Sonntag, 13. Juni 2010

Tag 61 – Abschied in Libreville

Abschied steht auf dem Programm heute. Schöne Scheiße. Ich fühl mich ziemlich bescheiden. Bin einigermaßen schlecht drauf, traurig hauptsächlich. Aber es gibt einen Job zu erledigen: Nina nach Libreville bringen.

Bis Bifoun kommen wir sehr gut voran; die Strecke kennen wir ja schon, kein Problem. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass es danach bis Libreville so weiter geht, also auf vernünftigem Teer. Kurz nach Bifoun geht’s allerdings los und die Straße wird zusehends schlechter bis sie fast Dirt Road – ähnliche Zustände erreicht. Viele große Schlaglöcher, zwischendurch auch mal Sandabschnitte. Meine Güte, hätte ich jetzt nicht erwartet. Immerhin nähern wir uns doch der Hauptstadt, oder?

Na ja, wir halten unterwegs noch zweimal für ausgedehnte Zigarettenpausen, ziehen dann aber durch über Oyan, Kango, Ntoum bis nach Libreville. Ein paar Kilometer vor Libreville normalisieren sich die Straßenverhältnisse wieder und es geht etwas flotter voran.

So um drei Uhr nachmittags sind wir schließlich inner City und versuchen, den Flughafen zu finden. Der ist dummerweise am anderen Ende der Stadt, weshalb wir noch eine ganze Weile durch den Stadtverkehr müssen. Da äußert sich dann auch die Anspannung, die heute in der Luft liegt. Ich bewege das Mopped ziemlich hektisch zwischen den Autos hin und her. Wie ich es normalerweise eigentlich immer tue, aber ich vielleicht bin ich heute doch einen Tick ‚aggressiver‘ als sonst. Nina fällt das auf, und sie meint, dass ich mich mal etwas entspannen solle. Ich missverstehe sie aber irgendwie und wir streiten uns erst einmal ne Runde. Damn, auf’m letzten Tag. Ich fühle mich einfach beschissen; alles in mir drin wehrt sich dagegen, meine Süße nach Hause fliegen zu lassen. Vielleicht sollte ich sie ja doch entführen, hmm? Und dann das Lösegeld einsacken, yummie ;-)

Na ja, wir reißen uns zusammen, und so um 1600Uhr sind wir auf dem Flughafen angekommen. Erst schieben wir eine Runde Panik, weil es einen Air France Flieger gibt, der in ein paar Minuten bereits abhebt. Aber dann Entwarnung, ist doch ein anderer, als der, den Nina nehmen will. Puh. Der Flughafen ist – wie alle Flughäfen es nun mal sind – stressig. Es gibt eine Menge Freaks und Fixer. Dazu benehmen sich die Sicherheitskräfte hier auch betont pissig. Mir reicht’s beinahe, als mich so ein Idiot zurecht weist, weil ich zwei Meter neben der vorgesehenen Warteschlange stehe, und ich würde gerne meine negativen Vibrations, die ich heute zweifelsohne habe, in Form eines gezielten Faustschlags kanalisieren. Aber ich bleibe lieb.

Wir haben noch etwas Zeit bis zum Abflug, und wir beschließen, dass wir gemeinsam für mich ein Hotel in Flughafennähe suchen, wo ich die Nacht verbringen kann. Wir suchen nicht lange und finden dann die „Tropical Gardens“. Gar nicht so schlecht; ist zwar kein Luxus Ressort, aber super günstig, super zentral und hat auch noch einen Strand sowie ein gar nicht so übel aussehendes Restaurant.

Also eingecheckt innen Laden. Wir gehen sogar nochmal kurz in den Atlantik zum Baden. Wir verbringen noch ein bisschen Zeit im Restaurant, knuddeln die Schnuffis, die in ständiger Angst vor den Stockhieben der Restaurantmitarbeiter hin und her flitzen.

Dann isses soweit, wir müssen zurück zum Flughafen. Nachdem Nina eingecheckt ist, wollen wir noch einen letzten Drink an der Flughafen-Bar nehmen, aber daraus wird nix. Die Bedienung übersieht uns, „klaut“ uns noch den Aschenbecher, und wir sitzen da. Das ganze Treiben hier auf dem Flughafen ist schon arg seltsam. Es gibt unglaublich viele Weiße hier, gemessen an den Relationen im Übrigen Land. Die meisten hängen an der Bar und trinken ihr Bierchen. Irgendwie fühle ich mich hier nicht wohl. Alles zwickt und ist unbehaglich. Die „Prozesse“ hier auf dem Flughafen sind auch mehr als merkwürdig. Statt einem „Last call for boarding“ läuft hier ein Typ durch alle Restaurants und fragt jeden Gast einzeln, ob er zu dem nächsten Flug gehöre und weist ihn dann darauf hin, dass er doch bitte boarden solle.

Ist ja auch wurscht. Wir bringen es hinter uns. Tapfer marschieren wir zur Sicherheitskontrolle vor den Gates. Und dann heißt es – mal wieder – Abschied nehmen. Es wird dadurch auch nicht leichter, wenn wir es oft üben. Ich bin ziemlich down und marschiere bedröppelt wieder zurück in Richtung meines Hotels.

Komm gut in Wien an, Nina. Ich liebe dich. Und ich vermisse dich – schon jetzt.


Auf dem Weg zu meiner Butze organisiere ich mir noch an einem Straßenimbiss eine absolut formidable Pizza. Scheint ein Libanese oder so zu sein, der hier eine offenbar gut florierende Mini-Pizzeria aufgemacht hat. Interessant. Und lecker!

In meiner Bude ziehe ich mir noch einen Film rein, um nicht zu schlecht drauf zu kommen. Ich bin wieder allein. Und es steht eine ziemlich harte Zeit bevor. Au Mann.

Meine Hände tun mir inzwischen vor den Dirt Roads, die hinter uns liegen, ordentlich weh. Nach dem Absteigen vom Bike muss ich erst mal eine Weile Handgymnastik machen, damit ich mir vernünftig eine Kippe drehen kann. Mal sehen, wie ich die nächsten Tage überstehe. Ich nehme mir vor, richtig „zu pushen“ und Kilometer zu machen. Allein schon, um die definitiv aufkommenden Gefühle der Einsamkeit und Sehnsucht zu unterdrücken.

1 Kommentar:

  1. Hi Rene, so ganz allein bist nun wirklich net ich lese jeden Tag deinen Blog und fühl mich so als ob ich dabei wäre. Liebe Grüße und weiter alles gute M.G

    AntwortenLöschen