Na jut, wir bleiben ja noch 'ne Nacht und vielleicht gewöhnen wir uns noch besser dran. Nina gefällt's glaube ich sowieso ganz gut, sie sitzt gerade inner Badewanne und kärchert die Verschmutzungen von gestern ab, während ich mal wieder die Gunst der Stunde nutze und wie wild in die Tastatur meines Netbooks hacke. 22€ kostet mich der WiFi Zugang für 24h. Coole Jeschichte diese abartigen und vollkommen sinnfreien Preise. Das Parkhaus für mein Mopped hätte mit 36 Ois pro Nacht zu Buche geschlagen. Hab mich dann schweren Herzens entschieden, darauf zu verzichten und das erste Mal auf dem Trip mein Hochsicherheitsschloss (???) von ABUS zu verwenden. Hatte mich ja auch eine ganze Stange Kohle gekostet bei Polo; jetzt kann es mal zeigen, was es drauf hat. Die erste Nacht hat es auf jeden Fall schon mal überstanden ;-)
Die letzten beiden Tage waren eine echt jeile Tour de France von Aix über Marseille, Salon, Arles, Montpellier, Beziers, Narbonne rein nach Katalonien (Perpignan in France und dann Girona und Barcelona in Espana). Ich hatte mich ja entschieden, auf Autobahnen zu verzichten und so sind wir schöne Landstraßen entlang Richtung Süden gedüst.
Nina hatte noch in Aix das Nähen für sich entdeckt, als Art meditativen Chillout-Skill. Manchmal muss sie ja schon ne ganze Weile auf mich warten, bis ich mit meiner Bloggerei und Organisiererei so fertig bin. Sie ist inzwischen die Ruhe in Person und strahlt so eine innere Gelassenheit und Balanciertheit aus. Bewunderswert!
Auf den vielen Kilometern, die wir inzwischen gemeinsam gefahren sind, haben wir uns auch noch besser kennengelernt. Analog zu den Pokemons verfügen wir ebenfalls über bestimmte Spezialkräfte, die sich uns in den letzten Tagen offenbart haben. Während es Ninas besondere Stärke ist, Gefahren abzuwenden, zeichne ich mich dadurch aus, gut organisieren zu können und darüber hinaus während des Rauchens alle möglichen anderen Dinge zu tun, wie Sachen zu tragen etc.
Na gut, also unsere erste Station nach Aix war der Hafen von Marseille. Sehr schöne Gegend, genauso wie wir es uns vorgestellt hatten.
Was für ein natürliches Lächeln, toll ne? Inspiriert durch diese geballte Ladung France haben wir gleich mal ein Bewerbungsvideo von Nina aufgenommen, womit sie sicherlich den Durchbruch bei DSDS schaffen wird. Das Casting und der Recall sollten mit Ninas Version der Marseillaise eine reine Formsache sein. Leider kann ich das Video nicht online stellen, deshalb hier mal eine etwas laienhaftere Version zum Auschecken.
Dass Marseille in der Provence liegt, war mir ja noch klar. Dass es auch noch andere Landesteile in Fronnkreich liegen ausser der Provence, wusste ich dann schon nicht mehr. Selbst als wir schon längst die Provence verlassen hatten, fühlte ich mich dort immer noch sehr wohl und erfreute mich der grandiosen Landschaft. Nina hatte es leider nicht leicht mit mir an diesem Tag.
Ich war irgendwie ungeduldig und bin ganz schön langgerast. So habe ich auch nicht sehr viel mitbekommen von der schönen Gegend. Die Pferdchen und die Flamingos in der Camargue eingeschlossen. Na ja, schön war's trotzdem! Am nächsten Tag habe ich meinen Speed dann der Ruhe und Gelassenheit der Provence (!) angepasst und hab's gemütlicher angegangen. Ausserdem haben wir mit Nina eine Sprache entwickelt, mit der sich Fahrer und Sozius während der Fahrt verständigen können: Soziusisch. Damit kann dann der Sozius einfache Kommandos an das Pferdchen weitergeben wie "Mach ma langsam, Brauner" oder "Gib Gas, Alder" oder "Ick muss ma dringend anhalten anner nächsten Tanke" etc.
Gepennt haben wir in dieser Nacht in einem Hotel an der D161 zwischen Montpellier und Beziers kurz hinter Mèze und vor Montagnac. Unser Hotelzimmer hat mich sehr an den Red Room aus Twin Peaks erinnert. Schön eingerichtet und seeehr stilvoll und natürlich alles in Rot! Da es nix mehr zu futtern gab, in diesem Etablissement und wir die einzigen Gäste zu sein schienen, sind wir am Abend nochmal mit dem Mopped nach Mèze gefahren, um uns am Hafen in einer schnieken Pizzeria zu mästen. Härrlich! Und ein sehr putziger romantischer Hafen, ach ja.
WiFi war gratis in diesem Etablissement und der besorgte und putzige Hotelier hat - ohne genau zu wissen, was man mit diesem WiFi-Zeugs so anfangen kann - erfreut zur Kenntnis genommen, dass es wohl gut funktioniert bei mir.
Was aussah, wie der Hund von Baskerville, entpuppte sich dann noch als ein besonders knuddeliges Exemplar von Schosshündchen: Hugo, der Mann im Hause des Hoteliers. Ein sehr putziges Hündchen, von dem wir uns nur sehr schwer trennen konnten.
Abschied ist ein scharfes Schwert, aber irgendwann muss man auch mal Adieu sagen und so ging's weiter Richtung Süden.
Auf dem Weg Richtung Perpignan sind wir dann auch durch Sigean gekommen und da musste ich ernüchtert feststellen, dass meine Afrika-Reise an Sinnfreiheit kaum zu überbieten ist. Der moderne Europäer begibt sich nicht nach Afrika, um so eine läppische Safari zu machen, sondern fährt am Ostersonntag mit der Familie im Schlepptau innen eigens dafür angelegten Safari Park umme Ecke. Da gibt's alles zu gucken, wonach man in Afrika elend lange suchen muss. Mann, Mann, die Reise öffnet mir echt die Augen.
Sogar diesen komischen Vogel aus'm Berliner Zoo haben wir hier wiedergesehen.
In Perpignan dann erstmal Essen fassen. Strengt ja auch an, so eine Safari...
Vor allem die Schokokekse sind soooo unglaublich lecker!
Und mit vollem Bauch und dann noch in der Provence (!) lässt es sich am besten Kuscheln!
Nu, aba loss! Noch 'nen Zwischenstopp in Collioure gemacht, hatte mir Carmé ja empfohlen, und es hat sich gelohnt. Tolles Örtchen, mit ner schönen Klagemauer am Strand! Unser letzter Zwischenstopp in good old France!
Nach einigen wilden Kurven in den Pyrenäen waren wir auch schon in Catalunia, wunderbar. Weil's spät war und ich keinen Bock mehr hatte, mit 60 hinter irgendwelchen extrem Gechillten hinterher zu gurken, habe ich meinen Vorsatz über Bord geworfen und bin die letzten 150Km bis Barcelona auf der Autobahn dahingefegt. Yippie!
Um neun waren wir dann eingecheckt und haben wie zwei neugierige Bebenis die Facilities des Hotels ausgecheckt. Ausserdem habe ich mir das Mopped mal genauer angeschaut. Zweieinhalb Tausend Kilometer war'n es bisher. Schon ein Stücken. Öl muss ich jetzt das erste Mal nachfüllen, so 300-400 ml. Mehr Sorgen machen mir die Reifen. Denen kann man mittlerweile schon deutlich die langen Touren auf den Autobahnen ansehen. Der Hinterreifen ist richtig schön kantig geworden, ausserdem ist das Profil auch ordentlich runter. Ich denke, ich werde mir die TKC80 von Conti noch in Spanien draufziehen, zumindest für den Hinterreifen... Oda wat meinst du, Papa?
Für heute steht erstmal Sightseeing auf dem Programm. Montjuic, Sagrada Familia und was es sonst noch zu sehen gibt in Barcelona. Wahrscheinlich erst morgen werde ich mal zu Enrique und Maria fahren und in El Masno vorbeischauen. Hab mir gestern noch von Dirk die Telefonnummer besorgt. Ma gucken, wie es den beiden Kleinen Kinners von Enrique Junior und Laura geht und ob sie genauso viel Lust auf Moppeds haben wie Lelio.
Na ja, und ganz vielleicht, ich meine, eventuell, kann ich ja Nina noch dazu überreden, unseren letzten gemeinsamen Abend in Barcelona im Camp Nou zu verbringen. Heute spielt Barca daheim gegen Arsenal, das Rückspiel des CL-Viertelfinals. Bestimmt 'ne aufregende Geschichte. Vielleicht macht Messi ja wieder 'nen Dreier, aber Arsenal gewinnt dann trotzdem 4:3. Hmmm...


Hallo Rene, hier ist dein Cousine Anja & family. Vati hat mir deine Email nebst Link geschickt und heute hatte ich mal bei dir bzw. deinem Tagebuch reingeschaut. Aufregende Sache mit deiner Reise.... ich wünsche dir viel Glück und Spaß auf deiner tour;-)
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