Also es lässt sich durchaus aushalten in diesem Laden hier. Ich habe immer noch nicht gefragt, was das Zimmer eigentlich pro Nacht kostet. Bislang habe ich ja auch nur 1000 CFAs (also knapp eins fuffzig in Euronen) für 'ne Packung Marlboros ausgegeben. Der Rest wird immer schön auf die Gesamtrechnung getan. Einfach härrlich unbeschwert so ein Leben. Dazu bläst mir den ganzen Tag die Klimaanlage umme Ohren, so dass auch kein Perlchen Schweiß meinen geplagten Körper bedeckt. Korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab!
So richtig viel gelaufen ist heute natürlich nicht. Ok, ich hab's geschafft meine Wäsche zu waschen. Bravo! Mit dem Mopped habe ich leider etwas zu spät angefangen. Ich dachte, wenn ich so in die Dämmerung reinkomme mit meinen kleinen Reparaturarbeiten, dann passt das schon, wollte schließlich auch die Beleuchtung neu justieren und so weiter. Na ja, auf einmal war's gleich mal stockfinster und ich konnte gerade noch so die Schrauben zusammen lesen, inne große Tüte packen und die Frickelei auf morgen vormittag vertagen. Die janze LAMPF-Geschichte hat sich aber erst mal halbwegs geklärt. Nicht die Birnen waren das Problem - auch die allererste, die ich in Bayern rausgenommen hatte, funktioniert noch tadellos. Stattdessen hatte der Kabelstecker für die Glühbirne des Abblendlichts mächtig gelitten. Es sieht so aus als hätte eines der beiden Kabel ein Stück Isolierung verloren und dann eine Menge Hitze produziert. Dadurch ist der Plastik-Stecker ziemlich auseinander gebröselt und womöglich waren die Kontakte nicht mehr 100% intakt. Deshalb LAMPF, grumpf! Leider konnte ich aufgrund der verkanteten Plastikkrümel die Birne aus der Halterung nur mit einer Portion Gewalt rausbefördern, wobei etwas von der Halterung absplitterte und die Haltefeder in hohem Bogen davon sprang. Beim Versuch, Glühbirne, Kabelkontakte und Halterung wieder zusammen zu friemeln, habe ich blöderweise von meinem Kollegen, einem hilfsbereiten Typen der Hotel Security, der mir unbedingt helfen wollte und endlich mal die Schweinerei unter der Sitzbank beseitigt hat (was sich da im Laufe der letzten 10000 Kilometer für Dreck angesammelt hat - unglaublich....), bequatschen lassen, die Windschutzscheibe abzubauen, damit wir besser an die Beleuchtung kommen und den ganzen Kram zusammen zu kriegen. Ist natürlich Blödsinn, das muss so funktionieren, ohne von vorne ran zu gehen, aber die Sonne setzte mir ganz schön zu und nach weniger als einer halben Stunde war ich schon total schweißgebadet. Echt übel, wie einen so eine Klimaanlage 'versaut'. Na ja, nachdem ich die Windschutzscheibe ab hatte, konnte ich auch schon aufgrund der Dunkelheit einpacken. Wird eine schöne Sache morgen, das Ding wieder ran zu bekommen, waren einige unzugängliche Schrauben für zu lösen...
Die Nebelscheinwerfer werde ich mir bei der Gelegenheit auch vornehmen. Kann eigentlich nichts schlimmes sein, vielleicht ein Kontakt lose oder schlimmstenfalls (beide?) Birnen durch. Schau'n mer mal. Meinem Helm geht's mittlerweile auch wieder besser, wenngleich noch nicht von einer vollständigen Gesundung des Patienten geredet werden kann. Zumindest habe ich die abgebrochenen Schrauben aus den Gewinden bekommen. Hatte es erst mit einer Powerkleber-Mischung versucht, aber rohe Gewalt (mittels eines Cutter-Messers und Schraubenziehers) waren erfolgversprechender. Well, hab dann auch festgestellt, dass die erste Schraube, von der ich am Montag in Ouahigouya noch geglaubt hatte, ich hätte sie verloren, ebenfalls abgebrochen war. Toll, das ist dann schon etwas ärgerlich an diesem ansonsten echt tollen Shoei Hornet Helm. Diese Plastikschrauben waren dann ja mal der letzte Scheiß; die Köpfe der Schrauben hat's dahin gebröselt wie vergammelten Parmesan. Sollte so eigentlich nicht passieren... Prima Ballerina. Holy Macceroni.
Last but not least habe ich mir noch das kleine Soundsystem inside my head (bzw. innerhalb meines Helmes) vorgenommen. Wie vermutet, sind die Kabel schon einigermaßen mitgenommen und übertragen nur noch in einem ganz speziellen Krümmungswickel das Signal in der begehrten Stereo-Qualität. Vielleicht finde ich unterwegs noch jemanden, der mir das Kabel reparieren kann; einen neuen In-Helm Kopfhörer werde ich ja wohl nicht finden hier unten. Für's erste habe ich erstmal mit Gaffer-Tape versucht, das Kabel und auch die Kopfhörer selbst einigermaßen vernünftig zu fixieren. Mal sehen, ob das hält.
Okay, es gibt also morgen doch noch einiges zu tun, bevor es losgeht nach Niger. Den anstehenden Ölwechsel beim Mopped habe ich mir so ungefähr für Nigeria vorgenommen. Da sollte es Öl ohne Ende geben, aber wer weiß, wie sich der Streß der letzten Monate dort auf die Versorgungssituation ausgewirkt hat...
Es könnte also auch passieren, dass ich noch einen weiteren Tag hier in Quaga 'festsitze' und mich bei WiFi, Pool und Air Con herum quälen muss. Verdammt, die Welt ist zum Kotzen! Bei der Gelegenheit könnte ich mir eigentlich auch mal was von der Stadt ansehen, bislang habe ich meinen Arsch keine 50 Meter vor die Hoteltür bewegt. Aber man kann ja auch im Hotel wunderbar die Zeit rum bringen. Die Webcam-Session mit Nina eben war schon sehr cool, interessant, wie gut man dank der heutigen Technologie so miteinander kommunizieren kann ;-) Außerdem werd' ich mir wohl mal wieder 'nen schicken Film reinziehen; schließlich ist die ganze Festplatte voll und ich will ja mal 'fleissig' was abarbeiten...
Ach ja, mir sind noch ein paar Sachen vom Wochenende eingefallen, die ich ja nochmal nachschieben muss. Also, ich hab ja am Samstag die 10000 vollgemacht, also ich meine die Kilometer, nicht die Anzahl der getöteten Insekten, das dürften ein paar mehr sein mittlerweile... War auf der Strecke von Ségou nach Sévaré und ich habe anlässlich dieses feierlichen Moments natürlich erst mal eine Raucherpause eingelegt. Dabei habe ich mich dann gefragt, was hier eigentlich so toll oder besonderes dran sein soll. Immer diese Jubiläen. Der zehnmillionste Arbeitslose, die fünfzehnte Ablehnung der Bewerbung, die tausendste torlose Minute, die viermilliardenste Folge GZSZ... Ist doch alles Mumpitz und verändert gar nix. Ich habe aber mal meine Prognose für die Gesamtkilometerzahl auf dem Trip auf 40000 nach oben korrigiert. Ich glaube, dass ich damit hinkommen kann, weniger werden's aber wohl nicht werden, wenn ich die komplette Strecke zurück durch den Osten Afrikas auch noch mache.
Eine neue Herausforderung beim Motorradfahren hat sich übrigens auch noch ergeben. Mittlerweile fahre ich quasi einarmig. Abwechselnd der linke oder der rechte müssen immer herhalten zum Winken. Es ist echt verrückt, aber wahnsinnig viele 'normale' Leute auf der Straße, vor allem in dörflichen Gegenden (und Kinder sowieso), winken wie selbstverständlich, wenn ich an ihnen vorüber düse. Entweder verliere ich irgendwann die Lust, zurück zu winken, oder die Reaktionen der Bevölkerung ändern sich von alleine. Aber momentan bemühe ich mich noch, höflich zurück zu grüßen/winken. Hoffentlich gewöhne ich mich nicht zu sehr daran und werde nach meiner Rückkehr nach Deutschland nicht sauer sein, wenn ich bei einer Fahrt durch den Prenzlberg nicht wie ein Popstar begrüßt werde...
Ein erstes Hitzeopfer gibt es auch zu vermelden. Meine geliebte Paperdose, deren Lack ja schon vor zig Jahren abgeblättert war, verträgt offenbar den vielen Schweiß nicht, der sich bis an die Innentaschen meiner Motorradklamotten voran arbeitet. Das Ding ist inzwischen schon ordentlich angerostet (sic!) und guter/schneller Rat ist teuer, wie ich mein Schmuckstück vor dem Siechtum und sicherem Verfall beschützen kann. Help!
Von meinen Reise-Kollegen habe ich mittlerweile das ein oder andere Feedback bekommen. Didi ist mittlerweile in Tan-Tan angekommen und fährt wohl weiter runter die Route Richtung Senegal, die ich auch genommen habe. Aber bei ihm weiß man ja nie, vielleicht wählt er ja auch die kürzeste Route Luftlinie über Stock und Stein. Moso ist derweil mit dem LT wieder Richtung Heimat unterwegs.
Die beiden Deutschen, die ich vor Dakhla getroffen hatte, Marco und Dirk haben ihr Projekt Benin abgeschlossen und sind wieder daheim inner Heimat. Offenbar sind sie auch ganz froh drüber, wieder zu Hause zu sein und die Reiserei hinter sich zu haben.
Und auch die Hamburger, die ich vor Beni-Mellal in Marokko getroffen hatte, haben sich jemeldet. Ebenfalls mehr oder weniger heil in Deutschland angekommen. Es gab zwar noch einen kleineren Abflug, der ist aber recht glimpflich abgelaufen. Vielleicht sehen wir uns back in good old Germany? Wäre cool!
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