Mittwoch, 16. Juni 2010

Tag 72 – Bienvenu a Mission Catholique St. Anne

Okay, der Oberbulle von der Kongolesischen Immigration in Matadi hatte tatsächlich Recht : es werden derzeit keine Visa mehr ausgestellt in dem Konsulat. Tolle Sache. Also bin ich am Montag nach dem enttäuschenden Besuch im Konsulat wieder zurück gefahren nach Kinshasa. 350 Kilometer. Härrlich. Ich bin sogleich zur Angolanischen Botschaft, aber es war schon Nachmittag und die Botschaft war geschlossen. Wunderbar. Das Hotel, welches ich mir für Kinshasa ausgeguckt hatte, wollte mich irgendwie nicht, und der Typ an der Rezeption meinte, das Hotel wäre schon voll. Aha.



Die Nacht im Guest House Hotel war dann äußert durchschnittlich, und ich hoffe, dass mein Aufenthalt hier so kurz wie möglich ist. Vom Guest House Hotel, welches sich in der Nähe einer Brauerei befindet (yummie!), nehme ich ein Taxi zur Botschaft und lerne dort Hans und Simon kennen, die mir den Tipp geben mit der Katholischen Mission St. Anne, wo sie auch schon seit ein paar Tagen abhängen und umsonst campen. Nach meinem erst mal erfolglosen Besuch bei der Botschaft an diesem Tag (ich brauche ein „Empfehlungsschreiben“ von der deutschen Botschaft, was ich aber erst morgen bekomme…) packe ich meine Sachen im Guest House und ziehe um.



Und Tatsache, den beiden scheint’s ganz gut zu gehen in dieser Mission. Es sieht alles sehr grün und friedlich aus. Und das Ganze inmitten der doch recht hektischen City von Kinshasa. Die Mission befindet sich ziemlich weit am östlichen Ende des Bezirks Gombe, der sozusagen Downtown von Kinshasa darstellt. Banken , Botschaften u.s.w. sind alle im Umkreis angesiedelt, die amerikanische Botschaft befindet sich sogar in direkter Nachbarschaft der Mission. Die Hauptverkehrsader, der Boulevard 30. Julie ist vielleicht 200 Meter von der Mission entfernt. Nicht schlecht, ich habe eine oasenartige Unterkunft gefunden und Kontakt zu zwei weiteren Overlandern, aber trotzdem gelingt es mir nicht, mich sonderlich darüber zu freuen.




  
Ich habe einfach diese negativen Vibrations. Ich kotze innerlich, dass ich überhaupt hier sein muss.    

Well, und die Geschichte, die ich von meinen beiden neuen Buddies erfahren habe, hat mich ziemlich umgehauen, und sie beschäftigt mich seitdem permanent. Simon hat einen Blog, auf dem er über Mikeys Tod geschrieben hat.

Ich kann meine eigenen Gefühle zu dieser Sache kaum beschreiben. Ich würde es am liebsten verdrängen und gar nicht zur Kenntnis nehmen. Auf der anderen Seite bin ich traurig und fassungslos über diese Tragödie. Und ich frage mich, wie ich in der Situation reagiert hätte. Ob ich weiter gefahren wäre. Ich glaube nicht. Ich bin mir sicher, dass ich nicht weiter gefahren wäre. Aber ich merke, wie mich diese Gedanken völlig runterziehen. Ich tue diesen Unfall als riesengroßen Scheiß ab. Einfach unglaublich krass und ätzend. Ich weiß, dass ich zu keinem Ergebnis komme, so sehr ich auch darüber nachdenke. Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl. Ein sehr ungutes.



Die erste Nacht auf dem Rasen vor dem Missionsgebäude wird eine Tortur. Ich habe mein Zelt aufgebaut, direkt neben denen von Hans und Simon, aber irgendwie halte ich es dann dort drinnen nicht aus. Zu eng, zu heiß, zu was-weiß-ich. Nach einer Weile begebe ich mich mit meiner Matratze nach draußen und lege mich auf die Wiese. Das ist schon mal wesentlich angenehmer. Aber trotzdem ich mich mit reichlich Anti-Mückenspray behandele, bekomme ich heute Nacht einmal zu spüren, was es heißt, sich mit diesen kleinen Viechern anzulegen. Ich wurde von unzählige Mückenstichen zerhackt, habe total beschissen geschlafen und wache am nächsten Morgen auf mit dem Gefühl, mich hätte soeben ein D-Zug überrollt.


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