So, nach fast 14 Tagen Funkstille gibt's nu mal wenigstens wieder einen kleinen Statusbericht. Kurz jesacht: alles klar auf Zansibar, bzw. besser gesagt in Mombassa, bzw. noch genauer in der Twiga Lodge am Tiwi Beach, ca. 20 Kilometer südlich von Mombassa.
Nina ist heute seit einer Woche hier bei mir in Kenia, und wir waren schon sooo aktiv und fleissig, dass wir uns hier erstmal schön chillen. Heute haben wir uns in eine 5-Sterne-Luxus-Lodge im benachbarten Diani Beach eingeschlichen und schauen hier bei Latte Machiato, Tusker-Bierchen und flottem WiFi dem Sonnenuntergang entgegen.
Aber mal schön der Reihe nach. Mein letzter Blog-Eintrag datiert ja von Montag letzter Woche. Nun ja, nach der einen Woche in der Jungle Junction in Nairobi hatte ich ja bereits ordentliche Entzugserscheinungen, was das Moppedfahren angeht. Und so habe ich es mir in den darauffolgenden Tagen einmal so richtig besorgt. Am Montag stand erstmal eine "leichte" Tour auf dem Programm. Nicht ganz 300 Kilometer von Nairobi über Naivasha und Nakuru zum Lake Baringo. Dabei habe ich das erste mal das berühmte Rift Valley gesehen, eine ziemlich imposante Schlucht zwischen den Hochländern im Westen und Osten Kenias. Na ja, am Lake Bogoria mit seinen vielen Flamingos bin ich auch vorbei gekommen, hab' ihm aber keinen Besuch abgestattet. Das Robert's Camp am Lake Baringo glänzt insbesondere durch seine abenteuerliche Zeltanlage. Ich selbst hab' die Nacht inna Hütte verbracht; die beiden Israelis, Avi und Maayan, die ich an dem Tag kennen gelernt hatte, pennten aber im Zelt. Und sie machten sich im Laufe der Nacht durch entsetzte Schreie bemerkbar. Als nämlich die Hippos (Flußpferde) zum Weiden an den Strand, d.h. direkt auf den Campingplatz, kamen. Junge, Junge. Ich war leider zu spät aus meiner Butze raus und hab die Viecher nur noch im Wasser gesehen. Tolle Sache. Krokodile gab's auch reichlich. Einfach ein duftes Gefühl, in der direkten Nachbarschaft solcher niedlicher Tierchen zu campen...
Am nächsten Morgen haben wir, d.h. ich und die beiden Israelis, unsere geplante Bootstour erstmal ordentlich verpennt. Als es dann so zwischen zehn und elf endlich losging, war leider nicht mehr viel zu sehen. Die Hippos und Crocs, aber auch die Adler und Fischchen schienen allesamt in die Mittagspause abgedampft zu sein. Aber immerhin war's ne schöne Tour und ich hab mir mal wieder nen feinen Sonnenbrand abgeholt.
Bin dann erst am Nachmittag losgekommen. Ich wusste gar nicht so recht, wie es jetzt weitergehen sollte, hab' mich dann aber spontan dazu entschieden, in Richtung Osten weiter zu fahren. Mount Elgon schien mir irgendwie zu langweilig zu sein, und im Osten könnte ich es ja unter Umständen sogar noch bis Lake Turkana schaffen. Das wäre eine nette Tour in der Woche.
Well, nach ca. 15 Kilometern war's dann ab Loruk vorbei mit der Teerstraße und ich bog ab auf eine Dirt Road. Ich sollte erst nach knapp 650 Kilometern wieder Teer sehen... Die Straße war nicht gerade top, ging aber doch einigermaßen zu fahren. Ich wollte mal sehen, wie weit ich heute komme, notfalls könnte ich ja im knapp 150 Kilometer entfernten Maralal einen Zwischenstopp einlegen... Gut, die ersten 80-100 Kilometer waren auch gar kein Problem, nur fing es dann zu regnen an. Nicht besonders heftig, aber konstant. Ich bin schön weiter gefahren, aber es wurde immer schwieriger, das Mopped auf Piste zu halten. Mann-o-Mann. Ca. 50 Kilometer vor Maralal kam ich aus Loruk kommend auf die C77, und - fast - nichts ging mehr. Die Straße war total verschlammt und glitschig und ich hatte massive Probleme, die Maschine zu halten. Ich konnte mich auch überhaupt nicht mit den Füßen abstützen, es fuhr sich einfach wie auf Schmierseife. Total zum Kotzen. Dreimal bin ich an diesem Tag weg gerutscht. Das letzte Mal ein paar Kilometer vor Sukuta Lol Marmar, einem kleinen Nest unweit von Kisima. Nach diesem letzten Umfaller des Tages sprang das Mopped nicht mehr an. Na herzlichen Glückwunsch! Inzwischen war's schön dunkel, und ich kam mir irgendwie reichlich unbehaglich vor, zumal ich nicht mehr weit vom Konservat bzw. Maralal National Park entfernt war. Wer weiß, was da so alles für Viehzeugs im Busch rumhängt zu so später Stunde? Wahrscheinlich war irgendwo Wasser reingekommen, evtl. die Zündkerzen nass? Keine Ahnung. Zu Hause hatte ich niemanden erreicht. Gott sei Dank kamen noch ganz selten mal ein paar Autos vorbei. Ich hatte die Leute aus einem Auto gebeten, mir einen Mechaniker aus dem Dorf vorbei zu schicken, auch wenn ich nicht so recht daran glauben wollte, dass der mir wirklich weiterhelfen könnte. Aber noch bevor der Mechaniker schließlich da war, probiert ich es nochmal, und siehe da, das Mopped sprang wieder an und lief wie ein Uhrwerk. War vielleicht wirklich nur etwas sauer, dass ich es dreimal hinlegte heute. Na ja, wenn es da schon gewusst hätte, was noch folgen sollte...
Die Nacht verbrachte ich in diesem kleinen Kaff, Sukuta, in einem - sagen wir mal - sehr "einheimischen" Hotel. Hat mir aber gut gefallen, die schlichte Einrichtung und so. Hat sich einfach sehr authentisch angefühlt. Hab dann auch noch mit zwei Locals gequatscht, ein Somali und ein Typ aus Kenia, beides sehr nette Kerle. Zum Futtern gab's Omelette mit Ugali, diesem Maiskloß, der hier so gerne gegessen wird. Und, es war gar nicht mal schlecht.
Am Mittwoch hab' ich dann nur eine extrem kurze Etappe gemacht, so knapp 30-40 Kilometer, über Kisima bis Maralal. Als ich dort angekommen war, besuchte ich die Safari Lodge, von der ich im Reiseführer gelesen hatte. Als ich dort fertig "gebruncht" hatte, wagte ich einen Blick in den Himmel gen Norden. Und das sah gar nicht gut aus. Noch so eine Aktion wie am Dienstag wollte ich nicht nochmal haben. Deshalb gönnte ich mir einen entspannten Tag in der Safari Lodge. War auch ganz toll. Das Wasserloch war direkt in Sichtweite des Restaurants, und ich konnte mir in aller Ruhe die Zebras, Impalas, Warzenschweine, Affen und diverse andere Antilopenarten ankieken. Fein!
Am Donnerstag bin ich früh aus dem Bett gekommen, das Wetter war jut, und so beschloss ich, es bis zum Lake Turkana zu versuchen heute. Obwohl es heute nicht regnete, war noch genug Feuchtigkeit auf der Strecke, um die Fahrt zu einer besonderen Herausforderung zu machen. Die ersten 50 Kilometer nach Maralal waren dazu Dirt Road vom allerfeinsten. Sehr felsig und hügelig, einfach nicht so trivial zu fahren. Zwei Typen - wahrscheinlich Samburus, die mit ihrem Mopped liegen geblieben waren, half ich weiter. Ich fuhr den einen Typen mit seinem großen weißen Mehlsack zu einem etwas abgelegenen Dorf, wo er offenbar zum Markt wollte. War eine witzige Geschichte. Die Einheimischen haben nicht schlecht geguckt, als ich mit meinem Monster-Bike aufkreuzte - ihr Kollege auf der Rücksitzbank. Einfach eine tolle Landschaft, durch die ich da kam. Wenn es auch mit dem Mopped ziemlich ungemütlich war von Zeit zu Zeit. Na ja, nach 50 Kilometern waren die Felsen weitestgehend vorüber, aber es kamen noch ein paar "Pfützen", d.h. viel eher Seen, die die gesamte Straßenseite einnahmen.
Entgegen meiner üblichen Strategie, diese Pfützen-Seen geradewegs zu durchkreuzen, entschloss ich mich bei einem der letzten dieser Exemplare, das Teil zu umfahren. Dummerweise war da aber ein schöner dicker Busch, an dem ich dann doch nicht vorbei kam. Was tun? Rechts neben mir war der See, links der Busch. Abstützen mit den Füßen konnte ich mich auch nicht so recht. Zu glitschig die ganze Angelegenheit. Na ja, ich versuchte es dann millimeterweise, mich an dem Busch vorbei zu schieben. Das schien auch ganz gut zu klappen. Aber dann reichte eine Nuance. Das Bike bekam Schräglage und neigte sich nach rechts. Oh je! Der Worst Case trat ein. Ich konnte die schwarze Prinzessin nicht mehr halten und plumps lag sie in der Pfütze. Scheiße! Davor hatte ich mich immer am meisten gefüchtet. Hoffentlich verzeiht sie mir das, und ich muss sie nicht trocken fönen oder so... Aber erstmal das Bike wieder aufrichten. Weit und breit keine Sau zu sehen. Beim Versuch, sie in eine etwas bessere Position zu zerren, fasse ich klugerweise den Auspuff an. Ouch, auch das noch! Das hat schön gezeckt und eine formidable Brandblase an der linken Hand kündigt sich an. Ui, erstmal durchatmen und schön überlegen, Alta! Die Lösung war dann, die Koffer abzubauen, so gut das in dem Schlamm eben ging, und so die Maschien zu "erleichtern". Keine Ahnung wie, aber ich hab's dann auch tatsächlich geschafft, das Teil aus dem Modder wieder aufzurichten. Puh. Dann erstmal schön durch die Pfütze auf die andere Seite geschoben, an den Rand gestellt und jeguckt. Springt an. Juchuh! Feines Bike. Verzeicht wirklich jeden Mist. Und nu in die Koffer reingekiekt. Der Koffer mit dem Computer und dem ganzen Elektronik-Krams lag ja komplett im Wasser. Aber auch hier hatte ich Schwein gehabt. Keine Überschwemmung, nur ein bisschen Schlamm am Boden des Koffers. Oh jemine, nochmal Glück gehabt. Das sah doch alles gar nicht so schlimm aus. Na ja, aussehen tat's schon wie Kloake, aber zumindest schien nix kaputt zu sein. Ich machte mir ein bissel Sorgen um meine Hand. Das sah nicht gut aus mit der Blase. War aber auch dämlich von mir, ohne Handschuhe an dem Mopped rumzuzerren. Etwas Betaisadona drauf und dann mal sehen, wie's sich entwickelt.
Nach knapp einer Stunde hatte ich die Pfütze erfolgreich durchquert, und es konnte weitergehen. Es war schon wieder 1300Uhr, und ich hatte gerade mal 50 Kilometer oder so geschafft. Noch mehr als 200 lagen vor mir, wenn ich es bis zum Lake Turkana schaffen wollte. Eigentlich nicht mehr machbar, ich müsste vorher irgendwo übernachten.
Aber erstmal losfahren, und dann sehen. Nach 50 weiteren Kilometern war ich in Baragoi, eine ganz andere Landschaft als noch in Maralal. Eher wie eine Halbwüste, hier und da mal ein paar Berge. Nach dem letzten felsigen Abstieg aus Richtung Maralal war die Straße auch halbwegs okay. Ziemlich sandig zwar, aber auf jeden Fall besser als diese Klamotten auf der Straße. In Baragoi habe ich eine kurze Pause eingelegt. Ziemlich viele Checker, die was verkaufen wollten. Aber ich versprach, dass ich auf dem Rückweg von Lake Turkana nochmal vobei käme, und dann würde ich ihren ganzen Mist schon mitnehmen.
Kurz vor vier ging's dann weiter von Baragoi aus Richtung South Horr. Die Straße war mittelmässig, wieder einige Passagen mit Felsen, aber insgesamt ganz okay. Um ca. halb sechs war ich in South Horr, aber irgendwas in mir hielt mich davon ab, der Vernunft zu folgen, hier zu halten und mir was für die Nacht zu suchen. Ich wollte weiter, und ich fuhr weiter. Um ca. acht, halb neun war ich kurz vor dem Lake Turkana. Inzwischen war's schon einigermaßen dunkel. Noch 25 Kilometer bis zu meinem Zielort Loyangalani. Meinen Nierengurt hatte ich irgendwo auf dem Weg verloren, weil ich in Baragoi zu faul war, ihn ordentlich zu verstauen. Hatte ihn stattdessen zwischen die Kackwurst geklemmt, wo er wegen des heftigen Windes natürlich raus geflogen ist. Na ja, die letzten 20 Kilometer bis Loyangalani hatten's dann nochmal so richtig in sich. Schotter- und Felsenpiste vom Feinsten. Absolut nicht empfehlenswert dort mit einem (Big) Bike langzufahren. Aber okay, was soll's? Teilweise habe ich echt geflucht und fast geheult. Ich war mit den Kräften eingermaßen am Ende. Und diese Strecke zeckt echt in den Knochen. Irgendwann sind die Arme vom ständigen Korrigieren müde. Meine Füße taten mir auch weh. Die Boots waren immer noch von der Pfütze durchnässt. Einfach nicht so schön. Hab dann nochmal die Balance verloren, als ein paar Einheimische wie die Bekloppten mit ihren Taschenlampen auf mich zugerannt sind. Sie wollten nur nett sein, haben mich dann aber doch einigermaßen verängstigt. Und, well, dann konnten sie so nett sein, und mir beim Aufrichten der Maschine helfen. Merci beaucoup!
Oh je, oh je, gegen halb zehn, zehn war ich dann endlich angekommen. Ich wollte zu Wolfgang in die Oasis Lodge, hatte schon einiges über ihn gelesen. Aber als ich endlich da war, stand ich vor verschlossenen Toren. Der Masaai - Wächter wollte mich trotz guten Zuredens partout nicht mehr rein lassen. Zu spät. Aber glücklicherweise gab's gleich nebenan eine Alternativ-Butze, wo ich im Banda (rundes Häuschen) unterkam. Ich fühlte mich wie ein Sack Kartoffeln, total Banane. Ich konnte kaum noch laufen, meine Füße sahen aus - also, nicht schön sahen sie aus. Total Scheiße. Wie Schwimmhäute. Na ja, erstmal pennen gehen.
Am nächsten Morgen habe ich dann noch Wolfgang aus der Oasis Lodge einen Besuch abgestattet und mir mit einem Guide (nerv!) den Ort und den Strand angeguckt. Am Abend zuvor hatte das Mopped komischerweise Ölmangel gemeldet, was ich allerdings nicht über den Ölstandsmesser bestätigen konnte. Na ja, sicher ist sicher. Hab an der lokalen Mini-Tanke 10 Liter Sprit und einen Liter von diesem Ekel-Öl gekauft. Man weiß ja nie, ob man das nicht noch brauchen könnte.
So gegen halb Zwölf ging's dann schon wieder los aus Loyangalani. Heute ist Freitag und übermorgen kommt mein Bebi in Nairobi an. Oh Mann-o-Mann, vielleicht habe ich es mit meinem kleinen Kenia-"Ausflug" diese Woche doch etwas übertrieben... Nützt nix, ich muss heute noch ordentlich Kilometer machen.
Die Strecke von Loyangalani südwärts war genauso beschissen wie die andere Richtung. Gestern hatte ich drei Umfaller, heute sollten es - absoluter Rekord! - sieben (sic!!!) werden. Damit habe ich diese Woche insgesamt 13 Umfaller produziert, allesamt im ersten Gang in Schrittgeschwindigkeit oder im Stand - daher keine Crashs. Aber immerhin. Auf den gesamten 35000 Kilometern zuvor waren es gerade mal fünf ingesamt. Aber die Strecke hier hatte es echt in sich. Auf dem Weg von Loyangalani nach South Horr traf ich einige Autos, die meisten standen mit irgendwelchen (Reifen-) Problemen am Straßenrand rum. Einigen konnte ich sogar helfen mit meinem Werkzeug oder Ersatzteilen. War immer eine willkommene Raucherpause für mich, und außerdem "gehört es sich einfach" anzuhalten und zu schauen, ob ich helfen kann. Andersrum wird mir diese Hilfe ja auch zuteil, und als "alleinstehender" Moppedfahrer bin ich auf diese Hilfe ja auch mehr oder weniger angewiesen.
In der sandigen Dorfeinfahrt von South Horr kippe ich auch noch mal um, hervorragend! Wie peinlich! Ich gebe dem Typen, der mir aufgeholfen hat, ein Bier aus. Aber es finden sich immer mehr Gestalten in der kleinen Bar ein, die mir auch gerne geholfen hätten und allein aus diesem Grund glaubten, Anspruch auf ein spendiertes Bierchen zu haben. Huh, nervig, nervigt. Auch die als so stolz geltenden Samburu erwiesen sich als nicht gerade würdevoll. In Loyangalani hatte ich mir einen Beutel Kautabak aufschwatzen lassen, den ich in South Horr verschenken wollte. Als ich den Beutel rausholte, dauert es keine zwei Sekunden, und die Samburu-Frau vor mir schnappte sich das Teil, steckte es sich in ihren Umhang und war verschwunden. Das ging schnell. Wollte ihr eigentlich noch sagen, dass sie den Tabak mit ihren Kumpels teilen soll. Aber wurscht.
Die Leute aus der Kneipe in South Horr bewegten mich dazu, meine Route nochmal zu überdenken. Mein Plan war eigentlich, über Baragoi, Barsaloi und Wamba nach Isiloi auf die Teerstraße zu fahren. Sie schlugen mir aber stattdessen vor, noch vor Baragoi auf eine Straße Richtung Laisamis abzubiegen, wo ich dann auf die A2 und damit auf die Teerstraße käme. Hmm, sie meinten, es wären 96 Kilometer bis Laisamis. Danach Teer. Hörte sich nicht schlecht an. Leider waren's aber 140 Kilometer bis Laisamis. Bei diesen Straßenverhältnissen (Sand, Sand und noch mehr Sand!) tut das ordentlich weh. Als ich dann nach vier Umfallern im Sand entlang des Losai National Reserve entkräftet in Laisamis ankam, war von der Teerstraße immer noch nix zu sehen. Die Straße war mir ja schon von den anderen Travelern als Holperpiste bekannt (ist der "Highway" zum ähtiopischen Grenzübergang nach Moyale), daher war ich da auch etwas skeptisch, aber auch zweckoptimistisch.
Die Leute in Laisamis erklärten mir, dass die Teerstraße in 32 Kilometern beginnen würde. Dann hätte ich auch endlich wieder Netzt mit meinem Mobiltelefon. In dem Teil Kenias, in dem ich die letzten Tage unterwegs war, funktionierte leider nur Safaricom, ein Wettbewerber Zains, deren SIM-Karte ich besaß. Na ja, nachdem ich einem der Kollegen ein bisschen Bares in die Hand gedrückt hatte, konnte ich wenigstens kurz Nina anrufen und berichten, dass alles soweit ókay sei. Meine Füße sahen mittlerweile RICHTIG scheiße aus. Junge, Junge, sowas hatte ich selbst noch nicht gesehen. Und selbst meine sicherlich hartgesottenen afrikanischen Kumpels in Laisamis rümpften im schummerigen Licht ihrer Funzeln die Nase. Die Sandpiste von South Horr nach Laisamis hat meinen Füßen offenbar den Rest gegeben. Jeder Quadratmillimeter schmerzte. Ich weiß nicht, wie ich nach der Pause wieder in die Stiefel reingekommen bin. Woahnsinn...
Well, aus den 32 Kilometern Buckelpiste wurden dann selbstverständlich etwas mehr. 40, um genauer zu sein. Mittlerweile war es tiefe Nacht. Noch 120 Kilometer Teerstraße bis Isiolo. Auf der schönen neu gebauten Teerstraße liegt alle paar Meter ein totes Dik-Dik. Die armen kleinen Antilopen müssen sich wohl erstmal an die neuen Straßenverhältnisse gewöhnen. Um halb drei, drei (sic!) komme ich in Isiolo an. Mehr aus Spaß frage ich den Bullizisten am Checkpoint, ob es im Ort noch was zu futtern gebe um diese Zeit. Und wie aus der Pistole geschossen antwortet er: klaro, viele Restaurants, kein Problem. Ich glaube ihm nicht. Aber als ich in der Innenstadt angekommen bin, staune ich nicht schlecht. Hier ist richtig was los. Hier steppt der Bär. Ich nähere mich dem ersten Restaurant, frage wie es ausschaut und bekomme nach ca. drei Minuten Wartezeit leckere Chapati, Reis und Gemüsesoße serviert. Fantastisch! Der Laden ist auch voll, und ich bin beileibe nicht der einzige, der zu dieser unchristlichen Zeit sein Mahl einnimmt. Und well, jetzt erfahre ich auch warum. Wie sind ja nicht bei den Christen, sondern den Moslems. Und die begehen nun mal den Ramadan, ihren Fastenmonat, diesmal im August. Und im Ramadan wird eben etwas anders gelebt. Am Tage ist tote Hose, alle Geschäfte sind zu. Und nachts spielt die Musik. Die Leute nehmen ihre Hauptmahlzeit um drei, vier Uhr morgens ein. Genau mein Rhythmus also, bravo! Die Hotelsuche gestaltet sich schwer. Alle lokalen Hotels scheinen mit Ramadan-Leuten besetzt zu sein. Um halb fünf checke ich in das "vornehme" Transit Hotel ein. Auch eine Bruchbude, aber mit 1300 Kenya Shilling (13€) erheblich teuer als alle anderen Läden.
Um fünf Uhr sinke ich in mein Bettchen und gönne mir ein paar Stunden Schlaf. Über 350 Kilometer, davon deutlich mehr als 200 fiese Dirt Road. Mehr als vier, fünf Stunden darf ich heute nicht ratzen, sonst war die ganze Anstrengung umsonst, und ich komme doch noch zu spät zurück nach Nairobi. Aber der Weckservice am nächsten Morgen funktioniert prächtig. Ich komme rechtzeitig aus dem Bett, zum Frühstück und zurück auf die Piste.
Ich kann unmöglich zurück in die Stiefen und fahre mit Turnschuhen weiter. Die knapp 280 Kilometer Teerstraße bis Nairobi sind weitestgehend unproblematisch. Um halb drei, drei bin ich wieder bei Chris in der Jungle Junction.
Und das wichtigste: frisch geduscht und mit frsich gewaschenem Mopped habe ich Nina diesmal PÜNKTLICH vom Flughafen abgeholt. Wir sind eine Woche durch Kenia (Nairobi, Amboseli, Tsavo, Mombasa) gedüst und seit Mittwochabend hier in Tiwi Beach am Indischen Ozean. Ich muss jetzt leider mal Schluß machen, weil ich schon ewig vor dem Rechner hänge, und wir langsam mal was zu Abend essen wollen.
Später mehr!
Adios, Amigos!
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Hi Schneidi alter Afrikaner,
AntwortenLöschenverfolge deinen Trip ja hier per Blog sehr regelmäßig. Bin absolut begeistert von dem, was du dort erlebst und so alles durchmachst. Hört sich anstrengend, aber auch echt fantastisch an.
Haben letztens erst mit Roger und Troppi beim Grillen eines Hausschweins uns angeregt über deinen Trip unterhalten. Mittlerweile hängen wir alle am Rechner und lesen deine Ausführungen zur Reise mit sehr viel Spaß. Von allen einen fetten Gruß und lass es dir mit deiner Freundin gut gehen. Keep cool, bleib sauber und komm heile wieder hier an. Dann können wir ja evtl. mal alle zusammentrommeln, hauen ein Zebra auf den Grill und du erzählst dann alles, während wir genüßlich ein paar deutsche Bierchen in uns hineinkippen.
Gruß auch von Ela
Tino