Nachdem meine lieben Eltern eine schlimme Zeit durchgestanden haben und trotz meiner Besuche in Mauretanien, Niger, Nigeria, Kongo und was weiß ich was für Bananenrepubliken mit viel Glück um die Zahlung von Lösegeld in Millionenhöhe drum rum gekommen sind, schlägt das Schicksal auf dem letzten Metern doch noch mal erbarmungslos zu. Meine Mama fährt morgen nach Cottbus zur Postbank, um mir die für die Bezahlung des Moppedtransports nach Zürich benötigte Kohle per Western Union zu überweisen. Ne ganz schöne Stange Geld, ohjemine! Aber so habe ich das Geld jedenfalls einigermaßen sicher am Montagabend, um es den DB Schenkers in den Hals zu werfen.
Heute habe ich das Mopped "dismantled", d.h. Windschutzscheibe, Handprotektoren und Spiegel abgebaut. Jetzt sieht se richtig racer-mässig aus, meine kleine schwarze Prinzessin. Auf jeden Fall sollte das nächste Crate, was morgen gebastelt wird, erheblich kleiner ausfallen als das letzte. Hab mir überlegt, dass es richtig platz- und kostensparend wird, wenn ich den Lenker noch abbaue. Dadurch verringert sich sowohl Höhe als auch Breite. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob ich das Ding wirklich einfach so abbauen kann, was mit den Brems- und Kupplungsschläuchen passiert und ob ich das dann alles überhaupt wieder zusammen bekomme in Zürich... Na ja, lasse ich erstmal schön sein, vielleicht mache ich das morgen noch vor Ort am Flughafen. Nina hat mir schön aufgelistet, worauf ich alles achten muss beim Verschiffen des Moppeds. Laut internationeler Regeln muss auf jeden Fall das Motoröl und natürlich der Sprit komplett raus. Und auch die Batterie muss abgeklemmt sein. Puh, vielleicht würde es auch so durchgehen, aber vielleicht würde es auch ein paar Tage Extra-Wartezeit bedeuten, wenn der Zoll oder irgendeine Sicherheitskontrolle hier Streß machen... Also lieber mal auf Nummer sicher gehen.
Mit Papa habe ich wegen meinem demolierten zentralen Federbein gesprochen. Er meint, dass ich es auf jeden Fall austauschen muss. Der Kolben des Stoßdämpfers hat sich durch die Ruckelei auf dem Rückweg von Moyale und diesem fiesen Huckel kurz vor Nairobi fein in der Feder verklemmt. Da geht nix mehr, weder federn noch dämpfen. Und es nützt nix, da muss ein neuer Stoßdämpfer rein, auf alle Fälle. Organisiere morgen in Zürich eine Werkstatt, die das für mich hoffentlich unmittelbar nach meiner Ankunft erledigen kann. Wäre ja auch blöd, wenn mein Bike "auf den letzten Kilometern" von Zürich nach Wien auf der Autobahn zusammen sackt, weil das Federbein unter der immensen Last (ich glaub, ich hab keines meiner 120 Kilos verloren in den sechs Monaten Afrique) zusammen bricht.
Es ist ja noch nicht ganz klar, wann mein Mopped nun mit kommt auf den Flieger, Mittwochabend oder vielleicht doch schon Dienstagabend. Ich denke mal positiv und buche für mich selbst jetzt den Dienstagabend Flieger. Notfalls muss ich halt noch eine Nacht in Zürich übernachten, vielleicht im Zic Zack Rock 'n Roll Hotel, wo ich ja auf der Hinreise schon mal Station gemacht hatte, oder vielleicht auch bei Schwandti. Muss ich mal anrufen, den juten Schwandti.
Wegen des noch zur Verfügung stehenden Cargo-Platzes für Nairobi-Zürich hat sich - wenig überraschend - niemand gemeldet. Hätte mich auch irgendwie gewundert. Dafür habe ich heute nochmal mit Duncan aus der JJ telefoniert. Alles cool, meint er, es gibt keine offenen Rechnungen oder so. Juti, fein. Werd aber wohl trotzdem nicht mehr in der JJ vorbei schauen, keine Lust auf einen weiteren Absturz.
Unterdessen habe ich mich heute offenbar mehr oder weniger erfolgreich einer Stalkerin entledigt. In Marsabit hatte ich vor ein paar Tagen - kurz nach meinem Beinahe-Infight mit dem Ranger - einer Einheimischen, die die Szene beobachtet hatte meine Telefonnummer gegeben - auf ihre Bitte hin. Wahrscheinlich war ich froh in dem Moment über eine Prise Solidarität. Auf jeden Fall war's ein Fehler, denn die Gute stellte sich als hartnäckige Stalkerin heraus. Das passiert vielleicht bei jedem zehnten Mal, wenn ich meine Nummer rausgebe, dass danach das Telefon nicht mehr zur Ruhe kommt. Ist zum Teil witzig, meistens aber einfach nur nervig. Ich kann mich an diese Person null erinnern und hab auch null Interesse an ihr, trotzdem ballerte sie mich mit Anrufen und SMSe voll. Heute habe ich ihr in einer ausführlichen SMS zurück geschrieben, dass ich eine FREUNDIN habe, sie sehr liebe und es "unangebracht" finde, wie sie mich belagert. Danach kam dann nur noch eine Nachricht, dass sie ja eigentlich nur nach Unterstützung für ihre Ausbildung sucht und hofft, dass wir ihr da helfen können. Aha, interessante Geschichte. Auf was für Ideen die Leute manchmal kommen, ist schon irre...
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