Samstag, 28. August 2010

Intermezzo - Tag 153 - Mombassael

So, nach fast 14 Tagen Funkstille gibt's nu mal wenigstens wieder einen kleinen Statusbericht. Kurz jesacht: alles klar auf Zansibar, bzw. besser gesagt in Mombassa, bzw. noch genauer in der Twiga Lodge am Tiwi Beach, ca. 20 Kilometer südlich von Mombassa.

Nina ist heute seit einer Woche hier bei mir in Kenia, und wir waren schon sooo aktiv und fleissig, dass wir uns hier erstmal schön chillen. Heute haben wir uns in eine 5-Sterne-Luxus-Lodge im benachbarten Diani Beach eingeschlichen und schauen hier bei Latte Machiato, Tusker-Bierchen und flottem WiFi dem Sonnenuntergang entgegen.

Aber mal schön der Reihe nach. Mein letzter Blog-Eintrag datiert ja von Montag letzter Woche. Nun ja, nach der einen Woche in der Jungle Junction in Nairobi hatte ich ja bereits ordentliche Entzugserscheinungen, was das Moppedfahren angeht. Und so habe ich es mir in den darauffolgenden Tagen einmal so richtig besorgt. Am Montag stand erstmal eine "leichte" Tour auf dem Programm. Nicht ganz 300 Kilometer von Nairobi über Naivasha und Nakuru zum Lake Baringo. Dabei habe ich das erste mal das berühmte Rift Valley gesehen, eine ziemlich imposante Schlucht zwischen den Hochländern im Westen und Osten Kenias. Na ja, am Lake Bogoria mit seinen vielen Flamingos bin ich auch vorbei gekommen, hab' ihm aber keinen Besuch abgestattet. Das Robert's Camp am Lake Baringo glänzt insbesondere durch seine abenteuerliche Zeltanlage. Ich selbst hab' die Nacht inna Hütte verbracht; die beiden Israelis, Avi und Maayan, die ich an dem Tag kennen gelernt hatte, pennten aber im Zelt. Und sie machten sich im Laufe der Nacht durch entsetzte Schreie bemerkbar. Als nämlich die Hippos (Flußpferde) zum Weiden an den Strand, d.h. direkt auf den Campingplatz, kamen. Junge, Junge. Ich war leider zu spät aus meiner Butze raus und hab die Viecher nur noch im Wasser gesehen. Tolle Sache. Krokodile gab's auch reichlich. Einfach ein duftes Gefühl, in der direkten Nachbarschaft solcher niedlicher Tierchen zu campen...

Am nächsten Morgen haben wir, d.h. ich und die beiden Israelis, unsere geplante Bootstour erstmal ordentlich verpennt. Als es dann so zwischen zehn und elf endlich losging, war leider nicht mehr viel zu sehen. Die Hippos und Crocs, aber auch die Adler und Fischchen schienen allesamt in die Mittagspause abgedampft zu sein. Aber immerhin war's ne schöne Tour und ich hab mir mal wieder nen feinen Sonnenbrand abgeholt.

Bin dann erst am Nachmittag losgekommen. Ich wusste gar nicht so recht, wie es jetzt weitergehen sollte, hab' mich dann aber spontan dazu entschieden, in Richtung Osten weiter zu fahren. Mount Elgon schien mir irgendwie zu langweilig zu sein, und im Osten könnte ich es ja unter Umständen sogar noch bis Lake Turkana schaffen. Das wäre eine nette Tour in der Woche.

Well, nach ca. 15 Kilometern war's dann ab Loruk vorbei mit der Teerstraße und ich bog ab auf eine Dirt Road. Ich sollte erst nach knapp 650 Kilometern wieder Teer sehen... Die Straße war nicht gerade top, ging aber doch einigermaßen zu fahren. Ich wollte mal sehen, wie weit ich heute komme, notfalls könnte ich ja im knapp 150 Kilometer entfernten Maralal einen Zwischenstopp einlegen... Gut, die ersten 80-100 Kilometer waren auch gar kein Problem, nur fing es dann zu regnen an. Nicht besonders heftig, aber konstant. Ich bin schön weiter gefahren, aber es wurde immer schwieriger, das Mopped auf Piste zu halten. Mann-o-Mann. Ca. 50 Kilometer vor Maralal kam ich aus Loruk kommend auf die C77, und - fast - nichts ging mehr. Die Straße war total verschlammt und glitschig und ich hatte massive Probleme, die Maschine zu halten. Ich konnte mich auch überhaupt nicht mit den Füßen abstützen, es fuhr sich einfach wie auf Schmierseife. Total zum Kotzen. Dreimal bin ich an diesem Tag weg gerutscht. Das letzte Mal ein paar Kilometer vor Sukuta Lol Marmar, einem kleinen Nest unweit von Kisima. Nach diesem letzten Umfaller des Tages sprang das Mopped nicht mehr an. Na herzlichen Glückwunsch! Inzwischen war's schön dunkel, und ich kam mir irgendwie reichlich unbehaglich vor, zumal ich nicht mehr weit vom Konservat bzw. Maralal National Park entfernt war. Wer weiß, was da so alles für Viehzeugs im Busch rumhängt zu so später Stunde? Wahrscheinlich war irgendwo Wasser reingekommen, evtl. die Zündkerzen nass? Keine Ahnung. Zu Hause hatte ich niemanden erreicht. Gott sei Dank kamen noch ganz selten mal ein paar Autos vorbei. Ich hatte die Leute aus einem Auto gebeten, mir einen Mechaniker aus dem Dorf vorbei zu schicken, auch wenn ich nicht so recht daran glauben wollte, dass der mir wirklich weiterhelfen könnte. Aber noch bevor der Mechaniker schließlich da war, probiert ich es nochmal, und siehe da, das Mopped sprang wieder an und lief wie ein Uhrwerk. War vielleicht wirklich nur etwas sauer, dass ich es dreimal hinlegte heute. Na ja, wenn es da schon gewusst hätte, was noch folgen sollte...

Die Nacht verbrachte ich in diesem kleinen Kaff, Sukuta, in einem - sagen wir mal - sehr "einheimischen" Hotel. Hat mir aber gut gefallen, die schlichte Einrichtung und so. Hat sich einfach sehr authentisch angefühlt. Hab dann auch noch mit zwei Locals gequatscht, ein Somali und ein Typ aus Kenia, beides sehr nette Kerle. Zum Futtern gab's Omelette mit Ugali, diesem Maiskloß, der hier so gerne gegessen wird. Und, es war gar nicht mal schlecht.

Am Mittwoch hab' ich dann nur eine extrem kurze Etappe gemacht, so knapp 30-40 Kilometer, über Kisima bis Maralal. Als ich dort angekommen war, besuchte ich die Safari Lodge, von der ich im Reiseführer gelesen hatte. Als ich dort fertig "gebruncht" hatte, wagte ich einen Blick in den Himmel gen Norden. Und das sah gar nicht gut aus. Noch so eine Aktion wie am Dienstag wollte ich nicht nochmal haben. Deshalb gönnte ich mir einen entspannten Tag in der Safari Lodge. War auch ganz toll. Das Wasserloch war direkt in Sichtweite des Restaurants, und ich konnte mir in aller Ruhe die Zebras, Impalas, Warzenschweine, Affen und diverse andere Antilopenarten ankieken. Fein!

Am Donnerstag bin ich früh aus dem Bett gekommen, das Wetter war jut, und so beschloss ich, es bis zum Lake Turkana zu versuchen heute. Obwohl es heute nicht regnete, war noch genug Feuchtigkeit auf der Strecke, um die Fahrt zu einer besonderen Herausforderung zu machen. Die ersten 50 Kilometer nach Maralal waren dazu Dirt Road vom allerfeinsten. Sehr felsig und hügelig, einfach nicht so trivial zu fahren. Zwei Typen - wahrscheinlich Samburus, die mit ihrem Mopped liegen geblieben waren, half ich weiter. Ich fuhr den einen Typen mit seinem großen weißen Mehlsack zu einem etwas abgelegenen Dorf, wo er offenbar zum Markt wollte. War eine witzige Geschichte. Die Einheimischen haben nicht schlecht geguckt, als ich mit meinem Monster-Bike aufkreuzte - ihr Kollege auf der Rücksitzbank. Einfach eine tolle Landschaft, durch die ich da kam. Wenn es auch mit dem Mopped ziemlich ungemütlich war von Zeit zu Zeit. Na ja, nach 50 Kilometern waren die Felsen weitestgehend vorüber, aber es kamen noch ein paar "Pfützen", d.h. viel eher Seen, die die gesamte Straßenseite einnahmen.

Entgegen meiner üblichen Strategie, diese Pfützen-Seen geradewegs zu durchkreuzen, entschloss ich mich bei einem der letzten dieser Exemplare, das Teil zu umfahren. Dummerweise war da aber ein schöner dicker Busch, an dem ich dann doch nicht vorbei kam. Was tun? Rechts neben mir war der See, links der Busch. Abstützen mit den Füßen konnte ich mich auch nicht so recht. Zu glitschig die ganze Angelegenheit. Na ja, ich versuchte es dann millimeterweise, mich an dem Busch vorbei zu schieben. Das schien auch ganz gut zu klappen. Aber dann reichte eine Nuance. Das Bike bekam Schräglage und neigte sich nach rechts. Oh je! Der Worst Case trat ein. Ich konnte die schwarze Prinzessin nicht mehr halten und plumps lag sie in der Pfütze. Scheiße! Davor hatte ich mich immer am meisten gefüchtet. Hoffentlich verzeiht sie mir das, und ich muss sie nicht trocken fönen oder so... Aber erstmal das Bike wieder aufrichten. Weit und breit keine Sau zu sehen. Beim Versuch, sie in eine etwas bessere Position zu zerren, fasse ich klugerweise den Auspuff an. Ouch, auch das noch! Das hat schön gezeckt und eine formidable Brandblase an der linken Hand kündigt sich an. Ui, erstmal durchatmen und schön überlegen, Alta! Die Lösung war dann, die Koffer abzubauen, so gut das in dem Schlamm eben ging, und so die Maschien zu "erleichtern". Keine Ahnung wie, aber ich hab's dann auch tatsächlich geschafft, das Teil aus dem Modder wieder aufzurichten. Puh. Dann erstmal schön durch die Pfütze auf die andere Seite geschoben, an den Rand gestellt und jeguckt. Springt an. Juchuh! Feines Bike. Verzeicht wirklich jeden Mist. Und nu in die Koffer reingekiekt. Der Koffer mit dem Computer und dem ganzen Elektronik-Krams lag ja komplett im Wasser. Aber auch hier hatte ich Schwein gehabt. Keine Überschwemmung, nur ein bisschen Schlamm am Boden des Koffers. Oh jemine, nochmal Glück gehabt. Das sah doch alles gar nicht so schlimm aus. Na ja, aussehen tat's schon wie Kloake, aber zumindest schien nix kaputt zu sein. Ich machte mir ein bissel Sorgen um meine Hand. Das sah nicht gut aus mit der Blase. War aber auch dämlich von mir, ohne Handschuhe an dem Mopped rumzuzerren. Etwas Betaisadona drauf und dann mal sehen, wie's sich entwickelt.

Nach knapp einer Stunde hatte ich die Pfütze erfolgreich durchquert, und es konnte weitergehen. Es war schon wieder 1300Uhr, und ich hatte gerade mal 50 Kilometer oder so geschafft. Noch mehr als 200 lagen vor mir, wenn ich es bis zum Lake Turkana schaffen wollte. Eigentlich nicht mehr machbar, ich müsste vorher irgendwo übernachten.

Aber erstmal losfahren, und dann sehen. Nach 50 weiteren Kilometern war ich in Baragoi, eine ganz andere Landschaft als noch in Maralal. Eher wie eine Halbwüste, hier und da mal ein paar Berge. Nach dem letzten felsigen Abstieg aus Richtung Maralal war die Straße auch halbwegs okay. Ziemlich sandig zwar, aber auf jeden Fall besser als diese Klamotten auf der Straße. In Baragoi habe ich eine kurze Pause eingelegt. Ziemlich viele Checker, die was verkaufen wollten. Aber ich versprach, dass ich auf dem Rückweg von Lake Turkana nochmal vobei käme, und dann würde ich ihren ganzen Mist schon mitnehmen.

Kurz vor vier ging's dann weiter von Baragoi aus Richtung South Horr. Die Straße war mittelmässig, wieder einige Passagen mit Felsen, aber insgesamt ganz okay. Um ca. halb sechs war ich in South Horr, aber irgendwas in mir hielt mich davon ab, der Vernunft zu folgen, hier zu halten und mir was für die Nacht zu suchen. Ich wollte weiter, und ich fuhr weiter. Um ca. acht, halb neun war ich kurz vor dem Lake Turkana. Inzwischen war's schon einigermaßen dunkel. Noch 25 Kilometer bis zu meinem Zielort Loyangalani. Meinen Nierengurt hatte ich irgendwo auf dem Weg verloren, weil ich in Baragoi zu faul war, ihn ordentlich zu verstauen. Hatte ihn stattdessen zwischen die Kackwurst geklemmt, wo er wegen des heftigen Windes natürlich raus geflogen ist. Na ja, die letzten 20 Kilometer bis Loyangalani hatten's dann nochmal so richtig in sich. Schotter- und Felsenpiste vom Feinsten. Absolut nicht empfehlenswert dort mit einem (Big) Bike langzufahren. Aber okay, was soll's? Teilweise habe ich echt geflucht und fast geheult. Ich war mit den Kräften eingermaßen am Ende. Und diese Strecke zeckt echt in den Knochen. Irgendwann sind die Arme vom ständigen Korrigieren müde. Meine Füße taten mir auch weh. Die Boots waren immer noch von der Pfütze durchnässt. Einfach nicht so schön. Hab dann nochmal die Balance verloren, als ein paar Einheimische wie die Bekloppten mit ihren Taschenlampen auf mich zugerannt sind. Sie wollten nur nett sein, haben mich dann aber doch einigermaßen verängstigt. Und, well, dann konnten sie so nett sein, und mir beim Aufrichten der Maschine helfen. Merci beaucoup!

Oh je, oh je, gegen halb zehn, zehn war ich dann endlich angekommen. Ich wollte zu Wolfgang in die Oasis Lodge, hatte schon einiges über ihn gelesen. Aber als ich endlich da war, stand ich vor verschlossenen Toren. Der Masaai - Wächter wollte mich trotz guten Zuredens partout nicht mehr rein lassen. Zu spät. Aber glücklicherweise gab's gleich nebenan eine Alternativ-Butze, wo ich im Banda (rundes Häuschen) unterkam. Ich fühlte mich wie ein Sack Kartoffeln, total Banane. Ich konnte kaum noch laufen, meine Füße sahen aus - also, nicht schön sahen sie aus. Total Scheiße. Wie Schwimmhäute. Na ja, erstmal pennen gehen.

Am nächsten Morgen habe ich dann noch Wolfgang aus der Oasis Lodge einen Besuch abgestattet und mir mit einem Guide (nerv!) den Ort und den Strand angeguckt. Am Abend zuvor hatte das Mopped komischerweise Ölmangel gemeldet, was ich allerdings nicht über den Ölstandsmesser bestätigen konnte. Na ja, sicher ist sicher. Hab an der lokalen Mini-Tanke 10 Liter Sprit und einen Liter von diesem Ekel-Öl gekauft. Man weiß ja nie, ob man das nicht noch brauchen könnte.

So gegen halb Zwölf ging's dann schon wieder los aus Loyangalani. Heute ist Freitag und übermorgen kommt mein Bebi in Nairobi an. Oh Mann-o-Mann, vielleicht habe ich es mit meinem kleinen Kenia-"Ausflug" diese Woche doch etwas übertrieben... Nützt nix, ich muss heute noch ordentlich Kilometer machen.

Die Strecke von Loyangalani südwärts war genauso beschissen wie die andere Richtung. Gestern hatte ich drei Umfaller, heute sollten es - absoluter Rekord! - sieben (sic!!!) werden. Damit habe ich diese Woche insgesamt 13 Umfaller produziert, allesamt im ersten Gang in Schrittgeschwindigkeit oder im Stand - daher keine Crashs. Aber immerhin. Auf den gesamten 35000 Kilometern zuvor waren es gerade mal fünf ingesamt. Aber die Strecke hier hatte es echt in sich. Auf dem Weg von Loyangalani nach South Horr traf ich einige Autos, die meisten standen mit irgendwelchen (Reifen-) Problemen am Straßenrand rum. Einigen konnte ich sogar helfen mit meinem Werkzeug oder Ersatzteilen. War immer eine willkommene Raucherpause für mich, und außerdem "gehört es sich einfach" anzuhalten und zu schauen, ob ich helfen kann. Andersrum wird mir diese Hilfe ja auch zuteil, und als "alleinstehender" Moppedfahrer bin ich auf diese Hilfe ja auch mehr oder weniger angewiesen.

In der sandigen Dorfeinfahrt von South Horr kippe ich auch noch mal um, hervorragend! Wie peinlich! Ich gebe dem Typen, der mir aufgeholfen hat, ein Bier aus. Aber es finden sich immer mehr Gestalten in der kleinen Bar ein, die mir auch gerne geholfen hätten und allein aus diesem Grund glaubten, Anspruch auf ein spendiertes Bierchen zu haben. Huh, nervig, nervigt. Auch die als so stolz geltenden Samburu erwiesen sich als nicht gerade würdevoll. In Loyangalani hatte ich mir einen Beutel Kautabak aufschwatzen lassen, den ich in South Horr verschenken wollte. Als ich den Beutel rausholte, dauert es keine zwei Sekunden, und die Samburu-Frau vor mir schnappte sich das Teil, steckte es sich in ihren Umhang und war verschwunden. Das ging schnell. Wollte ihr eigentlich noch sagen, dass sie den Tabak mit ihren Kumpels teilen soll. Aber wurscht.

Die Leute aus der Kneipe in South Horr bewegten mich dazu, meine Route nochmal zu überdenken. Mein Plan war eigentlich, über Baragoi, Barsaloi und Wamba nach Isiloi auf die Teerstraße zu fahren. Sie schlugen mir aber stattdessen vor, noch vor Baragoi auf eine Straße Richtung Laisamis abzubiegen, wo ich dann auf die A2 und damit auf die Teerstraße käme. Hmm, sie meinten, es wären 96 Kilometer bis Laisamis. Danach Teer. Hörte sich nicht schlecht an. Leider waren's aber 140 Kilometer bis Laisamis. Bei diesen Straßenverhältnissen (Sand, Sand und noch mehr Sand!) tut das ordentlich weh. Als ich dann nach vier Umfallern im Sand entlang des Losai National Reserve entkräftet in Laisamis ankam, war von der Teerstraße immer noch nix zu sehen. Die Straße war mir ja schon von den anderen Travelern als Holperpiste bekannt (ist der "Highway" zum ähtiopischen Grenzübergang nach Moyale), daher war ich da auch etwas skeptisch, aber auch zweckoptimistisch.

Die Leute in Laisamis erklärten mir, dass die Teerstraße in 32 Kilometern beginnen würde. Dann hätte ich auch endlich wieder Netzt mit meinem Mobiltelefon. In dem Teil Kenias, in dem ich die letzten Tage unterwegs war, funktionierte leider nur Safaricom, ein Wettbewerber Zains, deren SIM-Karte ich besaß. Na ja, nachdem ich einem der Kollegen ein bisschen Bares in die Hand gedrückt hatte, konnte ich wenigstens kurz Nina anrufen und berichten, dass alles soweit ókay sei. Meine Füße sahen mittlerweile RICHTIG scheiße aus. Junge, Junge, sowas hatte ich selbst noch nicht gesehen. Und selbst meine sicherlich hartgesottenen afrikanischen Kumpels in Laisamis rümpften im schummerigen Licht ihrer Funzeln die Nase. Die Sandpiste von South Horr nach Laisamis hat meinen Füßen offenbar den Rest gegeben. Jeder Quadratmillimeter schmerzte. Ich weiß nicht, wie ich nach der Pause wieder in die Stiefel reingekommen bin. Woahnsinn...

Well, aus den 32 Kilometern Buckelpiste wurden dann selbstverständlich etwas mehr. 40, um genauer zu sein. Mittlerweile war es tiefe Nacht. Noch 120 Kilometer Teerstraße bis Isiolo. Auf der schönen neu gebauten Teerstraße liegt alle paar Meter ein totes Dik-Dik. Die armen kleinen Antilopen müssen sich wohl erstmal an die neuen Straßenverhältnisse gewöhnen. Um halb drei, drei (sic!) komme ich in Isiolo an. Mehr aus Spaß frage ich den Bullizisten am Checkpoint, ob es im Ort noch was zu futtern gebe um diese Zeit. Und wie aus der Pistole geschossen antwortet er: klaro, viele Restaurants, kein Problem. Ich glaube ihm nicht. Aber als ich in der Innenstadt angekommen bin, staune ich nicht schlecht. Hier ist richtig was los. Hier steppt der Bär. Ich nähere mich dem ersten Restaurant, frage wie es ausschaut und bekomme nach ca. drei Minuten Wartezeit leckere Chapati, Reis und Gemüsesoße serviert. Fantastisch! Der Laden ist auch voll, und ich bin beileibe nicht der einzige, der zu dieser unchristlichen Zeit sein Mahl einnimmt. Und well, jetzt erfahre ich auch warum. Wie sind ja nicht bei den Christen, sondern den Moslems. Und die begehen nun mal den Ramadan, ihren Fastenmonat, diesmal im August. Und im Ramadan wird eben etwas anders gelebt. Am Tage ist tote Hose, alle Geschäfte sind zu. Und nachts spielt die Musik. Die Leute nehmen ihre Hauptmahlzeit um drei, vier Uhr morgens ein. Genau mein Rhythmus also, bravo! Die Hotelsuche gestaltet sich schwer. Alle lokalen Hotels scheinen mit Ramadan-Leuten besetzt zu sein. Um halb fünf checke ich in das "vornehme" Transit Hotel ein. Auch eine Bruchbude, aber mit 1300 Kenya Shilling (13€) erheblich teuer als alle anderen Läden.

Um fünf Uhr sinke ich in mein Bettchen und gönne mir ein paar Stunden Schlaf. Über 350 Kilometer, davon deutlich mehr als 200 fiese Dirt Road. Mehr als vier, fünf Stunden darf ich heute nicht ratzen, sonst war die ganze Anstrengung umsonst, und ich komme doch noch zu spät zurück nach Nairobi. Aber der Weckservice am nächsten Morgen funktioniert prächtig. Ich komme rechtzeitig aus dem Bett, zum Frühstück und zurück auf die Piste.

Ich kann unmöglich zurück in die Stiefen und fahre mit Turnschuhen weiter. Die knapp 280 Kilometer Teerstraße bis Nairobi sind weitestgehend unproblematisch. Um halb drei, drei bin ich wieder bei Chris in der Jungle Junction.

Und das wichtigste: frisch geduscht und mit frsich gewaschenem Mopped habe ich Nina diesmal PÜNKTLICH vom Flughafen abgeholt. Wir sind eine Woche durch Kenia (Nairobi, Amboseli, Tsavo, Mombasa) gedüst und seit Mittwochabend hier in Tiwi Beach am Indischen Ozean. Ich muss jetzt leider mal Schluß machen, weil ich schon ewig vor dem Rechner hänge, und wir langsam mal was zu Abend essen wollen.

Später mehr!

Adios, Amigos!

Sonntag, 15. August 2010

Intermezzo - Tag 140 - Jungle Junction Nairobi

Well, aus dem geplanten Kurzaufenthalt in Nairobi ist nun schon fast eine Woche geworden. Und so richtig entspannend war's beileibe auch nicht. Nachdem ich am Montag die Hiobsbotschaft bzgl. der Visasituation in der äthiopischen Botschaft hier in Nairobi erfahren hatte, habe ich den Dienstag erstmal damit verbracht, mich ordentlich aufzuregen und meinen ganzen Ärger über die Botschaften und Grenzübergänge dieser Welt raus zu lassen.


In der Jungle Junction in Nairobi gibt es eine Menge Overlander, die hier - entweder von Süden oder Norden kommend - einen Zwischenstopp einlegen und so manche Anekdote zu berichten haben. Das Hostel ist sicherlich ein cooler Ort. Die Preise sind okay, der Service passt, man kann sich mit den vielen anderen Overlandern austauschen, sogar das eine oder andere am Bike reparieren lassen. Internet gibt's auch noch in hervorragender Qualität. Aber trotzdem, ich bräuchte mal etwas Entspannung, und die bekomme ich hier einfach nicht. Sobald ich einem anderen Traveler über den Weg laufe - und das passiert praktisch sofort, wenn ich meine Butze verlasse - entwicklen sich Gespräche, die vom Hundersten in's Tausendste gehen. Über Routen, Visa-Anträge, Erlebnisse on the oder off the road. Am Ende des Tages bin ich dann dermaßen mit Informationen geflutet, dass ich kaum mehr weiß, ob ich Männchen oder Weibchen bin. Junge, Junge...

Und dazu noch der Visa-Streß diese Woche. Das hat mich ganz schön belastet und auch runter gezogen. Aber mal in Kürze. Am Dienstag bin ich noch zur Sudanesischen Botschaft in Nairobi gegangen, um wenigstens einmal dieses Visum klar zu machen. Wie ich mit dem Äthiopien-Visum verfahren würde, wollte ich mir noch überlegen. Aber als ich bei der Botschaft des Sudan ankam, war ich schon dermaßen auf "Krawall gebürstet", dass ich an diesem Tag keinen Antrag abgeben konnte. Ich habe eigentlich nur rumgestresst und den V.I.P. raushängen lassen. Ich habe angedeutet, dass ich wichtige Freunde in der Regierung hätte, und dass hier alle ganz schöne Probleme bekämen, wenn ich das Visum nicht asap bekomme... Ziemlich blöde Strategie eigentlich, aber ich glaube dennoch, dass sie auch hätte klappen können. Hab's (leider) nicht bis zum Ende durchgezogen und bin dann irgendwann aus der Botschaft abgedampft. Ich hatte einfach ein beschissenes Gefühl, als mir die ziemlich behinderte Sekretärin wieder das Forumlar unter die Nase hielt. Schließlich habe ich ja schon ein (inzwischen abgelaufenes) Sudan Visum, und ich dachte, dass es bei Verlängerungen von bestehenden Visa irgendwie einen schnelleren Extra-Prozess geben würde...

Na ja, am Mittwoch bin ich dann nochmal hin zur Sudanesischen und habe den Antrag auf herkömmlichen Wege abgegeben. Kein Problem, ich habe als Abholdatum den Donnerstag bekommen, also nur ein Tag Bearbeitungszeit, gar nicht so schlecht. Na ja, hätte ich mir nicht noch ein Eigentor par excellence geschossen. Aus Langeweile hatte ich im Warteraum der Botschaft ein paar Fotos geschossen. Unauffällig versteht sich. Beim letzten Foto allerdings löste sich der Blitz, und mit der Unauffälligkeit war's dann vorbei. Einige der Leute im Warteraum fühlten sich mächtig angepisst, weil ich Sie ungefragt fotografiert hatte. Eia, ei. Ich dachte, die sollen sich mal nicht so anstellen und bin raus aus der Botschaft. Aber in der Zwischenzeit hatte schon ein Typ aus dem Warteraum die Security der Botschaft verständigt, und dann ging der Spaß so richtig los. Ein Riesentheater. Ich habe erkannt, dass ich ein bisschen in der Scheiße sitze. Der Oberfuzzi wollte sogar die Bulllizisten rufen und mich wahrscheinlich am liebsten gleich in Guantanamo einknasten lassen. In langen diplomatischen Gesprächen konnte ich mit allen Beteiligten wieder "grün" werden, nur der Oberfuzzi schien nach wie vor unversöhnlich zu sein. Na ja, trotzdem "durfte" ich dann noch knapp drei Stunden hin und her endlich raus aus der Botschaft. Die Kamera mit der Memory Karte musste ich da lassen. Ich würde ja sowieso am nächsten Tag wieder kommen, um meinen Pass (mit dem Visum) abzuholen. Oh Mann, nicht verhaftet worden. Was für ein Erfolg. Aber auch was für eine Dusselei meinerseits mit den Fotos. Ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, wie sehr sich die Leute hier teilweise anstellen, wenn man solche strategisch wichtigen Orte wie den Warteraum einer Botschaft fotografiert... Na ja, am Donnestag würde diese Geschichte weiter gehen und hoffentlich ein gutes Ende nehmen.

Äthiopien stresste mich in der Zwischenzeit immer mehr. Es gab sooo viele Optionen, was ich tun könnte. Die meisten Leute in der Jungle Junction schicken ihre Pässe zurück nach Europa per DHL und besorgen sich das Visum in den jeweiligen Botschaften ihrer Heimatländer. Kostet ein bisschen was, aber in erster Linie kostet dieser Prozess Zeit. Vielleicht eine Woche, realistischer aber zwei Wochen. Aber wer weiß, wie die Botschaften in Europa "funktionieren". Kann ja auch drei Wochen dauern... Auf jeden Fall sah ich meinen Zeitplan in extremer Gefahr.

Eine weitere Option wäre es, in einen Flieger nach Cairo (Ägypten) oder Harare (Zimbabwe) zu steigen und das Visum in der äthiopischen Botschaft des dortigen Landes zu besorgen. Ich bekam die Infos, dass in diesen beiden Ländern eine 24h-Ausstellung möglich wäre. Aber okay, wer garantiert diese Information? Die Flüge würden so 500€ aufwärts kosten. Und wenn sich dann vor Ort rausstellt, dass es doch nicht so richtig funktioniert mit dem Visum, würde ich mir so richtig in den Arsch beißen... Abgesehen davon finde ich es einigermaßen wahnsinnig, von Nairobi quer über den afrikanischen Kontinent zu fliegen, um ein Visum für das Nachbarland zu besorgen...

Eine weitere Option wäre ein Flug nach Addis Abeba. Etwas günstiger als Cairo oder Harare. Man bekommt definitiv ein Visum bei der Einreise mit dem Flieger am Flughafen in Addis. Aber die große Frage ist: bekommt man auch ein Multiple Entry Visum? Das wäre ja notwendig, weil das am Flughafen erteilte Visum beim Rückflug nach Nairobi ja wieder seine Gültigkeit verlieren würde, wäre es nur ein Single Entry Visum...

Junge, Junge, inzwischen waren ein paar Franzosen in der Jungle Junction angekommen, die davon berichteten, dass sie einen deutschen Trucker auf dem Weg von Äthiopien nach Kenia getroffen hatten, der meinte, dass er sein Äthiopien-Visum umsonst (sic!) in einem kleinen Nest auf der Route zwischen Nairobi und der äthiopischen Grenze bekommen hätte, Marsabit. Wow! Keiner aus dem Hostel wollte dem rechten glauben schenken. Ich habe mir aber gesagt, warum nicht? Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. Vor allen Dingen in Nairobi an einem Freitagnachmittag...

Eine weitere "vielversprechende" Information der Franzosen war, dass die Grenze von Kenia nach Äthiopien momentan dicht wäre, also kein Durchkommen überhaupt...

Oh Mann, und mir qualmte die Birne. Ich fühlte mich einfach überfordert, was ich eigentlich tun sollte. Am schicksten fand ich noch die Variante, entweder komplett auf das Äthiopien-Visum zu verzichten oder es einfach mal selbst zu erstellen, wobei ich hier nicht näher darauf eingehen möchte, was das bedeutet.

Ohne Ähtiopien-Visum hätte es zwei Möglichkeiten gegeben. Erstens, ich fahre einfach über die Grenze Kenia/Äthiopien, dann durch das Land (ca. zwei Tage) und dann wieder raus über die Grenze Äthiopien/Sudan. Ich spekuliere einfach darauf, dass ich auf dem Weg in keine Polizeikontrolle gerate und so unentdeckt illegal durch's Land fahre. Hört sich abenteuerlich an, aber nach meinen Afrika-Erfahrungen bin ich zu 99% sicher, dass diese Variante problemlos funktioniert. Es gibt kein wirkliches "Gate" zwischen den Grenzen, und wenn man einfach am Immigration & Customs Gebäude (bzw. an den Hütten) vorüber fährt, dann ist man eben illegal im Land... In Äthiopien selbst gibt es meinen Infos zufolge keine sonderlichen Polizei Checkpoints, das ganze müsste also ganz gut funktionieren...

Na ja, und dann gab's da ja noch die Variante mit dem Grenzübergang Kenia/Südsudan. Machen die wenigsten Traveler, was in erster Linie an den wohl ziemlich beschissenen Straßen im Südsudan liegt. Bzgl. der Sicherheitssituation im Süd-Sudan gibt's immer mal wieder unterschiedliche Informationen bzw. eher "Meinungen". So richtig wissen tut's niemand, aber jeder hat natürlich seine Meinung...

Oh Mann, oh Mann, oh Mann, alles schwierig. Ich hab mich dann entschlossen, alles davon abhängig zu machen, wie es mit dem Sudan-Visum am Donnerstag laufen würde.

Well, und es lief - nicht so toll. Ich bin hin in die Botschaft und nach ein paar Stunden Wartezeit bekam ich die Info, dass ich das Visum nicht bekomme. Der Grund dafür war scheinheilig (kein Bürger Kenias...), viel wahrscheinlicher war, dass das abgelehnte Visum in Verbindung stand mit dem Foto-Skandal am Vortag. Schließlich war der Security-Oberfuzzi ständig in's Hinterzimmer der Botschaft gerannt und hatte mir auch gedroht, dass ich mein Visum jetzt nicht bekommen würde. Oh je, oh je. Am Donnerstag kam dann auch noch die diplomatische Polizei von Nairobi, auf Betreiben des Security-Deppen hin. Na ja, ich habe mich kurz mit dem Typen von der diplomatischen Polizei unterhalten und ihm die Situation erklärt. Er war super cool und hat mich sogar noch unterstützt, als es darum ging, den Security-Typen zu beschwichtigen. Wir haben die fragwürdigen Bilder von der Kamera gelöscht, und ich konnte das Teil wieder einstecken. Ich habe Julies dann sogar noch durch die Stadt gefahren mit meinem Mopped, und wir hatten uns für den nächsten Tag (Freitag) zum Mittagessen verabredet. Er hat mir aber auch noch mal in's Gewissen geredet. Ich solle lieber etwas besser aufpassen, Mr. Moussa (Security-Freak) von der Botschaft hätte die Sache mit den Fotos sehr ernst genommen und hätte mich am liebsten auf der Anklagebank im Gericht gesehen. Hatte Glück, dass Julies so entspannt war und die Sache "so abgebogen" hatte. Well, aber das Visum hatte ich nicht bekommen, blöd aber auch. Julies meinte, ich solle am nächsten Tag nochmal in die Botschaft gehen und mit Mr. Moussa sprechen. Er war zuversichtlich, dass er dann "grünes Licht" geben würde für mein Visum. Julies bot auch noch an, dass er nochmal mit Mr. Moussa spricht und auf ihn einredet.

Well, bin also nochmal hin am Freitag. Und nach einiger Wartezeit bekam ich dann auch Mr. Moussa zu Gesicht. Vollwichser. Na ja, hab ca. zwei Stunden rumgehangen. Julies hat ein paar Mal mit ihm telefoniert, aber keine Chance. Er ließ sich nicht mehr erweichen und meinte nur "sorry, sorry, I'm very sorry". Ja, klar, das hat man ihm angesehen, wie leid ihm die Sache tat. Der Typ, der mir den Antrag dann nochmals zurückgab, meinte auf meine Frage hin, warum der Antrag abgelehnt wurde, dass ich kein Staatsbürger Kenias sei. Daraufhin erwiderte ich, dass ich nicht glaube, dass dies der wahre Grund sei. Heute war ja Freitag, der heilige Tag für die Moslems. Ich sagte ihm, dass es Allah bestimmt nicht gutheißt, wenn er lügt. Und dies war hier ganz offenbar eine Lüge...

Na ja, wurscht aber auch. Das Visum konnte ich mir in die Haare schmieren. Das wird nix in Nairobi. Selbst Schuld diesmal.

Aber okay, damit war für mich auch relativ klar, wie es jetzt weitergehen würde. Ich würde sowohl das Äthiopische als auch das Sudanesische Visum in Deutschland machen lassen, also die Unterlagen per DHL einschicken und dann warten, warten, warten...

Am Freitag hatte ich schon im Laufe des Tages meine Bewerbungsunterlagen zusammengestellt. Das ganze Programm eben. Visa-Formulare, Auftragsformular für Visa Express, Passbilder, Kopien aller möglichen Dokumente, Reiserouten durch Äthiopien und Sudan, Hotelreservierung für Khartoum u.s.w. u.s.w.

Am Abend sind wir dann nochmal mit Nina alle Möglichkeiten durchgegangen und haben uns letzten Endes dazu entschieden, dass ich es so mache mit DHL. Und dass Nina statt wie geplant nach Ägypten eben nach Nairobi, Kenia, kommt, und wir hier den gemeinsamen Urlaub machen, während wir auf die Rücksendung aus Deutschland warten....

Das bringt den Zeitplan ganz schön durcheinander, und ich werde es mit ziemlicher Sicherheit nicht schaffen, wie geplant am 11. September in Wien zu sein. Aber okay, dass sind eben die Auswirkungen höherer Gewalt (Äthiopien) bzw. grenzenloser individueller Dummheit (Sudan), mit denen man dann leben muss. Falls wir beide die Visa für Äthiopien rechtzeitig bekommen, fahren wir gemeinsam rauf nach Addis Abeba, wo ich Nina dann zum Flieger bringe, bevor ich meinen weiteren Weg Richtung Heimat fortsetze.

Jetzt freue ich mich erstmal wie irre auf Nina. Sie kommt Ende nächster Woche in Kenia an, und dann können wir hier sicher eine ganze Menge gemeinsam angucken. Vielleicht schöner als Ägypten/Jordanien ;-) Hab mir auf jeden Fall schon einen Reiseführer für Kenia besorgt und werde mal ein paar schöne Plätze ausfindig machen, wo wir uns dann übernächste Woche gemeinsam tummeln können. Ei, ei, ei, das wird ein Spaß!


Am Samstag habe ich dann den ganzen Schmarrn per DHL nach Deutschland zu Visa Express geschickt. Aber auch da gab's wieder mal Probleme. Ich durfte der Sendung keinen Cash beilegen (die Gebühren für die Botschaften bzw. Visa Express), und jetzt muss ich sehen, wie ich das Geld schnellstmöglich an Visa Express übergebe. Bevor sie die Kohle nicht haben, werden sie bestimmt nicht mit der Visabesorgung beginnen...

Na ja, für heute (Sonntag) habe ich mich noch in die Jungle Junction einquartiert. Hatte am Freitag noch einen Service für's Mopped machen lassen (sind schon wieder 12000 Kilometer rum seit Pinetown, Südafrika). Morgen fahre ich dan mal los und mache einen Ausflug innerhalb Kenias. Einfach, um mal wieder raus und on the road zu kommen. Hab nämlich schon einen ordentlichen Lagerkoller vom Hostel.

Sitze gerade mit Dan, einem Langzeit-Resident des Hostels, der auch den Service für mein Bike gemacht hat, in einer Bar und gucke das MotoGP Rennen von Brno. Vielleicht mal eine kleine Ablenkung von dem ganzen Visa-Wahnsinn und dem Guantanamo-Feeling in der Jungle Junction ;-)

Ich hab noch soviel nachzuholen, Blog-technisch. Fotos ohne Ende. Aber diese Woche hatte ich mal sowas von keinen Bock, vielleicht schaffe ich es noch in den nächsten Tagen ;-)

Dienstag, 10. August 2010

Intermezzo - Tag 134 - Hiobsbotschaft in der Jungle Junction

So, fertich. Vor genau sieben Tagen bin ich in Windhuk, Namibia, losgefahren. Heute bin ich in Nairobi, Kenia, angekommen. Das war sicher eine ziemlich extreme Zwischenetappe, und ich bin sowas von im Eimer...

Die letzten drei Tage bin ich 550, 950 und nochmal 700 Kilometer gefahren (seit Windhuk dürften's so knapp 5000 gewesen sein) und habe zwei Nächte in Tanzania (Mbeya im Südwesten und Tanga im Nordosten an der Küste) verbracht. Alles hat bestens funktioniert, die Fahrt ging durch tolle Landschaften und ich habe ich mich mächtig darauf gefreut, in der Jungle Junction in Nairobi ein paar Tage ausruhen zu können. Schließlich habe ich ja vor, in Nairobi die beiden Visa für Äthiopien und Sudan ausstellen zu lassen, bevor ich weiter Richtung Norden fahre.

Well, kaum bin ich drin in der guten Stube, trifft's mich auch schon wie ein Schlag. Verschiedene Leute berichten mir, dass Äthiopien (bereits seit März!) keine Visa mehr in Nairobi ausstellt. Wumms. Das sitzt. Damit habe ich ein ordentliches Problem, will sagen, stecke ganz schön in der Scheiße. Momentan wirbeln in meinem Kopf die ganzen Optionen herum, was ich jetzt tun könnte in Sachen Visabeschaffung. Aber in erster Linie bin ich mal nur angepisst. Es ist ein Dejá Vu der Angola-Situation, und ich hab' diesen Bürokratieschwachsinn dermaßen satt. Neben mir gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Traveller hier im Hostel, die in der gleichen Situation stecken, aber wohl keiner mit einem Zeitplan wie ich ihn habe (mein Ziel isses ja, nächste Woche mit der Fähre von Wadi Halfa von Sudan nach Ägypten rüber zu fahren...).

Na ja, mit der ersehnten Entspannung wird's wohl erst mal nix. Das könnte ein ziemlicher Krampf werden, das bescheuerte Visum für Äthiipien (und natürlich auch das für den Sudan) zu bekommen. Penn jetzt erst mal, und morgen früh sehe ich weiter...

Sonntag, 8. August 2010

Intermezzo - Tag 133 - Rauf nach Alp d'Huez

Junge, Junge, ist mal wieder recht früh "geworden". Der Aufruf zum Gebet aus der Moschee ist schon ertönt, aber ich war natürlich schon vorher wach und hab fleissig gebetet, dass es mir heute gelingen möge, meine "Königsetappe" rauf zum Alp d´Huez, äh, ich mein die knapp 1000 Kilometer von Mbeya nach Tanga am Indischen Ozean, zu schaffen.

Well, ich bin ein klein bisschen hinter meinem Zeitplan gefallen, den ich mir vor ein paar Tagen aufgestellt hatte. Gründe/Ausreden gibt´s wie immer reichlich, zu spätes Aufstehen gehört aber diesmal definitiv nicht dazu. Ich habe mich gestern leider mal wieder festgequatscht in der Lodge in Ngala in Malawi. Es gab wieder mal eine Reihe interessanter Leute. Daniel, der Amerikaner - ebenfalls Consultant - der in Malawi arbeitet und mit seiner Gemahlin auf Hochzeitsreise unterwegs ist. Oder der Brite, der mit dem Fahrrad (!) von Maputo nach London fährt. Und natürlich die beiden Betreiber der Lodge, ursprünglich aus Rhodesien/Simbabwe kommend und seit ein paar Jahren in Diaspora unterwegs in verschiedenen afrikanischen Ländern. Von ihnen hatte ich auch die Info bekommen, dass meine geplante Strecke von Dodoma nach Aruhsa in Tanzania wohl keine so gute Idee wäre. Sollten die Chinesen in der Zwischenzeit nicht die Straße neu gebaut haben, handelt es sich bei diesem Abschnitt wohl um eine Piste der Kategorie "lieber nicht". Der Weg des sicherheitsbewussten Overlanders führt stattdessen von Mbeya über Iringa weiter nach Osten, und zwar nach Morogoro und Ngerengere, vorbei an Dar Es Salaam und Sansibar nach Segara und dann erst nach Arusha. Also ein kleiner Umweg, dafür gute Piste.

Jut, das ist also der Weg, den ich jetzt fahren werde. Aktuell bin ich in Mbeya, knapp 100 Kilometer hinter der Grenze zwischen Malawi und Tanzania. Mein Ziel für heute ist es, bis Segara zu kommen (etwas mehr als 900 Kilometer) und dann noch von dort einen kleinen Abstecher zum Indischen Ozean zu machen (Tanga, nochmal 70 Kilometer). Dort dann übernachten und morgen die restliche Strecke bis Nairobi (etwas mehr als 700 Kilometer) fahren und in Chris´ Jungle Junction übernachten (wieder einmal eine dieser Locations, deren - guter - Ruf kontitenteübergreifend vorauseilt...).

Beim Grenzübertritt nach Tanzania, der wieder einmal sehr unproblematisch vor, habe ich eine Stunde "verloren", bin jetzt also 1 Stunde "vor" der deutschen Zeit. Das Visum für Tanzania hat 50 Ois gekostet, wurde aber ohne zu murren an der Grenze ausgestellt. Dann noch einen Stempel in den Carnet und fertig war ich. Keine sonstigen Gebühren. Nach einer Versicherung frage ich schon gar nicht mehr, das ist mir zu blöd und ich verzichte einfach mal darauif. Ne neue Währung (Tanzania Shilling) und ne neue SIM-Karte gibt´s auch.

Nachdem es gestern morgen noch ein wenig getröpfelt hatte und ich erst später los bin aus Ngala, habe ich die landschaftlich vielleicht schönsten 500 Kilometer des ganzen Trips befahren. Einfach irre, diese Gegend. Sowohl das Gebiet in Zentral- und Nordmalawi als auch die ersten 100 Kilometer in Tanzania. Es gibt eine saftig grüne Vegetation, wohl aufgrund des Wassers im Lake Malawi. Das Profil ist hügelig/bergig mit teilweise wunderschönen Panoramen. Und dazu dann später die unvergleichliche afrikanische Abendsonne... Habe unglaublich viele Fotos gemacht und würde sie gern auf den Blog stellen, aber die Connection ist mir dann doch einen Tick zu langsam hier.

Nichtsdestotrotz bin ich einigermaßen begeistert über meine Unterkunft hier in Mbeya. Bin in einem Hotel untergekommen, kostet umgerechnet knappe 25€, ist absolut annehmbar und hat als erstes Hotel, welches ich in Afrika gesehen habe, standardmässig einen Internet-PC auf dem Zimmer. Wow! Well, spätestens das Restaurant erinnert mich wieder daran, dass ich mittlerweile wieder im "richtigen" Afrika angekommen bin. Unglaublich. Zugegebenermassen habe ich gestern eine ziemlich umfangreiche Bestellung abgegeben, war ja auch ganz schön ausgehungert als ich abends ankam. Aber die Bedienung hatte mal wieder sowas von keinen Bock. Mit jedem Getränk bzw. jeder Speise, die ich zusätzlich bestellte, verzog sich ihr Gesicht zu einer noch entsetzteren und sichtlich gepeinigten Grimasse. Sie fand es ganz offensichtlich nicht okay, dass ich sie in ihrer Idylle belästigte, schliesslich lief im Fernsehen gerade auch ein spannendes Programm. Na ja, egal, bin doch noch satt geworden.

Ich bin gestern definitiv nicht gerast oder so, hab´s wirklich gemach angehen lassen. Trotzdem hat´s ausgereicht, dass mich so ein komisches Polizisten-Duo in Malawi anhalten wollte, ganz offensichtlich wollten sie mir ein paar Mäuse wegen Geschwindigkeitsüberschreitung abknöpfen. Meine Strategie in solchen Angelegenheiten ist mittlerweile genauso trivial wie wirkungsvoll. Wende ich auch hin und wieder an Checkpoints an, wenn wieder so ein vollbehinderter Clown da steht, der sich ganz offenbar nur die Zeit vertreiben will und keine erkennbare sinnvolle Funktion ausübt. Ich verlangsame das Tempo, winke artig nach links und rechts und geb dann wieder Gummi. So kann ich mich im Falle des Falles immer noch rausreden, dass ich ihre ohnehin sehr abstruse Zeichensprache misinterpretiert habe und dachte, ich solle weiterfahren. Das Ding ist, dass mich niemand von diesen Freaks verfolgen würde. Bewaffnet sind sie auch nicht, die Gefahr "auf der Flucht" dahin gemeuchelt zu werden, ist also auch nicht vorhanden. Nun könnte man denken, dass die Kollegen so gewitzt sind, mit der nächsten Polizeistation auf der Strecke (per Telefon?) Kontakt aufzunehmen und ihnen mitzuteilen, dass da so ein böser Bube des Weges kommt. Aber natürlich ist die polizeiliche Exekutive hierzulande alles andere als vernetzt, jeder kümmert sich ausschliesslich um seinen eigenen feinen Checkpoint, und was darüber hinaus passiert, nun ja, das ist ein weites Feld...

Zum Nachahmen würde ich diese Strategie dennoch nicht empfehlen. Besser ist es schon, immer schön brav anzuhalten und die vollkommen bescheuerten Fragen der Kontrollettis zu beantworten. Aber manchmal fehlt mir leider die Geduld für diesen Blödsinn.

Samstag, 7. August 2010

Intermezzo – Tag 132 – Adoptiert die Malawis!

Jupp, Morgenstund hat Gold im Mund, der frühe Vogel bla bla bla.

Heute steht eine ordentliche Etappe auf dem Plan, ma gucken, wie das klappen wird. Es sind nochmal knapp 500 Kilometer bis zur Grenze Malawi/Tanzania, und dann möchte ich schon noch ein Stückchen nach Tanzania reinfahren… Ich hoffe mal, die Grenze ist genauso stressfrei wie die von Zambia nach Malawi. Hab sowieso den Eindruck, dass es diesbezüglich auf der Rückfahrt einfacher geworden ist. Bislang hatte ich da (erstaunlicherweise) keine nennenswerten negativen Ereignisse, he he.

Na ja, aktuell stecke ich in Dwangwa, in der Ngala Beach Lodge, die von einem Rhodesier (Ex-Zimbabwianer) betrieben wird. Wie der Name der Bleibe schon andeutet, bin ich direkt am Strand des herrlichen Pazifiks, äh, ich mein des Lake Malawi, untergebracht. Der See ist eines DER Attraktionen Malawis, und aufgrund der ausreichenden Größe kommt man sich bei der morgendlichen Wassergymnastik nicht so sehr mit anderen Frühaufstehern in die Quere – wie in so manchem deutschen Schwimmbad…

Malawi ist ein tolles Land. Ich würde sagen, es ist noch einen Tick bunter, intensiver, einfach afrikanischer als der Rest von Afrika. Wahrscheinlich das perfekte Urlaubsland. Die Leute sind wieder mal sehr nett, vielleicht noch einen Tick netter als anderswo, es ist nicht allzu stressig, die Infrastruktur ist ziemlich gut, v.a. die Straßen, und naja, die Landschaft ist auch gar nicht mal so übel. In Malawi beginnt das Gebiet der Großen Seen in Afrika, ein bissel vergleichbar zum Mittleren Westen in Amerika. Der Lake Malawi ist der erste dieser Großen Seen, dann kommt der Lake Tanganyika zwischen Tanzania, Kongo und Ruanda sowie der Lake Victoria zwischen Uganda, Tanzania und Ruanda. Dazu noch ein paar ‚kleinere‘ Tümpel (Lake Kivu, Lake Albert, Lake Edward etc… Und da Wasser in Afrika eine durchaus begehrte Ressource ist, tummeln sich um diese Großen Seen herum eine ganze Menge Leute und es gibt dementsprechend viele Zentren und Großstädte. Kann mich erinnern, dass der Region der Großen Seen in Afrika vor ein paar Jahren eine rosige Zukunft voraus gesagt wurde. Und so übel scheint’s auch gar nicht zu laufen. Im Vergleich zu Europa ist Malawi sicherlich noch bettelarm, in Afrika genießt das Land aber eher den Status des ‚gelobten Landes‘ für allerlei Flüchtlinge (Mozambique, Ruanda etc.).

Das krasse an Malawi ist, dass das Land – für afrikanische Verhältnisse – extrem dicht besiedelt ist. Auf einer Fläche vergleichbar zur ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik tummeln sich knapp 15 Millionen Leute, Tendenz – trotz HIV/AIDS – steigend. Das fällt schon auf, wenn ich durch’s Land fahre. Manchmal komme ich mir vor, als würde ich – selbst auf den Landstraßen – durch eine Fußgängerzone im Einkaufszentrum einer Stadt fahren, wo netterweise eine kleine Gasse in der Mitte der Straße frei gelassen wird, damit ich mit meinem Mopped durchkomme. Muss sehr viel aufpassen, damit ich nicht einen Fußgänger, Radfahrer (zwei Leute Besatzung sind Standard, hab aber auch schon Fahrräder mit drei Leuten drauf gesehen) oder irgendeines der lieben Nutzviecher, die sich doch so gerne auf der Straße amüsieren, umfahre. Überhaupt scheint die Straße DAS soziale Zentrum schlechthin zu sein. Auch nach der Dämmerung sitzen (!) noch Leute auf (!) der Straße rum und vertreiben sich ihre Zeit.

Ein bisschen enttäuscht bin ich ja, dass mir noch kein Kind zur Adoption angeboten wurde. Da dachte ich doch, dass im Zuge der (fehlgeschlagenen?) Madonna-Aktion vor ein paar Jahren schon mehr ‚voran‘ gegangen wäre in diesem Land. Schließlich kann es doch für so ein kleines Malawisches Gör nix Erstrebenswerteres geben, als in’s schöne Deutscheland umzuziehen, wo es zu Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit erzogen wird. Menno.

Eine ganz besondere Bedeutung genießt für mich alten Nikotin-Junkie Malawis Stellung als Tabak-Exporteur. Ca. 70% des Exportumsatzes des Landes werden durch Tabak erzielt. In Zeiten der Anti-Rauch-Kampagnen des Westens und der demzufolge erschweren Marktsituation eine heikle Geschichte. Und wieder einmal wird hier mein ganzer Einsatz als Raucher gefordert. Die Last auf meinen Schultern wird immer schwerer. Ich rauche also nicht mehr nur für’s Vaterland (gefühlte 95% des Einkaufspreises in Deutschland sind ja nun mal Steuern), sondern auch für Afrika; betreibe praktisch Entwicklungshilfe mit jedem einzelnen Zug.  Und ich setze dafür meine Gesundheit auf’s Spiel, verdammt nochmal!

Ach ja, gestern hatte ich mich – nachdem ich in Lilongwe auf der Suche nach einem Reifenladen eine Weile erfolglos umher gegurkt bin – ca. 100 Kilometer nach Lilongwe, bei Salima/Senga Bay, spontan zum Reifenwechsel entschieden. Der Hinterreifen schien mir unter dem Arsch weg zu bröseln. Vielleicht Paranoia, aber ich habe mich einfach nicht mehr okay gefühlt damit. Und so habe ich in Salima in einer „Reifenstation“ (vergleichbar zu der in Kamerun) Halt gemacht, und innerhalb einer Stunde waren die Brückensteine runter und die TKC80 aufgezogen. Hab diesmal sehr pedantisch darauf geachtet, dass die Pneus korrekt in Fahrtrichtung montiert werden. Den alten Vorderreifen nehme ich mit, den zerfledderten Hinterreifen habe ich dort gelassen. Vielleicht taugt er noch dazu, dass man daraus schöne Latschen herstellt oder was weiß ich für einen Recycling-Zweck erfüllt… Jetzt rollt’s sich wieder wunderbar, und ich kann relativ sorgenfrei nach Norden weiter fahren. In Nordkenia sind die TKCs wahrscheinlich sowieso die bessere Wahl. Dem grobporigen Asphalt hier im südlichen Afrika  habe ich vielleicht ein bisschen unterschätzt Den Bridgestone Trail Wing hat’s ganz schön mitgenommen, und ich bin mit dem Hinterreifen gerade mal 7000 Kilometer (von Kapstadt aus) gekommen. Mal sehen, wie lange jetzt der TKC80 hält, aber ich glaube schon, dass dies nicht mein letzter (Hinter-)Reifen gewesen sein wird. Momentan stehe ich bei Vorderreifen Nummer 3 und Hinterreifen Nummer 6!! Eine ganze Menge, wobei zu sagen ist, dass ein Vorderreifen und zwei Hinterreifen zum Teil schon erheblich ‚angefahren‘ waren, bevor ich sie benutzt hab. Aber trotzdem, die durchschnittliche Lebensleistung des hinteren Pneus ist bei mir hier unten so knapp 8000 Kilometer, nicht berauschend….

Juti, 0600Uhr isses nu, kann mich ja mal langsam fertich machen zum Frühstück. Yummie. Außerdem haben heute meine Mama und Carme, meine Schwägerin, Jeburstach. Sie feiern gemeinsam in Familie in München, mit dem kleinen Antoni, als Sonder-Spezial-Geburstags-Gast. Ich glaub, ich werd sie lieber mal erst nach dem Frühstück anrufen und keine Weck-Attack machen. Ist ja schließlich Samstag, und da darf man auch mal bis um sieben ausschlafen, finde ich…

Freitag, 6. August 2010

Intermezzo - Tag 131 - Malawi & Masterplan 2.2

Halli Hallo Hallöle,

sieht ganz danach aus, als würd dies die 'intensivste' Woche auf dem Motorrad der ganzen Reise. Bin gestern in Lilongwe, Malawi angekommen. Knapp 870 Kilometer von meiner letzten Unterkunft, knapp 130 Kilometer vor Lusaka, entfernt. Ich hatte mir am Mittwoch noch die Victoriafälle angeguckt (wow!), und bin danach noch Richtung Lusaka aufgebrochen. Ich hab mich allerdings nicht so 100% fit gefühlt, und als es anfing zu dämmern, war's mir auch nicht mehr so richtig gemütlich auf der Straße. Es gab ein, zwei Situationen, in denen ich ziemlich üble Spurrillen auf der ansonsten ganz ordentlichen Teerstraße hatte, und das Mopped ein wenig in's Schlingern geriet. Nicht schön... Na ja, deshalb der 'vorzeitige' Zwischenstopp in Makazuba (oder so ähnlich).

Well, ich werde heute am Lake Malawi entlang Richtung Norden weiter fahren. Das ist ohnehin DIE Richtung ab jetzt. Bin ja von Windhuk nach Lilongwe hauptsächlich nach Osten gefahren, aber jetzt geht's schnurstracks nach oben. Ich hab mir gestern abend noch einen Plan gemacht, wie ich die nächsten Tage fahren möchte. Die Etappen sind:

  1. Knapp 480 Kilometer heute (bis Nkhata Bay am Lake Malawi). Heute ist eine Entspannungstour angesagt; ich will mir den See angucken und auch ab und an mal anhalten. Vielleicht halte ich auch mal meinen lädierten großen Zeh in's kühle Nass... Eventuell geht's auch noch ein Stückchen weiter Richtung Karonga/Mbeya, d.h. Tanzania-Grenze.
  2. Morgen dann die Königsetappe: 860 Kilometer bis Iringa (Tanzania) inklusive Grenzübergang Malawi-Tanzania. Puh.
  3. Am Sonntag dann wieder eine 'gemütliche' Spazierfahrt. 700 Kilometer von Iringa über Dodoma bis Aruhsa. Schöner Name, hoffentlich schöne Gegend. Aruhsa ist eingebettet zwischen dem Serengeti Nationalpark im Westen und dem Mount Kilimandjaro im Osten. Ui.
  4. Ok, und am Montag will ich dann rüber über die Grenze nach Kenia und nach Nairobi (ca. 270 Kilometer).
Das wären dann deutlich mehr als 5000 Kilometer in einer Woche (Windhuk - Nairobi) und 'Rekord' auf der bisherigen Reise. Na ja, warum die ganze Eile? Ich hab mir überlegt, dass ich möglichst früh in Nairobi ankommen möchte, damit ich dort die beiden Visa für Äthiopien und Sudan möglichst noch vor dem nächsten Wochenende bekomme. Falls ich dort erst am Donnerstag/Freitag aufkreuze, 'verliere' ich mit ziemlicher Sicherheit das ganze Wochenende. Wenn ich bereits am Montag dort bin, habe ich zumindest die Chance, dass ich die Visa im Laufe der Woche bekomme. Und dann kann ich - etwas entspannter - weiter Richtung Norden fahren (Kenia - Ähtiopien - Sudan) und zur Fähre zwischen Sudan und Ägypten...

Nachdem ich gestern fertig gefuttert hatte, habe ich mir bei meiner Verdauungszigarette mal wieder den Zustand der Reifen angeschaut. Well, der Vorderreifen ist erwartungsgemäß völlig in Ordnung. ABER: den Hinterreifen hat's ganz schön zerledert. "Afrikanische Piste fressen Gummi auf", würde ich sagen. Ich guck's mir jetzt nochmal genauer an, aber ich hatte gestern den Eindruck, dass ich teilweise schon auf Slicks unterwegs bin. Es könnte also passieren, dass ich 'schon wieder' einen neuen Pneu für hinten benötige. Mist, verdammter. Hatte schon damit gerechnet, dass ich mit dem Brückenstein wenigstens bis Nairobi komme. Die Gravelroads in Namibia und der gute, aber teilweise auch recht grobe Teer auf der restlichen Strecke - gepaart mit meiner Fahrweise - sind recht materialfordernd gewesen... Die Frage ist jetzt, ob ich hier in Lilongwe einen neuen Bridgestone bekomme, alternativ die TKC80 drauf ziehe oder doch noch weiter fahre mit dem bestehenden Satz. Guck ich mir gleich nach dem Frühstück nochmal genauer an.

Hab gerade beim Recherchieren in Wiki gelernt, dass die Nationalflagge Malawis vor ein paar Tagen (am 29. Juli) geändert wurde. Die Anordnung der Streifen ist nicht mehr dieselbe, und auch die aufgehende Sonne wurde ersetzt durch eine weiße, komplette (Mittags?) Sonne. Na ja, ich mag vorerst die alte Flagge lieber und benutze diese auf meinem Blog, ich alter Traditionalist... Soweit ich gelesen hab, ist die neue Flagge ohnehin noch nicht 100% 'durch' und wird gerade im Parlament eifrig diskutiert. Well, Probleme muss man haben...

Ich bin gestern ca. um 1600Uhr rüber von Zambia nach Malawi. Es gibt einfach nichts schöneres, als die späte Nachmittagssonne im afrikanischen Busch. Die Straßen, der rote Sand, einfach alles erstrahlt in einem surrealen, unglaublich intensiven Licht. Ich hätte am liebsten alle 20 Meter angehalten und Fotos gemacht, wollte aber auch nicht wieder im Dunkeln nach einer Unterkunft suchen... Mit Hilfe eines südafrikanischen Expatriates konnte ich mich dann aber in Lilongwe (komisches 'Layout' der Stadt...) einigermaßen zurecht finden, und hab' in einem Guest House im Zentrum eingecheckt (mit Internet, juchei!).

Mittwoch, 4. August 2010

Intermezzo - Tag 129 - Livingstone & Victoria Falls

Whoopa, hab mal schön verratzt heute morgen. Bin erst um halb elf wach geworden, Check-out Time wäre 0930Uhr gewesen, ganz zu schweigen vom Frühstück, was ich verpasst habe (bzw. verpasst zu haben glaubte)...

Anyway, jetzt bin ich ja wach und kann mich ein bisschen sammeln. 963 Kilometer habe ich gestern abgespult, von Ghanzi, Botsuana, bis nach Livingstone, Zambia. Hat alles bestens geklappt, die Straßen waren erwartungsgemäss top, aber es schlaucht dann doch schon ein bisschen, gerade wenn es immer geradeaus geht und relativ wenig los ist auf den Straßen. Die Grenze zwischen Botsuana und Zambia bei Kazungula war auch unproblematisch. Es verkehrt eine Fähre zwischen der Botsuana- und der Zambia-Seite über den Zambesi, und ich hatte etwas Panik, dass ich eventuell zu spät ankommen würde, um noch eine Fähre zu bekommen. Botsuana ist einigermaßen eintönig von den Straßen her, aber fast auf der ganzen Strecke gibt es wunderschönen Busch links und rechts von der Straße. Ein bisschen schade, dass ich nicht in einem der Parks (z.B. Chobe) noch eine Tour gemacht und ein bissel Wildlife geguckt habe. Nördlich von Nata und auf dem Weg nach Kazungula habe ich übrigens (ehrlicherweise bei 180 auf der Überholspur und von daher nur für einen äußerst kurzen Moment) zwei schöne Elefantis gesehen, direkt am Rande des Buschs rechts von der Straße. Ist schon ein etwas surrealer Moment gewesen, es waren ja nur Sekundenbruchteile des Anblicks und dann muss das Gehirn ja auch erstmal anfangen zu rattern und zu verarbeiten... Und dann - ca. 3 Kilometer später - realisiert man dann erstmal, woran man da gerade vorbei gefahren ist und sagt sich "Uff! Ist ja krass!". Na ja, eine ganze Reihe Strauße habe ich auch gesehen, wobei ich mich immer schön amüsieren musste, wie dämlich die davon hoppeln, wenn sie sich in ihrer "Comfort Zone" bedrängt fühlen. Mir lag dann immer so ein dummer Spruch auf den Lippen a la "Na flieg doch los, du Riesen-Huhn!"...

An der Grenze war dann alles easy-cheesy. Die Botsuana Immigration sowieso. Die Fähre hat dann 5 US Dollar gekostet (vgl. das 300 US Dollar Quote der Kollegen von Muanda, die mich über den Congo River nach Angola bringen wollten...). Die Zambia Immigration war natürlich etwas nerviger, aber ich hab's kurz und schmerzlos durchgezogen. Nochmal 50 US Dollar für ein weiteres Zambia "Visum" berappt, aber danach hab ich auf die restlichen Fees 'geschissen'. Das Visum ist streng genommen auch kein Visum, sondern nur ein ganz normaler Entry-Stempel, den man auch umsonst bekommen könnte (wäre man nicht zahlungskräftiger Europäer...) Hätte noch eine Carbon Tax, Road Permission Fee und eine Third Party Insurance abschliessen "müssen", aber ich vertraue mal darauf, dass ich es ohne durch's Land schaffe. Den ersten Kontrolleur direkt hinter der Grenze konnte ich noch mit meiner alten (nunmehr ungültigen) Carbon Tax Bescheinigung von meinem ersten Besuch im Land vor ein paar Wochen abwimmeln... Na ja, mal schauen, ob ich noch auf weitere Police Checkpoints treffe und wie ich mit den Kollegen dort umgehe...

Ach ja, mir ist ein Vergleich eingefallen. Alle (Verkehrs-)Polizisten, Botschafsleute, Immigration und Zollfuzzis sind für mich nix weiter als "Fahrkartenkontrolleure". Wer mich kennt, weiß, dass dieser Berufsstand bei mir den minimalen Respekt geniesst. Einfach nur Stresser, ohne jeglichen Sinn in ihrem tristen (Berufs-)Leben.

Hab's sogar noch im Hellen bis Livingstone geschafft (ca. 60 Kilometer hinter der Grenze in Zambia). Die Victoria Falls sind gleich umme Ecke, ca. 10 Kilometer südlich. Ich hab wieder eine funktionierende SIM-Karte (aus Zambia - Botsuana hatte ich ja ausgelassen), und das Mopped erstrahlt nun auch wieder in ganz neuem Glanz (es waren schätzungsweise 25000 Insekten, die es sich seit Cape Town auf meinem Windschutz als nicht zahlende Gäste bequem - bzw. breit - gemacht hatten...). Hab erstmal Nina angerufen und musste feststellen, dass ich schon wieder ein bisschen Sorge und Streß verursacht hatte. Hatte ja eigentlich versprochen, mich gestern Abend nochmal zu melden, aber mit dem Internet in Ghanzi war's nicht so weit her, und dann hab ich's einfach vergessen. Mensch, muss da ein bisschen achtsamer sein, gerade wenn ich ankündige, mich zu melden und es dann doch nicht tue...

Hab dann ganz schön lange nach einem Hotel gesucht, war aber entweder alles ausgebucht oder schweineteuer (bis zu 200 US Dollar). Ui! Hab dann aber mächtig Glück gehabt und das Zig Zag in Livingstone, direkt auf der Hauptstraße Richtung Victoria Falls, gefunden. Ist eine Art Hostel / Bungalow Siedlung mit allem, was dem Traveller Spaß macht: günstige Unterkunft, andere Reisende, kostenfreier WiFi Zugang sowie gute Qualität bei Unterkunft und Futter. Die Betreiberin sowie die Leute vom Staff sind auch alle sehr nett. Alles sehr fein also ;-)

Bin ein bisschen hintendran durch die Verpennerei heute morgen, aber der Plan ist, mir jetzt die Victoria Falls anzukieken und dann aufzubrechen Richtung Lusaka. Weiß nicht, ob ich's noch bis Lusaka (ca. 500 Kilometer) schaffe, oder ob ich vorher ein Quartier suche. Will aber morgen bis über die Grenze nach Malawi kommen, das sind dann noch mal knapp 700 Kilometer. Rauch jetzt noch meine letzte Frühstückskippe, werde dann meine Klamotten in der Rezeption hinterlegen, auschecken und zu den Wasserfällen rattern, um dann hoffentlich noch am früheren Nachmittag Richtung Lusaka weiter zu fahren.

Puh, ich bin ein so gestresster Mann. Ich hab das Gefühl, keine Sau kann sich wirklich vorstellen, wie furchtbar anstrengend so eine Afrika Reise im Prinzip ja ist. Was ich hier so alles auf mich nehme - Momento, da kommt mein nächstes Käffchen - ist schon wirklich Wahnsinn. Das Leben ist hart - richtisch hart!

P.S. Um euch einen möglichen üblen Faux Pas zu ersparen, noch ein Hinweis. Hab doch vor ein paar Tagen am Waterberg ein italienisches Pärchen kennen gelernt. Na ja, hatte den Namen des Mädels irgendwie nicht richtig verstanden bzw. später auf dem Zettel, den sie mir am Bike zurück gelassen hatten, entziffern können. Es gibt den - doch recht nett klingenden - italienischen Mädchennamen Fiammetta. Den sollte man kennen. Ich hab sie leider umgetauft in das etwas weniger vorteilhaft klingende Fromnella... Das war mir ganz schön peinlich, also immer schön daran denken, Fiammetta, gel?

Montag, 2. August 2010

Intermezzo - Tag 128 - Botsuana, da bin ick

Yep, ganz kurzes Update.

Bin in Botsuana (offizielle neue deutsche Schreibweise, jawoll ja!) angekommen. Alles schick hier. Hatte den bislang angenehmsten, weil stressfreiesten Grenzübergang der ganzen Reise. So kann's also auch gehen. Ansonsten gibt's in Botsuana erstmal nicht viel zu berichten. Viel, sehr viel, eigentlich nur Steppe, Savanne eben, die Kalahari. Aber mein untrüglicher Jagdinstinkt hat mir gleich gesagt, dass hier so einiges an Großwild in den Büschen hockt. Leider habe ich (noch) nichts weiter geschossen, äh, gesehen, aber vielleicht wird das ja morgen noch was. Bin gerade in Ghanzi, ca. 250 Kilometer hinter der namibischen Grenze, und morgen will ich einen 900 Kilometer-Ritt bis rüber nach Sambia, mindestens aber bis zur Grenze, machen. Yep. Die Straßen sind prächtig und erlauben solche langen Etappen ohne Probleme.

Hab heute mein Zelt aufgebaut, bin aber in einem Hotel. 30 Minuten Internet kosten mich genauso viel wie die Nacht auf dem Campingplatz. Na ja, ist hier noch nicht so Web 2.0 mässig das Ganze...

Also, denne, bis später. Ach so, Fotos und so weiter von der letzten Woche in Namibia kommen noch, wenn ich mal etwas Zeit/Lust und Internet habe...

Întermezzo - Tag 127 - Von Windhuk nach Wien in 41 Tagen?

Ola, sitze gerade in 'nem Hotel in Windhuk bei einem durchaus akzeptablen Frühstück und werd, sobald ich das alles, was hier auf dem Tisch steht, in mich reingestopft habe, aufbrechen Richtung Osten, nach Botswana.

Ich hab jetzt knapp 10 Tage in Namibia verbracht, und war ganz schön unterwegs. Das Land ist phantastisch, sehr einfach zu bereisen (sieht man mal von den auf die Dauer etwas nervigen Gravelroads ab) und bietet echt ne Menge. Hab leider nicht so viel Zeit heute, deshalb nur ein ganz kurzer Abriss. Ich war ja vorletzten Freitag aus Kapstadt losgefahren, dann über die Grenze nach Grünau, Keetmanshoop, Mariental, Windhuk, Okahandja weiter nach Swakopmund. Dort habe ich zwei Nächte abgehangen. Dann ging's weiter Richtung Norden, Skeleton Coast, bin aber schon vorher nach Osten Richtung Uis abgebogen. Die Skeleton Coast ist ein bissel eintönig und man hat praktisch schon alles gesehen, wenn man von Swakop bis rauf nach Henties Bay gefahren ist. Well, ab ca. Uis war die Landschaft echt der Hammer, und es wurde auch Fauna-technisch war einiges los. Hab eine Nacht in Twyfelfontein inner netten Lodge übernachtet, dann am Dienstag weiter über Palmwag nach Sesfontein. Die Strecke zwischen Palmwag und Sesfontein ist schon sehr beeindruckend. Von der Landschaft her, aber auch von den ganzen Tierchen, die man problemlos von der Hauptstraße aus zu sehen bekommt: Giraffen, Zebras, Antilopen ohne Ende und - soweit ich das einschätzen konnte - den Arsch eines Elefanten... Na ja, in Sesfontein habe ich dann noch mal in einer Lodge übernachtet, diesmal errichtet an der Stelle eines alten deutschen Forts. Sehr amüsant... Unterwegs habe ich eine Menge Urlauber getroffen, viele auch mehrmals, man fährt sich in der Weite Namibias einfach immer mal wieder über'n Weg. War immer sehr witzig und auch interessant, mit ihnen zu plaudern. In Palmwag habe ich einen Buren kennengelernt, der seit zig Jahren in Namibia lebt, und Nashorn-Jäger, Abenteurer und Romanautor ist: Christiaan Bakkes. Werde ich demnächst mal in Amazon recherchieren, und mir vielleicht was zum Lesen besorgen. Auf jeden Fall sehr interessant, der Typ.

Am Mittwoch habe ich dann ganz schön Gas gegeben, und bin - ausgehend von Sesfontein - einmal komplett rum um den Etosha Nationalpark gefahren. Ca. 650 Kilometer, davon eine gute Portion zum Teil heftiger Gravelroads, das hat schon gezeckt. Unterwegs, in Opuwo, habe ich dann witzigerweise Sofie und die beiden Spanier, die ich in Kinshasa kennengelernt hatte, wieder getroffen. Das war echt eine tolle Überraschung und wir haben erstmal ein ausführliches Schwätzchen gehalten, so gut das ging bei den vielen Himbas und was weiß ich, die uns auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt allerhand Krimskrams verticken wollten...

Hab dann am fortgeschrittenen Abend am östlichen Eingang des Etosha Parks eine coole Unterkunft gefunden. Allerdings musste ich mein Zelt aufschlagen, da die Zimmer ausgebucht waren. Aber kein Problem, so konnte ich wenigstens mal ein bisschen Kohle sparen. Bin dann zwei Nächte auf dem Camp geblieben, habe wieder eine Menge interessanter Leute kennengelernt, und am Donnerstag ging's früh um 0600Uhr ab auffe Safari. Nicht ganz "meine Tasse Tee", aber es hat sich gelohnt. Wir waren knapp fünf Stunden unterwegs und haben allerlei Savannenviech gesehen; an einem Wasserloch hing ein verpenntes Rudel Löwinnen rum; an einem anderen gab's ne richtig große Elefantengruppe, mit ein paar ganz klitzekleinen Nachwuchstrompetern darunter. Sehr putzig. Also hat sich definitiv gelohnt, dass ich mal für fünf Stunden mein Vehikel getauscht hab. Mit dem Mopped durfte man nämlich nicht rein in den Park, deshalb 'musste' ich die Tour buchen, die aber nicht soo teuer war und sich auf jeden Fall gelohnt hatte. Die beiden Amerikaner, die ich während der Tour am Donnerstag kennengelernt hatte, haben die Tour am Freitagmorgen nochmal wiederholt. Ich hab sie nochmal getroffen, als ich aus dem Camp aufgebrochen bin. Und sie hatten am Freitagmorgen RICHTIG Schwein, haben praktisch alles gesehen, was dem Großwildjäger das Herz höher schlagen lässt: männliche Löwen, Leoparden, Nashörner. Also gleich mal die Big Five abgehakt. Ist ja sowieso ein Sport der Safaristis, möglichst viele spektakuläre Tiere zu sehen. Well, das hielt sich bei mir in Grenzen. Ich mein, man freut sich schon, wenn dann so ein Löwe auftaucht, weil es ja doch ein bisschen Glück braucht, damit die lieben Viecher sich mal blicken lassen. Aber das Feeling, was ich zwischen Palmwag und Sesfontein hatte, wo ich mal kurz mit dem Mopped einen Seitenweg entlang eines ausgetrockneten Flußbettes lang gefahren bin, war definitiv schöner. Da kam ich mir selber vor wie ein Ranger auf der Suche nach dem Säbelzahntiger. Aber keine Bange, bin nicht in den dichten Busch gefahren, wollte nur die Giraffen mal aus der Nähe angucken. Nach einer Weile dachte ich mir aber auch, okay, wenn hier jetzt ein Löwe hinter'm nächsten Busch vorspringt, ist vielleicht doch nicht so cool, und bin wieder auf den "Hauptweg" zurück gegurkt...

Am Freitag ging's zum Waterberg, nicht soo weit weg von Etosha, aber die Route, die ich genommen habe, war "landschaftlich schön". D.h. übersetzt, die Straßen waren leider das schlechteste bis dato in Namibia. Hab unterwegs noch eine Riesen-Klamotte (Meteorit) angeguckt, hab mich aber nach ca. 15 Sekunden begonnen zu fragen, ob es die 50 Kilometer Extra-Gravelroad wirklich wert war... Na ja, soll wohl der größte Meteorit überhaupt sein, aber ich konnte dem ganzen einfach überhaupt nix abgewinnen.... Auf dem Weg zum Waterberg ging's dann weiter eine ziemlich üble Gravelroad, die ganz schön geschlaucht hat. Aber das Ganze hatte was. Der Weg führte durch das Gebiet zahlloser Farmen, bei deren Ein- und Ausgängen ich jeweils runter vom Mopped musste und die Tore jeweils auf- und zumachen musste. Die Farmen sind schon irre, sehr groß, vollständig auf Rinder spezialisiert. Ich hab mir vorgestellt, wie es gewesen wäre, wenn meine Vorfahren vielleicht irgendwann mal nach Namibia ausgewandert wären und hier Rinderzucht betrieben hätten. Stattdessen durften sie sich mit den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) im Osten herumschlagen, ein Albtraum für jeden ambitionierten Bauern... Na ja, die meisten Zuwanderer kamen allerdings schon wesentlich früher nach Namibia, so um die Jahrhundertwende zu Zeiten Kaiser Wilhelms, als Namibia noch Deutsch Südwest Afrika (DSWA) hieß und der deutsche Michel auch noch in solch exotischen Gebieten wie Tanzania, Togo und Kamerun herum tappste. Das waren noch Zeiten, Junge, Junge...

Aber wurscht, zum Waterberg wollte ich eigentlich hauptsächlich, um mir was über die Hereros anzugucken, dem Volksstamm, deren Aufstand die Deutschen damals 1904 ziemlich übel niedergeschlagen hatten. Irgendwie hab ich das alles aber ein bisschen verrafft. Mir ging's körperlich nicht soo blendend. Ich hatte seit einigen Tagen wieder mit der Malariaprophylaxe begonnen, und an einem Morgen ist mir so eine Scheiß-Tablette am Gaumen hängen geblieben. Na ja, der Nachgeschmack ist sowieso schon immer gräuslich, aber seit diesem Tag hatte ich ein regelrechtes Sodbrennen, Aufstoßen und das Gefühl, ich müsste jeden Moment kotzen gehen... Nicht so schön, aber ist auch schon wieder weg inzwischen. Die beiden Nächte im Zelt in Etosha waren jetzt aber auch nicht soo entspannend, und so war ich insgesamt einfach nicht top fit. Na ja, jedenfalls habe ich in der Waterberg Lodge einen "Hike", also eine Wanderung für den nächsten Morgen (Samstag) gebucht, in der Hoffnung, das wäre so eine Art Geschichtsausflug War aber eher eine Bergwanderung, oh je. Und ich mit meinen beleibten Hüften, nicht ganz so mein Ding. War aber trotzdem irre schön, wenn auch etwas anstrengend... Den "Hike" habe ich mit einem italienischen Pärchen gemeinsam gemacht, die waren super nett, arbeiten irgendwie für die EU und machen praktisch an den besten Plätzen der Welt "im Auftrag der EU" jeweils sechsmonatige "Urlaubsstints". Clevere Sache ;-)

Am Abend zuvor hatte ich einen deutschstämmigen Namibianer kennengelernt, ca. 70 Jahre alt, und mich ausführlich mit ihm unterhalten. Ich find diese ganze Geschichte hier unten irre interessant. Ich mein, der 70-Jährige hier vor mir, lebt in dritter Generation hier in Namibia, ist hier geboren und aufgewachsen. Er spricht akzentfrei deutsch, wirkt auch in seinem ganzen Äußeren deutsch und fühlt sicht im Prinzip wohl auch eher deutsch als namibisch. Ist aber Namibianer. Schon verrückt, da hat sich seit ca. 1900 hier unten eine (kleine, aber feine) deutsche Parallelwelt entwickelt. Zum Teil nicht mit den aktuellsten politischen Ansichten; ich hab gehört, dass hier (für mich sehr erstaunlich) noch eine ganze Menge Nazis rumspazieren... Na ja, die Apartheid war und ist hier sicher nicht krass wie in Südafrika, und das Land ist definitiv, was die soziale Einheit angeht, auf einem besseren Weg, aber dennoch: im Prinzip kocht jede Minorität und jeder Stamm hier noch sein eigenes Süppchen, die Deutschen mit eingeschlossen.

Na Wurscht aber auch, am Samstag bin ich dann jedenfalls - sehr spät - vom Waterberg aufgebrochen Richtung Windhuk. War ja mit Jens und Pia-Maria zum Fußball verabredet: die 11 Arrows aus Walvis Bay empfingen im Sam Nujoma Stadion die populären Kaizer Chiefs aus Joburg. Ich hätte gerne noch am Cheetah Reservat bzw. an den Herero Kriegsgräbern gestoppt, aber es war leider keine Zeit mehr. Ich bin in knapp zweieinhalb Stunden vom Waterberg nach Windhuk gedüst, hab' mein Mopped in einem (leider ausgebuchten) Hostel abgtestellt und bin dann mit dem Taxi weiter zum Stadion. Dachte, ich hätte schon einen Großteil der ersten Halbzeit verpasst, aber wir sind ja in Afrika. Statt um 1530Uhr begann das Spiel erst gegen 1615Uhr oder so. Na ja, nicht schlecht.  Mit Jens und Pia-Maria habe ich mich getroffen, und wir haben einerseits das Spiel verfolgt, andererseits gab's natürlich auch ne Menge zu erzählen.

Nachdem Spiel bzw nachdem wir aus dem Verkehrschaos auf dem Parkplatz raus waren, fuhren wir in Joe's Beerhouse, wahrscheinlich DIE Adresse in Windhuk schlechthin. Steht in jedem Reiseführer, und jeder von Marokko bis Madagaskar scheint den Laden zu kennen. War auch sehr witzig, obwohl der Laden eher wie ein Stadtviertel als ein Restaurant anmutete. Man konnte sich echt verlaufen da drinnen. Aber wir haben das Essen, die Getränke (alles sehrrrrr deutsch) und unsere Gespräche sehr genossen. War ein cooler Abend, und meine Müdigkeit hielt sich auch ziemlich lange zurück.

Ich musste mir aber noch eine Unterkunft für die Nacht suchen. Die Pension, wo Jens und Pia-Maria pennten, war leider schon voll, und so bin ich mit meinem Mopped, nachdem mich die beiden zu dem Hostel, wo ich es untergestellt hatte, zurück gebracht hatten, los gedackelt und hab mir was gesucht. War gar nicht sooo leicht, aber letzten Endes habe ich mich für ein Hotel in der City entschieden. Internet und was man eben alles so braucht. Bueno. Am Sonntag habe ich mich wie eine ausgetrenene Kippe gefühlt, total kaputt und im Eimer. Keine Chance, heute weiter zu fahren. Ich hab dann auch die Abfahrt nach Botswana auf den Montag verschoben und mir am Abend dann auch mal einen Plan gemacht, wie ich die Rückreise bis nach Deutschland denn zeitlich gestalten will.

Well, der Masterplan (2.1) sieht demnach wie folgt aus:
  1. Am 7.8 möchte ich spätestens in Malawi sein, d.h. Botswana und Sambia passiert haben.
  2. Die Fahrt durch Malawi, Tanzania und Kenia wird etwas länger dauern. Ich muss noch die beiden Visa für Äthiopien und Sudan in Nairobi, Kenia, besorgen. Ausserdem ist die Strecke in Nord-Kenia ein bisschen schwieriger. Ich rechne so mit 8-12 Tagen.
  3. Wenn ich die Visa habe, sollte es relativ zügig (3-4 Tage) durch Äthiopien und Sudan gehen.
  4. Der große Knackpunkt ist dann die Fähre zwischen Sudan und Ägypten. Der Grenzübergang ist nur mit der Fähre zu erreichen, und die geht nur einmal pro Woche, in der für mich relevanten Richtung donnerstags. Ich visiere den 19.8. an, wobei ich weiß, dass das ganz schön knapp ist und da alles perfekt laufen muß, damit ich diese Fähre erreiche. Alternative wäre eine Woche später am 26.8. 
  5. In Südägypten hole ich Nina vom Flughafen ab, und wir fahren bis 5.9. gemeinsam weiter.
  6. Die Etappe Ägypten-Jordanien-Syrien-Türkei ist aus meiner Sicht relativ unproblematisch, sieht man mal vom ägyptischen Zoll ab. Ausserdem müssen wir uns auch noch um das Visum für Syrien kümmern, in Kairo (bäh!) oder besser in Amman (yeah!).
  7. Der Plan ist aber, ca. am 7.9. in der Türkei zu sein. Vorher bringe ich Nina noch in Syrien (Damaskus oder Aleppo) zum Flieger. Dann kann sie schon mal vorfliegen und den Kuchen backen, den wir dann gemeinsam essen werden, wenn ich ein paar Tage später in Wien eintreffe, he he he.
  8. Von Türkiye aus sollte es relativ problemlos sein, in 4-5 Tagen nach Wien zu fahren, und so am 11.9. anzukommen.
Puh, heftiger Plan, aber nicht unrealistisch, meine ich. Das wären dann 41 Tage von Windhuk nach Wien. Sicher, ein bisschen schade, die ganzen Länder, die da vor mir liegen, nur mit jeweils ein paar Tagen 'abzuservieren', aber ich will/muss ja auch mal wieder nach Hause. Natürlich kann auf dem Weg auch noch eine Menge dazwischen kommen, das ist mir schon klar, von daher ist dieser 41 Tage - Plan sicher ein Optimalszenario. Aber wer weiß, warum sollte es denn nicht optimal laufen? Angola steht ja nicht mehr auf der Reiseroute, was kann denn dann noch schlimmes passieren?

So, jetzt ist mein kurzer Blog-Eintrag doch schon wieder ganz schön lang geworden, und es ist schon wieder halb elf. Ich rauch jetzt noch eine Kippe, schwing mich dann auf's Mopped, mach noch ein paar Bilder von Windhuk, und dann geht's aber ab nach Botswana!

Adios amigos & hasta luego.