So, dann mal ran an' Speck. Foddos raufladen. Endlich. Aber es is ja auch ne Mordsaufgabe. Erstmal die Dinger auswählen, dann auf eine Schmalbandverbindung taugliche Größe reduzieren. Danach den ganzen Schmarrn in Blogspot raufladen und - last but not least - in den Blog-Eintrag einfügen. Ich armer Kerl! Hat mich heute fast den ganzen Tag, mit Unterbrechungen versteht sich, gekostet. Aber jut, war auch eine nette Abwecshlung vom Kupplungsärger hier in der Junge Junction. Und es tut gut, sich einmal daran zu erinnern, wie geil es eigentlich sein kann, in Afrika unterwegs (!!!!) zu sein.
Juti, wir beamen uns mal ganz g'schwind zurück nach Swakopmund, Namibia. Es ist Ende Juli, genauer gesagt der 25. Juli, ein Sonntag. Ich bleibe noch eine Nacht in der Amanpuri Travellers Lodge, wo ich mich vor ein paar Tagen einquartiert hatte und will am Montag aufbrechen auf eine kleine Rundreise durch Namibia, herum um den Etosha Nationalpark.
Jawoll ja, aber am Sonntag heißt es erstmal noch chillen. Es läuft Formel 1, und ich bin froh, in der Oberetage des Far Out, einem kleinen Club inna City, nen Fernseher zu finden, auf dem Sport läuft.
Die aktuellen Infos, die ich aus Deutschland per Mail oder Web erhalte, sind ziemlich übel. Mein Kumpel, Didi, hatte sich inzwischen eine heftige Malaria eingefangen und musste von Yaoundé aus erstmal heimfliegen, seine Reise unterbrechen und für unbestimmte Zeit ab in's Krankenhaus. Schöne Scheiße. Es tut mir total leid für ihn und ich hoffe, dass es schnell wieder aufwärts geht und er bald seinen Trip fortsetzen kann. Ich selbst beginne wieder mit meiner Malaria-Prophylaxe (Doxy), auch wenn's vielleicht noch etwas früh dafür ist...
Die zweite Hammermeldung ist die Katastrophe auf der diesjährigen Love Parade in Dusiburg. Mit Nina reden wir viel darüber, einfach derbe schockierend und traurig. Und dazu noch dieser krasse Umstand, das scheinbar jedes klitzekleine Detail der Katastrophe online einsehbar ist. Da bleibt mir nicht nur ein Kloß im Hals stecken, verdammt nochmal.
Okay, nach ausgiebigem Früstück (Kaffee & Kippen) geht's los. Abschied nehmen aus'm Hostel. War jetzt kein atemberaubend geiler Laden, aber solides Mittelfeld. Die Leute, allen voran Brandon und die "Fallschirmjäger"-Truppe waren super sympathisch. Hab mich wohl jefühlt, jedankt sei!
In Swakop bin ich noch mal 'ne Runde umher gedüst, um das "deutsche" Feeling hier aufzuschnappen. Es wirkt einfach mal sehr eigenartig, die vielen deutschen Straßennamen und Geschäfte zu sehen...
Juti, so gegen zehn/zehn dreissig verlasse ich das deutsche Hoheitsgebiet, in Richtung Norden. Erstmal nach Henties Bay und dann ma gucken...
Zwar kein derbes Ghetto, aber trotzdem als Township erkennbar: die Wohneinheiten, in denen die meisten der Farbigen leben. Apartheid gab's/gibt's auch in Namibia. Vielleicht nicht so krass wie in Südafrika, aber dennoch, die Spuren der Segregation sind auch hier noch spürbar.
Das Küstengebiet wird immer wieder mal von üblen Nebel heimgesucht. Dann heißt es aufpassen. Heute gab's jedoch keine Probleme ;-)
Spektakuläre Landschaften kann man - nördlich von Swakopmund - nicht gerade erwarten. Der Küstenstreifen besticht in erster Linie durch eines - Einöde!
Hatte mich deshalb auch dazu entschieden, nicht wie ursprünglich angedacht bis zum Skeleton Coast National Park zu fahren, sondern vorher in Richtung "Hinterland" abzubiegen und nach Uis zu fahren. Die Beschaffenheit des Küstenstreifens kannte ich nun ja schon, und besonders anders würde es auch innerhalb des Parks nicht aussehen...
Nur ein paar Kilometer landeinwärts stiegen die Temperaturen ordentlich an. Knapp 20 Grad wärmer als an der Küste, meine Jüte! Ein regelrechter Aufsturz!
Und, well, das hier ist dann doch wirklich die Definition von Einöde. Dagegen gab's an der Küste ja noch ne regelrecht wucherernde Vegetation.
Aber ich finde Gefallen an der Landschaft. Herrliche Ruhe und Weite! Genau, wie ich es mir vorgestellt hatte. Autos sieht man nicht sonderlich viele auf der Straße (Überraschung!) und wenn, dann sind es auffälig oft irgendwelche Reisenden. In der Regel halten sie an, wenn sie mich am Straßenrand sehen und checken, ob ich ein Problem hätte und sie helfen können. Ich fühle mich fein umsorgt, da kann ja nix passieren...
Hier ein repräsentatives "Geschäftszentrum" am Rande des "viel befahrenen" Highways. Diese Butze gehört den Locals, d.h. Schwarzen. Es ist relativ krass zu sehen, wie stark sich der "Lebensstandard" unterscheidet in den Städten wie Swakop einersetis und diesen zersplitterten "Dörfern" in der Namibischen Provinz andererseits.
Uis ist erstaunlich klein. Die Stadtrundfahrt dauert gerade mal zwei Minuten auf'm Mopped. Hier werden Blumen gesichtet, oh ha!
Ganz wichtig: was futtern! Mittagessen ist überfällig. Seit Swakop waren's immerhin schon knapp 200 Kilometer, davon 120 auf dem legendären Namibia Gravel. Den sollte ich die nächsten Tage ohnehin noch näher kennenlernen. Im Prinzip fährt's sich auf dem Gravel ganz passabel - in der Regel. Es gibt immer mal wieder Abschnitte, wo es zu Aufschüttungen kommt und da muss man halt ein bissel aufpassen. Der Abschnitt bis Uis war auf jeden Fall ziemlich dufte. Die ersten Kilometer kam ich mir noch vor wie auf einer Teerstraße, danach ging's so zwischen 40-60 Kilometers inne Stunde weiter...
Vor'm Supermarkt gegenüber des Restaurants habe ich sogar noch ne Gruppe relativ junger Deutscher getroffen, die hier in Namibia im Urlaub waren. Sie waren gerade dabei, jemanden zu finden, der ihren Campingstuhl reparieren konnte (sic!).
Nu aba wieda raus aus Uis!
Hatte mich inzwischen entschieden, Twyfelfontein als Tagesziel anzusteuern. Dazu muss ick erstmal Richtung Khorixas, auf Gravel versteht sich.
Schicke Berge gibt's zu kieken, das könnte (...) hier der Brandberg sein, so janz sicher bin ich ma nicht...
Straße, Weite, Berge, wenig Vegetation. Ein sehr repräsentatives Foto von Namibia! Hier haste deine Ruhe, Mensch!
Ui, jetzt wird's kulturell. Aufgepasst! Vor ein paar Millionen Jahren (oder doch etwas später?) haben ein paar einheimische Kollegen Felsen bemalt. Und da das sehr toll ist, kommen jedes Jahr viele Touristen und gucken sich die Kunstwerke an. Ich leider nicht, ich musste nur mal dringend auf's Klo und kam so unverhofft zu kultureller Erleuchtung!
Langsam nähere ich mich Gegenden, wo mit vermehrten Wildbestand zu rechnen ist. Keine Ahnung, warum die tollsten Tiere des Planeten ausgerechnet in so trockenen und unwirtlich erscheinenden Gebieten umher turnen. Auf jeden Fall übe ich mich schon einmal im Fährtenlesen. Eine unabdingbare Qualifikation, ohne die man im Busch keine zehn Minuten überlebt (hä?).
Hier sehen wir (wie - für das geübte Auge - unschwer zu erkennen ist) die Spuren dreier Tiere: eine Gazelle mit nachziehendem linken Hinterhuf, ein querschnittsgelähmter Chimpanse, der sich im Handstand fortbewegt und einen Schneider mit Schuhgröße 45.
Wohlverdiente Zigarettenpause im Busch. Hab die Kippen auch immer schön ausgemacht. Von verheerenden Buschbränden im Juli in Namibia ist mir nichts bekannt, sollte also gut gegangen sein...
Ein eindrucksvoller Haufen Steine, voila!
Da kommen sie, zwei liebe Ozongombe (Rindviecher in der Sprache der Hereros).
Wenn die Sonne sich am Nachmittag senkt, beginnt für mich die beste Zeit. Ich liebe einfach das Licht der untergehenden Sonne über dem Busch. Einfach janz toll, irre.
Als Motorradfahrer auf afrikanischen Dirt Roads muss man schon ein bisschen einstecken können. Vor allen Dingen Sand. Und zwar in den Mund. Friß Staub, du Penner! Traurige Realität, wenn man auf so 'ner Straße von 'nem 4WD Jeep überholt wird...
Namibia jefällt ma! Ich fühle mich irgendwie pudelwohl, regelrecht tiefenentspannt - und das ganz ohne New Age Klänge aus'm Kopfhörer. Toll!
Man möchte es nicht denken, aber dies hier ist ein Fluß! Ein sogenanntes Rivier. Führt nur ab und an mal Wasser, im Moment jedenfalls nicht. Prost!
Letzter (geplanter) Stop vor Twyfelfontein. Ich hatte von Twyfelfontein ja noch nix gesehen, langsam zweifelte ich schon daran, dass dieser Ort überhaupt existierte. Auf meinem Navi war er jedenfalls auch nicht so richtig vorhanden. Vielleicht so ein Phänomen wie Bielefel? Na ja, es dämmerte jedenfalls schon gewaltig, und ich bin von der "Hauptstraße", die in Richtung Palm/Palmwag führte abgebogen um zu DER Lodge zu fahren, von der ich wusste, dass sie zwar teuer war, aber nicht wie teuer. Irgendwie verlangte es mich heute aber auch nach einer Portion Luxus.
Nach ca. zwanzig Kilometern auf der Nebenstraße war ich endlich an der Lodge, es wurde dunkel. Ich begriff so langsam, dass Twyfelfontein sowas wie ein Park ist, mit Gestein und ws. Malereien und so 'nem Kram. Die Lodge war unweit des Eingangs zu diesem Park und sah auch ganz nett aus. Die Preise inna Lodge waren mir aber doch ein wenig zu gepfeffert. Ü-100-Ois. Da hatte ich dann doch keinen Bock drauf und entschloss mich, die Rumpelpiste zur Hauptstraße wieder zurück zu fahren und es in einem der anderen, ausgeschilderten Camps zu versuchen.
Als ich endlich wieder zurück auffa Hauptstraße war, bin ich zu einer sog. "Mountain Lodge" abgebogen. Das waren nur zwei, drei Kilometer, aber ziemlich heftige. Na ja, jedenfalls angekommen und dann ordentlich mit den Ohren gewackelt, als mir der Typ erzählt hat, dass die Butzen hier um die 200 Ois kosten! Verdammt noch mal, wo bin ich denn hier gelandet. Herzlich willkommen im Lodge Paradies Namibias!
Der Typ war eigentlich ganz nett, und hätte mir "sogar" noch einen Discount (auf ca. 180€) gegeben, aber trotzdem, schönen Dank. Nächster (und letzter) Versuch war dann das unweit von der Mountain Lodge befindliche Kipwe Camp. War schon ordentlich müde und auch einigermaßen frustiert angesichts der hiesigen "Wohnungssituation". Und voila, Adrian (der Manager vom Kipwe) sagt mir auch gleich, dass das Kipwe ausgebucht sei. Toll! Aber dann doch noch ein Hoffnungsschimmer. Er bietet mir ein "Staff Tent" an und ich kann für sagenhaft günstige 60 Euros in 'nem Zelt übernachten. Aber ich bin zufrieden. Die Athmosphäre hier ist echt chillig. Ich kann zwar nicht viel erkennen (ist dunkel), aber es wirkt alles sehr witzig, die Butzen und Zelte sind alle sehr verwinkelt an bzw. in irgendwelchen Felsen untergebracht. Das Restaurant ist auch formidabel, also passt schon!
Am nächsten Morgen stehe ich beizeiten auf. Hab super gepennt, aber mich interessiert's wie der Sonnenaufgang hier ausschaut, und ich tappse aufgeregt durch's Camp.
Das Camp hat definitiv Ambiente. Vor jeder Butze (auch vor meinem Zelt) steht ein kleiner Ofen, der in aller Frühe vom Personal angeheizt wird, damit sich der feine Tourist mit schön heißem Wasser duschen kann. Die Arbeit war für mich Drecksschwein leider umsonst. Dusch mich ja nicht so oft. Aber trotzdem fand ich das Feuerchen fein anzuschauen.
Ach, ich fühl mich echt wohl hier. Ein schönes Nest.
Erstmal schön Kaffee, Kippen und ein ordentliches Frühstück! Und dabei den Ausblick auf die schöne Jegend jeniessen. Im Camp sind ein paar Deutsche und Franzosen, mit denen ich in's Gespräch komme. U.a. ein französischer Tour Guide, der noch relativ neu in Namibia ist und hofft, dass die ihm anvertrauten Touris zufrieden mit ihm sein werden...
Wenn's was leckeres zu futtern gibt, ist man natürlich nie lange allein.
Kollege Piepmatz stattet mir einen Besuch ab und erkundigt sich über das heutige Frühstücksmenü.
Hmm, schon wieder Butter. Ein wenig fad, aber was soll's. Der Hunger treibt's rein...
Noch ein paar Fotos von meiner Hütte gemacht.
Also, mir hat's wirklich gut gefallen hier. Muss jetzt aber mal langsam weiter. In einem Anflug jugendlichen Sportwahns kraxele ich aber noch ein paar Felsen rauf, um mir die schöne Scheiße mal von oben anzugucken.
Uff, wirklich dufte! Aber ich kann einfach keine Gorillas sehen, so sehr ich mich auch anstrenge. Wo sind die ganzen Viecher?
Hoffentlich ist der Felsen, auf dem ich da Platz genommen habe, stabil. Schließlich wiege ich ja auch ein paar Kilos... Macht auf jeden Fall Spaß, die Leute im Camp von oben zu beobachten.
Und so ein morgendliches Digestiv-Sonnenbad hat ja auch noch niemanden geschadet... Immer schön die Sonne auf die Plautze scheinen lassen.
Gorilla hinten links? Nee, doch nicht, falscher Alarm.
Wer wohl die ganzen Klamotten da aufeinander gestapelt hat?
Na, genug gefaulenzt. Los geht's. Noch eine Einheit interkultureller Bildung: Damaraland ist das hier, a ha!
Danke für die Rechnung. Ick zahl Kesch!
Juchuh! Back on the road. Auf meiner geliebten Gravel Straße. Einfach dufte.
Hallo! Wer bist'n du, ey?
Erstmal soll's nach Palmwag gehen (über Palm), sind von Twyfelfontein ca. 90 Kilometer, aber ich komme heute irgendwie nicht richtig in die Gänge und trödele ganz schön rum.
Ich erwarte zwar nicht, dass Palmwag sich als Metropole der Savanne entpuppt, aber ein kleines Städtchen mit der üblichen Infrastruktur (ATM, Supermarkt, Tanke) hätte ich schon erwartet. Das vorgelagerte Palm habe ich erstmal gar nicht "bemerkt", und Palmwag stellte sich dann auch eher als 3-Butzen-Ort heraus. Nicht mal Cola konnte man hier kaufen. Oh je, aber wenigstens gab's ne Tanke.
Neben der Tanke gibt's eigentlich nur noch ein Gate, an dem Viehtransporte kontrolliert bzw. abgefangen werden. Ist wohl so eine Seuchenprophylaxe-Geschichte. Ich hatte heut kein Vieh geladen und durfte problemlos passieren.
Da es keinen Supermarkt o.ä. gab, habe ich die Palmwag Lodge angesteuert, um etwas zu Futtern und zu Trinken zu bekommen. Die Lodges ersetzen hier offenbar die gesamte Infrastruktur. Auch Telefonkarten oder sogar ATMs bekommt man hier geboten.
Heute lerne ich ein deutsches Pärchen kennen, dem ich in der Lodge, aber auch einige Male auf der Straße begegne. Nette Leude, mit denen ich in's Gespräch komme. Sie machen eine Rundfahrt durch Namibia und Südafrika. Fein!
Und dann fällt mir da noch ein ganz anderes Pärchen auf. Christiaan, der Bure, und sein kleiner Kampfhund. Was ein Team! Sehr verwegene Kollegen. Christiaan Bakkes ist Südafrikaner, lebt aber schon eine Weile mit seiner Frau in Namibia und fühlt sich hier offenbar pudelwohl. Er fängt Nashörner (zwecks Relokalisierung in Nationalparks), arbeitet als Tour Guide und schreibt Romane. Vorrangig in Afrikaans, es werden wohl aber auch Übersetzungen in's Englische gemacht. Krasse Geschichte. Er meint noch, dass er in einer der nächsten Playboy-Ausgaben in Deutschland "gefeatured" wird. Ein ziemlich charismatischer Typ, Abenteurer und Haudegen. Junge, Junge. Erinnert mich irgendwie an Steve Irwin, dem Crocodile Hunter aus Australien. Wo Christiaan seinen linken Unterarm "gelassen" hat, frage ich ihn nicht. Ich kann mir schon vorstellen, dass das nicht im Büro an der Schreibmaschine passiert ist. Später lese ich auf Amazon, dass er im Kruger National Park in Südafrika mal von zwei Krokodilen angefallen wurde und dabei den Arm verlor. Das ist aber schon fünfzehn Jahre her. Auf Amazon kann man übrigens sein bislang einziges - soweit ich sehen kann - in's Englische übersetzte Buch bestellen, In Bushveld and Desert - A Game Ranger's Life. Cooler Typ!
Die Strecke zwischen Palmwag und Sesfontein, man befindet sich westlich vom Etosha National Park, wurde mir schon von diversen Leuten als landschaftlich besonders eindrucksvoll empfohlen. Unter anderem von Craig, dem Boss der Fallschirmspringer aus Swakopmund.
Und, well, ich wurde nicht enttäuscht. Die Weite der Savanne, allerhand Tiere. Wenn vielleicht auch nicht so eindrucksvoll, wie später im Etosha Nationalpark oder in Kenia, so war es dennoch ein geiles Gefühl, die Tiere von der Straße, vom Motorrad aus zu sehen und dafür nicht in irgendeinen dämlichen Park gehen zu müssen.
Ich kam mir schon irgendwie vor wie auf meinem ganz persönlichen Game Drive. Und es packte mich auch ein bissel der Ehrgeiz. Ich sah, dass es da unten, abseits der "Hauptstraße" ein paar kleinere Wege gab und entschloss mich, mal an einem Flussbett abzubiegen und ein bissel in den Busch rein zu fahren.
Sehr fluffig und adrenalitisch. Aber irgendwann bekam ich dann doch etwas Muffensausen. Gerade dort, wo das Gebiet nicht so super einsehbar ist, kann es ja - theoretisch - doch mal passieren, dass vielleicht so ein kleiner Löwe, der noch nicht gefrühstückt hat, auftaucht und Ärger macht. Na ja, ich bin einfach ein absolutes Greenhorne und hab keine Ahnung über die Verhältnisse im Busch. Und es wär ja schon etwas blöd, vom Löwen angeknabbert zu werden, oder? Außerdem finde ich es im Nachhinein auch nicht so cool, wenn man allzu freestylisch im Busch umher kurvt und den Tieren zu nahe auf die Pelle rückt. Die wollen ja doch lieber ihre Ruhe haben und haben ein bissel Angst, wenn so eine 1200er BMW angeknattert kommt. Also dann doch lieber von der Hauptstraße aus hin und wieder mal einen Blick riskieren und die Viecher ansonsten in Ruhe lassen!
Heute ist einfach nicht der Tag zum Hetzen. Ich lasse es sehr gechillt angehen und die Zeit vergeht...
Neben meinen Fertigkeiten als Spurenlesen übe ich mich vor allen Dingen in Kotanalyse. Das ist beim Aufspüren wilder Tiere von größter Bedeutung! Hier bin ich einer Zebraherde ganz dicht auf den Fersen! Wie man am süßlichen Duft des Kots unschwer erkennen kann, ernähren sich diese Huftiere in erster Linie von Snickers-Resten, die ihnen gut meinende Touristen aus Mitleid zur Verfügung stellen.
Von Palmwag bis Sesfontein sind's knapp 120 Kilometer, und ich trödele und trödele... Ist aber auch zu schön hier!
Die Sonne senkt sich, ergo werden die Schatten länger. Ich liebe Afrika am Spätnachmittag!!!
So, das Licht ist jetzt hammergeil, also abgesessen zur Foto-Session.
Hach, härrlich. Mir wird echt warm um's Herz, wenn ich daran denke. Ach ja, was ist das? Die Sonne geht unter, welch Überraschung! Nu isses dunkel, und ich bin noch ein ganzes Stückchen von Warmquelle, dem nächsten Ort, entfernt, ganz zu schweigen von Sesfontein, meinem geplanten Zielort für heute.
Also rumpele ich in bewährter Manier durch den nächtlichen Busch. Die Straße ist im Hellen nicht angenehm, im Dunkeln wird sie nicht besser...
Aber es passt schon, in Warmquelle angekommen, gibt's erstmal 'n Erfrischungsgetränk und ich komme mit ein paar Locals (Hereros sagen sie) in's Gespräch. Zu meiner großen Überraschung soll's hier sogar einen ATM geben! Im Hinterzimmer eines geschlossenen Supermarktes steht er dann tatsächlich: mein Lebensretter! Mir ist etwas mulmig zumute. Schließlich könnte das ja auch eine Falle sein, und ich werde ausgeraubt, sobald ich die Scheine aus dem Automaten entnommen habe! Ja sicher, Alta! Schönes Kopfkino. Natürlich waren alle äußerst lieb und freundlich zu mir, und noch immer hat mich keiner von diesen Afrikaners ausgeraubt. Menno!
In Sesfontein komme ich schließlich am "fortgeschrittenen" Abend an. Da ich keinen Bock auf Camping habe und ich bzgl. der Kostenfrage (mal wieder) die Augen zudrücke, steuere ich zielstrebig die Lodge in der ehemaligen deutschen Festung an. Super, es gibt noch was zu futtern, und mein Zimmer ist auch nicht von schlechten Eltern. Härrlich! Wieder heil angekommen ;-)
Bis auf das Fort (in dem ich gepennt hab) schaue ich mir in Sesfontein nix weiter an. Ich glaub, es gibt auch nicht wirklich mehr zum anschauen. Am Mittwochmorgen unterhalte ich mich nach dem Frühstück noch eine Weile mit den anderen Gästen der Lodge, einer holländischen Familie und dampfe dann ab. Ich nehme mir vor, nach der Trödelei gestern eine etwas längere Etappe einzulegen. Wenn's gut läuft, will ich bis zum Etosha Park durchfahren.
Erstmal wieder zurück Richtung Warmquelle, wo ich (mal wieder) das deutsche Pärchen aus Palmwag in ihrem Jeep treffe. Dann abbiegen in Richtung Opuwo bzw. erstmal Otjomatemba.
Von Sesfontein bis Opuwo sind's knapp 140 Kilometer. Und zwar Gravel der etwas gröberen Sorte. Bis dato war das die schwierigste Straße in Namibia, wobei die Fotos hier die übelste Ecke zeigen. Größtenteils war's schon ganz okay und gut fahrbar.
In Opuwo bin ich erstmal froh, die Straße hinter mir zu haben und mache einen verdienten Stop zum Futtern/Cola kaufen. Mir fallen fast die Augen aus den Höhlen, als ich beim Supermarkt in dieser doch etwas größeren Stadt (für Namibische Verhältnisse) auf einmal Sofie und ihre spanischen Kollegen in ihrem Peugeot vor mir stehen sehe. Die Truppe hatte ich ja während meiner Visumsodyssee in Kinshasa kennen gelernt. Was 'ne Überraschung! Tja, da gibt's natürlich erstmal einiges zu erzählen, und wir machen es uns bei ihnen im Auto bequem - nachdem wir die Leckerlis aus dem Supermarkt beisammen hatten. Sofie hatten sie vor ein paar Tagen den Rucksack geklaut - in Namibia. Mit Kreditkarten und so weiter. Blöder Scheiß, aber die drei lassen sich davon sicherlich nicht die Laune verderben. Echt eine witzige Reisegesellschaft, sehr sympathisch ;-)
Vor dem Supermarkt hängen auch mal wieder ein paar Himbas rum. Das sind Angehörige eines Namibischen Stammes, die relativ auffällig sind (malen sich irgendwie mit roter Erde an, die Damen gehen oben ohne - auch inna City). Na ja, Himbas habe ich auf den Gravel Roads des öfteren gesehen, aber immer vermieden zu fotografieren. Ich finde es ein wenig traurig, ehrlich gesagt. Ich habe das Gefühl, dass die Leute überhaupt nicht mehr authentisch leben, sondern reine Marionetten des Tourismus sind. Mir scheint, als bestritten sie ihren Lebensunterhalt ausschließlich damit, von Touristen (gegen Bares versteht sich) fotografiert zu werden oder ihnen irgendwelchen Ramsch zu verkaufen. Die Touris denken dann wahrscheinlich noch, dass sie gerade was kulturell besonders wertvolles erleben und raffen nicht, dass sie durch ihr Verhalten auch noch die letzten Reste dieser einst wahrscheinlich wirklich stolzen Kultur zerstören... Ich traue mich gar nicht, den Himbas in die Augen zu schauen. Schäme ich mich für mich, weil ich auch ein Touri bin oder fremdschäme ich mehr für sie? Ich weiß es nicht...
Von Opuwo geht's ca. 50 Kilometer weiter auf feinem Teer, bevor erneut eine Gravel Road angesagt ist. Ca. 80 Kilometer bis Ruacana, allerdings auf sehr gutem Gravel, also kein großes Problem.
Ich fahre nicht rein nach Ruacana, muss aber doch eine Gedenkminute einlegen, als ich die Angolanische Grenze ausgeschildert sehe. Junge, Junge, da kommen Erinnerungen hoch. Und mir stellt sich nochmal die Frage, was zum Teufel so schwierig daran gewesen war, mir dieses dämliche Visum zu geben. Na ja, jetzt bin ich eben nochmal knapp 10000 Kilometer fahren, um erneut vor der Angolanischen Grenze zu stehen, diesmal allerdings auf der südlichen Seite, juchei!
Den ganzen Tag über is mir heute richtig übel. Ich hatte heute morgen die Doxy (Malaria-Prophylaxe) nicht richtig hinter gekriegt. Sie ist mir irgendwie im Hals stecken geblieben, und ich musste fast kotzen. Die Tabletten haben nämlich einen furchbar ekeligen Geschmack, und wenn ich sie nicht in einem Rutsch hinter bekomme, muss ich fast mit der Ohnmacht kämpfen, so abartig isses. Mich schüttelt's dann immer, ungefähr so wie nach einem Glas Goldkrone, womit man sich den Mund ausgurgelt. Na egal, auf jeden Fall hatte ich ein ordentliches Sodbrennen und permanentes Aufstoßen mit schönem Brechreiz. Voila.
Ab Ruacana ging's wieder auf Teer weiter. Bis Etosha war's noch ein ganzes Stückchen. Eigentlich zu weit für heute. Hmm... Aber erstmal weiterfahren und Gas geben. Die Gegend hier, nördlich des Etosha Parks, entlang der Angolanischen Grenze, unterscheidet sich doch einigermaßen von dem, was ich bislang in Namibia gesehen habe. Die Gegend ist deutlich dichter besiedelt, es gibt viel mehr Städte (sic!), und es gibt kaum Weiße hier. Viel sehe ich allerdings nicht, ich habe es nämlich eilig. Über Ombalantu, Oshakati und Ondangwa geht's zügig Richtung Etosha. In einem der O-Orte mache ich den letzten Stopp für heute, tanken und Schokis futtern. Ich werde - wieder - im Dunkeln fahren, uah, also lieber noch soviele Kilometer wie möglich im Hellen machen. Bei Oshivelo bin ich mit dem Teer fertig, und es geht auf Gravel weiter zum Park, nach Mokuti, zum östlichen Tor. Vor dem Eingang des Parks sehe ich dann die Hinweisschilder der diversen Lodges/Camps. Mir bleibt ein Kloß im Hals stecken, als ich die erste Lodge ansteuere, ein Fünf-Sterne-Tempel, Kempinsky oder sowas. Aber sie verweisen mich auf ein Camp auf der anderen Seite der Straße. Das Onguma Bush Camp. Eigentlich auch ein ziemlich nobler Laden, aber sie haben auch ein Campsite, wofür ich mich heute entscheide. Ich habe 650 Kilometer in den Knocken, davon mehr als 300 auf Gravel. Es ist dunkel, ich bin müde und hungrig. Aber heute will ich mal das Portemonnaie schonen. Ich bekomme meinen Slot zugeteilt, nach den witzigen Antilopen "Impala" benannt. Natürlich verpeile ich das und baue mein Zelt ganz woanders auf, aber ist doch auch wurscht. Stört sowieso keinen. Beim Versuch, das Campsite zu finden, wäre ich fast wieder aus dem Gelände rausgefahren (Vorsicht, wilde Tiere!).
Aber am Ende ist doch alles wieder gut gegangen. Ich hatte meine billige Penne für die Nacht, im Restaurant der Lodge konnte ich noch vorzüglich dinnieren. Und nach dem Abendessen lernte ich noch an der Bar Peter, den Manager der Lodge, kennen, bei dem ich gleich den Game Drive in den Etosha für den nächsten Morgen klar machte.
Puh, nochmal die Gelegenheit nutzen und meine Beine auf der chilligen Couch der Lodge Lounge (autsch!) lang machen, bevor ich mit meiner Stirnleuchte bewaffnet den beschwerlichen Weg zu meiner Hundehütte antrete, wo ich die (kurze) Nacht verbringen werde. Schließlich beginnt so ein Game Drive leider Gottes meist zu sehr unchristlicher Stunde. Um sechs muss ich wieder raus, und dann heißt es, fit sein für's Tiere gucken!








































































































































































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