Bueno, hab's mir gerade wieder einmal bei Los Mekkos Donaldos bequem gemacht mit meinem Netbook und werd mir in der nächsten Stunde mal so richtig die Seele aus dem Leib bloggen! Bin gerade noch rechtzeitig gekommen, um die letzten Minuten der Livekonferenz der deutschen Bundesliga zu hören. Für Hertha sieht's ja nicht so rosig aus, liegen 0:1 zu Hause zurück gegen Stuttgart...
Die letzten Tagen waren echt voller Action und ich bin gerade ziemlich erledigt. Es kommt mir fast wie ne Ewigkeit vor, als ich Nina in Barcelona zum Flughafen gebracht habe und meine Süße nach Wien zurückgeflogen ist. Die Anstrengungen bislang waren auf jeden Fall ausschliesslich kopfmässig. Ich muss mich die ganze Zeit ziemlich konzentrieren und 'ne Menge im Kopf behalten. Ist für jemanden, der gerne alles aufschreibt und die ToDos auf verschiedenen Notizzetteln hin und herschiebt, garnicht so leicht. Körperlich empfinde ich die bisherige Tour eher als Spazierfahrt. Das Moppedfahren ist überhaupt nicht anstrengend bisland. Das wird sich aber sicher bald ändern, sobald ich in Afrika rumkurve. Dann isses für Körper UND Geist ne rischtije Herausforderung. Oh well. Mein Respekt für die ganze Operation ist auf jeden Fall gewaltig gestiegen in den letzten Tagen, v.a. seitdem ich Didi kennengelernt habe, einen erfahrenen Traveller, der schon so manche Geschichte aus dem Ärmel geschüttelt hat und natürlich auch die eine oder andere Anekdote über Dinge, die da so passieren können... Man könnte auch sagen, ich hab die Hosen gestrichen voll; so schlimm isses aber auch noch nicht. Ich merke halt im Moment, dass ich auf der letzten Station in Europa nochmal alles mögliche durchgehe und versuche, möglichst gut vorbereitet rüber zu gehen über den 'großen Teich' bzw. die 'kleine Straße von Jebraltah'.
Also, ich befinde mich gerade in Malaga und war hier heute den ganzen Tag unterwegs mit diversen Besorgungen und Organisations-Zeugs. Didi und Moso sind bereits zum Campingplatz etwas östlich von Malaga vorgefahren, wo ich heute Abend auch noch hin will.
Aber jut, machen wir mal alles schön der Reihe nach.Gestern stand die bislang längste Etappe auf dem Programm, ca. 600 Kilometer aus l'Alcúdia nach Malaga. Ich bin am späten Vormittag los aus l'Alcúdia und sollte am Abend noch sehnsuchtsvoll an das feine 3-Sterne-Hotel zurückdenken, in dem ich die Nacht zuvor übernachtete. Die Kilometer Richtung Malaga haben sich locker abgespult. Mittlerweile merke ich auch etwas von einer Art Frühling, der in den letzten Wochen ja mal eine ordentliche Auszeit genommen hatte. 15-20 Grad, sonniges Wetter und klare Sicht. Dazu noch fast leere Autobahnen und die gewohnt gute Qualität der spanischen Straßen. Finde ich sowieso bemerkenswert, dass die Spanier (und auch Franzosen) ihre Straßen deutlich besser in Schuss halten (können), als Los Alemanos. Aber egal, auf jeden Fall ging's super voran und ich bin mit zwei Pausen ausgekommen, in denen ich hauptsächlich versucht hab, was gegen die Müdigkeit zu unterhmen (Cola, Kippe, Kaffee, noch ne Cola, und noch 'n paar Kippen)... Naja, fühle mich oft müde und führe das auf den vielen Input zurück, den mein Spatzenhirn zu verarbeiten hat. Ausserdem ist die Landschaft in Südspanien nach einer Weile - nun ja - etwas eintönig. Hügel, Olive, karge Ebene, nochmal 'n Hügel u.s.w. Aber dit Eis ist auf jeden Fall nicht zu verachten!
Gefahren bin ich die Strecke von l'Alcúdia an Alicante vorbei nach Murcia über Totana, Lorca, Velez-Rubio, Cullar und Baza. Mittlerweile hatte sich die Landschaft schon etwas gewandet und die wunderschöne Gebirgskette der Sierra Nevada hatte sich am Horizont aufgebaut. Ich hatte am ersten Stopp meine Kopfhörer-Konstruktion unter'm Helm optimiert, so dass ich mittlweile mit Volldampf meine Mucke geniessen konnte und mich so auch ein bisschen munter hielt. Es lief gerade Rammsteins "Feuer Frei" mit einem deftigen "Bang Bang" als ich ungefähr bei Guadix einen Amigo mit Camping-Anhänger überholte. Wahrscheinlich hat er auch gerade das fantastische Panorama der Sierra Nevada genossen, als sich der linke Hinterreifen seines Campinganhängers verselbständigte und nach einem kurzen Hin- und Hergeeiere in tausernd Fetzen flog. "Bang Bang", kawumm! Hab sowas noch nie aus der Nähe gesehen, so auf jeden Fall nicht gut aus. Ich hatte mitbekommen, dass mich ein (kleines) Teil am rechten Handprotektor getroffen hat, sonst ist bei mir aber nix passiert. Die Situation war auch so schnell wieder vorbei. Bevor ich's richtig realisiert hatte, hab ich's auch schon fast wieder vergessen und bin weitergefahren. Hab dann natürlich an der nächsten Tanke gehalten und geschaut, ob was beschädigt ist.
Bis auf eine Mini-Schramme am rechten Handprotektor war aber nix zu sehen. Puh, hätte wahrscheinlich auch anders ausgehen können...
Also nochmal schön auf die Sierra Nevada geguckt - isse nicht schön?
Und dann hab ich gemerkt, dass der Frühling tatsächlich da ist. Nachdem es lange Zeit richtig ruhig war, hatte ich allein an diesem Tag ganze Populationen an Fliegen und sonstigem Geschmeiß dahin gemetzelt - und das als überzeugter Veggie... Buen appetito!
Plan war ja, noch den anstehenden Reifenwechsel in Malaga durchzuziehen, also hatte ich keine Zeit zu verlieren und musste weiter vorbei an Granada und der Alhambra - die ich keines Blickes würdigen konnte - nach Malaga. Gerade die letzten 20-25 Kilometer von Norden kommend nach Malaga sind echt dufte. Es geht permanent bergab, es gibt schöne Kurven und ne tolle Landschaft. Was mir natürlich jetzt schon klar ist: egal, wieviel Zeit ich hätte, es ist immer zu kurz. Auf meinem Trip bis Südafrika wird's noch 'ne ganze Menge Sachen geben, die ich links oder rechts liegen lassen muss, um es rechtzeitig zur WM zu schaffen. Ist natürlich schade, aber okay, c'est la vie. Ein halbes Jahr ist ja schon mal nicht schlecht für den Anfang, gel?
Um sechs war ich dann ungefähr in Malaga und hab den ersten Reifenladen angesteuert, den ich zuvor recherchiert hatte. Genau wie der andere Laden, auf dessen Webseite ich (noch von l'Alcúdia aus) unterwegs war, gab es keine TKC80 von Continental, die Stollenreifen, die ich mir eigentlich für Afrika vorgestellt hatte. Geplant hatte ich mittlerweile, dass ich mit dem Vorderreifen versuche durchzufahren bis Namibia und den Hinterreifen wechseln lasse (wobei ich den alten Britschi-Reifen als Ersatzrad mitnehmen würde). Okay, da es keine TKC80 gab, hab ich mich für den Tourance von Metzelder entschieden. Er ist etwas stärker profiliert als der Bridgestone Trail Wing, den ich bislang drauf hatte, aber nicht annähernd so stark wie der TKC80. Es ist so oder so eine echt schwierige Entscheidung mit den Reifen. Ich gehe davon aus, dass ich weite Teile der Strecke auf "normalen" Teerstraßen fahren werde, nur hin und wieder mal durch ne Offroad-Piste. Also liegt der Schwerpunkt nicht auf Dünen, Sandpisten u.s.w. Vielleicht wird der Tourance ein guter Kompromiss sein, die Wahrheit erfahre ich dann sowieso erst vor Ort.
War auf jeden Fall ein ergreifender Moment, der erste Reifenwechsel bei meiner kleinen schwarzen Schönheit. 18000 hatte der alte Hinterreifen mittlerweile auf dem Buckel. Der Vorderreifen hat genausoviel, zeigt aber noch keine wirklichen Verschleisserscheinungen...
So, jetzt noch den alten Brückenstein verzurrt und ab ging's...
... wieder Richtung Granada. Ich hatte inzwischen wieder Kontakt mit Moso und Didi und sie hatten für den Abend eine coole Location zum Campen etwas nördlich von Malaga gefunden. Sie haben mir die GPS-Daten geschickt, also bin ich hin. Hat ein bisschen gedauert, bis ich es gefunden hab', weil' eben nicht per normaler Straße zugänglich war sondern ne Offroad-Location.
Ist schon ein verrückter Kerl, der Didi. Wir hatten schon einiges zu erzählen über die letzten Tage und ich musste spätestens jetzt offenbaren, was der wahre Grund für die Havarie bei Valencia war... Wir hatten uns gleich etwas festgequatscht, weshalb ich den Zeitpunkt verpasst hab, mein Zelt wenigstens noch zum Teil im Hellen aufzubauen. Ist halt immer wieder das Größte, wenn man ein neues Zelt im Dunkeln das erste Mal so richtig 'kennenlernt'. Hat natürlich 'ne Ewigkeit gedauert, bis ich das Teil fertig hatte und es so auch nicht gerade toll aus. Aber egal, zum Pennen hat es ausgereicht, den nächsten Aufbau mache ich, wenn die Sonne scheint. In meiner ersten Nacht im Zelt habe ich leider auch merken müssen, dass die "Mehr Mut zum Schmutz" - Strategie einige signifikante Nachteile mit sich bringt. Der Gestank meiner Socken war nicht zu ertragen. Nur dank meiner enormen Müdigkeit und m.H. schöner Einschlafmusik bin ich dann doch zufrieden eingeschlummert.
Nach 'ner ziemlich frostigen Nacht habe ich am nächsten Morgen erstmal gemerkt, was für ein schönes Plätzchen Didi, die alte Spürnase, für uns ausgeguckt hatte. Nicht weit von der Autobahn, trotzdem total abgelegen, an 'nem kleinen Bach gelegen. Wunderbar. Der kleine Bach trägt übrigens den imposanten Namen Rio Guadalmedina und man kommt auf der Autobahn an mindestens 150 Schildern vorbei, die auf diesen gigantischen Strom hinweisen, weil er sich immer wieder unter der Autobahn hin und her schlängelt..
So sieht's übrigens aus, wenn Didi das Lagerfreuer auspinkelt.
Beim Frühstücksfeuerchen habe ich noch so einige Anekdoten von Didi erfahren von seinen Trips in Afrika, Asien, Südamerika. Echt irre. Ausserdem hat er sich mal mein Mopped angesehen und die Aussage vom Reifenmann gestern bestätigt: die Hinterbremse ist total durch. Keine Ahnung warum. Ich benutze diese Bremse definitiv nur beim Extrem-Schleichen, also im Stadtverkehr, wenn ich versuche, langsamer als Schritt zu fahren. Na ja, egal, muss ausgetauscht werden das Teil. Ausserdem hat er mich nochmal beim Thema Reifen sensibilisiert. Die Idee, ohne Ersatz-Vorderreifen und im Prinzip nur mit Straßenreifen bis nach Südafrika zu gurken, ist vielleicht doch etwas sehr risikofreudig. Didi hatten es auf vergangenen Trips besonders die lieblichen Akaziendornen angetan, die so manchen Reifen in das Reifen-Nirwana befördert haben. Am Anfang kann man noch flicken, am Ende hilft nur noch fluchen. Well, mit ner Menge Kopfweh hab ich mich erstmal von den beiden verabschiedet und bin auf Tour gegangen durch Malaga. Wir sehen uns heute Abend wieder auf 'nem offiziellen Campingplatz östlich von Malaga, wo ich gleich hinfahren werde. Mittlerweile dürfte Didi's "Schnecke" ebenfalls vor Ort sein. Sie begleitet Moso und Didi bis Südmarokko, während in Marrakesch nochmal ein paar Damen zu dem Trio dazu kommen...
Meine Einkaufstour in Malaga hat dann ganz gut funktioniert. Erstmal die Bremsbeläge hinten tauschen lassen, bei Navarra Hermanos.
Als ich - ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, sie noch zu Gesicht zu bekommen - im vierten und letzten Reifenladen, den ich angefahren bin, endlich meine geliebten TKC80 fand, stockte mir das Herz und eine innere Stimme sprach zu mir "Schiss der Hund druff!" und so kaufte ich einen kompletten Satz und schnallte ihn auf meine GS, sozusagen als Ersatzreifen für Afrika. Wenn's wirklich sandig und ungemütlich für mich wird, kann ich sie draufziehen und auf dem Sand surfen. Vielleicht funktioniert's ja auch mit dem aktuellen Satz, dem Metzelder Tourance hinten und dem Bridgestone Trail Wing vorne. Aber so mit dieser Option im Gepäck fühle ich mich doch wesentlich sicherer. Den alten Britschi, den ich eigentlich als Ersatz mit nehmen wollte, werden wir wohl heute Abend auf dem Campingsplatz als Schwimmreifen benutzen. Dafür genügt das Profil in jedem Fall noch.
In diesem Haufen muss er doch irgendwo stecken...
Voila!
Mittlerweile bin ich ja ein wahrer Meister der Zurrkunst und so ging es auch zack zack, die beiden Pneus auf dem Mopped zu vergurten. Sowas wie auf der Avus soll mir nicht nochmal passieren...
Dann habe ich mich noch bei meinem Mopped revanchiert bzw. für die Schmach der Diesel-Betankung und meinen nachträglichen Zweifeln an der Elektronik entschuldigt. Nach einem ausgiebigen Aufenthalt in der Waschanlage sind wir wieder quitt. Eigentlich wollte ich sie ja bis Südafrika ungeputzt durchprügeln. Bevor wir zu den Marokkanischen Langfingern rüberfahren, soll sie aber nochmal im schönsten Licht erstrahlen! Härrlich!
Letzter Punkt auf der Agenda war dann noch das Fährticket. Ich musste mich entscheiden, wie und wann ich jetzt genau fahre. Der ursprüngliche Plan war ja, schon heute rüberzugurken. Das war aber zeitlich nicht zu schaffen und ausserdem wär's bestimmt 'ne Katastrophe geworden, wenn ich am 13. Tag des Trips mit 'nem Boot gefahren wäre... Egal, ich hatte mich gedanklich eigentlich schon dafür entschieden, morgen, also am Sonntag, mit Moso, Didi und seiner Freundin gemeinsam um 11Uhr abends von Malaga nach Melilla rüberzufahren. Dann hätten sich unsere Wege erst in Marokko getrennt und ich hätte morgen noch den Tag über Zeit gehabt zum Chillen. Leider habe ich aber kein Ticket mehr für diese Fähre bekommen. War sowieso super schwierig, einen Laden zu finden in der Stadt, der Tickets verkauft. Hätte ich wohl besser schon unterwegs an irgendeiner Autobahn-Raststätte machen sollen. Musste letztlich zum Corte Inglès, und dort inne fünfte Etage... Aber ejal, ich hab' jetzt auf jeden Fall die Fähre von Algeciras nach Ceuta gebucht für morgen 1230Uhr. Eine Stunde vorher muss ich an der Fähre sein. Bin dann so um 1400Uhr in Ceuta und von dort aus geht's über den spanisch-marokkanischen Grenzübergang, und dann bin ich in Land Numero Cinquo.
Jetzte geht's aber erstmal zum Campingplatz. Werden noch ein bissel gemütlich zusammensitzen. Es gibt Spaghetti, wenn sich die Pläne nicht geändert haben. Yummie, ick komme!
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War nett und interessant zu lesen. Habe den Bericht durch Zufall gefunden, als ich nach "Malaga" usw.. surfte.
AntwortenLöschen(Weiterhin) glückliche Reise und komm gut zurück!