So, jeschafft, bin am Freitag aus der bayerischen Provinz direkt in die Ösi-Metropole gedüst, um noch rechtzeitig um 1500Uhr beim Hauptquartier der Austrian Airlines anzukommen, um pünktlich wie versprochen mein Ninalein abzuholen. Puh, die Straßen waren ziemlich voll (ah ja, war ja Freitag), das Navi hat mich mal wieder auf eine schöne Stadtrundfahrt durch München geführt, und so wurde es ganz schön knapp. Aber auf österreichischen Autobahnen kann man ja ordentlich Gummi geben.
Well, das Mopped hat auf den letzten Metern auch noch wunderbar gehalten. Die Kupplung kuppelt, der Dämpfer dämpft, alles paletti.
Nu ist die Reise zu Ende, und ich bin endlich wieder bei meinem Schatz. Kurz nach dem Ankommen habe ich mir schon überlegt, was das wohl für 'ne irre Idee war, sie für ein halbes Jahr zu verlassen, um mit dem Mopped durch Afrika zu düsen. Bekloppt... Aber jetzt stand erstmal das Wochenende auf dem Programm - gemeinsam, in Wien, zu dritt - Nina, icke und Sigi, der kleine weiße Popstar.
Härrrlich, endlich zu Hause!
Montag, 4. Oktober 2010
Freitag, 1. Oktober 2010
Intermezzo - Tag 187 - Bayern, dis san mia!
Moin, Moin, sitze gerade bei einem feudalen Frühstück im Landsberger Hof. Schmeckt super, juchei. Internet gibt's auch, die Bayern sind fast so nett wie die Äthiopier. Also, was will man mehr?
Well, gestern war noch ganz schön anstrengend. Zuerst hab ich in meinem Zürcher Hotel ganz schön rumgetrödelt, bevor ich endlich zum Flughafen aufgebrochen bin. Hatte mich noch mit einem amerikanischen Pärchen fest gequatscht... Na ja, um halb Elf oder so war ich dann wieder in Kloten, aber es ne knappe Stunde gedauert, bis ich den Cargo Terminal und dort Swiss WorldCargo und da den richtigen Ansprechpartner gefunden hatte. Nicht so intuitiv, muss ich sagen. Aber okay, im Empfangsbüro habe ich meine Papiere entgegen genommen und musste nochmal knapp 65 Franken Gebühren zahlen. Voila. Dann ab zum Zoll, die auch ein bissel überfordert schienen. Hatte ich mir in der Schwyz irgendwie alles einfacher und geordneter vorgestellt. Aber egal, hat ja doch alles geklappt. An Butze 65 in der großen Frachthalle durfte ich dann mein Mopped abholen. Da schienen nur Jugos zu arbeiten, sehr nett, aber nicht so leicht zwecks Verständigung. Na ja, ich bin dann erstmal aufgebrochen, um Motoröl zu besorgen. Hier würde ich keines bekommen, aber es gibt ne Tanke ca. 15min Fußweg entfernt... An der SB-Tanke gab's aber nur 5W40, das in Sibirien besonders beliebte Öl für die kalte Jahreszeit. Wieder zurück an der Frachthalle wurde meine Kiste auf den Asphalt hinaus gefahren, ich bekam einen Hammer und ein Stemmeisen in die Hand gedrückt und durfte loslegen. Hat sich ganz schön hingezogen. Nach ner Stunde hatte ich die Kiste soweit zerlegt, dass ich das Mopped raus schieben konnte. Dann noch die Sachen umordnen, Koffer packen und natürlich das Mopped startklar machen. Öl rein, Batterie angeklemmt, Sprit war Gott sei Dank noch ein bissel was drin. Zu guter letzt die Teile wieder anschrauben, die ich zwecks Platzersparnis in Nairobi abmontiert hatte. Na ja, und dafür brauche ich immer meine Zeit. Handprotektoren, Spiegel, Windschutzscheibe und das ganze Plastik umme Windschutzscheibe rum - und last but not least - meine Navihalterung. Ganz schöne Fummelei, wenngleich ich jetzt endlich kapiert hab, wie das Scharnier der Windschutzscheibe funktioniert. Künftig kann ich das innerhalb von 10 Minuten aus- und wieder einbauen...
Als ich endlich startklar war, war's schon knapp 1500Uhr. Hatte vorher noch schnell was im Flughafenrestaurant gefuttert (12,20 Franken für ein Stück Kuchen, ein Birchermüsli und eine Banane...). Als nächstes ab zur Tanke, vollmachen, Luft checken (deutlich zu wenig drauf) und dann ab nach Dielsdorf zu meinem Hrn. Utzinger, der den Stossdämpfer austauschen sollte. Hatte schon Angst, dass ich viel zu spät dran bin, hatte mich ja für Vormittag angekündigt. Aber keine Panik. Der gute Hr. Utzinger wartete schon auf mich, und es ging sogleich los mit der Montage. Während ich mich bei Mäckes chillte, hat er das Federbein der "normalen" GS in meine Adventure hinein gefriemelt. Er hat mir auch noch ein beschädigtes Gewinde vonna Schraube am rechten Handprotektor geschliffen, so dass ich gegen halb fünf wieder zurück auffe Piste konnte. Wunderbar. Es war auf jeden Fall eine äußerst coole Geste, dass er mir das gebrauchte GS-Federbein praktisch "geliehen" hat. Wir haben vereinbart, dass ich das Teil nach meiner Ankunft in Berlin ausbaue und an die deutsche Adresse eines seiner Kollegen schicke. Wegen dem Zoll und so... Echt dufte, ich habe nur die Arbeitszeit bezahlt und bin wirklich dankbar. Merci beaucoup!
So, um kurz vor fünf konnte ich endlich "losfahren". Bis Wien werd ich's wohl nicht mehr schaffen. Aber dass es dann so langsam vorangeht, hätte ich auch nicht gedacht. Mein Navi scheint in der Schwyz einfach standardmässig rum zu spinnen. Oder es hat nen Virus... Keine Ahnung. Auf jeden Fall befand ich mich schon nördlich von Zürich, in Richtung deutscher Grenze. Aber das Navi lädt mich ein zu einer wunderschönen Tour zurück nach Zürich, einer unvergesslichen Stadtrundfahrt und einer weiteren Eierei durch die Schwyzer Lande. Verdammt! Ich fahre die unmöglichsten Straßen, jeder Stau wird mit genommen. Um halb Sieben bin ich dann endlich in Konstanz, einen Steinwurf von Zürich entfernt. Aber in Deutschland! Was für ein (komisches) Gefühl. Ich bin ein bisschen gestresst und komisch drauf. Mein Navi erklärt mir, dass ich als nächstes mit ner Fähre über'n Bodensee (!!!) fahren soll. Hast du se nicht mehr alle? Oh Mann, ich halte erstmal an und stärke mich beim deutschen Bäcker mit lecker Brötchen und juten Cappuccino. Ich komme mir ein bisschen vor wie ein Außerirdischer. Ich steh ein bisschen neben mir und frage mich, ob ich in Deutschland überhaupt noch klar komme nach einem halben Jahr Afrika... Na wird schon, denk ich. Nachdem ich mich ganz nett mit einem Konschtanzer unterhalten hab und er mir erklärt hat, dass die Route mit der Fähre wohl schon das richtige sei, fahre ich kurz nach sieben weiter und auffe Fähre rauf. Komisch. Es windet gar sehr. 5 Ois kostet die Überfahrt nach Merseburg (o.s.ä.). Um halb acht/acht bin ich dann dort. Noch immer sind's knapp 650 Kilometer bis Wien. Natürlich fahr ich die Strecke nicht mehr, aber ein paar Kilometer will ich dann doch noch machen. 270 werden's dann noch für den Tag, ich komme bis Landsberg an der Lech, so ein schönes bayerisches Nest, nicht allzu weit weg von München, vielleicht 60 Kilometer davor. Um zehn Uhr ist Feierabend. Es fuhr sich nicht gerade so angenehm. Ziemlich frisch (10Grad), leichter Nieselregen... Na ja, ein Hotel (Landsberger Hof) war schnell gefunden. Und ebenso schnell war ich in meiner Butze im Bett. Brrrr, kalt isses.
Jetzt isses kurz nach neun Uhr, mein Bauch ist voll. Und es stehen noch knapp 480 Kilometer auf'm Programm bis nach Wien. Sollte relativ locker abzuspulen sein. Allerdings sieht das Wetter schon wieder bescheiden aus. Es ist ganz schön feucht, hoffentlich isses im Osten ein bissel besser...
Ich sattel das Pferdchen und reite zu meiner Geliebten! Ninalein, ick komme, leg schon mal den Helm zurecht, gleich bin ich da!!!!
Well, gestern war noch ganz schön anstrengend. Zuerst hab ich in meinem Zürcher Hotel ganz schön rumgetrödelt, bevor ich endlich zum Flughafen aufgebrochen bin. Hatte mich noch mit einem amerikanischen Pärchen fest gequatscht... Na ja, um halb Elf oder so war ich dann wieder in Kloten, aber es ne knappe Stunde gedauert, bis ich den Cargo Terminal und dort Swiss WorldCargo und da den richtigen Ansprechpartner gefunden hatte. Nicht so intuitiv, muss ich sagen. Aber okay, im Empfangsbüro habe ich meine Papiere entgegen genommen und musste nochmal knapp 65 Franken Gebühren zahlen. Voila. Dann ab zum Zoll, die auch ein bissel überfordert schienen. Hatte ich mir in der Schwyz irgendwie alles einfacher und geordneter vorgestellt. Aber egal, hat ja doch alles geklappt. An Butze 65 in der großen Frachthalle durfte ich dann mein Mopped abholen. Da schienen nur Jugos zu arbeiten, sehr nett, aber nicht so leicht zwecks Verständigung. Na ja, ich bin dann erstmal aufgebrochen, um Motoröl zu besorgen. Hier würde ich keines bekommen, aber es gibt ne Tanke ca. 15min Fußweg entfernt... An der SB-Tanke gab's aber nur 5W40, das in Sibirien besonders beliebte Öl für die kalte Jahreszeit. Wieder zurück an der Frachthalle wurde meine Kiste auf den Asphalt hinaus gefahren, ich bekam einen Hammer und ein Stemmeisen in die Hand gedrückt und durfte loslegen. Hat sich ganz schön hingezogen. Nach ner Stunde hatte ich die Kiste soweit zerlegt, dass ich das Mopped raus schieben konnte. Dann noch die Sachen umordnen, Koffer packen und natürlich das Mopped startklar machen. Öl rein, Batterie angeklemmt, Sprit war Gott sei Dank noch ein bissel was drin. Zu guter letzt die Teile wieder anschrauben, die ich zwecks Platzersparnis in Nairobi abmontiert hatte. Na ja, und dafür brauche ich immer meine Zeit. Handprotektoren, Spiegel, Windschutzscheibe und das ganze Plastik umme Windschutzscheibe rum - und last but not least - meine Navihalterung. Ganz schöne Fummelei, wenngleich ich jetzt endlich kapiert hab, wie das Scharnier der Windschutzscheibe funktioniert. Künftig kann ich das innerhalb von 10 Minuten aus- und wieder einbauen...
Als ich endlich startklar war, war's schon knapp 1500Uhr. Hatte vorher noch schnell was im Flughafenrestaurant gefuttert (12,20 Franken für ein Stück Kuchen, ein Birchermüsli und eine Banane...). Als nächstes ab zur Tanke, vollmachen, Luft checken (deutlich zu wenig drauf) und dann ab nach Dielsdorf zu meinem Hrn. Utzinger, der den Stossdämpfer austauschen sollte. Hatte schon Angst, dass ich viel zu spät dran bin, hatte mich ja für Vormittag angekündigt. Aber keine Panik. Der gute Hr. Utzinger wartete schon auf mich, und es ging sogleich los mit der Montage. Während ich mich bei Mäckes chillte, hat er das Federbein der "normalen" GS in meine Adventure hinein gefriemelt. Er hat mir auch noch ein beschädigtes Gewinde vonna Schraube am rechten Handprotektor geschliffen, so dass ich gegen halb fünf wieder zurück auffe Piste konnte. Wunderbar. Es war auf jeden Fall eine äußerst coole Geste, dass er mir das gebrauchte GS-Federbein praktisch "geliehen" hat. Wir haben vereinbart, dass ich das Teil nach meiner Ankunft in Berlin ausbaue und an die deutsche Adresse eines seiner Kollegen schicke. Wegen dem Zoll und so... Echt dufte, ich habe nur die Arbeitszeit bezahlt und bin wirklich dankbar. Merci beaucoup!
So, um kurz vor fünf konnte ich endlich "losfahren". Bis Wien werd ich's wohl nicht mehr schaffen. Aber dass es dann so langsam vorangeht, hätte ich auch nicht gedacht. Mein Navi scheint in der Schwyz einfach standardmässig rum zu spinnen. Oder es hat nen Virus... Keine Ahnung. Auf jeden Fall befand ich mich schon nördlich von Zürich, in Richtung deutscher Grenze. Aber das Navi lädt mich ein zu einer wunderschönen Tour zurück nach Zürich, einer unvergesslichen Stadtrundfahrt und einer weiteren Eierei durch die Schwyzer Lande. Verdammt! Ich fahre die unmöglichsten Straßen, jeder Stau wird mit genommen. Um halb Sieben bin ich dann endlich in Konstanz, einen Steinwurf von Zürich entfernt. Aber in Deutschland! Was für ein (komisches) Gefühl. Ich bin ein bisschen gestresst und komisch drauf. Mein Navi erklärt mir, dass ich als nächstes mit ner Fähre über'n Bodensee (!!!) fahren soll. Hast du se nicht mehr alle? Oh Mann, ich halte erstmal an und stärke mich beim deutschen Bäcker mit lecker Brötchen und juten Cappuccino. Ich komme mir ein bisschen vor wie ein Außerirdischer. Ich steh ein bisschen neben mir und frage mich, ob ich in Deutschland überhaupt noch klar komme nach einem halben Jahr Afrika... Na wird schon, denk ich. Nachdem ich mich ganz nett mit einem Konschtanzer unterhalten hab und er mir erklärt hat, dass die Route mit der Fähre wohl schon das richtige sei, fahre ich kurz nach sieben weiter und auffe Fähre rauf. Komisch. Es windet gar sehr. 5 Ois kostet die Überfahrt nach Merseburg (o.s.ä.). Um halb acht/acht bin ich dann dort. Noch immer sind's knapp 650 Kilometer bis Wien. Natürlich fahr ich die Strecke nicht mehr, aber ein paar Kilometer will ich dann doch noch machen. 270 werden's dann noch für den Tag, ich komme bis Landsberg an der Lech, so ein schönes bayerisches Nest, nicht allzu weit weg von München, vielleicht 60 Kilometer davor. Um zehn Uhr ist Feierabend. Es fuhr sich nicht gerade so angenehm. Ziemlich frisch (10Grad), leichter Nieselregen... Na ja, ein Hotel (Landsberger Hof) war schnell gefunden. Und ebenso schnell war ich in meiner Butze im Bett. Brrrr, kalt isses.
Jetzt isses kurz nach neun Uhr, mein Bauch ist voll. Und es stehen noch knapp 480 Kilometer auf'm Programm bis nach Wien. Sollte relativ locker abzuspulen sein. Allerdings sieht das Wetter schon wieder bescheiden aus. Es ist ganz schön feucht, hoffentlich isses im Osten ein bissel besser...
Ich sattel das Pferdchen und reite zu meiner Geliebten! Ninalein, ick komme, leg schon mal den Helm zurecht, gleich bin ich da!!!!
Donnerstag, 30. September 2010
Intermezzo - Tag 186 - Dit Finale?
Jui, eine Nacht in Zürich verbracht. Mit Schwandti hatte es gestern dann doch nicht mehr geklappt. Er musste bis 1900Uhr arbeiten und ist seiner Filiale irgendwie schwer bis gar nicht am Telefon zu erreichen. Und, well, ich brauchte dringend ein Bettchen, konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Bin dann am späten Vormittag vom Flughafen inne Innenstadt gegondelt, dort noch ein paar Stationen mit der Straßenbahn und an der Station Bellevue raus. Glück im Unglück. Gleich im ersten "Hotel" wurde ich fündig. Das Villette. Wird von Indern betrieben und als "Budget Hotel" geführt. Bingo. Für sagenhaft günstige 170 Schweizer Franken (knapp 150 Ois) habe ich dann doch tatsächlich noch ein Zimmerchen abgegriffen. Der Service war nigerianisch, das Internet funktionierte nicht so recht, im Restaurant konnte ich eine Mini-Mahlzeit für "only" 25 Schwyzer Franken einnehmen. Alles prächtig. Aber well, dafür hatte ich ein vernünftiges Bett, in dem ich mich erstmal ausruhen konnte. Also ich weiß nicht, Zürich macht mich irgendwie depressiv. Klein, verwinkelt, dunkel und vor allen Dinges eines: spießig bis zum Umfallen. Kann schon sein, dass das nur die Oberfläche ist, aber mehr bekomme ich meinen Kurzaufenthalten in dieser Stadt ja auch nicht mit. Egal, für eine Nacht geht's.
Nach einem ausgedehnten Schläfchen schaue ich mir am Abend noch das CL-Spiel zwischen Inter und Werder auf ORF1 an und sehe, wie Werder gnadenlos auf die Fresse bekommt. Ui. Bayern hatte ja am Vortag wenigstens gewonnen. Jens und Pia, die beiden, die ich in Grünau, Namibia, kennen gelernt hatte, waren selbstverständlich im Stadtion in Basel ;-) Und auch die Schalkenser haben gegen Benfica endlich mal nen Dreier geholt. Na jut, läuft doch.
Nu is gleich halb neun, der Flieger mit meinem Mopped ist gestern aus Nairobi losgeflogen. Laut Online Tracking bei Swisss Worldcargo gibt's noch keine Ankunftsbestätigung, woll'n ma mal hoffen, dass das feine Flugzeug nicht abgestürzt ist mit meiner BMW drin. Ich werd' gleich mal losfahren zum Flughafen. Noch irgendwo ein paar Liter Öl besorgen, dann zum Cargo Center, die Maschine auspacken, zusammen bauen, Öl rein und dann ab zu BMW nach Dielsdorf. Mr. Utzinger habe ich schon geschrieben, dass ich im Laufe des Vormittages vorbei komme. Und wenn der Stoßdämpfer drin ist, dann geht's ab nach Vienna.
Mal sehen, wie schnell ich los komme aus Zürich und ob ich es heute noch bis ganz nach Wien schaffen werde. Im Notfall werde ich wohl nochmal zwischendurch übernachten müssen...
Mein Navi habe ich gestern auch nochmal neu synchronisiert. Seit Afrika haben meine europäischen Karten nicht mehr richtig funktioniert, und Zürich war nur noch ein eindimensionaler Punkt auf der Landkarte. Aber jetzt funzt alles wieder prächtig!
Hab gerade nen Anschiss bekommen, weil die Tussi vom Hotel wohl gerochen hat, dass ich in meiner Butze geraucht habe. Böser Junge! Dabei ist das doch ausdrücklich per Gesetz verboten, verdammt nochmal! Ich frage mich, ob man von den 170 Schwyzer Franken vielleicht eine Dose Raumspray kaufen könnte, um den widerwärtigen Gestank aus dem Zimmer wieder rauszubekommen. Aber wahrscheinlich sind derartige Investitionen in einem Budget Hotel (wie auch Tischdecken oder brauchbare Sitzbezüge) einfach nicht realisierbar.
Mann, ist des schwyzerisch hier!
Nach einem ausgedehnten Schläfchen schaue ich mir am Abend noch das CL-Spiel zwischen Inter und Werder auf ORF1 an und sehe, wie Werder gnadenlos auf die Fresse bekommt. Ui. Bayern hatte ja am Vortag wenigstens gewonnen. Jens und Pia, die beiden, die ich in Grünau, Namibia, kennen gelernt hatte, waren selbstverständlich im Stadtion in Basel ;-) Und auch die Schalkenser haben gegen Benfica endlich mal nen Dreier geholt. Na jut, läuft doch.
Nu is gleich halb neun, der Flieger mit meinem Mopped ist gestern aus Nairobi losgeflogen. Laut Online Tracking bei Swisss Worldcargo gibt's noch keine Ankunftsbestätigung, woll'n ma mal hoffen, dass das feine Flugzeug nicht abgestürzt ist mit meiner BMW drin. Ich werd' gleich mal losfahren zum Flughafen. Noch irgendwo ein paar Liter Öl besorgen, dann zum Cargo Center, die Maschine auspacken, zusammen bauen, Öl rein und dann ab zu BMW nach Dielsdorf. Mr. Utzinger habe ich schon geschrieben, dass ich im Laufe des Vormittages vorbei komme. Und wenn der Stoßdämpfer drin ist, dann geht's ab nach Vienna.
Mal sehen, wie schnell ich los komme aus Zürich und ob ich es heute noch bis ganz nach Wien schaffen werde. Im Notfall werde ich wohl nochmal zwischendurch übernachten müssen...
Mein Navi habe ich gestern auch nochmal neu synchronisiert. Seit Afrika haben meine europäischen Karten nicht mehr richtig funktioniert, und Zürich war nur noch ein eindimensionaler Punkt auf der Landkarte. Aber jetzt funzt alles wieder prächtig!
Hab gerade nen Anschiss bekommen, weil die Tussi vom Hotel wohl gerochen hat, dass ich in meiner Butze geraucht habe. Böser Junge! Dabei ist das doch ausdrücklich per Gesetz verboten, verdammt nochmal! Ich frage mich, ob man von den 170 Schwyzer Franken vielleicht eine Dose Raumspray kaufen könnte, um den widerwärtigen Gestank aus dem Zimmer wieder rauszubekommen. Aber wahrscheinlich sind derartige Investitionen in einem Budget Hotel (wie auch Tischdecken oder brauchbare Sitzbezüge) einfach nicht realisierbar.
Mann, ist des schwyzerisch hier!
Mittwoch, 29. September 2010
Intermezzo - Tag 185 - Ne Penne in Zürich bitte!
So, bin in Zürich.
Was für ein traumhaftes Flugvergnügen. Es gibt kaum etwas, was ich mehr verabscheue, als per Flugzeug zu verreisen. Grauenhaft! Ich war gestern schon überpünktlich am Jomo Kenyatta Airport in Nairobi. Da konnte ich noch schön meinen Nikotin- und Koffeinspiegel in die Höhe treiben, bevor ich in diesen furchtbaren Terminal musste. Na ja, und wie es immer so ist. Stress pur. Die Leute von der Cargo-Abteilung hatten mir ja geraten, beim Check-In in meinen Passenger PNR eine Bemerkung eintragen zu lassen, dass mein Motorrad den Tag drauf in Zürich ankommt und ich dafür dann "Assistance" benötigte. Hat natürlich kein Aas verstanden beim Checkin. Lange Diskussionen a la "so was machen wir hier nicht". Und ich dann: "Wie? Sie machen keine PNR Kommentare, oder was?" Total behindert, aber nach einer Weile habe ich es aufgegeben und bin zur Immigration. Dort war Chaos pur, 5 Checker, die organisieren, aber nur 2 Hanseln, die die Leute abfertigen. Und es hat gedauert... Es gab ganz schön Unruhe in der Warteschlange, aber ich blieb ruhig. Als ich endlich dran war, will mich dieser Clown auch noch belehren "Legen se doch mal das Telefon weg...", und ich werde ein bisschen sauer. Durfte dann Abdrücke aller möglichen Extremitäten machen, damit das hier auch alles seine Ordnung hat. Und ich habe meinen bescheuerten Exit-Stempel bekommen - ganz ohne Schlägereien... Härrlich. Oben an den Gates angekommen, gab's natürlich noch keine Info, an welchem Gate mein Flieger abfliegt. Also erstmal rein in's (Schnell-)Restaurant. Da kümmert sich keine Sau um mich, ich bestell trotzdem und ruf meine Order in den Raum hinein. Das Futter (grottenschlecht, aber irre teuer) kommt dann tatsächlich. Natürlich ohne Besteck. Aber okay. Ich stopfe mir den Fraß rein und eile zur Anzeigetafel. Nur noch knapp eine halbe Stunde bis Abflug, aber jetzt steht das Gate fest, Nummer 9. Juti. Noch schnell Kippen für Nina im Duty Free gekauft und ab zum Gate. Dort angekommen sehe ich die Schlage, es ist definitiv noch Zeit für ne Kippe! Aber wo? Natürlich ist der gesamte Flughafenbereich Nichtraucherzone, und Raucherlounges sucht man vergeblich. Also ab in die Herrentoilette, härrlich, es gibt nichts schöneres als sich nen geilen Fix auf'm Klo reinzujagen. Da fühlt man sich echt prächtig. Na gut, nu aba los. Am Gate gibt's nochmal nen dämlichen Security Check. Und der nervt diesmal richtig. Meine Colla hatte ich ja tapfererweise schon ausgetrunken. Die ungeöffnete Wasserflasche wird mir hier abgenommen, ebenso wie mein Feuerzeug. Die Zicke vom Dienst nervt mich total ab und ich stresse etwas zurück. Aber okay, hat doch keinen Sinn, ich werfe das Feuerzeug in hohem Bogen in ihre Richtung a la "fuck you, bitch!". Nicht nett, aber mich kotzt diese Scheiße echt an. Ich habe am Flughafen permanent das Gefühl, wie Schlachtvieh behandelt zu werden. Und für diesen Wahnsinn auch noch ein Vermögen auszugeben... Egal, irgendwann bin ich im Flieger mit 300 anderen Schlachtviechern und überstehe bange Minuten. Nichts ist so entscheidend wie die richtige Positionierungsstrategie beim Einsteigen. Man kann natürlich auf den zugewiesenen Platz (in meinem Fall 38A) gehen, aber dann hat man ja gleich verloren und man kann den Krankenwagen im Zielflughafen schon einmal bestellen. Mein Plan heute is, mir eine Viererreihe in der Mitte des Fliegers zu sichern. Und es sah gut aus. Die erste okkupierte Reihe musste ich noch aufgeben, weil die Ticketbesitzer doch noch aufgekreutzt sind. Aber die Reihe dahinter war auch frei - und blieb es, yes! Allerdings gab' das kleine Problem, dass die Armlehnen nicht komplett hoch klappbar waren. Deshalb musste ich mich in der Horizontalen unter die zu 45° angewinkelten Armlehnen quetschen. Aber immerhin, besser als ne Trombose zu riskieren auf den herkömmlichen Platz in der Economy Klasse. Ganz ehrlich, für mich sind Flugreisen, wenn sie länger als ne Stunde gehen, eine einzige Verletzung der Menschenwürde. Und dazu noch diese übernervigen Stewardessen. Okay, bei der Swiss gehen sie vielleicht noch. Aber trotzdem, jeder Kontakt, der nicht von mir initiiert/explizit angefragt wird, nervt mich. Und die Damen lassen nicht locker. Wer zum Teufel würde normalerweise auf die Idee kommen, um 0300Uhr das Frühstück (bei grellem Licht versteht sich) zu servieren? Ich signalisiere nur "lasst's mich gefälligst in Ruhe" und komme damit um den größten Stress herum. Kotzen tue ich auch noch über das so wundervolle Multimediaangebot. Ist ja schon nicht so schlecht, mit den Filmchen, Mucke, Computerspiele und so weiter. Aber als ich endlich was rausgefunden hatte, was ich spielen wollte (Tennis, juchei!) und den Aufschlag bringen wollte, unterbricht das Spiel, und auf allen Monitoren kommt erstmal ein 15 Minuten Werbe-Spam-Video der Swiss. Ich KOTZE! Okay, dass dieser überdämlichen Security-Hinweise einem mehr oder weniger intravenös verabreicht werden, kann ich irgendwo noch nachvollziehen. Da gibt's bestimmt irgendwelche behämmerten Vorschriften für. Aber diese Werbescheiße? Das kann doch jetzt echt nicht der Ernst sein, oder? Das ist doch ungefähr gleichbedeutend damit, dass man den Fernsehzuschauer daheim auf dem Fernsehsessel fesselt, mit Streichhölzern die Augen offenhält und ihm das Nachtprogramm von DSF oder RTL2 reinwürgt. Irre. Als dieser Schwachsinn endlich vorbei ist, bin ich schon zu müde, um mein Spielchen anzufangen. Ich überstehe die Nacht mehr schlecht als recht. Ab und zu mache ich mal die Augen zu, und irgendwann isses dann auch vorbei. Gott sei Dank.
Komatös stolpere ich mit den anderen Fluggästen aus dem Flieger in das Terminalgebäude des Zürcher Flughafens hinein. Oh Mann, ich fühle mich großartig, sooo entspannt, nach diesem überaus angenehmen Flug. Uah, am liebsten Finger in den Hals stecken, eine Runde kotzen, dann nen Kaffee und ne Kippe.
Okay, das war vor dreieinhalb Stunden. So lange hänge ich schon an diesem beknackten Airport herum. Recht schnell hat sich rausgestellt, dass Zürich eine beliebte Stadt zum übernachten ist. Verdammt. Ich bin ein Idiot, hätte gestern abend schon eine Butze organisieren sollen! Entweder sind die Buden ausgebucht oder schweineteuer. Mir kommt die glorreiche Idee, im Hilton zu reservieren. Das geht ja nur online. Aber weder das Internet bei Mäckes noch am Service Point funktionieren vernünftig. Eine Dame vom Service Team lässt mich dann doch noch in's Internet, aber dann ist das System von Hilton down. Mal wieder! Ich kotze schon wieder. Ich mein, das ist doch kein Dorfhotel, aber was ihre Onlinepräsenz und vor allem Zuverlässigkeit des Systems angeht, da kannste echt nur mit dem Kopf schütteln. Okay, es gibt eine Telefonnummer, die ich anrufe. Ich checke sie dreimal. Sie ist korrekt. Aber ich komme nicht bei den Hiltons raus sondern bei irgendso einem bescheuerten Paketdienst. Ick glaub, ich spinne! Okay, die Lady vom Service ruft für mich beim Hilton Flughafenhotel an. Die nächsten Minuten diskutiere ich mit diesem Karnevalisten aus der Buchung. Ausgebucht. - Okay, ich bin Diamond VIP, geht da nicht was? - Hmm, wir können Ihnen eine Suite anbieten. - Okay, kein Problem, nehm ich gerne. - 1050 Schwyzer Franken. - Ja, ja, okay, immer langsam, auf Punkte versteht sich... - Ach so, nee, das geht natürlich nicht. Das geht nur online, und online geht unser System ja gerade nicht, da kann man natürlich nichts machen. - Wie bitte? - Ja, das tut uns wirklich sehr leid...
Oh Mann, was ein Volldepp. Das Hotel ist ausgebucht, okay. Aber man kann immer was machen - wenn man will. Gel, Ich-kann-nicht wohnt in der Ich-will-nicht-Straße! Da ist so eine blöde Skidelegation im Hilton und macht ne Konferenz. Ich frag mich, was die Skihasen inner Stadt verloren haben, die sollen sich auf der Alm inna Hütte über ihre Skier unterhalten, mann-o-mann. Na egal, da war auch nix zu machen. Das Zic Zac, wo ich letztes Mal übernachtet hatte, als ich in Zürich war, ist ebenfalls ausgebucht. Schwandti konnte ich nicht erreichen. Alles Mist.
Mittlerweile (eine halbe Packung Kippen später) habe ich zumindest wieder Internet (5 Schwyzer Franken für 24h sind eigentlich ganz okay) und Nina gebeten, für mich was zu organisieren. Ist aber aussichtslos. Zürich ist voll, die Preise für eine Nacht beginnen bei 250€. Tolle Scheiße. Ist hier gerade die Weltmeisterschaft im Käseessen oder das globale Treffen der Kuhglockenbemaler? Egal, Couchsurfing! Da habe ich ja einen Account und Nina hat schon ein paar Leute in Zürich kontaktiert. Aber da bekomme ich endlich ne Rückmeldung von Schwandti. Juchei, er lebt noch! Ist aber bis 7 auffa Arbeit. Jetzt muss ich mal gucken, ob ich den Wohnungsschlüssel vielleicht bei ihm inna Filiale abholen kann. Bis 7 halt ich mich wahrscheinlich nicht mehr auf den Beinen. Bin schweinemüde und hab den Hals mal wieder gestrichen voll. Ick will doch nua a bissel Ruhe!
Und ich will die Fußballergebnisse von gestern checken. Hatte in Nairobi noch einen Zwischenstand aus der ersten Halbzeit Basel - Bayern mitbekommen (1:0). Bin ja gespannt, ob die Bayern jetzt etwa auch noch in Basel auf die Mütze bekommen haben.. Hui.
Was für ein traumhaftes Flugvergnügen. Es gibt kaum etwas, was ich mehr verabscheue, als per Flugzeug zu verreisen. Grauenhaft! Ich war gestern schon überpünktlich am Jomo Kenyatta Airport in Nairobi. Da konnte ich noch schön meinen Nikotin- und Koffeinspiegel in die Höhe treiben, bevor ich in diesen furchtbaren Terminal musste. Na ja, und wie es immer so ist. Stress pur. Die Leute von der Cargo-Abteilung hatten mir ja geraten, beim Check-In in meinen Passenger PNR eine Bemerkung eintragen zu lassen, dass mein Motorrad den Tag drauf in Zürich ankommt und ich dafür dann "Assistance" benötigte. Hat natürlich kein Aas verstanden beim Checkin. Lange Diskussionen a la "so was machen wir hier nicht". Und ich dann: "Wie? Sie machen keine PNR Kommentare, oder was?" Total behindert, aber nach einer Weile habe ich es aufgegeben und bin zur Immigration. Dort war Chaos pur, 5 Checker, die organisieren, aber nur 2 Hanseln, die die Leute abfertigen. Und es hat gedauert... Es gab ganz schön Unruhe in der Warteschlange, aber ich blieb ruhig. Als ich endlich dran war, will mich dieser Clown auch noch belehren "Legen se doch mal das Telefon weg...", und ich werde ein bisschen sauer. Durfte dann Abdrücke aller möglichen Extremitäten machen, damit das hier auch alles seine Ordnung hat. Und ich habe meinen bescheuerten Exit-Stempel bekommen - ganz ohne Schlägereien... Härrlich. Oben an den Gates angekommen, gab's natürlich noch keine Info, an welchem Gate mein Flieger abfliegt. Also erstmal rein in's (Schnell-)Restaurant. Da kümmert sich keine Sau um mich, ich bestell trotzdem und ruf meine Order in den Raum hinein. Das Futter (grottenschlecht, aber irre teuer) kommt dann tatsächlich. Natürlich ohne Besteck. Aber okay. Ich stopfe mir den Fraß rein und eile zur Anzeigetafel. Nur noch knapp eine halbe Stunde bis Abflug, aber jetzt steht das Gate fest, Nummer 9. Juti. Noch schnell Kippen für Nina im Duty Free gekauft und ab zum Gate. Dort angekommen sehe ich die Schlage, es ist definitiv noch Zeit für ne Kippe! Aber wo? Natürlich ist der gesamte Flughafenbereich Nichtraucherzone, und Raucherlounges sucht man vergeblich. Also ab in die Herrentoilette, härrlich, es gibt nichts schöneres als sich nen geilen Fix auf'm Klo reinzujagen. Da fühlt man sich echt prächtig. Na gut, nu aba los. Am Gate gibt's nochmal nen dämlichen Security Check. Und der nervt diesmal richtig. Meine Colla hatte ich ja tapfererweise schon ausgetrunken. Die ungeöffnete Wasserflasche wird mir hier abgenommen, ebenso wie mein Feuerzeug. Die Zicke vom Dienst nervt mich total ab und ich stresse etwas zurück. Aber okay, hat doch keinen Sinn, ich werfe das Feuerzeug in hohem Bogen in ihre Richtung a la "fuck you, bitch!". Nicht nett, aber mich kotzt diese Scheiße echt an. Ich habe am Flughafen permanent das Gefühl, wie Schlachtvieh behandelt zu werden. Und für diesen Wahnsinn auch noch ein Vermögen auszugeben... Egal, irgendwann bin ich im Flieger mit 300 anderen Schlachtviechern und überstehe bange Minuten. Nichts ist so entscheidend wie die richtige Positionierungsstrategie beim Einsteigen. Man kann natürlich auf den zugewiesenen Platz (in meinem Fall 38A) gehen, aber dann hat man ja gleich verloren und man kann den Krankenwagen im Zielflughafen schon einmal bestellen. Mein Plan heute is, mir eine Viererreihe in der Mitte des Fliegers zu sichern. Und es sah gut aus. Die erste okkupierte Reihe musste ich noch aufgeben, weil die Ticketbesitzer doch noch aufgekreutzt sind. Aber die Reihe dahinter war auch frei - und blieb es, yes! Allerdings gab' das kleine Problem, dass die Armlehnen nicht komplett hoch klappbar waren. Deshalb musste ich mich in der Horizontalen unter die zu 45° angewinkelten Armlehnen quetschen. Aber immerhin, besser als ne Trombose zu riskieren auf den herkömmlichen Platz in der Economy Klasse. Ganz ehrlich, für mich sind Flugreisen, wenn sie länger als ne Stunde gehen, eine einzige Verletzung der Menschenwürde. Und dazu noch diese übernervigen Stewardessen. Okay, bei der Swiss gehen sie vielleicht noch. Aber trotzdem, jeder Kontakt, der nicht von mir initiiert/explizit angefragt wird, nervt mich. Und die Damen lassen nicht locker. Wer zum Teufel würde normalerweise auf die Idee kommen, um 0300Uhr das Frühstück (bei grellem Licht versteht sich) zu servieren? Ich signalisiere nur "lasst's mich gefälligst in Ruhe" und komme damit um den größten Stress herum. Kotzen tue ich auch noch über das so wundervolle Multimediaangebot. Ist ja schon nicht so schlecht, mit den Filmchen, Mucke, Computerspiele und so weiter. Aber als ich endlich was rausgefunden hatte, was ich spielen wollte (Tennis, juchei!) und den Aufschlag bringen wollte, unterbricht das Spiel, und auf allen Monitoren kommt erstmal ein 15 Minuten Werbe-Spam-Video der Swiss. Ich KOTZE! Okay, dass dieser überdämlichen Security-Hinweise einem mehr oder weniger intravenös verabreicht werden, kann ich irgendwo noch nachvollziehen. Da gibt's bestimmt irgendwelche behämmerten Vorschriften für. Aber diese Werbescheiße? Das kann doch jetzt echt nicht der Ernst sein, oder? Das ist doch ungefähr gleichbedeutend damit, dass man den Fernsehzuschauer daheim auf dem Fernsehsessel fesselt, mit Streichhölzern die Augen offenhält und ihm das Nachtprogramm von DSF oder RTL2 reinwürgt. Irre. Als dieser Schwachsinn endlich vorbei ist, bin ich schon zu müde, um mein Spielchen anzufangen. Ich überstehe die Nacht mehr schlecht als recht. Ab und zu mache ich mal die Augen zu, und irgendwann isses dann auch vorbei. Gott sei Dank.
Komatös stolpere ich mit den anderen Fluggästen aus dem Flieger in das Terminalgebäude des Zürcher Flughafens hinein. Oh Mann, ich fühle mich großartig, sooo entspannt, nach diesem überaus angenehmen Flug. Uah, am liebsten Finger in den Hals stecken, eine Runde kotzen, dann nen Kaffee und ne Kippe.
Okay, das war vor dreieinhalb Stunden. So lange hänge ich schon an diesem beknackten Airport herum. Recht schnell hat sich rausgestellt, dass Zürich eine beliebte Stadt zum übernachten ist. Verdammt. Ich bin ein Idiot, hätte gestern abend schon eine Butze organisieren sollen! Entweder sind die Buden ausgebucht oder schweineteuer. Mir kommt die glorreiche Idee, im Hilton zu reservieren. Das geht ja nur online. Aber weder das Internet bei Mäckes noch am Service Point funktionieren vernünftig. Eine Dame vom Service Team lässt mich dann doch noch in's Internet, aber dann ist das System von Hilton down. Mal wieder! Ich kotze schon wieder. Ich mein, das ist doch kein Dorfhotel, aber was ihre Onlinepräsenz und vor allem Zuverlässigkeit des Systems angeht, da kannste echt nur mit dem Kopf schütteln. Okay, es gibt eine Telefonnummer, die ich anrufe. Ich checke sie dreimal. Sie ist korrekt. Aber ich komme nicht bei den Hiltons raus sondern bei irgendso einem bescheuerten Paketdienst. Ick glaub, ich spinne! Okay, die Lady vom Service ruft für mich beim Hilton Flughafenhotel an. Die nächsten Minuten diskutiere ich mit diesem Karnevalisten aus der Buchung. Ausgebucht. - Okay, ich bin Diamond VIP, geht da nicht was? - Hmm, wir können Ihnen eine Suite anbieten. - Okay, kein Problem, nehm ich gerne. - 1050 Schwyzer Franken. - Ja, ja, okay, immer langsam, auf Punkte versteht sich... - Ach so, nee, das geht natürlich nicht. Das geht nur online, und online geht unser System ja gerade nicht, da kann man natürlich nichts machen. - Wie bitte? - Ja, das tut uns wirklich sehr leid...
Oh Mann, was ein Volldepp. Das Hotel ist ausgebucht, okay. Aber man kann immer was machen - wenn man will. Gel, Ich-kann-nicht wohnt in der Ich-will-nicht-Straße! Da ist so eine blöde Skidelegation im Hilton und macht ne Konferenz. Ich frag mich, was die Skihasen inner Stadt verloren haben, die sollen sich auf der Alm inna Hütte über ihre Skier unterhalten, mann-o-mann. Na egal, da war auch nix zu machen. Das Zic Zac, wo ich letztes Mal übernachtet hatte, als ich in Zürich war, ist ebenfalls ausgebucht. Schwandti konnte ich nicht erreichen. Alles Mist.
Mittlerweile (eine halbe Packung Kippen später) habe ich zumindest wieder Internet (5 Schwyzer Franken für 24h sind eigentlich ganz okay) und Nina gebeten, für mich was zu organisieren. Ist aber aussichtslos. Zürich ist voll, die Preise für eine Nacht beginnen bei 250€. Tolle Scheiße. Ist hier gerade die Weltmeisterschaft im Käseessen oder das globale Treffen der Kuhglockenbemaler? Egal, Couchsurfing! Da habe ich ja einen Account und Nina hat schon ein paar Leute in Zürich kontaktiert. Aber da bekomme ich endlich ne Rückmeldung von Schwandti. Juchei, er lebt noch! Ist aber bis 7 auffa Arbeit. Jetzt muss ich mal gucken, ob ich den Wohnungsschlüssel vielleicht bei ihm inna Filiale abholen kann. Bis 7 halt ich mich wahrscheinlich nicht mehr auf den Beinen. Bin schweinemüde und hab den Hals mal wieder gestrichen voll. Ick will doch nua a bissel Ruhe!
Und ich will die Fußballergebnisse von gestern checken. Hatte in Nairobi noch einen Zwischenstand aus der ersten Halbzeit Basel - Bayern mitbekommen (1:0). Bin ja gespannt, ob die Bayern jetzt etwa auch noch in Basel auf die Mütze bekommen haben.. Hui.
Dienstag, 28. September 2010
Mopped kommt erst Mittwoch mit....
Hab gerade mit meinem Spezi telefoniert, Robert. Er hätte mich ja auch mal anrufen können, na ja. Das Gute ist, dass die ganzen nervigen Kontrollen (Dangerous Goods, Customs und so) erfolgreich durchgelaufen sind. Dit Bike ist praktisch ready for takeoff.
Allerdings meinte Robert, dass der Flieger heute abend voll wäre, und das Bike deshalb erst am Mittwoch raus geht. Ich kann es dann also am Donnerstagmorgen in Zürich beim Cargo Center abholen... Jetzt muss ich noch eine Nacht in Zürich verbringen, dann am Donnerstagmorgen Mopped abholen, Teile anschrauben, ab zu BMW in Dielsdorf, den Stoßdämpfer dran tun und dann endlich nach Wien zu meinem Engel. Noch zwei Nächte ohne dich, Bebi...
Allerdings meinte Robert, dass der Flieger heute abend voll wäre, und das Bike deshalb erst am Mittwoch raus geht. Ich kann es dann also am Donnerstagmorgen in Zürich beim Cargo Center abholen... Jetzt muss ich noch eine Nacht in Zürich verbringen, dann am Donnerstagmorgen Mopped abholen, Teile anschrauben, ab zu BMW in Dielsdorf, den Stoßdämpfer dran tun und dann endlich nach Wien zu meinem Engel. Noch zwei Nächte ohne dich, Bebi...
Nix Fedabein in Zürich
Hab gerade schon wieder so 'ne Art Hiobsbotschaft erhalten. Diesmal von der BMW Werkstatt in Zürich. Entgegen der vorherigen Aussage, dass das Teil innerhalb eines Tages geliefert wird, hat sich die Lieferzeit gerade mal auf 1 Monat (!!!) für die Adventure bzw. 1 Woche für die normale GS verlängert. Das saugt! Ist doch schon komisch, oder? Wieso zum Teufel dauert das so eine Ewigkeit. Da habe ich doch das Federbein dreimal schneller an jedem beliebigen Platz in Afrika...
Naja, der Werkstattmeister hat aber noch ein gebrauchtes GS-Federbein auf Tasche, welches er mir morgen (oder übermorgen) einbauen will. Das ist zwar etwas kürzer als das Original-Federbein der Adventure, sollte aber "im Notfall" auch gehen. Ich soll's ihm dann zurück schicken, wenn ich in Berlin angekommen bin. Das hört sich eigentlich gar nicht so schlecht an, vor allem auch für's Portemonnaie... 800 Euronen hätte das neue Teil nämlich gekostet! Der Woahnsinn. Jetzt hoffe ich doch mal, dass das Teil von der "normalen" GS dann auch wirklich passt... Und in Deutschland überlege ich mir noch was.
Naja, der Werkstattmeister hat aber noch ein gebrauchtes GS-Federbein auf Tasche, welches er mir morgen (oder übermorgen) einbauen will. Das ist zwar etwas kürzer als das Original-Federbein der Adventure, sollte aber "im Notfall" auch gehen. Ich soll's ihm dann zurück schicken, wenn ich in Berlin angekommen bin. Das hört sich eigentlich gar nicht so schlecht an, vor allem auch für's Portemonnaie... 800 Euronen hätte das neue Teil nämlich gekostet! Der Woahnsinn. Jetzt hoffe ich doch mal, dass das Teil von der "normalen" GS dann auch wirklich passt... Und in Deutschland überlege ich mir noch was.
Intermezzo - Tag 184 - Warten auf den Abflug
Juti, es läuft - soweit. Hab meine letzte Nacht in Afrika, hier im Shalom House gut überstanden. Jetzt verbringe ich noch den Nachmittag hier und chille mich in meinem Zimmer aus, bevor es am Abend zum Flughafen geht. 2325Uhr hebt er ab, der Flieger, um 2210Uhr ist "latest check-in". Na ja, eingecheckt bin ich ja schon (online), aber ich werde heute dennoch die konservative Schiene fahren und bereits um 2205Uhr am Flughafen sein - spätestens! Versprochen!!
Von Robertchen habe ich heute früh ne Mail bekommen, dass er vergessen hätte, nach dem Zündschlüssel (der auch für die Koffer passt) zu fragen - falls der Zoll mal in die Koffer reinschauen möchte - wovon ich ja zu 99,95% ausgehe... Schlafmütze. Hatte ihm doch lang und breit alles erklärt. Der Schlüssel steckt im Zündschloss... Na ja, es bleibt bis zuletzt spannend. Ich fand die Jungs von DB Schenker und dem Warehouse insgesamt schon ziemlich professionell, aber ein Restrisiko bleibt natürlich. Nicht schlecht gestaunt hatte ich, als ich Robert auf die Lieferadresse angesprochen hatte und er zu glauben schien, dass es nach Berlin in die Grünberger Str. gehen sollte. Hui, das war knapp. Aber ich hoffe doch mal, dass wir jetzt alle potentiellen Missverständnisse ausgeräumt haben, und das Bike wie besprochen am Cargo Center in Zürich-Kloten ankommt... Natürlich weiß ich noch nicht, ob es das Bike jetzt tatsächlich noch auf den heutigen Flieger schafft, aber ich gehe fast schon davon aus, dass es erst morgen mit geht...
In Zürich habe ich derweil die BMW-Werkstatt kontaktiert, in Dielsdorf. Na ja, wie nicht anders zu erwarten war, hat sich der Preis für ein neues Federbein ordentlich gewaschen. Junge, Junge, hab ganz schön mit den Ohren gewackelt. Papa meinte noch, dass es in diesem Fall nicht unbedingt ein Originalteil sein müsse, aber ich habe mich aus Sicherheits- und Bequemlichkeitsgründen dennoch dafür entschieden. Es dauert ein Tag, mit das Federbein bestellt und geliefert ist. Also müsste es - sofern mein Bike denn heute noch mit kommt - morgen mit dem Einbau bereits klappen.
Falls ich in Zürich übernachten muss, hatte ich mir wieder das Zic Zac Rock 'n Roll Hotel ausgeguckt. Der Laden ist aber schon ausgebucht für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Mist. Kann aber am Mittwoch nochmal anrufen; vielleicht gibt's ja bis dahin irgendwelche Stornos. Schwandti habe ich auch kontaktet, vielleicht meldet sich die alte Kanone ja mal bei mir.
So, jetzt sitze ich - mal wieder - beim ziemlich guten Italiener im Erdgeschoss des Shalom House und werde es mir nochmal richtig gut gehen lassen. Nach dem Futtern muss ich mich ja mit meinem dicken Bauch nur noch ein paar Stufen in meine Butze hinauf quälen und kann dann mein wohlverdientes Mittagsschläfchen halten. Das Leben ist die Hölle!
Von Robertchen habe ich heute früh ne Mail bekommen, dass er vergessen hätte, nach dem Zündschlüssel (der auch für die Koffer passt) zu fragen - falls der Zoll mal in die Koffer reinschauen möchte - wovon ich ja zu 99,95% ausgehe... Schlafmütze. Hatte ihm doch lang und breit alles erklärt. Der Schlüssel steckt im Zündschloss... Na ja, es bleibt bis zuletzt spannend. Ich fand die Jungs von DB Schenker und dem Warehouse insgesamt schon ziemlich professionell, aber ein Restrisiko bleibt natürlich. Nicht schlecht gestaunt hatte ich, als ich Robert auf die Lieferadresse angesprochen hatte und er zu glauben schien, dass es nach Berlin in die Grünberger Str. gehen sollte. Hui, das war knapp. Aber ich hoffe doch mal, dass wir jetzt alle potentiellen Missverständnisse ausgeräumt haben, und das Bike wie besprochen am Cargo Center in Zürich-Kloten ankommt... Natürlich weiß ich noch nicht, ob es das Bike jetzt tatsächlich noch auf den heutigen Flieger schafft, aber ich gehe fast schon davon aus, dass es erst morgen mit geht...
In Zürich habe ich derweil die BMW-Werkstatt kontaktiert, in Dielsdorf. Na ja, wie nicht anders zu erwarten war, hat sich der Preis für ein neues Federbein ordentlich gewaschen. Junge, Junge, hab ganz schön mit den Ohren gewackelt. Papa meinte noch, dass es in diesem Fall nicht unbedingt ein Originalteil sein müsse, aber ich habe mich aus Sicherheits- und Bequemlichkeitsgründen dennoch dafür entschieden. Es dauert ein Tag, mit das Federbein bestellt und geliefert ist. Also müsste es - sofern mein Bike denn heute noch mit kommt - morgen mit dem Einbau bereits klappen.
Falls ich in Zürich übernachten muss, hatte ich mir wieder das Zic Zac Rock 'n Roll Hotel ausgeguckt. Der Laden ist aber schon ausgebucht für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Mist. Kann aber am Mittwoch nochmal anrufen; vielleicht gibt's ja bis dahin irgendwelche Stornos. Schwandti habe ich auch kontaktet, vielleicht meldet sich die alte Kanone ja mal bei mir.
So, jetzt sitze ich - mal wieder - beim ziemlich guten Italiener im Erdgeschoss des Shalom House und werde es mir nochmal richtig gut gehen lassen. Nach dem Futtern muss ich mich ja mit meinem dicken Bauch nur noch ein paar Stufen in meine Butze hinauf quälen und kann dann mein wohlverdientes Mittagsschläfchen halten. Das Leben ist die Hölle!
Montag, 27. September 2010
Intermezzo - Tag 183 - Letzte Nacht in Affricke
Ui, langsam komme ich mir schon vor wie in alten Zeiten bei der Austrian. Habe heute praktisch den ganzen Tag auf'm Flughafen zugebracht. Wecker hat um sieben geklingelt, aber nicht eindringlich genug, um mich wirklich aus'm Bett zu bekommen. So bin ich um halb zehn wieder mal verkatert aus dem Bett gekrochen. Noch schnell die Sachen gepackt, auf dem Mopped verzurrt und los ging's.
Der Stoßdämpfer sieht mittlerweile RICHTIG scheiße aus und wäre ich nicht ich, dann würde ich jetzt sagen: damit kann man keinen Meter mehr fahren.
Well, ein paar Meter müssen allerdings noch sein. Jetzt nur nicht kurz vor der Ziellinie zusammenbrechen! Na ja, um halb elf oder so war ich dann bei meinen Kumpels von DB Schenker.
Noch kurz mit Robert gequasselt und dann ab in's Warehouse. Batterie abklemmen, Öl ablassen (was ne Sauerei!) und Benzin aus'm Tank raus tun. Letzteres war irgendwie nicht so leicht. Die Kollegas haben mit 'nem Schlauch und klassischem Ansaugen per Mund ihr bestes gegeben, aber so sehr sie auch gesaugt haben, viel ist es nicht raus gekommen. Na ja, vielleicht sind sie in Sachen Fellatio nicht so bewandert...
Hab dann nochmal meinen Papa angerufen, aber er meinte auch, dass die Lösung per Schlauch die einzige ist mit vertretbaren Aufwand. Anderenfalls muss man die halbe Maschine auseinander schrauben, worauf ich keinen Bock hatte. Well, ein bisschen Sprit ist deshalb noch drin geblieben, hoffentlich stören sich die Kollegen bei der Kontrolle der "Dangerous Goods" nicht zu sehr daran...
Den Lenker habe ich dann auch noch etwas korrigiert, womit die Höhe des Crates nun mehr nur noch sagenhafte 1,35m beträgt. Also 43cm gegenüber Freitag gespart, hurra! Die Gesamtmaße sind immer noch stattliche 2,50m x 1,35m x 0,94m, was nach Umrechung in's volumetrische Gewicht und danach in Dollars in jenau 2391 US Öken umschlägt, inklusive der - wie ich finde ziemlich akzeptablen - 200 Dollars für's Craten. Ich hatte dem Ober-Crater nochmal 1000 Kenia Shillingse in die Hand gedrückt mit der Anmerkung, er solle schön darauf achten, dass die Kiste so klein wie möglich wird. Gesagt, getan. Ich bin einigermaßen zufrieden.
Ähem, eigenartiges Foto, fällt mir gerade auf. Also keine Panik, mir geht's prächtig, ich bin wohlauf. Auch wenn mein Name drauf steht: ich werde nicht in der Holzkiste nach Europa zurück transportiert, nur das Mopped und etwas Gepäck. Jawoll.
Während des Cratens habe ich dann versucht, auf dem Airport meine Kohle, die Mama mir geschickt hatte, abzuholen. Natürlich gab's irgendeinen dämlichen Systemausfall, weshalb ich zu einer anderen Western Union Bude eilen musste. Irgendsoein pompöses Hotel an der Mombasa, dessen Namen ich ständig vergesse. Parina Skystation oder so ähnlich. Na ja, jedenfalls hat's dort geklappt und ich hab mich mit fast 3000 US Dollars bewaffnet. Fühlt man sich dann doch nicht mehr so behaglich, und überall lauern Gangster... Im Food Court gab's dann sagenhafte Masala Dosa (habe ich seit 2001, Singapur, nicht mehr gegessen), aber der Anruf von Robert kam und kam nicht. Gegen fünf hab ich dann selber angerufen, wie's denn nun ausschaut mit dem Craten und v.a. der Rechnung. Er schlug mir doch tatsächlich vor, morgen früh nochmal vorbei zu kommen, worauf ich nun überhaupt keinen Bock hatte. Ist ja nicht gerade umme Ecke dieser dämliche Flughafen, und öfter als absolut nötig will ich da eben auch nicht aufkreuzen müssen... Na ja, hat ja doch noch alles geklappt. Und ich konnte meine Dollars schnell wieder loswerden. Morgen bekomme ich dann per Email die sogenannte "Airbill" oder so ähnlich. Das ist ein Dokument, womit ich dann in Zürich im Cargo Center meine Kiste wieder abholen kann. Robert macht eine Bemerkung in den PNR, dass mir die Kollegen in Zürich gefälligst beim "entcraten" helfen sollen. Wird sonst nämlich schwierig für mich, die zahlreichen Nägel aus dem Holzsarg mit bloßen Händen raus zu ziehen...
Yep, morgen geht die Maschine dann nochmal durch diverse Checks: erstens Kontrolle für "Dangerous Goods". Jedes Motorrad (bzw. Kraftfahrzeug) ist per Definition ein Gefahrengut und muss durch eine spezielle Kontrolle. Danach ist der Zoll an der Reihe und steckt seine neugierige Nase in meine feine Kiste. Wenn das alles zügig geht, worauf ich Robert gedrängt habe, kommt die Maschine vielleicht schon in den morgigen Flieger nach Zürich. Falls nicht, dann aber hoffentlich spätestens am Mittwoch...
Ich selbst fliege morgen Abend. Das Ticket habe ich mir gestern bei der Swiss online organisiert. Für beide Tickets (Pax und Cargo) zusammen lege ich ansehnliche 3000 Dollars auf'n Tisch. Während ich in der Holzklasse sitze, reist mein Bike selbstredend FIRST CLASS. Hat's sich ja auch redlich verdient nach den anstrengenden letzten Monaten.
Und wir alle (das Mopped, der Teddy, der Kater und natürlich vor allem ich) freuen und WAHNSINNIG darauf, Ninalein wieder zusehen. Jetzt sind's nur noch ein paar wenige Tage, dann isses endlich soweit. Juchuh!!!
In Zürich muss ich dann aber als allererstes eine Werkstatt ansteuern, die mir den Stoßdämpfer austauschen kann. Wird auch noch mal ein paar Euronen bzw. Schwyzer Franken kosten, aber da komm ich nicht drum herum. Und dann geht's ab auf'm Highway nach Wien. Freu ;-)
Der Stoßdämpfer sieht mittlerweile RICHTIG scheiße aus und wäre ich nicht ich, dann würde ich jetzt sagen: damit kann man keinen Meter mehr fahren.
Well, ein paar Meter müssen allerdings noch sein. Jetzt nur nicht kurz vor der Ziellinie zusammenbrechen! Na ja, um halb elf oder so war ich dann bei meinen Kumpels von DB Schenker.
Noch kurz mit Robert gequasselt und dann ab in's Warehouse. Batterie abklemmen, Öl ablassen (was ne Sauerei!) und Benzin aus'm Tank raus tun. Letzteres war irgendwie nicht so leicht. Die Kollegas haben mit 'nem Schlauch und klassischem Ansaugen per Mund ihr bestes gegeben, aber so sehr sie auch gesaugt haben, viel ist es nicht raus gekommen. Na ja, vielleicht sind sie in Sachen Fellatio nicht so bewandert...
Hab dann nochmal meinen Papa angerufen, aber er meinte auch, dass die Lösung per Schlauch die einzige ist mit vertretbaren Aufwand. Anderenfalls muss man die halbe Maschine auseinander schrauben, worauf ich keinen Bock hatte. Well, ein bisschen Sprit ist deshalb noch drin geblieben, hoffentlich stören sich die Kollegen bei der Kontrolle der "Dangerous Goods" nicht zu sehr daran...
Den Lenker habe ich dann auch noch etwas korrigiert, womit die Höhe des Crates nun mehr nur noch sagenhafte 1,35m beträgt. Also 43cm gegenüber Freitag gespart, hurra! Die Gesamtmaße sind immer noch stattliche 2,50m x 1,35m x 0,94m, was nach Umrechung in's volumetrische Gewicht und danach in Dollars in jenau 2391 US Öken umschlägt, inklusive der - wie ich finde ziemlich akzeptablen - 200 Dollars für's Craten. Ich hatte dem Ober-Crater nochmal 1000 Kenia Shillingse in die Hand gedrückt mit der Anmerkung, er solle schön darauf achten, dass die Kiste so klein wie möglich wird. Gesagt, getan. Ich bin einigermaßen zufrieden.
Ähem, eigenartiges Foto, fällt mir gerade auf. Also keine Panik, mir geht's prächtig, ich bin wohlauf. Auch wenn mein Name drauf steht: ich werde nicht in der Holzkiste nach Europa zurück transportiert, nur das Mopped und etwas Gepäck. Jawoll.
Während des Cratens habe ich dann versucht, auf dem Airport meine Kohle, die Mama mir geschickt hatte, abzuholen. Natürlich gab's irgendeinen dämlichen Systemausfall, weshalb ich zu einer anderen Western Union Bude eilen musste. Irgendsoein pompöses Hotel an der Mombasa, dessen Namen ich ständig vergesse. Parina Skystation oder so ähnlich. Na ja, jedenfalls hat's dort geklappt und ich hab mich mit fast 3000 US Dollars bewaffnet. Fühlt man sich dann doch nicht mehr so behaglich, und überall lauern Gangster... Im Food Court gab's dann sagenhafte Masala Dosa (habe ich seit 2001, Singapur, nicht mehr gegessen), aber der Anruf von Robert kam und kam nicht. Gegen fünf hab ich dann selber angerufen, wie's denn nun ausschaut mit dem Craten und v.a. der Rechnung. Er schlug mir doch tatsächlich vor, morgen früh nochmal vorbei zu kommen, worauf ich nun überhaupt keinen Bock hatte. Ist ja nicht gerade umme Ecke dieser dämliche Flughafen, und öfter als absolut nötig will ich da eben auch nicht aufkreuzen müssen... Na ja, hat ja doch noch alles geklappt. Und ich konnte meine Dollars schnell wieder loswerden. Morgen bekomme ich dann per Email die sogenannte "Airbill" oder so ähnlich. Das ist ein Dokument, womit ich dann in Zürich im Cargo Center meine Kiste wieder abholen kann. Robert macht eine Bemerkung in den PNR, dass mir die Kollegen in Zürich gefälligst beim "entcraten" helfen sollen. Wird sonst nämlich schwierig für mich, die zahlreichen Nägel aus dem Holzsarg mit bloßen Händen raus zu ziehen...
Yep, morgen geht die Maschine dann nochmal durch diverse Checks: erstens Kontrolle für "Dangerous Goods". Jedes Motorrad (bzw. Kraftfahrzeug) ist per Definition ein Gefahrengut und muss durch eine spezielle Kontrolle. Danach ist der Zoll an der Reihe und steckt seine neugierige Nase in meine feine Kiste. Wenn das alles zügig geht, worauf ich Robert gedrängt habe, kommt die Maschine vielleicht schon in den morgigen Flieger nach Zürich. Falls nicht, dann aber hoffentlich spätestens am Mittwoch...
Ich selbst fliege morgen Abend. Das Ticket habe ich mir gestern bei der Swiss online organisiert. Für beide Tickets (Pax und Cargo) zusammen lege ich ansehnliche 3000 Dollars auf'n Tisch. Während ich in der Holzklasse sitze, reist mein Bike selbstredend FIRST CLASS. Hat's sich ja auch redlich verdient nach den anstrengenden letzten Monaten.
Und wir alle (das Mopped, der Teddy, der Kater und natürlich vor allem ich) freuen und WAHNSINNIG darauf, Ninalein wieder zusehen. Jetzt sind's nur noch ein paar wenige Tage, dann isses endlich soweit. Juchuh!!!
In Zürich muss ich dann aber als allererstes eine Werkstatt ansteuern, die mir den Stoßdämpfer austauschen kann. Wird auch noch mal ein paar Euronen bzw. Schwyzer Franken kosten, aber da komm ich nicht drum herum. Und dann geht's ab auf'm Highway nach Wien. Freu ;-)
Sonntag, 26. September 2010
Intermezzo - Tag 182 - In zwei Tagen ab nach Zürich
Nachdem meine lieben Eltern eine schlimme Zeit durchgestanden haben und trotz meiner Besuche in Mauretanien, Niger, Nigeria, Kongo und was weiß ich was für Bananenrepubliken mit viel Glück um die Zahlung von Lösegeld in Millionenhöhe drum rum gekommen sind, schlägt das Schicksal auf dem letzten Metern doch noch mal erbarmungslos zu. Meine Mama fährt morgen nach Cottbus zur Postbank, um mir die für die Bezahlung des Moppedtransports nach Zürich benötigte Kohle per Western Union zu überweisen. Ne ganz schöne Stange Geld, ohjemine! Aber so habe ich das Geld jedenfalls einigermaßen sicher am Montagabend, um es den DB Schenkers in den Hals zu werfen.
Heute habe ich das Mopped "dismantled", d.h. Windschutzscheibe, Handprotektoren und Spiegel abgebaut. Jetzt sieht se richtig racer-mässig aus, meine kleine schwarze Prinzessin. Auf jeden Fall sollte das nächste Crate, was morgen gebastelt wird, erheblich kleiner ausfallen als das letzte. Hab mir überlegt, dass es richtig platz- und kostensparend wird, wenn ich den Lenker noch abbaue. Dadurch verringert sich sowohl Höhe als auch Breite. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich das Ding wirklich einfach so abbauen kann, was mit den Brems- und Kupplungsschläuchen passiert und ob ich das dann alles überhaupt wieder zusammen bekomme in Zürich... Na ja, lasse ich erstmal schön sein, vielleicht mache ich das morgen noch vor Ort am Flughafen. Nina hat mir schön aufgelistet, worauf ich alles achten muss beim Verschiffen des Moppeds. Laut internationeler Regeln muss auf jeden Fall das Motoröl und natürlich der Sprit komplett raus. Und auch die Batterie muss abgeklemmt sein. Puh, vielleicht würde es auch so durchgehen, aber vielleicht würde es auch ein paar Tage Extra-Wartezeit bedeuten, wenn der Zoll oder irgendeine Sicherheitskontrolle hier Streß machen... Also lieber mal auf Nummer sicher gehen.
Mit Papa habe ich wegen meinem demolierten zentralen Federbein gesprochen. Er meint, dass ich es auf jeden Fall austauschen muss. Der Kolben des Stoßdämpfers hat sich durch die Ruckelei auf dem Rückweg von Moyale und diesem fiesen Huckel kurz vor Nairobi fein in der Feder verklemmt. Da geht nix mehr, weder federn noch dämpfen. Und es nützt nix, da muss ein neuer Stoßdämpfer rein, auf alle Fälle. Organisiere morgen in Zürich eine Werkstatt, die das für mich hoffentlich unmittelbar nach meiner Ankunft erledigen kann. Wäre ja auch blöd, wenn mein Bike "auf den letzten Kilometern" von Zürich nach Wien auf der Autobahn zusammen sackt, weil das Federbein unter der immensen Last (ich glaub, ich hab keines meiner 120 Kilos verloren in den sechs Monaten Afrique) zusammen bricht.
Es ist ja noch nicht ganz klar, wann mein Mopped nun mit kommt auf den Flieger, Mittwochabend oder vielleicht doch schon Dienstagabend. Ich denke mal positiv und buche für mich selbst jetzt den Dienstagabend Flieger. Notfalls muss ich halt noch eine Nacht in Zürich übernachten, vielleicht im Zic Zack Rock 'n Roll Hotel, wo ich ja auf der Hinreise schon mal Station gemacht hatte, oder vielleicht auch bei Schwandti. Muss ich mal anrufen, den juten Schwandti.
Wegen des noch zur Verfügung stehenden Cargo-Platzes für Nairobi-Zürich hat sich - wenig überraschend - niemand gemeldet. Hätte mich auch irgendwie gewundert. Dafür habe ich heute nochmal mit Duncan aus der JJ telefoniert. Alles cool, meint er, es gibt keine offenen Rechnungen oder so. Juti, fein. Werd aber wohl trotzdem nicht mehr in der JJ vorbei schauen, keine Lust auf einen weiteren Absturz.
Unterdessen habe ich mich heute offenbar mehr oder weniger erfolgreich einer Stalkerin entledigt. In Marsabit hatte ich vor ein paar Tagen - kurz nach meinem Beinahe-Infight mit dem Ranger - einer Einheimischen, die die Szene beobachtet hatte meine Telefonnummer gegeben - auf ihre Bitte hin. Wahrscheinlich war ich froh in dem Moment über eine Prise Solidarität. Auf jeden Fall war's ein Fehler, denn die Gute stellte sich als hartnäckige Stalkerin heraus. Das passiert vielleicht bei jedem zehnten Mal, wenn ich meine Nummer rausgebe, dass danach das Telefon nicht mehr zur Ruhe kommt. Ist zum Teil witzig, meistens aber einfach nur nervig. Ich kann mich an diese Person null erinnern und hab auch null Interesse an ihr, trotzdem ballerte sie mich mit Anrufen und SMSe voll. Heute habe ich ihr in einer ausführlichen SMS zurück geschrieben, dass ich eine FREUNDIN habe, sie sehr liebe und es "unangebracht" finde, wie sie mich belagert. Danach kam dann nur noch eine Nachricht, dass sie ja eigentlich nur nach Unterstützung für ihre Ausbildung sucht und hofft, dass wir ihr da helfen können. Aha, interessante Geschichte. Auf was für Ideen die Leute manchmal kommen, ist schon irre...
Heute habe ich das Mopped "dismantled", d.h. Windschutzscheibe, Handprotektoren und Spiegel abgebaut. Jetzt sieht se richtig racer-mässig aus, meine kleine schwarze Prinzessin. Auf jeden Fall sollte das nächste Crate, was morgen gebastelt wird, erheblich kleiner ausfallen als das letzte. Hab mir überlegt, dass es richtig platz- und kostensparend wird, wenn ich den Lenker noch abbaue. Dadurch verringert sich sowohl Höhe als auch Breite. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich das Ding wirklich einfach so abbauen kann, was mit den Brems- und Kupplungsschläuchen passiert und ob ich das dann alles überhaupt wieder zusammen bekomme in Zürich... Na ja, lasse ich erstmal schön sein, vielleicht mache ich das morgen noch vor Ort am Flughafen. Nina hat mir schön aufgelistet, worauf ich alles achten muss beim Verschiffen des Moppeds. Laut internationeler Regeln muss auf jeden Fall das Motoröl und natürlich der Sprit komplett raus. Und auch die Batterie muss abgeklemmt sein. Puh, vielleicht würde es auch so durchgehen, aber vielleicht würde es auch ein paar Tage Extra-Wartezeit bedeuten, wenn der Zoll oder irgendeine Sicherheitskontrolle hier Streß machen... Also lieber mal auf Nummer sicher gehen.
Mit Papa habe ich wegen meinem demolierten zentralen Federbein gesprochen. Er meint, dass ich es auf jeden Fall austauschen muss. Der Kolben des Stoßdämpfers hat sich durch die Ruckelei auf dem Rückweg von Moyale und diesem fiesen Huckel kurz vor Nairobi fein in der Feder verklemmt. Da geht nix mehr, weder federn noch dämpfen. Und es nützt nix, da muss ein neuer Stoßdämpfer rein, auf alle Fälle. Organisiere morgen in Zürich eine Werkstatt, die das für mich hoffentlich unmittelbar nach meiner Ankunft erledigen kann. Wäre ja auch blöd, wenn mein Bike "auf den letzten Kilometern" von Zürich nach Wien auf der Autobahn zusammen sackt, weil das Federbein unter der immensen Last (ich glaub, ich hab keines meiner 120 Kilos verloren in den sechs Monaten Afrique) zusammen bricht.
Es ist ja noch nicht ganz klar, wann mein Mopped nun mit kommt auf den Flieger, Mittwochabend oder vielleicht doch schon Dienstagabend. Ich denke mal positiv und buche für mich selbst jetzt den Dienstagabend Flieger. Notfalls muss ich halt noch eine Nacht in Zürich übernachten, vielleicht im Zic Zack Rock 'n Roll Hotel, wo ich ja auf der Hinreise schon mal Station gemacht hatte, oder vielleicht auch bei Schwandti. Muss ich mal anrufen, den juten Schwandti.
Wegen des noch zur Verfügung stehenden Cargo-Platzes für Nairobi-Zürich hat sich - wenig überraschend - niemand gemeldet. Hätte mich auch irgendwie gewundert. Dafür habe ich heute nochmal mit Duncan aus der JJ telefoniert. Alles cool, meint er, es gibt keine offenen Rechnungen oder so. Juti, fein. Werd aber wohl trotzdem nicht mehr in der JJ vorbei schauen, keine Lust auf einen weiteren Absturz.
Unterdessen habe ich mich heute offenbar mehr oder weniger erfolgreich einer Stalkerin entledigt. In Marsabit hatte ich vor ein paar Tagen - kurz nach meinem Beinahe-Infight mit dem Ranger - einer Einheimischen, die die Szene beobachtet hatte meine Telefonnummer gegeben - auf ihre Bitte hin. Wahrscheinlich war ich froh in dem Moment über eine Prise Solidarität. Auf jeden Fall war's ein Fehler, denn die Gute stellte sich als hartnäckige Stalkerin heraus. Das passiert vielleicht bei jedem zehnten Mal, wenn ich meine Nummer rausgebe, dass danach das Telefon nicht mehr zur Ruhe kommt. Ist zum Teil witzig, meistens aber einfach nur nervig. Ich kann mich an diese Person null erinnern und hab auch null Interesse an ihr, trotzdem ballerte sie mich mit Anrufen und SMSe voll. Heute habe ich ihr in einer ausführlichen SMS zurück geschrieben, dass ich eine FREUNDIN habe, sie sehr liebe und es "unangebracht" finde, wie sie mich belagert. Danach kam dann nur noch eine Nachricht, dass sie ja eigentlich nur nach Unterstützung für ihre Ausbildung sucht und hofft, dass wir ihr da helfen können. Aha, interessante Geschichte. Auf was für Ideen die Leute manchmal kommen, ist schon irre...
Samstag, 25. September 2010
Jungle Junk - Nee, danke
Oh Mann. Ich hab mich ja versucht, zurück zu halten und keinen generellen Jungle Junction Diss zu schreiben, aber ich war heute nur mal für ein, zwei Stunden dort zu Besuch, um meine "Annonce" aufzugeben zwecks zur Verfügung stehendem Cargoplatz für Nairobi-Zürich.
Aber ich weiß auch nicht, sobald ich dort zum Tor reinfahre, könnt ich schon wieder anfangen zu kotzen. Duncan war seltsam komisch drauf heute. Ich erkläre ihm, warum ich hier bin, wegen der Cargo-Sache eben, er reagiert nur komisch und brubbelt irgendwas unverständliches. Es gibt keinen Zettel, auf den ich was schreiben kann. Ich frage dann bei Dan in der Werkstatt nach nem Zettel. Ich bekomme einen 4x5cm großen Schriebs, auf dem ich dann die Infos aufschreibe. Dan fragt mich, warum ich denn überhaupt in ein anderes Hotel gegangen sei. Ähm, weil dieses hier schon voll war, du Vollhorst? Na ja, ich hab echt die Nase voll von den Gesichtern hier. Ich habe mich eigentlich immer ganz gut bemüht, meinen Ärger bzw. mein Unverständnis hier runter zu schlucken. Aber ich spüre hier einfach so eine geballte Ladung, ja was eigentlich? Ärger, Wut, Unverständnis, Genervtheit? Keine Ahnung, auf jeden Fall bekomme ich jedes Mal nen dicken Hals, wenn ich dort war. Zum Schluß zetert Duncan noch so komisch rum und will mich darauf festnageln, dass wir uns ja auf jeden Fall nochmal sehen, aber nicht im freundschaftlichen Sinne, sondern eher im Ton, als dass ich ihm noch etwas schuldig bin. Also noch ne Rechnung offen hätte. Häh, wie bitte? Ich habe in dem Scheißladen, also Werkstatt und "Hostel" sicher in Summe 100.000 Kenya Shilling (1000 Ois) gelassen. Wollen Sie mich jetzt etwa noch für die Nacht, die ich auf der Couch verbracht hab, abziehen? Das wäre die einzige Möglichkeit, die mir da einfallen würde... Oh Mann, ich krieg echt das Kotzen.
Mit Chris rede ich sowieso so wenig wie möglich. Seinen Stil, auf der einen Seite kumpelmässig-zynisch rüber zu kommen, auf der anderen Seite aber den vermeintlich professionell arbeitenden Dienstleister raushängen zu lassen, kann ich leider echt nicht ab. Über die "Kommunikation" insgesamt hab ich mich ja schon reichlich ausgelassen, die ist einfach scheiße. Im Gedächnis ist mir da noch die letzte Aktion mit dem Stoßdämpfer. Was ist bitte schön so schwer daran, eine dämliche SMS zurück zu schreiben mit ner Info, ja, haben wir oder nö, haben wir nicht? Keine Ahnung. Na ja, die Kompetenz hier in der Werkstatt, von der bin ich persönlich nach meinen Erfahrungen alles andere als überzeugt. Mag sein, dass Chris ein ganz guter Frickler ist und im Sachgebiet "Kupplungen" nur eine kleine Schwachstelle hat. Das Problem ist nur, dass Chris selbst kaum dazu kommt, was in der Werkstatt zu machen. Well, Dan's Skills würde ich mal Lehrling erstes/zweites Lehrjahr einstufen, und auch die anderen beiden (Locals) sind allenfalls im Thema 4-Räder bewandert. Diese ganze Situation führt natürlich dazu, dass es zu janz schönen Verzögerungen beim Abarbeiten der "Pipeline" in der Werkstatt kommt. Wenn ich jetzt mal böse bin, könnte ich unterstellen, dass das Methode hat. Ist doch jeder Traveller, dessen Fahrzeug einen Tag länger in der Werkstatt bleibt, ein Tag länger zahlender Gast im Hostel. Ich mein, der Preis für die Kupplungsreparatur war echt okay, da gibt's nichts zu meckern. Aber in den zwei Wochen Wartezeit habe ich auch noch jeden Tag 30-35 Ois für's Zimmer abgedrückt, von den anderen "Services" nicht zu reden...
Na ja, Wurscht. Sicher bin ich auch im Moment überempfindlich, mir geht's heute nicht so prickelnd, fühle mich etwas kränklich, und die Anstrengungen der letzten Tage/Wochen hinterlassen auch ihre Spuren. Auf jeden Fall bin ich froh, jetzt in einer ziemlich chilligen Butze untergekommen zu sein, dem Shalom. Und ich geniesse es hier wahrhaftig, dass nicht jeder Quadratzentimeter des Hauses dreimal täglich komplett überflutet wird. Diese sinnlosen Reinigungsaktionen der Putzkräfte in der JJ waren echt nicht auszuhalten. Reine Beschäftigungstherapie mit der Konsequenz, dass ich nach gefühlt jeder zweiten Kippe schon wieder so einer Lady mit nem Schrubba weichen und von meinem Stammplatz vor der Rezeption weichen muss...
Ich denke, dass ich nicht noch mal in die JJ zurück kehren werde, um Leute zu besuchen. Ich hab echt genug. Hoffentlich klappt alles mit dem Transport des Bikes nächsten Mittwoch oder vielleicht schon am Dienstag. Die Vorstellung, dass ich mein Bike bei Chris auf'm Hof abstelle und für unbestimmte Zeit "einlagere" treibt mir Pickel auf die Stirn...
Aber ich weiß auch nicht, sobald ich dort zum Tor reinfahre, könnt ich schon wieder anfangen zu kotzen. Duncan war seltsam komisch drauf heute. Ich erkläre ihm, warum ich hier bin, wegen der Cargo-Sache eben, er reagiert nur komisch und brubbelt irgendwas unverständliches. Es gibt keinen Zettel, auf den ich was schreiben kann. Ich frage dann bei Dan in der Werkstatt nach nem Zettel. Ich bekomme einen 4x5cm großen Schriebs, auf dem ich dann die Infos aufschreibe. Dan fragt mich, warum ich denn überhaupt in ein anderes Hotel gegangen sei. Ähm, weil dieses hier schon voll war, du Vollhorst? Na ja, ich hab echt die Nase voll von den Gesichtern hier. Ich habe mich eigentlich immer ganz gut bemüht, meinen Ärger bzw. mein Unverständnis hier runter zu schlucken. Aber ich spüre hier einfach so eine geballte Ladung, ja was eigentlich? Ärger, Wut, Unverständnis, Genervtheit? Keine Ahnung, auf jeden Fall bekomme ich jedes Mal nen dicken Hals, wenn ich dort war. Zum Schluß zetert Duncan noch so komisch rum und will mich darauf festnageln, dass wir uns ja auf jeden Fall nochmal sehen, aber nicht im freundschaftlichen Sinne, sondern eher im Ton, als dass ich ihm noch etwas schuldig bin. Also noch ne Rechnung offen hätte. Häh, wie bitte? Ich habe in dem Scheißladen, also Werkstatt und "Hostel" sicher in Summe 100.000 Kenya Shilling (1000 Ois) gelassen. Wollen Sie mich jetzt etwa noch für die Nacht, die ich auf der Couch verbracht hab, abziehen? Das wäre die einzige Möglichkeit, die mir da einfallen würde... Oh Mann, ich krieg echt das Kotzen.
Mit Chris rede ich sowieso so wenig wie möglich. Seinen Stil, auf der einen Seite kumpelmässig-zynisch rüber zu kommen, auf der anderen Seite aber den vermeintlich professionell arbeitenden Dienstleister raushängen zu lassen, kann ich leider echt nicht ab. Über die "Kommunikation" insgesamt hab ich mich ja schon reichlich ausgelassen, die ist einfach scheiße. Im Gedächnis ist mir da noch die letzte Aktion mit dem Stoßdämpfer. Was ist bitte schön so schwer daran, eine dämliche SMS zurück zu schreiben mit ner Info, ja, haben wir oder nö, haben wir nicht? Keine Ahnung. Na ja, die Kompetenz hier in der Werkstatt, von der bin ich persönlich nach meinen Erfahrungen alles andere als überzeugt. Mag sein, dass Chris ein ganz guter Frickler ist und im Sachgebiet "Kupplungen" nur eine kleine Schwachstelle hat. Das Problem ist nur, dass Chris selbst kaum dazu kommt, was in der Werkstatt zu machen. Well, Dan's Skills würde ich mal Lehrling erstes/zweites Lehrjahr einstufen, und auch die anderen beiden (Locals) sind allenfalls im Thema 4-Räder bewandert. Diese ganze Situation führt natürlich dazu, dass es zu janz schönen Verzögerungen beim Abarbeiten der "Pipeline" in der Werkstatt kommt. Wenn ich jetzt mal böse bin, könnte ich unterstellen, dass das Methode hat. Ist doch jeder Traveller, dessen Fahrzeug einen Tag länger in der Werkstatt bleibt, ein Tag länger zahlender Gast im Hostel. Ich mein, der Preis für die Kupplungsreparatur war echt okay, da gibt's nichts zu meckern. Aber in den zwei Wochen Wartezeit habe ich auch noch jeden Tag 30-35 Ois für's Zimmer abgedrückt, von den anderen "Services" nicht zu reden...
Na ja, Wurscht. Sicher bin ich auch im Moment überempfindlich, mir geht's heute nicht so prickelnd, fühle mich etwas kränklich, und die Anstrengungen der letzten Tage/Wochen hinterlassen auch ihre Spuren. Auf jeden Fall bin ich froh, jetzt in einer ziemlich chilligen Butze untergekommen zu sein, dem Shalom. Und ich geniesse es hier wahrhaftig, dass nicht jeder Quadratzentimeter des Hauses dreimal täglich komplett überflutet wird. Diese sinnlosen Reinigungsaktionen der Putzkräfte in der JJ waren echt nicht auszuhalten. Reine Beschäftigungstherapie mit der Konsequenz, dass ich nach gefühlt jeder zweiten Kippe schon wieder so einer Lady mit nem Schrubba weichen und von meinem Stammplatz vor der Rezeption weichen muss...
Ich denke, dass ich nicht noch mal in die JJ zurück kehren werde, um Leute zu besuchen. Ich hab echt genug. Hoffentlich klappt alles mit dem Transport des Bikes nächsten Mittwoch oder vielleicht schon am Dienstag. Die Vorstellung, dass ich mein Bike bei Chris auf'm Hof abstelle und für unbestimmte Zeit "einlagere" treibt mir Pickel auf die Stirn...
Intermezzo - Tag 181 - Neues aus der Cargo-Abteilung
Oi, bin heute mit einem ganz schönen Kater/Brummschädel aufgewacht. Die letzte Zeit hat doch ganz schön geschlaucht, jeden Tag Rumgestresse und Anstengungen. Das kommt ja dann immer besonders schön durch, wenn ich mal etwas zur Ruhe komme.
Aber okay, musste ja schon wieder fleissig sein. Hab beim Frühstück mit Robert telefoniert und vereinbart, dass ich gleich mal zum Airport komme. Der Hausmeister vom Shalom House, Kama, hat für mich das Taxi organisiert, und so sind wir zu dritt (icke, Kama und Kamas Kumpel, der Taxifahrer) zum Flughafen gerattert.
Well, die Kollegen hatten das Bike wirklich hübsch und ziemlich professionell verpackt, das muss ich schon sagen. Ich weiß immer noch nicht, was das "Crating" eigentlich kostet, aber Robert meinte, dass es wohl nicht mehr als 200 Dollars sein werden. Okay, aber erstmal überlegen, was wir jetzt machen. Ich hab mich dann entschieden, die vorhandene Crate wieder aufzubrechen, das Bike rauszuholen und mit in's Shalom House zu nehmen. Das Motoröl sowie alle anderen Flüssigkeiten (Bremse, Kupplung etc.) waren Gott sei Dank noch drin im Mopped, nur Sprit musste ich nachfüllen. Vor Montag passiert bei DB Schenker sowieso nix mehr. Ich werde jetzt das Bike etwas "dismanteln". Das heißt konkret, den Windschutz, die Außenspiegel sowie die Handprotektoren abbauen. Wir haben wild rumgemessen und sind zum Schluss gekommen, dass das neue Crate dann maximal 1,50m hoch sein wird. Das Bike ist selbst nach dem "dismanteln" an seiner höchsten Stelle ca. 1,30m maximal. Wenn sie beim Craten diesmal aufpassen und ein bisschen sparsamer mit dem Platz sind, sollte es kein Problem sein, die Maximalhöhe nicht zu überschreiten, damit das Teil dann auch mit der Swiss mit kann...
Na ja, ok, ich werde also mit dem angepassten Bike am Montagmorgen wieder zu DB Schenker fahren und die Karre abgeben. Sie craten neu und haben am Montagabend das finale Quote. Der Plan ist nun, das Mopped am Mittwochabend auf den Swiss-Flieger Nairobi-Zürich zu bekommen. Wenn alles wirklich perfekt läuft, könnte das Bike vielleicht sogar schon auf den Dienstagflieger kommen. Aber die Bestätigung dafür gibt's leider erst Montagabend.
Ich werde jetzt mal mein eigenes Ticket für Dienstag oder Mittwoch buchen. Und ich muss mal organisieren, wie ich jetzt an ausreichend Cash (in US Dollars) ran komme. Robert hat mir erstmal erklärt, wie das genau funktioniert mit der Abrechnung. Es gibt zwei relevante Kenngrößen. Zum einen das Gesamtgewicht der Fracht (war jetzt bei mir inklusive des riesigen Crates 454kg). Zum anderen gibt es aber noch dieses ominöse volumetrische Gewicht. Das wird (bei DB Schenker) wie folgt errechnet: Höhe in Zentimeter x Breite in Zentimeter x Länge in Zentimeter / 6000 = volumetrisches Gewicht. Mit dem neuen 1,50m hohen Crate sind's dann bei mir ca. 150 x 98 x 230 / 6000 = 563 volumetrische Kilo. Und well, das höhere Gewicht (Gesamtgewicht der Fracht vs. volumetrisches Gewicht) ist dann ausschlaggebend, in meinem Fall mit Sicherheit das volumetrische.
Und hier schlagen neben knapp 300 US Dollar Fixkosten, 3.52 US Dollar pro Kilo zu Buche. Alles in allem wird's dann wohl inklusive Crating in Richtung zweieinhalb Tausend US Dollars gehen mit dem Transport. Ganz schön heftig... Well, ich werde mal schauen, ob ich vielleicht noch von einem lieben Menschen in Deutschland über's Wochenende per Western Union drei Grands geschickt bekomme. Am ATM wird's wohl schwierig mit dieser Bargeldmenge...
Um das finanzielle Desaster etwas abzuschmälern, habe ich mir überlegt, die restlichen knapp 100 Kilo Frachtkapazität zu verchecken. Die habe ich ja praktisch "for free", solange das Gesamtgewicht nicht das volumetrische Gewicht übersteigt... Es gibt bestimmt Leute, die gerne was nach Zürich schicken würden. Aber wie finden? Ich glaub, ich fahr mal rüber in die Jungle Junction und hänge dort eine Info aus. Die müssten sich dann aber mal bis spätestens morgen Abend bei mir melden. Aber wieviel kann ich da pro Kilo verlangen? Hmm, auf jeden Fall sollte ich einen Gefahrenzuschlag erheben, falls es sich bei den zu transportierenden Gütern um Drogen oder Waffen oder Elfenbein oder so was handelt...
Jut, ick bin schon wieder sooo platt und würde am liebsten für ne Minute in's Bettchen. Aber ich muss ja noch weiter organisieren. Menno.
Aber okay, musste ja schon wieder fleissig sein. Hab beim Frühstück mit Robert telefoniert und vereinbart, dass ich gleich mal zum Airport komme. Der Hausmeister vom Shalom House, Kama, hat für mich das Taxi organisiert, und so sind wir zu dritt (icke, Kama und Kamas Kumpel, der Taxifahrer) zum Flughafen gerattert.
Well, die Kollegen hatten das Bike wirklich hübsch und ziemlich professionell verpackt, das muss ich schon sagen. Ich weiß immer noch nicht, was das "Crating" eigentlich kostet, aber Robert meinte, dass es wohl nicht mehr als 200 Dollars sein werden. Okay, aber erstmal überlegen, was wir jetzt machen. Ich hab mich dann entschieden, die vorhandene Crate wieder aufzubrechen, das Bike rauszuholen und mit in's Shalom House zu nehmen. Das Motoröl sowie alle anderen Flüssigkeiten (Bremse, Kupplung etc.) waren Gott sei Dank noch drin im Mopped, nur Sprit musste ich nachfüllen. Vor Montag passiert bei DB Schenker sowieso nix mehr. Ich werde jetzt das Bike etwas "dismanteln". Das heißt konkret, den Windschutz, die Außenspiegel sowie die Handprotektoren abbauen. Wir haben wild rumgemessen und sind zum Schluss gekommen, dass das neue Crate dann maximal 1,50m hoch sein wird. Das Bike ist selbst nach dem "dismanteln" an seiner höchsten Stelle ca. 1,30m maximal. Wenn sie beim Craten diesmal aufpassen und ein bisschen sparsamer mit dem Platz sind, sollte es kein Problem sein, die Maximalhöhe nicht zu überschreiten, damit das Teil dann auch mit der Swiss mit kann...
Na ja, ok, ich werde also mit dem angepassten Bike am Montagmorgen wieder zu DB Schenker fahren und die Karre abgeben. Sie craten neu und haben am Montagabend das finale Quote. Der Plan ist nun, das Mopped am Mittwochabend auf den Swiss-Flieger Nairobi-Zürich zu bekommen. Wenn alles wirklich perfekt läuft, könnte das Bike vielleicht sogar schon auf den Dienstagflieger kommen. Aber die Bestätigung dafür gibt's leider erst Montagabend.
Ich werde jetzt mal mein eigenes Ticket für Dienstag oder Mittwoch buchen. Und ich muss mal organisieren, wie ich jetzt an ausreichend Cash (in US Dollars) ran komme. Robert hat mir erstmal erklärt, wie das genau funktioniert mit der Abrechnung. Es gibt zwei relevante Kenngrößen. Zum einen das Gesamtgewicht der Fracht (war jetzt bei mir inklusive des riesigen Crates 454kg). Zum anderen gibt es aber noch dieses ominöse volumetrische Gewicht. Das wird (bei DB Schenker) wie folgt errechnet: Höhe in Zentimeter x Breite in Zentimeter x Länge in Zentimeter / 6000 = volumetrisches Gewicht. Mit dem neuen 1,50m hohen Crate sind's dann bei mir ca. 150 x 98 x 230 / 6000 = 563 volumetrische Kilo. Und well, das höhere Gewicht (Gesamtgewicht der Fracht vs. volumetrisches Gewicht) ist dann ausschlaggebend, in meinem Fall mit Sicherheit das volumetrische.
Und hier schlagen neben knapp 300 US Dollar Fixkosten, 3.52 US Dollar pro Kilo zu Buche. Alles in allem wird's dann wohl inklusive Crating in Richtung zweieinhalb Tausend US Dollars gehen mit dem Transport. Ganz schön heftig... Well, ich werde mal schauen, ob ich vielleicht noch von einem lieben Menschen in Deutschland über's Wochenende per Western Union drei Grands geschickt bekomme. Am ATM wird's wohl schwierig mit dieser Bargeldmenge...
Um das finanzielle Desaster etwas abzuschmälern, habe ich mir überlegt, die restlichen knapp 100 Kilo Frachtkapazität zu verchecken. Die habe ich ja praktisch "for free", solange das Gesamtgewicht nicht das volumetrische Gewicht übersteigt... Es gibt bestimmt Leute, die gerne was nach Zürich schicken würden. Aber wie finden? Ich glaub, ich fahr mal rüber in die Jungle Junction und hänge dort eine Info aus. Die müssten sich dann aber mal bis spätestens morgen Abend bei mir melden. Aber wieviel kann ich da pro Kilo verlangen? Hmm, auf jeden Fall sollte ich einen Gefahrenzuschlag erheben, falls es sich bei den zu transportierenden Gütern um Drogen oder Waffen oder Elfenbein oder so was handelt...
Jut, ick bin schon wieder sooo platt und würde am liebsten für ne Minute in's Bettchen. Aber ich muss ja noch weiter organisieren. Menno.
Freitag, 24. September 2010
Bring ma heeme, Debee Schenka!
Ui. Junge, Junge. Ich bekomm langsam das Gefühl, dass ich mich noch vor, während und nach dem Transport meines Moppeds "via Air" von Nairobi nach Europa vorn über gebeugt in der Position des Sonnenanbeters in den Arsch beissen werde. Wie es gerade aussieht, wird's rischtisch toia.
Aber okay, erstmal ging's gut los heute. Ich hatte gestern den Termin mit Robert Mutia von DB Schenker am Jomo Kenyatta Airport in Nairobi gemacht. Um halb elf oder so war ich dann vor Ort. Ich hatte die Kisten am Mopped schon entsprechend umgepackt, so dass ich das Mopped gleich da lassen konnte. Nina hatte ja schon ein "Quote" (Preisinformation) eingeholt. Nicht gerade billig, aber was soll's. Will ja mal nach Hause. Okay, dann wäre da noch dieses ominöse "Crating". Darunter versteht man die handwerklich höchst spannende Aufgabe, eine Holzkiste um das Motorrad herum zu zimmern, damit's fein in den Laderaum des Flugzeugs rein kann. Keine Ahnung, warum das wirklich nötig ist, aber wer die Vorschriften herkömmlicher (...) Airlines so kennt, der wundert sich ja über gar nix mehr. Da erinnere ich mich doch gerne an meinen - recht informellen - Transportflug von Kinshasa nach Lubumbashi zurück. Aber okay, das ist Geschichte. Is ja alles Wurscht. Auf jeden Fall bin ich nicht als Tischler auf die Welt gekommen, und hab das "Crating" sozusagen DB Schenker bzw. einer Drittfirma überlassen. So, und die sind mittlerweile fertich mit dem Riesensarg. Das Ding hat auf einmal gigantomanische Ausmaße: 250cm Länge, 98cm Breite, 178cm (!!!) Höhe. Vor allem die Höhe kommt mir doch arg viel vor. Vielleicht hätte ich das Crating doch selba machen sollen. Keine Ahnung, was die da jetzt für einen Scheiß gebaut haben. Auf jeden Fall gibt's jetzt zwei Probleme.
Erstens, ist der Holzsarg zu hoch für die Swiss. Ich hatte den Flieger Nairobi-Zürich für Montagabend anvisiert, aber die Kiste passt definitiv nicht in den Swiss Flieger! Scheiße, verdammt. Und die nächste Kacke ist, dass mir jetzt Roberto mit so einem komischen "volumetrischen" Gewicht daher labert. Keine Ahnung, was er wirklich damit meint. Scheint wohl so eine Art Maßeinheit in der Logistik zu sein, welches man natürlich nicht zu erläutern braucht. Auf jeden Fall wiegt mein Bike nach diesem beknackten volumetrischen Gewicht nicht mehr 300 Kilo wie angekommen, sondern stattliche 727 Kilo! Wunderbar. Wie man unschwer ableiten kann, hat diese drastische Gewichtszunahme einen ebenso drastischen Einfluss auf den Betrag, um den ich nach dem Transport ärmer sein werde. Ui, ui, ui.
Wie ich den Betrag überhaupt bezahlen soll, weiß ich auch noch nicht so recht. Gemäß dem Motto "to be on top is unsa job" akzeptieren die hier keine Kreditkarte, sondern nur Cash (sic!) oder Banktransfer. Beides blöd.
Aber im Moment hänge ich sowieso in der Luft, weil ich gerade keine machbare Konstellation (Flieger & Datum) sowie zugehöriges Quote (Preis) habe. Werde ich wohl erst morgen früh bekommen. Dabei hatte ich mir so schön in meinem naiven Spatzenhirn ausgemalt, dass ich heute Abend das OK von Robert (mit einem halbwegs humanen Preis) bekomme und danach mein eigenes Flugticket für Zürich buchen kann. Schön jewesen wär's...
Oh Mann, darf nicht zuviel darüber nachdenken. Aber wenn ich mir in's Bewusstsein rufe, dass ich nun vielleicht 3000 Ois oder so über'n Jordan werfe, nur weil ein gewisser Werkstattmeister bzw. ein paar Heinis inna Berliner Botschaft etwas deppert inna Birne waren, könnt ich schon kotzen. Hui.
Aber okay, erstmal ging's gut los heute. Ich hatte gestern den Termin mit Robert Mutia von DB Schenker am Jomo Kenyatta Airport in Nairobi gemacht. Um halb elf oder so war ich dann vor Ort. Ich hatte die Kisten am Mopped schon entsprechend umgepackt, so dass ich das Mopped gleich da lassen konnte. Nina hatte ja schon ein "Quote" (Preisinformation) eingeholt. Nicht gerade billig, aber was soll's. Will ja mal nach Hause. Okay, dann wäre da noch dieses ominöse "Crating". Darunter versteht man die handwerklich höchst spannende Aufgabe, eine Holzkiste um das Motorrad herum zu zimmern, damit's fein in den Laderaum des Flugzeugs rein kann. Keine Ahnung, warum das wirklich nötig ist, aber wer die Vorschriften herkömmlicher (...) Airlines so kennt, der wundert sich ja über gar nix mehr. Da erinnere ich mich doch gerne an meinen - recht informellen - Transportflug von Kinshasa nach Lubumbashi zurück. Aber okay, das ist Geschichte. Is ja alles Wurscht. Auf jeden Fall bin ich nicht als Tischler auf die Welt gekommen, und hab das "Crating" sozusagen DB Schenker bzw. einer Drittfirma überlassen. So, und die sind mittlerweile fertich mit dem Riesensarg. Das Ding hat auf einmal gigantomanische Ausmaße: 250cm Länge, 98cm Breite, 178cm (!!!) Höhe. Vor allem die Höhe kommt mir doch arg viel vor. Vielleicht hätte ich das Crating doch selba machen sollen. Keine Ahnung, was die da jetzt für einen Scheiß gebaut haben. Auf jeden Fall gibt's jetzt zwei Probleme.
Erstens, ist der Holzsarg zu hoch für die Swiss. Ich hatte den Flieger Nairobi-Zürich für Montagabend anvisiert, aber die Kiste passt definitiv nicht in den Swiss Flieger! Scheiße, verdammt. Und die nächste Kacke ist, dass mir jetzt Roberto mit so einem komischen "volumetrischen" Gewicht daher labert. Keine Ahnung, was er wirklich damit meint. Scheint wohl so eine Art Maßeinheit in der Logistik zu sein, welches man natürlich nicht zu erläutern braucht. Auf jeden Fall wiegt mein Bike nach diesem beknackten volumetrischen Gewicht nicht mehr 300 Kilo wie angekommen, sondern stattliche 727 Kilo! Wunderbar. Wie man unschwer ableiten kann, hat diese drastische Gewichtszunahme einen ebenso drastischen Einfluss auf den Betrag, um den ich nach dem Transport ärmer sein werde. Ui, ui, ui.
Wie ich den Betrag überhaupt bezahlen soll, weiß ich auch noch nicht so recht. Gemäß dem Motto "to be on top is unsa job" akzeptieren die hier keine Kreditkarte, sondern nur Cash (sic!) oder Banktransfer. Beides blöd.
Aber im Moment hänge ich sowieso in der Luft, weil ich gerade keine machbare Konstellation (Flieger & Datum) sowie zugehöriges Quote (Preis) habe. Werde ich wohl erst morgen früh bekommen. Dabei hatte ich mir so schön in meinem naiven Spatzenhirn ausgemalt, dass ich heute Abend das OK von Robert (mit einem halbwegs humanen Preis) bekomme und danach mein eigenes Flugticket für Zürich buchen kann. Schön jewesen wär's...
Oh Mann, darf nicht zuviel darüber nachdenken. Aber wenn ich mir in's Bewusstsein rufe, dass ich nun vielleicht 3000 Ois oder so über'n Jordan werfe, nur weil ein gewisser Werkstattmeister bzw. ein paar Heinis inna Berliner Botschaft etwas deppert inna Birne waren, könnt ich schon kotzen. Hui.
Intermezzo - Tag 180 - Shalom, ick bin auf'm Sprung nach Hause
Moin, moin. Gestern habe ich meine Butze gewechselt, und ich glaub, das war eine gute Entscheidung. Nichts gegen die Jungle Junction, aber ich krieg da mittlerweile schon Depressionen. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war ja auch nicht gerade so erholsam. Jetzt habe ich ein anderes nettes Hotel gefunden, das Shalom House in der Ngong Road. Ist sogar etwas günstiger als die JJ, und man hat definitiv mehr Ruhe als auf dem doch etwas hektischen Camping Platz... Hier gibt's auch weniger Touris, eher solche ambitionierten studentischen NGO-Gutmenschen, die die Welt retten wollen. Härrlich. Bin schon in Kontakt gekommen mit ner Gruppe Italiener, die ganz nett zu sein scheinen. Well.
Ehrlich gesagt bin ich auch immer noch etwas sauer auf die Werkstatt in der JJ, bzw. sauer ist nicht das richtige Wort. Unentspannt trifft es eher. Deren vortreffliche Zeitplanung hat ja nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass ich in diese Visums-Zwickmühle geraten bin. Hätte dann irgendwie schon erwartet, dass wenigstens mal ein Wort des Bedauerns oder so kommt. Niente. Na ja, wurscht. Ich hatte vom Weg Moyale-Nairobi auch noch mal gesimst, wie es denn mit nem neuen Stoßdämpfer aussähe. Keine Antwort. Na ja, schönen Dank auch, ich hab jedenfalls keinen Bock, noch irgendwas in dieser Butze machen zu lassen. Meinen (total zerfledderten) Hinterreifen habe ich dann auch gestern "auswärts" wechseln lassen. 200 Kenia Shilling (2€) hat's gekostet. Unklar ist noch, ob der Conti, den ich vor ein paar Wochen gebraucht bei Chris gekauft hatte, überhaupt in Ordnung ist. Nach dem Aufziehen gab's über den gesamten Pneu hinweg minikleine Bläschen. Ist das Ding jetzt schon morsch oder was? Ich beobachte das mal und hoffe, dass es nix schlimmes ist.
Jewaschen ist das Bike mittlerweile auch, und es erstrahlt in neuem Glanz. Heute ist ein wichtiger Tag. Ich habe ein Date mit nem Cargo Unternehmen am Airport. Nina hatte schon einen ungefähren Kostenvoranschlag eingeholt. Wenn alles optimal läuft, ist das Bike Anfang nächster Woche in Zürich, Kostenpunkt knapp 1500 Euros. Nicht billig, aber okay, finde ich. Ich selbst brauch dann ja auch noch ein Ticket nach Zürich, womit die ganze Rücktransportaktion auf knappe 2000 Euronen hinaus läuft. Dafür kann man sich 'ne Menge Sportsman Kippen kaufen, aber wurscht. Ich freue mich total auf zu Hause und vor allem natürlich auf meine süße Maus. Ninalein, ick komme!!! Werd dann noch die Strecke von Zürich nach Wien mit oder ohne Stoßdämpfer dahin zuckeln. Nu isses nicht mehr lang. Hui.
Ehrlich gesagt bin ich auch immer noch etwas sauer auf die Werkstatt in der JJ, bzw. sauer ist nicht das richtige Wort. Unentspannt trifft es eher. Deren vortreffliche Zeitplanung hat ja nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass ich in diese Visums-Zwickmühle geraten bin. Hätte dann irgendwie schon erwartet, dass wenigstens mal ein Wort des Bedauerns oder so kommt. Niente. Na ja, wurscht. Ich hatte vom Weg Moyale-Nairobi auch noch mal gesimst, wie es denn mit nem neuen Stoßdämpfer aussähe. Keine Antwort. Na ja, schönen Dank auch, ich hab jedenfalls keinen Bock, noch irgendwas in dieser Butze machen zu lassen. Meinen (total zerfledderten) Hinterreifen habe ich dann auch gestern "auswärts" wechseln lassen. 200 Kenia Shilling (2€) hat's gekostet. Unklar ist noch, ob der Conti, den ich vor ein paar Wochen gebraucht bei Chris gekauft hatte, überhaupt in Ordnung ist. Nach dem Aufziehen gab's über den gesamten Pneu hinweg minikleine Bläschen. Ist das Ding jetzt schon morsch oder was? Ich beobachte das mal und hoffe, dass es nix schlimmes ist.
Jewaschen ist das Bike mittlerweile auch, und es erstrahlt in neuem Glanz. Heute ist ein wichtiger Tag. Ich habe ein Date mit nem Cargo Unternehmen am Airport. Nina hatte schon einen ungefähren Kostenvoranschlag eingeholt. Wenn alles optimal läuft, ist das Bike Anfang nächster Woche in Zürich, Kostenpunkt knapp 1500 Euros. Nicht billig, aber okay, finde ich. Ich selbst brauch dann ja auch noch ein Ticket nach Zürich, womit die ganze Rücktransportaktion auf knappe 2000 Euronen hinaus läuft. Dafür kann man sich 'ne Menge Sportsman Kippen kaufen, aber wurscht. Ich freue mich total auf zu Hause und vor allem natürlich auf meine süße Maus. Ninalein, ick komme!!! Werd dann noch die Strecke von Zürich nach Wien mit oder ohne Stoßdämpfer dahin zuckeln. Nu isses nicht mehr lang. Hui.
Donnerstag, 23. September 2010
Intermezzo - Tag 179 - Dat Lebbe is wie dat Lebbe ebbe is
Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Darf der dat - der darf dat!
Au weia, musste erstmal ein paar geistreiche Sprichwörter vom Stapel lassen, bevor ich anfangen kann. Also, wie schaut's? Wie waren die letzen Tage? Aufregend!
Mal ganz kurz im Stenogramm:
Donnerstag (16.9.): Am Nachmittag gibt's das von OK von Chris. Endlich ist das Bike finished. Det kuppeld wieda! Wunderbar. Aufgeregt wie Bolle sattel ich mein Bike, organisier noch Cash und Sprit am Nakumatt und brumm - weg bin ich aus Nairobi. Mein Ziel isses, bis Freitagnachmittag in Moyale an der Grenze zu Äthiopien zu sein. Ich komme gut voran, die Kupplung fühlt sich erstmal ziemlich eigenartig an, aber sie läuft. Ich muss erstmal wieder Vertrauen in mein Bike aufbauen. Um ca. 1915Uhr bin ich in Isiolo, 280 Kilometer nach Nairobi. Super, das hat gut gefunzt. Ich entscheide mich, ca. 30 Kilometer weiter in Archers Post zu pennen, versuche noch von Felix aus der Jungle Junction eine empfehlenswerte Adresse ausfindig zu machen, das klappt aber nicht. So lande ich auf Anraten der Locals im wunderschönen "Sundowner" Hotel (am Anfang hab ich immer nur "Santana" verstanden und hab mich deshalb auf schöne Gitarrensounds gefreut, aber okay, das mit der Verständigung klappt immer noch nicht so einwandfrei). Ok, das Hotel war beschissen und ich hab mehr schlecht als recht gepennt.
Freitag (17.9.): Ganz schön angespannt, heute Nachmittag läuft mein dämliches Äthiopien-Visum aus. Die Nacht war mittelmässig. Konnte kaum pennen, weil es noch ewig lange sehr laut war vor meiner Tür. Na ja, wurscht. Komme auf jeden Fall pünktlich los aus Archers Post, so gegen 0630Uhr sitze ich auf dem Bike und düse gen Norden. Es läuft gut, nach knapp 90 Kilometern habe ich die Teerstraße hinter mir und befahre die wunderschöne Dirt Road. Nach weiteren 40 Kilometern bin ich in Laisamis und mache ne kurze Rast. War sehr witzig, weil ich die Leute, die ich vor ein paar Wochen (bei meiner nächtlichen Durchreise vom Lake Turkana kommend) getroffen hatte, wiedersehe. Sogar die "Mama", bei der ich in Loyongalani am Lake Turkana übernachtet hatte, war zufällig gerade hier. Sie hatte ihre Tochter in Nairobi besucht und war gerade auf der Durchreise. Well, ich verbringe einen netten Aufenthalt und fahre gegen halb neun weiter Richtung Marsabit. Nach nur 30 Kilometern dann der Schreck. Da rumpelt's gewaltig unter mir. Und es dämpft auch nicht mehr so richtig. Ich halte an und stelle fest, dass der Stoßdämpfer im zentralen Federbein "leckt". Es läuft Flüssigkeit aus, das Ding scheint im Arsch zu sein. Was tun? Erstmal weiter fahren. Ich stelle fest, dass ich so einigermaßen fahren kann, langsamer und vorsichtiger natürlich, aber ich komme voran. Nach zwanzig Kilometern komme ich in ein Dorf. Ich entscheide, dass ich einen Mechaniker suche, der mir mit dem Stoßdämpfer hilft. Aber in dem Dorf gibt's niemanden. Sie verweisen mich an einen Steve in Marsabit. Ui, das sind noch fast 50 Kilometer. Aber was soll's. Was muss, das muss. Ich brauch ca. bis 12 Uhr, bis ich auf dieser Rumpelpiste in Marsabit ankomme. Kurz vor Marsabit habe ich noch einen Umfaller, wobei hier insbesondere meine "kupplungsschonende" Fahrweise die Ursache darstellt. Ich ruckele - untertourig - den Berg rauf, woraufhin meine Maschine absäuft (von der Kupplung lasse ich ja weitestgehend die Finger). Na ja, und wenn man abrupt stehen bleibt und dabei eine gewisse Schräglage hat, dann gibt's kein Halten mehr und man kippt zur Seite... Nach einem Stop anna Tanke in Marsabit, erkundige ich mich nach Steve, und ein Local führt mich zu seiner Werkstatt. Dort treffe ich dann Sam. Sam ist der (eineiige) Zwillingsbruder von Steve. Er erklärt mir, dass Steve gerade in Laisamis (!) ist und mich dort auch gesehen hat. Aber Sam ist ebenfalls Mechaniker - und was für einer! Der Tipp mit der Werkstatt Sam/Steve war goldwert. Es ist echt unglaublich, was dieser Sam die nächsten acht (sic!) Stunden da in seiner Werkstatt herum frickelt. Ich vertraue ihm von Anfang an und warte, warte, warte. Ich verbringe die meiste Zeit gegenüber der Werkstatt im Schatten vor ein paar Geschäften, wo ich von einer großen Schar Kinder in Trab gehalten werde. An Schlaf oder Ruhe ist nicht zu denken. Sam ist sicher, dass er meinen Stoßdämpfer wieder hinbekommt, so bleibe ich geduldig. Im Laufe des Nachmittags wird aber klar, dass ich heute nicht mehr weiter komme, und schon gar nicht bis Moyale. Ich müsste eine Nacht in Marsabit verbringen, mein Visum für Äthiopien würde verfallen und ich könnte erst am Samstag zur Grenze fahren... Mit viel Geschick und unter Einsatz seiner ganzen Kunst bekommt es Sam tatsächlich hin, den Stoßdämpfer zu reparieren. Er hämmert stundenlang rum, schnitzt was mit dem Rasiermesser und am Ende des Tages (es ist mittlerweile fast neun Uhr) sitze ich wieder auf einem Bike mit funktionierendem Stoßdämpfer. Ich bezahle Sam für afrikanische Verhältnisse exorbitant. Aber ich weiß, dass er ein guter Kerl ist und bin ziemlich sicher, dass seine Lösung mich bis nach Moyale bringen wird. Er arbeitetet "nebenbei" als Religionslehrer an der örtlichen Primary School. Echt ein cooler Typ, Wahnsinn. Das Hotel, welcher er mir empfiehlt, ist leider nicht so der Bringer. Das Jey Jey ist wieder so eine Local Bruchbude und ich frage mich, ob ich hier überhaupt schlafen könne. Das Bike stelle ich im Innenhof ab und hoffe, dass ich hier am nächsten Morgen auch wieder heil rauskomme...
Samstag (18.9.): Der Tag der Entscheidung. Ich habe etwas geschlafen und stehe wieder pünktlich auf der Matte. Ich frühstücke etwas im Hotel und passe das Expiry Date des Äthiopien-Visums an (ich ändere September auf November), SEP->NOV, damit "habe" ich jetzt ein 3-Monats-Visum. Die "Fälschung" ist nicht besonders sorgfältig und jeder sieht, dass da jemand rumgekritzelt hat. Aber, well, das ist mein Plan für die Grenze... So um halb sieben will ich los, bekomme aber nochmal nen Anruf von Sam. Er meint, ich solle nochmal in die Werkstatt kommen, weil ihm noch was eingefallen ist. Dort angekommen, befestigt er mit einem meterlangen Gummistraps die Schwinge am Rahmen, um so das Federbein etwas zu entlasten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das viel helfen würde, bin aber trotzdem dankbar, und mach mich um sieben auf die Piste. 246 Kilometer bis Moyale. Das werd ich ja mal locker schaffen. Sam sagt mir noch, dass die ersten 50 Kilometer nach Marsabit am schwierigsten seien. Well, schön isse nicht, die Strecke. Ziemlich steinig. Nach ca. 30 Kilometern habe ich nochmal einen Umfaller im Geröll, puh. Aber es läuft, langsam nährt sich das Eichhörnchen. Kilometer für Kilometer spule ich ab. Zwei Pausen mache ich (nur). Eine nach meinem Umfaller, die zweite dann in Sololo, ca. 80 Kilometer vor Moyale. Je näher ich an Moyale rankomme, desto aufgeregter werde ich. Sind dies jetzt die letzten Kilometer Dirt Road in Afrika? Verlasse ich endlich Kenia? Ui, ui, ui. Um knapp halb fünf isses dann soweit, ich bin in Moyale anna Grenze. Juchei. Direkt hin zum Grenzübergang. Für Kenia hole ich mir den Exit Stempel im Carnet de Passage. Ich gehe aber nicht zum Immigration Office, weil ich Angst habe, dass die erst mal ein großes Trara machen um mein längst abgelaufenes Transit Visum (seit 12.8. bin ich ja de facto "illegal" in Kenia, ich schlimmer Finger). Also rüber nach Äthiopien. Die Typen dort signalisieren mir, dass ich mich beeilen solle, das Immigration Office schließe in zwei Minuten. Ach du Scheiße, das sind ja Arbeitszeiten, die machen hier um fünf zu. Oh je, also nix wie hin. Aden, ein Immigration Typ, mach das bereits geschlossene Büro wieder auf und lässt mich rein. Ich gebe ihm meinen Pass und er runzelt die Stirn. Er scheint ein Problem zu haben. Er holt seinen Boss (Haile) und sie beraten sich eine Weile. Gezeter, Diskussion. Sie mögen mein Visum nicht, Überraschung! Wir diskutieren eine Weile rum, ich erkläre ihnen meine Situation, gebe aber nicht zu, dass ich das Expiry Date selbst angepasst habe. Meine Aussage ist, dass die Botschaft das Visum aufgrund eines Fehlers zunächst bis 17. September datierte, dann aber auf 17. November abänderte. Aber es nützt nix, die beiden gehen auf diesen Kuhhandel nicht ein. Ich biete ihnen Baksheesh an, aber auch das nützt nix. Haile (der Boss) meint, ich müsse umkehren, und nach Nairobi zurück fahren. Aden meint noch, ich solle am Montag wieder kommen in's Büro und es dann nochmal versuchen. Dann wäre der Cheffe da, und vielleicht könne er was machen. Hmm, am Montag wollte ich aber schon längst im Sudan sein. Mir gefallen beide Möglichkeiten überhaupt nicht. Und ich habe einfach nur einen dicken Hals auf diese beiden Kackbratzen, Arschgesichter, Vollpfosten. Ich fahre NICHT wieder nach Nairobi zurück, und ich warte auch ganz sicher NICHT bis Montag in diesem Kacknest von Moyale, um nochmal mit so einem Volldeppen von Immigration Oberchecker zu labern. Okay, ich nehm meinen Ausweis, gehe zu meinem Bike, steige auf, starte, und fahr los. Allerdings nicht zurück zur Kenianischen Seite, sondern ab nach Äthiopien. Hurra! Härrlich! Schön hier in Äthiopien. Ob das jetzt eine kluge Entscheidung war? Ich zittere schon ein bisschen. Ich komme mir vor wie ein Schwarzfahrer in der Berliner S-Bahn. Überall könnte ein Kontrolleur lauern. Ich konzentriere mich und versuche, in der Entfernung mögliche Checkpoints ausfindig zu machen. Jedes Huhn oder jede Ziege sieht jetzt wie ein mögliches Teil einer Checkpoint-Anlage aus. Puh, das ist nervenaufreibend. Scheiße, Mann, vielleicht war das jetzt doch ein bisschen dämlich mit dieser "Durchbruchaktion". Nach ca. 10 Kilometern ist es dann soweit, Checkpoint! Ouch! Ich sehe, dass die Freaks gerade am Handy sind. Telefonieren sie mit Haile? Sie signalisieren mir, dass ich warten solle. Ich überlege und denke mir. Scheiße, Alta! Jetzt oder nie! Noch wissen sie offenbar nicht genau, was Sache ist und lassen sich erst von Haile briefen, dass sie auf jeden Fall diesen German Mistkerl aufhalten sollen. Ich mache einen kurzen Schlenker, verlasse die Teerstraße, umfahre die Barriere, winke noch ganz viel herum (so nach dem Motto - ich hab nicht begriffen, dass ich warten sollte) und gib Gummi. Ui, ui, ui. Jetzt war ich aber ganz schön aufgeregt. Würden sie mich verfolgen? Habe ich überhaupt eine Chance, durch zu kommen? Sollte ich erstmal runter von der Straße und mich im Busch verstecken? Aber wo und für wie lange? Ich glaub, ich würde mir dort sowieso nur in die Hose machen. Am besten isses wohl weiter zu fahren, vielleicht war das jetzt der einizge Checkpoint nach der Grenze und ich könne jetzt bis Addis Abeba durchrauschen. Mit jedem Kilometer, der verging, wuchs meine Sicherheit. Schließlich war ich schon dreissig, vierzig, fünfzig Kilometer hinter der Grenze und wenn es mal eine Barriere gab, dann nur so eine "sinnlose" Dorf-Barriere, die sofort herunter gelassen wurde, sobald ich mich näherte. Ich winkte fleissig und erlebte liebe und nette Äthiopier am Straßenrand. Nur vor kleinen Steinewerfern fürchtete ich mich. Von denen hatte ich ja schon oft gehört, und das würde mir jetzt noch fehlen, so eine Klamotte in die Fresse zu bekommen. Na schönen Dank. Mittlerweile war es 18Uhr durch, und es dämmerte. Über 100 Kilometer hatte ich seit Moyale zurück gelegt in Richtung Addis. Klappt das jetzt tatsächlich? Wo würde ich anhalten, um zu pennen? Noch hatte ich ja nicht mal Äthiopische Kohle. Aber die Gedanken wurden abrupt gestoppt. In einem Ort namens Mega (verstanden hatte ich Maxima...) war meine Fahrt vorbei. Checkpoint Nummer zwei, diesmal gut vorbereitet. Ca. 8 bis 10 Leute erwarteten mich bereits. Bewaffnet die Kollegen. Ich spreche kurz mit dem Anführer, überlege noch wie beim ersten Mal einen kurzen Schlenker zu machen. Als ich die MGs klicken höre, entscheide ich mich, dass ich es doch lieber bleiben lasse. Scheiße, scheiße, scheiße. I'm in deep shit, Kollege! Jetzt habe ich mich aber wirklich in eine äußerst bescheidene Situation hinein manövriert. Ich bin sauer auf mich selbst. Was für ein Volldepp! Ich merke, dass ich dringend mal auf's Klo muss. Das scheint so eine Art Singal meines Körpers zu sein, dass ich "in der Falle sitze". Denn genau so fühlt es sich an. Ich bin ge-cashed. Sie haben mich eingefangen. Schöner Salat. Ich steig vom Mopped ab, und versuche, mein Gesicht Nr. 2 zu offenbaren: das des Diplomaten. Denn was anderes als Diplomatie, Verhandeln, Diskutieren hilft jetzt nicht mehr. Ich wäge kurz meine Chancen ab, wie es denn klappen könnte, vielleicht in der Nacht mit meinem Mopped abzuhauen, aber ws. ist das keine gute Idee... Well, die nächsten drei, vier Stunden bin ich mit Reden, Argumentieren, Telefonieren sowie Nett & Lieb sein beschäftigt. Leider scheitern meine Bestechungsversuche kläglich. Sie wollen meine Kohle nicht. Ich kontaktiere Nina und meine Eltern über mein deutsches Handy. Nina stellt den Kontakt her zur deutschen Botschaft in Addis Abeba (völlig sinnlos, wie zu erwarten war...) und zu "ihrer Äthiopischen Freundin". Das ist die Lady aus der Botschaft in Wien, die Ninas Äthiopien-Visum ausgestellt hatte und der Nina so fein beim Flügebuchen geholfen hatte. Wir hatten uns vor ein paar Wochen noch amüsiert/gewundert über die Unbeholfenheit von Mrs. Habla, aber heute erwies sie sich als goldwert. Nina stellte den Kontakt her, ich rief sie an, und Mrs. Habla kniete sich richtig für mich rein. Ich war echt gerührt von ihrem Engagement. Sie war gerade in Rom im Urlaub, aber gab volle Power, um mich hier in Äthiopien aus der Scheiße zu boxen. Irre. Das Problem war eben, dass die Typen hier kaum Englisch verstanden bzw. sprachen. Mrs. Habla konnte mit den Leuten Amharisch sprechen und auf sie einreden, dass ich kein bösser Bube bin und so weiter. Sie sprach mehrmals mit Mohammed (dem Chef hier am Checkpoint) sowie Haile (dem Vollspasten, der mich in Moyale nicht reingelassen hat und danach die "Fahndung" initiert hatte). Gerade diesem Haile hätte ich gerne mal so richtig eine in seine dämliche Fresse geboxt. Ich hab' immer noch Ausschlag, wenn ich an seine selten bekloppte Visage denke. Dem Typen gehört einfach mal so richtig der Popo versohlt. Na ja, im Prinzip hatte er ja nur "Angst", dass er was falsches machen würde, wenn er mich reinliesse. Das schlimmste ist eben, wenn man einen Fehler begeht. Dann doch lieber gar nix machen. Die Aussage, es wäre "nicht möglich", mich in's Land rein zu lassen, ist natürlich Schwachsinn. Alles ist möglich, wenn man nur möchte. "Ich kann nicht" wohnt bekanntlich in der "Ich will nicht" - Straße... Ich weiß, ich bin diesbezüglich ein wenig naiv oder dumm oder wie auch immer. Aber worüber reden wir bitte schön? Über ein bescheuertes Stück Papier, über eine "Erlaubnis", dass ich das ehrenwerte Äthiopien innerhalb von zwei Tagen durchqueren darf. Gegen gute Kohle versteht sich. Mir will einfach nicht in mein Spatzenhirn, was daran so problematisch sein soll. Klar, man muss die Regeln/Vorschriften (insbesondere im Ausland!) beachten, aber wisst ihr was? Ich scheisse auf die Regeln/Vorschriften, wenn ich meine, dass sie Schwachsinn sind! Okay, ich bin natürlich auch nicht daran interessiert, sechs Monate in einem Äthiopischen Knast vor mich hin zu gammeln. Deshalb war ich ja jetzt auch sehr kooperativ... Gut, die ganze Arbeit am Samstagabend resultierte darin, dass ich mich mit den Security-Leuten in Mega (bis auf Mohammed, der weiterhin reserviert blieb) mehr oder minder anfreundete. Ich zeigte ihnen Urlaubsfotos, verständigte mich zu gut es ging mit ihnen und bekam sogar leckeres Essen (dieses Ähtiopische Brot mit Kohl und Soße). Sie begriffen, dass ich kein Krimineller bin und meinten zu mir, dass alles schon okay sein würde. Ich müsse die Nacht in Mega verbringen und würde dann am nächsten Morgen nach Moyale zurück fahren bzw. zurück gefahren werden. Ich war nicht direkt eingesperrt, wurde aber dennoch festgehalten. Mir gelang es, sowohl Reisepass als auch Motorradschlüssel bei mir zu behalten. Mir ging's darum, soviel "Freiheit" wie möglich zu bewahren in dieser Situation. Gemeinsam mit Mrs. Habla versuchte ich Haile, der in Moyale war, zu überzeugen, dass sie mich noch heute Abend zurück nach Moyale fahren liessen. Aber Haile bestand darauf, dass ich am Sonntagmorgen von Mega aus abgeholt werden solle... Okay, mehr war nicht mehr drin heute, also hier irgendwie pennen, und dann morgen in die nächste Runde "Diplomatie im Einsatz" gehen. Was ein Tag! Ich habe ein scheiß schlechtes Gewissen, weil ich natürlich Nina (und auch meinen Eltern) einen ganz schönen Schrecken eingejagt habe. Jetzt werde ich hier an einem Polizei-Checkpoint in diesem Kackland festgehalten. Ich will doch nur nach Hause, verdammt nochmal. Hier gibt's weder Elektrizität noch Wasser. Kacken gehe ich auf offenem Feld hinter der Butze, wo ich auch die Nacht auf einer (ranzigen) Matratze verbringen werde. Oh Mann, dit macht doch alles keinen wirklichen Sinn, oder? Mein Unrechtsbewusstsein ist null, ich weiß aber natürlich, dass meine Situation prekär ist. Aber die Ursache für diese prekäre Situation ist so etwas von schwachsinnig... Aber okay, ich fühle mich mittlerweile wieder einigermaßen sicher und weiß, dass die Leute hier am Checkpoint "okay" sind. Ich ratze auf meiner Matratze vor der Butze, wach in der Nacht auf, weil's mittlerweile arschkalt ist, und verbringe dann den Rest der Nacht in der Butze mit Decke, fein!
Sonntag (19.9.): Junge, Junge, was ne Scheiße. Richtig gepennt hab ich nicht. Der Adrenalinspiegel war halt auch nicht ohne. Aber okay, wie geht's weiter? Nach einem (tollen!) Frühstück, telefoniere ich weiter (mit Mrs. Habla, Nina, Haile). Irgendwie schaffen wir es, dass ich selbständig nach Moyale zurückfahren darf. Ich finde, das ist doch schon ein schöner Erfolg! Man vertraut mir offenbar schon wieder etwas mehr. Ich bedanke mich bei den Leuten, die mich bewirtet hatten, zahle 5 Dollar für die Getränke, die ich bekommen hatte und dampfe so um neun, halb zehn wieder zurück von Mega nach Moyale. Puh, das ist ja nochmal glimpflich ausgegangen. Ich war einigermaßen sicher, dass ich hier nicht mehr viel zu befürchten hattte. In den Knast würde ich wohl nicht mehr kommen (wovon ich noch am Tag vorher im Prinzip ausgegangen war). Schlimmstenfalls (also sehr wahrscheinlich) würde ich nach Kenia "ausgewiesen" werden und müsste nach Nairobi zurück. Aber wer weiß, Mrs. Habla machte bislang einen tollen Job, und vielleicht würde sie es sogar erreichen, dass ich tatsächlich rein darf? In Moyale angekommen melde ich mich im Immigration Office und setze meine "Wer f***en will, muss freundlich sein" Offensive fort. Ich erkläre allen, die es nicht hören wollen, dass alles ein großes Missverständnis sei, und ich am Samstag ja sowieso total erschöpft und müde und nicht geistesgegenwärtig war und so weiter, und so weiter. Na ja, Mr. Haile hatte sich leider schon einen zwei Meter langen Stock innen Arsch geschoben und war das Arschloch in Person. Aber egal, jeder taut mal auf... Ich lernte am Grenzübergang eine Reihe anderer Traveler kennen. Mit den beiden Holländern René und Loddar sowie dem Libanesen-Australier Ziad, die zu dritt unterwegs waren und auf eine Ladung Reifen (!) aus Nairobi warteten, freundete ich mich an und verbrachte viel Zeit. Am fortgeschrittenen Nachmittag schaffte ich es (u.a. mit Renes Hilfe), diesem bekloppten Haile die Erlaubnis zu entlocken, dass ich die Nacht im Hotel auf Äthiopischer Seite verbringen dürfe. Sein Chef (Schockli oder so ähnlich) hätte eigentlich angeordnet, dass ich sofort zurück nach Kenia solle, aber er hätte eine Ausnahme gemacht. Das Mopped musste beim Immigration Office zurück bleiben. Am Montag dürfe ich dann nochmal zum Immigration Office und mit Schockli persönlich reden bzgl. meiner Visumsangelegenheit. Okay, das war doch alles schon mal wesentlich besser als noch 24 Stunden zuvor. Ich checkte im Koket Barena, dem besten Hotel im Ort ein; dort, wo auch die Holländer und Ziad nächtigten. Okay, futtern, duschen, schlafen. Es gab viel zu tun und ich war echt fix und fertig. Hatte die letzten Nächte nicht gerade besonders toll geschlafen. Und "ein bisschen" stressig/anstrengend war's ja auch gewesen.
Montag (20.9.) Der Plan für heute war, dass Mrs. Habla über die Äthiopische Botschaft in Berlin sowie das Immigration Headquarter in Addis Abeba bewirkt, dass letztes eine Erlaubnis für mich erteilt, durch's Land fahren zu dürfen und diese Erlaubnis nach Moyale kommuniziert (an Haile, Schockli oder wen auch immer). Well, die große Scheiße in Äthiopien war in erster Linie, dass ich massive Probleme mit dem Telefonieren hatte. Ich hatte keine Äthiopische SIM (bzw. die, die ich vor ein paar Wochen von den Franzosen in Nairobi bekommen hatte, war netterweise PIN-geschützt, also unbrauchbar), und die Kombination aus deutscher SIM, die ich die ganze Zeit benutzte,
und Äthiopischem Netz "performte" leider nicht so toll. Anrufer, die mich erreichen wollten, mussten es zehnmal probieren, bis sie durchkamen. Umgedreht die gleiche Scheiße. So ist es nicht einfach, was zu erreichen, zumal ich ausschließlich auf's Telefon angewiesen war. Mittlerweile hatte ich beim Oberarschlock des Orts, Schockli (das ist die phonetische Version, keine Ahnung wie der Name geschrieben wird) eine Audienz bekommen und hab janz diplomatisch, freundlich, gar unterwürfig (für meine Verhältnisse) die Situation erklärt mit allem Pipapo (Motivation meiner Reise, Visa-Probleme, Fehlerhaftes Äthiopien-Visum, technische Probleme, Verzögerungen, meine Unzurechnungsfähigkeit am Samstag etc.). Aber auch Mr. Schockli hatte seinen (Schlag?-) Stock bis zum Anschlag im Arsch und bemühte sich sehr, möglichst grimmig drein zu schauen. Er gewährte mir, heute bis maximal 1700Uhr auf der Äthiopischen Seite zu bleiben. Wenn bis dahin das OK aus Addis (aus dem Headquarter) käme, könnte ich weiter fahren, sonst müsse ich definitiv zurück nach Nairobi... Danke, du Penner! Na ja, okay. Wenigstens kein Knast und kein Mega-Stress. Hätte alles wesentlich schlimmer können. Schwein gehabt. Okay, die Stunden bis 1700Uhr waren Nervenkitzel pur. Ich konnte kaum jemanden erreichen. Mrs. Habla bestätigte mir, dass sie in Kontakt stünde mit den relevanten Leuten. Am Ende war wohl auch ein Mr. Damtu "im Loop", keine Ahnung ob ich das richtig verstanden habe, und er tatsächlich der Außenminister von Äthiopien ist. Ist ja auch wurscht, seine Nummer habe ich jedenfalls, und ich kann ihm ja mal ne SMS schicken und mitteilen, dass ich diese ganze Immigration Scheiße für einen einzigen Witz halte. Kann es aber auch bleiben lassen. Na ja, sei's wie's ist. Das OK aus Addis Abeba kam trotz aller Bemühungen NICHT. Fuck, ich hatte bis zuletzt wirklich gehofft, dass es vielleicht doch noch funktionieren würde. Mrs. Habla hatte mir einige Hoffnungen gemacht, aber okay. 1700Uhr war vorbei, irgendso ein Typ aus Addis rief bei Schockli an und meinte: NO. Vielleicht war's auch nur Schocklis Oma, die da anrief und er täuschte vor, dass der Anruf aus Addis käme. Keine Ahnung, er wollte mich und damit das Problem offensichtlich möglichst schnell loswerden. Und um 1700Uhr musste ich meine Sachen (unter Aufsicht) packen, durfte mein Mopped beladen und wurde dann "hinaus geleitet" aus Äthiopien. Mein schöner Armreif, den ich mir am Abend gekauft hatte, und auf dem in großen Lettern "ETHIOPIA - I LOVE YOU" stand, hatte leider seine beabsichtigte Wirkung nicht erzielt und machte keinen großen Eindruck auf die Entscheider. Ich musste raus. Tschüs, Äthiopien, es war wirklich wundervoll! Na schön, als allerletzten Strohhalm hatte ich ja von Mrs. Habla die Nummer bekommen von diesem Mr. Damtu. Ihn könnte ich nochmal anrufen, die Situation schildern, und vielleicht würde er doch nochmal intervenieren... Egal, für heute reichte es mir. Ich hatte sowas von die Schnauze voll. Bin dann mit meinem Mopped durch den Grenzstreifen zurück zu den Kenianern gefahren, hab dort noch kurz mit Mohammed (dem Checker im dortigen Immigration Office) geredet und vereinbart, dass ich morgen früh wieder komme. Also erstmal ab in den Ort und ein Hotel suchen. Aber ich war so leer, bedrückt, kaputt, dass ich kaum Power hatte, irgendwas auf die Reihe zu kriegen. Keine Tanke in Sicht, Zain-Credit gab's nur in 50 KSH Portionen, wodurch ich eine gefühlte Ewigkeit mit dem Aufladen des Handies beschäftigt war. Und als ich endlich den Kredit drauf hatte, war kein Strom mehr in der Batterie. Ich konnte also auch nicht mit Nina kommunizieren. Kacke. Die Hotelsuche gestaltete sich auch schwierig. Das vermeintlich beste Hotel der Stadt, das Madina, konnte ich einfach nicht finden und ich wollte mich einfach nur noch irgendwo hinsetzen und die Augen zu machen und aus diesem Albtraum erwachen. Hunger hatte ich wie Sau, den ganzen Tag nix gefuttert. In Äthiopien hatte ich irgendwie überhaupt keinen Appetit, ich war dort wahrscheinlich schon satt genug vom ganzen Adrenalin... Na ja, nach einer Weile versuchte ich es dann doch nochmal, dieses beschissene Madina Hotel zu finden. Im Dunkeln kam ich dann dort an. Wenn das das beste Hotel der Stadt ist, dann können Kühe fliegen. Was für eine Bruchbude. Beim Versuch, in den Innenhof (?) des Hotels zu fahren, bleibe ich - nachdem ich die mörderische Auffahrt gemeistert hatte - am Tor hängen und falle um. Kotz, ich könnte kotzen! Was für eine Zumutung! Aber damit nicht genug. Ein Opi fängt an zu lamentieren, dass ich sein Tor kaputt gemacht hätte, was natürlich Schwachsinn war. Seinem Scheiß-Tor ging es im Gegensatz zu meinem Bike (neue Kratzer...) ausgezeichnet. Ich war echt am Boden. Okay, eingecheckt in diesem Laden, 600 Kenia Shilling kostet's, ich gebe 1000 hin und soll das Wechselgeld später erhalten. Wie immer gibt es eine Horde von Checkern, die mich auf jeden Schritt begleiten. Vor allem ein Typ "kümmert" sich sehr intensiv um mich. Ich drück ihm mein Handy in die Hand mit dem Auftrag "Bitte aufladen!". Kein Problem, wird gemacht. Nächster Plan: Futter fassen. Er zeigt mir ein "Restaurant", aber ausser Chapati und Hühnchen gibt's nix in diesem Lokal. Kotz! Ich hab keine Power mehr. Ich will mein Handy zurück, bekomme es aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen (noch) nicht zurück. Okay, ich MUSS was essen. Wir gehen ein paar hundert Meter weiter in's nächste Restaurant. Meine vortreffliche Mahlzeit besteht aus kalten, abgestandenen Pommes und vier gekochten Eiern. Wunderbar. Aber es tut gut, was zwischen die Zähne zu bekommen. Wir gehen wieder zurück zum Hotel und ich will jetzt mein Handy zurück. Ich werd richtig sauer, als mir der Typ erklärt, dass er es beim Rezeptionisten abgegeben hatte zum Aufladen, aber dieser jetzt verschwunden sei. Au Mann, was für ein Volltrottel. Nun geht er mich auch noch damit auf die Ketten, dass ich ihn eine kleine Aufmerksamkeit hinterlassen solle. Ich bin so genervt, dass ich ihm gerne 100 KSH gebe, damit er endlich verschwindet. Aber er nervt weiter und gibt sich erst mit 200 KSH zufrieden. Was ein freches Arschloch. Und dann warte ich! Gefühlte Stunden, bis dieser Depp von Rezeptionist wiederkehrt und mir endlich mein Handy wieder gibt. Oh Mann. Nebenbei erklärt er mir, dass der "Checker" Typ von vorhin mit meinen 400 KSH Wechselgeld abgehauen sei. Es ist nicht viel Kohle, aber ich bin stinkewütend. Richtig sauer! Was für ein beschissener Tag. Okay, ich schalt das Handy ein und bekomme sofort einen besorgten Anruf von Nina, die sich natürlich gefragt hat, warum ich mich die ganze Zeit nicht melde. Mir fehlt fast die Kraft, ihr die Situation zu erklären. Es ist einer der (ganz wenigen) Momente, wo sich die Sinnfrage stellt. Was zum Teufel mache ich hier eigentlich - am Arsch der Welt? Okay, ich bin durch, so durch wie man nur sein kann. Mal sehen, ob ich in dieser Scheiß-Butze überhaupt schlafen kann. Angespannt bin ich total, ich weiß nicht, ob ich wirklich runter kommen kann trotz der ganzen Erschöpfung und Müdigkeit. Der Höhepunkt des Scheiß-Tages besteht dann darin, dass ich in meiner verfickten Bude kein Auge zu machen kann. Ich befinde mich im zweiten Stock des Hotels, habe ein Fenster nach hinten raus und unter diesem Fenster sitzt ein Typ, ein armer Irrer, wie ich später erfahren habe, der die ganze Nacht in voller Lautstärke irgendwelche sinnlosen, sich immer wiederholende Phrasen hinaus posaunt. Ich dreh bald durch. Was geht hier ab? Am Anfang denke ich noch, da telefoniert einer lautstark im Nachbarzimmer, aber nö, der Typ hat einfach eine Vollklatsche und hat sich ausgerechnet mich als sein "Opfer" ausgesucht. Oh Scheiße. Im Prinzip kann ich seine Phrasen "All Kenyans - Stupid - All your mothers & fathers" größtenteils teilen - zumindest für heute, aber es nervt doch unglaublich. Mir tut der Typ ja auch leid, und ich bin ganz schön sauer, dass man so einen kranken Menschen hier einfach auf der Straße vor sich hin vegetieren lässt anstatt ihm irgendwie zu helfen. Ich glaub nicht, dass der Mann "unheilbar" ist, aber hier kümmert man sich einfach nicht drum. Willkommen in der dritten Welt! Oh Mann, ich fühle mich echt beschissen. Allerhand seltsamste Gedanken schießen durch mein Kopf, und ich muss aufpassen, dass ich mich nicht in irgendwelchen bescheuerten rassistischen oder gewalttätigen Phantasien verliere. I need a fucking break!
Dienstag (21.9.) Was 'ne tolle Nacht. Als ich wach werde, will ich nur noch eins: raus aus diesem beknackten Hotel. Und das ist gar nicht so leicht. Denn ich muss erstmal mein Mopped aus dem Innenhof raus bekommen. Rein zu kommen, war schwierig. Aber raus? Erstmal muss ich auf gefühlten zwei Quadratzentimetern das Bike wenden, und die ganzen umher stehenden dumm drein glotzenden Deppen machen keine Anstalten, mir dabei zu helfen. Ich könnt schon wieder verzweifeln. Mit viel Zeichensprache schaffe ich es endlich, zwei Leute dazu zu bewegen, mir beim Wenden zu helfen. Nach einigem Zerren, Ziehen und Heben bin ich endlich draußen aus dem Scheiß und kann weiter. Erstmal steht die Kenia Immigration auf dem Plan. Ich will nochmal versuchen, Mr. Damtu zu erreichen, aber es klappt nicht. Ich komme nicht zu ihm durch. An der lokalen Tanke fülle ich Sprit auf, natürlich gibt's kein Bleifrei, dafür sind die Preise gepfeffert und ich zahle knapp 30 Euro für eine Ladung. Im Laden nebenan zahle ich für nen Tee knapp 200 Kenia Shilling, weil die Kellnerin einfach so bescheuert ist, dass ich es gar nicht erst versuche, mein Wechselgeld wieder zu bekommen. Ich muss hier weg. In der Kenia Immigration gibt's dann mal nen Lichtblick. Es funktioniert ausnahmsweise mal ganz gut. Als ich meine Situation erkläre, gibt's erstmal natürlich das Übliche. Stirnrunzeln, Gejammer, Gezeter, alles sehr kompliziert. Ui, ui, ui und ei, ei, ei. Und das ist ja sehr schwierig, wie kann man da bloß "helfen" (sic!). Ich hab das Gefühl, dass das antrainierte Standardverhalten eines Immigration Officers darin besteht, sich bei jedem Scheiß einen Stock in den Arsch zu stecken und die Augen zu verdrehen. Dreckspack, alle miteinander! In einen großen Sack stecken und ordentlich drauf kloppen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gerne ich das machen würde. Unglaublich, wieviel Unverständnis/Wut, vielleicht sogar Hass ich mittlerweile auf diesen aus meiner Sicht völlig unnützen Berufsstand habe. Die haben es doch echt geschafft und haben Fahrkartenkontrolleure und Stewardessen auf meiner Hassliste von ganz oben verdrängt... Mir dreht sich am Anfang erstmal der Magen um. Wir unterhalten uns auch über das Äthiopien-Visum. Allein schon die Terminologie, die diese Wichser verwenden, lässt Pickelfelder auf meiner Haut wachsen. Die manuelle Änderung des Expiry Dates bezeichnen sie hier als "Cancellation". Ich glaub, ich brauch noch eine ganze Weile, bis ich dieses Wort wieder vorbehaltsfrei hören kann. Was zum Henker ist da eine Cancellation. Habt ihr sie nicht mehr alle, ihr Vollpfosten? Lass es nicht wahr sein, bitte! Jetzt bloß nicht nochmal die gleiche Scheiße in grün! Aber irgendwie habe ich einen guten Draht zu den beiden Freaks hier, und sie helfen mir ja wirklich. Musste auch gar nicht so lange betteln. Sie gehen auf meinen Vorschlag ein, stempeln das längst abgelaufene Transit Visum ab und geben mir ein neues Single Journey Visum für einen Monat. Das Transit Visum hätten sie nicht verlängern dürfen (wonach ich ja nie gefragt hatte), und sie wollten mich am liebsten nach Nairobi in's Headquarter schicken. Dort hätte ich bestimmt einigen Ärger bekommen, abgesehen davon, dass ich weiterhin als "Illegaler" durch's Land hätte reisen müssen... Na ja, Kostenpunkt 20 Ois für das Visum. Selbstredend gibt's kein Wechselgeld. Weil gennervt, ungeduldig und dankbar zugleich bin, drücke ich ihnen einen Fuffi in die Hand und sage "Danke schön, behaltet den Rest.". Eigentlich wollte ich sagen "Fickt eucht, ihr dummen Penner, ich scheiße auf den Rest, ich will hier nur weg.". Aber jut, zumindest das hatte ich in Moyale erreicht. Ich war wieder legal in Kenia! Juchuh! Das hätte man wahrscheinlich einfacher haben können als mit 1700 Kilometern Fahrerei, aber okay. Gottes Wege sind unergründlich. Den Carnet auch nochmal abstempeln (brauche jetzt ja wieder nen Entry), aber kein Problem. Am Grenzposten begegne ich eine Gruppe sympathischer Engländer, die in zwei Landcruiser unterwegs sind. Sie fahren vor mir ab, aber wir wünschen und ein Auf Wiedersehen, da wir uns bestimmt bis Nairobi nochmal sehen würden... An der Grenze verabschiede ich mich auch von Loddar, Rene und Ziad. Echt eine witzige Gruppe, besonders Ziad und Rene sind mir echt sympathisch. Wir wünschen und gegenseitig viel Glück, Ziads diverse Nummern speichere ich in mein Telefon, und um 12Uhr (erst!) geht's los aus Moyale. Für den Hinweg Marsabit-Moyale hatte ich am Samstag immerhin knapp acht Stunden gebraucht, und ich konnte mir bereits ausrechnen, dass ich heute sicherlich nicht im Hellen in Marsabit ankommen würde. Ich machte mich also auf die Reise. Wieder diese beschissenen 785 Kilometer zurück nach Nairobi. Ich war sicherlich nicht in euphorischer Verfassung während der Tour zurück. Aber nicht unbedingt wegen der Strecke. Im Gegenteil, mir tat es gut, wieder back on the road zu sein, auch wenn die Straße anstrengend war. Die Strecke Moyale-Nairobi bzw. Isiolo ist von der Qualität her sicher nicht so dramatisch wie zum Beispiel die Strecke nach Lake Turkana. Was ätzend ist, ist die Länge & Eintönigkeit. Man braucht schon ein bisschen Durchhaltevermögen und muss Stunde für Stunde dahin tuckern, mit 25, 30, manchmal vielleicht auch 40... Einmal wirft mich mein Pferdchen heute im Schotter aus dem Sattel, bei ca. 25, 30 im zweiten Gang. Per Definition eigentlich ein Crash, ich verbuch's aber mal großzügigerweise als Umfaller... Im letzten Nest vor Marsabit mache ich meinen einzigen Stopp für heute, ich war über sechs Stunden auf dem Bike. Es hatte was meditatives, war aber natürlich auch mächtig anstrengend. Noch knapp 50 Kilometer bis Marsabit, der übelste Teil der Strecke und den darf ich dann auch noch im Dunkeln fahren. Voila. Aber kein Problem, bei einem schönen Fast-Vollmond ruckele ich auch noch die letzten Kilometer und komme so um acht in Marsabit an. Heute will ich auf jeden Fall in einem vernünftigen Bett schlafen. DEFINITIV! An der Tanke in Marsabit komme ich mit ein paar Locals in's Gespräch und erörtere ihnen meinen Plan, auf jeden Fall in der Marsabit Lodge nächtigen zu wollen. Gar nicht, so einfach, wie sich heraus stellt. Die Lodge ist in 'nem Park, und da komme ich bekanntlich mit den Mopped nicht rein. Normalerweise dürfen auch keine Leute mehr nach 1800Uhr rein, was ein ziemlich cooles Konzept ist, wenn man auf Übernachtungsgäste angewiesen ist... Na ja, es dauert alles und zieht sich hin. Nach knapp ner dreiviertel Stunde kommt endlich ein Landcruiser angedackelt und holt mich ab. Gemeinsam fahren wir zum Gate, dort stelle ich mein Bike ab, nehm das Gepäck und fahr im Landcruiser mit in den Park zur Lodge. Die Parkgebühr muss ich nicht zahlen, ein Typ aus der Lodge winkt ab und ich lass es mir gefallen. Ich bin fertig, müde, hungrig, ungeduldig. Ich will mir erstmal die Hände waschen, dann was futtern, dann in die Heia. Und natürlich ein paar Telefonate machen. Auf dem Weg zur Lodge sehen wir erstmal ein Porcupine über die "Straße" hoppeln, sehr witzig, ist glaube ich eine Art Stachelschwein oder so. Hab ich noch nie vorher gesehen und war einfach niedlich, wie es da in großer Eile über die Rumpelpiste gehoppelt ist. In der Lodge angekommen, lief dann alles fluffig. 6700 Kenia Shilling für eine Nacht inklusive Frühstück und Dinner. Nicht billig, aber okay. Vergleiche 440 Dollar am Rande (sic!) des Amboseli National Parks... Ich bekomme ein nettes Zimmer mit Blick auf eine große Fläche (wo ich am nächsten Tag bestimmt ein paar Tierchen sehen kann), wasch mich und bekomme ein ganz nettes Abendessen. Puh, geschafft. Nur mit dem Telefonieren klappt's nicht so recht. Handy schon wieder alle, kein Strom, kein Kredit, kein Netz. Ätzend. Trotzdem schaffe ich es irgendwie, mit Nina zu kommunizieren. Ich komme ein bisschen runter und schlafe das erste Mal seit Tagen wieder halbwegs erholsam, frisch geduscht versteht sich ;-)
Mittwoch (22.9.): Ich hab gut gepennt, nach dem Aufstehen sehe ich unweit von meinem Fenster eine Elefanti-Familie vorbei traben. Auch einige Büffel sowie diverses Hufgetier ist zu sehen. Fein! Trotz des guten Schlafs bin ich alles andere als fit. Immer noch erschöpft und träge. Ich frühstücke ausgiebig, organisier ein bissel rum, kann aber nicht mehr telefonieren, weil es nirgendwo mehr Zain-Kredit aufzutreiben gibt. Blöd. Ich zahl meine Rechnung und werd fast ein bisschen ärgerlich, als mir die Typen von der Lodge für den "Transport" gestern nochmal zusätzlich 3000 Kenia Shilling (30€) in Rechnung stellen wollen. Sie meinen, das wäre der Standardpreis, wenn sie Touris vom Airstrip abholen und wieder hinbringen würden. Ich lehne jedoch resolut ab und gebe ihnen schließlich 500 Kenia Shilling. Ich reagiere im Moment ganz schön gereizt und verärgert, wenn ich das Gefühl habe, ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans. Meine Lockerheit ist gerade dahin, und in mir steckt eine ganz schön große Portion Frust... Das äußerst sich, nachdem ich von der Lodge zum Gate gebracht werde. Ich packe meine Sachen auf's Bike, ziehe mich an und will gerade losfahren, als mir dieser vollbehinderte Ranger von gestern Abend eröffnet, dass ich jetzt noch nachträglich die 20 Dollar Parkgebühr zahlen sollte. Die ganze Zeit steht er da so rum, guckt wie ein Auto, und als ich fertich und abreisebereit auf dem Mopped sitze, will er plötzlich die Kohle. Da bin ich fast ein bisschen ausgetickt. Ich sage ihm, dass ich die Gebühr schon bezahlt habe und ich JETZT nach Nairobi fahre. Und dass er mich bitteschön in Ruhe lasse soll. Er zieht mir den Schlüssel aus dem Zündschloss und läuft damit in sein Büro. Vollspast! Die bis dato interessierte und friedfertige Athmosphäre ist dahin. Auch einer der Freaks von der Tanke von gestern Abend hatte sich zum Gate bemüht - allen Anschein nach in der Hoffnung, dass ich ihn für seine komplett sinnfreien "Services" von gestern Abend doch noch "entlohnen" würde. Und auch er meinte, ich müsse die Gebühr bezahlen und dürfe nicht "davon laufen". Oh Mann. Die Typen hier sind sicherlich die falschen Adressaten, aber mich dürstet so sehr danach, einfach mal einem dieser Freaks so richtig eine zu zimmern... Ich bin am meisten ärgerlich mit mir selbst, ich habe gerade keine positiven Vibrations, wirlich nicht. Und das ist ganz schön blöd. Ich drücke dem Deppen von Ranger 20€ in Kenia Shilling in die Hand, bekomme kein Wechselgeld wieder, sage ihm, dass ich seine Scheiß-Quittung nicht benötige sondern einzig und allein meinen Motorradschlüssel und dampfe ab. Fuck it! Ich mein, der Typ hat ja nur seinen Job gemacht, aber trotzdem kann ich gerad diese ganze Art und Weise absolut nicht ab. Ich bin froh, als ich wieder auf der Strecke bin - allein, ich und mein Mopped. Nur wir beide ;-) Schon am Vorabend hatte ich gemerkt , dass der Stoßdämpfer wieder Probleme macht. Ungefährt der gleiche Effekt wie auf der Hinfahrt kurz vor Marsabit. Schöne Scheiße. Es tropft wieder aus dem Stoßdämpfer. Das Gummiband, welches Sam auf der Hinfahrt drum gewickelt hatte, war inzwischen verschwunden. Ein Teil von dem Band habe ich eingeklemmt in meiner Hinterradbremse wieder gefunden. Na was für ein schöner Salat! Aber okay, es muss jetzt auch so gehen! Noch einen Stop bei Sam würde ich jetzt nicht einlegen. Die Huckelpiste zwischen Isiolo und Moyale und wieder zurück hat's schon in sich. Durch die ganzen Vibrationen läuft man nicht nur Gefahr, das gerade erst eingenommene Frühstück wieder auszukotzen. Auch die Zurrgurte sind einer maximalen Belastung ausgesetzt. Meine beiden Zurrgurte, mit denen ich die Kackwurst befestigt hatte, sind beide auf dieser Strecke hier gerissen. Sie hatten ja schon ein paar Zerreißproben hinter sich, aber erst dieses kontinuierliche und langwierige Geruckel gab ihnen den Rest. Okay, Marsabit-Laisamis 96 Kilometer, danach nochmal 40 Kilometer bis zum Beginn der Teerstraße. Ca. 15 Kilometer vor Laisamis begegne ich den Engländern mit ihren beiden Jeeps. Zuerst überholen sie mich, ein paar Kilometer später stehen sie am Straßenrand mit nem Reifenschaden. Das übliche auf dieser Strecke... Stoßdämpfer und Reifen gehen hier hopps wie nix... Ich halte an und mache einen ungeplanten Kippenstopp. Die Gruppe ist sehr cool und ich unterhalte mich ein bissel mit ihnen. Ruthie ist die scheinbar Älteste und wir plaudern gemütlich, während die Jungs die Drecksarbeit verrichten müssen. Ha ha! Sie meinen, dass sie am Vortag schon einen Dackgepäckträger verloren haben auf der Ruckelpiste. Und alle sehnen den Beginn der Teerstraße herbei. Ich bin relativ sicher, dass wir uns nochmal sehen werden, bevor ich die Teerstraße erreiche. Ich rechne dafür zwei Stunden ein, bis dahin sollten sie mit dem Reifenwechsel fertig sein und mich mit ihren (auf dieser Strecke schnelleren) Landcruisers eingeholt haben. Ich verbringe die meiste Zeit auf der Strecke sowieso im Stehen, um den Stoßdämpfer etwas zu entlasten und zu schonen. Es ist ganz schön warm heute und ich bekomme einen netten Sonnenbrand im Gesicht, genau am Rand des Visiers entlang. Sieht sehr vorteilhaft aus! Na ja, in Laisamis stoppe ich nicht mehr, sondern fahre durch bis zum Teer. Ich bin etwas schneller als zwei Stunden und sehe die Engländer (leider) nicht mehr wieder. Sie wollten in Namyuki in einem Camp übernachten, also nicht mehr bis Nairobi. Wer weiß, ob wir uns nochmal über den Weg fahren... Ein paar Kilometer auf der Teerstraße fahre ich so entlang, als ich merke, dass mir schon wieder fast das Sonnenschild vom Helm fliegt. Durch die Ruckelei auf der Dirt Road hatte sich auch eine Schraube verabschiedet. Das kenne ich ja schon (aus Mali/Burkina), also schön anhalten, das Sonnenschild mit Gaffertape befestigen und weiter geht's. In Archer's Post treffe ich ein deutsches Pärchen in ihrem Jeep, die ich schon in Moyale am Grenzübergang getroffen hatte. Berliner! Das tut gut in diesen schweren Zeiten. Sie haben auch einen Stoßdämpfer eingebüsst auf dem Strecke und wollen inna Lodge hinter Isiolo übernachten. Ich wünsche viel Glück und gib Gummi. Ich hab noch knapp 300 Kilometer vor mir, es ist 1600Uhr, und es droht (mal wieder) eine Nachtfahrt... Die Fahrt auf der Teerstraße ist ohne Stoßdämpfer ziemlich gewöhnungsbedürftig. Selbst kleine Dellen führen dazu, dass ich untentwegt auf und ab schwinge, so ein bisschen wie auf einem Trampolin. Normalerweise nur nervig, und kein Problem. Es sei denn, es geht in eine Kurve. Da ist ein auf und ab federndes Bike bemerkenswert uncool! Na ja, trotzdem geht es voran. Durch Isiolo und Namyuki am Mount Kenya vorbei. Heute sehe ich diesen Berg das erste mal in voller Pracht und nicht wolkenverhangen wie sonst immer. Also schön die Digicam rausgeholt und ein paar eilige Fotos geschossen. Um knapp Sechs bin ich noch knapp 140 Kilometer von Nairobi entfernt, es dämmert schon mächtig und ich mache mir Hoffnungen, dass ich mit dem letzten Fünkchen Helligkeit zumindest bis an die Grenze von Nairobi komme, also noch knapp 100 Kilometer schaffe. Darüber denke ich gerade so schön nach, als ich in einer Ortschaft einen dieser fiesen Bumps übersehe und dort im dritten oder vierten drüber brettere. Plautz macht's! Ohne Dämpfer habe ich diesen Stoß nicht so gut überstanden. Irgendwas klappert gewaltig und ich muß anhalten. An der Tanke sehe, dass sich der Schutz des Federbeins gelöst hat und am Hinterrad schleift. Also abgebaut das Teil und mal geguckt. Hmm, seltsam. Das Federbein liefert jetzt weder Dämpfung noch Federung. Offenbar hat die Feder jetzt auch ein Ding mitgekriegt. Auf jeden Fall ist die Karre auf'm Arsch jetzt hart wie Beton. Aber ich kann weiterfahren. Aber schön vorsichtig natürlich, denn jedes Schlagloch fühlt sich jetzt natürlich an wie ein Erdbeben. Nicht dass noch mehr kaputt geht, mein Junge! Okay, noch 133 Kilometer bis Nairobi, im Dunklen, keine Dämpfung/Federung. Vernünftiger wäre wohl gewesen, einen Stopp einzulegen und in nem Camp an der Strecke zu übernachten. Aber ich wollte (warum weiß ich gar nicht genau) auf jeden Fall heute Nacht in Nairobi übernachten. Und es fuhr sich einigermaßen weg. Knapp zweieinhalb Stunden dürfte ich unterwegs gewesen sein, bis ich endlich in Nairobi ankam. Erstmal ab zur Ngong Road zum Nakumatt Prestige. Cola, Kippen, Zeitung, Schoki kaufen. Zain aufladen. Und im Restaurant eine Pizza Family Size zum Mitnehmen organisiert. Von der Jungle Junction wusste ich, dass die Räume ausgebucht sind und ich maximal im Dormitory hätte pennen können. Eigentlich wollte ich mir ein anderes Hotel in Nairobi suchen, aber ich hatte einfach keine Power. Ich hab die Pizza auf's Bike geladen, bin in die Jungle Junction gefahren und hab meine Pizza mit den sehr erfreuten Bipa und Boopa brüderlich und schwesterlich geteilt. Oh Mann, was für ein komisches Gefühl, wieder hier zu sein... Ich hab mich erstmal vor der Rezeption hingehauen und hatte kein Lust, mit den Leuten zu sprechen. Ich musste erstmal runter kommen. Dan, Felix und Barry habe ich dann doch noch gesehen und kurz mit ihnen geplaudert. Ich beschloss dann, mir's auf der Couch im Gemeinschafsraum gemütlich zu machen. Ich hatte keinen Bock auf's Dorm. Vielleicht so eine Art Trotzreaktion, keine Ahnung....
Well, nu bin ich wieda in Nairobi, dem Ort, der mich magisch anzuziehen scheint und aus dem ich einfach nicht mehr wegkommen soll. Seitdem ich hier am 9. August angekommen bin, geht fast gar nix mehr. Die Geschichte mit der gescheiterten Weiterfahrt über Äthiopien ist da natürlich der Höhepunkt. Vielleicht hätte ich schon nach dem Kupplungsschaden sagen sollen: alridy, dit war's. Nu is Schluß. Aber ich hab's eben nochmal probiert mit Äthiopien. Hat nicht sollen sein, leider. Ich wär gerne noch die Strecke über Äthiopien, Sudan, Ägypten, den Nahen Osten, Türkei nach Hause gefahren, aber jetzt ist allerhöchste Eisenbahn zu sagen: Schluss.
Witzigerweise hat die Kupplung auf den letzten 1700 Kilometern formidabel gehalten, keine Zicken gemacht, hin und wieder mal beim Anfahren etwas gerochen, aber ich bin sicher, dass ich mit dem Teil gut nach Hause gekommen wäre. Aber diese Verkettung von Problemen in den letzten Wochen haben mir einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht. Los ging's damit, dass in Nairobi keine Äthiopischen Visa mehr ausgestellt werden und ich das Teil in Deutschland ausstellen lassen musste. Das nächste Ding war, dass mir die Botschaft dort nur ein 1-Monatsvisum statt des Standardvisums mit Gültigkeit 3 Monate ausgestellt hat. Dann der Kupplungsschaden und die Trödelei in Chris' Werkstatt mit der ich bis an das Ablaufdatum des Visum geraten bin. Dann das Problem mit dem Stoßdämpfer in Marsabit, auch wenn ich es sowieso nicht mehr rechtzeitig bis 1700Uhr zur Grenze in Moyale geschafft hätte. Na ja, und ausschlaggebend dürfte dann wohl mein Faux Pas gewesen sein, das Visum selbst "zu korrigieren". Hätte aber auch noch klappen können, wenn die Kackbratzen an der Äthiopischen Immigration einen Ticken cooler gewesen wären. Hätte, würde, könnte. Nu is Schluss. Und ich bin am Organisieren, wie ich schnellstmöglich heeme komme. Meine favorisierte Lösung ist, das Bike als Fracht in nen Flieger zu tun und nach Europa zu bringen. Ich flieg dann natürlich auch dorthin und fahre die letzten Kilometer noch mit dem Bike nach Wien zu Nina. Nina hat da schon einiges recherchiert, und ich hoffe, dass wir da schnellstmöglich eine Lösung finden. Vielleicht geht's ja sogar auch mit der Turkish Airlines bis nach Istanbul und von dort aus in zwei Tagen mit dem Bike nach Wien... Realistischer ist aber eher Zürich mit der Swiss. Na mal schauen, was das kosten tut... Die Alternative wäre wohl, das Bike hier in Nairobi zu lassen (z.B. bei Chris) und es zwischen zu lagern, um es später wieder abzuholen. Aber ganz ehrlich, ohne Bike nach Hasue zurückkehren? Das möchte ich dann doch nicht, nur im äußersten Notfall...
Well, dat Lebbe is wie dat Lebbe ebbe is. Vor allen Dingen in Afrika. Einige Sachen kannst du einfach nicht im voraus planen. Dass ich hier in Kenia sechs Wochen rumhängen würde, hätte ich mir nie geträumt. Witzigerweise gaben mir die Typen an der Immigration in Moyale noch den Tipp, dass ich immer darauf achten solle, dass meine Papiere in Ordnung seien. Das macht dann alles leichter... Scherzkekse! Aber okay, so ätzend es in der Situation auch sein mag, diese Art von Erlebnisse gehören irgendwie dazu. Vielleicht nicht unbedingt so extrem wie gerade in Äthiopien mit bewaffneten Soldaten am Checkpoint und so weiter, aber yep, die letzte Woche war zwar hart, aber mit Sicherheit werde ich mich noch eine ganze Weile daran zurück erinnern. Jetzt reicht's mir auf jeden Fall und ick will nach Hause. Cool wäre, wenn's noch klappt damit, ein paar Kilometer in Europa zu machen. Mit dem Frust der letzten Wochen heimzukehren, ist dann auch nicht so schön. Aber heimkehren will ich auf jeden Fall. Es ist echt schwierig zu erklären, warum man solche Sachen macht. Da hängt man in Mega, Äthiopien, wird von einer Gruppe Soldaten festgehalten, weil man illegal im Land ist und "tief in der Scheiße" sitzt - und man fragt sich "Warum mache ich den Scheiß bloß?". Ist schwierig zu beantworten diese Frage in diesem Moment. Aber der Witz ist, es gibt einen Grund. Und der ist schwer zu beschreiben, man spürt ihn nur. Und auch wenn ich gerade keine große Sehnsucht danach habe, in näherer Zukunft nach Äthiopien zurück zu kehren, weiß ich, dass es nicht lange dauert, bis diese Sehnsucht wieder aufkeimt. Dieser Kontinent kickt einfach! Er ist fantastisch und große Scheiße gleichermaßen; dit birgt Suchtpotential, keine Frage.
Au weia, musste erstmal ein paar geistreiche Sprichwörter vom Stapel lassen, bevor ich anfangen kann. Also, wie schaut's? Wie waren die letzen Tage? Aufregend!
Mal ganz kurz im Stenogramm:
Donnerstag (16.9.): Am Nachmittag gibt's das von OK von Chris. Endlich ist das Bike finished. Det kuppeld wieda! Wunderbar. Aufgeregt wie Bolle sattel ich mein Bike, organisier noch Cash und Sprit am Nakumatt und brumm - weg bin ich aus Nairobi. Mein Ziel isses, bis Freitagnachmittag in Moyale an der Grenze zu Äthiopien zu sein. Ich komme gut voran, die Kupplung fühlt sich erstmal ziemlich eigenartig an, aber sie läuft. Ich muss erstmal wieder Vertrauen in mein Bike aufbauen. Um ca. 1915Uhr bin ich in Isiolo, 280 Kilometer nach Nairobi. Super, das hat gut gefunzt. Ich entscheide mich, ca. 30 Kilometer weiter in Archers Post zu pennen, versuche noch von Felix aus der Jungle Junction eine empfehlenswerte Adresse ausfindig zu machen, das klappt aber nicht. So lande ich auf Anraten der Locals im wunderschönen "Sundowner" Hotel (am Anfang hab ich immer nur "Santana" verstanden und hab mich deshalb auf schöne Gitarrensounds gefreut, aber okay, das mit der Verständigung klappt immer noch nicht so einwandfrei). Ok, das Hotel war beschissen und ich hab mehr schlecht als recht gepennt.
Freitag (17.9.): Ganz schön angespannt, heute Nachmittag läuft mein dämliches Äthiopien-Visum aus. Die Nacht war mittelmässig. Konnte kaum pennen, weil es noch ewig lange sehr laut war vor meiner Tür. Na ja, wurscht. Komme auf jeden Fall pünktlich los aus Archers Post, so gegen 0630Uhr sitze ich auf dem Bike und düse gen Norden. Es läuft gut, nach knapp 90 Kilometern habe ich die Teerstraße hinter mir und befahre die wunderschöne Dirt Road. Nach weiteren 40 Kilometern bin ich in Laisamis und mache ne kurze Rast. War sehr witzig, weil ich die Leute, die ich vor ein paar Wochen (bei meiner nächtlichen Durchreise vom Lake Turkana kommend) getroffen hatte, wiedersehe. Sogar die "Mama", bei der ich in Loyongalani am Lake Turkana übernachtet hatte, war zufällig gerade hier. Sie hatte ihre Tochter in Nairobi besucht und war gerade auf der Durchreise. Well, ich verbringe einen netten Aufenthalt und fahre gegen halb neun weiter Richtung Marsabit. Nach nur 30 Kilometern dann der Schreck. Da rumpelt's gewaltig unter mir. Und es dämpft auch nicht mehr so richtig. Ich halte an und stelle fest, dass der Stoßdämpfer im zentralen Federbein "leckt". Es läuft Flüssigkeit aus, das Ding scheint im Arsch zu sein. Was tun? Erstmal weiter fahren. Ich stelle fest, dass ich so einigermaßen fahren kann, langsamer und vorsichtiger natürlich, aber ich komme voran. Nach zwanzig Kilometern komme ich in ein Dorf. Ich entscheide, dass ich einen Mechaniker suche, der mir mit dem Stoßdämpfer hilft. Aber in dem Dorf gibt's niemanden. Sie verweisen mich an einen Steve in Marsabit. Ui, das sind noch fast 50 Kilometer. Aber was soll's. Was muss, das muss. Ich brauch ca. bis 12 Uhr, bis ich auf dieser Rumpelpiste in Marsabit ankomme. Kurz vor Marsabit habe ich noch einen Umfaller, wobei hier insbesondere meine "kupplungsschonende" Fahrweise die Ursache darstellt. Ich ruckele - untertourig - den Berg rauf, woraufhin meine Maschine absäuft (von der Kupplung lasse ich ja weitestgehend die Finger). Na ja, und wenn man abrupt stehen bleibt und dabei eine gewisse Schräglage hat, dann gibt's kein Halten mehr und man kippt zur Seite... Nach einem Stop anna Tanke in Marsabit, erkundige ich mich nach Steve, und ein Local führt mich zu seiner Werkstatt. Dort treffe ich dann Sam. Sam ist der (eineiige) Zwillingsbruder von Steve. Er erklärt mir, dass Steve gerade in Laisamis (!) ist und mich dort auch gesehen hat. Aber Sam ist ebenfalls Mechaniker - und was für einer! Der Tipp mit der Werkstatt Sam/Steve war goldwert. Es ist echt unglaublich, was dieser Sam die nächsten acht (sic!) Stunden da in seiner Werkstatt herum frickelt. Ich vertraue ihm von Anfang an und warte, warte, warte. Ich verbringe die meiste Zeit gegenüber der Werkstatt im Schatten vor ein paar Geschäften, wo ich von einer großen Schar Kinder in Trab gehalten werde. An Schlaf oder Ruhe ist nicht zu denken. Sam ist sicher, dass er meinen Stoßdämpfer wieder hinbekommt, so bleibe ich geduldig. Im Laufe des Nachmittags wird aber klar, dass ich heute nicht mehr weiter komme, und schon gar nicht bis Moyale. Ich müsste eine Nacht in Marsabit verbringen, mein Visum für Äthiopien würde verfallen und ich könnte erst am Samstag zur Grenze fahren... Mit viel Geschick und unter Einsatz seiner ganzen Kunst bekommt es Sam tatsächlich hin, den Stoßdämpfer zu reparieren. Er hämmert stundenlang rum, schnitzt was mit dem Rasiermesser und am Ende des Tages (es ist mittlerweile fast neun Uhr) sitze ich wieder auf einem Bike mit funktionierendem Stoßdämpfer. Ich bezahle Sam für afrikanische Verhältnisse exorbitant. Aber ich weiß, dass er ein guter Kerl ist und bin ziemlich sicher, dass seine Lösung mich bis nach Moyale bringen wird. Er arbeitetet "nebenbei" als Religionslehrer an der örtlichen Primary School. Echt ein cooler Typ, Wahnsinn. Das Hotel, welcher er mir empfiehlt, ist leider nicht so der Bringer. Das Jey Jey ist wieder so eine Local Bruchbude und ich frage mich, ob ich hier überhaupt schlafen könne. Das Bike stelle ich im Innenhof ab und hoffe, dass ich hier am nächsten Morgen auch wieder heil rauskomme...
Samstag (18.9.): Der Tag der Entscheidung. Ich habe etwas geschlafen und stehe wieder pünktlich auf der Matte. Ich frühstücke etwas im Hotel und passe das Expiry Date des Äthiopien-Visums an (ich ändere September auf November), SEP->NOV, damit "habe" ich jetzt ein 3-Monats-Visum. Die "Fälschung" ist nicht besonders sorgfältig und jeder sieht, dass da jemand rumgekritzelt hat. Aber, well, das ist mein Plan für die Grenze... So um halb sieben will ich los, bekomme aber nochmal nen Anruf von Sam. Er meint, ich solle nochmal in die Werkstatt kommen, weil ihm noch was eingefallen ist. Dort angekommen, befestigt er mit einem meterlangen Gummistraps die Schwinge am Rahmen, um so das Federbein etwas zu entlasten. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das viel helfen würde, bin aber trotzdem dankbar, und mach mich um sieben auf die Piste. 246 Kilometer bis Moyale. Das werd ich ja mal locker schaffen. Sam sagt mir noch, dass die ersten 50 Kilometer nach Marsabit am schwierigsten seien. Well, schön isse nicht, die Strecke. Ziemlich steinig. Nach ca. 30 Kilometern habe ich nochmal einen Umfaller im Geröll, puh. Aber es läuft, langsam nährt sich das Eichhörnchen. Kilometer für Kilometer spule ich ab. Zwei Pausen mache ich (nur). Eine nach meinem Umfaller, die zweite dann in Sololo, ca. 80 Kilometer vor Moyale. Je näher ich an Moyale rankomme, desto aufgeregter werde ich. Sind dies jetzt die letzten Kilometer Dirt Road in Afrika? Verlasse ich endlich Kenia? Ui, ui, ui. Um knapp halb fünf isses dann soweit, ich bin in Moyale anna Grenze. Juchei. Direkt hin zum Grenzübergang. Für Kenia hole ich mir den Exit Stempel im Carnet de Passage. Ich gehe aber nicht zum Immigration Office, weil ich Angst habe, dass die erst mal ein großes Trara machen um mein längst abgelaufenes Transit Visum (seit 12.8. bin ich ja de facto "illegal" in Kenia, ich schlimmer Finger). Also rüber nach Äthiopien. Die Typen dort signalisieren mir, dass ich mich beeilen solle, das Immigration Office schließe in zwei Minuten. Ach du Scheiße, das sind ja Arbeitszeiten, die machen hier um fünf zu. Oh je, also nix wie hin. Aden, ein Immigration Typ, mach das bereits geschlossene Büro wieder auf und lässt mich rein. Ich gebe ihm meinen Pass und er runzelt die Stirn. Er scheint ein Problem zu haben. Er holt seinen Boss (Haile) und sie beraten sich eine Weile. Gezeter, Diskussion. Sie mögen mein Visum nicht, Überraschung! Wir diskutieren eine Weile rum, ich erkläre ihnen meine Situation, gebe aber nicht zu, dass ich das Expiry Date selbst angepasst habe. Meine Aussage ist, dass die Botschaft das Visum aufgrund eines Fehlers zunächst bis 17. September datierte, dann aber auf 17. November abänderte. Aber es nützt nix, die beiden gehen auf diesen Kuhhandel nicht ein. Ich biete ihnen Baksheesh an, aber auch das nützt nix. Haile (der Boss) meint, ich müsse umkehren, und nach Nairobi zurück fahren. Aden meint noch, ich solle am Montag wieder kommen in's Büro und es dann nochmal versuchen. Dann wäre der Cheffe da, und vielleicht könne er was machen. Hmm, am Montag wollte ich aber schon längst im Sudan sein. Mir gefallen beide Möglichkeiten überhaupt nicht. Und ich habe einfach nur einen dicken Hals auf diese beiden Kackbratzen, Arschgesichter, Vollpfosten. Ich fahre NICHT wieder nach Nairobi zurück, und ich warte auch ganz sicher NICHT bis Montag in diesem Kacknest von Moyale, um nochmal mit so einem Volldeppen von Immigration Oberchecker zu labern. Okay, ich nehm meinen Ausweis, gehe zu meinem Bike, steige auf, starte, und fahr los. Allerdings nicht zurück zur Kenianischen Seite, sondern ab nach Äthiopien. Hurra! Härrlich! Schön hier in Äthiopien. Ob das jetzt eine kluge Entscheidung war? Ich zittere schon ein bisschen. Ich komme mir vor wie ein Schwarzfahrer in der Berliner S-Bahn. Überall könnte ein Kontrolleur lauern. Ich konzentriere mich und versuche, in der Entfernung mögliche Checkpoints ausfindig zu machen. Jedes Huhn oder jede Ziege sieht jetzt wie ein mögliches Teil einer Checkpoint-Anlage aus. Puh, das ist nervenaufreibend. Scheiße, Mann, vielleicht war das jetzt doch ein bisschen dämlich mit dieser "Durchbruchaktion". Nach ca. 10 Kilometern ist es dann soweit, Checkpoint! Ouch! Ich sehe, dass die Freaks gerade am Handy sind. Telefonieren sie mit Haile? Sie signalisieren mir, dass ich warten solle. Ich überlege und denke mir. Scheiße, Alta! Jetzt oder nie! Noch wissen sie offenbar nicht genau, was Sache ist und lassen sich erst von Haile briefen, dass sie auf jeden Fall diesen German Mistkerl aufhalten sollen. Ich mache einen kurzen Schlenker, verlasse die Teerstraße, umfahre die Barriere, winke noch ganz viel herum (so nach dem Motto - ich hab nicht begriffen, dass ich warten sollte) und gib Gummi. Ui, ui, ui. Jetzt war ich aber ganz schön aufgeregt. Würden sie mich verfolgen? Habe ich überhaupt eine Chance, durch zu kommen? Sollte ich erstmal runter von der Straße und mich im Busch verstecken? Aber wo und für wie lange? Ich glaub, ich würde mir dort sowieso nur in die Hose machen. Am besten isses wohl weiter zu fahren, vielleicht war das jetzt der einizge Checkpoint nach der Grenze und ich könne jetzt bis Addis Abeba durchrauschen. Mit jedem Kilometer, der verging, wuchs meine Sicherheit. Schließlich war ich schon dreissig, vierzig, fünfzig Kilometer hinter der Grenze und wenn es mal eine Barriere gab, dann nur so eine "sinnlose" Dorf-Barriere, die sofort herunter gelassen wurde, sobald ich mich näherte. Ich winkte fleissig und erlebte liebe und nette Äthiopier am Straßenrand. Nur vor kleinen Steinewerfern fürchtete ich mich. Von denen hatte ich ja schon oft gehört, und das würde mir jetzt noch fehlen, so eine Klamotte in die Fresse zu bekommen. Na schönen Dank. Mittlerweile war es 18Uhr durch, und es dämmerte. Über 100 Kilometer hatte ich seit Moyale zurück gelegt in Richtung Addis. Klappt das jetzt tatsächlich? Wo würde ich anhalten, um zu pennen? Noch hatte ich ja nicht mal Äthiopische Kohle. Aber die Gedanken wurden abrupt gestoppt. In einem Ort namens Mega (verstanden hatte ich Maxima...) war meine Fahrt vorbei. Checkpoint Nummer zwei, diesmal gut vorbereitet. Ca. 8 bis 10 Leute erwarteten mich bereits. Bewaffnet die Kollegen. Ich spreche kurz mit dem Anführer, überlege noch wie beim ersten Mal einen kurzen Schlenker zu machen. Als ich die MGs klicken höre, entscheide ich mich, dass ich es doch lieber bleiben lasse. Scheiße, scheiße, scheiße. I'm in deep shit, Kollege! Jetzt habe ich mich aber wirklich in eine äußerst bescheidene Situation hinein manövriert. Ich bin sauer auf mich selbst. Was für ein Volldepp! Ich merke, dass ich dringend mal auf's Klo muss. Das scheint so eine Art Singal meines Körpers zu sein, dass ich "in der Falle sitze". Denn genau so fühlt es sich an. Ich bin ge-cashed. Sie haben mich eingefangen. Schöner Salat. Ich steig vom Mopped ab, und versuche, mein Gesicht Nr. 2 zu offenbaren: das des Diplomaten. Denn was anderes als Diplomatie, Verhandeln, Diskutieren hilft jetzt nicht mehr. Ich wäge kurz meine Chancen ab, wie es denn klappen könnte, vielleicht in der Nacht mit meinem Mopped abzuhauen, aber ws. ist das keine gute Idee... Well, die nächsten drei, vier Stunden bin ich mit Reden, Argumentieren, Telefonieren sowie Nett & Lieb sein beschäftigt. Leider scheitern meine Bestechungsversuche kläglich. Sie wollen meine Kohle nicht. Ich kontaktiere Nina und meine Eltern über mein deutsches Handy. Nina stellt den Kontakt her zur deutschen Botschaft in Addis Abeba (völlig sinnlos, wie zu erwarten war...) und zu "ihrer Äthiopischen Freundin". Das ist die Lady aus der Botschaft in Wien, die Ninas Äthiopien-Visum ausgestellt hatte und der Nina so fein beim Flügebuchen geholfen hatte. Wir hatten uns vor ein paar Wochen noch amüsiert/gewundert über die Unbeholfenheit von Mrs. Habla, aber heute erwies sie sich als goldwert. Nina stellte den Kontakt her, ich rief sie an, und Mrs. Habla kniete sich richtig für mich rein. Ich war echt gerührt von ihrem Engagement. Sie war gerade in Rom im Urlaub, aber gab volle Power, um mich hier in Äthiopien aus der Scheiße zu boxen. Irre. Das Problem war eben, dass die Typen hier kaum Englisch verstanden bzw. sprachen. Mrs. Habla konnte mit den Leuten Amharisch sprechen und auf sie einreden, dass ich kein bösser Bube bin und so weiter. Sie sprach mehrmals mit Mohammed (dem Chef hier am Checkpoint) sowie Haile (dem Vollspasten, der mich in Moyale nicht reingelassen hat und danach die "Fahndung" initiert hatte). Gerade diesem Haile hätte ich gerne mal so richtig eine in seine dämliche Fresse geboxt. Ich hab' immer noch Ausschlag, wenn ich an seine selten bekloppte Visage denke. Dem Typen gehört einfach mal so richtig der Popo versohlt. Na ja, im Prinzip hatte er ja nur "Angst", dass er was falsches machen würde, wenn er mich reinliesse. Das schlimmste ist eben, wenn man einen Fehler begeht. Dann doch lieber gar nix machen. Die Aussage, es wäre "nicht möglich", mich in's Land rein zu lassen, ist natürlich Schwachsinn. Alles ist möglich, wenn man nur möchte. "Ich kann nicht" wohnt bekanntlich in der "Ich will nicht" - Straße... Ich weiß, ich bin diesbezüglich ein wenig naiv oder dumm oder wie auch immer. Aber worüber reden wir bitte schön? Über ein bescheuertes Stück Papier, über eine "Erlaubnis", dass ich das ehrenwerte Äthiopien innerhalb von zwei Tagen durchqueren darf. Gegen gute Kohle versteht sich. Mir will einfach nicht in mein Spatzenhirn, was daran so problematisch sein soll. Klar, man muss die Regeln/Vorschriften (insbesondere im Ausland!) beachten, aber wisst ihr was? Ich scheisse auf die Regeln/Vorschriften, wenn ich meine, dass sie Schwachsinn sind! Okay, ich bin natürlich auch nicht daran interessiert, sechs Monate in einem Äthiopischen Knast vor mich hin zu gammeln. Deshalb war ich ja jetzt auch sehr kooperativ... Gut, die ganze Arbeit am Samstagabend resultierte darin, dass ich mich mit den Security-Leuten in Mega (bis auf Mohammed, der weiterhin reserviert blieb) mehr oder minder anfreundete. Ich zeigte ihnen Urlaubsfotos, verständigte mich zu gut es ging mit ihnen und bekam sogar leckeres Essen (dieses Ähtiopische Brot mit Kohl und Soße). Sie begriffen, dass ich kein Krimineller bin und meinten zu mir, dass alles schon okay sein würde. Ich müsse die Nacht in Mega verbringen und würde dann am nächsten Morgen nach Moyale zurück fahren bzw. zurück gefahren werden. Ich war nicht direkt eingesperrt, wurde aber dennoch festgehalten. Mir gelang es, sowohl Reisepass als auch Motorradschlüssel bei mir zu behalten. Mir ging's darum, soviel "Freiheit" wie möglich zu bewahren in dieser Situation. Gemeinsam mit Mrs. Habla versuchte ich Haile, der in Moyale war, zu überzeugen, dass sie mich noch heute Abend zurück nach Moyale fahren liessen. Aber Haile bestand darauf, dass ich am Sonntagmorgen von Mega aus abgeholt werden solle... Okay, mehr war nicht mehr drin heute, also hier irgendwie pennen, und dann morgen in die nächste Runde "Diplomatie im Einsatz" gehen. Was ein Tag! Ich habe ein scheiß schlechtes Gewissen, weil ich natürlich Nina (und auch meinen Eltern) einen ganz schönen Schrecken eingejagt habe. Jetzt werde ich hier an einem Polizei-Checkpoint in diesem Kackland festgehalten. Ich will doch nur nach Hause, verdammt nochmal. Hier gibt's weder Elektrizität noch Wasser. Kacken gehe ich auf offenem Feld hinter der Butze, wo ich auch die Nacht auf einer (ranzigen) Matratze verbringen werde. Oh Mann, dit macht doch alles keinen wirklichen Sinn, oder? Mein Unrechtsbewusstsein ist null, ich weiß aber natürlich, dass meine Situation prekär ist. Aber die Ursache für diese prekäre Situation ist so etwas von schwachsinnig... Aber okay, ich fühle mich mittlerweile wieder einigermaßen sicher und weiß, dass die Leute hier am Checkpoint "okay" sind. Ich ratze auf meiner Matratze vor der Butze, wach in der Nacht auf, weil's mittlerweile arschkalt ist, und verbringe dann den Rest der Nacht in der Butze mit Decke, fein!
Sonntag (19.9.): Junge, Junge, was ne Scheiße. Richtig gepennt hab ich nicht. Der Adrenalinspiegel war halt auch nicht ohne. Aber okay, wie geht's weiter? Nach einem (tollen!) Frühstück, telefoniere ich weiter (mit Mrs. Habla, Nina, Haile). Irgendwie schaffen wir es, dass ich selbständig nach Moyale zurückfahren darf. Ich finde, das ist doch schon ein schöner Erfolg! Man vertraut mir offenbar schon wieder etwas mehr. Ich bedanke mich bei den Leuten, die mich bewirtet hatten, zahle 5 Dollar für die Getränke, die ich bekommen hatte und dampfe so um neun, halb zehn wieder zurück von Mega nach Moyale. Puh, das ist ja nochmal glimpflich ausgegangen. Ich war einigermaßen sicher, dass ich hier nicht mehr viel zu befürchten hattte. In den Knast würde ich wohl nicht mehr kommen (wovon ich noch am Tag vorher im Prinzip ausgegangen war). Schlimmstenfalls (also sehr wahrscheinlich) würde ich nach Kenia "ausgewiesen" werden und müsste nach Nairobi zurück. Aber wer weiß, Mrs. Habla machte bislang einen tollen Job, und vielleicht würde sie es sogar erreichen, dass ich tatsächlich rein darf? In Moyale angekommen melde ich mich im Immigration Office und setze meine "Wer f***en will, muss freundlich sein" Offensive fort. Ich erkläre allen, die es nicht hören wollen, dass alles ein großes Missverständnis sei, und ich am Samstag ja sowieso total erschöpft und müde und nicht geistesgegenwärtig war und so weiter, und so weiter. Na ja, Mr. Haile hatte sich leider schon einen zwei Meter langen Stock innen Arsch geschoben und war das Arschloch in Person. Aber egal, jeder taut mal auf... Ich lernte am Grenzübergang eine Reihe anderer Traveler kennen. Mit den beiden Holländern René und Loddar sowie dem Libanesen-Australier Ziad, die zu dritt unterwegs waren und auf eine Ladung Reifen (!) aus Nairobi warteten, freundete ich mich an und verbrachte viel Zeit. Am fortgeschrittenen Nachmittag schaffte ich es (u.a. mit Renes Hilfe), diesem bekloppten Haile die Erlaubnis zu entlocken, dass ich die Nacht im Hotel auf Äthiopischer Seite verbringen dürfe. Sein Chef (Schockli oder so ähnlich) hätte eigentlich angeordnet, dass ich sofort zurück nach Kenia solle, aber er hätte eine Ausnahme gemacht. Das Mopped musste beim Immigration Office zurück bleiben. Am Montag dürfe ich dann nochmal zum Immigration Office und mit Schockli persönlich reden bzgl. meiner Visumsangelegenheit. Okay, das war doch alles schon mal wesentlich besser als noch 24 Stunden zuvor. Ich checkte im Koket Barena, dem besten Hotel im Ort ein; dort, wo auch die Holländer und Ziad nächtigten. Okay, futtern, duschen, schlafen. Es gab viel zu tun und ich war echt fix und fertig. Hatte die letzten Nächte nicht gerade besonders toll geschlafen. Und "ein bisschen" stressig/anstrengend war's ja auch gewesen.
Montag (20.9.) Der Plan für heute war, dass Mrs. Habla über die Äthiopische Botschaft in Berlin sowie das Immigration Headquarter in Addis Abeba bewirkt, dass letztes eine Erlaubnis für mich erteilt, durch's Land fahren zu dürfen und diese Erlaubnis nach Moyale kommuniziert (an Haile, Schockli oder wen auch immer). Well, die große Scheiße in Äthiopien war in erster Linie, dass ich massive Probleme mit dem Telefonieren hatte. Ich hatte keine Äthiopische SIM (bzw. die, die ich vor ein paar Wochen von den Franzosen in Nairobi bekommen hatte, war netterweise PIN-geschützt, also unbrauchbar), und die Kombination aus deutscher SIM, die ich die ganze Zeit benutzte,
und Äthiopischem Netz "performte" leider nicht so toll. Anrufer, die mich erreichen wollten, mussten es zehnmal probieren, bis sie durchkamen. Umgedreht die gleiche Scheiße. So ist es nicht einfach, was zu erreichen, zumal ich ausschließlich auf's Telefon angewiesen war. Mittlerweile hatte ich beim Oberarschlock des Orts, Schockli (das ist die phonetische Version, keine Ahnung wie der Name geschrieben wird) eine Audienz bekommen und hab janz diplomatisch, freundlich, gar unterwürfig (für meine Verhältnisse) die Situation erklärt mit allem Pipapo (Motivation meiner Reise, Visa-Probleme, Fehlerhaftes Äthiopien-Visum, technische Probleme, Verzögerungen, meine Unzurechnungsfähigkeit am Samstag etc.). Aber auch Mr. Schockli hatte seinen (Schlag?-) Stock bis zum Anschlag im Arsch und bemühte sich sehr, möglichst grimmig drein zu schauen. Er gewährte mir, heute bis maximal 1700Uhr auf der Äthiopischen Seite zu bleiben. Wenn bis dahin das OK aus Addis (aus dem Headquarter) käme, könnte ich weiter fahren, sonst müsse ich definitiv zurück nach Nairobi... Danke, du Penner! Na ja, okay. Wenigstens kein Knast und kein Mega-Stress. Hätte alles wesentlich schlimmer können. Schwein gehabt. Okay, die Stunden bis 1700Uhr waren Nervenkitzel pur. Ich konnte kaum jemanden erreichen. Mrs. Habla bestätigte mir, dass sie in Kontakt stünde mit den relevanten Leuten. Am Ende war wohl auch ein Mr. Damtu "im Loop", keine Ahnung ob ich das richtig verstanden habe, und er tatsächlich der Außenminister von Äthiopien ist. Ist ja auch wurscht, seine Nummer habe ich jedenfalls, und ich kann ihm ja mal ne SMS schicken und mitteilen, dass ich diese ganze Immigration Scheiße für einen einzigen Witz halte. Kann es aber auch bleiben lassen. Na ja, sei's wie's ist. Das OK aus Addis Abeba kam trotz aller Bemühungen NICHT. Fuck, ich hatte bis zuletzt wirklich gehofft, dass es vielleicht doch noch funktionieren würde. Mrs. Habla hatte mir einige Hoffnungen gemacht, aber okay. 1700Uhr war vorbei, irgendso ein Typ aus Addis rief bei Schockli an und meinte: NO. Vielleicht war's auch nur Schocklis Oma, die da anrief und er täuschte vor, dass der Anruf aus Addis käme. Keine Ahnung, er wollte mich und damit das Problem offensichtlich möglichst schnell loswerden. Und um 1700Uhr musste ich meine Sachen (unter Aufsicht) packen, durfte mein Mopped beladen und wurde dann "hinaus geleitet" aus Äthiopien. Mein schöner Armreif, den ich mir am Abend gekauft hatte, und auf dem in großen Lettern "ETHIOPIA - I LOVE YOU" stand, hatte leider seine beabsichtigte Wirkung nicht erzielt und machte keinen großen Eindruck auf die Entscheider. Ich musste raus. Tschüs, Äthiopien, es war wirklich wundervoll! Na schön, als allerletzten Strohhalm hatte ich ja von Mrs. Habla die Nummer bekommen von diesem Mr. Damtu. Ihn könnte ich nochmal anrufen, die Situation schildern, und vielleicht würde er doch nochmal intervenieren... Egal, für heute reichte es mir. Ich hatte sowas von die Schnauze voll. Bin dann mit meinem Mopped durch den Grenzstreifen zurück zu den Kenianern gefahren, hab dort noch kurz mit Mohammed (dem Checker im dortigen Immigration Office) geredet und vereinbart, dass ich morgen früh wieder komme. Also erstmal ab in den Ort und ein Hotel suchen. Aber ich war so leer, bedrückt, kaputt, dass ich kaum Power hatte, irgendwas auf die Reihe zu kriegen. Keine Tanke in Sicht, Zain-Credit gab's nur in 50 KSH Portionen, wodurch ich eine gefühlte Ewigkeit mit dem Aufladen des Handies beschäftigt war. Und als ich endlich den Kredit drauf hatte, war kein Strom mehr in der Batterie. Ich konnte also auch nicht mit Nina kommunizieren. Kacke. Die Hotelsuche gestaltete sich auch schwierig. Das vermeintlich beste Hotel der Stadt, das Madina, konnte ich einfach nicht finden und ich wollte mich einfach nur noch irgendwo hinsetzen und die Augen zu machen und aus diesem Albtraum erwachen. Hunger hatte ich wie Sau, den ganzen Tag nix gefuttert. In Äthiopien hatte ich irgendwie überhaupt keinen Appetit, ich war dort wahrscheinlich schon satt genug vom ganzen Adrenalin... Na ja, nach einer Weile versuchte ich es dann doch nochmal, dieses beschissene Madina Hotel zu finden. Im Dunkeln kam ich dann dort an. Wenn das das beste Hotel der Stadt ist, dann können Kühe fliegen. Was für eine Bruchbude. Beim Versuch, in den Innenhof (?) des Hotels zu fahren, bleibe ich - nachdem ich die mörderische Auffahrt gemeistert hatte - am Tor hängen und falle um. Kotz, ich könnte kotzen! Was für eine Zumutung! Aber damit nicht genug. Ein Opi fängt an zu lamentieren, dass ich sein Tor kaputt gemacht hätte, was natürlich Schwachsinn war. Seinem Scheiß-Tor ging es im Gegensatz zu meinem Bike (neue Kratzer...) ausgezeichnet. Ich war echt am Boden. Okay, eingecheckt in diesem Laden, 600 Kenia Shilling kostet's, ich gebe 1000 hin und soll das Wechselgeld später erhalten. Wie immer gibt es eine Horde von Checkern, die mich auf jeden Schritt begleiten. Vor allem ein Typ "kümmert" sich sehr intensiv um mich. Ich drück ihm mein Handy in die Hand mit dem Auftrag "Bitte aufladen!". Kein Problem, wird gemacht. Nächster Plan: Futter fassen. Er zeigt mir ein "Restaurant", aber ausser Chapati und Hühnchen gibt's nix in diesem Lokal. Kotz! Ich hab keine Power mehr. Ich will mein Handy zurück, bekomme es aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen (noch) nicht zurück. Okay, ich MUSS was essen. Wir gehen ein paar hundert Meter weiter in's nächste Restaurant. Meine vortreffliche Mahlzeit besteht aus kalten, abgestandenen Pommes und vier gekochten Eiern. Wunderbar. Aber es tut gut, was zwischen die Zähne zu bekommen. Wir gehen wieder zurück zum Hotel und ich will jetzt mein Handy zurück. Ich werd richtig sauer, als mir der Typ erklärt, dass er es beim Rezeptionisten abgegeben hatte zum Aufladen, aber dieser jetzt verschwunden sei. Au Mann, was für ein Volltrottel. Nun geht er mich auch noch damit auf die Ketten, dass ich ihn eine kleine Aufmerksamkeit hinterlassen solle. Ich bin so genervt, dass ich ihm gerne 100 KSH gebe, damit er endlich verschwindet. Aber er nervt weiter und gibt sich erst mit 200 KSH zufrieden. Was ein freches Arschloch. Und dann warte ich! Gefühlte Stunden, bis dieser Depp von Rezeptionist wiederkehrt und mir endlich mein Handy wieder gibt. Oh Mann. Nebenbei erklärt er mir, dass der "Checker" Typ von vorhin mit meinen 400 KSH Wechselgeld abgehauen sei. Es ist nicht viel Kohle, aber ich bin stinkewütend. Richtig sauer! Was für ein beschissener Tag. Okay, ich schalt das Handy ein und bekomme sofort einen besorgten Anruf von Nina, die sich natürlich gefragt hat, warum ich mich die ganze Zeit nicht melde. Mir fehlt fast die Kraft, ihr die Situation zu erklären. Es ist einer der (ganz wenigen) Momente, wo sich die Sinnfrage stellt. Was zum Teufel mache ich hier eigentlich - am Arsch der Welt? Okay, ich bin durch, so durch wie man nur sein kann. Mal sehen, ob ich in dieser Scheiß-Butze überhaupt schlafen kann. Angespannt bin ich total, ich weiß nicht, ob ich wirklich runter kommen kann trotz der ganzen Erschöpfung und Müdigkeit. Der Höhepunkt des Scheiß-Tages besteht dann darin, dass ich in meiner verfickten Bude kein Auge zu machen kann. Ich befinde mich im zweiten Stock des Hotels, habe ein Fenster nach hinten raus und unter diesem Fenster sitzt ein Typ, ein armer Irrer, wie ich später erfahren habe, der die ganze Nacht in voller Lautstärke irgendwelche sinnlosen, sich immer wiederholende Phrasen hinaus posaunt. Ich dreh bald durch. Was geht hier ab? Am Anfang denke ich noch, da telefoniert einer lautstark im Nachbarzimmer, aber nö, der Typ hat einfach eine Vollklatsche und hat sich ausgerechnet mich als sein "Opfer" ausgesucht. Oh Scheiße. Im Prinzip kann ich seine Phrasen "All Kenyans - Stupid - All your mothers & fathers" größtenteils teilen - zumindest für heute, aber es nervt doch unglaublich. Mir tut der Typ ja auch leid, und ich bin ganz schön sauer, dass man so einen kranken Menschen hier einfach auf der Straße vor sich hin vegetieren lässt anstatt ihm irgendwie zu helfen. Ich glaub nicht, dass der Mann "unheilbar" ist, aber hier kümmert man sich einfach nicht drum. Willkommen in der dritten Welt! Oh Mann, ich fühle mich echt beschissen. Allerhand seltsamste Gedanken schießen durch mein Kopf, und ich muss aufpassen, dass ich mich nicht in irgendwelchen bescheuerten rassistischen oder gewalttätigen Phantasien verliere. I need a fucking break!
Dienstag (21.9.) Was 'ne tolle Nacht. Als ich wach werde, will ich nur noch eins: raus aus diesem beknackten Hotel. Und das ist gar nicht so leicht. Denn ich muss erstmal mein Mopped aus dem Innenhof raus bekommen. Rein zu kommen, war schwierig. Aber raus? Erstmal muss ich auf gefühlten zwei Quadratzentimetern das Bike wenden, und die ganzen umher stehenden dumm drein glotzenden Deppen machen keine Anstalten, mir dabei zu helfen. Ich könnt schon wieder verzweifeln. Mit viel Zeichensprache schaffe ich es endlich, zwei Leute dazu zu bewegen, mir beim Wenden zu helfen. Nach einigem Zerren, Ziehen und Heben bin ich endlich draußen aus dem Scheiß und kann weiter. Erstmal steht die Kenia Immigration auf dem Plan. Ich will nochmal versuchen, Mr. Damtu zu erreichen, aber es klappt nicht. Ich komme nicht zu ihm durch. An der lokalen Tanke fülle ich Sprit auf, natürlich gibt's kein Bleifrei, dafür sind die Preise gepfeffert und ich zahle knapp 30 Euro für eine Ladung. Im Laden nebenan zahle ich für nen Tee knapp 200 Kenia Shilling, weil die Kellnerin einfach so bescheuert ist, dass ich es gar nicht erst versuche, mein Wechselgeld wieder zu bekommen. Ich muss hier weg. In der Kenia Immigration gibt's dann mal nen Lichtblick. Es funktioniert ausnahmsweise mal ganz gut. Als ich meine Situation erkläre, gibt's erstmal natürlich das Übliche. Stirnrunzeln, Gejammer, Gezeter, alles sehr kompliziert. Ui, ui, ui und ei, ei, ei. Und das ist ja sehr schwierig, wie kann man da bloß "helfen" (sic!). Ich hab das Gefühl, dass das antrainierte Standardverhalten eines Immigration Officers darin besteht, sich bei jedem Scheiß einen Stock in den Arsch zu stecken und die Augen zu verdrehen. Dreckspack, alle miteinander! In einen großen Sack stecken und ordentlich drauf kloppen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie gerne ich das machen würde. Unglaublich, wieviel Unverständnis/Wut, vielleicht sogar Hass ich mittlerweile auf diesen aus meiner Sicht völlig unnützen Berufsstand habe. Die haben es doch echt geschafft und haben Fahrkartenkontrolleure und Stewardessen auf meiner Hassliste von ganz oben verdrängt... Mir dreht sich am Anfang erstmal der Magen um. Wir unterhalten uns auch über das Äthiopien-Visum. Allein schon die Terminologie, die diese Wichser verwenden, lässt Pickelfelder auf meiner Haut wachsen. Die manuelle Änderung des Expiry Dates bezeichnen sie hier als "Cancellation". Ich glaub, ich brauch noch eine ganze Weile, bis ich dieses Wort wieder vorbehaltsfrei hören kann. Was zum Henker ist da eine Cancellation. Habt ihr sie nicht mehr alle, ihr Vollpfosten? Lass es nicht wahr sein, bitte! Jetzt bloß nicht nochmal die gleiche Scheiße in grün! Aber irgendwie habe ich einen guten Draht zu den beiden Freaks hier, und sie helfen mir ja wirklich. Musste auch gar nicht so lange betteln. Sie gehen auf meinen Vorschlag ein, stempeln das längst abgelaufene Transit Visum ab und geben mir ein neues Single Journey Visum für einen Monat. Das Transit Visum hätten sie nicht verlängern dürfen (wonach ich ja nie gefragt hatte), und sie wollten mich am liebsten nach Nairobi in's Headquarter schicken. Dort hätte ich bestimmt einigen Ärger bekommen, abgesehen davon, dass ich weiterhin als "Illegaler" durch's Land hätte reisen müssen... Na ja, Kostenpunkt 20 Ois für das Visum. Selbstredend gibt's kein Wechselgeld. Weil gennervt, ungeduldig und dankbar zugleich bin, drücke ich ihnen einen Fuffi in die Hand und sage "Danke schön, behaltet den Rest.". Eigentlich wollte ich sagen "Fickt eucht, ihr dummen Penner, ich scheiße auf den Rest, ich will hier nur weg.". Aber jut, zumindest das hatte ich in Moyale erreicht. Ich war wieder legal in Kenia! Juchuh! Das hätte man wahrscheinlich einfacher haben können als mit 1700 Kilometern Fahrerei, aber okay. Gottes Wege sind unergründlich. Den Carnet auch nochmal abstempeln (brauche jetzt ja wieder nen Entry), aber kein Problem. Am Grenzposten begegne ich eine Gruppe sympathischer Engländer, die in zwei Landcruiser unterwegs sind. Sie fahren vor mir ab, aber wir wünschen und ein Auf Wiedersehen, da wir uns bestimmt bis Nairobi nochmal sehen würden... An der Grenze verabschiede ich mich auch von Loddar, Rene und Ziad. Echt eine witzige Gruppe, besonders Ziad und Rene sind mir echt sympathisch. Wir wünschen und gegenseitig viel Glück, Ziads diverse Nummern speichere ich in mein Telefon, und um 12Uhr (erst!) geht's los aus Moyale. Für den Hinweg Marsabit-Moyale hatte ich am Samstag immerhin knapp acht Stunden gebraucht, und ich konnte mir bereits ausrechnen, dass ich heute sicherlich nicht im Hellen in Marsabit ankommen würde. Ich machte mich also auf die Reise. Wieder diese beschissenen 785 Kilometer zurück nach Nairobi. Ich war sicherlich nicht in euphorischer Verfassung während der Tour zurück. Aber nicht unbedingt wegen der Strecke. Im Gegenteil, mir tat es gut, wieder back on the road zu sein, auch wenn die Straße anstrengend war. Die Strecke Moyale-Nairobi bzw. Isiolo ist von der Qualität her sicher nicht so dramatisch wie zum Beispiel die Strecke nach Lake Turkana. Was ätzend ist, ist die Länge & Eintönigkeit. Man braucht schon ein bisschen Durchhaltevermögen und muss Stunde für Stunde dahin tuckern, mit 25, 30, manchmal vielleicht auch 40... Einmal wirft mich mein Pferdchen heute im Schotter aus dem Sattel, bei ca. 25, 30 im zweiten Gang. Per Definition eigentlich ein Crash, ich verbuch's aber mal großzügigerweise als Umfaller... Im letzten Nest vor Marsabit mache ich meinen einzigen Stopp für heute, ich war über sechs Stunden auf dem Bike. Es hatte was meditatives, war aber natürlich auch mächtig anstrengend. Noch knapp 50 Kilometer bis Marsabit, der übelste Teil der Strecke und den darf ich dann auch noch im Dunkeln fahren. Voila. Aber kein Problem, bei einem schönen Fast-Vollmond ruckele ich auch noch die letzten Kilometer und komme so um acht in Marsabit an. Heute will ich auf jeden Fall in einem vernünftigen Bett schlafen. DEFINITIV! An der Tanke in Marsabit komme ich mit ein paar Locals in's Gespräch und erörtere ihnen meinen Plan, auf jeden Fall in der Marsabit Lodge nächtigen zu wollen. Gar nicht, so einfach, wie sich heraus stellt. Die Lodge ist in 'nem Park, und da komme ich bekanntlich mit den Mopped nicht rein. Normalerweise dürfen auch keine Leute mehr nach 1800Uhr rein, was ein ziemlich cooles Konzept ist, wenn man auf Übernachtungsgäste angewiesen ist... Na ja, es dauert alles und zieht sich hin. Nach knapp ner dreiviertel Stunde kommt endlich ein Landcruiser angedackelt und holt mich ab. Gemeinsam fahren wir zum Gate, dort stelle ich mein Bike ab, nehm das Gepäck und fahr im Landcruiser mit in den Park zur Lodge. Die Parkgebühr muss ich nicht zahlen, ein Typ aus der Lodge winkt ab und ich lass es mir gefallen. Ich bin fertig, müde, hungrig, ungeduldig. Ich will mir erstmal die Hände waschen, dann was futtern, dann in die Heia. Und natürlich ein paar Telefonate machen. Auf dem Weg zur Lodge sehen wir erstmal ein Porcupine über die "Straße" hoppeln, sehr witzig, ist glaube ich eine Art Stachelschwein oder so. Hab ich noch nie vorher gesehen und war einfach niedlich, wie es da in großer Eile über die Rumpelpiste gehoppelt ist. In der Lodge angekommen, lief dann alles fluffig. 6700 Kenia Shilling für eine Nacht inklusive Frühstück und Dinner. Nicht billig, aber okay. Vergleiche 440 Dollar am Rande (sic!) des Amboseli National Parks... Ich bekomme ein nettes Zimmer mit Blick auf eine große Fläche (wo ich am nächsten Tag bestimmt ein paar Tierchen sehen kann), wasch mich und bekomme ein ganz nettes Abendessen. Puh, geschafft. Nur mit dem Telefonieren klappt's nicht so recht. Handy schon wieder alle, kein Strom, kein Kredit, kein Netz. Ätzend. Trotzdem schaffe ich es irgendwie, mit Nina zu kommunizieren. Ich komme ein bisschen runter und schlafe das erste Mal seit Tagen wieder halbwegs erholsam, frisch geduscht versteht sich ;-)
Mittwoch (22.9.): Ich hab gut gepennt, nach dem Aufstehen sehe ich unweit von meinem Fenster eine Elefanti-Familie vorbei traben. Auch einige Büffel sowie diverses Hufgetier ist zu sehen. Fein! Trotz des guten Schlafs bin ich alles andere als fit. Immer noch erschöpft und träge. Ich frühstücke ausgiebig, organisier ein bissel rum, kann aber nicht mehr telefonieren, weil es nirgendwo mehr Zain-Kredit aufzutreiben gibt. Blöd. Ich zahl meine Rechnung und werd fast ein bisschen ärgerlich, als mir die Typen von der Lodge für den "Transport" gestern nochmal zusätzlich 3000 Kenia Shilling (30€) in Rechnung stellen wollen. Sie meinen, das wäre der Standardpreis, wenn sie Touris vom Airstrip abholen und wieder hinbringen würden. Ich lehne jedoch resolut ab und gebe ihnen schließlich 500 Kenia Shilling. Ich reagiere im Moment ganz schön gereizt und verärgert, wenn ich das Gefühl habe, ausgenommen zu werden wie eine Weihnachtsgans. Meine Lockerheit ist gerade dahin, und in mir steckt eine ganz schön große Portion Frust... Das äußerst sich, nachdem ich von der Lodge zum Gate gebracht werde. Ich packe meine Sachen auf's Bike, ziehe mich an und will gerade losfahren, als mir dieser vollbehinderte Ranger von gestern Abend eröffnet, dass ich jetzt noch nachträglich die 20 Dollar Parkgebühr zahlen sollte. Die ganze Zeit steht er da so rum, guckt wie ein Auto, und als ich fertich und abreisebereit auf dem Mopped sitze, will er plötzlich die Kohle. Da bin ich fast ein bisschen ausgetickt. Ich sage ihm, dass ich die Gebühr schon bezahlt habe und ich JETZT nach Nairobi fahre. Und dass er mich bitteschön in Ruhe lasse soll. Er zieht mir den Schlüssel aus dem Zündschloss und läuft damit in sein Büro. Vollspast! Die bis dato interessierte und friedfertige Athmosphäre ist dahin. Auch einer der Freaks von der Tanke von gestern Abend hatte sich zum Gate bemüht - allen Anschein nach in der Hoffnung, dass ich ihn für seine komplett sinnfreien "Services" von gestern Abend doch noch "entlohnen" würde. Und auch er meinte, ich müsse die Gebühr bezahlen und dürfe nicht "davon laufen". Oh Mann. Die Typen hier sind sicherlich die falschen Adressaten, aber mich dürstet so sehr danach, einfach mal einem dieser Freaks so richtig eine zu zimmern... Ich bin am meisten ärgerlich mit mir selbst, ich habe gerade keine positiven Vibrations, wirlich nicht. Und das ist ganz schön blöd. Ich drücke dem Deppen von Ranger 20€ in Kenia Shilling in die Hand, bekomme kein Wechselgeld wieder, sage ihm, dass ich seine Scheiß-Quittung nicht benötige sondern einzig und allein meinen Motorradschlüssel und dampfe ab. Fuck it! Ich mein, der Typ hat ja nur seinen Job gemacht, aber trotzdem kann ich gerad diese ganze Art und Weise absolut nicht ab. Ich bin froh, als ich wieder auf der Strecke bin - allein, ich und mein Mopped. Nur wir beide ;-) Schon am Vorabend hatte ich gemerkt , dass der Stoßdämpfer wieder Probleme macht. Ungefährt der gleiche Effekt wie auf der Hinfahrt kurz vor Marsabit. Schöne Scheiße. Es tropft wieder aus dem Stoßdämpfer. Das Gummiband, welches Sam auf der Hinfahrt drum gewickelt hatte, war inzwischen verschwunden. Ein Teil von dem Band habe ich eingeklemmt in meiner Hinterradbremse wieder gefunden. Na was für ein schöner Salat! Aber okay, es muss jetzt auch so gehen! Noch einen Stop bei Sam würde ich jetzt nicht einlegen. Die Huckelpiste zwischen Isiolo und Moyale und wieder zurück hat's schon in sich. Durch die ganzen Vibrationen läuft man nicht nur Gefahr, das gerade erst eingenommene Frühstück wieder auszukotzen. Auch die Zurrgurte sind einer maximalen Belastung ausgesetzt. Meine beiden Zurrgurte, mit denen ich die Kackwurst befestigt hatte, sind beide auf dieser Strecke hier gerissen. Sie hatten ja schon ein paar Zerreißproben hinter sich, aber erst dieses kontinuierliche und langwierige Geruckel gab ihnen den Rest. Okay, Marsabit-Laisamis 96 Kilometer, danach nochmal 40 Kilometer bis zum Beginn der Teerstraße. Ca. 15 Kilometer vor Laisamis begegne ich den Engländern mit ihren beiden Jeeps. Zuerst überholen sie mich, ein paar Kilometer später stehen sie am Straßenrand mit nem Reifenschaden. Das übliche auf dieser Strecke... Stoßdämpfer und Reifen gehen hier hopps wie nix... Ich halte an und mache einen ungeplanten Kippenstopp. Die Gruppe ist sehr cool und ich unterhalte mich ein bissel mit ihnen. Ruthie ist die scheinbar Älteste und wir plaudern gemütlich, während die Jungs die Drecksarbeit verrichten müssen. Ha ha! Sie meinen, dass sie am Vortag schon einen Dackgepäckträger verloren haben auf der Ruckelpiste. Und alle sehnen den Beginn der Teerstraße herbei. Ich bin relativ sicher, dass wir uns nochmal sehen werden, bevor ich die Teerstraße erreiche. Ich rechne dafür zwei Stunden ein, bis dahin sollten sie mit dem Reifenwechsel fertig sein und mich mit ihren (auf dieser Strecke schnelleren) Landcruisers eingeholt haben. Ich verbringe die meiste Zeit auf der Strecke sowieso im Stehen, um den Stoßdämpfer etwas zu entlasten und zu schonen. Es ist ganz schön warm heute und ich bekomme einen netten Sonnenbrand im Gesicht, genau am Rand des Visiers entlang. Sieht sehr vorteilhaft aus! Na ja, in Laisamis stoppe ich nicht mehr, sondern fahre durch bis zum Teer. Ich bin etwas schneller als zwei Stunden und sehe die Engländer (leider) nicht mehr wieder. Sie wollten in Namyuki in einem Camp übernachten, also nicht mehr bis Nairobi. Wer weiß, ob wir uns nochmal über den Weg fahren... Ein paar Kilometer auf der Teerstraße fahre ich so entlang, als ich merke, dass mir schon wieder fast das Sonnenschild vom Helm fliegt. Durch die Ruckelei auf der Dirt Road hatte sich auch eine Schraube verabschiedet. Das kenne ich ja schon (aus Mali/Burkina), also schön anhalten, das Sonnenschild mit Gaffertape befestigen und weiter geht's. In Archer's Post treffe ich ein deutsches Pärchen in ihrem Jeep, die ich schon in Moyale am Grenzübergang getroffen hatte. Berliner! Das tut gut in diesen schweren Zeiten. Sie haben auch einen Stoßdämpfer eingebüsst auf dem Strecke und wollen inna Lodge hinter Isiolo übernachten. Ich wünsche viel Glück und gib Gummi. Ich hab noch knapp 300 Kilometer vor mir, es ist 1600Uhr, und es droht (mal wieder) eine Nachtfahrt... Die Fahrt auf der Teerstraße ist ohne Stoßdämpfer ziemlich gewöhnungsbedürftig. Selbst kleine Dellen führen dazu, dass ich untentwegt auf und ab schwinge, so ein bisschen wie auf einem Trampolin. Normalerweise nur nervig, und kein Problem. Es sei denn, es geht in eine Kurve. Da ist ein auf und ab federndes Bike bemerkenswert uncool! Na ja, trotzdem geht es voran. Durch Isiolo und Namyuki am Mount Kenya vorbei. Heute sehe ich diesen Berg das erste mal in voller Pracht und nicht wolkenverhangen wie sonst immer. Also schön die Digicam rausgeholt und ein paar eilige Fotos geschossen. Um knapp Sechs bin ich noch knapp 140 Kilometer von Nairobi entfernt, es dämmert schon mächtig und ich mache mir Hoffnungen, dass ich mit dem letzten Fünkchen Helligkeit zumindest bis an die Grenze von Nairobi komme, also noch knapp 100 Kilometer schaffe. Darüber denke ich gerade so schön nach, als ich in einer Ortschaft einen dieser fiesen Bumps übersehe und dort im dritten oder vierten drüber brettere. Plautz macht's! Ohne Dämpfer habe ich diesen Stoß nicht so gut überstanden. Irgendwas klappert gewaltig und ich muß anhalten. An der Tanke sehe, dass sich der Schutz des Federbeins gelöst hat und am Hinterrad schleift. Also abgebaut das Teil und mal geguckt. Hmm, seltsam. Das Federbein liefert jetzt weder Dämpfung noch Federung. Offenbar hat die Feder jetzt auch ein Ding mitgekriegt. Auf jeden Fall ist die Karre auf'm Arsch jetzt hart wie Beton. Aber ich kann weiterfahren. Aber schön vorsichtig natürlich, denn jedes Schlagloch fühlt sich jetzt natürlich an wie ein Erdbeben. Nicht dass noch mehr kaputt geht, mein Junge! Okay, noch 133 Kilometer bis Nairobi, im Dunklen, keine Dämpfung/Federung. Vernünftiger wäre wohl gewesen, einen Stopp einzulegen und in nem Camp an der Strecke zu übernachten. Aber ich wollte (warum weiß ich gar nicht genau) auf jeden Fall heute Nacht in Nairobi übernachten. Und es fuhr sich einigermaßen weg. Knapp zweieinhalb Stunden dürfte ich unterwegs gewesen sein, bis ich endlich in Nairobi ankam. Erstmal ab zur Ngong Road zum Nakumatt Prestige. Cola, Kippen, Zeitung, Schoki kaufen. Zain aufladen. Und im Restaurant eine Pizza Family Size zum Mitnehmen organisiert. Von der Jungle Junction wusste ich, dass die Räume ausgebucht sind und ich maximal im Dormitory hätte pennen können. Eigentlich wollte ich mir ein anderes Hotel in Nairobi suchen, aber ich hatte einfach keine Power. Ich hab die Pizza auf's Bike geladen, bin in die Jungle Junction gefahren und hab meine Pizza mit den sehr erfreuten Bipa und Boopa brüderlich und schwesterlich geteilt. Oh Mann, was für ein komisches Gefühl, wieder hier zu sein... Ich hab mich erstmal vor der Rezeption hingehauen und hatte kein Lust, mit den Leuten zu sprechen. Ich musste erstmal runter kommen. Dan, Felix und Barry habe ich dann doch noch gesehen und kurz mit ihnen geplaudert. Ich beschloss dann, mir's auf der Couch im Gemeinschafsraum gemütlich zu machen. Ich hatte keinen Bock auf's Dorm. Vielleicht so eine Art Trotzreaktion, keine Ahnung....
Well, nu bin ich wieda in Nairobi, dem Ort, der mich magisch anzuziehen scheint und aus dem ich einfach nicht mehr wegkommen soll. Seitdem ich hier am 9. August angekommen bin, geht fast gar nix mehr. Die Geschichte mit der gescheiterten Weiterfahrt über Äthiopien ist da natürlich der Höhepunkt. Vielleicht hätte ich schon nach dem Kupplungsschaden sagen sollen: alridy, dit war's. Nu is Schluß. Aber ich hab's eben nochmal probiert mit Äthiopien. Hat nicht sollen sein, leider. Ich wär gerne noch die Strecke über Äthiopien, Sudan, Ägypten, den Nahen Osten, Türkei nach Hause gefahren, aber jetzt ist allerhöchste Eisenbahn zu sagen: Schluss.
Witzigerweise hat die Kupplung auf den letzten 1700 Kilometern formidabel gehalten, keine Zicken gemacht, hin und wieder mal beim Anfahren etwas gerochen, aber ich bin sicher, dass ich mit dem Teil gut nach Hause gekommen wäre. Aber diese Verkettung von Problemen in den letzten Wochen haben mir einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht. Los ging's damit, dass in Nairobi keine Äthiopischen Visa mehr ausgestellt werden und ich das Teil in Deutschland ausstellen lassen musste. Das nächste Ding war, dass mir die Botschaft dort nur ein 1-Monatsvisum statt des Standardvisums mit Gültigkeit 3 Monate ausgestellt hat. Dann der Kupplungsschaden und die Trödelei in Chris' Werkstatt mit der ich bis an das Ablaufdatum des Visum geraten bin. Dann das Problem mit dem Stoßdämpfer in Marsabit, auch wenn ich es sowieso nicht mehr rechtzeitig bis 1700Uhr zur Grenze in Moyale geschafft hätte. Na ja, und ausschlaggebend dürfte dann wohl mein Faux Pas gewesen sein, das Visum selbst "zu korrigieren". Hätte aber auch noch klappen können, wenn die Kackbratzen an der Äthiopischen Immigration einen Ticken cooler gewesen wären. Hätte, würde, könnte. Nu is Schluss. Und ich bin am Organisieren, wie ich schnellstmöglich heeme komme. Meine favorisierte Lösung ist, das Bike als Fracht in nen Flieger zu tun und nach Europa zu bringen. Ich flieg dann natürlich auch dorthin und fahre die letzten Kilometer noch mit dem Bike nach Wien zu Nina. Nina hat da schon einiges recherchiert, und ich hoffe, dass wir da schnellstmöglich eine Lösung finden. Vielleicht geht's ja sogar auch mit der Turkish Airlines bis nach Istanbul und von dort aus in zwei Tagen mit dem Bike nach Wien... Realistischer ist aber eher Zürich mit der Swiss. Na mal schauen, was das kosten tut... Die Alternative wäre wohl, das Bike hier in Nairobi zu lassen (z.B. bei Chris) und es zwischen zu lagern, um es später wieder abzuholen. Aber ganz ehrlich, ohne Bike nach Hasue zurückkehren? Das möchte ich dann doch nicht, nur im äußersten Notfall...
Well, dat Lebbe is wie dat Lebbe ebbe is. Vor allen Dingen in Afrika. Einige Sachen kannst du einfach nicht im voraus planen. Dass ich hier in Kenia sechs Wochen rumhängen würde, hätte ich mir nie geträumt. Witzigerweise gaben mir die Typen an der Immigration in Moyale noch den Tipp, dass ich immer darauf achten solle, dass meine Papiere in Ordnung seien. Das macht dann alles leichter... Scherzkekse! Aber okay, so ätzend es in der Situation auch sein mag, diese Art von Erlebnisse gehören irgendwie dazu. Vielleicht nicht unbedingt so extrem wie gerade in Äthiopien mit bewaffneten Soldaten am Checkpoint und so weiter, aber yep, die letzte Woche war zwar hart, aber mit Sicherheit werde ich mich noch eine ganze Weile daran zurück erinnern. Jetzt reicht's mir auf jeden Fall und ick will nach Hause. Cool wäre, wenn's noch klappt damit, ein paar Kilometer in Europa zu machen. Mit dem Frust der letzten Wochen heimzukehren, ist dann auch nicht so schön. Aber heimkehren will ich auf jeden Fall. Es ist echt schwierig zu erklären, warum man solche Sachen macht. Da hängt man in Mega, Äthiopien, wird von einer Gruppe Soldaten festgehalten, weil man illegal im Land ist und "tief in der Scheiße" sitzt - und man fragt sich "Warum mache ich den Scheiß bloß?". Ist schwierig zu beantworten diese Frage in diesem Moment. Aber der Witz ist, es gibt einen Grund. Und der ist schwer zu beschreiben, man spürt ihn nur. Und auch wenn ich gerade keine große Sehnsucht danach habe, in näherer Zukunft nach Äthiopien zurück zu kehren, weiß ich, dass es nicht lange dauert, bis diese Sehnsucht wieder aufkeimt. Dieser Kontinent kickt einfach! Er ist fantastisch und große Scheiße gleichermaßen; dit birgt Suchtpotential, keine Frage.
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