Letzteres, würde ich mal sagen. Hab gut gepennt in meinem Bungalow – dank der Air Con. Aber jetzt am Morgen knallt schon wieder die Sonne wie’s Böse. Wahnsinn. Ist echt kaum zum Aushalten draußen. Ich habe mich entschlossen, auf den Park zu pfeifen und stattdessen Richtung Süden weiter zu fahren. Mindestens bis Maroua, vielleicht aber auch nach Garoua. Dann werde ich mich in ein nettes Hotel einchecken und endlich mal wieder Internetzugang haben, hoffe ich. Außerdem kann ich vernünftig Kohle ziehen anner Bank und vielleicht die eine oder andere Sache noch erledigen. Elefanten, Giraffen und dieses ganze Gefleuch werde ich schon noch irgendwann sehen. Am besten gemeinsam mit Nina in einem Park in Südkamerun oder Gabun. Hab irgendwie keine Lust, alleine durch den Park zu gondeln…
Das Hotel bzw. der Bungalowpark in Waza ist schon ganz nett, ham' se wirklich schön hergerichtet, und wenn's Internet geben würde, wäre es auch zum richtig lange aushalten. Aukleber von allen möglichen Reiseveranstaltern kleben an den Türen. Die Adresse hat sich rumgesprochen. Sogar die gefürchteten Dragonman Overlanders, vor denen mich Kim, Tanja und Monika bereits in St. Louis, Senegal, gewarnt hatten, waren schon hier. Also aufgepasst, diese Crocodile Dundees könnten mir jeden Moment über den Weg laufen...
Und sogar die Tierchen werden nochmal alle fein erklärt für die Gelegenheits-Safaristen.
Na ja, wurscht. Nix für mich, ich zieh weiter.
Meine Motorradstiefel sind mir gestern auf der Dirt Road Fahrt von Nigeria rüber nach Kamerun kaputt gegangen. Beide Sohlen haben sich gelöst und müssten jetzt mal geklebt werden. Habe aber wenig Angst, dass ich hier jemanden finden werde, der das für mich erledigen kann.
Nina hat inzwischen die Visa für Gabun und Kamerun und kommt wahrscheinlich mit einem Flieger am Samstag nach Yaoundé. Das heißt, dass ich bis Samstag dort sein werde, vielleicht aber schon früher. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Visa ein bisschen in Schwierigkeiten komme. Ich brauche für drei Länder eine Verlängerung. Mein Kamerun-Visum ist nur zehn Tage gültig. Wenn ich mit Nina noch ein bisschen durch’s Land fahren will, könnte es knapp werden. Besser, ich lasse es in Yaoundé auf der Botschaft verlängern. Sicher is sicher. Die Visa für Congo-Brazzaville und Angola haben ein Einreisedatum bis spätestens Ende Mai. Das wird knapp bzw. ist nicht möglich. Hier müsste ich auch zu den entsprechenden Botschaften (vielleicht in Yaoundé), um sie zu verlängern. Ach ja, und ich brauche ja noch das Visum für die DR Congo. Wenn ich über Brazzaville/Kinshasa fahre, wie es mir Kim und Tanja empfohlen hatten, muss ich ja definitiv durch die DR Congo. Bäh, bis jetzt bin ich ja ganz gut verschont geblieben von diesem Stress, mir wegen meiner Visa im Ausland Stress zu machen. Viele Traveller fahren praktisch ohne Visa los und besorgen sie sich on the road. Das kostet aber Zeit und ist – glaube ich – nicht ganz unstressig. Aber egal, da muss ich jetzt durch – und ich werd es schon irgendwie hinbekommen.
Außerdem stehen ja noch Reifen- und Ölwechsel auf dem Programm. Ich bin jetzt knapp dran an 13000 Kilometern. Also die Zeit ist reif für neues Öl, und wenn ich die Reifen jetzt nicht wechsele, dann brauch ich’s bis Namibia wohl auch nicht mehr zu tun. Hätte aber noch einen weiteren wichtigen Vorteil, wenn ich es jetzt mache. Ohne die Ersatzreifen, die ich mittlerweile über 9000 Kilometer spazieren gefahren habe, gibt’s mehr Platz auf der Karre und es ist etwas bequemer für Nina und mich, wenn sie da ist.
Ich bin ja mal gespannt, wann ich die „Grenze“ passiere. D.h. die Grenze zwischen Moslems und Christen. In Nigeria gibt’s ja einigen Zoff an dieser Grenze (siehe die Massaker im Januar). Aber auch in Kamerun ist der Norden islamisch, mal schauen, wann sich das ändert. Wird sicher auch noch mal ein kultureller Tapetenwechsel, wenn statt „Allah Akbar“ die Hallelujahs aus den Straßen ertönen…
Ich bin jetzt von Dakar, Senegal, bis Waza, Kamerun, knapp 5000 Kilometer relativ schnurstracks auf einer Linie von West nach Ost gefahren. Meine aktuellen GPS-Koordinaten sind N 11° 23.928 und E014° 33.401. Das dürfte jetzt der ziemlich östlichste Ort auf meiner Reise nach Kaptstadt. Von nun an geht’s praktisch nur noch in eine Richtung: nach Süden. Ich entferne mich wieder von daheim. Habe mich ja eine Ewigkeit lang im Radius zwischen 4000 und 5000 Kilometern Luftlinie von zu Hause bewegt, jetzt wird’s wieder mehr, yeah!
Ach ja, vielleicht nochmal ein kurzes Fazit zu Nigeria. War ja nur zwei Tage dort, aber die waren intensiv. Das Land ist echt ambivalent und löst bei mir gemischte Gefühle aus. Die massive Militärpräsenz gepaart mit einer gewissen ‚Entschlossenheit‘ der Uniformierten, nicht lange zu fackeln, machen ein bisschen Angst. Der Reichtum des Landes (aufgrund des Öls) irritiert, da hier die ‚Schere‘ zwischen Arm und Reich besonders weit auseinander zu gehen scheint. Ich meine, es ist immer leichter zu akzeptieren, wenn es einem Volk aufgrund bestimmter Umstände einfach mal beschissen geht, als wenn es viele arme Schlucker und einige wenige Profiteure gibt…
Aber die Menschen, d.h. das ‚einfache‘ Volk, in Nigeria, die ich auf der Straße getroffen habe, sind echt der Hammer. Unglaublich lieb, nett, freundlich, hilfsbereit, interessiert, aufgeschlossen, ja begeistert darüber, einen westlichen Touristen mit nem Mopped unterwegs durch ihr Land zu sehen. Es gab einige Situationen, da war ich echt gerührt war von den Leuten. Ich fühle mich manchmal regelrecht ‚getragen‘, ein seltsames Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit…
Und es war für mich eine Bestätigung, dass diese Reise richtig ist, auch wenn es sicher manchmal etwas anstrengend und auch gefährlich ist (bzw. das Set an bestehenden Risiken ein vollkommen anderes ist als z.B. in Deutschland). Aber was habe ich dem Typen vom Zoll gesagt, als er meinte, Rauchen sei gefährlich? – Das Leben ist gefährlich, sehr sogar. Und am Ende des Lebens bist du tot, darauf kannst du einen lassen!
Die Frage ist halt nur, was man bis zu diesem unabwendbaren Zeitpunkt mit seinem Leben gemacht hat. Wie möchte man leben? Was möchte man tun? Ist es nicht besser, etwas zu riskieren und dann auch mit der Angst zu leben, dass ein Risiko eintritt, als gänzlich auf Risiken zu verzichten und ein Dasein zu fristen, von dem man sich ein möglichst baldiges Ende erhofft? Na ja, das is dann wohl eine sehr individuelle Entscheidung, und sie fällt bei jedem etwas anders aus. Ich finde es aber wichtig, dass man diese Entscheidung bewusst für sich fällt. Und ich glaube, dass die Angst (vor dem Unbekannten) einen viel zu hohen Stellenwert einnimmt. Xenophobie ist eine weit verbreitete Krankheit; ich glaube, es täte der Welt gut, wenn man einen Impfstoff dagegen entwickeln würde…
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