Happy Birthday, Kongo! Anlässlich Deines Ehrentages gleich mal drei Songs auf den Gabentisch. "Territory" von den Seppels, "Crucificados Pelo Sistema" von den braslianischen Punk-Veteranen Ratos de Porao, ein Song, der auch von den Seppels schon gecovert wurde. Und - last but not least - "Polluted Minds" von den englischen Grindcore-Berserkern von Napalm Death.
Alles ziemlich harter Tobak, aber repräsentativ für die Stimmung, die mich überkommt, wenn ich an 50 Jahre Kongo denke.
Bemerkenswert finde ich jedoch auch, dass die Kongolesen selbst alles andere als auf Krawall getrimmt sind, wenn es um ihre Musik geht. Es sind gar liebliche Klänge, die man hier auf den Straßen hört. Schwer zu verstehen für mich, wenn man im Hinterkopf behält, was dieses Volk erlebt hat.
Sepultura - Territory
Unknown Man
Speaks To The World
Sucking Your Trust
A Trap In Every World
War For Territory
War For Territory
Choice Control
Behind Propaganda
Poor Information
To Manage Your Anger
War For Territory
War For Territory
Dictators' Speech
Blasting Off Your Life
Rule To Kill The Urge
Dumb Assholes' Speech
Years Of Fighting
Teaching My Son
To Believe In That Man
Racist Human Being
Racist Ground Will Live
Shame And Regret
Of The Pride
You've Once Possessed
War For Territory
War For Territory
Ratos de Porao - Crucificados Pelo Sistema
Nascer para liberdade
E crescer para morrer
Crucificados pelo sistema
Morrer sem esquecer
O povo que ficou
Crucificados pelo sistema
(Translation)
Born for freedom
And grown up to die
Crucified by the system
Dying without forgetting
the people left behind
crucified by the system
Napalm Death - Polluted Minds
They not only pollute the air
They pollute our minds
They're destroying the earth
And destroying mankind
Polluted minds
Kill mankind
They don't give a shit
Long as profits are high
They don't give a shit
If people die
Polluted minds
Kill mankind
Mittwoch, 30. Juni 2010
Tag 94 - Hurra, der Unabhängigkeitstag ist da!
Heute isses soweit, die große Feier anlässlich 50 Jahre Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Kongo steigt in Kinshasa. Der Belgische König ist in der Stadt, der Boulevard ist raus geputzt, und in der Bar der Mission läuft die Live-Übertragung dieser putzigen Veranstaltung. Irgendwie scheint dieses Jubiläum die ganze Stadt bzw. das ganze Land lahm zu legen. Die Ämter sind geschlossen, nicht nur heute, sondern fast die ganze Woche. Die Grenzen sind ebenfalls zu. Der Flugverkehr ist stark eingeschränkt bzw. lahm gelegt. Na ja, ist ja auch 'ne wichtige Geschichte, diese Unabhängigkeitsfeier.
Mal sehen, ob ich mich mal auf den Boulevard begebe und mir die Szenerie reinziehe. Im Moment habe ich eigentlich nicht so viel Lust, bin ziemlich lethargisch und platt. Ich beschäftige mich nach wie vor ziemlich viel mit der Geschichte des Kongos, lese in Wikipedia und führe Gespräche mit den Leuten aus der Mission. Irgendwie wühlt mich das alles aber auch ganz schön auf. Es ist einfach mal ein sehr typisches afrikanisches Land, nur mit dem Unterschied, dass hier alles absolut extrem ist. Ich glaub, wenn man dieses Land versteht, versteht man Afrika. Ich bin aber noch nicht so weit, ich versuche es, aber es ist nicht leicht, die ganzen Informationen und Fakten in meinem Kopf zu sortieren und mir daraus ein Bild zu machen. Wenn ich mich einmal aus der Mission begebe, zu Fuß, ohne Motorrad und ein bisschen durch die Straßen schlendere, dauert es nicht lange, und ich habe eine Traube an Kindern, Bettlern, Fixern um mich herum. „Boss, Boss“, „manger“, „petit manger“. Immer wieder. Es fühlt sich nicht cool an, absolut nicht. Und ich würde ihnen am liebsten sagen: wendet euch doch einmal an eure Drecksregierung, wenn ihr nichts zu essen habt? Wieso kommt ihr nicht auf diese Idee? Ich bin nicht der „weiße Mann“, der hier herkommt und Geschenke verteilt. Dieses Land ist so fucking reich, warum kämpft ihr nicht darum, dass ihr an diesem Reichtum teilhaben könnt? Oh Mann, es ist einfach frustrierend. Natürlich sage ich ihnen das nicht, und es wäre auch Blödsinn. Auf der anderen Seite laufe ich auch nicht durch die Straßen und verteile die 500 Franc – Scheine, wie sie es wahrscheinlich von mir erwarten. Alles in allem bleibt es eine frustrierende, nervtötende und anstrengende Prozedur, mich durch die Stadt zu bewegen. Ich will endlich weg, bin schon viel zu lange hier. Und diese ganze Feier zur Unabhängigkeit kommt mir einfach mal so verdammt heuchlerisch vor, mir dreht sich der Magen um. Ich könnte kotzen.
Hier mal ein paar "Kunstwerke", die seit ein paar Tagen in der Bar der Mission rumstehen. Die wurden anlässlich des Unabhängigkeitstages gemalt, von wem weiß ich nicht. Sie sind sicher im künstlerischen Sinne trivial bzw. kitschig, aber mich faszinieren sie trotzdem, zeigen sie doch die Kongolesische Geschichte der letzten 50 Jahre im Schnelldurchlauf, und es gibt durchaus ‚kritische‘ Aspekte auf den Bildern...
Hier sehen wir Laurent-Désiré Kabila (Kongo) links und Mobutu Sese Seko (Zaire) rechts. Der Löwe (Kabila) besiegt den Leoparden (Mobutu). Grimmige, korrupte Militärs werden von noch grimmiger drein schauenden Militärs vertrieben. Na herzlichen Glückwunsch. Da kann das Kongolesische Volk ja mal aufatmen...
Hier sehen wir Joseph Kabila (links), Sohn von Laurent-Désiré und der aktuelle Präsident der DRC, sowie Albert II (rechts), den aktuellen belgischen König. Die beiden Jungs spielen bei der heutigen Unabhängigkeitsfeier sicher wichtige Hauptrollen. Der grimmig drein schauende Typ im Schlüssel ist übrigens Simon Kimbangu, Religionsstifter aus dem Bas-Kongo, so etwas wie der schwarze Jesus (nur nicht ganz so lieb, oder?)
Und zum Abschluss gibt's noch das Who-is-Who der Kongolesischen Polit-Katostrophe. Im Uhrzeigersinn von links oben: Patrice Lumumba, erster Premierminister des unabhängigen Kongos - bis zu seinem gewaltsamen Tod wenige Monate nach der Unabhängigkeit. Leopold II, der belgische Monarch und "private Eigentümer" des berüchtigten Congo Free State. Dann der sagenumwobene Mobutu, Schöpfer von Zaire und der Kleptocracy als Regierungsform. Joseph Kasa-Vubu, erster Präsident des "freien" Kongos und vom damaligen Militärchef Mobutu geschickt gegen Lumumba instrumentalisiert. Und die Kabilas. Junior Joseph, 2001 nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters mit 29 Jahren an die Macht gekommen, und Senior Laurent-Désiré, mit dem schon Ché Guevara in den Sechzigern im Kongo gekämpft hatte und über den Ché urteilte, dass er zwar ein charismatischer Füher sei, aber über den Suff und die Frauen gerne mal das Anliegen der Revolution vergessen würde...
Ist es nicht eine dufte Truppe? Ich finde, der Kongo kann echt stolz sein...
Okay, also heute geht nicht mehr viel. Abhängen, Zeit totschlagen, gähnende Leere auf den Straßen, alles ist zu. In der Mission spinnt das Internet, im Fernsehen läuft kein Fußball. Was für ein schrecklicher Tag, ich armer Kerl.
Wenistens habe ich ne neue beste Freundin in der Mission gefunden. Immer morgens nach dem Frühstück gibt's das Ritual im Garten, die neuen 3 K's: Kaffee, Kippe, Katze. Miau!
Mann, Leude, es wird Zeit, dass es endlich wieder weiter geht. Wenn's am Freitag klappt mit dem Flieger, werde ich ziemlich genau vier Wochen in der DRC gewesen sein. Ungeplant. Und das schlägt bei einer Gesamt-Reisedauer von nem halben Jahr doch schon ordentlich rein...
Aber ich kann mir eigentlich nix vorwerfen. Ich habe versucht, die Zeit so gut es geht zu nutzen. Während meines zweiten Aufenthalts hier in der Mission habe ich sogar diverse wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Das aufsehenerregendste davon ist sicherlich die Klärung der Frage, wieviele Stella-Kippen in ein 0,2 Liter Glas reinpassen. Leider gibt's hier in der Mission nicht so viele Aschenbecher, weshalb ich ein bissel improvisieren musste. Und das krasse ist, man kann den Inhalt des Glases immer weiter komprimieren und es passen immer wieder neue Kippen rein. Ich beobachte das selbst mit größtem Erstaunen und bleib natürlich am Ball. Hier seht ihr schon mal das Ergebnis nach Tag 9 in der Mission. Schätzungsweise 200-250 Kippen befinden sich im Glas:
Ach so, last but not least. Habe ich ja noch gar nicht erzählt: Am Dienstag war ich noch bei Services Air in der Tabora Avenue, nachdem ich meinen letzten Botschaftsbesuch hinter mich gebracht hatte. Wegen dem ganzen Unabhängigkeitsfeierlichkeiten ist noch nicht 100% klar, wann der Cargo-Flieger, eine Boeing 727, jetzt wirklich nach Lubumbashi abhebt. Ursprünglich war Donnerstagmorgen im Gespräch, jetzt sieht's eher nach Freitagmorgen aus. Es gibt wohl noch am Donnerstag ein Flugverbot in Kinshasa. Ausserdem wissen die Kollegen von Services Air wahrscheinlich selbst noch nicht, ob sie die Maschine zu diesem Zeitpunkt "voll" haben werden... Ich hab mit dem Cheffe gesprochen, und er hat mir zugesagt, dass ich mit dem Cargo-Flieger mit könnte, ohne Aufpreis, also nur das Mopped zahle. Bueno, hört sich eigentlich alles ganz gut an. Und ich habe das "Ticket" gebucht. 655 US Dollar. Meine Fahrkarte raus aus dem Kongo und zurück in meine Reise... Ich hoffe nur, dass alles glatt geht und die mich auch wirklich mitnehmen. Das einzige, was ich bislang als Bestätigung für meine Buchung habe, ist ein lausiger Lieferzettel. Die Maschine wurde nicht mal gewogen, ich hab einfach das Gewicht angegeben, was wir bei Hewa Bora Airways ermittelt hatten. Auch kein Wort davon, dass Benzin und/oder Öl aus der Maschine entfernt werden müssen. Also alles massiv unbürokratisch. Verdächtig unbürokratisch? Ich hab' keine Ahnung und bete nur, dass es klappt. Am Tag des Abflugs treffe ich mich um 0600Uhr morgens mit einem Mr. Mahesh in der Zentrale von Services Air in der City. Dann fahren wir gemeinsam zum Flughafen, verladen das Mopped und irgendwann am Vormittag startet dann hoffentlich die Maschine. Na, wenn das ma alles jut geht...
Mal sehen, ob ich mich mal auf den Boulevard begebe und mir die Szenerie reinziehe. Im Moment habe ich eigentlich nicht so viel Lust, bin ziemlich lethargisch und platt. Ich beschäftige mich nach wie vor ziemlich viel mit der Geschichte des Kongos, lese in Wikipedia und führe Gespräche mit den Leuten aus der Mission. Irgendwie wühlt mich das alles aber auch ganz schön auf. Es ist einfach mal ein sehr typisches afrikanisches Land, nur mit dem Unterschied, dass hier alles absolut extrem ist. Ich glaub, wenn man dieses Land versteht, versteht man Afrika. Ich bin aber noch nicht so weit, ich versuche es, aber es ist nicht leicht, die ganzen Informationen und Fakten in meinem Kopf zu sortieren und mir daraus ein Bild zu machen. Wenn ich mich einmal aus der Mission begebe, zu Fuß, ohne Motorrad und ein bisschen durch die Straßen schlendere, dauert es nicht lange, und ich habe eine Traube an Kindern, Bettlern, Fixern um mich herum. „Boss, Boss“, „manger“, „petit manger“. Immer wieder. Es fühlt sich nicht cool an, absolut nicht. Und ich würde ihnen am liebsten sagen: wendet euch doch einmal an eure Drecksregierung, wenn ihr nichts zu essen habt? Wieso kommt ihr nicht auf diese Idee? Ich bin nicht der „weiße Mann“, der hier herkommt und Geschenke verteilt. Dieses Land ist so fucking reich, warum kämpft ihr nicht darum, dass ihr an diesem Reichtum teilhaben könnt? Oh Mann, es ist einfach frustrierend. Natürlich sage ich ihnen das nicht, und es wäre auch Blödsinn. Auf der anderen Seite laufe ich auch nicht durch die Straßen und verteile die 500 Franc – Scheine, wie sie es wahrscheinlich von mir erwarten. Alles in allem bleibt es eine frustrierende, nervtötende und anstrengende Prozedur, mich durch die Stadt zu bewegen. Ich will endlich weg, bin schon viel zu lange hier. Und diese ganze Feier zur Unabhängigkeit kommt mir einfach mal so verdammt heuchlerisch vor, mir dreht sich der Magen um. Ich könnte kotzen.
Hier mal ein paar "Kunstwerke", die seit ein paar Tagen in der Bar der Mission rumstehen. Die wurden anlässlich des Unabhängigkeitstages gemalt, von wem weiß ich nicht. Sie sind sicher im künstlerischen Sinne trivial bzw. kitschig, aber mich faszinieren sie trotzdem, zeigen sie doch die Kongolesische Geschichte der letzten 50 Jahre im Schnelldurchlauf, und es gibt durchaus ‚kritische‘ Aspekte auf den Bildern...
Hier sehen wir Laurent-Désiré Kabila (Kongo) links und Mobutu Sese Seko (Zaire) rechts. Der Löwe (Kabila) besiegt den Leoparden (Mobutu). Grimmige, korrupte Militärs werden von noch grimmiger drein schauenden Militärs vertrieben. Na herzlichen Glückwunsch. Da kann das Kongolesische Volk ja mal aufatmen...
Hier sehen wir Joseph Kabila (links), Sohn von Laurent-Désiré und der aktuelle Präsident der DRC, sowie Albert II (rechts), den aktuellen belgischen König. Die beiden Jungs spielen bei der heutigen Unabhängigkeitsfeier sicher wichtige Hauptrollen. Der grimmig drein schauende Typ im Schlüssel ist übrigens Simon Kimbangu, Religionsstifter aus dem Bas-Kongo, so etwas wie der schwarze Jesus (nur nicht ganz so lieb, oder?)
Und zum Abschluss gibt's noch das Who-is-Who der Kongolesischen Polit-Katostrophe. Im Uhrzeigersinn von links oben: Patrice Lumumba, erster Premierminister des unabhängigen Kongos - bis zu seinem gewaltsamen Tod wenige Monate nach der Unabhängigkeit. Leopold II, der belgische Monarch und "private Eigentümer" des berüchtigten Congo Free State. Dann der sagenumwobene Mobutu, Schöpfer von Zaire und der Kleptocracy als Regierungsform. Joseph Kasa-Vubu, erster Präsident des "freien" Kongos und vom damaligen Militärchef Mobutu geschickt gegen Lumumba instrumentalisiert. Und die Kabilas. Junior Joseph, 2001 nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters mit 29 Jahren an die Macht gekommen, und Senior Laurent-Désiré, mit dem schon Ché Guevara in den Sechzigern im Kongo gekämpft hatte und über den Ché urteilte, dass er zwar ein charismatischer Füher sei, aber über den Suff und die Frauen gerne mal das Anliegen der Revolution vergessen würde...
Ist es nicht eine dufte Truppe? Ich finde, der Kongo kann echt stolz sein...
Okay, also heute geht nicht mehr viel. Abhängen, Zeit totschlagen, gähnende Leere auf den Straßen, alles ist zu. In der Mission spinnt das Internet, im Fernsehen läuft kein Fußball. Was für ein schrecklicher Tag, ich armer Kerl.
Wenistens habe ich ne neue beste Freundin in der Mission gefunden. Immer morgens nach dem Frühstück gibt's das Ritual im Garten, die neuen 3 K's: Kaffee, Kippe, Katze. Miau!
Mann, Leude, es wird Zeit, dass es endlich wieder weiter geht. Wenn's am Freitag klappt mit dem Flieger, werde ich ziemlich genau vier Wochen in der DRC gewesen sein. Ungeplant. Und das schlägt bei einer Gesamt-Reisedauer von nem halben Jahr doch schon ordentlich rein...
Aber ich kann mir eigentlich nix vorwerfen. Ich habe versucht, die Zeit so gut es geht zu nutzen. Während meines zweiten Aufenthalts hier in der Mission habe ich sogar diverse wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Das aufsehenerregendste davon ist sicherlich die Klärung der Frage, wieviele Stella-Kippen in ein 0,2 Liter Glas reinpassen. Leider gibt's hier in der Mission nicht so viele Aschenbecher, weshalb ich ein bissel improvisieren musste. Und das krasse ist, man kann den Inhalt des Glases immer weiter komprimieren und es passen immer wieder neue Kippen rein. Ich beobachte das selbst mit größtem Erstaunen und bleib natürlich am Ball. Hier seht ihr schon mal das Ergebnis nach Tag 9 in der Mission. Schätzungsweise 200-250 Kippen befinden sich im Glas:
Ach so, last but not least. Habe ich ja noch gar nicht erzählt: Am Dienstag war ich noch bei Services Air in der Tabora Avenue, nachdem ich meinen letzten Botschaftsbesuch hinter mich gebracht hatte. Wegen dem ganzen Unabhängigkeitsfeierlichkeiten ist noch nicht 100% klar, wann der Cargo-Flieger, eine Boeing 727, jetzt wirklich nach Lubumbashi abhebt. Ursprünglich war Donnerstagmorgen im Gespräch, jetzt sieht's eher nach Freitagmorgen aus. Es gibt wohl noch am Donnerstag ein Flugverbot in Kinshasa. Ausserdem wissen die Kollegen von Services Air wahrscheinlich selbst noch nicht, ob sie die Maschine zu diesem Zeitpunkt "voll" haben werden... Ich hab mit dem Cheffe gesprochen, und er hat mir zugesagt, dass ich mit dem Cargo-Flieger mit könnte, ohne Aufpreis, also nur das Mopped zahle. Bueno, hört sich eigentlich alles ganz gut an. Und ich habe das "Ticket" gebucht. 655 US Dollar. Meine Fahrkarte raus aus dem Kongo und zurück in meine Reise... Ich hoffe nur, dass alles glatt geht und die mich auch wirklich mitnehmen. Das einzige, was ich bislang als Bestätigung für meine Buchung habe, ist ein lausiger Lieferzettel. Die Maschine wurde nicht mal gewogen, ich hab einfach das Gewicht angegeben, was wir bei Hewa Bora Airways ermittelt hatten. Auch kein Wort davon, dass Benzin und/oder Öl aus der Maschine entfernt werden müssen. Also alles massiv unbürokratisch. Verdächtig unbürokratisch? Ich hab' keine Ahnung und bete nur, dass es klappt. Am Tag des Abflugs treffe ich mich um 0600Uhr morgens mit einem Mr. Mahesh in der Zentrale von Services Air in der City. Dann fahren wir gemeinsam zum Flughafen, verladen das Mopped und irgendwann am Vormittag startet dann hoffentlich die Maschine. Na, wenn das ma alles jut geht...
Dienstag, 29. Juni 2010
Nie wieder Angola!
Alridy, bin jetzt wieder zurück von meiner Organisationstour durch Kinshasa. Ich war heute noch ein allerletztes Mal in dieser Drecksbotschaft von diesem Kackland, dessen Namen ich nicht mehr aussprechen werde. Ich war pünktlich um 1030Uhr da und das übliche "Attendez" konnten sie sich erst mal in den Arsch schieben. Ich bin in's Hinterzimmer und hab meinen Spezi gefragt wie es aussieht. "Attendez, Attendez" und die Aufforderung, dass ich doch im Wartesaal Platz nehmen sollte, habe ich mal schön ignoriert und ihm die ach so komplizierte Aussage entlockt, dass es "noch nicht fertig" sei. Aha, und für diese Aussage sollte ich jetzt im Wartesaal Platz nehmen und warten, oder was? Okay, dann also bitte den Pass zurück, bitte schön. Und wieder das obligatorische "Attendez". Nix attendez, du Flachwichser, ich will den Pass - maintenant. Letztes Mal habe ich auf den Pass zwei Stunden gewartet. Das wird heute nicht mehr passieren. Das schlimmste, was mir jetzt noch passieren kann, ist das sie die Sicherheitskräfte rufen und ich im allerübelsten Fall verhaftet werde. Aber darauf werde ich es nicht ankommen lassen. Trotzdem habe ich die Nase voll von der "Arschkriecherei" bzw. davon, mich freundlich und ruhig zu verhalten, egal wie unverschämt oder respektlos sie mir gegenüber treten. Das Maß ist voll. Sie können mich echt mal am Arsch lecken. Wahrscheinlich ist das genau die Attitüde, die ich auch schon in den letzten Wochen bei meinen Botschaftsbesuchen ausgestrahlt hatte, auch wenn ich versucht habe, mich äußerlich cool zu geben. Sicherlich ist das auch ein Mitgrund dafür, dass es mit meinem Visum soviele unergründliche "technische" Probleme gab. Aber egal, ich will nur noch meinen Pass und raus hier. Und NIE, ich betone NIE, wieder einen Fuß in so eine verkackte Ang (äh Böses Wort!) Scheiß-Botschaft setzen. Well, ich habe ein bisschen rumgestresst, war aber nicht aggressiv. Ich hab einfach auf taub geschalten, dann deutsch geredet und im Prinzip nie das gemacht, was diese Vollspasten gerade von mir verlangt haben. Auch der Pförtner hat sich mal wieder bemüßigt gefühlt, seine Autorität in die Waagschale zu werfen. Das Mopped muss woanders stehen, Rauchen im Innenhof ist plötzlich verboten, Warten im Innenhof auch - immer schön rein in den Wartesaal. Aber fuck it. Da konnte er soviel reden, wie er wollte. Ich blieb stur. Ich weiß natürlich, dass das alles relativ kindisch ist und im Endeffekt auch nicht die "verlorenen" drei Wochen in Kinshasa wiederbringt. Aber ich wollte ihnen wenigstens einmal rückspiegeln, wie es sich anfühlt, wenn man ohne Respekt behandelt wird. Denn das ist der springende Punkt hier gewesen, der mich teilweise zur Weißglut brachte. Null Respekt! Ein Botschaftsfuzzi meinte das dann auch noch zu mir, dass ich hier in der Botschaft sei und entsprechenden Respekt zu zeigen hätte. Ich habe ihn nur angelacht. Na ja, nach einer stressigen halben Stunde, die ich aber doch auch zum Teil genossen hatte, hatte ich meinen Pass wieder. Mit meinem radebrechenen Französisch - was aber genügt hatte - habe ich der versammelten Mannschaft im Hinterzimmer noch mal mitgeteilt, dass ich ihre Botschaft für einen "unglaublichen Scheiß-Laden" halte. Jut, hab dann noch meinen Führerschein und mein Handy von dem Pförtner-Deppen wieder bekommen und war endlich raus aus dem Laden.
Was für ein befreiendes Gefühl. NIE WIEDER hier her zurück. Und wenn ich zurück nach Deutschland laufen muss, aber diese Motherfucker können mich sowas vom am Arsch lecken. Ich überlege noch, wie ich mich eventuell bei diesem Land bzw. dessen Bürokratie revanchieren kann. Ich bin leider etwas nachtragend, und irgendwas Nettes fällt mir da schon noch ein...
Natürlich könnte ich mich in den Arsch beißen beim Gedanken an die vielen, vielen Stunden, die ich nicht nur hier in Kinshasa, sondern auch in Matadi, Muanda und natürlich auch in Berlin verbracht habe - nur um dieses dämliche Visum zu bekommen. Alles umsonst. Für nix und wieder nix. Ätzend. Aber die Wichser kriegen mich nicht klein. Ich lass den Ärger heute nochmal raus und dann ist das Kapitel für mich erledigt. Ich möchte nicht, dass mich die Wut über diese Idioten beherrscht. Ich will nach vorne blicken. Und wenn es denn klappt mit dem Flieger nach Lubumbashi, dann wartet wieder eine neue Etappe auf mich - mit hoffentlich wieder positiven Erlebnissen.
Also noch ein letztes Mal: SCHEISS auf ANGOLA!
Was für ein befreiendes Gefühl. NIE WIEDER hier her zurück. Und wenn ich zurück nach Deutschland laufen muss, aber diese Motherfucker können mich sowas vom am Arsch lecken. Ich überlege noch, wie ich mich eventuell bei diesem Land bzw. dessen Bürokratie revanchieren kann. Ich bin leider etwas nachtragend, und irgendwas Nettes fällt mir da schon noch ein...
Natürlich könnte ich mich in den Arsch beißen beim Gedanken an die vielen, vielen Stunden, die ich nicht nur hier in Kinshasa, sondern auch in Matadi, Muanda und natürlich auch in Berlin verbracht habe - nur um dieses dämliche Visum zu bekommen. Alles umsonst. Für nix und wieder nix. Ätzend. Aber die Wichser kriegen mich nicht klein. Ich lass den Ärger heute nochmal raus und dann ist das Kapitel für mich erledigt. Ich möchte nicht, dass mich die Wut über diese Idioten beherrscht. Ich will nach vorne blicken. Und wenn es denn klappt mit dem Flieger nach Lubumbashi, dann wartet wieder eine neue Etappe auf mich - mit hoffentlich wieder positiven Erlebnissen.
Also noch ein letztes Mal: SCHEISS auf ANGOLA!
Montag, 28. Juni 2010
Donkey and the Mule
Heydee Hoh,
vier Wochen sind's nu her seitdem ich in Brazzaville, 'nen Steinwurf von ihr, auf der anderen Seite des Flusses, angekommen bin - und dachte, ich hätte es jetzt 'fast' geschafft. Na ja, so kann man sich irren...
Ich war mal wieder ziemlich geschlaucht von meinen Vormittags-Aktivitäten (Botschaft & Airline), und hab deshalb (natürlich erst nach dem Holland-Spiel) eine ordentliche Einheit Power-Ratzing in meinem Missionsbettchen absolviert. Ich fühl mich permanentt k.o., obwohl ich körperlich nix mache. Aber mental isses einfach mal anstrengend diese Warterei und der Horror in dieser Botschaft.
Na ja, konnte mich auch nicht mehr aufraffen, Sofies Einladung zu folgen und bei den Spaniern abzuhängen. Wollte heute lieber allein sein und nicht zum tausendsten Mal meine Visums-Odyssee zum besten geben. Das macht einfach irgendwann keinen Spaß mehr. Und natürlich hat jeder noch einen Sonder-Spezial-Tipp und weiß vermutlich noch am allerbesten, was man wann wie wo hätte anders machen können. Ick will eigentlich nix mehr davon wissen. Morgen nochmal hin in diesen Saftladen und wenn's erwartungsgemäß nicht klappt, dann mach ich den Flieger klar für Donnerstag nach Lubumbashi. Und drücke danach die Daumen, dass diese Airline nicht bis Donnerstagvormittag bankrott geht und meine 650 Scheine sich in Luft auflösen... Mit den Spaniern werd ich mich schon nochmal treffen. Sie bleiben voraussichtlich noch bis Donnerstag/Freitag in der Stadt, da jetzt anlässlich des Feiertags sowieso Ebbe ist an den Grenzübergängen.
Aber dit wird schon alles. Derweil hat mir Nina den Link recherchiert von den beiden Brüdern, die innerhalb von 15 Tagen die Route Lubumbashi-Kinshasa auf ihren KTMs absolviert haben. Sie haben eine wirklich mal coole Webseite und einen ganz witzigen Schreibstil. Jefällt ma jut. Sie sind - offensichtlich - die Route andersrum gefahren und machen so eine kleine Weltreise, beginnend von Südafrika, dann rauf nach Europpe, und dann - rüber quer durch Asien nach Wladiwostok oder so (konnte ich der Karte jetzt nicht auf der Schnelle entnehmen). Auf jeden Fall ein heftiges Unterfangen, und die Routen sind nix für'n Kindergeburtstag. Respekt, mein Alter! Na ja, was sie von ihrer Tour durch den Kongo zu berichten haben, ist auf jeden Fall lesenswert. Dass mir allerdings beim Lesen das Wasser im Mund zusammen gelaufen wäre, weil ich diese (Tor-)Tour auch so gerne machen möchte - dit kann ich jetzt aber nicht behaupten.
Ehrlicherweie würde ich mir so einen Ritt aktuell in meiner Verfassung (v.a. mental) nicht wirklich zutrauen. Also dann mal lieber mit dem Cargo-Flieger runter nach Lubumbashi. Unterwegs vielleicht noch 'ne Playstation aus den US Aid Paketen auspacken und ne Runde Fifa 2010 daddeln. Das gefällt mir schon besser. Ich bin sowieso gespannt, wie es sein wird, endlich wieder "richtig" on the road zu sein. Diese vier Wochen Pause (Brazza mit eingerechnet) fühlen sich einfach mal extrem eigenartig an. Mal sehen, ob ich wieder in den richtigen "Vibe" zurück komme. Aktuell fühl ich mich alles andere als "auf einer Reise".
Well, das dritte Viertelfinale ist jetzt auch komplett: Holland-Brasilien. Das wird ein lecker Spielchen. Der Gewinner trifft dann entweder auf Ghana oder Uruguay, was machbar scheint. Die in der Luft liegende Überraschung, von der ich vorhin hinsichtlich des Brasilien-Chili Spiels gesprochen hatte, ist ja dann mal ausgeblieben. Oder war das einfach nur eine Vorahnung, dass meine Penne Arabiata in der Pizzeria am Boulevard dermaßen scharf sein würde? Cooles Gefühl, endlich mal wieder vom Essen zu schwitzen, yummie!
Sportliche Grüße aus Kinshasa!
vier Wochen sind's nu her seitdem ich in Brazzaville, 'nen Steinwurf von ihr, auf der anderen Seite des Flusses, angekommen bin - und dachte, ich hätte es jetzt 'fast' geschafft. Na ja, so kann man sich irren...
Ich war mal wieder ziemlich geschlaucht von meinen Vormittags-Aktivitäten (Botschaft & Airline), und hab deshalb (natürlich erst nach dem Holland-Spiel) eine ordentliche Einheit Power-Ratzing in meinem Missionsbettchen absolviert. Ich fühl mich permanentt k.o., obwohl ich körperlich nix mache. Aber mental isses einfach mal anstrengend diese Warterei und der Horror in dieser Botschaft.
Na ja, konnte mich auch nicht mehr aufraffen, Sofies Einladung zu folgen und bei den Spaniern abzuhängen. Wollte heute lieber allein sein und nicht zum tausendsten Mal meine Visums-Odyssee zum besten geben. Das macht einfach irgendwann keinen Spaß mehr. Und natürlich hat jeder noch einen Sonder-Spezial-Tipp und weiß vermutlich noch am allerbesten, was man wann wie wo hätte anders machen können. Ick will eigentlich nix mehr davon wissen. Morgen nochmal hin in diesen Saftladen und wenn's erwartungsgemäß nicht klappt, dann mach ich den Flieger klar für Donnerstag nach Lubumbashi. Und drücke danach die Daumen, dass diese Airline nicht bis Donnerstagvormittag bankrott geht und meine 650 Scheine sich in Luft auflösen... Mit den Spaniern werd ich mich schon nochmal treffen. Sie bleiben voraussichtlich noch bis Donnerstag/Freitag in der Stadt, da jetzt anlässlich des Feiertags sowieso Ebbe ist an den Grenzübergängen.
Aber dit wird schon alles. Derweil hat mir Nina den Link recherchiert von den beiden Brüdern, die innerhalb von 15 Tagen die Route Lubumbashi-Kinshasa auf ihren KTMs absolviert haben. Sie haben eine wirklich mal coole Webseite und einen ganz witzigen Schreibstil. Jefällt ma jut. Sie sind - offensichtlich - die Route andersrum gefahren und machen so eine kleine Weltreise, beginnend von Südafrika, dann rauf nach Europpe, und dann - rüber quer durch Asien nach Wladiwostok oder so (konnte ich der Karte jetzt nicht auf der Schnelle entnehmen). Auf jeden Fall ein heftiges Unterfangen, und die Routen sind nix für'n Kindergeburtstag. Respekt, mein Alter! Na ja, was sie von ihrer Tour durch den Kongo zu berichten haben, ist auf jeden Fall lesenswert. Dass mir allerdings beim Lesen das Wasser im Mund zusammen gelaufen wäre, weil ich diese (Tor-)Tour auch so gerne machen möchte - dit kann ich jetzt aber nicht behaupten.
Ehrlicherweie würde ich mir so einen Ritt aktuell in meiner Verfassung (v.a. mental) nicht wirklich zutrauen. Also dann mal lieber mit dem Cargo-Flieger runter nach Lubumbashi. Unterwegs vielleicht noch 'ne Playstation aus den US Aid Paketen auspacken und ne Runde Fifa 2010 daddeln. Das gefällt mir schon besser. Ich bin sowieso gespannt, wie es sein wird, endlich wieder "richtig" on the road zu sein. Diese vier Wochen Pause (Brazza mit eingerechnet) fühlen sich einfach mal extrem eigenartig an. Mal sehen, ob ich wieder in den richtigen "Vibe" zurück komme. Aktuell fühl ich mich alles andere als "auf einer Reise".
Well, das dritte Viertelfinale ist jetzt auch komplett: Holland-Brasilien. Das wird ein lecker Spielchen. Der Gewinner trifft dann entweder auf Ghana oder Uruguay, was machbar scheint. Die in der Luft liegende Überraschung, von der ich vorhin hinsichtlich des Brasilien-Chili Spiels gesprochen hatte, ist ja dann mal ausgeblieben. Oder war das einfach nur eine Vorahnung, dass meine Penne Arabiata in der Pizzeria am Boulevard dermaßen scharf sein würde? Cooles Gefühl, endlich mal wieder vom Essen zu schwitzen, yummie!
Sportliche Grüße aus Kinshasa!
Lubumbashi oder doch noch Angola?
So, bin gerade zurück gekommen von meiner Tour durch Kinshasa.
Die Botschaft hat mir heute noch einmal alles abverlangt, was ich an übrig gebliebenen Nerven aufbringen konnte. Wenn mir jemand sagt, "das ist eben so in Afrika" und man müsse sich damit abfinden, hat er sicherlich Recht, aber ich wage mal zu behaupten, dass bei der ganzen Scheiße, die ich in den Angolanischen (!) Ämtern bisher erlebt habe, auch der geduldigste und leidensfähigste Mensch mal an seine Grenzen kommt. Und ich bin kein Gandhi oder Buddha. Ungeduld liegt mir im Blut.
Na ja, eigentlich bin ich doch relativ locker zur Botschaft gefahren. Entweder es hat geklappt oder eben nicht. Ich hatte fast schon gehofft, dass es nicht klappt. Dann kann ich meinen Pass raus nehmen und weiter zur Services Air fahren. Aber so leicht machen es einem die Herrn von der Botschaft nicht. Zuerst mal Riesenüberraschung: andere Weiße. Wie sich rausstellt, ist es eine Gruppe. Sophie, ein Mädel aus Ecuador, sowie zwei Spanier. Sie warten auch schon seit zwei Wochen auf ihre Visa. Sie kennen auch Hans und Simon (und Mike); hatten gemeinsam mit ihnen in Yaoundé abgehangen. Sind mit einem Peugeot-Transporter (kein Allrad) älteren Modells unterwegs. Ein Wunder, dass wir uns noch nicht über den Weg gelaufen waren in den letzten Tagen. Auf jeden Fall sind die zwei Typen schon extrem angepisst, und Sophie übernimmt die komplette Aussenkommunikation mit den Botschaftsleuten. Kluger Schachzug, zumal sie ganz gut Französisch und Portugiesisch spricht und es zudem versteht, mit ihrem Charme einen "Zugang" zu den Botschaftsfreaks herzustellen. Mir fällt fast die Kinnlade runter, als sie meint, dass ihre Pässe inwischen wohl zur Unterschrift beim Konsul liegen, also die "technischen Probleme" behoben seien. Aber alles ohne Gewähr natürlich. Ich kann nichts dagegen tun, aber Hoffnung keimt auf. Was gäbe es auch für einen Grund, dass es jetzt nicht auch für mich funktionieren sollte? Well, außer, die Botschaft WILL NICHT, dass ich das Visum bekomme... Hmmm. Na ja, die nächsten zwei Stunden werden für mich zur absoluten Wutprobe. Im Vorbeigehen lässt der Botschaftsfuzzi fallen, dass es bei mir noch nicht soweit sei... Ich sitze also da mit diesem unbestimmten Gefühl, dass sie mich die ganze Zeit nach Strich und Faden verarschen. Und ich habe noch nicht einmal die Möglichkeit, jemanden zur Rede zu stellen. Aber ich bin sehr stolz auf mich, dass ich nicht die Kontrolle verliere und meine angestaute Wut rauslasse.
Es stellt sich heraus, dass Sophie und ihre beiden spanischen Begleiter das Visum heute bekommen. Mein Visum ist noch (????!!!????) nicht fertig. Ich koche innerlich, versuche mich im Autogenen Training und bekomme dann noch meine Chance auf ein Zusammentreffen mit dem Visums-Checker. Er versucht mir tatsächlich immer noch zu erklären, dass es ein technisches Problem sei. Ich glaube ihm kein Wort. Als auch der Konsul höchstselbst, den ich heute zum ersten Mal persönlich gesehen habe, bekräftigt, dass es in Einzelfällen noch immer zu diesen 'technischen' Problemen und deshalb diesen langen Wartezeiten kommt, versuche ich - auch wenn es mir noch so schwer fällt - einen konstruktiven Gedanken zu fassen. Die Botschaft hat morgen noch einmal bis 1200Uhr geöffnet. Lasse ich den Pass noch einen Tag hier? Well, ist wohl vernünftig. Für die Reservierung bei Services Air werde ich den Pass wahrscheinlich nicht brauchen. Und wer weiß? Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder morgen früh?
Ich glaub eben nicht mehr daran. Und ich habe festgestellt, dass für mich die unerträglichsten Momente die sind, die ich in dieser gottverdammten Botschaft verbringe. Das kann man sich als Außenstehender wahrscheinlich schlecht vorstellen. Aber ich wage zu behaupten, dass das auch für afrikanische Verhältnisse etwas krass ist. Nicht unbedingt, drei Wochen auf ein blödes Dokument zu warten. Aber ca. 20 Mal anzutanzen, jeden Tag praktisch, jeden Tag stundenlange Wartezeiten und quasi keine Auskünfte zu bekommen. Einfach das Gefühl zu haben, wie der letzte Dreck behandelt zu werden. Das macht schon wenig Spaß und entspricht auch nicht ganz dem, was ich in Afrika gesucht habe. Auch wenn mir klar ist, dass das auch Afrika repräsentiert genauso wie Kindersoldaten oder bis über beide Ohren korrupte Politiker.
Na gut, ich nehme mir vor, der Wut nicht zuviel Raum zu geben. Ich kann mich leider null freuen für Sophie und ihre Freunde, tut mir leid. Die drei haben über Couchsurfing eine nette Unterkunft in einem Condominium für Expatriates gefunden und wohnen im Apartment einer Polin. Coole Sache; wir wollen vielleicht heute Abend etwas gemeinsam übernehmen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich eine weitere "Visa ist da!" Party ertragen kann...
Na ja, es gibt aber auch positive News. Nach langer Suche habe ich unweit meiner Mission dann endlich die Zentrale von Services Air gefunden. Richtig üble Holperstraße und kaum vorstellbar, dass dort eine Fluggesellschaft ansässig ist. Aber auf dem Hof sah ich dann schon, worum es hier geht. Es standen eine Reihe von ziemlich noblen Autos rum und dann noch bergeweise Pakete von US Aid ("from the American people"), also Hilfslieferungen für die Kongolesischen Provinzen. Da werden sich aber bestimmt einige Leute besonders freuen und sich ihre Taschen vollstopfen. Sorry für den Zynismus... Aber okay, vor Ort lief alles recht unkompliziert. Der Laden wird fast ausschließlich von Indern (!) betrieben, mit denen ich mich ganz passabel auf Englisch verständigen konnte. Nach einiger Checkerei wurde bestätigt, dass ich am Donnerstagmorgen das Mopped mit nach Lubumbashi transportieren könne. Erst waren 2,50 US Dollar pro Kilo im Gespräch; auf meiner Reservierung sind's nur noch 2$. Also 655 US Dollar ingesamt. Ich muss auf dem Ndjili Flughafen um 0700Uhr sein. Geflogen wird mit einer Boeing 727. Es gibt vor Ort eine Maschine, mit deren Hilfe das Mopped dann in den Cargo-Raum geladen wird. Ob ich selbst mit dieser Maschine mit könne oder erst am Freitag, oder ich und die Maschine erst am Freitag, war irgendwie noch nicht so klar. Wir haben verabredet, dass ich morgen Mittag (nachdem ich das hoffentlich aller-aller-allerletzte Mal in dieser dämlichen Botschaft gewesen bin) nochmal komme. Dann die letzten Details abkläre, und eben die Fracht bezahle. Auch wenn diese Airline mit Sicherheit ein einigermaßen chaotischer Laden ist, freue ich mich irgendwie auch auf das "Abenteuer", mit denen runter nach Lubumbashi zu fliegen. Aber ganz ehrlich, am liebsten würde ich wohl immer noch mit dem Mopped über (damn) Angola runter nach Südafrika fahren. Irgendwie will ich Afrika ja per Motorrad und nicht per Flugzeug erleben. Aber okay, drei Wünsche auf einmal, das geht nun wirklich nicht. Und ich hab ja auch noch die Option, mit dem Mopped nach Lubumbashi runter zu gurken. Aber wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, muss ich es anders machen. Vielleicht wäre gerade die Strecke Kinshasa-Lubumbashi diejenige, auf der mich mein Glück verlässt...
Wurscht, morgen geht's weiter. Heute steht mal wieder Fußball auf dem Programm. Die Holländer lagen 1:0 vorne, als ich den Eintrag begann. Ma gucken, ob sie's wie erwartet so runterspielen. Und dann gibt's ja noch Brasilien-Chili heute Abend. Irgendwie könnte ich mir gut vorstellen, dass da eine Überraschung in der Luft liegt. Ma gucken...
Die Botschaft hat mir heute noch einmal alles abverlangt, was ich an übrig gebliebenen Nerven aufbringen konnte. Wenn mir jemand sagt, "das ist eben so in Afrika" und man müsse sich damit abfinden, hat er sicherlich Recht, aber ich wage mal zu behaupten, dass bei der ganzen Scheiße, die ich in den Angolanischen (!) Ämtern bisher erlebt habe, auch der geduldigste und leidensfähigste Mensch mal an seine Grenzen kommt. Und ich bin kein Gandhi oder Buddha. Ungeduld liegt mir im Blut.
Na ja, eigentlich bin ich doch relativ locker zur Botschaft gefahren. Entweder es hat geklappt oder eben nicht. Ich hatte fast schon gehofft, dass es nicht klappt. Dann kann ich meinen Pass raus nehmen und weiter zur Services Air fahren. Aber so leicht machen es einem die Herrn von der Botschaft nicht. Zuerst mal Riesenüberraschung: andere Weiße. Wie sich rausstellt, ist es eine Gruppe. Sophie, ein Mädel aus Ecuador, sowie zwei Spanier. Sie warten auch schon seit zwei Wochen auf ihre Visa. Sie kennen auch Hans und Simon (und Mike); hatten gemeinsam mit ihnen in Yaoundé abgehangen. Sind mit einem Peugeot-Transporter (kein Allrad) älteren Modells unterwegs. Ein Wunder, dass wir uns noch nicht über den Weg gelaufen waren in den letzten Tagen. Auf jeden Fall sind die zwei Typen schon extrem angepisst, und Sophie übernimmt die komplette Aussenkommunikation mit den Botschaftsleuten. Kluger Schachzug, zumal sie ganz gut Französisch und Portugiesisch spricht und es zudem versteht, mit ihrem Charme einen "Zugang" zu den Botschaftsfreaks herzustellen. Mir fällt fast die Kinnlade runter, als sie meint, dass ihre Pässe inwischen wohl zur Unterschrift beim Konsul liegen, also die "technischen Probleme" behoben seien. Aber alles ohne Gewähr natürlich. Ich kann nichts dagegen tun, aber Hoffnung keimt auf. Was gäbe es auch für einen Grund, dass es jetzt nicht auch für mich funktionieren sollte? Well, außer, die Botschaft WILL NICHT, dass ich das Visum bekomme... Hmmm. Na ja, die nächsten zwei Stunden werden für mich zur absoluten Wutprobe. Im Vorbeigehen lässt der Botschaftsfuzzi fallen, dass es bei mir noch nicht soweit sei... Ich sitze also da mit diesem unbestimmten Gefühl, dass sie mich die ganze Zeit nach Strich und Faden verarschen. Und ich habe noch nicht einmal die Möglichkeit, jemanden zur Rede zu stellen. Aber ich bin sehr stolz auf mich, dass ich nicht die Kontrolle verliere und meine angestaute Wut rauslasse.
Es stellt sich heraus, dass Sophie und ihre beiden spanischen Begleiter das Visum heute bekommen. Mein Visum ist noch (????!!!????) nicht fertig. Ich koche innerlich, versuche mich im Autogenen Training und bekomme dann noch meine Chance auf ein Zusammentreffen mit dem Visums-Checker. Er versucht mir tatsächlich immer noch zu erklären, dass es ein technisches Problem sei. Ich glaube ihm kein Wort. Als auch der Konsul höchstselbst, den ich heute zum ersten Mal persönlich gesehen habe, bekräftigt, dass es in Einzelfällen noch immer zu diesen 'technischen' Problemen und deshalb diesen langen Wartezeiten kommt, versuche ich - auch wenn es mir noch so schwer fällt - einen konstruktiven Gedanken zu fassen. Die Botschaft hat morgen noch einmal bis 1200Uhr geöffnet. Lasse ich den Pass noch einen Tag hier? Well, ist wohl vernünftig. Für die Reservierung bei Services Air werde ich den Pass wahrscheinlich nicht brauchen. Und wer weiß? Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder morgen früh?
Ich glaub eben nicht mehr daran. Und ich habe festgestellt, dass für mich die unerträglichsten Momente die sind, die ich in dieser gottverdammten Botschaft verbringe. Das kann man sich als Außenstehender wahrscheinlich schlecht vorstellen. Aber ich wage zu behaupten, dass das auch für afrikanische Verhältnisse etwas krass ist. Nicht unbedingt, drei Wochen auf ein blödes Dokument zu warten. Aber ca. 20 Mal anzutanzen, jeden Tag praktisch, jeden Tag stundenlange Wartezeiten und quasi keine Auskünfte zu bekommen. Einfach das Gefühl zu haben, wie der letzte Dreck behandelt zu werden. Das macht schon wenig Spaß und entspricht auch nicht ganz dem, was ich in Afrika gesucht habe. Auch wenn mir klar ist, dass das auch Afrika repräsentiert genauso wie Kindersoldaten oder bis über beide Ohren korrupte Politiker.
Na gut, ich nehme mir vor, der Wut nicht zuviel Raum zu geben. Ich kann mich leider null freuen für Sophie und ihre Freunde, tut mir leid. Die drei haben über Couchsurfing eine nette Unterkunft in einem Condominium für Expatriates gefunden und wohnen im Apartment einer Polin. Coole Sache; wir wollen vielleicht heute Abend etwas gemeinsam übernehmen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich eine weitere "Visa ist da!" Party ertragen kann...
Na ja, es gibt aber auch positive News. Nach langer Suche habe ich unweit meiner Mission dann endlich die Zentrale von Services Air gefunden. Richtig üble Holperstraße und kaum vorstellbar, dass dort eine Fluggesellschaft ansässig ist. Aber auf dem Hof sah ich dann schon, worum es hier geht. Es standen eine Reihe von ziemlich noblen Autos rum und dann noch bergeweise Pakete von US Aid ("from the American people"), also Hilfslieferungen für die Kongolesischen Provinzen. Da werden sich aber bestimmt einige Leute besonders freuen und sich ihre Taschen vollstopfen. Sorry für den Zynismus... Aber okay, vor Ort lief alles recht unkompliziert. Der Laden wird fast ausschließlich von Indern (!) betrieben, mit denen ich mich ganz passabel auf Englisch verständigen konnte. Nach einiger Checkerei wurde bestätigt, dass ich am Donnerstagmorgen das Mopped mit nach Lubumbashi transportieren könne. Erst waren 2,50 US Dollar pro Kilo im Gespräch; auf meiner Reservierung sind's nur noch 2$. Also 655 US Dollar ingesamt. Ich muss auf dem Ndjili Flughafen um 0700Uhr sein. Geflogen wird mit einer Boeing 727. Es gibt vor Ort eine Maschine, mit deren Hilfe das Mopped dann in den Cargo-Raum geladen wird. Ob ich selbst mit dieser Maschine mit könne oder erst am Freitag, oder ich und die Maschine erst am Freitag, war irgendwie noch nicht so klar. Wir haben verabredet, dass ich morgen Mittag (nachdem ich das hoffentlich aller-aller-allerletzte Mal in dieser dämlichen Botschaft gewesen bin) nochmal komme. Dann die letzten Details abkläre, und eben die Fracht bezahle. Auch wenn diese Airline mit Sicherheit ein einigermaßen chaotischer Laden ist, freue ich mich irgendwie auch auf das "Abenteuer", mit denen runter nach Lubumbashi zu fliegen. Aber ganz ehrlich, am liebsten würde ich wohl immer noch mit dem Mopped über (damn) Angola runter nach Südafrika fahren. Irgendwie will ich Afrika ja per Motorrad und nicht per Flugzeug erleben. Aber okay, drei Wünsche auf einmal, das geht nun wirklich nicht. Und ich hab ja auch noch die Option, mit dem Mopped nach Lubumbashi runter zu gurken. Aber wenn es sich irgendwie vermeiden lässt, muss ich es anders machen. Vielleicht wäre gerade die Strecke Kinshasa-Lubumbashi diejenige, auf der mich mein Glück verlässt...
Wurscht, morgen geht's weiter. Heute steht mal wieder Fußball auf dem Programm. Die Holländer lagen 1:0 vorne, als ich den Eintrag begann. Ma gucken, ob sie's wie erwartet so runterspielen. Und dann gibt's ja noch Brasilien-Chili heute Abend. Irgendwie könnte ich mir gut vorstellen, dass da eine Überraschung in der Luft liegt. Ma gucken...
Tag 92 - Es müllert wieder im internationalen Fußball!
Bueno, bevor ich mich dem historischen Sieg Deutschlands über unseren Erzrivalen zuwende, erst mal ein kurzes Update bzgl. des Status Quo.
Ich war gerade in der Botschaft und hab mal wieder meinen Pass abgegeben. Diese an Komplexität durchaus nicht zu unterschätzende Transaktion konnte ich in rekordverdächtigen 60 Minuten abwickeln. Krass, nä? Mit der Entscheidung, die ich getroffen habe, notfalls auch auf dem Landweg nach Lubumbashi zu fahren, fühle ich mich auch in der Botschaft etwas besser mittlerweile und ich kann besser damit leben, ohne Respekt behandelt zu werden. Denn jetzt bin ich auch nicht mehr zu 100% darauf angewiesen, in die andere Richtung nett bzw. respektvoll zu sein. Und siehe da, es scheint auch zu gehen. Ich warte jetzt nicht mehr Ewigkeiten am Schalter, bis sich einer dieser Volltrottel mal bequemt, den Schalter zu besetzen, sondern stürme gleich durch in's Hinterzimmer. Voila, geht doch. Außerdem warte ich nicht mehr im Wartezimmer, sondern - wenn überhaupt - dann auf der Treppe zum Konsulatsgebäude mit ner Kippe im Mundwinkel. Das scheint sie ziemlich zu stressen, und so wurde ich heute sogar erstmals in den 'richtigen' Warteraum des Konsulats gebeten mit Ledersesseln statt Klappstühlen. Hat zwar genauso viel bzw. wenig gebracht wie sonst immer, aber es fühlte sich besser und authentischer an, diesen Deppen nicht auch noch arschkriechend gegenüber treten zu müssen.
Na okay, ich soll um 1200Uhr nochmal zurück zur Botschaft. Und meine Erwartungen, dass es heute klappt mit dem Visum sind bei ca. 0,01 Prozent. Aber ich wollte es nochmal probieren. Und das mache ich.
In Muanda habe ich auch nochmal angerufen, um mit diesem verpeilten Francois zu reden. Ich glaub, er kifft schon am Morgen. Na ja, egal. Jedenfalls meint er, dass der Konsul wohl heute Abend wiederkehren würde. Ich frage ihn, ob er das tut, damit er pünktlich zu den Unabhängigkeitsfeiern wieder verschwinden kann aus seinem Office? Na ja, wurscht. Die Muanda-Option kann ich immer mehr vergessen, und ich bin auch nicht böse. Hätte sowieso keine große Lust, diese Scheiß-Strecke nochmal zu fahren.
Mit Hans habe ich versucht, Kontakt aufzunehmen. Leider vergeblich. Er und Simon hatten doch diesen Blog im Internet gefunden, auf dem zwei Biker berichtet hatten, wie sie 15 Tage auf der Lubumbashi-Kinshasa Strecke unterwegs waren. Hätte ich mir gerne mal angeschaut diesen Reisebericht, bevor ich mich selbst auf die Reise begebe. Muss ich wohl nochmal etwas intensiver recherchieren, gestern hatte ich nix gefunden.
So, die positiven News kommen von der Service Air. Ein Bruder aus der Mission, der Gott sei Dank sowohl Englisch als auch Französisch spricht, hat für mich den Anfruf gemacht. Ich habe jetzt die Adresse der Airline, und sie haben bestätigt, dass am Donnerstag im Flieger nach Lubumbashi noch Platz wäre. Kostenpunkt sind 2 Dollar pro Kilo. Also knapp 650 für meine Maschine, vorausgesetzt es gibt nicht noch irgendwelche Volumen-spezifischen Extras. Ist ganz witzig, wenn man bedenkt, dass die Kollegen Fährleute in Muanda für die Überfahrt über'n Kongo ca. 300 Dollar haben wollten... Es ist noch nicht ganz klar, ob ich dann am Donnerstag mit der gleichen Maschine mit kann. Aber das muss ich alles mal auschecken jetzt. Werde am Nachmittag der Airline einen Besuch abstatten und dann hoffentlich Nägel mit Köpfchen machen.
Also aktuell ist der Plan wie folgt: Wenn's heute wider Erwarten mit dem Visum klappt, fahre ich los nach Angola. Wenn's nicht klappt, organisiere ich den Flieger am Donnertag nach Lubumbashi. Wenn das auch nicht klappt, nehme ich die 'harte' Tour und fahre die Strecke nach Lubumbashi mit dem Bike.
Hab mir das mal gestern auf der Michelin-Karte angeschaut. Es ist ein hartes Brot. Es sind etwas mehr als 2300 Kilometer. Aber die Länge der Strecke ist nicht das Entscheidende. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Strecke in etwa die Qualität der Strecke Dolisie-Brazzaville hat. Ein dunkles Kapitel, von dem ich eigentlich geglaubt hatte, es hinter mir gelassen zu haben. Das wird richtig heftig. Und ich schätze, dass ich ca. 7-10 Tage unterwegs wäre. Und zwar mit Zähne zusammen beißen bis der Arzt kommt. Vielleicht gibt's auch gute Abschnitte unterwegs, aber der Großteil ist mit Sicherheit beschissen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: man fährt von Berlin nach Bulgarien an's Schwarze Meer, aber eben nicht auf ner Teerstraße, sondern auf Feld- und Wiesenwegen... Ein großes Vergnügen, mit Sicherheit.
Bevor ich aber los fahre, will ich noch mehr Infos über die Sicherheitslage einholen. Neben Bas-Kongo, wo ich mich aktuell befinde, komme ich durch drei weitere Kongolesische Provinzen auf dem Weg nach Lubumbashi: Bandundu, Kasai und Katanga. Letzere zwei sind traditionell Stress-Regionen, wobei es in letzter Zeit doch eher ruhig zu sein scheint. Der richtige Stress im Kongo in den letzten Jahren entstammt den sogenannten Kivus, Nord- und Süd-Kivu. Das sind die Provinzen an den Grenzen zu Ruanda und Burundi, wo die Tutsi/Hutu - Konflikte (neben vielen anderen Einflüssen) eine mörderische Spannung erzeugen. Na ja, da komme ich auf jeden Fall nicht lang. Aber auch Kasai und Katanga sind jetzt nicht gerade die absoluten Wohlfühloasen, soweit ich das sehe, und ich brauche noch mehr Infos, um wirklich zu entscheiden, ob ich das mache...
Derweil wird hier in Kinshasa die Stadt rausgeputzt. Am Mittwoch isses soweit mit der großen Unabhängigkeitsfeier. Wer weiß, was da überhaupt gefeiert werden soll. Wenn man sich die Geschichte des Kongos, gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Unabhängigkeit am 30. Juni 1960, anschaut, wird einem speiübel. Allein 1960 erlebte das Land eine Katastrophe nach der anderen: Abspaltung der Provinzen Süd-Kasai und Katanga vom Mutterland mit anschließendem Bürgerkrieg (in dem vier Parteien beteiligt waren: West-Kongo unter Mobutu, Ost-Kongo unter Lumumba-Sympathisanten, Südkasai und Katanga). "Pogrome"gegen die weiße Minderheit mit anschließendem Exodus. Praktische Lahmlegung der Kongolesichen Armee und Verwaltung infolge der sofortigen Flucht der bisherigen belgischen "Elite". Einmischung und Parteinahme der Supermächte Sowjetunion und USA aus dem kalten Krieg in die inneren Konflikte des Landes. Entmachtung und Ermordung des Hoffnungsträgers, Premierministers Lumumba. Massive Einmischung von westlichen (Belgien, Frankreich) und afrikanischen (Marokko, Angola) Staaten in die Konflikte, nicht zuletzt aufgrund des Fluchs des Kongolesischen Volkes: der unglaublichen Bodenschätze. Auf Kongolesischem Gebiet fanden ab 1960 die unterschiedlichsten Konflikte parallel statt. Und überall mischten auch noch kräftig ausländische Söldner mit. Die UN war bereits ab 1960 im Land, aber de facto ziemlich hilflos angesichts dieser komplexen Situation.
Na ja, die 50 Jahre seitdem waren auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. Also ich hab da ein ziemlich flaues Gefühl im Magen, wenn ich die ganzen Fähnchen und Verzierungen am Boulevard sehe. Auf der anderen Seite wäre es sicherlich auch ein Erlebnis, die unvermeidliche Militär-Parade auf dem Boulevard zu sehen und diesen tollen Präsidenten, Joseph Kabila...
Vielleicht habe ich ja die Gelegenheit dazu, wenn ich am Donnerstag erst abreise - mit dem Flieger...
So, jetzt nochmal ein paar Worte zu unserer Nationalmannschaft: Sensationell, historisch, ergreifend. Ich bin wirklich stolz auf die Leistung. Hat mich zwar wieder ganz schön mitgenommen, vor allem nach dem 2:0 ging nicht mehr viel und bis in die Schlußphase habe ich immer damit gerechnet, dass die Engländer wieder zurück kommen werden. Ich habe die Glückwünsche der anderen Leute hier in der Mission dankend entgegen genommen. Vor allem weil ich auch tatsächlich das Gefühl hatte, etwas geleistet zu haben. Dieses Mitfiebern und Mitzittern zehrt echt an der Substanz, und ich musste gestern nach dem Spiel erstmal in meine Butze, Licht aus, in's Bett und durchatmen. Aber es war schon geil. Ausgerechnet wieder Klose und Poldi, die die beiden Tore zum 2:0 machen. Die geprügelten Hunde der vergangenen Saison. Wenn es nach Fußballdeutschland gegangen wäre, würden wir wahrscheinlich mit Kuranyi und Gomez/Kießling auflaufen. Und dann, gute Nacht bitte schön. Arninho Friedrich wieder mit einer absolut soliden Leistung. Eine Konstanz auf hohem Niveau, die ich ihm in dieser Art echt nicht zugetraut hätte. Aber als Innenverteidiger ist er einfach mal ne starke Nummer. Kein Vergleich zu seinen Wackeleien auf der rechten Seite. Die restliche Defensive war nicht soo prickelnd, aber es hat (mal wieder) ausgereicht. Ob's gegen die Gauchos wieder reicht, wer weiß. Na ja, Özil erwischt wieder einen guten Tag und es flutscht einfach. Spielerisch sind wir den Engländern überlegen. Die Spielweise unseres Teams ist erfrischenderweise ziemlich undeutsch UND trotzdem erfolgreich. Na ja, und dann kleines dickes Müllerchen. Es ist einfach ne Wucht und geil anzusehen, wie sich dieser Junge innerhalb eines Jahres bei den Bayern durchsetzt, in der Champions League trifft und jetzt darum mitkämpft, die Torjägerkanone bei der WM zu erobern. Wahnsinn. Das sind die Geschichten, die nur der Fußball schreibt.
Die mangelnde Erfahrung, das größte Manko der jungen deutschen Nationalmannschaft, hat man im England-Spiel nicht wirklich wahrgenommen. Ich fand's sogar extrem ausgebufft, wie sie nach dem 3:1 und 4:1 den Ball gehalten und so die Engländer in den Wahnsinn getrieben haben. Vor allem das 4:1 war einfach ein total 'abgewichstes' Tor. Brilliant und - coooool!
Ob das Team jetzt einer der Top-Favoriten ist? Wohl oder übel. Aber für mich wär's auf jeden Fall eine Sensation, wenn sie in's Finale kämen. Das Potential haben sie, sicher. Aber jetzt noch Argentinien rauskicken und danach den potentiellen Halbfinalgegner? Junge, Junge. Ich krieg Gänsehaut, wenn ich dran denke. Lasst uns ma hoffen...
Ich war gerade in der Botschaft und hab mal wieder meinen Pass abgegeben. Diese an Komplexität durchaus nicht zu unterschätzende Transaktion konnte ich in rekordverdächtigen 60 Minuten abwickeln. Krass, nä? Mit der Entscheidung, die ich getroffen habe, notfalls auch auf dem Landweg nach Lubumbashi zu fahren, fühle ich mich auch in der Botschaft etwas besser mittlerweile und ich kann besser damit leben, ohne Respekt behandelt zu werden. Denn jetzt bin ich auch nicht mehr zu 100% darauf angewiesen, in die andere Richtung nett bzw. respektvoll zu sein. Und siehe da, es scheint auch zu gehen. Ich warte jetzt nicht mehr Ewigkeiten am Schalter, bis sich einer dieser Volltrottel mal bequemt, den Schalter zu besetzen, sondern stürme gleich durch in's Hinterzimmer. Voila, geht doch. Außerdem warte ich nicht mehr im Wartezimmer, sondern - wenn überhaupt - dann auf der Treppe zum Konsulatsgebäude mit ner Kippe im Mundwinkel. Das scheint sie ziemlich zu stressen, und so wurde ich heute sogar erstmals in den 'richtigen' Warteraum des Konsulats gebeten mit Ledersesseln statt Klappstühlen. Hat zwar genauso viel bzw. wenig gebracht wie sonst immer, aber es fühlte sich besser und authentischer an, diesen Deppen nicht auch noch arschkriechend gegenüber treten zu müssen.
Na okay, ich soll um 1200Uhr nochmal zurück zur Botschaft. Und meine Erwartungen, dass es heute klappt mit dem Visum sind bei ca. 0,01 Prozent. Aber ich wollte es nochmal probieren. Und das mache ich.
In Muanda habe ich auch nochmal angerufen, um mit diesem verpeilten Francois zu reden. Ich glaub, er kifft schon am Morgen. Na ja, egal. Jedenfalls meint er, dass der Konsul wohl heute Abend wiederkehren würde. Ich frage ihn, ob er das tut, damit er pünktlich zu den Unabhängigkeitsfeiern wieder verschwinden kann aus seinem Office? Na ja, wurscht. Die Muanda-Option kann ich immer mehr vergessen, und ich bin auch nicht böse. Hätte sowieso keine große Lust, diese Scheiß-Strecke nochmal zu fahren.
Mit Hans habe ich versucht, Kontakt aufzunehmen. Leider vergeblich. Er und Simon hatten doch diesen Blog im Internet gefunden, auf dem zwei Biker berichtet hatten, wie sie 15 Tage auf der Lubumbashi-Kinshasa Strecke unterwegs waren. Hätte ich mir gerne mal angeschaut diesen Reisebericht, bevor ich mich selbst auf die Reise begebe. Muss ich wohl nochmal etwas intensiver recherchieren, gestern hatte ich nix gefunden.
So, die positiven News kommen von der Service Air. Ein Bruder aus der Mission, der Gott sei Dank sowohl Englisch als auch Französisch spricht, hat für mich den Anfruf gemacht. Ich habe jetzt die Adresse der Airline, und sie haben bestätigt, dass am Donnerstag im Flieger nach Lubumbashi noch Platz wäre. Kostenpunkt sind 2 Dollar pro Kilo. Also knapp 650 für meine Maschine, vorausgesetzt es gibt nicht noch irgendwelche Volumen-spezifischen Extras. Ist ganz witzig, wenn man bedenkt, dass die Kollegen Fährleute in Muanda für die Überfahrt über'n Kongo ca. 300 Dollar haben wollten... Es ist noch nicht ganz klar, ob ich dann am Donnerstag mit der gleichen Maschine mit kann. Aber das muss ich alles mal auschecken jetzt. Werde am Nachmittag der Airline einen Besuch abstatten und dann hoffentlich Nägel mit Köpfchen machen.
Also aktuell ist der Plan wie folgt: Wenn's heute wider Erwarten mit dem Visum klappt, fahre ich los nach Angola. Wenn's nicht klappt, organisiere ich den Flieger am Donnertag nach Lubumbashi. Wenn das auch nicht klappt, nehme ich die 'harte' Tour und fahre die Strecke nach Lubumbashi mit dem Bike.
Hab mir das mal gestern auf der Michelin-Karte angeschaut. Es ist ein hartes Brot. Es sind etwas mehr als 2300 Kilometer. Aber die Länge der Strecke ist nicht das Entscheidende. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Strecke in etwa die Qualität der Strecke Dolisie-Brazzaville hat. Ein dunkles Kapitel, von dem ich eigentlich geglaubt hatte, es hinter mir gelassen zu haben. Das wird richtig heftig. Und ich schätze, dass ich ca. 7-10 Tage unterwegs wäre. Und zwar mit Zähne zusammen beißen bis der Arzt kommt. Vielleicht gibt's auch gute Abschnitte unterwegs, aber der Großteil ist mit Sicherheit beschissen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen: man fährt von Berlin nach Bulgarien an's Schwarze Meer, aber eben nicht auf ner Teerstraße, sondern auf Feld- und Wiesenwegen... Ein großes Vergnügen, mit Sicherheit.
Bevor ich aber los fahre, will ich noch mehr Infos über die Sicherheitslage einholen. Neben Bas-Kongo, wo ich mich aktuell befinde, komme ich durch drei weitere Kongolesische Provinzen auf dem Weg nach Lubumbashi: Bandundu, Kasai und Katanga. Letzere zwei sind traditionell Stress-Regionen, wobei es in letzter Zeit doch eher ruhig zu sein scheint. Der richtige Stress im Kongo in den letzten Jahren entstammt den sogenannten Kivus, Nord- und Süd-Kivu. Das sind die Provinzen an den Grenzen zu Ruanda und Burundi, wo die Tutsi/Hutu - Konflikte (neben vielen anderen Einflüssen) eine mörderische Spannung erzeugen. Na ja, da komme ich auf jeden Fall nicht lang. Aber auch Kasai und Katanga sind jetzt nicht gerade die absoluten Wohlfühloasen, soweit ich das sehe, und ich brauche noch mehr Infos, um wirklich zu entscheiden, ob ich das mache...
Derweil wird hier in Kinshasa die Stadt rausgeputzt. Am Mittwoch isses soweit mit der großen Unabhängigkeitsfeier. Wer weiß, was da überhaupt gefeiert werden soll. Wenn man sich die Geschichte des Kongos, gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Unabhängigkeit am 30. Juni 1960, anschaut, wird einem speiübel. Allein 1960 erlebte das Land eine Katastrophe nach der anderen: Abspaltung der Provinzen Süd-Kasai und Katanga vom Mutterland mit anschließendem Bürgerkrieg (in dem vier Parteien beteiligt waren: West-Kongo unter Mobutu, Ost-Kongo unter Lumumba-Sympathisanten, Südkasai und Katanga). "Pogrome"gegen die weiße Minderheit mit anschließendem Exodus. Praktische Lahmlegung der Kongolesichen Armee und Verwaltung infolge der sofortigen Flucht der bisherigen belgischen "Elite". Einmischung und Parteinahme der Supermächte Sowjetunion und USA aus dem kalten Krieg in die inneren Konflikte des Landes. Entmachtung und Ermordung des Hoffnungsträgers, Premierministers Lumumba. Massive Einmischung von westlichen (Belgien, Frankreich) und afrikanischen (Marokko, Angola) Staaten in die Konflikte, nicht zuletzt aufgrund des Fluchs des Kongolesischen Volkes: der unglaublichen Bodenschätze. Auf Kongolesischem Gebiet fanden ab 1960 die unterschiedlichsten Konflikte parallel statt. Und überall mischten auch noch kräftig ausländische Söldner mit. Die UN war bereits ab 1960 im Land, aber de facto ziemlich hilflos angesichts dieser komplexen Situation.
Na ja, die 50 Jahre seitdem waren auch nicht gerade ein Zuckerschlecken. Also ich hab da ein ziemlich flaues Gefühl im Magen, wenn ich die ganzen Fähnchen und Verzierungen am Boulevard sehe. Auf der anderen Seite wäre es sicherlich auch ein Erlebnis, die unvermeidliche Militär-Parade auf dem Boulevard zu sehen und diesen tollen Präsidenten, Joseph Kabila...
Vielleicht habe ich ja die Gelegenheit dazu, wenn ich am Donnerstag erst abreise - mit dem Flieger...
So, jetzt nochmal ein paar Worte zu unserer Nationalmannschaft: Sensationell, historisch, ergreifend. Ich bin wirklich stolz auf die Leistung. Hat mich zwar wieder ganz schön mitgenommen, vor allem nach dem 2:0 ging nicht mehr viel und bis in die Schlußphase habe ich immer damit gerechnet, dass die Engländer wieder zurück kommen werden. Ich habe die Glückwünsche der anderen Leute hier in der Mission dankend entgegen genommen. Vor allem weil ich auch tatsächlich das Gefühl hatte, etwas geleistet zu haben. Dieses Mitfiebern und Mitzittern zehrt echt an der Substanz, und ich musste gestern nach dem Spiel erstmal in meine Butze, Licht aus, in's Bett und durchatmen. Aber es war schon geil. Ausgerechnet wieder Klose und Poldi, die die beiden Tore zum 2:0 machen. Die geprügelten Hunde der vergangenen Saison. Wenn es nach Fußballdeutschland gegangen wäre, würden wir wahrscheinlich mit Kuranyi und Gomez/Kießling auflaufen. Und dann, gute Nacht bitte schön. Arninho Friedrich wieder mit einer absolut soliden Leistung. Eine Konstanz auf hohem Niveau, die ich ihm in dieser Art echt nicht zugetraut hätte. Aber als Innenverteidiger ist er einfach mal ne starke Nummer. Kein Vergleich zu seinen Wackeleien auf der rechten Seite. Die restliche Defensive war nicht soo prickelnd, aber es hat (mal wieder) ausgereicht. Ob's gegen die Gauchos wieder reicht, wer weiß. Na ja, Özil erwischt wieder einen guten Tag und es flutscht einfach. Spielerisch sind wir den Engländern überlegen. Die Spielweise unseres Teams ist erfrischenderweise ziemlich undeutsch UND trotzdem erfolgreich. Na ja, und dann kleines dickes Müllerchen. Es ist einfach ne Wucht und geil anzusehen, wie sich dieser Junge innerhalb eines Jahres bei den Bayern durchsetzt, in der Champions League trifft und jetzt darum mitkämpft, die Torjägerkanone bei der WM zu erobern. Wahnsinn. Das sind die Geschichten, die nur der Fußball schreibt.
Die mangelnde Erfahrung, das größte Manko der jungen deutschen Nationalmannschaft, hat man im England-Spiel nicht wirklich wahrgenommen. Ich fand's sogar extrem ausgebufft, wie sie nach dem 3:1 und 4:1 den Ball gehalten und so die Engländer in den Wahnsinn getrieben haben. Vor allem das 4:1 war einfach ein total 'abgewichstes' Tor. Brilliant und - coooool!
Ob das Team jetzt einer der Top-Favoriten ist? Wohl oder übel. Aber für mich wär's auf jeden Fall eine Sensation, wenn sie in's Finale kämen. Das Potential haben sie, sicher. Aber jetzt noch Argentinien rauskicken und danach den potentiellen Halbfinalgegner? Junge, Junge. Ich krieg Gänsehaut, wenn ich dran denke. Lasst uns ma hoffen...
Sonntag, 27. Juni 2010
Tickets verkauft - Dienstag ab nach Lubumbashi?
Juchuh! Wenigstens etwas. Meine Achtelfinal-Tickets für die Partie am Montag zwischen Holland und der Slowakei sind verkauft. Sagt mir zumindest die Fifa-Webseite. Da klingelt's in der Kasse, 400 Dollars abzüglich 20 Dollars Spesen kommen rein in die Portokasse.
Die Viertelfinaltickets für Uruguay - Ghana habe ich noch nicht eingestellt, das mache ich morgen oder übermorgen.
Ich setze mich im Moment immer mehr mit der Lubumbashi-Option auseinander. Entweder per Cargo-Flieger oder eben doch auf die 'harte Tour' mit dem Mopped durch den Dschungel. Hab schon die Michelin-Karte ausgefaltet und berechne die Route. Auf jeden Fall mache ich jetzt noch ein paar Telefonate (Michael, Francois, Service Air) und gehe wohl morgen auch noch ein (letztes?) mal zur Botschaft am Boulevard. Wenn nichts anderes klappt und es sich herausstellen sollte, dass nächste Woche aufgrund des Feiertags auch nichts mehr geht, erwäge ich tatsächlich, die Kinshasa-Lubumbashi Route zu fahren. Vielleicht ist es innerhalb einer Woche möglich, die Strecke zu fahren?
Wer weiß, ich muss auf jeden Fall noch Infos einholen, soviele wie möglich.
Die Viertelfinaltickets für Uruguay - Ghana habe ich noch nicht eingestellt, das mache ich morgen oder übermorgen.
Ich setze mich im Moment immer mehr mit der Lubumbashi-Option auseinander. Entweder per Cargo-Flieger oder eben doch auf die 'harte Tour' mit dem Mopped durch den Dschungel. Hab schon die Michelin-Karte ausgefaltet und berechne die Route. Auf jeden Fall mache ich jetzt noch ein paar Telefonate (Michael, Francois, Service Air) und gehe wohl morgen auch noch ein (letztes?) mal zur Botschaft am Boulevard. Wenn nichts anderes klappt und es sich herausstellen sollte, dass nächste Woche aufgrund des Feiertags auch nichts mehr geht, erwäge ich tatsächlich, die Kinshasa-Lubumbashi Route zu fahren. Vielleicht ist es innerhalb einer Woche möglich, die Strecke zu fahren?
Wer weiß, ich muss auf jeden Fall noch Infos einholen, soviele wie möglich.
Tag 91 - Rien ne va plus
Heydee Hoh, liebes Tagebuch.
Was soll ick dir sagen? Nichts geht hier in diesem Land. Ich hänge immer noch in der Mission rum und fühle mich, mit jedem Tag der vergeht, desillusionierter und genervter. Mir fällt's immer schwerer, positiv und konstruktiv zu sein. Es ist einfach uncool, hier 'eingesperrt' zu sein und so ziemlich das Gegenteil von dem Gefühl der FREIHEIT, wonach ich mich so sehne und welches ich auf der bisherigen Reise so genossen hatte.
Klar, es gibt nach wie vor (sogar ziemlich viele) Optionen, die ich verfolgen kann, um vorwärts zu kommen. Aber nachdem so vieles schief gelaufen ist, fällt's mir immer schwerer, mich zu motivieren und "dran zu bleiben". Ist echt so eine Psycho-Falle, in der ich stecke. Selbst während der Fußballspiele kann ich mich nicht so richtig entspannen und abschalten. Ich bin irgendwie ständig aufgekratzt und einfach schlecht drauf.
Well, wie sieht's aus momentan?
Gestern habe ich Hewa Bora Airways einen Besuch abgestattet. War gar nicht so leicht zu finden der Laden hier in Kinshasa. Die Fahrt dorhin war auf jeden Fall ein Erlebnis. Ich musste durch die Straßen Kinshasas, abseits des großen Boulevards. War irgendwie witzig. Kam mir vor, wie Präsident Mobutu auf einer seiner Jubeltouren (als er noch etwas beliebter war). Überall Jubelschreibe, Heys und Hohs. Konnte mir ein Lachen nicht verkeifen. Ist schon verrückt hier. Na ja, nach einer Weile hatte ich die Headquarters von Hewa Bora gefunden, allerdings wollte ich ja zur Cargo-Abteilung, was sich als ziemlich kompliziert rausstellte. Okay, nach einer Weile hatte ich's dann gefunden. Ich hab mein Anliegen erklärt und gleich mal ein Kopfschütteln geerntet. Zumindest durfte ich nochmal rauf auf die Waage mit meinem Mopped. 325 Kilo. Bumm. Well, hab mich mit den super netten Leuten von Hewa Bora noch eine ganze Weile unterhalten. Sie akzeptieren ein Maximalgewicht von 100 Kilo bei der Cargo. Also keine Chance. Aber ein portugiesischer (!) Mitarbeiter hat gleich mal den Kontakt hergestellt zu einer anderen, auf Cargo spezialisierten Airline, Service Air. Dort könnte es womöglich klappen mit einem Flug nach Lubumbashi. Am nächsten Dienstag. Wir haben vereinbart, dass ich mit ihnen am Sonntag noch mal telefoniere, um die Details abzuklären.
Okay, das ist also eine Option. Gefällt mir aktuell am besten. Mopped mit dem Flieger nach Lumbumbashi transportieren, und dann weiter nach Zambia. Hab mal im Web versucht, was über diese Airline zu finden. Das einzige, was ich gefunden habe, war ein Forum, in dem sich Berufspiloten über diverse Airlines austauschen. Was sie zum Thema Service Air zu sagen hatten, war nicht gerade ermutigend, aber da drücke ich inzwischen gerne mal beide Augen zu. Scheint ein unblaublicher Saftladen zu sein, aber wenn sie mein Mopped für einen akzeptablen Preis runterfliegen, soll es mir recht sein.
Sorgen mache ich mir wieder mehr über diesen beschissenen Feiertag nächste Woche. Die "50 Jahre Unabhängigkeit" Feier gibt's am Mittwoch. Ich habe schon von einigen Seiten gehört, dass deshalb mit massiven Einschränkungen in der kompletten nächsten Woche zu rechnen sei. Z.B. ist der Flugverkehr nicht nur am Mittwoch, sondern auch am Dienstag (!) und Donnerstag eingeschränkt bzw. komplett gestoppt.
Die Scheiße ist, dass ich soviel höre und von so wenig wirklich weiß, ob es stimmt. Gerüchte über Gerüchte. Und nach meinem bisherigen Glück zu urteilen, kann ich mir einfach nur zu gut vorstellen, dass die negativen Infos stimmen, und die positiven Infos sich in Rauch auflösen... Menno...
Well, was ist mit Option 2, Muanda? Ich habe gestern mit Francois telefoniert, dem Typen aus dem Konsulat. Er schien sich zu freuen, dass ich anrufe und hat sich auch an mich erinnert. Soweit ich ihn verstanden habe, ist der Konsul noch nicht zurück. Aber er hat mir versprochen, dass er mich zurück ruft, sobald es soweit ist. Well, Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, meinten, dass es ziemlich unwahrscheinlich sei, dass der Konsul seinen Arsch nächste Woche (Unabhängigkeitsfeier) nochmal nach Muanda bewegt. Fuck it! Außerdem vertraue ich auch nicht gerade auf Francois' Proaktivität, mich zu informieren bzw. sich überhaupt einen Scheiß darum zu kümmern, ob ich mein Visum bekomme.
Okay, Michael, der Engländer, hatte mir Freitag in Aussicht gestellt, den Kontakt zum Angolanischen Botschafter herzustellen. Das wäre ein Hoffnungsschimmer in Sachen "normaler Visumsprozess" in Kinshasa...
Die Option, ohne Mopped einfach runter zu fliegen nach Südafrika und die Spiele anzugucken, habe ich wieder verworfen. Das ist irgendwie nicht das, was ich will, und ich glaube, dass ich mich auch nicht wohl fühlen würde unten als "Tourist", der mit Bahn und Bus durch die Lande reist. Ich will es zurück, das Gefühl der Freiheit. Und dafür kämpfen!
Dieser Entschluss bedeutet auch, dass ich die Tickets definitiv zurückgebe (zumindest für den 28.6. und den 3.7. auch). Und da gestaltet sich der Fifa-Prozess zum Wiederverkauf der Tickets als ordentliche Zitterpartie. Immerhin geht es um insgesamt 1000 US Dollar. Ich bin mittlerweile gar nicht mehr so traurig, die beiden Spiele nicht live sehen zu können, sind ja "nur" das Achtelfinale zwischen Holland und der Slowakei sowie das Viertelfinale zwischen den Urus und Ghana. Aber die Kohle würde ich schon ganz gerne wieder bekommen. Ich habe die Tickets zum Wiederverkauf eingestellt, aber ihr Status ist immer noch unverändert. Oh Mann, hoffentlich gehen die noch raus...
Die unausweichlichen Gespräche mit den anderen Bewohnern der Mission über meine Visumssituation haben noch eine neue Option ergeben, an die ich bislang eigentlich überhaupt noch nicht (ernsthaft) nachgedacht habe. Tatsächlich mit dem Bike durch den Kongo zu fahren, runter nach Lubumbashi. Ich weiß, dass Simon und Hansi diese Option mal gecheckt hatten im Web, und dabei einen Blog von zwei Aussis oder Amis gefunden hatten, die 15 Tage auf dieser "Höllen-Strecke" unterwegs waren. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich mich damit nicht weiter beschäftigt hatte. Andererseits habe ich inzwischen Berichte (mehr oder weniger glaubwürdig) gehört, dass die Strecke gar nicht so schlecht sei und (in einem Auto) in ca. drei Tagen (!) geschafft werden könnte. Well, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Und ich muss mir überlegen, ob es für mich in Frage kommt, diese Sache (Anstrengung, Risiko, Zeit) in Angriff zu nehmen. Auf jeden Fall wäre das eine Option, um aus dieser Starre und Lethargie, in der ich mich momentan befinde, wieder raus zu kommen - und zwar sofort...
Wer sind meine aktuellen Buddies in der Mission? Well, mit Leone, der UN-Mitarbeiterin mit Spezialität Wahlvorbereitung und -durchführung, die zum Ende ihrer Karriere kurz vor der Pension nochmal unbedingt in den Kongo wollte, habe ich eine Reihe interessanter Gespräche geführt. Sie ist echt cool, hat eine Menge erlebt und interessante An- und Einsichten. Dustin und Barbara hängen hier auch noch rum und wir gucken meist gemeinsam Futte. Patrick ist wieder zurück aus Lubumbashi. Er hat einiges zu erzählen über seine Erlebnisse dort unten und die Mining Companies. Und hoffentlich drückt er jetzt - nachdem die Schwyzer aus dem Turnier geflogen sind - den Deutschen die Daumen. Mit den permanenten Residents bzw. Angestellten (so genau kann ich die alle gar nicht auseinander halten) komme ich auch immer mehr in Kontakt bzw. in Gespräche. Ich fühle mich schon ein bisschen wie ein Teil des Inventars hier in der Mission. Yep.
Gerade hat nochmal Leone an mein Fenster geklopft und mir bewusst gemacht, dass es nicht unbedingt die äußeren Umstände sind, die für mein aktuelles Gefühl verantwortlich sind. Ich bin in letzter Konsequenz selbst dafür verantwortlich, wie ich mit der Situation hier umgehe und was ich daraus mache. Es ist eine Sache der Selbstdisziplin. Ich habe die Möglichkeit, mich hängen zu lassen und richtig zu kotzen. Ich kann es aber auch als Erfahrung verbuchen und positiv/konstruktiv bleiben.
Ich glaube immer mehr daran, dass mein Aufenthalt in der DRC und vor allem natürlich die Geschichte mit dem Angola-Visum so eine Art Test für mich ist. Ob mit oder ohne versteckten Kameras - keine Ahnung. Am Freitag war ich echt am Ende mit meinen Nerven. Vielleicht schaffe ich es aber doch noch, diesen "Test" zu bestehen? Der Ausgang ist offen ;-)
Well, egal was auch passiert. Heute ist Achtelfinale!!! England - Deutschland. Was für eine brisante Ansetzung. Oft werden die Spiele, auf die man sich besonders freut, dann erst recht langweilig und öde. Aber das ist egal. Heute Abend wird es eine Nation geben, die auf Wolke 7 schwebt, eine andere, die in Tränen aufgelöst ist. So ist Fußball. Auch wenn ich den Engländern mal gönnen würde, was zu reißen bei einem Turnier, möchte ich natürlich lieber, dass die Deutschen weiter kommen.
Ich hoffe, dass ich das Spiel gesundheitlich gut überstehe. Ich glaub, ich mach vorher nochmal ein kurzes Nickerchen, um meinen Kreislauf runter zu fahren ;-)
Was soll ick dir sagen? Nichts geht hier in diesem Land. Ich hänge immer noch in der Mission rum und fühle mich, mit jedem Tag der vergeht, desillusionierter und genervter. Mir fällt's immer schwerer, positiv und konstruktiv zu sein. Es ist einfach uncool, hier 'eingesperrt' zu sein und so ziemlich das Gegenteil von dem Gefühl der FREIHEIT, wonach ich mich so sehne und welches ich auf der bisherigen Reise so genossen hatte.
Klar, es gibt nach wie vor (sogar ziemlich viele) Optionen, die ich verfolgen kann, um vorwärts zu kommen. Aber nachdem so vieles schief gelaufen ist, fällt's mir immer schwerer, mich zu motivieren und "dran zu bleiben". Ist echt so eine Psycho-Falle, in der ich stecke. Selbst während der Fußballspiele kann ich mich nicht so richtig entspannen und abschalten. Ich bin irgendwie ständig aufgekratzt und einfach schlecht drauf.
Well, wie sieht's aus momentan?
Gestern habe ich Hewa Bora Airways einen Besuch abgestattet. War gar nicht so leicht zu finden der Laden hier in Kinshasa. Die Fahrt dorhin war auf jeden Fall ein Erlebnis. Ich musste durch die Straßen Kinshasas, abseits des großen Boulevards. War irgendwie witzig. Kam mir vor, wie Präsident Mobutu auf einer seiner Jubeltouren (als er noch etwas beliebter war). Überall Jubelschreibe, Heys und Hohs. Konnte mir ein Lachen nicht verkeifen. Ist schon verrückt hier. Na ja, nach einer Weile hatte ich die Headquarters von Hewa Bora gefunden, allerdings wollte ich ja zur Cargo-Abteilung, was sich als ziemlich kompliziert rausstellte. Okay, nach einer Weile hatte ich's dann gefunden. Ich hab mein Anliegen erklärt und gleich mal ein Kopfschütteln geerntet. Zumindest durfte ich nochmal rauf auf die Waage mit meinem Mopped. 325 Kilo. Bumm. Well, hab mich mit den super netten Leuten von Hewa Bora noch eine ganze Weile unterhalten. Sie akzeptieren ein Maximalgewicht von 100 Kilo bei der Cargo. Also keine Chance. Aber ein portugiesischer (!) Mitarbeiter hat gleich mal den Kontakt hergestellt zu einer anderen, auf Cargo spezialisierten Airline, Service Air. Dort könnte es womöglich klappen mit einem Flug nach Lubumbashi. Am nächsten Dienstag. Wir haben vereinbart, dass ich mit ihnen am Sonntag noch mal telefoniere, um die Details abzuklären.
Okay, das ist also eine Option. Gefällt mir aktuell am besten. Mopped mit dem Flieger nach Lumbumbashi transportieren, und dann weiter nach Zambia. Hab mal im Web versucht, was über diese Airline zu finden. Das einzige, was ich gefunden habe, war ein Forum, in dem sich Berufspiloten über diverse Airlines austauschen. Was sie zum Thema Service Air zu sagen hatten, war nicht gerade ermutigend, aber da drücke ich inzwischen gerne mal beide Augen zu. Scheint ein unblaublicher Saftladen zu sein, aber wenn sie mein Mopped für einen akzeptablen Preis runterfliegen, soll es mir recht sein.
Sorgen mache ich mir wieder mehr über diesen beschissenen Feiertag nächste Woche. Die "50 Jahre Unabhängigkeit" Feier gibt's am Mittwoch. Ich habe schon von einigen Seiten gehört, dass deshalb mit massiven Einschränkungen in der kompletten nächsten Woche zu rechnen sei. Z.B. ist der Flugverkehr nicht nur am Mittwoch, sondern auch am Dienstag (!) und Donnerstag eingeschränkt bzw. komplett gestoppt.
Die Scheiße ist, dass ich soviel höre und von so wenig wirklich weiß, ob es stimmt. Gerüchte über Gerüchte. Und nach meinem bisherigen Glück zu urteilen, kann ich mir einfach nur zu gut vorstellen, dass die negativen Infos stimmen, und die positiven Infos sich in Rauch auflösen... Menno...
Well, was ist mit Option 2, Muanda? Ich habe gestern mit Francois telefoniert, dem Typen aus dem Konsulat. Er schien sich zu freuen, dass ich anrufe und hat sich auch an mich erinnert. Soweit ich ihn verstanden habe, ist der Konsul noch nicht zurück. Aber er hat mir versprochen, dass er mich zurück ruft, sobald es soweit ist. Well, Leute, mit denen ich darüber gesprochen habe, meinten, dass es ziemlich unwahrscheinlich sei, dass der Konsul seinen Arsch nächste Woche (Unabhängigkeitsfeier) nochmal nach Muanda bewegt. Fuck it! Außerdem vertraue ich auch nicht gerade auf Francois' Proaktivität, mich zu informieren bzw. sich überhaupt einen Scheiß darum zu kümmern, ob ich mein Visum bekomme.
Okay, Michael, der Engländer, hatte mir Freitag in Aussicht gestellt, den Kontakt zum Angolanischen Botschafter herzustellen. Das wäre ein Hoffnungsschimmer in Sachen "normaler Visumsprozess" in Kinshasa...
Die Option, ohne Mopped einfach runter zu fliegen nach Südafrika und die Spiele anzugucken, habe ich wieder verworfen. Das ist irgendwie nicht das, was ich will, und ich glaube, dass ich mich auch nicht wohl fühlen würde unten als "Tourist", der mit Bahn und Bus durch die Lande reist. Ich will es zurück, das Gefühl der Freiheit. Und dafür kämpfen!
Dieser Entschluss bedeutet auch, dass ich die Tickets definitiv zurückgebe (zumindest für den 28.6. und den 3.7. auch). Und da gestaltet sich der Fifa-Prozess zum Wiederverkauf der Tickets als ordentliche Zitterpartie. Immerhin geht es um insgesamt 1000 US Dollar. Ich bin mittlerweile gar nicht mehr so traurig, die beiden Spiele nicht live sehen zu können, sind ja "nur" das Achtelfinale zwischen Holland und der Slowakei sowie das Viertelfinale zwischen den Urus und Ghana. Aber die Kohle würde ich schon ganz gerne wieder bekommen. Ich habe die Tickets zum Wiederverkauf eingestellt, aber ihr Status ist immer noch unverändert. Oh Mann, hoffentlich gehen die noch raus...
Die unausweichlichen Gespräche mit den anderen Bewohnern der Mission über meine Visumssituation haben noch eine neue Option ergeben, an die ich bislang eigentlich überhaupt noch nicht (ernsthaft) nachgedacht habe. Tatsächlich mit dem Bike durch den Kongo zu fahren, runter nach Lubumbashi. Ich weiß, dass Simon und Hansi diese Option mal gecheckt hatten im Web, und dabei einen Blog von zwei Aussis oder Amis gefunden hatten, die 15 Tage auf dieser "Höllen-Strecke" unterwegs waren. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich mich damit nicht weiter beschäftigt hatte. Andererseits habe ich inzwischen Berichte (mehr oder weniger glaubwürdig) gehört, dass die Strecke gar nicht so schlecht sei und (in einem Auto) in ca. drei Tagen (!) geschafft werden könnte. Well, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Und ich muss mir überlegen, ob es für mich in Frage kommt, diese Sache (Anstrengung, Risiko, Zeit) in Angriff zu nehmen. Auf jeden Fall wäre das eine Option, um aus dieser Starre und Lethargie, in der ich mich momentan befinde, wieder raus zu kommen - und zwar sofort...
Wer sind meine aktuellen Buddies in der Mission? Well, mit Leone, der UN-Mitarbeiterin mit Spezialität Wahlvorbereitung und -durchführung, die zum Ende ihrer Karriere kurz vor der Pension nochmal unbedingt in den Kongo wollte, habe ich eine Reihe interessanter Gespräche geführt. Sie ist echt cool, hat eine Menge erlebt und interessante An- und Einsichten. Dustin und Barbara hängen hier auch noch rum und wir gucken meist gemeinsam Futte. Patrick ist wieder zurück aus Lubumbashi. Er hat einiges zu erzählen über seine Erlebnisse dort unten und die Mining Companies. Und hoffentlich drückt er jetzt - nachdem die Schwyzer aus dem Turnier geflogen sind - den Deutschen die Daumen. Mit den permanenten Residents bzw. Angestellten (so genau kann ich die alle gar nicht auseinander halten) komme ich auch immer mehr in Kontakt bzw. in Gespräche. Ich fühle mich schon ein bisschen wie ein Teil des Inventars hier in der Mission. Yep.
Gerade hat nochmal Leone an mein Fenster geklopft und mir bewusst gemacht, dass es nicht unbedingt die äußeren Umstände sind, die für mein aktuelles Gefühl verantwortlich sind. Ich bin in letzter Konsequenz selbst dafür verantwortlich, wie ich mit der Situation hier umgehe und was ich daraus mache. Es ist eine Sache der Selbstdisziplin. Ich habe die Möglichkeit, mich hängen zu lassen und richtig zu kotzen. Ich kann es aber auch als Erfahrung verbuchen und positiv/konstruktiv bleiben.
Ich glaube immer mehr daran, dass mein Aufenthalt in der DRC und vor allem natürlich die Geschichte mit dem Angola-Visum so eine Art Test für mich ist. Ob mit oder ohne versteckten Kameras - keine Ahnung. Am Freitag war ich echt am Ende mit meinen Nerven. Vielleicht schaffe ich es aber doch noch, diesen "Test" zu bestehen? Der Ausgang ist offen ;-)
Well, egal was auch passiert. Heute ist Achtelfinale!!! England - Deutschland. Was für eine brisante Ansetzung. Oft werden die Spiele, auf die man sich besonders freut, dann erst recht langweilig und öde. Aber das ist egal. Heute Abend wird es eine Nation geben, die auf Wolke 7 schwebt, eine andere, die in Tränen aufgelöst ist. So ist Fußball. Auch wenn ich den Engländern mal gönnen würde, was zu reißen bei einem Turnier, möchte ich natürlich lieber, dass die Deutschen weiter kommen.
Ich hoffe, dass ich das Spiel gesundheitlich gut überstehe. Ich glaub, ich mach vorher nochmal ein kurzes Nickerchen, um meinen Kreislauf runter zu fahren ;-)
Samstag, 26. Juni 2010
Das Spielplan machen mir konfusamente
Well, ich hab da doch einiges durcheinander gebracht mt dem Spielplan der WM. Vor allem, was die Ansetzungen nach dem Achtelfinale angehen. Ich hab jetzt noch mal alles ausführlich gecheckt auf der Fifa-Webseite.
Also, 'mein' Spiel am 28.6. ist das Achtelfinale zwischen Holland und der Slowakei in Durban. Am 2.7. in Johannesburg habe ich Tickets für das Viertelfinale zwischen den Siegern der Partien Uruguay-Südkorea sowie USA-Ghana. Hmm, um jetzt mal ganz ehrlich zu sein: ist mir der Besuch dieser Spiele insgesamt 1000€ (für die Tickets) wert? Eher nicht. Vielleicht ist das ja auch ein Wink mit dem Pfahlzaun, dass ich mich mal ein bissel entspannen sollte.
Die wirklich geilen Tickets habe ich leider nicht (mehr). Ich hatte vor ca. anderthalb Jahren, als ich die Tickets erwarb, Wheelchair-Tickets a 50 Dollar für das Achtelfinale zwischen Deutschland und Engeland gekauft. Aber natürlich wieder zurückgegeben, als ich nochmal in mich gegangen war und festgestellt hatte, dass ich gar nicht im Rollstuhl sitze, und ergo nicht berechtigt bin für diese Tickets. Mist, vedammter, aber auch...
Na ja, nichtsdestotrotz werde ich mich jetzt mal zur Cargo-Abteilung der Hewa Bora Airways begeben und checken, wie es mit einem möglichen Transport meines Moppeds nach Lubumbashi oder J-Burg aussieht. Ich guck auch mal, was die Tickets für mich kosten, um runter zu fliegen bzw. deren Verfügbarkeit. Ist ja auch noch eine Idee, mir hier mal eine Auszeit vom Angola-Visumsstress zu gönnen und runter zu fliegen...
Mit Michael, dem englischen Geschäftsmann, hatte ich gestern noch ein Gespräch. Er kennt meine Situation und hatte schon vor zwei Wochen Hilfe angeboten. Well, er scheint wie gesagt sehr gut verdrahtet zu sein mit Kongolesischen Politikern und Entscheidern, und sicher, ich bin nicht abgeneigt, dass er da mal etwas versucht. Er meinte, er würde mal versuchen, den Kontakt zum Angolanischen Botschafter (!!!) herzustellen. Okay. Er meinte während unseres Gesprächs so nebenbei, dass die Typen, mit denen er gemeinsam an einem Tisch in der Bar unserer Mission gesessen und das Spiel Portugal-Brasilien geschaut hatte, top ranking officials der DRC waren. Kontakte ersten oder zweiten Grades zum Präsidenten, Joseph Kabila. Meine Fresse. Ich glaube ihm, und find's krass, wie das hier so läuft. Ich mein', es ist in Deutschland ja eher ungewöhnlich, dass sich Gisela Westerwelle und Wölfchen Schäuble inner Jugendherberge zum Fußball kieken einfinden, oder?
Juti, mach mich jetzt mal auf die Socken zu dieser Airline. Bitte Drücken des Daumens nicht zu vergessen, naturalmente.
Also, 'mein' Spiel am 28.6. ist das Achtelfinale zwischen Holland und der Slowakei in Durban. Am 2.7. in Johannesburg habe ich Tickets für das Viertelfinale zwischen den Siegern der Partien Uruguay-Südkorea sowie USA-Ghana. Hmm, um jetzt mal ganz ehrlich zu sein: ist mir der Besuch dieser Spiele insgesamt 1000€ (für die Tickets) wert? Eher nicht. Vielleicht ist das ja auch ein Wink mit dem Pfahlzaun, dass ich mich mal ein bissel entspannen sollte.
Die wirklich geilen Tickets habe ich leider nicht (mehr). Ich hatte vor ca. anderthalb Jahren, als ich die Tickets erwarb, Wheelchair-Tickets a 50 Dollar für das Achtelfinale zwischen Deutschland und Engeland gekauft. Aber natürlich wieder zurückgegeben, als ich nochmal in mich gegangen war und festgestellt hatte, dass ich gar nicht im Rollstuhl sitze, und ergo nicht berechtigt bin für diese Tickets. Mist, vedammter, aber auch...
Na ja, nichtsdestotrotz werde ich mich jetzt mal zur Cargo-Abteilung der Hewa Bora Airways begeben und checken, wie es mit einem möglichen Transport meines Moppeds nach Lubumbashi oder J-Burg aussieht. Ich guck auch mal, was die Tickets für mich kosten, um runter zu fliegen bzw. deren Verfügbarkeit. Ist ja auch noch eine Idee, mir hier mal eine Auszeit vom Angola-Visumsstress zu gönnen und runter zu fliegen...
Mit Michael, dem englischen Geschäftsmann, hatte ich gestern noch ein Gespräch. Er kennt meine Situation und hatte schon vor zwei Wochen Hilfe angeboten. Well, er scheint wie gesagt sehr gut verdrahtet zu sein mit Kongolesischen Politikern und Entscheidern, und sicher, ich bin nicht abgeneigt, dass er da mal etwas versucht. Er meinte, er würde mal versuchen, den Kontakt zum Angolanischen Botschafter (!!!) herzustellen. Okay. Er meinte während unseres Gesprächs so nebenbei, dass die Typen, mit denen er gemeinsam an einem Tisch in der Bar unserer Mission gesessen und das Spiel Portugal-Brasilien geschaut hatte, top ranking officials der DRC waren. Kontakte ersten oder zweiten Grades zum Präsidenten, Joseph Kabila. Meine Fresse. Ich glaube ihm, und find's krass, wie das hier so läuft. Ich mein', es ist in Deutschland ja eher ungewöhnlich, dass sich Gisela Westerwelle und Wölfchen Schäuble inner Jugendherberge zum Fußball kieken einfinden, oder?
Juti, mach mich jetzt mal auf die Socken zu dieser Airline. Bitte Drücken des Daumens nicht zu vergessen, naturalmente.
Freitag, 25. Juni 2010
3 Wege raus aus'm Kongo
Bueno, während es bei Brasilien-Portugal immer noch 0:0 steht, und die Ivorer derweil versuchen, ihr Torverhältnis gegen die Nordkoreaner aufzubessern, welche wiederum bei einer weiteren Demütigung zur Bestrafung ab in die heimischen Bergwerke dürfen, war ich schon fleissig und hab an meinen 3 Strategien gewerkelt, doch noch raus aus'm Kongo und runter nach Südafrika zu kommen.
Well, die Botschaftsgeschichte in Kinshasa ist ja mal eine Sache. Ich hatte meine Telefonnummer bei meinem Checker abgegeben, und er ruft mich an, wenn es denn mal fertig wird. Da erwarte ich eigentlich nix weiter.
In Muanda habe ich auch angerufen, bei Francois. Der Konsul ist noch nicht zurück, soweit ich es verstanden habe, dürfte aber bald so weit sein. Auch bei Francois habe ich meine Telefonnummer hinterlassen, und er ruft mich an, sobald der Konsul da ist. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, wird es auch nächste Woche (trotz der großen "60 Jahre Unabhängigkeit" - Party) relativ problemlos möglich sein, das Visum auszustellen (eventuell auch sofort...).
Die größten Hoffnungen habe ich aber aktuell in Möglichkeit 3. Hewa Bora Airways. Ist die größte kongolesische Airline laut eigener Aussage - die riesige Flotte besteht aus 5 Fliegern, allesamt natürlich "black listed" in Europa, aber das stört mich irgendwie am allerwenigsten. Die Dame am Telefon hat eine ganze Menge erzählt, wie das mit dem Mopped laufen würde, und ich hab kaum was verstanden. Aber wichtig ist, dass es grundsätzlich die Möglichkeit gibt. Denkbare Ziele wären Lubumbashi im Süden Kongos oder sogar direkt Johannesburg. Von Lubumbashi würde ich dann weiter mit dem Mopped über Sambia und Zimbabwe/Botswana. Ich bin sicher, dass der Spaß einiges kosten würde. Als Schmerzgrenze würde ich im Moment erst mal 1500 Dollar oder so nennen. Aber die Idee, am Montag mit nem Cargo-Flieger endlich wieder weiter Richtung Süden zu kommen, gefällt mir zunehmends besser.
Auf jeden Fall begebe ich mich morgen Vormittag nach Barumbu in die Avenue Kabambare. Da haben die Hewa Boras ihr Hauptquartier und ihr City Office (seltsamerweise nicht in Tora Bora). Da werde ich dann weitere Infos bekommen und checken, ob das wirklich eine Option ist. Ich bin gespannt. Auf jeden Fall ist nicht alles ganz schwarz hier unten ;-)
Am Sonntag steigt das Achtelfinale Deutschland-England. Die Deutschen DÜRFEN nicht aus dem Turnier fliegen, bevor ich unten bin. Verstanden, Kollegen? Also reißt euch gegen die Lions den Arsch auf, bitte sehr!
Well, die Botschaftsgeschichte in Kinshasa ist ja mal eine Sache. Ich hatte meine Telefonnummer bei meinem Checker abgegeben, und er ruft mich an, wenn es denn mal fertig wird. Da erwarte ich eigentlich nix weiter.
In Muanda habe ich auch angerufen, bei Francois. Der Konsul ist noch nicht zurück, soweit ich es verstanden habe, dürfte aber bald so weit sein. Auch bei Francois habe ich meine Telefonnummer hinterlassen, und er ruft mich an, sobald der Konsul da ist. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, wird es auch nächste Woche (trotz der großen "60 Jahre Unabhängigkeit" - Party) relativ problemlos möglich sein, das Visum auszustellen (eventuell auch sofort...).
Die größten Hoffnungen habe ich aber aktuell in Möglichkeit 3. Hewa Bora Airways. Ist die größte kongolesische Airline laut eigener Aussage - die riesige Flotte besteht aus 5 Fliegern, allesamt natürlich "black listed" in Europa, aber das stört mich irgendwie am allerwenigsten. Die Dame am Telefon hat eine ganze Menge erzählt, wie das mit dem Mopped laufen würde, und ich hab kaum was verstanden. Aber wichtig ist, dass es grundsätzlich die Möglichkeit gibt. Denkbare Ziele wären Lubumbashi im Süden Kongos oder sogar direkt Johannesburg. Von Lubumbashi würde ich dann weiter mit dem Mopped über Sambia und Zimbabwe/Botswana. Ich bin sicher, dass der Spaß einiges kosten würde. Als Schmerzgrenze würde ich im Moment erst mal 1500 Dollar oder so nennen. Aber die Idee, am Montag mit nem Cargo-Flieger endlich wieder weiter Richtung Süden zu kommen, gefällt mir zunehmends besser.
Auf jeden Fall begebe ich mich morgen Vormittag nach Barumbu in die Avenue Kabambare. Da haben die Hewa Boras ihr Hauptquartier und ihr City Office (seltsamerweise nicht in Tora Bora). Da werde ich dann weitere Infos bekommen und checken, ob das wirklich eine Option ist. Ich bin gespannt. Auf jeden Fall ist nicht alles ganz schwarz hier unten ;-)
Am Sonntag steigt das Achtelfinale Deutschland-England. Die Deutschen DÜRFEN nicht aus dem Turnier fliegen, bevor ich unten bin. Verstanden, Kollegen? Also reißt euch gegen die Lions den Arsch auf, bitte sehr!
The Sound of Afrique - Das Geheimnis meiner Kraft
Ich muss mal Dampf ablassen, uuuuuaaaaaaarrrrrrrrrrrgggghhhhhh!
Onkelz - Das Geheimnis meiner Kraft
Ich will keine Gnade
Und ich gebe keine
Ich bin brennendes Benzin
Ein Ritt auf Messers Schneide
Du hast mir grade noch gefehlt
Ich kann dich sowieso nicht leiden
Nasch ab und gesell dich
Zu meinen Feinden
Fickt nicht mit dem Teufel
Stellt ihm keine Fragen
Fangt an zu beten
Und lest die Packungsbeilage.
Wut ist das Geheimnis
das Geheimnis meiner Kraft
Und wenn ihr anfangt, mich zu mögen
Weiß ich, ich hab' was falsch gemacht!
Dieses Lied macht nicht beliebt
Drauf geschissen, ja was soll's
Ich will, daß ihr mich haßt
Denn eure Feindschaft macht mich stolz
Ich hasse Kompromisse
Und ich hasse dich
Es gibt zuviel von deiner Sorte
Und das gefällt mir nicht!
Ich bin im Krieg
Mit Gott und der Welt
Das macht mich nicht beliebt
Und bringt kein Geld
Doch ich erhebe mich
Um mich der Welt zu zeigen
Ich durchbreche alle Mauern
Und alles Schweigen.
Onkelz - Das Geheimnis meiner Kraft
Ich will keine Gnade
Und ich gebe keine
Ich bin brennendes Benzin
Ein Ritt auf Messers Schneide
Du hast mir grade noch gefehlt
Ich kann dich sowieso nicht leiden
Nasch ab und gesell dich
Zu meinen Feinden
Fickt nicht mit dem Teufel
Stellt ihm keine Fragen
Fangt an zu beten
Und lest die Packungsbeilage.
Wut ist das Geheimnis
das Geheimnis meiner Kraft
Und wenn ihr anfangt, mich zu mögen
Weiß ich, ich hab' was falsch gemacht!
Dieses Lied macht nicht beliebt
Drauf geschissen, ja was soll's
Ich will, daß ihr mich haßt
Denn eure Feindschaft macht mich stolz
Ich hasse Kompromisse
Und ich hasse dich
Es gibt zuviel von deiner Sorte
Und das gefällt mir nicht!
Ich bin im Krieg
Mit Gott und der Welt
Das macht mich nicht beliebt
Und bringt kein Geld
Doch ich erhebe mich
Um mich der Welt zu zeigen
Ich durchbreche alle Mauern
Und alles Schweigen.
Tag 89 - Nichts als blanke Wut
Ok, Leude. Schluß mit lustich. Scheiß auf positives Denken und den ganzen Quatsch.
Ich hab' die Schnauze voll, einfach mal gestrichen voll. Meine Nerven sind echt am Ende. Ich frage mich echt, was ich hier überhaupt mache. Wie ich es Nina weiterhin erklären soll, dass ich lieber an diesem gottverdammten Scheiß-Ort abhänge, als bei ihr zu sein, wo ich hingehöre. Ich habe einige Kraft und sicherlich auch Ausdauer, aber was hier abgeht, ist einfach mal ein bisschen heavy. Zuviel für mich. Heute ist der erste Tag, wo ich innerlich aufgegeben habe und mir gesagt hab "Scheiß auf diese Scheiße. Ich will nach Hause. Ich hab' keinen Bock mehr." Es kotzt mich einfach alles an und ich habe das Gefühl, sämtliche positive oder konstruktive Energie verpulvert zu haben. Es fühlt sich an wie nach einer durchzechten Nacht. Man hat gekotzt und denkt, es geht aufwärts. Aber stattdessen muss man wieder kotzen und wieder und wieder. Ich dachte, ich hätte mich schon genügend ausgekotzt über Angola, aber das war ein Trugschluss. Dieses verfickte Land ist sowas wie meine ganz persönliche Wutprobe; und ich glaube gerade nicht mehr daran, dass ich sie bestehe(n kann). Selbst Fußball geht mir grad am Arsch vorbei. Ich habe den Glauben an den Sinn dieser ganzen Scheiße hier verloren; ich fühle mich leer, einsam, unverstanden. Und ich komme mir vor wie ein absoluter Vollidiot.
Ich frage mich, wohin ich die ganze negative Energie kanalisieren soll, wenn ich sie schon nicht bei diesen verfickten Botschaftsfuzzis rauslassen kann. Ich bin eine Zeitbombe, die kurz vor'm Bersten ist. Ich musste mich heute schon extrem zusammen reissen. Was ist, wenn ich dort echt die Nerven verliere und endlich mal das mache, woran ich während der zahllosen Stunden, die ich schon in diesem abgefuckten Mistbunker verbracht habe, schon so oft denken musste. Immer wieder in die Fresse rein. Einfach einen Typen schnappen und ihm mal so richtig die Fresse polieren. Mann, ich bin Pazifist und verabscheue Gewalt. Aber die Gewaltszenarien, die sich in meinem Kopf aufbauen, sind einfach mal da, und sie sind nicht cool. Fuck it, ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Herausforderung das für mich ist, hier (zumindest äußerlich) cool zu bleiben und nicht auszuticken. Das würde den ganzen idiotischen Visumsprozess dann mit Sicherheit zum Halt bringen.
Okay, mal ein Kurzabriss, wie es heute gelaufen ist: Zunächst mal hin zur Botschaft über den stressigen Boulevard du 30 Juin. Ist immer wieder ein Vergnügen und ein Risikofaktor. Die Straße ist gefährlich, und ich bin jedes Mal froh, wenn ich es unversehrt geschafft habe. Mittlerweile bin ich dort sicher 30-35 Mal langgefahren. Wer weiß, wie lange das noch gut geht. In der Botschaft angekommen, die übliche leidige Prozedur. Registrierung. Es gibt ein schönes Logbuch, und ich muss mich an der Rezeption in dieses Logbuch eintragen lassen, eine ID hinterlegen (Führerschein) sowie das Handy abgeben. Natürlich gibt's hier keine Warteschlange, sondern Afrika-typisch eine Riesenmenschenmenge, die sich vor dem Fenster der Rezeption darum balgt, als nächstes dran zu kommen. Kotz. Ich hasse diese Prozedur. Mittlerweile mach ich es immer so, dass ich meinen Führerschein und das Telefon einfach auf den Tresen lege (dazu muss ich meinen langen Arm irgendwie durch die Massen hindurch bringen), und dann warte ich bis sich was tut. Rauche eine Kippe oder zwei. Okay, hat funktioniert. Also rein in den hoffnungslos überfüllten Wartesaal. Die immer gleichen (oder sind's auch neue?) Gesichter gucken trübe drein. Es ist kein Sitzplatz frei, aber ich habe sowieso nicht die Ruhe, es mir hier wieder bequem zu machen. Hin zum Schalter, wo wieder eine Menschenmenge rum steht. Die Schalter sind 80% der Zeit nicht besetzt. Wenn ein Botschaftsfuzzi kommt, steht der halbe Warteraum auf und begibt sich zum Schalter mit dem üblichen Gedränge, was ich so sehr liebe. Heute habe ich Glück. Der Schalter ist besetzt, als ich reinkomme. Es ist sogar "mein" Typ. Mein Visums-Checker, dem ich am Mittwoch den Pass gegeben hatte und der mir hoch und heilig versprochen hatte, es sowohl am Mittwoch, als auch am Donnerstag und am Freitag mit diesem Scheiß-Computersystem zu versuchen. Nach einigem Warten komme ich zu ihm durch und ernte ein kurzes "es ist noch NICHTS passiert". Dann wendet er sich einem anderen Wartenden zu und verschwindet danach wieder im Hinterzimmer. Boom-bang. Was hat das Arschloch da gerade gesagt? Ich muss dazu anmerken, dass der Typ, mein Checker, der mit Abstand "fleissigste" und "normalste" hier an der Botschaft zu sein scheint. Ich bin froh, dass ich es mit ihm zu tun hab und nicht mit einem der anderen hoffnungslosen Kandidaten.
Ok, es ist also noch NICHTS passiert. Denkt der jetzt, dass ich mich mit dieser Information zufrieden gebe und wieder nach Hause gehe, oder was? Ich bleibe stehen, und warte, bis der Spast wieder auftaucht. Aber er taucht nicht auf. Ich warte, er kommt nicht wieder. In mir brodelt es. Ich warte sicher eine dreiviertel Stunde, aber es tut sich nichts. Schließlich reiße ich mich zusammen und fange einen anderen Botschaftswichser ab und sage ihm, dass ich mit dem Consouiller Service sprechen müsse. Wie in der Muppet Show klappt das dann auch tatsächlich. Ich darf einfach so in's Hinterzimmer und meinen Freak ansprechen. Wieso warte ich dann die ganze Zeit hier draußen. Leckt mich doch am Arsch, was ist das hier für eine Horror-Show?
So, im Hinterzimmer angekommen, warte ich eine Weile und darf mich dann hinsetzen. Ich spitze meine Ohren, wie ich sie noch nie gespitzt habe. Ich will heute wirklich alles genau verstehen, was mir dieser kleine Scheißer hier erzählt. Ich habe das Gefühl, dass er extra seine Stimme senkt und schneller/unverständlicher spricht als normal. Aber ich lasse ihn wiederholen und wiederholen, bis ich es zu verstehen glaube. Seiner Aussage zufolge sind die mysteriösen technischen Probleme wohl sehr komplex. Es geht um eine Kommunikation zwischen Luanda und der Botschaften. Das Problem in der Botschaft sei jetzt wohl gelöst, aber Luanda hätte noch weiterhin Probleme. Ich frage, warum es denn dann bei Hansi und Simon - vor genau zwei Wochen! - geklappt hätte, und jetzt nicht mehr. Hmm... Ich hake nach und er bejaht meine Frage, dass infolge dieser Probleme, seit ca. zwei Wochen keine Visa mehr ausgestellt werden können - weltweit. Ich glaube ihm kein Wort. Ich biete ihm wieder Geld an, aber wieder ohne Erfolg. Er besteht darauf, dass es technische Probleme seien. Ich versuche, ihn im Vertrauen zu fragen, was er mir rät. Er sagt: Geduld haben. Er würde es heute nochmal probieren, und dann am Montag auch nochmal. Irgendwann würde es schon klappen. Ich frage ihn, wie es denn nächste Woche ausschaue mit den Chancen. Immerhin steht der Unabhängigkeitstag vor der Tür, und ich habe Gerüchte gehört, die besagen, dass da in den Ämtern praktisch Stillstand herrscht. Ein Gerücht, dem es mir nur nur zu leicht fällt, Glauben zu schenken. Er meint, am Mittwoch hätten alle Botschaften geschlossen, aber es gäbe ja die Chance am Montag...
Ich vereinbare mit ihm, dass ich heute den Pass wieder aus der Botschaft mitnehme und dann am Montag mit dem Pass zurückkehre. So kann ich eventuell noch eine Alternative probieren am Wochenende. Es entsteht mir kein Nachteil, und ich kann auch am Montagmorgen einfach wieder mit dem Pass zur Botschaft und es dort weiter probieren.
Er bedeutet mir, noch kurz zu warten. Er gibt mir dann gleich den Pass. Okay, ich gehe in's Wartezimmer. Aber ich merke, wie ich innerlich zusammen sacke. Ich habe das Bedürfnis, mit Nina zu telefonieren. Ihre Stimme zu hören. Ich bin verzweifelt und einfach am Boden. Die Luft ist raus aus mir. Ich lasse mir das Telefon an der Rezeption zurück geben und versuche sie zu erreichen. Natürlich darf man auf dem Innenhof nicht telefonieren, und ich muss das Botschaftsgelände verlassen. Aber ich erreiche sie nicht. Maup. Ich fühle mich schlecht. Okay, wieder zurück in die Botschaft. Aber das Tor ist verschlossen. Punkt 1130Uhr wird hier dicht gemacht. Juchuh! Wo sind die Kameras? Nach einer Weile komme ich aber doch wieder rein. Jetzt wird ja wohl mein Pass mal da sein, oder?
Aber nix da, es vergehen noch weitere anderthalb bis zwei Stunden (!!!), bis ich endlich meinen verfickten Pass bekomme. Ich kann es nicht fassen. Diese Wartezeit bricht alle Rekorde. Ich bin ja schon fix und alle, aber dass ich jetzt auch noch Ewigkeiten warten muss, um einfach den Pass zurück zu bekommen, will nicht in meinen Kopf. Ich warte hier wie ein absoluter Volltrottel. Ich bekomme keinerlei Informationen, was denn jetzt wieder das Problem sei. Die Standardantwort ist "Attendez". Attendez, attendez, attendez. Für jedes Fitzelchen Information "Attendez". Ich habe gewartet, ihr Iditioten. Mehr als gewartet. Ich fühle mich wie "Scheiße" behandelt, gedemütigt. In mir kocht ein Vulkan. Wenn mich jetzt jemand falsch anguckt oder anspricht, gibt's inne Fresse. Soviel ist sicher. Aber ich reiße mich mal wieder zusammen. Immer wieder spreche ich die Botschaftsfuzzis an, was denn nun mit dem Pass bitteschön so schwierig ist. Und immer wieder ernte ich ein "Bitte warten". Ich fass es nicht. Während der zwei Stunden gehen mir die wildesten Phantasien durch den Kopf. Zum Schluß denke ich sogar mal kurz, dass sie vielleicht doch gerade das Visum gemacht haben, mich aber noch warten lassen wollten und jetzt in einem Dilemma stecken. Als der Pass nach endlosem Warten dann endlich aus dem Büro des Konsuls (??) geholt wird, schaue ich leicht irre im Pass nach und sehe, dass da nix drin ist. Ach, leckt mich doch. Wortlos und angepisst bis über beide Ohren verlasse ich den Warteraum, hole meine Sachen von der Rezeption und begebe mich nach draußen zu meinem Mopped.
Erst mal durchatmen, Alter! Ich lache, ich fluche, ich schüttele mich. Was ist das hier? Was soll das? Was mache ich? So kann ich nicht Mopped fahren. Ich beruhige mich ein wenig, damit ich losfahren kann, nochmal zum Supermarkt, was zu Futtern besorgen und dann zurück in die Mission. Ich will allein sein und wieder zu mir kommen.
Gott sei Dank kommt doch noch eine Verbindung mit Nina zu Stande. Es gibt mir wieder etwas Auftrieb und Kraft und die ersten konstruktiven Gedanken kehren zurück. Welche Möglichkeiten habe ich?
Muss jetzt mal ein paar Telefonate führen.
P.S. Hab einen Fehler eingebaut, was das mögliche Aufeinandertreffen von Deutschland und Ghana im weiteren Verlauf des Turniers angeht. Sie können nicht schon im Viertelfinale aufeinander treffen, sondern tatsächlich erst im Finale. Da hatte ich was durcheinander gebracht im Spielplan. Ist gut so! Dann ist mein Traumfinale ja immer noch möglich. Deutschland - Ghana 19:17 n.E.
Ich hab' die Schnauze voll, einfach mal gestrichen voll. Meine Nerven sind echt am Ende. Ich frage mich echt, was ich hier überhaupt mache. Wie ich es Nina weiterhin erklären soll, dass ich lieber an diesem gottverdammten Scheiß-Ort abhänge, als bei ihr zu sein, wo ich hingehöre. Ich habe einige Kraft und sicherlich auch Ausdauer, aber was hier abgeht, ist einfach mal ein bisschen heavy. Zuviel für mich. Heute ist der erste Tag, wo ich innerlich aufgegeben habe und mir gesagt hab "Scheiß auf diese Scheiße. Ich will nach Hause. Ich hab' keinen Bock mehr." Es kotzt mich einfach alles an und ich habe das Gefühl, sämtliche positive oder konstruktive Energie verpulvert zu haben. Es fühlt sich an wie nach einer durchzechten Nacht. Man hat gekotzt und denkt, es geht aufwärts. Aber stattdessen muss man wieder kotzen und wieder und wieder. Ich dachte, ich hätte mich schon genügend ausgekotzt über Angola, aber das war ein Trugschluss. Dieses verfickte Land ist sowas wie meine ganz persönliche Wutprobe; und ich glaube gerade nicht mehr daran, dass ich sie bestehe(n kann). Selbst Fußball geht mir grad am Arsch vorbei. Ich habe den Glauben an den Sinn dieser ganzen Scheiße hier verloren; ich fühle mich leer, einsam, unverstanden. Und ich komme mir vor wie ein absoluter Vollidiot.
Ich frage mich, wohin ich die ganze negative Energie kanalisieren soll, wenn ich sie schon nicht bei diesen verfickten Botschaftsfuzzis rauslassen kann. Ich bin eine Zeitbombe, die kurz vor'm Bersten ist. Ich musste mich heute schon extrem zusammen reissen. Was ist, wenn ich dort echt die Nerven verliere und endlich mal das mache, woran ich während der zahllosen Stunden, die ich schon in diesem abgefuckten Mistbunker verbracht habe, schon so oft denken musste. Immer wieder in die Fresse rein. Einfach einen Typen schnappen und ihm mal so richtig die Fresse polieren. Mann, ich bin Pazifist und verabscheue Gewalt. Aber die Gewaltszenarien, die sich in meinem Kopf aufbauen, sind einfach mal da, und sie sind nicht cool. Fuck it, ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Herausforderung das für mich ist, hier (zumindest äußerlich) cool zu bleiben und nicht auszuticken. Das würde den ganzen idiotischen Visumsprozess dann mit Sicherheit zum Halt bringen.
Okay, mal ein Kurzabriss, wie es heute gelaufen ist: Zunächst mal hin zur Botschaft über den stressigen Boulevard du 30 Juin. Ist immer wieder ein Vergnügen und ein Risikofaktor. Die Straße ist gefährlich, und ich bin jedes Mal froh, wenn ich es unversehrt geschafft habe. Mittlerweile bin ich dort sicher 30-35 Mal langgefahren. Wer weiß, wie lange das noch gut geht. In der Botschaft angekommen, die übliche leidige Prozedur. Registrierung. Es gibt ein schönes Logbuch, und ich muss mich an der Rezeption in dieses Logbuch eintragen lassen, eine ID hinterlegen (Führerschein) sowie das Handy abgeben. Natürlich gibt's hier keine Warteschlange, sondern Afrika-typisch eine Riesenmenschenmenge, die sich vor dem Fenster der Rezeption darum balgt, als nächstes dran zu kommen. Kotz. Ich hasse diese Prozedur. Mittlerweile mach ich es immer so, dass ich meinen Führerschein und das Telefon einfach auf den Tresen lege (dazu muss ich meinen langen Arm irgendwie durch die Massen hindurch bringen), und dann warte ich bis sich was tut. Rauche eine Kippe oder zwei. Okay, hat funktioniert. Also rein in den hoffnungslos überfüllten Wartesaal. Die immer gleichen (oder sind's auch neue?) Gesichter gucken trübe drein. Es ist kein Sitzplatz frei, aber ich habe sowieso nicht die Ruhe, es mir hier wieder bequem zu machen. Hin zum Schalter, wo wieder eine Menschenmenge rum steht. Die Schalter sind 80% der Zeit nicht besetzt. Wenn ein Botschaftsfuzzi kommt, steht der halbe Warteraum auf und begibt sich zum Schalter mit dem üblichen Gedränge, was ich so sehr liebe. Heute habe ich Glück. Der Schalter ist besetzt, als ich reinkomme. Es ist sogar "mein" Typ. Mein Visums-Checker, dem ich am Mittwoch den Pass gegeben hatte und der mir hoch und heilig versprochen hatte, es sowohl am Mittwoch, als auch am Donnerstag und am Freitag mit diesem Scheiß-Computersystem zu versuchen. Nach einigem Warten komme ich zu ihm durch und ernte ein kurzes "es ist noch NICHTS passiert". Dann wendet er sich einem anderen Wartenden zu und verschwindet danach wieder im Hinterzimmer. Boom-bang. Was hat das Arschloch da gerade gesagt? Ich muss dazu anmerken, dass der Typ, mein Checker, der mit Abstand "fleissigste" und "normalste" hier an der Botschaft zu sein scheint. Ich bin froh, dass ich es mit ihm zu tun hab und nicht mit einem der anderen hoffnungslosen Kandidaten.
Ok, es ist also noch NICHTS passiert. Denkt der jetzt, dass ich mich mit dieser Information zufrieden gebe und wieder nach Hause gehe, oder was? Ich bleibe stehen, und warte, bis der Spast wieder auftaucht. Aber er taucht nicht auf. Ich warte, er kommt nicht wieder. In mir brodelt es. Ich warte sicher eine dreiviertel Stunde, aber es tut sich nichts. Schließlich reiße ich mich zusammen und fange einen anderen Botschaftswichser ab und sage ihm, dass ich mit dem Consouiller Service sprechen müsse. Wie in der Muppet Show klappt das dann auch tatsächlich. Ich darf einfach so in's Hinterzimmer und meinen Freak ansprechen. Wieso warte ich dann die ganze Zeit hier draußen. Leckt mich doch am Arsch, was ist das hier für eine Horror-Show?
So, im Hinterzimmer angekommen, warte ich eine Weile und darf mich dann hinsetzen. Ich spitze meine Ohren, wie ich sie noch nie gespitzt habe. Ich will heute wirklich alles genau verstehen, was mir dieser kleine Scheißer hier erzählt. Ich habe das Gefühl, dass er extra seine Stimme senkt und schneller/unverständlicher spricht als normal. Aber ich lasse ihn wiederholen und wiederholen, bis ich es zu verstehen glaube. Seiner Aussage zufolge sind die mysteriösen technischen Probleme wohl sehr komplex. Es geht um eine Kommunikation zwischen Luanda und der Botschaften. Das Problem in der Botschaft sei jetzt wohl gelöst, aber Luanda hätte noch weiterhin Probleme. Ich frage, warum es denn dann bei Hansi und Simon - vor genau zwei Wochen! - geklappt hätte, und jetzt nicht mehr. Hmm... Ich hake nach und er bejaht meine Frage, dass infolge dieser Probleme, seit ca. zwei Wochen keine Visa mehr ausgestellt werden können - weltweit. Ich glaube ihm kein Wort. Ich biete ihm wieder Geld an, aber wieder ohne Erfolg. Er besteht darauf, dass es technische Probleme seien. Ich versuche, ihn im Vertrauen zu fragen, was er mir rät. Er sagt: Geduld haben. Er würde es heute nochmal probieren, und dann am Montag auch nochmal. Irgendwann würde es schon klappen. Ich frage ihn, wie es denn nächste Woche ausschaue mit den Chancen. Immerhin steht der Unabhängigkeitstag vor der Tür, und ich habe Gerüchte gehört, die besagen, dass da in den Ämtern praktisch Stillstand herrscht. Ein Gerücht, dem es mir nur nur zu leicht fällt, Glauben zu schenken. Er meint, am Mittwoch hätten alle Botschaften geschlossen, aber es gäbe ja die Chance am Montag...
Ich vereinbare mit ihm, dass ich heute den Pass wieder aus der Botschaft mitnehme und dann am Montag mit dem Pass zurückkehre. So kann ich eventuell noch eine Alternative probieren am Wochenende. Es entsteht mir kein Nachteil, und ich kann auch am Montagmorgen einfach wieder mit dem Pass zur Botschaft und es dort weiter probieren.
Er bedeutet mir, noch kurz zu warten. Er gibt mir dann gleich den Pass. Okay, ich gehe in's Wartezimmer. Aber ich merke, wie ich innerlich zusammen sacke. Ich habe das Bedürfnis, mit Nina zu telefonieren. Ihre Stimme zu hören. Ich bin verzweifelt und einfach am Boden. Die Luft ist raus aus mir. Ich lasse mir das Telefon an der Rezeption zurück geben und versuche sie zu erreichen. Natürlich darf man auf dem Innenhof nicht telefonieren, und ich muss das Botschaftsgelände verlassen. Aber ich erreiche sie nicht. Maup. Ich fühle mich schlecht. Okay, wieder zurück in die Botschaft. Aber das Tor ist verschlossen. Punkt 1130Uhr wird hier dicht gemacht. Juchuh! Wo sind die Kameras? Nach einer Weile komme ich aber doch wieder rein. Jetzt wird ja wohl mein Pass mal da sein, oder?
Aber nix da, es vergehen noch weitere anderthalb bis zwei Stunden (!!!), bis ich endlich meinen verfickten Pass bekomme. Ich kann es nicht fassen. Diese Wartezeit bricht alle Rekorde. Ich bin ja schon fix und alle, aber dass ich jetzt auch noch Ewigkeiten warten muss, um einfach den Pass zurück zu bekommen, will nicht in meinen Kopf. Ich warte hier wie ein absoluter Volltrottel. Ich bekomme keinerlei Informationen, was denn jetzt wieder das Problem sei. Die Standardantwort ist "Attendez". Attendez, attendez, attendez. Für jedes Fitzelchen Information "Attendez". Ich habe gewartet, ihr Iditioten. Mehr als gewartet. Ich fühle mich wie "Scheiße" behandelt, gedemütigt. In mir kocht ein Vulkan. Wenn mich jetzt jemand falsch anguckt oder anspricht, gibt's inne Fresse. Soviel ist sicher. Aber ich reiße mich mal wieder zusammen. Immer wieder spreche ich die Botschaftsfuzzis an, was denn nun mit dem Pass bitteschön so schwierig ist. Und immer wieder ernte ich ein "Bitte warten". Ich fass es nicht. Während der zwei Stunden gehen mir die wildesten Phantasien durch den Kopf. Zum Schluß denke ich sogar mal kurz, dass sie vielleicht doch gerade das Visum gemacht haben, mich aber noch warten lassen wollten und jetzt in einem Dilemma stecken. Als der Pass nach endlosem Warten dann endlich aus dem Büro des Konsuls (??) geholt wird, schaue ich leicht irre im Pass nach und sehe, dass da nix drin ist. Ach, leckt mich doch. Wortlos und angepisst bis über beide Ohren verlasse ich den Warteraum, hole meine Sachen von der Rezeption und begebe mich nach draußen zu meinem Mopped.
Erst mal durchatmen, Alter! Ich lache, ich fluche, ich schüttele mich. Was ist das hier? Was soll das? Was mache ich? So kann ich nicht Mopped fahren. Ich beruhige mich ein wenig, damit ich losfahren kann, nochmal zum Supermarkt, was zu Futtern besorgen und dann zurück in die Mission. Ich will allein sein und wieder zu mir kommen.
Gott sei Dank kommt doch noch eine Verbindung mit Nina zu Stande. Es gibt mir wieder etwas Auftrieb und Kraft und die ersten konstruktiven Gedanken kehren zurück. Welche Möglichkeiten habe ich?
- Ich bleibe das Wochenende hier und gehe am Montagmorgen zur Botschaft, und ich habe Geduld und Vertrauen, dass es schon irgendwann klappen wird. Ich kann mir Gedanken machen über Eskalationsmöglichkeiten (Pascal, Augustine, Michael). Ich kann auch versuchen, am Montag jemanden mitzunehmen, der mir mit der Sprache (Französisch oder Portugiesisch) helfen kann.
- Ich telefoniere mit dem Konsulat in Muanda (Francois) und checke, ob der Botschafter wieder da ist, und ob es Sinn macht, wieder nach Muanda zu fahren und den Visumsantrag dort zu machen.
- Ich checke den Tipp aus, den ich bekommen habe mit der Cargo Air Line (Hewa Bona oder so). Dustin meinte, dass es mit dem Mopped vielleicht um die 1000 Dollar kosten würde. Kein Pappenstiel, aber in meiner Situation nicht abwegig.
- Ich checke aus, ob ich einen (Pax) Flieger nach Südafrika bekomme. Dann sehe ich vielleicht noch ein, zwei Spiele und kehre danach (vielleicht sogar mit Angolanischem Visum, welches ich in Südafrika ausstellen lasse, zurück).
- Ich ändere meine Reisepläne komplett und fahre z.B. zurück nach Kongo-Brazza und von dort aus über die Zentralafrikanische Republik nach Ostafrika.
- Ich fahre nach Hause. Einen Flieger zurück nach Europa zu bekommen, ist kein Problem. Aber was ist mit dem Bike? Das dürfte schwierig bis unmöglich sein.
Muss jetzt mal ein paar Telefonate führen.
P.S. Hab einen Fehler eingebaut, was das mögliche Aufeinandertreffen von Deutschland und Ghana im weiteren Verlauf des Turniers angeht. Sie können nicht schon im Viertelfinale aufeinander treffen, sondern tatsächlich erst im Finale. Da hatte ich was durcheinander gebracht im Spielplan. Ist gut so! Dann ist mein Traumfinale ja immer noch möglich. Deutschland - Ghana 19:17 n.E.
The Sound of Afrique - War
Ich habe in den letzten Tagen ziemlich viel gelesen und geredet über den Congo, seine Geschichte, seine Kriege. Jeder Krieg ist entsetzlich, sicher. Aber was hier abgegangen ist und teilweise immer noch abgeht, die Komplexität der Konflikte, aber vor allem die Grausamkeiten, die die Zivilbevölkerung ertragen muss, sind unfassbar.
Sicher, man kann sich nicht jeden Scheiß, der auf der Welt passiert, reinziehen, aber das Leiden der Menschen ist auch eine Art Vermächnis, finde ich. Es zu ignorieren, ist falsch. Es muss doch zumindest eine Mahnung an die Überlebenden sein. Etwas, woraus man lernen muss. Checkt das: Wikipedia: Geschichte der DRC (English)
Bobby Marley - War
Until the philosophy which hold one race
Superior and another inferior
Is finally and permanently discredited and abandoned
Everywhere is war, me say war
That until there are no longer first class
And second class citizens of any nation
Until the colour of a man´s skin
Is of no more significance than the colour of his eyes
Me say war
That until the basic human rights are equally
Guaranteed to all, without regard to race
Dis a war
That until that day
The dream of lasting peace, world citizenship
Rule of international morality
Will remain in but a fleeting illusion
To be pursued, but never attained
Now everywhere is war, war
And until the ignoble and unhappy regimes
That hold our brothers in Angola, in Mozambique,
South Africa sub-human bondage
Have been toppled, utterly destroyed
Well, everywhere is war, me say war
War in the east, war in the west
War up north, war down south
War, war, rumours of war
And until that day, the African continent
Will not know peace, we Africans will fight
We find it necessary and we know we shall win
As we are confident in the victory
Of good over evil, good over evil, good over evil Good over evil, good over evil, good over evil
Sicher, man kann sich nicht jeden Scheiß, der auf der Welt passiert, reinziehen, aber das Leiden der Menschen ist auch eine Art Vermächnis, finde ich. Es zu ignorieren, ist falsch. Es muss doch zumindest eine Mahnung an die Überlebenden sein. Etwas, woraus man lernen muss. Checkt das: Wikipedia: Geschichte der DRC (English)
Bobby Marley - War
Until the philosophy which hold one race
Superior and another inferior
Is finally and permanently discredited and abandoned
Everywhere is war, me say war
That until there are no longer first class
And second class citizens of any nation
Until the colour of a man´s skin
Is of no more significance than the colour of his eyes
Me say war
That until the basic human rights are equally
Guaranteed to all, without regard to race
Dis a war
That until that day
The dream of lasting peace, world citizenship
Rule of international morality
Will remain in but a fleeting illusion
To be pursued, but never attained
Now everywhere is war, war
And until the ignoble and unhappy regimes
That hold our brothers in Angola, in Mozambique,
South Africa sub-human bondage
Have been toppled, utterly destroyed
Well, everywhere is war, me say war
War in the east, war in the west
War up north, war down south
War, war, rumours of war
And until that day, the African continent
Will not know peace, we Africans will fight
We find it necessary and we know we shall win
As we are confident in the victory
Of good over evil, good over evil, good over evil Good over evil, good over evil, good over evil
Donnerstag, 24. Juni 2010
Breaking News - McKinseys entdecken Afrika
Die Berater von McKinsey & Co haben rausgefunden, dass sich Afrika womöglich als Goldgrube für Investoren erweisen könnte. Siehe hier den interessanten Spiegel-Artikel: Berater sagen Afrika-Boom voraus.
Obwohl ich fest an das Potential des Kontinents glaube, bin ich dennoch skeptisch, ob es 'wirklich schon so weit ist'. Gerade hier im Kongo habe ich eher das Gefühl, dass die sicherlich vielversprechende Perspektive noch ein ganzes Stück in der Zukunft liegt.
Wenn ich mir die momentane Entwicklung in Afrika anschaue, würde ich eher in chinesische Aktien investieren. Die wissen, was der Kontinent bietet und sind fett im Business... Ganz im Gegensatz zu den Europäern (mal abgesehen von den Franzosen und ein paar Belgiern, die traditionell hier unten präsent sind...).
Obwohl ich fest an das Potential des Kontinents glaube, bin ich dennoch skeptisch, ob es 'wirklich schon so weit ist'. Gerade hier im Kongo habe ich eher das Gefühl, dass die sicherlich vielversprechende Perspektive noch ein ganzes Stück in der Zukunft liegt.
Wenn ich mir die momentane Entwicklung in Afrika anschaue, würde ich eher in chinesische Aktien investieren. Die wissen, was der Kontinent bietet und sind fett im Business... Ganz im Gegensatz zu den Europäern (mal abgesehen von den Franzosen und ein paar Belgiern, die traditionell hier unten präsent sind...).
The Sound of Afrique - Lost
Here we go. Es ist Zeit, mal wieder einen drauf zu hauen. Eine meiner alten Lieblingsbands aus Schweden, dem Wohlfühlland, mit der passenden Wohlfühlmucke.
Edge of Sanity - Lost
I have seen eternity
I am the king of time
I am off the Edge of Sanity
My living ain't no crime
A soldier of existence
chosen to be
Protector of the earth
I'll last eternally
I awake into another sphere
reborn into the neverwhere
All alone in this space
There's no love nor disgrace
My body aches, I tremble with fear
The sky, the last I saw is no longer clear
Water and ice cover the ground
I can face reality, the world has drowned
I try to move but I am caged in ice
Floating bodies looking for their paradise
But the truth is no longer fantasy
in this world I am the only man to be.
I am lost, I was never created
I am lost, live is devastated
We melt away and I feel the mud
that once was land for all
the sea of ice that used to be
the home of humanity
My soul is frozen, longing for fire
I barely believe I see this sight
All I can face is eternal night.
The sun awakes and shine on all the remains
The ice that encaged my body now flows in strains
Soon I can move, and walk away
What the future brings, who can say?
Eternal eyes, I can see the sky.
My lonely cries, I want my soul to die.
I am all alone, the world will now reform.
I'm born again, once cold sun now keeps me warm.
Edge of Sanity - Lost
I have seen eternity
I am the king of time
I am off the Edge of Sanity
My living ain't no crime
A soldier of existence
chosen to be
Protector of the earth
I'll last eternally
I awake into another sphere
reborn into the neverwhere
All alone in this space
There's no love nor disgrace
My body aches, I tremble with fear
The sky, the last I saw is no longer clear
Water and ice cover the ground
I can face reality, the world has drowned
I try to move but I am caged in ice
Floating bodies looking for their paradise
But the truth is no longer fantasy
in this world I am the only man to be.
I am lost, I was never created
I am lost, live is devastated
We melt away and I feel the mud
that once was land for all
the sea of ice that used to be
the home of humanity
My soul is frozen, longing for fire
I barely believe I see this sight
All I can face is eternal night.
The sun awakes and shine on all the remains
The ice that encaged my body now flows in strains
Soon I can move, and walk away
What the future brings, who can say?
Eternal eyes, I can see the sky.
My lonely cries, I want my soul to die.
I am all alone, the world will now reform.
I'm born again, once cold sun now keeps me warm.
Tag 88 - Achtelfinale, Lost & Congo
Was für eine Zitterpartie gestern Abend. Ich fühle mich echt fast schon zu alt für diese stressigen Fußballabende. Auch wenn es am Ende gut (für uns) ausgegangen ist, war ich nach dem Spiel alles andere als entspannt. Hat einfach Kraft gekostet, und ich muß mich bis zum England-Spiel dringend wieder ein bisschen erholen. Sonst breche ich während des Spiels noch zusammen.
Aber es ist ja im Prinzip wie gewünscht verlaufen. Deutschland hat das Ticket für's Achtelfinale gelöst, und wenigstens eine afrikanische Mannschaft hat's auch geschafft. Dumm nur, dass für eines der beiden Länder spätestens im Viertelfinale Schluß ist. Ich frage mich, ob dieser Modus schon immer gespielt wurde. Ich meine, dass der Gruppenerste und -zweite spätestens im Viertelfinale wieder aufeinander treffen, vorausgesetzt sie überstehen die Achtelfinalspiele. Finde ich irgendwie Scheiße. Welchen Sinn macht es, dass man innerhalb eines Turniers zweimal auf den gleichen Gegner trifft (abgesehen vom Finale, wo das natürlich schon mal vorkommen darf)?
Na ja, egal. Auf jeden Fall hat mir das Spiel der deutschen Mannschaft gut gefallen. Zumindest nach vorn wurde fein kombiniert, oft fehlte der letzte Pass, aber das ist halt manchmal so und man muss Geduld haben. Nach hinten sah's in meinen Augen nicht so prickelnd aus. Zuviele Fehlpässe im Mittelfeld, gerade auch in der Schaltzentrale um Schweinsteiger, Khedira, Özil. Und auch die Abwehr selbst wirkte nicht immer souverän. Interessant, dass ausgerechnet Arne in dieser wackeligen Abweher ein Fels in der Brandung war. Schwer vorzustellen, dass Jogi ihn noch aus der Mannschaft nehmen wird. Obwohl ich ja der Meinung bin, dass Badstuber in der Innenverteidigung spielen sollte. Aber offenbar ist nicht Arne Friedrich der Unsicherheitsfaktor, sondern vielmehr Per Mertesacker. Nach einer durchwachsenen Saison bei Werder hat er auch in der Nationalelf noch lange nicht zu alter Form gefunden. Wird aber notwendig sein, wenn Deutschland noch was reissen will bei dieser WM. Die Spiele werden in der Defensive entschieden, vorne geht schon irgendwie mal ein Ding rein. Wenn Rooney sich zusammen reisst und ansatzweise normal spielt, könnte es im Achtelfinale für Deutschland richtig weh tun. Es sei denn, in unsere Defensivabteilung kommt wieder etwas mehr Ordnung und niemand leistet 'ne Denkpause und liefert solche Böcke ab wie beispielsweise Demichelis und Van Buyten im Champions League Finale.
"Wir" sind aber noch dabei, und das ist das wichtige. Hätte mich schon ganz schön runtergezogen, wenn ich 'untätig' von Kinshasa aus zusehen hätte müssen, wie die deutsche Mannschaft aus dem Turnier fliegt.
Ich war gestern vormittag wie geplant in der Angolanischen Botschaft am Boulevard du 30 Juin und habe meinen Reisepass abgegeben. Ich hatte ein komisches Gefühl in den Eingeweiden, dass sie vielleicht schon meine Unterlagen 'entsorgt' hätten. Aber das hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Ich durfte sogar in's Hinterzimmer und ein paar Minuten mit meinem persönlichen Visums-Checker sprechen. Er hat mir wieder alles mögliche erklärt, vor allem, dass ich (erst) am Freitagmorgen wieder kommen solle. Ich habe von ihm die Zusage eingeholt, dass er definitiv am Mittwoch, am Donnerstag UND am Freitag versuchen solle, über das System das Visum auszustellen. Aber offenbar ist das 'technische' Problem nicht das einzige. Es gibt wohl doch noch ein paar weitere Flaschenhälse im Prozess. Welche genau, habe ich leider nicht verstanden. Ich versuche, am Freitagmorgen jemanden in die Botschaft mitzunehmen, der mir helfen soll, das Gelaber hier richtig zu entziffern. Ich glaub zwar nicht, dass das wirklich viel verändert. Aber es ist ein blödes Gefühl, nie genau zu wissen, was jetzt wirklich Sache ist. Da weiß ich dann nicht genau, an was ich glauben oder worauf ich hoffen kann. Well, Freitag ist also wieder mal Showdown angesagt in der Botschaft. Ich habe gelernt, dass es für den Fall, dass es am Freitag nicht klappt, düster aussieht. Nächste Woche laufen die Unabhängigkeitsfeiern Angolas. Aller Voraussicht nach wird da nicht viel bis gar nix gehen in der Botschaft... Keine guten Aussichten, aber wer sagt, dass nicht noch ein Wunder geschieht und das Visum am Freitag fertig ist?
Well, die Spiele sind aber ausser Reichweite, zumindest das Achtelfinale am 28.6. und wahrscheinlich auch das Viertelfinale am 3.7. Gestern ist es mir noch einer nervenaufreibenden Suchaktion endlich gelungen, auf der Fifa-Webseite den Menüpunkt zu finden, unter dem ich meine Tickets zum Wiederverkauf einstellen kann. Es ist so zum Kotzen, diese Webseite. Es gibt allen möglichen Mist, den man anklicken kann, aber diese nicht ganz unwichtige Funktion, Ticketrückgabe, ist fast unauffindbar. Nachdem ich mich fast durch die komplette Seite geklickt hab (großer Spaß bei meiner High Speed Verbindung hier in der Mission), habe ich es dann endlich gefunden. Merke: wenn du Fifa-Tickets verkaufen möchtest, klicke auf "Buy Tickets". Alles klar, oder? Na ja, egal, ich habe auf jeden Fall meine beiden Achtelfinaltickets zum Wiederverkauf eingegeben. Es gibt keine Garantie, dass das dann auch erfolgreich läuft und ich die Kohle zurück bekomme (immerhin 400$ nur für dieses Spiel). Ich kann mir zwar beim besten Willen nicht vorstellen, dass die K.O. - Spiele nicht ausverkauft sein werden, aber trotzdem habe ich ein schlechtes Gefühl, weil es keine Garantie gibt. Und - unter uns - bei afrikanischen Prozessen kann einfach mal alles mögliche schief gehen. Mieses Gefühl. Falls es aber doch klappt und ich auch noch die Tickets für's Viertelfinale zurückgebe, klingelt's in der Kasse. 1000$ Finanzspritze. Auch nicht sooo schlecht, und ich kann wieder viele Snickers und Stella-Zigaretten kaufen. Und ich kann's auch verschmerzen, wenn ich die beiden Spiele nicht live im Stadion sehe. Wäre nur schön, wenn ich wenigstens den 10. Juli, also das Spiel um Platz 3, schaffe.
Nach meinem Kurzurlaub an der Atlanitkküste bei Muanda, habe ich mich wieder gut eingelebt in der Mission. Klar, es gibt ein Kommen und Gehen. Bekannte Gesichter sind abgereist, neue dazu gekommen. Aber es gibt auch einen 'harten Kern' von Residents, die hier längere Zeit bleiben. Auf jeden Fall fühle ich mich tatsächlich heimisch hier. Mit den zahlreichen Angestellten habe ich mittlerweile ein ziemlich vertrautes Verhältnis und wir plaudern öfters. Von den Gästen habe ich momentan am meisten Kontakt mit Leone, einer Belgierin/Amerikanerin, die für die UN arbeitet. Bernadette, der Nonne aus dem Schwarzwald, die seit 10 Jahren im Kongolesischen Busch arbeitet und lebt. Einger Belgierin/Französin, deren Namen ich vergessen hab, die sich aber auch für Fußball begeistert. Isabelle natürlich. Aber sie ist gestern abgereist, zurück nach Fronnkreich. Bernadette fährt heute. Der amerikanische Buschpilot aus Chicago ist wieder da, diesmal mit seiner österreichischen Freundin, Barbara, die inzwischen wieder zurück aus Europa ist. Die beiden sind ganz witzig und kennen sich ganz gut aus hier unten. Sie begeistern sich auch für die Idee, mit dem Mopped durch Afrika zu cruisen. Von einem Missionsbewohner habe ich eine Telefonnummer einer Fluggesellschaft bekommen, die Cargo-Flüge nach Zambia bzw. Lubumbashi machen. Ein letzter Strohhalm, wenn alle Stränge mit dem Visum reissen sollten. Aber das wird sicher was kosten...
Ein Belgier hat einen übel dicken Wälzer am Start, ist leider auf 'Flämisch' und ich versteh kein Wort. Aber das Buch scheint interessant zu sein und so was wie DAS Buch über den Kongo im Moment. "Congo" von David van Reybrouck, ist aber im Gegensatz zum Buch von Michela Wrong ein Roman, keine Dokumentation. Mich zieht die Geschichte dieses Landes irgendwie magisch an. Es ist irre interessant und spannend, was hier abging und immer noch abgeht. Michela Wrong's Buch befasst sich mit der Geschichte bis hin zu Laurent Kabila, Ende der 90er, im wesentlichen also die Mobutu-Ära. Aber seitdem sind auch schon wieder zehn Jahre vergangen, und eine Menge ist passiert. Aktuell ist Kabila's Sohn, Joseph, der (demokratisch gewählte...) Präsident des Landes. Grund zur Hoffnung, dass es endlich mal aufwärts geht? Wohl eher nicht. Nach anfänglichen Reformen zeichnet sich mittlerweile immer mehr ab, dass Kabila Junior ein Diktator alter Schule werden möchte. Präsidentschaft auf Lebenszeit, Unterdrückung der Opposition bis hin zu politisch motivierten 'Beseitigungen'. Erst vor einigen Wochen ist eine wichtige, nicht regierungskonforme Figur der Kongolesischen Politik, Floribert Chebeya, ermordet worden, und die Folgen für das Land werden im Moment heiß (wenn auch hinter vorgehaltener Hand) diskutiert. Es ist Wahnsinn, die Probleme des Landes sind symptomatisch für ganz Afrika und - leider - irre komplex. Zahlreiche innenpolitische aber auch äußere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Es gibt keine einfache Antwort, und es wird womöglich noch Generationen dauern, bis das Land endlich aus der 'Scheiße' raus kommt. Ich kann es aber nur empfehlen, sich einmal damit ein bisschen intensiver auseinander zu setzen. Und damit meine ich nicht die - bestenfalls unvollständige, eher aber falsche - Berichterstattung in Europa. Klar, haben wir in Deutschland auch unsere eigenen "Probleme" (Steuerreform, Wulff oder Gauck als nächster Bundespräsident?, Verlängert Jogi über die WM hinas beim DFB?), und man kann sich ja auch nicht den ganzen "Scheiß", der jeden Tag auf der Welt passiert, reinziehen. ABER: ich bin der Meinung, dass wir heute, 2010, keine nationalen Perspektiven mehr haben, sondern nur noch EINE globale. Das heißt, Kongos Probleme sind genauso wie Palästinas oder Haitis auch die unseren - früher oder später. Das erfordert ein massives Umdenken und ein neues Bewusstsein bei den Menschen - inbesondere natürlich bei den lieben Politikern - aber nicht nur.
Na ja, mich hat's auf jeden Fall gepackt und mich wird dieses Land, dieser Kontinent, wohl so schnell nicht mehr loslassen. Das Verrückte ist, dass dieser Ort eigentlich der Himmel auf Erden sein könnte. Es gibt wohl kein "reicheres" Land auf der Welt, was natürliche Ressourcen und optimale Voraussetzungen angeht. Das Land ist wunderschön, die Leute sind liebenswert. Aber dieser Ort hier ist leider in der jüngeren Geschichte eher die Hölle gewesen. Und mir will nicht in den Kopf, warum das so sein muss. Da muß man doch was 'machen' können, oder?
Ich hab von Ina, Fränkie, Ralfsn nen Link bekommen auf eine Facebook-Seite, Afrika Unplugged. Super interessant. Ist ein ZDF-Team, welches praktisch die gleiche Tour wie ich macht bzw. gemacht hat. Sie hatten auch ziemlichen Stress in Kinshasa mit dem Angola-Visum, sind aber mittlerweile bereits in Südafrika angekommen und ziehen sich die WM rein. Woah, das tut schon ein bisschen weh, die Bilder zu sehen. Aber das ist Afrika! Ist auf jeden Fall 'ne coole Seite, checkt das mal aus.
Well, mittlerweile dürfte ich auch wieder etwas besser schlafen. Hab mir gestern Nacht die letzten Episoden von Lost, Staffel II, reingezogen und muss mir jetzt nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen. Dummerweise fehlen ein paar Episoden zum Ende. D.h. ich weiß nicht, wie Staffel II jetzt wirklich ausgeht. Blöd. Aber ich fand die Staffel auch nicht mehr soo überzeugend wie noch die erste. Der Mystery-Faktor ist für mich sowieso nicht so ausschlaggebend; das ist meiner Meinung nach auch nicht die Stärke der Serie. Da ist z.B. Twin Peaks ein ganz anderes Kaliber. Aber die Erzählweise und Story bei Lost ist schon ziemlich cool. Es ist eine interessante Entdeckungsreise durch die verschiedenen Charaktere, durch ihre Vergangenheit und ihre aktuelle Entwicklung. Jefällt ma. Aber in Staffel II gibt's da einige Ungereimtheiten, finde ich. Das ganze Bedrohungsszenario durch "Die Anderen" ist nicht glaubwürdig genug für mich. Die haben doch nur mal ein paar Leute entführt, ist doch nicht so wild. Kein Grund, gleich auszuticken. Wie wär's mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen? Wär doch mal ein Anfang und vielleicht besser als die Himmelfahrtskommandos, die die Protagonisten stattdessen durchziehen. Überhaupt pflegt jeder Inselbewohner seine eigenen Geheimnisse wie den heiligen Gral (John's Behinderung und seine sowie Eko's Begegnungen mit dem "Monster", Claire's Wahrsager, Kate's "kriminelle Vergangenheit" und ihr schwarzes Pferdchen, Jack's Halluzinationen zu Beginn der ersten Staffel, Hurley's Zahlencode u.s.w.). Weiß nicht, ob das wirklich so laufen würde mit der "Komunikation"; es ist einfach mal zäh manchmal und man wartet und wartet und denkt sich "na redet's doch mal miteinoand, ihr Deppen". Es gibt irgendwie auch keinerlei Bestrebungen, mehr Infos von Danielle oder Desmond zu erhalten, ganz zu schweigen von "Den Anderen". Stattdessen lässt man Desmond einfach mal davon rennen, und der gute Kerl ward nie wieder gesehen... Dazu noch die Wahnsinnsaktionen von Anna-Lucia und v.a. Michael. Well, is ja alles nicht ganz leicht auf so 'ner verrückten Insel, aber ist es wirklich glaubwürdig, dass sie sich so verhalten würden?
Und alle hacken immer auf Charlie rum, finde ich voll gemein, vor allem von John, dem alten Griesgram. Dabei hat Charlie doch eine ziemlich coole Entwicklung hinter sich. Aber er ist ja nur ein Junkie, der - erstaunlicherweise - mal kurz davor stand, rückfällig zu werden. Das macht ihn dann komplett unglaubwürdig, hmm...
Würd mir aber trotzdem gerne die dritte Staffel bzw. die verbliebenen Episoden aus Staffel II reinziehen. Angefixt ist angefixt. da gibt's nix...
Aber es ist ja im Prinzip wie gewünscht verlaufen. Deutschland hat das Ticket für's Achtelfinale gelöst, und wenigstens eine afrikanische Mannschaft hat's auch geschafft. Dumm nur, dass für eines der beiden Länder spätestens im Viertelfinale Schluß ist. Ich frage mich, ob dieser Modus schon immer gespielt wurde. Ich meine, dass der Gruppenerste und -zweite spätestens im Viertelfinale wieder aufeinander treffen, vorausgesetzt sie überstehen die Achtelfinalspiele. Finde ich irgendwie Scheiße. Welchen Sinn macht es, dass man innerhalb eines Turniers zweimal auf den gleichen Gegner trifft (abgesehen vom Finale, wo das natürlich schon mal vorkommen darf)?
Na ja, egal. Auf jeden Fall hat mir das Spiel der deutschen Mannschaft gut gefallen. Zumindest nach vorn wurde fein kombiniert, oft fehlte der letzte Pass, aber das ist halt manchmal so und man muss Geduld haben. Nach hinten sah's in meinen Augen nicht so prickelnd aus. Zuviele Fehlpässe im Mittelfeld, gerade auch in der Schaltzentrale um Schweinsteiger, Khedira, Özil. Und auch die Abwehr selbst wirkte nicht immer souverän. Interessant, dass ausgerechnet Arne in dieser wackeligen Abweher ein Fels in der Brandung war. Schwer vorzustellen, dass Jogi ihn noch aus der Mannschaft nehmen wird. Obwohl ich ja der Meinung bin, dass Badstuber in der Innenverteidigung spielen sollte. Aber offenbar ist nicht Arne Friedrich der Unsicherheitsfaktor, sondern vielmehr Per Mertesacker. Nach einer durchwachsenen Saison bei Werder hat er auch in der Nationalelf noch lange nicht zu alter Form gefunden. Wird aber notwendig sein, wenn Deutschland noch was reissen will bei dieser WM. Die Spiele werden in der Defensive entschieden, vorne geht schon irgendwie mal ein Ding rein. Wenn Rooney sich zusammen reisst und ansatzweise normal spielt, könnte es im Achtelfinale für Deutschland richtig weh tun. Es sei denn, in unsere Defensivabteilung kommt wieder etwas mehr Ordnung und niemand leistet 'ne Denkpause und liefert solche Böcke ab wie beispielsweise Demichelis und Van Buyten im Champions League Finale.
"Wir" sind aber noch dabei, und das ist das wichtige. Hätte mich schon ganz schön runtergezogen, wenn ich 'untätig' von Kinshasa aus zusehen hätte müssen, wie die deutsche Mannschaft aus dem Turnier fliegt.
Ich war gestern vormittag wie geplant in der Angolanischen Botschaft am Boulevard du 30 Juin und habe meinen Reisepass abgegeben. Ich hatte ein komisches Gefühl in den Eingeweiden, dass sie vielleicht schon meine Unterlagen 'entsorgt' hätten. Aber das hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. Ich durfte sogar in's Hinterzimmer und ein paar Minuten mit meinem persönlichen Visums-Checker sprechen. Er hat mir wieder alles mögliche erklärt, vor allem, dass ich (erst) am Freitagmorgen wieder kommen solle. Ich habe von ihm die Zusage eingeholt, dass er definitiv am Mittwoch, am Donnerstag UND am Freitag versuchen solle, über das System das Visum auszustellen. Aber offenbar ist das 'technische' Problem nicht das einzige. Es gibt wohl doch noch ein paar weitere Flaschenhälse im Prozess. Welche genau, habe ich leider nicht verstanden. Ich versuche, am Freitagmorgen jemanden in die Botschaft mitzunehmen, der mir helfen soll, das Gelaber hier richtig zu entziffern. Ich glaub zwar nicht, dass das wirklich viel verändert. Aber es ist ein blödes Gefühl, nie genau zu wissen, was jetzt wirklich Sache ist. Da weiß ich dann nicht genau, an was ich glauben oder worauf ich hoffen kann. Well, Freitag ist also wieder mal Showdown angesagt in der Botschaft. Ich habe gelernt, dass es für den Fall, dass es am Freitag nicht klappt, düster aussieht. Nächste Woche laufen die Unabhängigkeitsfeiern Angolas. Aller Voraussicht nach wird da nicht viel bis gar nix gehen in der Botschaft... Keine guten Aussichten, aber wer sagt, dass nicht noch ein Wunder geschieht und das Visum am Freitag fertig ist?
Well, die Spiele sind aber ausser Reichweite, zumindest das Achtelfinale am 28.6. und wahrscheinlich auch das Viertelfinale am 3.7. Gestern ist es mir noch einer nervenaufreibenden Suchaktion endlich gelungen, auf der Fifa-Webseite den Menüpunkt zu finden, unter dem ich meine Tickets zum Wiederverkauf einstellen kann. Es ist so zum Kotzen, diese Webseite. Es gibt allen möglichen Mist, den man anklicken kann, aber diese nicht ganz unwichtige Funktion, Ticketrückgabe, ist fast unauffindbar. Nachdem ich mich fast durch die komplette Seite geklickt hab (großer Spaß bei meiner High Speed Verbindung hier in der Mission), habe ich es dann endlich gefunden. Merke: wenn du Fifa-Tickets verkaufen möchtest, klicke auf "Buy Tickets". Alles klar, oder? Na ja, egal, ich habe auf jeden Fall meine beiden Achtelfinaltickets zum Wiederverkauf eingegeben. Es gibt keine Garantie, dass das dann auch erfolgreich läuft und ich die Kohle zurück bekomme (immerhin 400$ nur für dieses Spiel). Ich kann mir zwar beim besten Willen nicht vorstellen, dass die K.O. - Spiele nicht ausverkauft sein werden, aber trotzdem habe ich ein schlechtes Gefühl, weil es keine Garantie gibt. Und - unter uns - bei afrikanischen Prozessen kann einfach mal alles mögliche schief gehen. Mieses Gefühl. Falls es aber doch klappt und ich auch noch die Tickets für's Viertelfinale zurückgebe, klingelt's in der Kasse. 1000$ Finanzspritze. Auch nicht sooo schlecht, und ich kann wieder viele Snickers und Stella-Zigaretten kaufen. Und ich kann's auch verschmerzen, wenn ich die beiden Spiele nicht live im Stadion sehe. Wäre nur schön, wenn ich wenigstens den 10. Juli, also das Spiel um Platz 3, schaffe.
Nach meinem Kurzurlaub an der Atlanitkküste bei Muanda, habe ich mich wieder gut eingelebt in der Mission. Klar, es gibt ein Kommen und Gehen. Bekannte Gesichter sind abgereist, neue dazu gekommen. Aber es gibt auch einen 'harten Kern' von Residents, die hier längere Zeit bleiben. Auf jeden Fall fühle ich mich tatsächlich heimisch hier. Mit den zahlreichen Angestellten habe ich mittlerweile ein ziemlich vertrautes Verhältnis und wir plaudern öfters. Von den Gästen habe ich momentan am meisten Kontakt mit Leone, einer Belgierin/Amerikanerin, die für die UN arbeitet. Bernadette, der Nonne aus dem Schwarzwald, die seit 10 Jahren im Kongolesischen Busch arbeitet und lebt. Einger Belgierin/Französin, deren Namen ich vergessen hab, die sich aber auch für Fußball begeistert. Isabelle natürlich. Aber sie ist gestern abgereist, zurück nach Fronnkreich. Bernadette fährt heute. Der amerikanische Buschpilot aus Chicago ist wieder da, diesmal mit seiner österreichischen Freundin, Barbara, die inzwischen wieder zurück aus Europa ist. Die beiden sind ganz witzig und kennen sich ganz gut aus hier unten. Sie begeistern sich auch für die Idee, mit dem Mopped durch Afrika zu cruisen. Von einem Missionsbewohner habe ich eine Telefonnummer einer Fluggesellschaft bekommen, die Cargo-Flüge nach Zambia bzw. Lubumbashi machen. Ein letzter Strohhalm, wenn alle Stränge mit dem Visum reissen sollten. Aber das wird sicher was kosten...
Ein Belgier hat einen übel dicken Wälzer am Start, ist leider auf 'Flämisch' und ich versteh kein Wort. Aber das Buch scheint interessant zu sein und so was wie DAS Buch über den Kongo im Moment. "Congo" von David van Reybrouck, ist aber im Gegensatz zum Buch von Michela Wrong ein Roman, keine Dokumentation. Mich zieht die Geschichte dieses Landes irgendwie magisch an. Es ist irre interessant und spannend, was hier abging und immer noch abgeht. Michela Wrong's Buch befasst sich mit der Geschichte bis hin zu Laurent Kabila, Ende der 90er, im wesentlichen also die Mobutu-Ära. Aber seitdem sind auch schon wieder zehn Jahre vergangen, und eine Menge ist passiert. Aktuell ist Kabila's Sohn, Joseph, der (demokratisch gewählte...) Präsident des Landes. Grund zur Hoffnung, dass es endlich mal aufwärts geht? Wohl eher nicht. Nach anfänglichen Reformen zeichnet sich mittlerweile immer mehr ab, dass Kabila Junior ein Diktator alter Schule werden möchte. Präsidentschaft auf Lebenszeit, Unterdrückung der Opposition bis hin zu politisch motivierten 'Beseitigungen'. Erst vor einigen Wochen ist eine wichtige, nicht regierungskonforme Figur der Kongolesischen Politik, Floribert Chebeya, ermordet worden, und die Folgen für das Land werden im Moment heiß (wenn auch hinter vorgehaltener Hand) diskutiert. Es ist Wahnsinn, die Probleme des Landes sind symptomatisch für ganz Afrika und - leider - irre komplex. Zahlreiche innenpolitische aber auch äußere Faktoren spielen dabei eine Rolle. Es gibt keine einfache Antwort, und es wird womöglich noch Generationen dauern, bis das Land endlich aus der 'Scheiße' raus kommt. Ich kann es aber nur empfehlen, sich einmal damit ein bisschen intensiver auseinander zu setzen. Und damit meine ich nicht die - bestenfalls unvollständige, eher aber falsche - Berichterstattung in Europa. Klar, haben wir in Deutschland auch unsere eigenen "Probleme" (Steuerreform, Wulff oder Gauck als nächster Bundespräsident?, Verlängert Jogi über die WM hinas beim DFB?), und man kann sich ja auch nicht den ganzen "Scheiß", der jeden Tag auf der Welt passiert, reinziehen. ABER: ich bin der Meinung, dass wir heute, 2010, keine nationalen Perspektiven mehr haben, sondern nur noch EINE globale. Das heißt, Kongos Probleme sind genauso wie Palästinas oder Haitis auch die unseren - früher oder später. Das erfordert ein massives Umdenken und ein neues Bewusstsein bei den Menschen - inbesondere natürlich bei den lieben Politikern - aber nicht nur.
Na ja, mich hat's auf jeden Fall gepackt und mich wird dieses Land, dieser Kontinent, wohl so schnell nicht mehr loslassen. Das Verrückte ist, dass dieser Ort eigentlich der Himmel auf Erden sein könnte. Es gibt wohl kein "reicheres" Land auf der Welt, was natürliche Ressourcen und optimale Voraussetzungen angeht. Das Land ist wunderschön, die Leute sind liebenswert. Aber dieser Ort hier ist leider in der jüngeren Geschichte eher die Hölle gewesen. Und mir will nicht in den Kopf, warum das so sein muss. Da muß man doch was 'machen' können, oder?
Ich hab von Ina, Fränkie, Ralfsn nen Link bekommen auf eine Facebook-Seite, Afrika Unplugged. Super interessant. Ist ein ZDF-Team, welches praktisch die gleiche Tour wie ich macht bzw. gemacht hat. Sie hatten auch ziemlichen Stress in Kinshasa mit dem Angola-Visum, sind aber mittlerweile bereits in Südafrika angekommen und ziehen sich die WM rein. Woah, das tut schon ein bisschen weh, die Bilder zu sehen. Aber das ist Afrika! Ist auf jeden Fall 'ne coole Seite, checkt das mal aus.
Well, mittlerweile dürfte ich auch wieder etwas besser schlafen. Hab mir gestern Nacht die letzten Episoden von Lost, Staffel II, reingezogen und muss mir jetzt nicht mehr die Nächte um die Ohren schlagen. Dummerweise fehlen ein paar Episoden zum Ende. D.h. ich weiß nicht, wie Staffel II jetzt wirklich ausgeht. Blöd. Aber ich fand die Staffel auch nicht mehr soo überzeugend wie noch die erste. Der Mystery-Faktor ist für mich sowieso nicht so ausschlaggebend; das ist meiner Meinung nach auch nicht die Stärke der Serie. Da ist z.B. Twin Peaks ein ganz anderes Kaliber. Aber die Erzählweise und Story bei Lost ist schon ziemlich cool. Es ist eine interessante Entdeckungsreise durch die verschiedenen Charaktere, durch ihre Vergangenheit und ihre aktuelle Entwicklung. Jefällt ma. Aber in Staffel II gibt's da einige Ungereimtheiten, finde ich. Das ganze Bedrohungsszenario durch "Die Anderen" ist nicht glaubwürdig genug für mich. Die haben doch nur mal ein paar Leute entführt, ist doch nicht so wild. Kein Grund, gleich auszuticken. Wie wär's mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen? Wär doch mal ein Anfang und vielleicht besser als die Himmelfahrtskommandos, die die Protagonisten stattdessen durchziehen. Überhaupt pflegt jeder Inselbewohner seine eigenen Geheimnisse wie den heiligen Gral (John's Behinderung und seine sowie Eko's Begegnungen mit dem "Monster", Claire's Wahrsager, Kate's "kriminelle Vergangenheit" und ihr schwarzes Pferdchen, Jack's Halluzinationen zu Beginn der ersten Staffel, Hurley's Zahlencode u.s.w.). Weiß nicht, ob das wirklich so laufen würde mit der "Komunikation"; es ist einfach mal zäh manchmal und man wartet und wartet und denkt sich "na redet's doch mal miteinoand, ihr Deppen". Es gibt irgendwie auch keinerlei Bestrebungen, mehr Infos von Danielle oder Desmond zu erhalten, ganz zu schweigen von "Den Anderen". Stattdessen lässt man Desmond einfach mal davon rennen, und der gute Kerl ward nie wieder gesehen... Dazu noch die Wahnsinnsaktionen von Anna-Lucia und v.a. Michael. Well, is ja alles nicht ganz leicht auf so 'ner verrückten Insel, aber ist es wirklich glaubwürdig, dass sie sich so verhalten würden?
Und alle hacken immer auf Charlie rum, finde ich voll gemein, vor allem von John, dem alten Griesgram. Dabei hat Charlie doch eine ziemlich coole Entwicklung hinter sich. Aber er ist ja nur ein Junkie, der - erstaunlicherweise - mal kurz davor stand, rückfällig zu werden. Das macht ihn dann komplett unglaubwürdig, hmm...
Würd mir aber trotzdem gerne die dritte Staffel bzw. die verbliebenen Episoden aus Staffel II reinziehen. Angefixt ist angefixt. da gibt's nix...
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