finde sie aber auf jeden Fall sehr imposant, und diese Bäumchen erinnern mich immer irgendwie an den Film "Avatar", wo ein ganzes Volk auf einem, zugegebenermaßen noch etwas größeren Bäumchen, gelebt hat. Dufte.




Auf der weiteren Fahrt Richtung Norden nach Mopti/Sévaré ging's zwangläufig durch eine ganze Menge Dörfer. Ich finde Mali echt ein cooles Land. Landschaftlich abwechslungsreicher als ich es mir vorgestellt hatte. Und die Leute sind wirklich mal richtig freundlich. Klar, die Städte muss man da immer etwas gesondert betrachten, da gibt's immer auch eine ganze Menge Idioten, aber entscheidend ist für mich auf'm Platz, ich mein auf'm Lande, gel? Ich finde auch die Farbvielfalt bei den Klamotten geil, d.h. in erster Linie bei den Frauen (die Kerle tragen - wie ich - bevorzugt Fußball-Trikots...). Es ist einfach optisch 'ne Wucht, was man da so zu sehen bekommt. Nicht reich und pompös, aber einfach schön.



Ich dachte eigentlich, ich müsste durch Mopti durch, um nach Sévaré zu kommen. Ich hatte im Laufe des Tages eine SMS von Roland und Denise bekommen, und sie meinten in der Mankan Te Herberge (in Sévaré) untergekommen zu sein. Ca. 15 Kilometer vor Mopti war mir dann so, als hätte ich sowas ähnliches im Rückspiegel gesehen. Also umgedreht und tatsächlich, da ist diese Herberge. Und wie ich später herausfinden sollte, war ich bereits auch bereits in Sévaré.Coole Sache, kurz abgecheckt, ob der Toyata der beiden irgendwo zu sehen war. War er! Na nix wie rein inne gute Stube!


Der Laden wird von einer Deutschen, die seit 17 Jahren in Mali lebt, betrieben. Sie ist schon ein paar Tage älter, ganz nett eigentlich, aber auch ein bissel komisch. Wird man wahrscheinlich auch, wenn man so lange dieser intensiven Sonnenstrahlung ausgesetzt ist ;-) Na ja, das WiFi haben wir nicht zum laufen bekommen. Dafür war das Zimmer okay und die Herberge hatte das besondere Feature einer kleinen aber feinen Schildkröten-Farm. Scheint hier durchaus verbreitet zu sein. Auch in der nächsten Herberge in Burkina hatte ich dann wieder Schildkröten als Haustiere gesehen. Die geben ja auch eine prima Mahlzeit ab, wenn gleich sie nicht so schnell nachwachsen, hmm...



Die Großtante von Fräulein Flauschig war auch da, hatte allerdings heute nicht so viel Lust auf Besuch und hat sich deshalb in ihre Gemächer zurück gezogen...


Mit Roland und Denise habe ich mich super verstanden. Sie sind echt ein nettes Pärchen und eine angenehme Gesellschaft. Wir hatten eine Menge zu besprechen, natürlich die Erlebnisse der letzten Tage, die Reiserouten, den Zustand des deutschen und schweizerischen Fußballs und auch insbesondere den Zustand Afrikas in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Sie interessieren sich auch für den Blick hinter die Fassade, und es war wirklich cool, mit ihnen zu plaudern. Zum Abendessen sind wir in's nahegelegene Restaurant gegangen, welches auch mehr oder weniger zum Hotel gehört. Das war echt ein cooles Erlebnis. Das Essen war okay, aber danach spielte eine einheimische Band auf. Und diesmal nicht nur mit ein paar Hand-Trommeln, was ich ein bisschen öde finde, sondern mit kompletter Besetzung. Trommeln, Percussion, Gitarre, Gesang, Tanz. Und wie mir Roland beibrachte, handelte es sich hierbei um den Mali-Blues. Es gibt sogar die These, dass der amerikanische Blues von malinesischen Sklaven quasi importiert wurde. Krass, ne? Der Sound hier war auf jeden Fall geil. Es hat mich total an den geilen Blues-Film "Black Snake Moan" erinnert, den ich vor kurzem gesehen hatte. Da hatte Morgan Freeman einen alternenden Blues-Gitarristen gespielt, ebenfalls sehr cooler Soundtrack. Und die Location hier war keine Touristenfalle, sondern wurde im Laufe des Abends immer besser frequentiert durch Einheimische. Die haben sich fein rausgeputzt, schließlich war ja Samstagabend. Und am Samstagabend wird in Mali Musik gemacht und getanzt. Eigentlich eine geile Gelegenheit, mal 'richtig' Party zu machen und zu der geilen Musik zu tanzen. Aber dafür war ich dann doch einerseits zu müde, andererseits zu verklemmt. Die große europäische Krankheit, Angst davor zu haben, was eigentlich total natürlich ist und Spaß macht: sich zum Beat zu bewegen. Man sagt ja immer so schön, die Schwarzen haben den Beat im Blut. Mag sein. Aber ich glaube, dass Musik in Afrika einfach eine größere Rolle spielt und die Kinder mit der omnipräsenten Beschallung aufwachsen und dann das tun, was man einfach mal tut, wenn's Mucke gibt: tanzen.

Well, ich beschloss, mir von Roland ein paar malinesische und sonstige afrikanische Sounds auf meinen Laptop kopieren zu lassen. Das hat leider nicht ganz so geklappt (dank der glorreichen Apple-Technologie, iPod, ich hab' dir gar nich lieb!), aber zumindest habe ich jetzt eine Liste von Bands, die ich mal auf Youtube auschecken kann.

Auch am nächsten Morgen stand noch mal eine längere Schnackerei mit den beiden Schweizern auf dem Programm. Endlich hatte ich auch mal wieder anständigen Kaffee bekommen, dank Denise. Die Malinesen meinen es sonst irgendwie immer zu gut. Das Zeug, was sie Kaffee nennen, ist einfach mal ultrabitter und gleicht eher Klosterfrau Melissengeist als einem schönen Käffchen...



Da die beiden auch sehr gut vorbereitet in ihre Afrika-Reise gegangen sind, konnte ich wieder mal einiges an Tipps bzgl. künftiger Route und möglicher Unterkünfte bekommen. Die beiden haben ihre Jobs in der Schweiz aufgegeben, die Wohnung gekündigt und sind jetzt so lange unterwegs, wie die Finanzen reichen, auf jeden Fall aber ein Jahr. Coole Sache. Hier eine mögliche Route durch Zentralafrika und die Unterkünfte im Kongo und Angola.


Ich werde allerdings durch Nigeria eine andere Route nehmen (über Katsina, Kano und Maidaguri), im Norden statt die zentrale Route. Aber auch die zentrale Route über Abuja dürfte relativ okay und sicher sein...


Das 'Hotelwesen' da unten scheint einen sehr starken katholischen Background zu haben ;-) Also jeden Tag inner katholischen Mission zu übernachten, fände ich jetzt im Urlaub ein bissel zuviel verlangt, aber mal schau'n, es gibt ja vielleicht noch andere Locations oder eben Bushcamp-Möglichkeiten...


Roland hatte coolerweise auch noch ein Spannungsmessgerät dabei. Damit konnten wir gleich mal schauen, wie es meiner neuen Batterie, die seit ihrem Einbau keinerlei Probleme bereitet hatte, tatsächlich ergeht. Ich hatte ja ein mulmiges Gefühl im Bauch, dass eventuell die Lichtmaschine eine Macke weg hat, und die Batterie nicht mehr vernünftig nachgeladen wird. Der Verdacht hat sich aber nicht bestätigt, mit laufenden Motor gibt's ne deutlich höhere Spannung an der Batterie als im 'Offline'-Modus. Alles dufte, puh!

Ich telefoniere mit Nina und erfahre, dass Bayern praktisch Meister ist. Schalke hat's zu Hause gegen Werder vergeigt und muss sich die Meisterschaft (mal wieder) abschminken. Irgendwie bin ich überhaupt nicht traurig. Nur noch ein bisschen sauer, dass es nicht geklappt hatte gestern mit dem WiFi hier im Hotel. War ja nur eine Frage des Passwords, von dem die ältere Dame felsenfest überzeugt war, es sei das richtige. Hmm, "Network Security Mismatch" signalisiert was anderes. Argh!!

Wie es das Schicksal so will, bin ich auch am Sonntag nicht besonders früh losgekommen aus meiner Bleibe, um meine nächste Etappe anzutreten. Heute sollte es ja durch's Dogon Gebiet gehen in Richtung Burkina Faso. Ich hatte für mich beschlossen, dass ich durchfahren wollte bis Quagadougou, um dort in's OK Inn einzuchecken, einem Hotel, dessen (guter) Ruf bis weit über die Landesgrenzen hinaus geht. So ein schicker Swimming Pool, gutes WiFi und ein Treffpunkt für Overlander klangen sehr verlockend. Ich wusste, dass die Straße, die vor mir lag, nicht besonders gut war. Wie lange es jedoch schlechtere Straßen geben würde und wie schlecht sie jetzt genau sind, wusste ich natürlich nicht. Ich beschloss, die einfachste Route zu wählen und hatte dafür noch ein paar Tipps von der deutschen Hotelbetreiberin bekommen. Wenn es sich anbietet, würde ich an einem Dogon-Dorf halten und es mir anschauen. Ich würde aber nicht eine Tagestour auf einer Sandstraße auf mich nehmen...

Well, ein 'richtiges' Dogon-Dorf sollte ich heute auch nicht mehr zu Gesicht bekommen, aber ich war auch so geflashed von der malinesischen Landschaft und zufrieden mit dem visuellen Input für heute ;-) Von den Dogon-Dörfern hatte ich auch gehört, dass es teilweise ein bisschen anstrengend werden könnte, weil man für jeden Scheiß eine Gebühr zu zahlen hat, praktisch für jedes Foto, das man schießt. Die Omi vom Hotel meinte, das wär Quatsch, keine Ahnung.




Von Sévaré nach Bandiagara war die Straße geteert, in gutem Zustand wie bislang immer in Mali, 120er Reisegeschwindigkeit kein Problem. Kurz hinter Bandiagari veränderte sich dann das Bild. Von der Deutschen hatte ich die Empfehlung, nicht den direkten Weg nach Bankass zu wählen, sondern quasi die Umgehungsstraße. Das habe ich dann auch gemacht. Sie war anfangs noch geteert, mit einigem Split auf der Straße. Nach vielleicht 25 Kilometern verwandelte sich die Straße aber in eine Dirt Road. Das heißt, roter Sand. Nicht meine absolute Lieblingsstrecke, aber es ging. Ich konnte trotzdem ganz gut vorwärts kommen. Die andere Straße, d.h. der direkte Weg nach Bankass, war sicherlich um einiges schwieriger. Also okay, weiter hier. Zwischendurch verlor ich mal leicht die Orientierung, weil es mit der Beschilderung nicht so weit her war, aber ich nähere mich kontinuierlich Bankass, der nächsten Zwischenstation. Auf dem Weg dahin bin ich durch eine Menge kleiner, abgelegener Dörfer gekommen; wohl keine Dogons, die hier leben, aber trotzdem ziemlich beeindruckend.







Also, ich bin sicherlich nicht scharf darauf, mit meiner 450 Kilo Kuh und den Straßenreifen auf einer Sandpiste zu fahren. Es geht zwar, aber ich muss höllisch aufpassen, dass ich nicht wegrutsche. Außerdem gibt's auch oder vielleicht auch vor allem auf einer Sandpiste sehr viele unterschiedliche Untergründe. Mal sind's kleine Bodenwellen, dann wieder eine Sandgrube, dann Kieselsteine oder auch mal teilweise geteerte Flecken. Und jeder Bereich fährt sich halt komplett anders, und die Maschine ist anders zu handeln. Aber egal, auch wenn ich mich immer für eine Teerstraße entscheiden würde, falls ich die Wahl habe, sind diese roten Sandpisten schon der Hammer. Das ist Afrika! Das ist ein unglaublich geiles Gefühl, über diese breiten und sich bis zum Horizont erstreckenden, roten Pisten hinweg zu düsen und eine megamässige Staubwolke zu produzieren und im Rückspiegel zu beobachten. Dazu noch eine Prise Abendsonne oder Dämmerung am Nachmittag. Das ergibt eine wunderschöne rote Tönung. Eine geile Optik. Sehr flashig!

Auch nach Bankass änderte sich die Piste nicht, unverändert roter Sand. Ich musste weiter Richtung Grenze nach Koro, nochmal 30 Kilometer oder so. Das hier fühlte sich einfach mal richtig afrikanisch an. Sobald es Teerstraßen gibt, ist das Gefühl ein anderes. Die Sandpiste verleiht der Gegend hier ein noch gechillteres, abgelegeneres Ambiente.



Barack Obama ist in Afrika ein Popstar. Selbst hier im Nirgendwo. Glaube nicht, dass die Leute hier früher mit einem Konterfei von George W. rumgelaufen sind.


Mittlerweile, ich war bereits durch Koro durch, war die Maschine mal wieder so richtig schön mistig. Der aufgewirbelte Sand bedeckte die ganze Maschien inklusive der Koffer und meiner Klamotten. Eine ganz schön dreckige Angelegenheit. Ich würde meiner Maschine bald wieder eine Handwäsche gönnen, das war sicher. So kann ich mich hier einfach nicht präsentieren. Ohne Quatsch, aber die Leute hier achten tatsächlich darauf, ihre Fahrzeuge, insbesondere auch die Moppeds, sauber zu halten. Habe schon unzählige Leute ihre Moppeds waschen sehen anner Tanke oder am Straßenrand. Und ich selbst habe schon einige Stirnrunzler geerntet, als man meine verdreckte Karre in Augenschein nahm. Aber nö, das wäre mir egal, ist einfach nur ekelig, wenn der Dreck in jeder Ritze steckt. Also bei der nächsten Tanke saubermachen!



So, ich war ja mittlerweile in Koro, aber noch immer war keine Grenze in Sicht. Und die Straße war auch unverändert. Hmmm, ich hatte gehofft, dass die Grenze direkt bei Koro wäre und es ab dort auch wieder Teerstraße geben würde. Stattdessen verteilten sich die 'Grenzanlagen' von Mali und Burkina Faso über die nächsten 50 Kilometer und die Sandstraße würde bis zur ersten größeren Stadt in Burkina, Ouahigouya, verlaufen. Puh, damit sah's nicht mehr gut aus mit meinem Plan, heute noch bis Quaga(dougou) zu kommen. Auf dem roten Sand konnte ich teilweise mit 60-90 ganz gut voran kommen. Zum Ende hin wurde ich aber imer müder, und die Konzentration ließ nach. Es schlaucht mich schon ziemlich so eine Piste...

In Kiri auf malinesischer sowie in Thiou auf burkinischer Seite habe ich mir meine Stempel abgeholt. Wobei ich echt sagen muß, dass ich diesen Grenzübergang hier bislang am witzigsten fand. Ich mein, es gab null Streß. Die Beamten waren alle super cool und relaxed und haben keine Faxen gemacht. Aber die 'Grenzanlagen' selbst sind schon ein Witz; ich glaub, das kann man dann auch gleich ganz lassen...


Das hier ist übrigens - kein Witz! - die Polizeistation von Mali. Da kann man nur die Daumen drücken, dass der Wind nicht so stark bläst...


Der Typ vonner Polizei in Burkina Faso war ganz begeistert von meinem Mopped und hat erst mal ein paar Fotos geschossen...


Oui, geschafft. Ick bin da. Land Nummer Neun. Haute Volta aka Obervolta aka Burkina Faso. Das Land wurde 1984 umbenannt, hieß damals Upper Volta und Korruption war ein großes Problem. 1983 gab's die Revolution unter Thomas Sankara, ein eher links-orientierter Militär. Burkina Faso bedeutet soviel wie "Land der Unbestechlichen". Well, Monsieur Sankara konnte davon nicht mehr allzu viel miterleben. 1987 gab's den nächsten Putsch und der Namensgeber des Landes wurde erschossen...


Die Sandstraße zog sich noch hin bis Ouahigouya, es waren also ingesamt fast 200 Kilometer Dirt Road heute. Obwohl ich bis zuletzt gehofft hatte, dass ich es doch noch schaffe bis Quaga, habe ich in Ouahigouya eingesehen, dass es keinen Sinn mehr machte.


 Ich war einfach durch und nicht mehr fit genug, für die 180 Kilometer Teerstraße nach Quaga. Ausserdem hätte ich dann noch das Hotel suchen müssen. Also angehalten, Lonely Planet gezückt und das Hotel Dunia für heute Nacht auserkoren. Okay, heute fielen mir die Fixer & Berater besonders auf die Nerven. War einfach kaputt und wollte am Straßenrand meine Ruhe haben. In solchen Situationen nervt es mich gewaltig, wenn irgendwelche jungen Typen mit ihren Moppeds vorbei fahren und diese grässlichen Zisch-Laute von sich geben, um auf sich aufmerksam zu machen. Das Blöde ist, dass es funktioniert. Irgendwie hört man dieses beschissene "Zsssss - Schhhh" richtig deutlich auf dem Umgebungslärm raus und guckt dann, was los ist. Man, das stresst. Noch eine neue Telefonkarte besorgt und dann nix wie ab in's Hotel.

Das Hotel ist cool. Nach einigem Suchen habe ich es dann endlich auch gefunden. Ein paar Weißhäute stehen davor und sehen ganz nett aus. Es stellt sich raus, dass die Betreiber ein älteres syrisches (!) Pärchen sind. Hab mich irgendwie gleich wohl gefühlt. Einfach eine nette Athmosphäre. Und das Abendessen, was ich nach einer scheinbar endlosen Wartezeit bekommen sollte, war das Beste, was ich bislang kulinarisch vorgesetzt bekommen habe auf der Reise. Ich liebe einfach die Küche aus Nahost. Das ist für Veggies einfach genial. Neben Indisch mein Lieblinsessen, yummie. Aber sehr fein alle Tellerchen alle gemacht und auch die Mieze nicht vergessen, die seither vertrauensvoll blinzelt, wenn sie mich sieht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen