erster Wasserstandsbericht von auffer Tour. Bin gerade in irgend so einem bayerischen Nest, Laimering oder so, und hab mich eben aus dem Bett gehievt. Weiß auch nicht, warum ich immer so müde bin, aber ich muss mich wahrscheinlich auch erstmal an den Rhythmus gewöhnen...
Well, wat is denn so passiert bislang?
Also, am Montag ging's spät los - ziemlich unorthodox für eine Fahrt nach Afrika, im Dunkeln aufzubrechen, aber okay, ich wollte wohl die psychologische Hürde Abschied/Aufbruch u.s.w. endlich hinter mich bringen. Hatte mit Stempi telefoniert und mich eigentlich für acht Uhr bei ihm angemeldet. Sind dann einige Stunden später geworden. Auf der Avus - noch in Berlin - dann der erste Aufreger. Habe einen leichten Peitschenschlag auf der linken Schulter gespürt und nach dem ersten Anflug leichter sexueller Erregung dann doch etwas Panik bekommen, was das wohl gewesen sein konnte. Auf dem Parkplatz konnte ich mich dann davon überzeugen, dass das Verzurren von Gepäck auf dem Mopped doch nicht ganz trivial ist. Weiß nicht genau, ob jetzt die scharfe Kante, die Hitze vom Auspuff oder nur die Altersschwäche des Gummis ausschlaggebend waren, auf jeden Fall ist der erste meiner drei Zurrgummis schon mal Geschichte.
Okay, immer wachsam sein, heisst das wohl. Well, auf dem Parkplatz hab ich dann noch einen netten Berliner getroffen, mit dem ich ein bissel über Afrika gefachsimpelt habe. Überhaupt ist mir bislang aufgefallen, dass ich auffalle und die Leute insgesamt sehr interessiert/hilfsbereit sind. Coole Sache.
Well, die weitere Fahrt nach Thüringen kann ich am besten in den Worten JW Goethes beschreiben:
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind.
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht!
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -
„Du liebes Kind, komm geh’ mit mir!
Gar schöne Spiele, spiel ich mit dir,
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind,
In dürren Blättern säuselt der Wind. -
„Willst feiner Knabe du mit mir geh’n?
Meine Töchter sollen dich warten schön,
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düsteren Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -
„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an,
Erlkönig hat mir ein Leids getan. -
Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not,
In seinen Armen das Kind war tot.
Also, es war schon ziemlich dämlich von mir, zu dieser Uhrzeit loszufahren. Ich hatte teilweise 5 Grad auf der Autobahn, hab gefroren wie Sau (bis runter auf 10 Grad machen's meine Klamotten problemlos mit - darunter wird's echt unangenehm), war müde und ab Triptis (Autobahnabfahrt nach Saalfeld) hab ich praktisch nix mehr gesehen. Nebelbänke ohne Ende. Zum Schluss kam mir jeder Kilometer wie 'ne Ewigkeit vor und es war alles andere als ein Vergnügen. Als ich dann schliesslich angekommen bin, hat mir ein netter aber auch etwas stranger Typ aus Allendorf den Weg zu Stempis Haus gewiesen und ich konnte endlich ins Bettchen. Hat ne Weile gedauert, bis ich aufgetaut war.
Stempi und Kerstin waren beide noch wach und mein schlechtes Gewissen dementsprechend groß. Etwas irrer Beginn einer langen Reise. Dank euch auf jeden Fall!!!
So, am nächsten Morgen fein jefrühstückt und mal wieder mit Stempi gequatscht. Wir sehen uns ja mittlerweile nicht mehr sooo oft und dann gibt's jedes mal einiges zu erzählen. Erinnerungsfoto geknippst. Paula ist drauf, allerdings fehlen Moritz (Kinderjarten) und Omma Gerti (die ist noch schnell aus dem Bild geflüchtet). Omma Gerti hat mir übrigens das bislang schönste Kompliment für meine GS gemacht: "sieht ja auch wie ein Traktor!"
Also, macht's jut. Schickt mir mal die Fotos, die ihr noch in Allendorf gemacht habt, okay?
So, im Gegensatz zum Vorabend gab's jetzt traumhafte Bedingungen. Geile Straßen und Kurven durch den Thüringer Wald und das ganze bei angenehmen Temperaturen umme 15 Grad aufwärts.
Irgendwann dann auf die Autobahn Richtung Nürnberg und die A9 runter nach München. Waren von Allendorf knapp 350km und hat sich alles sehr gut weggefahren. Zum Kaffeetrinken war ich dann gestern bei Carmé, Dirk und Antoni.
Ich hab' mich toll mit Antoni amüsiert und wir haben eingängig über meine Route und die eingeplanten Zwischenstationen gesprochen (bamm! - da! - bas!). Ick hab den Kleenen so liep, er ist so knuddelitsch und gaaanz schlau! Er läuft mitterweile schon selbständig, besonders gern auf seiner Lieblingsstrecke zwischen Wohn- und Kinderzimmer mit seinem Spielzeug-Bus im Schlepptau.
Dirk kam gerade von der Arbeit und so hatten wir auch noch etwas Zeit, uns zu unterhalten. Insgesamt sind Dirk und Carme momentan ganz schön angespannt, glaube ich: die neue Wohnung in München, die Jobs und natürlich das neue Baby, was unterwegs ist. Ich drück euch auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass alles glatt läuft und dass bald ein zweiter Antoni oder eine Antonia durch die Wohnung fegen.
So, danach wollte ich noch nach Stuttgart weiterfahren, um mir dort das Champions League - Spiel der Bayern gegen ManU anzuschauen und danach Tino zu treffen und bei ihm zu übernachten. Well, die Lektion der ersten Tage ist auf jeden Fall: cool bleiben, keine Hektik und alles lieber nen Tick langsamer machen. Hätte ich noch ein zweites Mal auf die Uhr geschaut und v.a. den Wetterbericht gecheckt, wäre ich wohl sicher bei Dirk und Carme geblieben und hätte dort übernachtet. Ich hab was mit der Sommerzeit durcheinander gebracht und bin statt um sechs erst um sieben losgefahren. Ca. 50km nach München hat sich dann der Himmel zugezogen. Gewitter, Sturmböen und teilweise ziemlich starker Regen. Na schönen Dank auch!. Dunkel war's inzwischen auch und müde war ich schon den ganzen Tag. Also logische Konsequenz: runter vonne Autobahn und auf einen Autohof zugesteuert. Erstmal was futtern und ein paar Telefonate führen. Wie es der Zufall so wollte, wurde in einer Kneipe auf dem Autohof auch noch das Fußballspiel übertragen.
Das Hotel im Nachbarort (Laimering, puh) klargemacht und noch die erste Halbzeit zu Ende geguckt. Hat die Stimmung nicht gerade verbessert (0:1 Rooney in der zweiten Minute). Blödes Tor, weil Demichelis ausgerutscht war... Damnn, na dann mal raus und ins Hotel, zweite Halbzeit auf Sat1 gucken. Was macht die Maschine? Lampf!
Hmm, ich schätze mal, Lampf! bedeutet "Lamp Failure" und heisst, dass ich am nächsten Morgen die Glühbirne des Scheinwerfers austauschen muss. Echt irre, ich hätte einiges darauf verwettet, dass das Glühbirnen-Set, was ich mitgenommen habe, ein reines Placebo-Ersatzteil sein würde, also etwas, was ich nie benötige, weil die Dinger sowieso nicht kaputt gehen. Hah! Naja, günstig waren in diesem Moment auch meine Nebelscheinwerfer. Mit denen konnte ich wenigstens noch ins Nachbardorf rollen zu meinem Hotel, ohne mit dem Aufblendlicht nen Crash zu provizieren.
So, das Hotel war absolute Sahne. Ein schönes Kruzifix und ein Sechs-Bett-Monteurzimmer sind doch alles, was das Herz begehrt, oder?
Die Bayern schiessen auch noch zwei Tore in der zweiten Halbzeit durch Ribéry und Olic und schicken die ManU's nach Hause. Ich mach mir noch ne anständige Maniküre mitte Fingers. Wunderboar! So kann's ins Bettchen gehen.
Jetzt geht' gleich los in Richtung Stuttgart, noch nen Kaffee mit Tino trinken. Dann weiter nach Zürich, Schwandti nen Besuch abstatten und dann für ein paar Tage nach Dijon zu Martina und Dom und Lelio. Da kann ich schon mal ein bissel relaxen, schätze ich.
Weil wir ja immer was dazulernen wollen, werfen wir mal abschliessend noch einen kurzen Blick auf die bisherigen Lessons Learned, bzw. worauf sollte ich mehr achten in Zukunft:
- Nicht so ungeduldig sein, alles ein bisschen lansamer angehen lassen. Liegt komplett in meiner Hand, ob ich den Trip stressig oder entspannend durchziehe. Meine Nachfahrt am Montag, der Aufbruch aus München gestern, ein paar Überholmanöver und dass ich meinen Tabak in der Hektik bei Stempi liegen lassen hab, sind alles Zeichen, dass ich eine Nummer zu hektisch unterwegs bin.
- Fahrten in Kälte/Nacht/Nebel/Regen bzw. bei Müdigkeit vermeiden. Bringt echt keine Punkte, ich fühl mich viel unsicherer nachts, nicht zuletzt weil meine Sehleistung auch nicht die allertollste ist. Müsste eigentlich ne Brille tragen, jedenfalls nachts oder bei Regen. Auf jeden Fall macht's keinen Spaß und darum sollte es doch gehen in erster Linie, gel?
- Spritkosten. Im Moment schluckt die GS an die 7 Liter. Das ist ne ganze Menge und bei den europäischen Spritpreisen verbrauche ich da mein geplantes Tages-Budget derzeit ausschliesslich für Sprit. Da versuche ich mal, etwas ökonomischer zu fahren und in Richtung 6 Liter zu kommen. Ausserdem lässt sich's bei der GS prima vermeiden zu bremsen und alles über die Motorbremse abzuwickeln. Damit könnten auch noch ein paar Tröpfchen in die Spritkasse zurückfliessen.
- Gepäck und Verzurrung. Ein Gurt ist mir schon hopps gegangen. Hier muss ich echt immer aufpassen, übel wäre auch, wenn mir z.B. der Kanister auf der Autobahn abgeht und ein nachfolgendes Fahrzeug drüber gurkt. Puh, nicht dran zu denken. Ausserdem muss ich nochmal schauen, wie ich die Sachen optimal verstaut kriege. Die Ersatzschläuche z.B. liegen ganz oben im Top Case und können so leicht kaputt gehen, die brauchen ein bissel mehr Schutz!
- Immer schön auf die Gesundheit achten! Mein Kreuz war total verspannt nach der Montagnacht-Tour, ich muss aufpassen, dass ich mir in Deutschland bei den Temperaturen nicht noch ne fette Erkältung zuziehe. Ausserdem drücken die Schuhe ziemlich (hätten ne halbe Nummer größer sein können) und der Shoei Hornet lässt wesentlich mehr Geräusche rein, als mein anderer Shoei (Revelation) Helm. Wenn's weiter so dröhnt, werd' ich mal Ohrenstöpsel reintun. Die Beine sind auch manchmal taub, werde aber schon keine Thrombose bekommen, he he.
Na ja, Fazit ist erstmal, dass ich noch dabei bin, meinen Rhythmus zu finden. Das wird sicher noch ein paar Tage dauern, bis ich mich so richtig 'drin' fühle. Die Fitness muss sich auch erstmal langsam aufbauen. Aber: Europa ist im Vergleich zu Afrika ne Spazierfahrt, da warten noch ganz andere Sachen auf mich.
Ich klapper mal weiter meine Leute ab und bin hoffentlich am Wochenende in Spanien. Dann schau'n mer weiter.
Bis dahin, Amigos!
Tachsen Alda,
AntwortenLöschenwuensch dia imma 'ne handbreit Sprit im Tank & 'ne goile Reise!
Gruess mal den Schwandti von mia.
Bis demnaechst mal auf diesa Plattform
Ralfsn