Nina ist sicher und wohlbehalten gelandet in Doula am Samstag. Nur war ich natuerlich nicht so puenktlich, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte. Ca. 90 Minuten durfte Nina in den haerrlichen Genuss der Services der vielen Fixer und Berater auf dem Flughafen von Doula kommen, bevor ich endlich angegurkt kam, um sie abzuholen. Hatte ja auch wieder eine lustige Anfahrt hingelegt. Natuerlich viel zu spaet aus dem Hilton in Yaounde losgefahren, aber wenn alles optimal gelaufen waere und ich gerast waere wie ein Henker, haette ich es sicher noch geschafft. Aber ich bin erst mal nicht mehr als 500 Meter in Yaounde voran gekommen bis zum ersten ungewollten Zwischenstopp. Hatte mir noch fein die Route bis Doula erklaeren lassen, aber auf dem ersten grossen Kreisverkehr dann der entscheidene Fehler. Statt wie alle anderen rechts auf den Kreisverkehr abzubiegen, bin ich dreisterweise einfach gerade aus gefahren. Es war zwar meiner Meinung nach nix ausgeschildert, dass dies verboten gewesen waere, aber es war ein entscheidener Fehler. Denn dies war die "Praesidentenstrasse". Offenbar darf die nur vom Praesidenten und seinem Tross passiert werden. Alles klar. Ein Bulle mit Trillerpfeife kontrolliert noch auf dem Kreisverkehr meine Personalien und dann geht's ab in die Polizeibutze zum Geld abdruecken. 25000 CFAs und eine Menge Zeit hat der Spass gekostet. Wunderbar.
Ziemlich geladen und genervt schwinge ich mich dann auf's Bike und geb Gummi. 100 Meter spaeter steht dann ein Taxi im Weg rum und ich muss auf die Bremse. Jut, kein Problem, aber der Vorderreifen schlittert bedenklich ueber den Asphalt. Au weia. Bremse losgelassen, nochmal gebremst, gleiches Verhalten. Ich komme geradeso noch zum Stehen, verliere aber die Balance, und kippe (mal wieder) auf die alte Aua-Seite nach rechts. Und das vor den Augen der versammelten Menge, die ich eigentlich mit meinem wuetenden Beschleunigungsversuch beeindrucken wollte. Peinlich, peinlich. Mit Hilfe richte ich das Bike wieder auf und brause endlich davon. Die energischen Hinweise der Menge nach "Motivation" oder "Taxi" (hiesige Begriffe fuer Baksheesh) ignoiere ich einfach mal, kein Bock mehr, hier laenger als noetig abzuhaengen... Mann, Mann, Mann. Die 200 Kilometer nach Doula war ich dann ganz schoen gehemmt und hab mich nicht wohl auf dem Mopped gefuehlt. In Doula verfahre ich mich dann nochmal, aber dann komme ich endlich kurz nach sechs auf dem Flughafen. Und schwupps sehe ich Nina. Endlich! Ein tolles Gefuehl, sie wieder in die Arme nehmen und kuessen zu koennen. Fantastico, ich bin echt gluecklich. Hoffentlich bringe ich sie noch heil ins naechste Hotel. bei meinen haeufigen 90 Grad Schraeglagen nach rechts in letzter Zeit habe ich schon ein bisschen das Vertrauen in meine Fahrkuenste verloren... Neben der Aktion in Nord-Kamerun, als ich nach dem Regenguss versucht hatte, wieder auf die Strasse zurueck zu kehren und der Sache in Yaounde nach der Praesidentenstrasse hab ich es am Tag darauf sogar geschafft, das Bike beim Schieben auf dem Hotel-Parkplatz auf die (selbstverstaendlich rechte) Seite zu kippen. Mann, Mann, Mann. Leichte Erschoepfungserscheinungen? Kann sein.
Auf jeden Fall haben wir noch auf dem Flughafengelaende bemerkt, dass die Luft aus dem Hinterreifen mit besorgniserregender Geschwindigkeit entweicht. Also noch langsam runter geschlichen zur naechsten Reifen-Service-Station und Luft drauf gejagt. Nachdem wir im zweiten Anlauf ein brauchbares Hotel gefunden hatten, war die Luft schon wieder runter, und die Aufgabe fuer den naechsten Tag klar: nochmal flicken oder jetzt mal wirklich wechseln. Das Hotel in der City von Doula war durchaus brauchbar, auch wenn es am naechsten Tag wieder mal Stress gab, beim Versuch, mit VISA zu zahlen. Es bleibt dabei, dass ich bislang in Afrika noch kein Hotel gefunden habe, welches VISA tatsaechlich akzeptiert. Na ja, egal. Auf jeden Fall habe ich noch einem ausgiebigen Fruehstueck am naechsten Morgen und unserer ersten gemeinsamen Nacht nach vielen Jahren (...) mein "Team" fuer die Reifenreparatur zusammen gestellt. Julian vom Hotel war "mein Mann". Und er war auch super cool und nett. Ich habe den Hinterreifen abmontiert, wir haben uns das Teil angeschaut, und es war klar: da muessen neue Pneus rauf! Es gab nicht ein Loch, es gab zig Loecher. Kleine Risse im Gummi, keine Ahnung, ob die von Steinen oder Dornen herruehren. Im Vorderreifen sah's auch nicht viel besser aus. Also beide Reifen runter, und die TKC80 rauf. Endlich. Habe ich ja mehr als 10000 Kilometer durch Afrika transportiert. Jetzt konnten sie mal zeigen, was sie drauf haben. Alles lief wie geschmiert. Nachdem ich einen Reifen abmontiert hatte, sind wir mit dem alten und den neuen Reifen per Taxi zur Servicestation gefahren, die auch am Sonntag auf hatte, und dort wurde der alte Pneu gegen den neuen innerhalb von 15 Minuten gewechselt. Die hatten ein ganz witziges System mit einer Presse, um den alten Gummi von der Felge zu loesen. Ging aber alles ganz einfach und nach ca. zwei Stunden stand meine feine GS mit niegelnagelneuen TKC80 im Innenhof des Hotels. Fein! Dann noch ein bissel Oel nachgefuellt, die letzten Milliliter aus meiner 1l 10W40 Nachfuellflasche aus Deutschland. Ich muss jetzt dringend mal den Oelwechsel machen, habe jetzt schon fast 15 Tausend Kilometer runter, normal sind 10000 bis zum Oelwechsel...
Von Doula sind wir gestern weiter gefahren nach Limbe, weil wir gehoert hatten, dass es dort tolle Straende gibt mit Beach Ressorts und den ganzen Kram. Leider habe ich eine Abbiegung uebersehen, und so sind wir 40 Kilometer mit wachsender Nervositaet (wann komm'n se denn, die tollen Straende?) in die falsche Richtung gefahren, nach Mbanga. Die Auskuenfte der befragten Einheimischen konnte man dann zu grossen Teilen auch in die Tonne treten. Auf jeden Fall haben wir es geschafft, auf die richtige Strasse nach Limbe zurueck zu kommen, aber es daemmerte traditionell mal wieder, als wir uns Richtung Limbe fortbewegten. Eine beeindruckende Situation war, als ich das erste Mal den Mount Cameroun war mir am Horizont gesehen habe. 4000 Meter geht das Ding praktisch direkt vom Meer in die Hoehe. Ein gewaltiger Koloss aus Stein und Erde. Woahnsinn.
Es war stockfinster als wir in Limbe ankamen. Eine uebermotivierte kleine Lady hat uns mehr in die Irre gefuehrt, als sie uns geholfen hat. Zur "Mile Eight", wo wir eigentlich hin wollten, sind wir deshalb nicht gekommen (zu weit, zu "gefaehrlich", dann noch die falsche Richtung angezeigt...). Deshalb sind wir in die Stadt gefahren und haben uns auf ihren Tipp hin in einem Hotel (Atlantic Beach Ressort) im Botanic Garden einquartiert. Okay, aber nicht ueberragend. Besonderes Feature: eine Bohrinsel (!!!) direkt vor dem Strand des Hotels (kein Witz!). Echt irre.
Heute sind wir weiter gefahren, haben uns wieder einmal verfahren beim Versuch, die "Mile Eight" bzw. ein Dorf namens Bakote zu finden. Haben es dann auch geschafft, aber so geil, wie es im Lonely Planet gepriesen wurde. Die Informationen aus ebenjenen scheinen auch aus den 70ern zu sein, das meisste ist nicht mehr aktuell.
Wir waren heute auf einem Spaziergang durch den Botanic Garden und sind dann in einem Hotel in Bakote unter gekommen. Wir haben uns aber entschieden, morgen in aller Fruehe aufzubrechen und nach Kribi weiter zu fahren. Da isse vielleicht doch ein bissel mehr so, wie wir uns Beach Ressorts und so was vorstellen. Der Strand hier ist ziemlich zugemuellt und einfach nicht einladend. Ausserdem sind die dunklen Straende in der Naehe von so einem Vulkan auch nicht jedermann's Sache... Und schwuel isses hier, oh mein Gott. Hab sowas, glaube ich, noch nicht erlebt. Es ist nicht mal sonderlich heiss oder so, aber die Suppe laueft mir vom Koerper und aus dem Gesicht, es ist der Hammer. Geschaetze 102% Luftfeuchte, wuerde ich sagen.
Aber mit Nina laesst sich sowas (genauso wie eine unterirdische Internet-Connection in dem Cafe, in dem wir hier gerade sitzen) problemlos aushalten. Ich bin einfach nur happy, dass sie bei mir ist. Maup!
Ah ja, hoffentlich faellt jetzt nicht wieder der Strom aus in der Butze hier, bevor ich auf den "Veroeffentlichen" Button geklickt habe... Es gibt noch ne Menge nachzutragen aus der letzten Zeit; ich weiss aber nicht, wann und wie ich das hinbekomme. Mit dem Internet hat es sich irgendwie erst mal erledigt hier unten.
Ich halte euch trotzdem so gut es geht auf dem Laufenden.
Bis denne, Servus und fiat di,
Rene und Nina.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Fein uffe Praesidialstreet abjewheelt, hehe.
AntwortenLöschenVolle Banane Outlaw style ;)
Viel Spass euch beiden!