Yupp, Montag, 0030Uhr, Nairobi. Ich bin gerade aus meinem "Mittagsschlaf" erwacht und fühle mich, als wäre ich vom D-Zug überrollt worden. Boah. Die mit 95 Kenya Shilling (etwas weniger als ein Euro) zwar ausgesprochen günstigen "Sportsman"-Kippen, die ich hier gelegentlich rauche, bescheren mir einen regelmässigen Brummschädel und ich werde die Teile wohl liegen lassen und nur noch zu den luxuriösen Embassy-Zigaretten greifen (Packungspreis fast 2€).
Ich war gestern Mittag mit Dan wie geplant in die Havana Bar gefahren zum MotoGP Gucken. In der Kneipe gab's WiFi, und ich war gerade dabei, Fotos zu sortieren und meine Route der letzten Wochen "reverse zu engineeren", als es in der Moto2 zu einem extrem üblen Crash kam. Fuck it! Das sah einfach mal richtig Scheiße aus. Ich hatte gelaubt, später vom Kommentator verstanden zu haben, dass die verwickelten Fahrer mehr oder weniger "okay" seien und war ziemlich geschockt, als ich dann im Internet las, dass der Japaner Shoya Tomizawa, Sieger des diesjährigen Auftaktrennens in Katar, den Crash nicht überlebt hatte. Verdammt, das ist echt zum Kotzen und absolut nicht cool. Mir wird irgendwie schlecht, wenn ich daran denke. Eine ziemlich unheilvolle Kombination. Es gibt wohl kaum etwas, was auf der einen Seite mehr Spaß macht als Motorrad zu fahren, auf der anderen Seite aber auch so gefährlich ist. Scheiße. Und dann noch dieser leicht perverse Umstand, dass ausgerechnet solche "Un-Momente" des Motorsports die größten Schlagzeilen produzieren. Kein noch so spannendes Rennen hätte soviele Schlagzeilen produziert wie der tödliche Unfall heute Nachmittag. Scheiß Sensationslust, aber so war's schon immer in diesem Sport. Mir vergeht - aber wahrscheinlich wieder einmal nur für ein paar Tage/Wochen - gründlich die Lust.
In der Jungle Junction läuft das Übliche. Traveler kommen und gehen. Im Moment ist eher wenig los. Am Samstagabend sind zwei sehr sympathische Südafrikaner auf ihren GSsen angekommen, und ich habe mich ganz ordentlich mit ihnen unterhalten. Sind heute wieder weiter Richtung Lake Victoria, und ich musste mir schon einen Anflug von Neid verkneifen, sie auf ihren rund laufenden Moppeds davon knattern zu sehen. Andere Leute finde ich weniger sympathisch, aber well, so isses halt. Manche nerven einfach nur. Aber es ist halt so an solchen Orten wie der Jungle Junction. Die immer gleichen Geschichten, wieder und wieder aufgewärmt, und mit einer erheblichen Portion Subjektivität "verunreinigt". Es sind allenfalls "second hand" oder öfters noch "third hand" Stories, die man hier erleben kann. Und mich zieht's wieder raus in das "echte" Afrika, wo ich einfach "erleben" kann und mir nicht anhören muss, wie jemand gehört hat, dass es dort und dort so und so sein soll...
Na ja, Wurscht. Ich hab' mich heute mit einem holländischen Fotografen beim Frühstück unterhalten und bin zur Meinung gelangt, dass viele Traveler (einschließlich mir selbst) im Laufe einer Reise nicht notwendigerweise ihren Horizont erweitern und ultra-tolerant werden. Oft ist auch das Gegenteil der Fall, man wird engstirnig, intolerant gegenüber anderen Meinungen und ziemlich egozentrisch. Hmm, aber vielleicht bin ich einfach nur genervt von dem Rumhängen und Warten. Seitdem ich vor knapp vier Wochen in Nairobi angekommen bin, warte ich auf etwas. Erst auf die Visa für Äthiopien und Sudan, und nun auf die Reparatur des Moppeds. Herjemine. Aber das Warten ist sicher auch ein wesentlicher Bestandteil des Reisens in Afrika, und ich muss das so akzeptieren. Auch wenn es mir als ausgesprochenen Ungelduldsfreak echt schwer fällt.
Die Kupplung wird frühestens nach Chris' Rückkehr ab Mittwoch repariert. Am Montag werd ich noch eine Runde "organisieren" und dann vielleicht/hoffentlich gegen Nachmittag runter in die Masai Mara fahren. Noch habe ich nix recherchiert, und vielleicht wird's auch erst Dienstagmorgen oder es wird gar nix. Ma gucken. Am Vormittag will ich mal die Syrische Botschaft auschecken und meinen Visumsantrag abgeben. Die Fotos will ich auch noch auf den Blog stellen, hab' ich faule Socke natürlich noch nicht gemacht. Ui, ui, ui. Ich glaub, ich dreh' mich erstmal um und penn weiter.
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