Dienstag, 8. Juni 2010

Intermezzo - Tag 72 - Mal wieder inner Angolanischen Botschaft...

So, war mittlerweile schon dreimal in der Botschaft am Grande Boulevard in Kinshasa. Bis jetzt bin ich noch nicht mal dazu gekommen, meinen beschissenen Visa-Antrag abzugeben. Gestern nachmittag, als ich aus Matadi in Kin ankam war's schon zu spät, und die Botschaft hatte geschlossen. Also ab in mein Hotel (das eigentlich favorisierte Hotel Estoril war ausgebucht - meinte zumindest der ziemlich gelangweilt wirkende Typ an der Rezeption; na ja, Gäste waren zwar keine zu sehen, aber der wird sich schon was dabei gedacht haben). Stattdessen kam ich dann im Guest House Hotel unter. Meine Güte, bin ja schon einiges gewöhnt. Aber was man dort für 45 US Dollar als Gegenwert bekommt, verschlägt einem schon die Sprache. Grusellich, kann man nicht ohne Bedenken weiter empfehlen. Aber ejal. Pünktlich um neun war ich dann wieder an der Angolanischen Botschaft. Das erste, was ich sehe, sind zwei Typen mit Bikes! Oh hoa! Also raus aus'm Taxi und angequatscht. Simon aus Neuseeland und Hans aus Deutscheland - bzw. Engeland - standen da mit ihrer Africa Twin bzw. der Einzylinder GS und hatten das Gleiche vor wie ich: das Unmögliche möglich machen. Sie haben in etwa die gleiche Odyssee hinter sich wie ich. Auch erst nach Matadi, um dort feststellen zu müssen, dass das Konsulat doch keine Visa ausstellt. Sie hatten immerhin schon am Freitag ihre Unterlagen abgegeben. Aber - wenig überraschend - waren die Visa noch nicht fertig. Ich bin gar nicht so weit gekommen. Der Typ in der Botschaft meinte zu mir, dass ich erst mal zur deutschen Botschaft muss, um mir dort einen Brief ausstellen zu lassen, in dem steht, dass man mir bedenkenlos ein Visum ausstellen könnte. Aha, totaler Nonsens eben, aber ein Standardprozedere für Angola. Auch Hans hatte sich schon so einen Brief ausstellen lassen und mir den entsprechenden Kontakt in der deutschen Botschaft gegeben. Also hin zur Deutschen Botschaft und mich dann wieder an mein nicht so freundliches Telefonat von letzter Woche erinnert, in dem ich einen Mitarbeiter einen "blöden Idioten" genannt hatte, der mich doch gerne mal "am Arsch lecken" könnte. Aua. Aber wie ich später rausbekommen sollte, hatte Hans bereits am Freitag die Lorbeeren für diesen verbalen Ausrutscher geerntet. Weil er eben ein paar Tage nach dem Anruf bei der Botschaft aufkreuzte. Pecht, würde ich sagen. Sorry, Hans!

Na ja, bei der Deutschen Botschaft habe ich dann den Brief in Auftrag gegeben und kann ihn morgen abholen. Dann kann ich zur Angolanischen Botschaft und meinen Antrag abgeben. Ob es eventuell positiv in's Gewicht fällt, dass ich bereits einmal ein Visum hatte, weiß ich nicht. Ehrlich gesagt mache ich mich auf das Schlimmste gefasst. Die Zustände in der Botschaft waren auf jeden Fall nicht so prall. Total überfüllt, ziemliches Chaos. Hans und Simon meinten, dass Bestechungsgelder - gekonnt getimed - durchaus helfen könnten. Na ja, schau'n mer mal. Morgen nochmal hin und dann weiter sehen. Ich überlege aber ernsthaft, mein bestehendes Visum manuell etwas umzugestalten. Das merkt doch sowieso keine Sau an der Grenze. Ich müsste nur aus 'ner 5 gekonnt ne 6 zaubern, und alles wäre im Lot. Noch habe ich zu viele Hemmungen, und ich will's ja auch nicht machen. Aber was ist, wenn ich hier wegen diesen Volldeppen zwei Wochen oder mehr fest hänge? Hmm, schwierige Sache...

Heute Mittag bin ich umgezogen von meinem Grusel-Hotel in die Katholische Mission in Kinshasa. Sehr zentral gelegen, Internet-Verbindung, relaxte Leute. Net schlecht. Simon und Hans campen hier schon seit Freitag. Und ich habe mich ihnen inzwischen angeschlossen. Einen Raum zu bekommen, war leider nicht so leicht. Es ist sicher was frei, aber die kleine Lady an der Rezeption hatte alles andere im Kopf, als eine Reservierung für mich entgegen zu nehmen. Eigentlich unglaublich, aber nicht unüblich hier. Es ist zwar ziemlich offensichtlich ihr Job als Rezeptionistin, das selbst zu tun, aber sie meinte immer nur "Je ne sais pas" und verwies auf eine Schwester Anne, die natürlich nicht greifbar war, weil sie offenbar tatsächlich arbeite im Gegensatz zu einigen anderen Leuten hier...

Na ja, egal, wir sitzen heute hier inner Bar (gibt's auch inner Mission), net schlecht, ne? Und wir feiern Hans Jeburtstach. 36 ist der alte Knabe schon geworden. Mann, Mann, da fühle ich mich mit meinen 34 doch noch wie ein vor Kraft strotzender Jungspund.

Wir schmieden gerade Alternativ-Pläne, falls es mit dem Angola-Visum nicht klappen sollte. Runterfliegen nach Kapstadt und dort das Visum besorgen? Soll wesentlich einfacher sein, als es hier zu bekommen. Oder doch die Offroad-Variante durch den Kongo runter bis Lumumbashi. Oh je, das hört sich schmerzhaft an. Keine Ahnung, alles keine guten Optionen. Wahrscheinlich hilft nur Abwarten. Menno.

Well, das Traurige zuletzt. Simon und Hansi waren bis Gabun zu dritt unterwegs. Ihr Kumpel, Mike, ebenfalls Neuseeländer, ist bei einem Unfall mit seiner KTM in einer Kurve zu weit auf die Gegenfahrbahn gekommen und mit einem Truck zusammen geprallt. Das war's. Hart. Unfassbar. Der schlimmste Albtraum, der passieren kann. Seitdem ich es gehört habe, habe ich einen Kloß im Hals und es beschäftigt mich. Aber das Leben geht weiter, Simon und Hansi haben den Trip nicht abgebrochen und wollen nun so schnell wie es geht runter nach Kaptstadt. Ich glaube Ihnen, wenn sie sagen, dass das absolut in Mike's Sinne gewesen wäre. Es ist gefährlich, dass wusste sicherlich auch Mike. Ein kleiner Fehler kann schon zuviel sein. In Mike's Fall hat dieser kleine Fehler ausgereicht. Einfach brutal. Aber - so krass wie es sich anhört - das ist wohl auch ein Teil dieses "Spiels", welches ein Motorradfahrer bewusst (!) spielt. Für Mike ist es zu Ende, vielleicht 'schöner' als an Alzheimer dahin zu siechen.

Aber für die Angehörigen ist es noch lange nicht vorbei. Und das ist vielleicht das eigentlich Brutale an der ganzen Geschichte. Das gibt schon sehr zu denken.

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