Die Aussichten gestern früh in Zürich waren ja nicht besonders rosig. Es hat geschifft ohne Ende und war schön kalt. Da ich in den letzten Tagen schon ordentlich gefroren hatte, war ich nicht gerade motiviert bei solchen Bedingungen. Ich hatte auch den Wetterbericht gecheckt und irgendwas in der Schwyz um die 3-5 Grad gesehen, brrrr. Wie jesacht, wenn ich Anfang März oder gar im Februar losgefahren wäre, hätte ich wahrscheinlich ne elekritsche Heizdecke in die Motorradklamotten einbauen müssen.
Well, auf jeden Fall habe ich mich entschlossen, meine Regenklamotten rauszuholen und rüberzuziehen. War optisch auf jeden Fall der Burner.
Mit meinen Stiefeln muss ich mir auch noch was einfallen lassen. Die scheinen den Regen und die ständige Feuchtigkeit nicht so gut abzukönnen.
Nach dem ausgiebigen Starbucks-Käffchen am Vormittag, ging's dann um 12 los Richtung Dijon. Das Navi wollte mich über Basel, Mühlhausen, Belfort nach Besancon und Dijon lotsen, aber irgendwie hatte ich auf diese Strecke keinen Bock. Wäre praktisch nochmal so, als ob ich wieder zurückfahren würde. Ausserdem hatte ich noch genug Franken in der Tasche, die noch ausgegeben werden wollten. Hab mich dann entschieden, eine etwas südlichere Route zu wählen, erstmal Richtung Bern und dann ma gucken, was das Navi so vorschlägt. Das war ne sehr geile Entscheidung. Das Wetter um Zürich herum war noch ziemlich beschissen. 4 Grad und Graupelschauer. Richtung Bern wurde es dann aber immer besser, und auf den Schwyzer Autobahnen fliesst der Verkehr auch deutlich besser als in Deutscheland, trotz oder vielleicht auch gerade wegen des Geschwindigkeitlimits. Ach ja, mir ist noch eingefallen, dass ich in Zürich auch mal Prafull hätte kontaktieren können. Meinen Kollegen von Accenture, mit dem ich zusammen damals an der TU studiert hatte und der inzwischen richtig Karriere gemacht hat bei Accenture. Er war eine ganze Weile früher fertig mit der Uni und ist inzwischen bei Accenture Senior Manager, während ich noch als Consultant rumkrebse. Wäre bestimmt lustig gewesen, sich auf diese Weise mal wiederzusehen; wir hatten uns die letzten Jahre ganz schön aus den Augen verloren. Aber jut, nu is auch schon wieder zu spät. Hab dann noch versucht, Pummel und Zappa zu erreichen, die irgendwo in der Nähe von Bern abhängen, aber ich konnte bei Pummels Schwyzer Handy auch nur die Mailbox erreichen. Keine Ahnung, was die Jungs mit ihren Handies machen, aber weder Schwandti, noch den Langen und auch nicht Pummel konnte ich erreichen. Verflixt nochmal. Aber juti, muss ja sowieso weiter.
Also ging's ab auf der Autobahn durch's Berner Land Richtung französische Schweiz über Rothrist und Solothurn nach Biel, unweit von Neuchatel. Dann runter vonner Autobahn und durch die Jura-Höhenzüge und so noch ein bissel was von den Alpen mitbekommen. Einfach härrlich, die mit Abstand schönste Teilstrecke bisher mit dem Mopped. Schöne langgezogene mittelschnelle Kurven. Hübsche Berge links und rechts, einfach ne tolle Landschaft. So macht Motorradfahren natürlich Spaß! Das muss ich irgendwann auf jeden Fall auch nochmal machen, eine Tour durch die Alpen. Vielleicht klappt das ja eines Tages mit Papa und Dirk, wie wir es schon mal geplant hatten (mit den Oldtimern).
Auf 'ner Tanke habe ich dann erfahren, dass ich wohl doch eine Vignette gebraucht hätte für die Schwyz, worauf ich aber mal verzichtet habe. Ist auch nix weiter passiert und ich habe mir diesen Posten budgetfreundlich eingespart. (Diese Taktik sollte sich später am Tag noch als nicht so hilfreich herausstellen, aber juti...)
Geflashed von der tollen Umgebung habe ich dann noch meinen MP3 Player aktiviert und die In-Helm Kopfhörer mit den Klettverschlüssen vernünftig angebracht und weiter ging's mit Weidner, Rammstein und den Hosen Richtung France. Einfach ne jeile Jeschichte!
In Biel ging's runter von der Autobahn und weiter Richtung französische Grenze nach La Chaux de Fonds und schliesslich rüber nach France bei Le Locle. Auf der Landstraße bis nach Besancon, wobei ich kurz vor Besancon den bisherigen Temperaturrekord erreicht habe: 1 Grad und Schneeregen. Unglaublich, gel? ABER: meine Taktik mit den Regenklamotten von heute morgen hat sich absolut ausgezahlt. Nicht nur der Schutz gegen die Nässe, v.a. auch die zuzätzliche Windbarriere war Gold wert. Ich hab überhaupt nicht gefroren und die ganze Tour fühlte sich an wie eine Spazierfahrt. Prima Ballerina!
In Besancon ging's dann auf die französische Autobahn, noch knapp 100 Kilometer bis Dijon. Motiviert durch die Einsparungen mit der Schwyzer Vignette und den Erfahrungen letztes Jahr auf der Insel (wo Biker an den Maut-Stationen einfach durchgewunken wurden), bin ich bei der Peage einfach mal an der Schranke vorbei gefahren und Richtung Dijon weitergedüst. Well, an der Station bei Dijon, wo es dann runter ging von der Autobahn, kamn dann das böse Erwachen. 24,30€ weil ich kein Ticket dabei hatte. Hab wenigstens ein bisschen an meinem Französisch gefeilt und mit dem netten Herrn hinter dem Schalter diskutiert, hat aber nix gebracht. Einen kurzen Moment hatte ich sogar überlegt, einfach abzuhauen und mit dem Mopped an der Schranke vorbeizufahren, war aber wohl besser so, (noch) nicht illegale Aktionen zu starten. Also die Euronen gelöhnt und als Erfahrung abgebucht. Werde wohl künftig doch die Peage-Stationen beachten.
Um halb sieben am Abend war ich dann schliesslich in Chenove in der Nähe von Dijon in der 22 Rue de Moulin Bernard. Martina war gerade beim Bahnhof, Dom abholen, der gerade von seiner Drei-Tagesschicht aus London heimkam. So hatte ich noch etwas Zeit, meine Sachen zu sortieren, bevor es losging mit dem Abendessen. Es gab einiges zu erzählen und der kleine Lelio hat natürlich auch einige Action gemacht.
Lelio hat auf jeden Fall sehr schnell Interesse am Mopped gefunden. Ich finde, er sollte eine Karriere im Mini-Cross oder so anstreben. Macht eine sehr gute Figur auf der GS!
Wunderbar natürlich auch Dom's Sammlung an internationalen Polizeimützen. English, Belge, France, Aleman. Mann-Mann-Mann.
Ih-Ah! Macht ja auch Laune, einen dicken Menschen zu reiten, auch wenn der nicht so abgeht, wie die GS.
Hmm, lecker, was zu futtern. Lecker Raclette gab's und danach war ich sooo müde und froh über meine Schlafcouch.
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