Well, aus dem geplanten Kurzaufenthalt in Nairobi ist nun schon fast eine Woche geworden. Und so richtig entspannend war's beileibe auch nicht. Nachdem ich am Montag die Hiobsbotschaft bzgl. der Visasituation in der äthiopischen Botschaft hier in Nairobi erfahren hatte, habe ich den Dienstag erstmal damit verbracht, mich ordentlich aufzuregen und meinen ganzen Ärger über die Botschaften und Grenzübergänge dieser Welt raus zu lassen.
In der Jungle Junction in Nairobi gibt es eine Menge Overlander, die hier - entweder von Süden oder Norden kommend - einen Zwischenstopp einlegen und so manche Anekdote zu berichten haben. Das Hostel ist sicherlich ein cooler Ort. Die Preise sind okay, der Service passt, man kann sich mit den vielen anderen Overlandern austauschen, sogar das eine oder andere am Bike reparieren lassen. Internet gibt's auch noch in hervorragender Qualität. Aber trotzdem, ich bräuchte mal etwas Entspannung, und die bekomme ich hier einfach nicht. Sobald ich einem anderen Traveler über den Weg laufe - und das passiert praktisch sofort, wenn ich meine Butze verlasse - entwicklen sich Gespräche, die vom Hundersten in's Tausendste gehen. Über Routen, Visa-Anträge, Erlebnisse on the oder off the road. Am Ende des Tages bin ich dann dermaßen mit Informationen geflutet, dass ich kaum mehr weiß, ob ich Männchen oder Weibchen bin. Junge, Junge...
Und dazu noch der Visa-Streß diese Woche. Das hat mich ganz schön belastet und auch runter gezogen. Aber mal in Kürze. Am Dienstag bin ich noch zur Sudanesischen Botschaft in Nairobi gegangen, um wenigstens einmal dieses Visum klar zu machen. Wie ich mit dem Äthiopien-Visum verfahren würde, wollte ich mir noch überlegen. Aber als ich bei der Botschaft des Sudan ankam, war ich schon dermaßen auf "Krawall gebürstet", dass ich an diesem Tag keinen Antrag abgeben konnte. Ich habe eigentlich nur rumgestresst und den V.I.P. raushängen lassen. Ich habe angedeutet, dass ich wichtige Freunde in der Regierung hätte, und dass hier alle ganz schöne Probleme bekämen, wenn ich das Visum nicht asap bekomme... Ziemlich blöde Strategie eigentlich, aber ich glaube dennoch, dass sie auch hätte klappen können. Hab's (leider) nicht bis zum Ende durchgezogen und bin dann irgendwann aus der Botschaft abgedampft. Ich hatte einfach ein beschissenes Gefühl, als mir die ziemlich behinderte Sekretärin wieder das Forumlar unter die Nase hielt. Schließlich habe ich ja schon ein (inzwischen abgelaufenes) Sudan Visum, und ich dachte, dass es bei Verlängerungen von bestehenden Visa irgendwie einen schnelleren Extra-Prozess geben würde...
Na ja, am Mittwoch bin ich dann nochmal hin zur Sudanesischen und habe den Antrag auf herkömmlichen Wege abgegeben. Kein Problem, ich habe als Abholdatum den Donnerstag bekommen, also nur ein Tag Bearbeitungszeit, gar nicht so schlecht. Na ja, hätte ich mir nicht noch ein Eigentor par excellence geschossen. Aus Langeweile hatte ich im Warteraum der Botschaft ein paar Fotos geschossen. Unauffällig versteht sich. Beim letzten Foto allerdings löste sich der Blitz, und mit der Unauffälligkeit war's dann vorbei. Einige der Leute im Warteraum fühlten sich mächtig angepisst, weil ich Sie ungefragt fotografiert hatte. Eia, ei. Ich dachte, die sollen sich mal nicht so anstellen und bin raus aus der Botschaft. Aber in der Zwischenzeit hatte schon ein Typ aus dem Warteraum die Security der Botschaft verständigt, und dann ging der Spaß so richtig los. Ein Riesentheater. Ich habe erkannt, dass ich ein bisschen in der Scheiße sitze. Der Oberfuzzi wollte sogar die Bulllizisten rufen und mich wahrscheinlich am liebsten gleich in Guantanamo einknasten lassen. In langen diplomatischen Gesprächen konnte ich mit allen Beteiligten wieder "grün" werden, nur der Oberfuzzi schien nach wie vor unversöhnlich zu sein. Na ja, trotzdem "durfte" ich dann noch knapp drei Stunden hin und her endlich raus aus der Botschaft. Die Kamera mit der Memory Karte musste ich da lassen. Ich würde ja sowieso am nächsten Tag wieder kommen, um meinen Pass (mit dem Visum) abzuholen. Oh Mann, nicht verhaftet worden. Was für ein Erfolg. Aber auch was für eine Dusselei meinerseits mit den Fotos. Ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, wie sehr sich die Leute hier teilweise anstellen, wenn man solche strategisch wichtigen Orte wie den Warteraum einer Botschaft fotografiert... Na ja, am Donnestag würde diese Geschichte weiter gehen und hoffentlich ein gutes Ende nehmen.
Äthiopien stresste mich in der Zwischenzeit immer mehr. Es gab sooo viele Optionen, was ich tun könnte. Die meisten Leute in der Jungle Junction schicken ihre Pässe zurück nach Europa per DHL und besorgen sich das Visum in den jeweiligen Botschaften ihrer Heimatländer. Kostet ein bisschen was, aber in erster Linie kostet dieser Prozess Zeit. Vielleicht eine Woche, realistischer aber zwei Wochen. Aber wer weiß, wie die Botschaften in Europa "funktionieren". Kann ja auch drei Wochen dauern... Auf jeden Fall sah ich meinen Zeitplan in extremer Gefahr.
Eine weitere Option wäre es, in einen Flieger nach Cairo (Ägypten) oder Harare (Zimbabwe) zu steigen und das Visum in der äthiopischen Botschaft des dortigen Landes zu besorgen. Ich bekam die Infos, dass in diesen beiden Ländern eine 24h-Ausstellung möglich wäre. Aber okay, wer garantiert diese Information? Die Flüge würden so 500€ aufwärts kosten. Und wenn sich dann vor Ort rausstellt, dass es doch nicht so richtig funktioniert mit dem Visum, würde ich mir so richtig in den Arsch beißen... Abgesehen davon finde ich es einigermaßen wahnsinnig, von Nairobi quer über den afrikanischen Kontinent zu fliegen, um ein Visum für das Nachbarland zu besorgen...
Eine weitere Option wäre ein Flug nach Addis Abeba. Etwas günstiger als Cairo oder Harare. Man bekommt definitiv ein Visum bei der Einreise mit dem Flieger am Flughafen in Addis. Aber die große Frage ist: bekommt man auch ein Multiple Entry Visum? Das wäre ja notwendig, weil das am Flughafen erteilte Visum beim Rückflug nach Nairobi ja wieder seine Gültigkeit verlieren würde, wäre es nur ein Single Entry Visum...
Junge, Junge, inzwischen waren ein paar Franzosen in der Jungle Junction angekommen, die davon berichteten, dass sie einen deutschen Trucker auf dem Weg von Äthiopien nach Kenia getroffen hatten, der meinte, dass er sein Äthiopien-Visum umsonst (sic!) in einem kleinen Nest auf der Route zwischen Nairobi und der äthiopischen Grenze bekommen hätte, Marsabit. Wow! Keiner aus dem Hostel wollte dem rechten glauben schenken. Ich habe mir aber gesagt, warum nicht? Ich habe schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. Vor allen Dingen in Nairobi an einem Freitagnachmittag...
Eine weitere "vielversprechende" Information der Franzosen war, dass die Grenze von Kenia nach Äthiopien momentan dicht wäre, also kein Durchkommen überhaupt...
Oh Mann, und mir qualmte die Birne. Ich fühlte mich einfach überfordert, was ich eigentlich tun sollte. Am schicksten fand ich noch die Variante, entweder komplett auf das Äthiopien-Visum zu verzichten oder es einfach mal selbst zu erstellen, wobei ich hier nicht näher darauf eingehen möchte, was das bedeutet.
Ohne Ähtiopien-Visum hätte es zwei Möglichkeiten gegeben. Erstens, ich fahre einfach über die Grenze Kenia/Äthiopien, dann durch das Land (ca. zwei Tage) und dann wieder raus über die Grenze Äthiopien/Sudan. Ich spekuliere einfach darauf, dass ich auf dem Weg in keine Polizeikontrolle gerate und so unentdeckt illegal durch's Land fahre. Hört sich abenteuerlich an, aber nach meinen Afrika-Erfahrungen bin ich zu 99% sicher, dass diese Variante problemlos funktioniert. Es gibt kein wirkliches "Gate" zwischen den Grenzen, und wenn man einfach am Immigration & Customs Gebäude (bzw. an den Hütten) vorüber fährt, dann ist man eben illegal im Land... In Äthiopien selbst gibt es meinen Infos zufolge keine sonderlichen Polizei Checkpoints, das ganze müsste also ganz gut funktionieren...
Na ja, und dann gab's da ja noch die Variante mit dem Grenzübergang Kenia/Südsudan. Machen die wenigsten Traveler, was in erster Linie an den wohl ziemlich beschissenen Straßen im Südsudan liegt. Bzgl. der Sicherheitssituation im Süd-Sudan gibt's immer mal wieder unterschiedliche Informationen bzw. eher "Meinungen". So richtig wissen tut's niemand, aber jeder hat natürlich seine Meinung...
Oh Mann, oh Mann, oh Mann, alles schwierig. Ich hab mich dann entschlossen, alles davon abhängig zu machen, wie es mit dem Sudan-Visum am Donnerstag laufen würde.
Well, und es lief - nicht so toll. Ich bin hin in die Botschaft und nach ein paar Stunden Wartezeit bekam ich die Info, dass ich das Visum nicht bekomme. Der Grund dafür war scheinheilig (kein Bürger Kenias...), viel wahrscheinlicher war, dass das abgelehnte Visum in Verbindung stand mit dem Foto-Skandal am Vortag. Schließlich war der Security-Oberfuzzi ständig in's Hinterzimmer der Botschaft gerannt und hatte mir auch gedroht, dass ich mein Visum jetzt nicht bekommen würde. Oh je, oh je. Am Donnerstag kam dann auch noch die diplomatische Polizei von Nairobi, auf Betreiben des Security-Deppen hin. Na ja, ich habe mich kurz mit dem Typen von der diplomatischen Polizei unterhalten und ihm die Situation erklärt. Er war super cool und hat mich sogar noch unterstützt, als es darum ging, den Security-Typen zu beschwichtigen. Wir haben die fragwürdigen Bilder von der Kamera gelöscht, und ich konnte das Teil wieder einstecken. Ich habe Julies dann sogar noch durch die Stadt gefahren mit meinem Mopped, und wir hatten uns für den nächsten Tag (Freitag) zum Mittagessen verabredet. Er hat mir aber auch noch mal in's Gewissen geredet. Ich solle lieber etwas besser aufpassen, Mr. Moussa (Security-Freak) von der Botschaft hätte die Sache mit den Fotos sehr ernst genommen und hätte mich am liebsten auf der Anklagebank im Gericht gesehen. Hatte Glück, dass Julies so entspannt war und die Sache "so abgebogen" hatte. Well, aber das Visum hatte ich nicht bekommen, blöd aber auch. Julies meinte, ich solle am nächsten Tag nochmal in die Botschaft gehen und mit Mr. Moussa sprechen. Er war zuversichtlich, dass er dann "grünes Licht" geben würde für mein Visum. Julies bot auch noch an, dass er nochmal mit Mr. Moussa spricht und auf ihn einredet.
Well, bin also nochmal hin am Freitag. Und nach einiger Wartezeit bekam ich dann auch Mr. Moussa zu Gesicht. Vollwichser. Na ja, hab ca. zwei Stunden rumgehangen. Julies hat ein paar Mal mit ihm telefoniert, aber keine Chance. Er ließ sich nicht mehr erweichen und meinte nur "sorry, sorry, I'm very sorry". Ja, klar, das hat man ihm angesehen, wie leid ihm die Sache tat. Der Typ, der mir den Antrag dann nochmals zurückgab, meinte auf meine Frage hin, warum der Antrag abgelehnt wurde, dass ich kein Staatsbürger Kenias sei. Daraufhin erwiderte ich, dass ich nicht glaube, dass dies der wahre Grund sei. Heute war ja Freitag, der heilige Tag für die Moslems. Ich sagte ihm, dass es Allah bestimmt nicht gutheißt, wenn er lügt. Und dies war hier ganz offenbar eine Lüge...
Na ja, wurscht aber auch. Das Visum konnte ich mir in die Haare schmieren. Das wird nix in Nairobi. Selbst Schuld diesmal.
Aber okay, damit war für mich auch relativ klar, wie es jetzt weitergehen würde. Ich würde sowohl das Äthiopische als auch das Sudanesische Visum in Deutschland machen lassen, also die Unterlagen per DHL einschicken und dann warten, warten, warten...
Am Freitag hatte ich schon im Laufe des Tages meine Bewerbungsunterlagen zusammengestellt. Das ganze Programm eben. Visa-Formulare, Auftragsformular für Visa Express, Passbilder, Kopien aller möglichen Dokumente, Reiserouten durch Äthiopien und Sudan, Hotelreservierung für Khartoum u.s.w. u.s.w.
Am Abend sind wir dann nochmal mit Nina alle Möglichkeiten durchgegangen und haben uns letzten Endes dazu entschieden, dass ich es so mache mit DHL. Und dass Nina statt wie geplant nach Ägypten eben nach Nairobi, Kenia, kommt, und wir hier den gemeinsamen Urlaub machen, während wir auf die Rücksendung aus Deutschland warten....
Das bringt den Zeitplan ganz schön durcheinander, und ich werde es mit ziemlicher Sicherheit nicht schaffen, wie geplant am 11. September in Wien zu sein. Aber okay, dass sind eben die Auswirkungen höherer Gewalt (Äthiopien) bzw. grenzenloser individueller Dummheit (Sudan), mit denen man dann leben muss. Falls wir beide die Visa für Äthiopien rechtzeitig bekommen, fahren wir gemeinsam rauf nach Addis Abeba, wo ich Nina dann zum Flieger bringe, bevor ich meinen weiteren Weg Richtung Heimat fortsetze.
Jetzt freue ich mich erstmal wie irre auf Nina. Sie kommt Ende nächster Woche in Kenia an, und dann können wir hier sicher eine ganze Menge gemeinsam angucken. Vielleicht schöner als Ägypten/Jordanien ;-) Hab mir auf jeden Fall schon einen Reiseführer für Kenia besorgt und werde mal ein paar schöne Plätze ausfindig machen, wo wir uns dann übernächste Woche gemeinsam tummeln können. Ei, ei, ei, das wird ein Spaß!
Am Samstag habe ich dann den ganzen Schmarrn per DHL nach Deutschland zu Visa Express geschickt. Aber auch da gab's wieder mal Probleme. Ich durfte der Sendung keinen Cash beilegen (die Gebühren für die Botschaften bzw. Visa Express), und jetzt muss ich sehen, wie ich das Geld schnellstmöglich an Visa Express übergebe. Bevor sie die Kohle nicht haben, werden sie bestimmt nicht mit der Visabesorgung beginnen...
Na ja, für heute (Sonntag) habe ich mich noch in die Jungle Junction einquartiert. Hatte am Freitag noch einen Service für's Mopped machen lassen (sind schon wieder 12000 Kilometer rum seit Pinetown, Südafrika). Morgen fahre ich dan mal los und mache einen Ausflug innerhalb Kenias. Einfach, um mal wieder raus und on the road zu kommen. Hab nämlich schon einen ordentlichen Lagerkoller vom Hostel.
Sitze gerade mit Dan, einem Langzeit-Resident des Hostels, der auch den Service für mein Bike gemacht hat, in einer Bar und gucke das MotoGP Rennen von Brno. Vielleicht mal eine kleine Ablenkung von dem ganzen Visa-Wahnsinn und dem Guantanamo-Feeling in der Jungle Junction ;-)
Ich hab noch soviel nachzuholen, Blog-technisch. Fotos ohne Ende. Aber diese Woche hatte ich mal sowas von keinen Bock, vielleicht schaffe ich es noch in den nächsten Tagen ;-)
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Oh man!Hört sich ja beschiessen an.Rene du bist der Beste.Nur so.Dein Freund Andi
AntwortenLöschenHey Rene, nicht schon wieder... Druecken dir ganz fest die Daumen aus Windhoek.
AntwortenLöschenRoland und Denise