So, prächtig, heute früh wurde ich von 'nem Maasai um halb fünf geweckt, damit ich pünktlich mein Matatu zurück nach Narok bekomme. Kurze Nacht, oh jemine.
Aber ich hatte mich am Tag zuvor ja schon vorbereitet. Ruhetag stand am Mittwoch auffa Tagesordnung. Hab den ganzen Tag diszipliniert auf der Couch des Restaurants im Aruba Mara Camp gechillt. Sehr fein! Hatte mir leider letzten Sonntag ne kleine Erkältung noch in Nairobi eingefangen, die mich die letzten Tage ein bissel behindert hat. Na ja, hoffe mal, das wächst sich nicht zu ner Tuberkulose (scherz!) aus.
Also, erstma ganz kurz: Masai Mara tip top! War nicht ganz billig, die Tour am Dienstag durch den Park (2 x 3h inklusive Parkgebühr machen so knapp 140 US Dollar), aber es hat sich definitiv gelohnt. Ist irgendwie eine ganz spezielle Athmosphäre dort, insbesondere während der großen Migration, die immer noch voll im Gange ist. Wahnsinn, an diesen riesigen Gnu - und Zebraherden vorbei zu fahren. Ich war da schon irgendwie sehr gerührt. Well, und neben den großen Herden gibt's natürlich noch allerhand weiteres Getier, was sich zum Angucken mehr oder weniger bereitwillig präsentiert. Ziemliche ville Löwen sind rum gehopst. Ein Cheetah (Gepard) hat sich blicken lassen, und am Nachmittag auch ein paar Kaffernbüffels. Nilpferde (Hippos) gab's reichlich in den trüben Abschnitten des Talek River. Dazu noch Hyänen, Schakale, Giraffen, Warzenschweine (meine absoluten Lieblinge, die sind sooo süß!), Strauße, Impalas, Topis, Gazellen, Dik-Diks, Paviane, Mongoose, Guinea Fowls...
Also, kurz jesacht: in dem Park, da steppt der Bär bzw. korrekter gesagt da fliegt die Kuh (die Impala-Kuh oder so). Nur meine fortwährende Suche nach dem Leberwurstbaum und dessen köstlichen Früchten bleibt immer noch ergebnislos. Bin wahrscheinlich nur zu blind, die Teile zu erkennen, aber der Baum übt einfach eine unglaubliche Fazsination aus. Das muß man sich mal vorstellen, wahrscheinlich könnten das Hungerproblem weltweit auf einem Schlag gelöst werden mit der ganzen Leberwurst, die man nur noch vom Baum pflücken und in feine Konservendosen verpacken müsste...
Well, die Schattenseite der Masai Mara: echt viele Touris unterwegs, und das Thema nachhaltiger Tourismus ist wohl noch nicht so ganz 100% angekommen. Krass fand ich, wie das Cheetah und die Löwen teilweise von allen Seiten von Tour-Fahrzeugen eingekreist wurden. Muss man sich mal vorstellen, man fährt am späten Nachmittag durch den Busch und von einer kreisförmigen Ansammlung von Jeeps aus erhellt ein Blitzlichtgewitter den Horizont. Und dit arme Viech denkt sich wahrscheinlich auch: ey Alta, was haben die denn für Probleme?
Na ja, aber bereut hab' ich den Trip auf jeden Fall nicht. War schon dufte. Die Hinfahrt mit dem Matatu am Montag war zum Teil echt belastend. Musste erstmal in Nairobi das richtige Teil Richtung Narok finden. Und, in Narok angekommen, war ich schon zu spät für mein eigentlich designiertes Anschlussmatatu. Bin dann auf ein (glücklicherweise vorhandenes) anderes Matatu ausgewichen, aber hatte dort den denkbar beschissensten Platz abbekommen. Um genauer zu sein, war's kein Platz, sondern eine Lücke zwischen zwei Plätzen, wo ich mich reingequetscht habe. Dazu knapp 100 Kilometer Rumpelpiste vom Feinsten. Nach zwei Stunden sind Gott sei Dank Leude ausgestiegen und ich konnte mit einem Urschrei den akkumulierten und bis dahin tapfer ertragenden Schmerz in die Wildnis hinaus lassen und den Rest der fast fünfstündigen Fahrt Narok-Talek in deutlich angenehmerer Haltung verbringen.
Huia, heute morgen, auf der Rückfahrt, ging's wie gesacht richtisch zeitig los. Dafür hat aber auch alles bestens gefunzt, und ich war bereits um 11Uhr wieder zurück in Nairobi, in meinem Stammlokal, der Jungle Junction. Diesmal war die Fahrt auch deutlich bequemer und angenehmer. Und für umgerechnet knapp 8 Euronen kann ick mir über die Kosten wahrlich auch nicht beklagen.
Die Enttäuschung heute war allerdings groß, als ich nach meiner Ankunft einen Blick in die Werkstatt geworfen hatte. Noch gar NIX passiert an meinem Bike. Hatte schon so ein komisches Gefühl in den Eingeweiden, weil Dan mir gestern ja auch nicht die erbetene Status-Nachricht per SMS geschickt hatte. Keine Ahnung, vielleicht fühlt sich Chris in seiner Ehre gekränkt, weil ich mich gegen seinen Rat mit der neuen Kupplung entschieden habe, und lässt mich nun ein wenig zappeln. Ich weiß es nicht. Chris ist seit Dienstagabend zurück von seinem Trip, im Prinzip sind so jetzt zwei Tage verstrichen, ohne dass was vorwärts gegangen wäre. Die Aussage heute war, dass sie am Nachmittag mit der Montage beginnen würden. Aber auf meine Fragen, wann ich denn ca. damit rechnen könnte, dass das Bike wieder zusammen montiert ist, gab's ziemlich nebulöse Ausflüchte. Oh Menno. Klar, ich hab's ja jetzt begriffen, ich bin in Afrika und so. Und deshalb ist das mit der Zeit so eine Sache. Aber an der Geschichte soll's doch jetzt nicht scheitern, oder? Schließlich tut jetzt jeder zusätzlich 'verlorene' Tag doppelt weh. Es ist so oder so ziemlich unrealistisch, dass ich in der verbleibenden Zeit noch auf dem Landweg nach Deutschland zurück komme. Die Fähre in Alexandria lässt schon mal grüßen. Mein Albtraumszenario ist aber, dass es beim Zusammenbau des Moppeds zu weiteren Verzögerungen, vielleicht sogar Komplikationen (ist ja schließlich so etwas wie eine OP am offenen Herzen) kommt und ich womöglich bis tief rein in die nächste Woche warten muss, dann mein Äthiopien-Visum ausläuft und ich mich aus lauter Frust im Wassernapf der beiden Schnuffis versuche zu ertränken...
Na ja, bleibt abzuwarten. Jetzt erst mal genug der schwulstigen Labberei, muss mal duschen und dann wieder ab in's Bettchen. Bin ganz schön müüühde und auch immer noch jeschwächt vonna Erkältung, jawoll ja!
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