Freitag, 7. Mai 2010

DFB-Inside: Die vorläufige WM-Aufstellung

Wie ihr wisst, hat Jogi gestern den vorläufigen 27-köpfigen Kader für die WM in Südafrika bekannt gegeben. Ich muss mich noch entschudligen, dass ich in den letzten Tagen nicht so oft zum posten gekommen bin. Jetzt kann ich es ja sagen: der Aufenthalt im OK Inn war nur dafür da, dass ich in Ruhe mit Jogi, Olli, Hansi und Andi skypen kann. Es gab ja doch noch einige Baustellen, die wir fixen müssen in der Nationalmannschaft. Na ja, und die Jungs aus dem Trainerstab sind halt ganz schön aufgeregt gewesen, bis ich ihnen nochmal meine Vision verdeutlichen konnte und wir mit dem Kader an die Öffentlichkeit gingen. Na ja, ein paar Nominierungen sind ja de facto nur dafür da, um die Öffentlichkeit ruhig zu stellen. Hier kommt die tatsächliche Elf, auf die ich mich, äh, ich meine auf die wir uns in den letzten Tagen festgelegt haben:

Tor:
Hans-Jörg Butt

Also Neuer oder Wiese könnten den Job auch machen, aber Butt hat einfach die Erfahrung und ist - hat er mit Bayern gezeigt - auf jeden Fall ein Keeper mit internationalem Niveau.

Abwehr:
Jerome Boateng
Per Mertesacker
Holger Badstuber / Arne Friedrich
Philipp Lahm

Ok, bis auf die Position des zweiten Innenverteidigers gibt's hier nicht viel zu diskutieren. Badstuber hat eine überragende Saison bei Bayern abgeliefert und ist sicher DER Mann der Zukunft. Aber er ist noch nicht integriert in die Nationalmannschaft. Von Westermann und Tasci halte ich ja nichts. Deshalb Arne! Etwas überraschend, aber ich finde, es hat was, dass der Kapitän von Absteiger Hertha dabei ist bei der WM. Sicher kein Filigrantechniker, aber als Innenverteidiger womöglich eine gute Wahl (er darf nur auf keinen Fall rechts außen spielen!)

Mittelfeld:
Bastian Schweinsteiger
Michael Ballack
Mesut Özil
Marcell Jansen / Marko Marin / Toni Kroos / Piotr Trochowski

Im defensiven Mittelfeld gibt's keine Frage, da sind Ballack und Schweini gesetzt. Im offensiven dürfte Özil spielen und neben ihm bieten sich eine ganze Reihe von Spielern an, die aus meiner Sicht auf einer Stufe stehen. Mein Lieblingsspieler hier ist Jansen, aber womöglich passt Marin besser, weil Özil und Marin sich aus Bremen kennen. Bleibt noch spannend im offensiven Mittelfeld. Zumal Podolski und Müller beide ebenfalls hier spielen können. Aber wir gehen erst mal von einem klassischen 4-4-2 aus, gel?

Sturm:
Miro Klose
Lukas Podolski / Thomas Müller

Im Sturm ist es definiv am schwierigsten. Deshalb die konservative Jogi-Variante mit Klose und Poldi. Von Gomez halte ich nicht viel, Cacao (aka Helmut) kenne ich zu wenig, Kießling darf ja mal mitfahren (aber um Gottes Willen nicht spielen!) Daß es Klose und Poldi drauf haben, wissen wir. Okay, sie sind nicht gerade in Überform, aber so ein beinhartes Jogi-Trainingslager kann da schon einiges bewegen. Das wird schon. Und der Mann der Zukunft ist Thomas Müller. Er kann auch heute schon spielen, kein Problem, wenn einer der anderen beiden wirklich nicht mehr in Tritt kommt...

So, jetzt wisst ihr Bescheid.

Ach ja, mein Tipp: Deutschland wird Weltmeister durch ein 19:17 im Elfmeterschießen gegen Ghana. Den entscheidenen Elfmeter verwandelt Oliver Kahn. Der musste ran, als schon alle Mitglieder der DFB-Delegation (inklusive Franz Beckenbauer und Johannes B. Kerner) einmal geschossen hatten.

Tag 39 - Ouaga nach Niamey

Bonjour, liebes Tagebuch.

Gestern Abend bin ich in Niamey angekommen, Hauptstadt von Niger, Land #10. Puh. Die Straßen waren größtenteils super, und ich bin die 380 Kilometer von Ouaga zur Grenze und danach die 120 Kilometer vonner Grenze nach Niamey ganz gut voran gekommen.

War auch gut, wieder 'on the road' zu sein. Immer, wenn ich ein paar Tage irgendwo abhänge, komme ich irgendwie schlecht drauf. Zuletzt hat es mich im OK Inn auch mächtig genervt. Obwohl das Hotel eigentlich ganz nett ist bzw. nett sein könnte, sind mir die Angestellten dort ganz schön auf die Nerven gegangen. Im Restaurant, wo ich mit meinem Schleppi ganz schön viel Zeit verbracht habe, war's teilweise eine Riesen-Herausforderung, irgendwas zu bestellen. Es gab sowieso nicht viele Sachen, die ich als Veggie bestellen konnte. Die paar Sachen haben sie dann aber auch noch ordentlich durcheinander gebracht oder gleich total vergessen. Ach, keine Ahnung, hat mich irgendwie gestresst. Außerdem waren die Preise - im Vergleich zum Landesstandard - einfach mal pervers. Ich habe gestern die Rechnung gesehen und ganz schön geschluckt. Inklusive des Zimmers beliefen sich die Restaurantrechnungen auf insgesamt 80 Ois pro Tag. Na ja, wenn ich mich jeden Tag besoffen hätte, wäre das vielleicht noch akzeptabel gewesen, aber meine 'Diät' besteht ja bekanntermaßen aus Kaffee, Cola, Kippen und hin und wieder mal eine Mahlzeit.

Yep, yep. Der Typ, der mir ständig geholfen hatte an meinem Mopped, ist dann vorgestern Abend auch nochmal angekommen und hat mich gefragt, ob ich ihm nicht 'etwas geben' könnte. Well, er hatte mir ja auch geholfen, also habe ich ihm ein paar Scheine in die Hand gedrückt. Wenngleich die Hilfe vorgestern in erster Linie darin bestand, 'proaktiv' und reichlich sinnfrei Teile abzuschrauben, die ich danach wieder anschrauben konnte. Arghh. Die Geister, die ich nicht (!) rief, werd' ich nun nicht los... War echt Zeit, aufzubrechen gestern. Über das Angebot meines Motorradspezis und seines Kumpels, mich mit ihren Rollern aus der Stadt hinaus zu begleiten und mir den Weg Richtung Osten zur Niger-Grenze zu zeigen, habe ich mich zunächt gewundert, da der Weg jetzt ja nicht sooo schwierig war, bin dann aber doch darauf eingegangen. Schließlich habe ich schon ein paar Mal einige Zeit verloren bei dem Versuch, mich aus einer afrikanischen Großstadt rauszubewegen und meinen Weg zu finden. Nach ein paar Minuten war's dann aber mehr als klar, wo es langgehen würde, die Ausschilderung war ausnahmsweise mal sehr in Ordnung. Trotzdem wollten die beiden unbedingt weiter mit mir fahren. Nach einer Weile wusste ich dann auch warum. Sie hielten an einer Tanke und signalisierten mir, dass ich dies auch tun solle. Danach versuchten sie mir zu erklären, dass der Kumpel von meinem Spezi irgendwas brauchte. Wahrscheinlich erwarteten sie, dass ich dem Kumpel die Tankfüllung bezahle. Bäh. Irgendwie hat's mir gereicht und ich fand's nicht mehr lustig. Ich war einfach nur genervt von dieser ständigen Abzieherei. Ich hab natürlich nix bezahlt, fand's aber schon unverschämt genug, dass ich dort auf der Tanke 5 Minuten mit den beiden Freaks diskutieren musste. Schließlich war ich spät dran und wollte nach Niamey.

Die Dinge, von denen ich am meisten genervt sind, sind ganz klar: Erstens, das Hinterhergepfeife. zisch zisch, damit ich auf irgendeinen Idioten aufmerksam werde. Es ist ja nicht so, dass ich zu wenige Dinge hätte, auf die ich achten müsste. Diese Pfeiferei geht mir dermaßen auf die Eier, dass ich - wenn ich's mal höre - am liebsten absteigen und dem Absender der Zischerei eine in die Kauleiste donnern würde. Platz zwei auf meiner Hass-Liste sind dann die vielen Helfer, die die Welt nicht braucht. Ich kannte das Phänomen ja schon aus Ghana, aber es ist manchmal auch extrem schwer zu unterscheiden, wer einfach nur quatschen will und im Prinzip ganz nett ist und wer mir einen 'Service' anbieten möchte, der - auch wenn man darüber nicht spricht - de facto kostenpflichtig ist. Sie machen es einerseits fast unmöglich, auf den Service zu verzichten, weil es einer Menge Überredungsarbeit bedarf, sie davon abzuhalten, einem zu 'helfen'. Hat man sich dann aber bei irgendetwas tatsächlich 'helfen' lassen, ist die Diskutiererei noch viel schlimmer, wenn es darum geht, dass dieser Service ja zu entlohnen sei und die Welt ist ja sowieso sehr grausam, und wir haben nix zu essen und bla bla bla. Ja, leckt's mi doch am Oarsch, verdammt nochmal!

Dabei hatte ich im OK Inn in Ouaga eigentlich vermutet, andere Traveller zu treffen, mit denen ich mich über die nächsten Etappen ein bissel austauschen könnte. Die waren allerdings nicht zu sehen, stattdessen gab's 'ne ganze Reihe von (einheimischen?) Franzosen und so, aber mit Sicherheit keine Overlander. Insgesamt also definitiv kein Tipp, den ich weiter empfehlen kann, diese Bleibe in Ouaga. Zumal es in der Innenstadt (meine Butze war ziemlich gut versteckt etwas ausserhalb auf oder neben dem Gelände des Flughafens) eine ganze Reihe annehmbarer Hotels zu geben schien...

Das ist so eine ganz eigenartige Mischung gewesen von den Gefühlen im OK Inn. Auf der einen Seite habe ich mich etwas allein gefühlt und hae oft vor dem Rechner im Restaurant oder in meiner Butze rumgehangen. Auf der anderen Seite waren die Kontakte, die ich hatte, nervig und anstrengend. Bäh, auf jeden Fall hatte ich spätestens seit vorgestern richtig üble Laune und es war höchste Zeit, dass ich gestern endlich aufgebrochen bin.

Bin mal wieder erst nach zwölf los gekommen, danach meine beiden 'Kumpels' absschütteln, weiter Richtung Koupéla. Die Straße war wie gesagt super, und es ging flott voran. Weiter nach Fada-N'gourma nach Kantchari zur Grenze. In Fada-N'gourma mache ich noch einen kurzen Stop zum Futterfassen und bekomme für den halben Preis, den ein kümmerlicher Tomatensalat im OK Inn gekostet hat, ein komplettes Menü inklusive Getränke. Mehr als ich essen konnte, und es war - ganz im Gegensatz zur Kost im OK Inn - mal wieder richtig lecker.

Zwischen Kantchari auf der Burkiner und Torodi auf der Niger-Seite erstrecken sich die Grenzanlagen. Es funktioniert auf der Burkiner Seite ohne Probleme. Auch in Niger klappt's zunächst alles bestens, bis ich beim Zoll ankomme. Irgendwie können die mit so einem großen Motorrad nix anfangen. Der Chef ist gerade beim Abendgebet und die Tussi, mit der ich es zu tun habe, macht einen auf extrem gechillt und will warten, bis der Chef wieder kommt. Sie erkennt eine gewisse innere Unruhe bei mir. Ich schlage vor, dass ich einfach die 4000 Franc bezahle und dann weiterfahre. Wahrscheinlich denkt sie, dass sie mir einen Gefallen tut, in dem sie mich zur Geduld mahnt. Vielleicht könnte ich ja die 4000 Franc sparen, gel? Sind ja schließlich 7 Euro nochwas. Währenddessen beobachte ich, wie sich der Himmel zu einem schönen Sturm zusammen zieht und die Sonne am Horizont verschwindet. Schöne Scheiße. Das sieht dann mal wieder nach einer Nachtfahrt aus, oder? Ich drücke ein bisschen auf's Gas und meine, dass es nachts ziemlich gefährlich ist mit dem Motorrad auf der Straße. Das können die Kollegen vom Zoll nicht verstehen und weisen mich darauf hin, dass die Straßen in Niger sehr sicher seien (auch nachts). Ah ja, okay, lassen wir das... Am Ende bekomme ich zwar eine Cola ausgegeben, die 4000 Franc muss ich aber trotzdem zahlen. Der Cheffe meiner Zoll-Kollegin da diktiert ihr praktisch jedes Wort, was sie in ihr komisches Dokument reinkritzelt - und es dauert. Als ich schließlich weiter kann, ist es stockfinster. Scheiße. Ich bin ja noch weiter in Richtung Osten gefahren und die Sonne ging diesmal schon um 1730Uhr unter. Um 1800Uhr war Feierabend. Dafür bin ich ab Niger aber wieder eine Stunde näher dran anner Heimat, ich bin bloß noch eine Stunde zurück mit der Uhrzeit.

Trotz des Stresses mit dem Zoll fühle ich mich in Niger gleich wieder eine Prise besser als in Burkina. Von Burkina Faso war ich - abgesehen von dem Grenzgebiet zu Mali - ein bisschen enttäuscht. Zuviele stressige Leute dort - wenngleich ich mich natürlich auch in erster Linie in stressigen Orten aufgehalten habe. Hatte auch wenig Lust, Fotos zu machen in den letzten Tagen. Von Burkina gibt's deshalb echt wenig. Muss mich ma ein bissel zusammen reissen und wieder öfters auf'n Auslöser drücken. Es gibt schon eine Menge witziger Szenen hier... Muss auf jeden Fall auch mal ein Album machen mit den lustigsten Fortbewegungsmitteln. Ähnlich wie in Ghana sind hier auch diese Kleinbusse sehr verbreitet. Allerdings sind die Beladungsmethoden hier noch eine Ecke schärfer als in Ghana. Unglaublich, wie hoch man auf dem Dach eines Kleinbusses stapeln kann - um dann auch noch Passagiere mit drauf zu tun, die sich am verzurrten Gepäck irgendwie festhalten... Woahnsinn, und sehr effektiv!

Okay, bis Niamey waren es nur noch knapp 80 Kilometer, und es ging. Zumal mein Abblendlicht mittlerweile wieder gut funktioniert und ich selbst abends etwas sehen kann auf der Straße ;-) Trotzdem ist und bleibt es der Wahnsinn, nachts zu fahren. Es ist unglaublich, was auf den Straßen los ist. Am coolsten finde ich ja, dass es auch nach Einbruch der Dunkelheit noch Verrückte gibt, die mit ihren - natürlich absolut unbeleuchteten - Eselkarren auf diesen Landeshauptstraßen (Autobahnen gibt es nicht, diese Straßen kommen einer Autobahn aber schon am nächsten) unterwegs sind. Irre, sie sind schwer und erst spät zu erkennen und bewegen sich ja praktisch nicht, bzw. nur im Schritttempo. Insgesamt lässt sich sagen, dass schon Wert darauf gelegt wird, dass Kraftfahrzeuge eine (halbwegs) funktionierende Beleuchtung an der Frontpartie besitzen. Hinten isses aber schnurzegal. Habe schon viele LKWs gesehen, die entweder keine Rückbeleuchtung oder nur eine einfache kleine Funzel hatten. Auch beliebt sind eine paar reflektierende Straßenschilder, die hinten dran gehangen werden. Dazu noch alles mögliche an schlecht oder gar nicht beleuchteten Moppeds und Fahrrädern. Ist schon sehr nervenaufreibend, und, wenn es irgendwie geht, sollte man Nachtfahrten einfach mal komplett meiden, ok?

Ca. um acht war ich in Niamey. Ich habe mich in's Zentrum vor manövriert und bin dann in einer Seitenstraße stehen geblieben. Da hingen ein paar Leute vor einem Restaurant (offenbar die Mitarbeiter) und ich habe mein Mopped dort abgestellt, um mal kurz Luft zu holen. Es waren die richtigen Leute für mich, denn kurze Zeit später hatte ich meine 'ToDos' erledigt: neue Telefonkarte, was zu Trinken, was zu Futtern und einen Tipp für's Hotel. Der Laden, vor dem die Jungs da saßen, war ziemlich eigenartig. Viel zu schnieke rausgeputzt für meinen Geschmack, die ganze Deko in schwarz/weiß gehalten, alles sehr aufwändig, hmm, eigenartig, zu mal ich der einzige 'Gast' in dem Laden war... Is aba auch wurscht, später kamen sogar noch ein paar einheimische Gäste und ich konnte den Gedanken, dass ich hier in einem Hinterhalt oder so sitze, wieder vom Tisch schieben ;-)

Erst um halb elf Ortszeit war ich dann in meinem Hotel und die Kommunikation mit den beiden Agenten am Nachtschalter verlief - na ja, sagen wir es mal so - schwierig... Ich musste wieder tausend Fiches ausfüllen und völlig sinnfreie Fragen beantworten. Am Ende wollten sie sogar noch einen Pfand von mir haben, damit ich mein Zimmer betreten darf und endlich pennen konnte. Da ich sowieso genervt war, habe ich mit meinem bescheidenen Französisch die beiden zusammen gefaltet so gut es ging. Ich wollte einfach nur noch in's Bett und hatte keinen Bock auf dieses Rumgezeter.

Gepennt habe ich ganz okay, auch wenn ich - wie auch schon in den letzten Tagen - mit einem ziemlichen Brummschädel wach geworden bin. Ich fühle mich derzeit einfach nicht so fit. Mir ist auch immer ein bissel übel und manchmal würde ich das Essen am liebsten gleich wieder auskotzen. Mein Verdauungsapparat macht konstant Streß, mal mehr, mal weniger. Heute ist es besonders unangenehm mit dem Durchfall, wäre vielleicht mal an der Zeit, mir eine Imodium einzuschmeißen, obwohl ich das Zeug eigentlich nicht so sehr mag. Aber immer noch besser, als sich auf der Fahrt in die feinen Motorradsachen zu kacken. Oder ich könnte natürlich auch meinen Nierengurt zur Windel umfunktionieren. Hmmm...

Mittlerweile bin ich fast sechs Wochen unterwegs, zehn Länder, elftausend Kilometer. Ich schätze mal, es sind erste Zeichen der Erschöpfung, die sich da abzeichnen, im Kopf sowieso, jetzt aber auch körperlich. Aber mein Plan ist klar, ich will mich jetzt noch durch Niger und Nigeria schlagen, damit ich relativ rasch in Nordkamerun ankomme. Für heute steht erst mal Niamey - Dosso - Dogondoutchi - Birnin-Konni - Maradi auf dem Programm. Dann entscheide ich, ob ich in Maradi (Niger) übernachte oder sogar schon rüber nach Nigeria fahre und in Katsina oder sogar Kano ein Hotel suche. Über Katsina, Kano und Maidaguri geht's dann durch Nigeria, bis ich bei Bama/Mora nach Kamerun rüber fahre.  Dort erreiche ich dann erstmal den östlichsten Punkt während der Hinreise und das Problem mit der immer schneller untergehende Sonne erledigt sich erstmal. Dann runter Richtung Süden nach Yaoundé oder Doula; dabei gibt's wahrscheinlich das Problem mit der Regenzeit und die 270 Kilometer Dirt Road, von der mir schon oft berichtet wurde.

Und DANN: hole ich meine Süße ab!!!! Es sieht jetzt alles danach aus, als würde sie es tatsächlich schaffen, runter nach Kamerun und Gabun kommen zu können. Der Urlaub ist eingereicht, die Flieger sollten auch klappen, die Kohle kriegen wir schon irgendwie zusammen. Und heute ist Nina sogar in Berlin, um die Visa für Kamerun und Gabun per Express zu bekommen. Sind leider die beiden teuersten Visa in Afrika (von den Ländern, die ich bereise) und es kommen 240 Ois nur für die Visa zusammen. Ganz schön pervers, zumal sie wahrscheinlich 'nur' zwei Wochen oder weniger bleiben kann. Aber ich freu mich wie Sau, ich vermisse dich, mein Schatz, und ich kann's kaum erwarten, dich wieder in den Armen zu halten. Das ist auf jeden Fall Motivation genug für den Weg bis Südkamerun.


So, den nächsten Motivationsdämpfer gibt's aber auch gleich. Habe gerade gesehen, dass ich einen Platten habe am Hinterreifen. Damn. Hatte gestern schon zwischendurch mal angehalten, weil ich so ein komisches Gefühl hatte auf der Straße im Grenzgebiet. Irgendwie hat es sich so eierig angefühlt. Es ist aber auch oft schwer zu unterscheiden, ob es jetzt am Reifen oder an der etwas unebenen Straße liegt. Hab es dann auf die Straße geschoben, offenbar war's aber doch der Reifen. Hmm, muss ich mir jetzt mal anschauen, ob ich ihn flicken muss... Hoffentlich verliere ich da nicht zu viel Zeit mit, aber das muß ich mir jetzt natürlich mal anschauen. Hab auch schon überlegt, vor Kamerun meine TKC80 drauf zu tun. Wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt, wenn ich sie denn überhaupt mal verwenden will. Ab Namibia und dann später auf der Rückroute im Osten Afrikas werde ich sie wohl ziemlich sicher nicht mehr benötigen. Da gibt's nur noch Teerstraßen. Aber jetzt, in Kamerun, Gabun, Angola, warten noch einige Highlights der Straßenbaukunst auf mich. Hmm, ei ei ei, grübel, grübel.

Der reparierte Helm hat auch nicht so 100% gehalten. Eine der (geklebten) Schrauben hat sich inzwischen wieder verabschiedet. Es sind schon ganz schöne Kräfte, die durch den Wind auf das Schutzschild ausgeübt werden. Vielleicht reicht es, wenn ich das Teil mit Gaffer-Tape so richtig schön festklebe. Ich habe das Gefühl, je öfter ich, dort versuche, eine weitere Schraube reinzudrehen, desto mehr eiert das Ding aus und ich beschädige meinen (ziemlich teuren) Shoei Hornet um so mehr...

Mittwoch, 5. Mai 2010

The Sound of Afrique - Manowar

Früher fand ich die Herren von Manowar ja einfach nur peinlich. Vor allem Bassist, Band Leader und Front Poser Joey DeMaio mit Latex-Strapsen und bitterböser Miene ist ja auch einfach zu köstlich.

Im Laufe der Jahre und im Rahmen einer grenzenlosen Toleranzoffensive habe ich aber auch Manowar zu schätzen gelernt. Haben ja auch ein paar sehr geile Songs die True Metaller, gel?

Mein Lieblingssong stammt vom 92er Album "Triumph of Steel" und schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Buffy's "Bury my Heart at Wounded Knee" von gestern.

Indianer? - Find ick jut!


Manowar - Spirit Horse of the Cherokee


The trail of tears began for all the Cherokee
The white men came to trade & borrow but then they would not leave
Some of us were taken by boat, and died at sea
Those of us who lived were sold to slavery

We welcomed them as brothers knowing nothing of their greed
Born hunters not the hunted as the white man hunts for me
We are descendants of the animals we live among the free
Our trail of tears would end one day at Wounded Knee.

Great Spirit, thunder birds fly, we are wild and free
To fight and die by the open sky, Spirit Horse ride for me

When we do the Ghost Dance, the buffalo will return
Paint ourselves for war, now blood and fire burn
Great Spirit makes us strong, take us to the sky
The Cherokee are brave, we are not afraid to die

Great Spirit, thunder birds fly, we are wild and free
To fight and die by the open sky, Spirit Horse ride for me

Red Cloud, Black Hawk, Sitting Bull, Crazy Horse, Geronimo
Strong and brave warriors to the grave
There has been much killing there will be much more
The Medicine Man is dancing he's calling us to war,
Hatchets sing with pride let the white men die

Great Spirit, thunder birds fly, we are wild and free
To fight and die by the open sky, Spirit Horse ride for me

Tag 38 - OK Inn, ich hab dir jerne

Ich war ja wirklich artig und bin zeitig aufgestanden heute, trotzdem ich gestern noch ziemlich lange wach war und mir noch 'n schönes Filmchen reingezogen habe. Die Arbeiten am Mopped sind dann auch ganz gut voran gegangen. Zusammen mit meinem persönlichen Leib-Mechaniker haben wir das Windschutzschild wieder ordentlich ranbekommen, was eine ganz schön mühsame Frickelei war. Echt ein Blödsinn gewesen, das Ding gestern abzuschrauben. Das habe ich mittlerweile ja auch begriffen, dass die Wartungsarbeiten an der Gummikuh in der Regel absolut simpel von der Hand gehen. Wenn man was Kompliziertes macht, macht man meistens das Falsche. Na ja, egal, das Ding ist wieder dran, und wir konnten sogar das Abblendlicht wieder zu funzen bringen. Bin nur noch nicht so 100% überzeugt, dass die beiden Kabel so ganz ohne Stecker auch wirklich auf den Kontakten der Glühbirne halten. Vielleicht sollte ich sie wenigstens zusätzlich voneinander isolieren, damit da nicht ein großes Kawumms passiert, wenn sie doch abgehen und aneinander geraten sollten. Kann da was Schlimmes passieren (Kurzschluß oder so)??

Der Helm ist auch wieder in Schuss. Hab das Teil heute morgen beim 'Room Service' im Hotel abgegeben, und mittlerweile sind drei passende Schrauben für den Sonnenschutz dran. Formidabel, damit kann ich wieder weiter fahren ;-) Bleibt eigentlich nur noch das Thema Nebelscheinwerfer offen. Mir war's vorhin schon wieder zu heiß (und auch schwül, damn!) draußen, und ich hab mich lieber verzogen nach drinnen, wo es schön aus der Air Con windet. Ich merk schon wieder, wie ich hier in diesem Laden verweichliche, aber ich hab mich heute einfach nicht gut genug gefühlt, um loszuschießen nach Niger. Das mach in dann morgen, versprochen! Am Nachmittag check ich nochmal, was mit den Nebelscheinwerfern los ist.

Ansonsten steht heute noch mal eine Intensiv-Einheit Chillen am Pool, Faulenzen im Bett, vielleicht mal 'nen Film gucken und ein paar Sachen im Internet checken (Mails und Finanzen) an. Werd' mich auch nochmal ein bissel in die Materie bzgl. Niger und Nigeria einlesen, aber nach allem, was ich bislang gehört habe, ist die Strecke, die ich vorhabe, sehr okay und sicher. Im Norden Nigers gibt's wohl etwas Streß mit den Touaregs. Auf dem Wüstenschiff-Forum habe ich gelesen, dass es auch in Mali derzeit Unruhen bei den Touaregs gibt; wir hatten mit den Schweizern in Sévaré auf der Straße ja auch ein Militärfahrzeug gesehen. Normalerweise absolut kein gutes Zeichen; vielleicht war das auch auf dem Weg in den Norden... 

Übrigens, ich habe das Gefühl, dass man in Afrika mit dem eigenen Fahrzeug auch als völliger technischer Vollidiot (wie ich, he he) ganz gut über die Runden kommt. Es reicht oft schon, mit wehleidiger Miene auf ein bestimmtes Fahrzeugteil zu deuten, und schwupps, eilen die eifrigen Helfer schon herbei und schrauben als gäbe es kein Morgen mehr. Auch heute habe ich eher das Qualitätsmanagement bei der Mopped-Reparatur übernommen als selber geschraubt. Hab mich dann mit meiner Kippe in den Schatten gesetzt, während mein armer Kumpel die Friemelei an den unzugänglichen Schrauben durchzog. Er machte bislang nicht den Eindruck, dasss er sich mit dieser Hilfe Kohle dazu verdienen möchte. Es scheint mir eher so zu sein, dass er ziemlich begeistert von der Maschine und froh ist, daran mitschrauben zu dürfen. Ich glaube, er gehört auch zur Security vom Hotel. Ist auch ein lustiger Haufen. Die sitzen immer zu viert oder fünft vor dem Eingang im Schatten und machen Lagebesprechung. Soviel gibt's ja leider auch nicht zu bewachen, und ich schätze, dass der Job auf Dauer etwas langweilig wird. Neben meinem Mopped habe ich dann heute morgen auch 'ne leere Whiskyflasche gefunden. Man muss sich ja auch in solchen harten Nächten irgendwie bei Lanue halten, gel?

The Sound of Afrique - Buffy Sainte Marie

Also, ich finde ja, es gibt eine Menge Gemeinsamkeiten zwischen den Native People in Nordamerika und Afrika und auch im Rest der Welt, wo immer einheimische vermeintlich 'rückständige' Kulturen auf die zumeist weißen 'fortschrittlichen' Inquistadoren getroffen sind. Den Natives ging es dabei zumeist ziemlich übel an den Kragen und die Begegnungen der Kulturen endeten oft in Katastrophen oder gar Massakern. Aber was zum Henker ist so schwierig daran? Leben und leben lassen!

Buffy Sainte-Marie sagte mir bis vor kurzem überhaupt nix. War aber 'ne Bildungslücke. Auf Radio Eins gab's Anfang des Jahres mal ein ziemlich cooles Special über Mucke in Amerika mit indianischen Einflüssen, und dabei wurde sie gefeatured. Sie stammt aus dem Cree-Reservat in Kanada und hat wohl eine Menge Scheiße erlebt dort. In den 60ern und 70ern war sie dann mittendrin in der Protestbewegung und hat dort politisch für die Sache der amerikanischen Ureinwohner ordentlich Gas gegeben. Bin dann auch gleich in's Konzert in's Astra Kulturhaus und war echt geflashed. Geile Mucke, charismatische Frau. Einfach cool...


Buffy Sainte Marie - Bury my Heart at Wounded Knee

Indian legislations on the desk of a do-right Congressman
Now, he don't know much about the issue
So he picks up the phone and he asks advice from the
Senator out in Indian country
A darling of the energy companies who are
Ripping off what's left of the reservations. Huh.

I learned a safety rule
I don't know who to thank
Don't stand between the reservation
And the corporate bank
They'll send in federal tanks
It isn't nice but it's reality

Bury my heart at Wounded Knee
Deep in the Earth
Cover me with pretty lies
Bury my heart at Wounded Knee. Huh.

They got these energy companies who want the land
And they've got churches by the dozens
Want to guide our hands
And sign Mother Earth over to pollution, war and greed
Get rich... get rich quick.

Bury my heart at Wounded Knee
Deep in the Earth
Cover me with pretty lies
Bury my heart at Wounded Knee. Huh.

We get the federal marshals
We get the covert spies
We get the liars by the fire
And we get the FBIs
They lie in court and get nailed
And still Peltier goes off to jail


Bury my heart at Wounded Knee (eighth of the reservation)
Bury my heart at Wounded Knee (transferred it secret)
Bury my heart at Wounded Knee (of murder and intimidation)
Bury my heart at Wounded Knee

My girlfriend Annie Mae talked about uranium
Her head was filled with bullets and her body dumped
The FBI cut off her hands and told us she'd died of exposure
Loo loo loo loo loo

Bury my heart at Wounded Knee
Deep in the Earth
Cover me with pretty lies
Bury my heart at Wounded Knee
Bury my heart at Wounded Knee
Bury my heart at Wounded Knee
Bury my heart at Wounded Knee
Bury my heart at Wounded Knee

We had the Goldrush Wars
Aw, didn't we learn to crawl
And now our history gets written in a liar's scrawl
They tell 'ya "Honey, you can still be an Indian
d-d-down at the 'Y'
on Saturday nights"

Bury my heart at Wounded Knee
Deep in the Earth
Cover me with pretty lies
Bury my heart at Wounded Knee.
Deep in the Earth
Cover me with pretty lies
Bury my heart at Wounded Knee
Bury my heart at Wounded Knee

Bleib'n ma noch 'ne Nacht? - OK

Also es lässt sich durchaus aushalten in diesem Laden hier. Ich habe immer noch nicht gefragt, was das Zimmer eigentlich pro Nacht kostet. Bislang habe ich ja auch nur 1000 CFAs (also knapp eins fuffzig in Euronen) für 'ne Packung Marlboros ausgegeben. Der Rest wird immer schön auf die Gesamtrechnung getan. Einfach härrlich unbeschwert so ein Leben. Dazu bläst mir den ganzen Tag die Klimaanlage umme Ohren, so dass auch kein Perlchen Schweiß meinen geplagten Körper bedeckt. Korrekt, korrekt, jefällt ma, jeht ab!

So richtig viel gelaufen ist heute natürlich nicht. Ok, ich hab's geschafft meine Wäsche zu waschen. Bravo! Mit dem Mopped habe ich leider etwas zu spät angefangen. Ich dachte, wenn ich so in die Dämmerung reinkomme mit meinen kleinen Reparaturarbeiten, dann passt das schon, wollte schließlich auch die Beleuchtung neu justieren und so weiter. Na ja, auf einmal war's gleich mal stockfinster und ich konnte gerade noch so die Schrauben zusammen lesen, inne große Tüte packen und die Frickelei auf morgen vormittag vertagen. Die janze LAMPF-Geschichte hat sich aber erst mal halbwegs geklärt. Nicht die Birnen waren das Problem - auch die allererste, die ich in Bayern rausgenommen hatte, funktioniert noch tadellos. Stattdessen hatte der Kabelstecker für die Glühbirne des Abblendlichts mächtig gelitten. Es sieht so aus als hätte eines der beiden Kabel ein Stück Isolierung verloren und dann eine Menge Hitze produziert. Dadurch ist der Plastik-Stecker ziemlich auseinander gebröselt und womöglich waren die Kontakte nicht mehr 100% intakt. Deshalb LAMPF, grumpf! Leider konnte ich aufgrund der verkanteten Plastikkrümel die Birne aus der Halterung nur mit einer Portion Gewalt rausbefördern, wobei etwas von der Halterung absplitterte und die Haltefeder in hohem Bogen davon sprang. Beim Versuch, Glühbirne, Kabelkontakte und Halterung wieder zusammen zu friemeln, habe ich blöderweise von meinem Kollegen, einem hilfsbereiten Typen der Hotel Security, der mir unbedingt helfen wollte und endlich mal die Schweinerei unter der Sitzbank beseitigt hat (was sich da im Laufe der letzten 10000 Kilometer für Dreck angesammelt hat - unglaublich....), bequatschen lassen, die Windschutzscheibe abzubauen, damit wir besser an die Beleuchtung kommen und den ganzen Kram zusammen zu kriegen. Ist natürlich Blödsinn, das muss so funktionieren, ohne von vorne ran zu gehen, aber die Sonne setzte mir ganz schön zu und nach weniger als einer halben Stunde war ich schon total schweißgebadet. Echt übel, wie einen so eine Klimaanlage 'versaut'. Na ja, nachdem ich die Windschutzscheibe ab hatte, konnte ich auch schon aufgrund der Dunkelheit einpacken. Wird eine schöne Sache morgen, das Ding wieder ran zu bekommen, waren einige unzugängliche Schrauben für zu lösen...

Die Nebelscheinwerfer werde ich mir bei der Gelegenheit auch vornehmen. Kann eigentlich nichts schlimmes sein, vielleicht ein Kontakt lose oder schlimmstenfalls (beide?) Birnen durch. Schau'n mer mal. Meinem Helm geht's mittlerweile auch wieder besser, wenngleich noch nicht von einer vollständigen Gesundung des Patienten geredet werden kann. Zumindest habe ich die abgebrochenen Schrauben aus den Gewinden bekommen. Hatte es erst mit einer Powerkleber-Mischung versucht, aber rohe Gewalt (mittels eines Cutter-Messers und Schraubenziehers) waren erfolgversprechender. Well, hab dann auch festgestellt, dass die erste Schraube, von der ich am Montag in Ouahigouya noch geglaubt hatte, ich hätte sie verloren, ebenfalls abgebrochen war. Toll, das ist dann schon etwas ärgerlich an diesem ansonsten echt tollen Shoei Hornet Helm. Diese Plastikschrauben waren dann ja mal der letzte Scheiß; die Köpfe der Schrauben hat's dahin gebröselt wie vergammelten Parmesan. Sollte so eigentlich nicht passieren... Prima Ballerina. Holy Macceroni.  

Last but not least habe ich mir noch das kleine Soundsystem inside my head (bzw. innerhalb meines Helmes) vorgenommen. Wie vermutet, sind die Kabel schon einigermaßen mitgenommen und übertragen nur noch in einem ganz speziellen Krümmungswickel das Signal in der begehrten Stereo-Qualität. Vielleicht finde ich unterwegs noch jemanden, der mir das Kabel reparieren kann; einen neuen In-Helm Kopfhörer werde ich ja wohl nicht finden hier unten. Für's erste habe ich erstmal mit Gaffer-Tape versucht, das Kabel und auch die Kopfhörer selbst einigermaßen vernünftig zu fixieren. Mal sehen, ob das hält.

Okay, es gibt also morgen doch noch einiges zu tun, bevor es losgeht nach Niger. Den anstehenden Ölwechsel beim Mopped habe ich mir so ungefähr für Nigeria vorgenommen. Da sollte es Öl ohne Ende geben, aber wer weiß, wie sich der Streß der letzten Monate dort auf die Versorgungssituation ausgewirkt hat...

Es könnte also auch passieren, dass ich noch einen weiteren Tag hier in Quaga 'festsitze' und mich bei WiFi, Pool und Air Con herum quälen muss. Verdammt, die Welt ist zum Kotzen! Bei der Gelegenheit könnte ich mir eigentlich auch mal was von der Stadt ansehen, bislang habe ich meinen Arsch keine 50 Meter vor die Hoteltür bewegt. Aber man kann ja auch im Hotel wunderbar die Zeit rum bringen. Die Webcam-Session mit Nina eben war schon sehr cool, interessant, wie gut man dank der heutigen Technologie so miteinander kommunizieren kann ;-) Außerdem werd' ich mir wohl mal wieder 'nen schicken Film reinziehen; schließlich ist die ganze Festplatte voll und ich will ja mal 'fleissig' was abarbeiten...

Ach ja, mir sind noch ein paar Sachen vom Wochenende eingefallen, die ich ja nochmal nachschieben muss. Also, ich hab ja am Samstag die 10000 vollgemacht, also ich meine die Kilometer, nicht die Anzahl der getöteten Insekten, das dürften ein paar mehr sein mittlerweile... War auf der Strecke von Ségou nach Sévaré und ich habe anlässlich dieses feierlichen Moments natürlich erst mal eine Raucherpause eingelegt. Dabei habe ich mich dann gefragt, was hier eigentlich so toll oder besonderes dran sein soll. Immer diese Jubiläen. Der zehnmillionste Arbeitslose, die fünfzehnte Ablehnung der Bewerbung, die tausendste torlose Minute, die viermilliardenste Folge GZSZ... Ist doch alles Mumpitz und verändert gar nix. Ich habe aber mal meine Prognose für die Gesamtkilometerzahl auf dem Trip auf 40000 nach oben korrigiert. Ich glaube, dass ich damit hinkommen kann, weniger werden's aber wohl nicht werden, wenn ich die komplette Strecke zurück durch den Osten Afrikas auch noch mache.

Eine neue Herausforderung beim Motorradfahren hat sich übrigens auch noch ergeben. Mittlerweile fahre ich quasi einarmig. Abwechselnd der linke oder der rechte müssen immer herhalten zum Winken. Es ist echt verrückt, aber wahnsinnig viele 'normale' Leute auf der Straße, vor allem in dörflichen Gegenden (und Kinder sowieso), winken wie selbstverständlich, wenn ich an ihnen vorüber düse. Entweder verliere ich irgendwann die Lust, zurück zu winken, oder die Reaktionen der Bevölkerung ändern sich von alleine. Aber momentan bemühe ich mich noch, höflich zurück zu grüßen/winken. Hoffentlich gewöhne ich mich nicht zu sehr daran und werde nach meiner Rückkehr nach Deutschland nicht sauer sein, wenn ich bei einer Fahrt durch den Prenzlberg nicht wie ein Popstar begrüßt werde...


Ein erstes Hitzeopfer gibt es auch zu vermelden. Meine geliebte Paperdose, deren Lack ja schon vor zig Jahren abgeblättert war, verträgt offenbar den vielen Schweiß nicht, der sich bis an die Innentaschen meiner Motorradklamotten voran arbeitet. Das Ding ist inzwischen schon ordentlich angerostet (sic!) und guter/schneller Rat ist teuer, wie ich mein Schmuckstück vor dem Siechtum und sicherem Verfall beschützen kann. Help!


Von meinen Reise-Kollegen habe ich mittlerweile das ein oder andere Feedback bekommen. Didi ist mittlerweile in Tan-Tan angekommen und fährt wohl weiter runter die Route Richtung Senegal, die ich auch genommen habe. Aber bei ihm weiß man ja nie, vielleicht wählt er ja auch die kürzeste Route Luftlinie über Stock und Stein. Moso ist derweil mit dem LT wieder Richtung Heimat unterwegs.

Die beiden Deutschen, die ich vor Dakhla getroffen hatte, Marco und Dirk haben ihr Projekt Benin abgeschlossen und sind wieder daheim inner Heimat. Offenbar sind sie auch ganz froh drüber, wieder zu Hause zu sein und die Reiserei hinter sich zu haben. 

Und auch die Hamburger, die ich vor Beni-Mellal in Marokko getroffen hatte, haben sich jemeldet. Ebenfalls mehr oder weniger heil in Deutschland angekommen. Es gab zwar noch einen kleineren Abflug, der ist aber recht glimpflich abgelaufen. Vielleicht sehen wir uns back in good old Germany? Wäre cool!

Dienstag, 4. Mai 2010

The Sound of Afrique - Burli-Polonäse

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, verehrtes Publikum!

An Geburtstagen darf man ja wohl auch mal zwei Songs, oder? Ich hab' da auch ein paar janz besonders tolle Schmankerl aus den besten Tagen der deutschen Hitparade mit unser aller Idol Dieter-Thomas Heck am Start.


Hätte mir ja gestern so gewünscht, eine richtig fetzige Party im Hotel abzuziehen mit allem was so dazu gehört. Die Referenz in solchen Angelegenheiten kann da nur Gottlieb Wendehals' legendärer Polonäse-Song aus dem Anfang der 80er sein. Das war noch wahre deutsche Hochkultur, das ging ab wie Schmidt's Katze. Man achte auf das nahezu frenetische Publikum, das beinahe alle Hemmungen sausen lässt. Woahnsinn!

Gottlieb Wendehals - Polonäse Blankenese

Die Kellner hamm jetzt Pause,
wir rollen das Buffet von hinten auf;
die Post geht ab, wir mach'’n jetzt ’ne Sause;
der Bier ist los, heut’ wackelt hier DIE WAND!!
Los, Vater kommt in die Sock'’n,
und Mutter schlurft in ihre roten Pamps.
Hier geht was los, da bleibt kein Auge trocken,
Klaus-Dieter, setz’'n Halben ab:
JETZT KOMMT’S!

Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse,
denn nun geht sie los, uns’re Polonäse
von Blankenese bis hinter Wuppertal.
Wir ziehen los mit ganz großen Schritten,
und Erwin faßt de Heidi
von hinten an die …Schulter,
das hebt die Stimmung,
ja da kommt Freude auf.
(Los, Oma: hak ein!)

Das Orchester auf der Bühne packt der Wahnsinn;
der Pianist reißt alle Tasten ’raus;
die Tuba bläßt den Trommler, das tut weh, weh;
der Dirigent weint eins und schreit: »LICHT AUS!«
Unten tobt das Volk bereits im Laufschritt,
die Bänke fliegen tief, die Tische auch;
der Wirt schmeißt sich schützend
über'’m Aufschnitt; das Chaos tobt —
WIR AUCH!
Der ganze Saal soll heute abend brodeln,
laßt jucken, Jungs, die Nacht ist viel zu kurz!
Bis morgen früh soll hier die Elke jodeln —
was danach kommt, ist uns jetzt ganz schnurz.

Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse,
denn nun geht sie los, uns’re Polonäse
von Blankenese bis hinter Wuppertal.
Wir ziehen los mit ganz großen Schritten,
und Erwin faßt de Heidi
von hinten an die Schulter,
das hebt die Stimmung,
ja da kommt Freude auf.
(Los, Oma: hak ein!)



Nicht schlecht, gel?

Und dann das hier. Dieser EAV-Song hat ja einiges an Kontroversen in Deutschland ausgelöst und ist später sogar noch auf dem Index gelandet. Too much für das Ohr des deutschen Ottonormalverbrauchers, dieses Zeugs mit diesem Burli da... Wusste nicht, dass EAV mit dem Ding auch in der Hitparade aufgetreten war. Und was für ein Auftritt!!! Auch hier ist das Publikum natürlich der absolute Hammer. Raffen wahrscheinlich gar nix und klatschen trotzdem brav im Refrain mit. Man, wie ich die Hitparade vermisse. Das war doch viel geiler als diese DSDS-Scheiße mit Didi Bohlen. Damals konnte man sich wenigstens noch niveauvoll amüsieren, heute kann man bloß noch mitleidig zur Fernbedienung greifen und zu Sponge Bob umschalten...

Erste Allgemeine Verunsicherung - Burli

herr anton hat ein häuschen
mit einem gartenzwerg
und davor-
da steht ein kernkraftwerk
da gab es eines tages ein kleine haverie
die tomaten warn
so groß wie nie
und auch der sellerie
und seine frau die resi
die nix versteht vom cäsium
und vom plutonium,
die hauts vor glück
mitsamt dem toni um
wie dem auch sei
alles geht vorbei
die zeit heilt alles wunden
und im mai da ward
ein sohn entbunden
als er das licht der welt erblickt
der anton junior
kommt er allen sehr verdächtig vor
bedenklich find der oberarzt
dass er net schreit und auch nicht pforzt
die hebamm' sagt, dass weiß i' gwiss,
dass der bua was ganz was b'sonders is'!
burli, burli, burli
mein gott
is unser burli süß
der burli hat links und rechts drei ohrli
am kopf hat er ein schwammerl 12 zehen auf die füß
mein gott
is unser burli süß
mein gott,
is' er ni't süß
es geht die zeit
der burli nicht
er steht nur still am schammerl
mit sei´m wasserkopf
und spielt sich mit sei´m schwammerl
am abend nimmt die frau mama
ihren mutanten-wastl
und stellt ihn
beim bett dort auf des kastl
das geld wird immer knapper
doch es frohlock der papa
weil er den halben strom
nur zahlt, seit der bub
als nachttischlamperl strahlt
burli, burli,....
an jeder hand 10 finger
und hände hat er vier,
keiner spielt so schnell klavier
heute zählt der burli 30 lenze oder mehr
eine frau zu finden
das ist schwer
doch des nachbars tochter
die amalia
die gleicht dem burli
fast aufs haar
auch sie hat einiges zuviel
als andenken an tschernobyl
auf geht es zum traualtar
meiner seel
ein schönes paar
burli, burli, burli
mein gott
is unser burli süß
der burli hat ganz rote ohrli
und mehr noch als die eltern feut sich die amalia
weil ihr burli der hat zwa, daei, eins, zwa, drei, vier
burli, burli,...