Dienstag, 23. März 2010

Wo geht's 'n hier nach Afrika?

Wenn man losfährt, hat man (manchmal) ein Ziel. Hab ick! Nach Südafrika soll's gehen. Ich schon vor 'ner gefühlten Ewigkeit Tickets für ein paar Spiele der WM organisiert und damit Fixpunkte gesetzt, zu denen ich angekommen sein sollte. Die Spiele finden in Durban, Port Elizabeth und Johannesburg statt, zwischen dem 30. Juni und irgendwann Anfang Juli.

Aufgrund eines besonders glücklichen Umstands konnte ich an meiner Reiseroute lange Zeit so im 'Vorbeigehen' feilen. Im zweiten Stock des Treppenhauses zu meiner Wohnung hatte sich nämlich schon vor langer Zeit (vor meinem Einzug 2007) ein unbekannter Künstler verdient gemacht und in mühevoller Kleinarbeit eine beeindruckend präzise Nachbildung der afrikanischen Landkarte in den Putz gebröckelt.

Ich bleibe dann immer im zweiten Stock stehen und bewundere das Meisterwerk; und ich schwelge darin, wie ich mit meinem Mopped über den Kontinent hinwegfegen werde. Die Aufenthalte im Treppenhaus, zweiter Stock, hängen ehrlicherweise auch damit zusammen, dass mir durch exzessiven Tabakkonsum und abnormale Gewichtszunahme hin und wieder die Puste ausgeht und ich dringend eine Verschnaufpause benötige, bevor ich mich befähigt fühle, die Reise in den vierten (ganz nach oben!) fortzusetzen. Ich wollte ja auch noch zur Vorbereitung des Trips an meiner körperlichen Fitness arbeiten, hmm, das ist ein ganz dunkles Kapitel...

Losgehen sollte es ganz eigentlich mal im Februar, dann eigentlich Anfang März und dann realistisch nach Absolvierung meines Französisch-Sprachkurses an der Uni am 15.3. Uneigentlich wird's jetzt aber wohl diese Woche werden, womit ich für die Hinreise nach Südafrika immer noch gut drei Monate Zeit habe...

Nachdem verschiedene Personen unangenehme Fragen nach dem konkreten Verlauf der geplanten Reise gestellt hatten, sah ich mich bemüssigt, mir eine noch genauere Karte zu besorgen und die Route nochmals zu verfeinern. Herausgekommen ist dann das bunte Bild, was mittlerweile im Schlafzimmer meiner Eltern in Vetschau hängt.


Wenn ich es mir anschaue, ist es ja schon doch etwas ein bisschen ziemlich viel. Also ich habe mal 30000-35000 Kilometer ausgerechnet. Wieviel es tatsächlich sein werden- keine Ahnung. Auf jeden Fall ist das Straßennetz eben afrikanisch, und Autobahnen gibt's ziemlich selten.

So, jetzt aber mal im Kurzabriss die Stationen:

Dä Wäg Hinne

Los geht's in Berlin. Auf dem Weg nach Gibraltar werde ich noch ein paar Zwischenstationen in Europa einlegen und die Gelegenheit nutzen, Freunde zu besuchen. Als da wären: mein Kumpel Stempi in Allendorf, Thüringen. Vielleicht ist er aber auch gerade in Strassburg, France, das müssen wir dann mal sehen. Als nächstes will ich in München anhalten und Dirk, Carme und Antoni besuchen. Antoni ist ja mittlerweile 1 und ein fleissiger Kinderkrippengänger. Das muss ich mir auf jeden Fall genauer angucken. Dann geht's weiter nach Stuttgart, zu Tino und Ela und den Kids. Unklar ist dann, ob ich durch die Schwyz fahre oder über Strassburg durch Frankreich. Hängt davon ab, ob ich Schwandti in Zürich besuche oder nicht. Mal gucken, wie es mit der Zeit ausschaut... Auf jeden Fall geht's dann nach Dijon zu Martina, Dom und Lelio. Eigentlich wollte ich da eine ganze Weile bleiben, könnte aber auch auf nur eine Übernachtung hinauslaufen. Ich bin halt schon etwas spät dran... So, dann noch Stopp in Barcelona und bei Carmes Familie Hallo sagen und weiter über Madrid und Sevilla an die Südküste Spaniens. Ich hoffe, dass wir es hinbekommen, dass ich mich noch einmal mit Nina in Europa an einem Wochenende treffe. Ich dachte an Barcelona, vielleicht wird's aber durch den Zeitplan besser sein, wenn wir uns in Dijon oder Zürich treffen...

So, nach Marokko geht's dann entweder über Ceuta oder Tangier, hängt eigentlich nur von den Fährverbindungen ab. De facto sinnma dann schon in Afrika angekommen, aber so richtig afrikanisch isses da noch nicht, oder? Weiter geht's in Richtung Atlas nach Fes, und von dort weiter nach Marrakesch. Also schon etwas weg von der Küste. Rabat und Casablanca möchte ich mir nicht unbedingt geben, ist ws. ziemlich stressig und großstädtisch dort. Von Marrakesch weiter nach Agadir und dann praktisch den ganzen Weg runter über die Westsahara und Mauretanien bis Dakar unweit der Küste entlang. Im Senegal soll's sehr schön sein und ne Menge Strände geben. Ausserdem fühlen sich betagtere deutsche Damen aufgrund der tollen senegalesischen Gigolos wohl. Also will ich da auch mal ein paar Tage ausspannen, ws. an der Küste südlich von Gambia.

So, danach ist Schluss mit lustig, und es wird anstrengend. Es geht erst einmal ein paar Tausend Kilometer in der Sahel-Zone nach Osten. Vom Senegal nach Mali und von dort weiter nach Burkina Faso. Schöne muslimische Länder, alles wunderbar. Nach Timbuktu im Nordosten Malis werd' ich es wohl nicht ganz schaffen, aber vielleicht kann ich mir doch ein bisschen was im Land anschauen.

Ach ja, wie isses eigentlich mit den Tuareks, die so gerne europäische Touristen entführen und Lösegeld erpressen wollen - und die in letzter Zeit auch noch so gerne mit den sinistren Gesellen von der Al-Quaida rumtun? Ich glaub, die sind sicherlich keine angenehmen Zeitgenossen, und ich möchte ihnen lieber nicht begegnen. Aber: die Route, die ich nehme, ist (sehr) weit weg von den Gebieten, wo sich diese Spezies gerne aufhält. Das wären nämlich die Grenzgebiete von Südalgerien, Nordmauretanien, Nordmali und Südmarokko. Da sich die Sicherheitslage in diesen Ländern relativ schnell mal ändern kann, werde ich vor der Einreise in jedes Land nochmal ausführlich die aktuellen Infos vom Auswärtigen Amt checken und die Route entsprechend anpassen, sollte was beunruhigendes bevorstehen. Ausserdem habe ich den Tipp erhalten, bei der Einreise gleichmal in der deutschen Botschaft vor Ort anzurufen und sich sozusagen anzumelden (geht dann schneller mit dem Lösegeld - Scherz!).

Okay, also es geht vom Senegal über Mali nach Burkina Faso und von dort aus weiter nach Benin. Die konkrete Route von dort über Nigeria nach Kamerun ist in erster Linie abhänig von den Infos des Auswärtigen Amtes (siehe oben). Nigeria ist in den letzten Wochen ja nicht gerade positiv in den Medien vertreten gewesen. Bei Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen hat es gewaltig gerappelt. Entweder nehme ich eine zentrale Route quer durch's Land über die Hauptstadt Abuja oder ich minimiere den Aufenthalt in Nigeria aufs Nötigste und reise über Niger ein und fahre zum nördlichsten Punkt Kameruns an den Tschad-See. Durch Kamerun geht's dann einmal komplett durch bis nach Gabun. Von Gabun weiter nach Kongo (Republik Kongo aka Kongo-Brazzaville aka Französisch Kongo - nicht zu verwechseln mit der DR Kongo aka Kongo-Kinshasa aka Belgisch Kongo, wo seit dem großen Krieg Ende der Neunziger, Anfang der 2000er praktisch niemand mehr hinfährt - alle wollen nur raus). So, in der Republik Kongo bleib ich nicht lange und fahre weiter nach Cabinda (aka Portugiesisch Kongo). Das ist eine Exklave Angolas, politisch auch nicht sehr ruhig, also kein Platz, um die Seele baumeln zu lassen. Um eine Fahrt durch die DR Kongo zu vermeiden (und weitere Visa-Gebühren zu sparen), werde ich von Cabinda aus auf das Angolanische 'Hauptland' mit der Fähre übersetzen. Ws. habe ich für Angola nur ein 7-Tages-Visum, weshalb ich relativ eilig durch's Land nach Süden fahre.

Als nächstes wartet dann tatsächlich Wellness für die Seele auf mich: Namibia. Darf man sicher auch nicht unterschätzen, aber ich stell's mir erstmal sehr ruhig, sehr weit und irgendwie auch sehr entspannend vor. In Windhuk werde ich auch mal bei BMW vorbeischauen und vielleicht dort eine Inspektion machen lassen. Nina und ich planen, dass sie mich in Afrika besuchen kommt. Vielleicht klappt es ja sogar, dass sie zweimal für je zwei Wochen oder so kommen kann. Die Motorradklamotten haben wir letztes Wochenende ja schon besorgt. Das wäre fantastisch, wenn's klappt, Namibia wäre siche ne gute Adresse für einen Besuch ;-)

Oki-dok, nach Namibia kommt ja dann mal Südafrika. Ehrlich gesagt, halte ich den Sicherheitsaspekt in Südafrika für bedenklicher als in manchem anderen 'exotischen afrikanischen Land in der Walachei'. Besonders die Großstädte sind wohl ziemlich krass und vielleicht vergleichbar mit dem, was man so aus Rio oder Sao Paulo hört. Naja, Fakt ist, dass ne ganze Menge Touristen im Land sein werden und das Land sich den A**** aufreissen wird, um die Sicherheit während der WM zu gewährleisten. Ich denke, das wäre ganz schlechte Publicity für Südafrika, wenn irgendwelche Fußball-Fans im Land zu Schaden kommen... Well, das Programm für Südafrika steht ja schon ziemlich fest. Zum Kap fahren und ein blödes Erinnerungsfoto schiessen, drei WM-Spiele in Durban, Port Elisabeth und Johannesburg anschauen, den vierten Titel für Deutschland feiern (ihr erinnert euch doch noch daran, oder?) und Tschüss gesagt von den Bafanas!


Dö Röckewäg

Oh Mann, ich hab keine Lust mehr zu schreiben, also jetzt mal wirklich kurz der Rückweg: Von Johannesburg nach Maputo ins wunderschöne Mosambique, vorher nochmal Krüger-Nationalpark gucken. Entweder direkt von Mosambique nach Sambia oder mit Umweg über Zimbabwe. Danach natürlich Malawi - hab gehört, dass es gewissermassen vergleichbar sein soll mit Ghana - also auch eher ein nettes Ländle mit lieben, friedvollen Zeitgenossen, touristisch erschlossen - Zeit zum Chillen/Ausruhen. So, von Malawi geht's dann mal schön weiter nach Norden. Die Arbeit wartet und es gibt noch einiges an Kilometers zurück zu legen. Tansania und Kenia kennt man ja auch in Europa ganz gut. Serengeti, Kilimandscharo und die weisse Massai warten darauf, besichtigt zu werden. Wenn's richtig gut läuft mit dem Zeitplan, wäre sogar noch ein 'Abstecher' Richtung Ruanda/Ugunda drin, aber damit will ich erstmal nicht planen. Würde mich halt schon sehr interessieren, aber juti, schau'n mer mal. Von Kenia geht's dann mal schön weiter über Äthiopien, Rastafaris gucken und dann in den Sudan. Auch hier, ähnlich wie in Nordwestafrika, fahre ich an den unruhigen Gegenden (Darfur) meilenweit vorbei. Ich passiere das Land im Osten über die Hauptstadt Khartoum und fahre in Richtung Norden nach Wadi Haifa. Der Grenzübertritt von Sudan nach Ägypten soll nicht ganz ohne sein. Ws. muss ich mit der Fähre rüber, Details bekomme ich aber sicher noch zu gegebener Zeit raus. Ausserdem stellen sich die ägyptischen Kollegen wohl sehr pingelig an, wenn man mit dem eigenen Fahrzeug einreist. Man muss wohl zusätzlich zum eigenen auch noch ein extra ägyptisches Nummernschild erweben, damit man rein darf. Na ja, werde ich dann wohl auch noch überstehen... So, in Ägypten gibt's ja den Nil, und an dem entlang fahre ich dann nach Norden (Assuan, Luxor, Gizeh). Dann rüber auf die Halbinsel Sinai und zur jordanischen Grenze. Israel reizt mich schon, aber es ist leider unmöglich, erst nach Israel und dann in einen arabischen Staat einzureisen. Also deshalb auf jeden Fall erstmal nach Jordanien. Wenn sich die Infos bestätigen, die ich bekommen habe, ist es an einem bestimmten Grenzübergang möglich, von Jordanien nach Israel und wieder zurück zu fahren. Mal sehen, hängt wie immer natürlich von der Zeit ab... So, wir nähern uns wieder Europa. Noch mal fix durch Syrien gefahren und schon geht's in die Türkei, wo es auf der anatolischen Querfeldeinbahn directamente nach Istanbul geht. Die restliche Strecke zurück ist noch einigermassen unklar, ich würde aber schon gerne durch das ehemalige Jugoslawien fahren, weil ich davon noch so gut wie garnix gesehene habe. Eine mögliche Strecke wäre dann also von Istanbul über Plovdiv und Sofia in Bulgarien nach Serbien, einmal quer durch, und dann über Kroatien und Slowenien nach Österreich. Ich denke, dass ich an einem Wochentag ca. gegen 1700Uhr in Wien-Schwechat sein werde. Dann kann ich ja gleich Nina von der Arbeit abholen. Wir trinken noch einen Kaffee und machen es uns dann bei ihr in der Wohnung mit Sigi, dem feinen Kater, gemütlich


Juchuh! Geschaff, ich habe meine Route erzählt. Ich glaub, ich muss lernen, etwas knapper zu schreiben, sonst wird's eine ganz große Katastrophe on tour und ich verbringe den Tag statt auf der Straße am Rechner...

Juti, noch ein paar abschliessende Bemerkungen ;-)

Ich nehm mein Navi mit, und zwar das Nüvi 1390 von Garmin. Kein Spitzenteil, reicht aber für meine Zwecke aus. Wäre nur cool, wenn ich noch einen Patch fände, mit dem ich dem Navi beibringe, dass es auch über Bluetooth mit meinem Headset kann. Ich hatte mich erst kurzfristig für das Garmin entschieden, weil es hier auch Karten für Afrika gibt!! Das Kartenmaterial habe ich mir bei Tracks 4 Africa besorgt. Coole Sache, mal schauen, ob das Navi mich dahin bringt, wo ich hin will.

Neben dem Navi und meinem beispiellosen natürlichen Navigationstalent (Wo war nochmal die Küche?) nehme ich noch einen Old School Kompass mit (Weihachtsgeschenk von Dirk) sowie die drei Michelin Maps 741, 745 und 746 (Nordwestafrika, Nordostafrika & Arabien & Zentral-/Südafrika).

Ach ja, der ganze Plan ist natürlich nicht in Stein gemeisselt. Ich muss mir das sicher permanent vor Augen halten. Ich bin ja im Urlaub, nicht auf der Arbeit, he he... Wenn es Probleme gibt oder ich einfach keine Lust/Energie mehr habe, gibt es auch definitiv die Option zum Umkehr bzw. zum Abbruch. Ich hab mir eine Liste von Frachtunternehmen besorgt, die das Bike per Schiff nach Hause nach Deutschland transportieren würden, sollte ich unterwegs die Überzeugung verlieren, dass ich das Ding durchziehen möchte. Ich habe mir erstmal drei Checkpoints gesetzt, an denen ich eine Abbruch-Option habe: Dakar (Senegal), Kaptstadt (Südafrika) und (falls ich mir das Getingel über Syrien und die Türkei ersparen möchte) in Haifa (Israel).

4 Kommentare:

  1. C'est tellement excitant! Je ne comprends pas tout ce que vous dites ... mais je suis tellement heureuse pour toi, je me souviens lorsque nous avons parlé de ce voyage il ya quelques années! Et maintenant vous êtes réellement disparu! Yeahh, et je me souviens de ce trou dans la peinture dans l'escalier, il a été un signe de Dieu, definalty! Profitez de votre chéri voyage. Dieu vous bénisse. Jah Jah

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  2. Merci, Diane! J'ai appris un petit-peu de francais dans l'université cette mois, mais c'est trop mal pourtant. En tout cas, je comprends ce que tu dit ;-) Je crois aussi, le trou dans la peinture a été un signe de Dieu, c'est vrai. J'ai DU aller a Africa!!

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  3. C'est cool, j'écris en français ! Je suis vraiment, vraiment heureuse pour toi, je vais suivre ton blog et faire de la pub ! Est-ce que tu passes par Dijon ? Si oui, je vais essayer d'y aller en même temps, si c'est possible. Bonjour à ta famille, Andy, Nina et le chat (?) et Can et tout le monde. Est-ce que tu es déjà parti ? En fait j'utilise un traducteur Google et je ne comprends pas tout !!! Tu pars quand ?

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  4. Sorry me again, it's weird, 'cause I thought I had left my first comment in english ... and now it's in french (it's cool) ... maybe the translation thing from Google. 'Cause it's hard for me to read your blog in german, so I use the translator from Google ... Tchüss !

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