Dienstag, 27. April 2010

The Sound of Afrique - Die Welt steht still

Well, faul, faul, faul. So fühl ick ma. Muss mal wieder meinen Arsch hoch kriegen, schließlich is noch 'ne Ecke zu fahren, gel?



Jan Delay - Die Welt Steht Still

Das ist Jan Delay zusammen mit Sam Ragga
Und die Welt steht still
Und die Welt steht still
Da heute einer dieser Tage ist
wo man zu gar nichts in der Lage ist
Man will nicht aufstehen, aber man muss pissen
Man will nicht rausgehen, aber man braucht Kippen
Das Büro wird ins Bett verlegt
Der Alltag wird in Blättchen gedreht
Alles aufgehoben, alles aufgeschoben
Ich sag: Drauf geschissen
Später drauf ist`s verboten
Die Welt steht still, sie steht still
Die Welt steht still, sie steht still
Denn die Welt steht still, sie steht still
Und die Welt steht still
Aber du kannst dich nicht immer verlassen auf morgen
Denn kriegst du Spinnenweben an den Beinen,
dann mach dir Sorgen
Wenn du Schweißausbrüche und Gänsehaut kriegst
sobald du nur einmal kurz aus dem Fenster raussiehst
Ich sag dir: Dann steht die Welt bald still für dich
Aber auf ewig und immer
Sie finden dich nach Monaten
vermodert und verwesen im Zimmer
aufm Bett zwischen Jointstummeln und Pizzaresten und Erbrochenem
Die Nachbarn, sie riefen die Bullen, es hatte so komisch gerochen, denn
Deine Welt stand still
Deine Welt stand still, sie stand still
Deine Welt stand still, sie stand still
Deine Welt stand still
Aber du kannst dich nicht immer verlassen auf morgen
Denn kriegst du Spinnenweben an den Beinen,
dann mach dir Sorgen
Ich sag: Aber du kannst dich nicht immer verlassen auf morgen
Denn kriegst du Spinnenweben an den Beinen,
dann mach dir Sorgen, mach dir Sorgen
Denn die Welt steht still (so niemand bewegt sich)
Ja die Welt steht still (und die Welt denkt, sie lebt nicht)
Ja die Welt steht still (und die Zeit vergeht nicht)
Denn die Welt steht still

Tag 28 – Sumpfgefahr in der Zebrabar

Weiß jetzt gar nicht, wie viele faule, verschlafene Tage es in der Zebrabar waren, wahrscheinlich vier (oder doch fünf?). Ist ja auch wurscht. Auf jeden Fall ist es eine coole Location zum Abhängen und fast jeder Overlander, auf dem Weg von oder nach Mauretanien kommt hier vorbei, um ein wenig zu chillen. Es scheint auch so, als kenne jeder Individualreisende diese Bar, von Marokko bis Südafrika. Da haben sich die beiden Schweizer, die den Laden hier seit ca. 15 Jahren betreiben, Martin und Ursula, eine ganz ordentliche Reputation aufgebaut im Laufe der Jahre. Scheint sowieso so eine Art Erfolgsrezept zu sein in Afrika. Wann immer eine Herberge oder ein Hostel von Europäern betrieben wird, läuft's bestens. Der Staff rekrutiert sich natürlich aus Einheimischen, die Europäer organisieren das ganze lediglich. Martin, der Schweizer, ist irgendwie ein interessanter Typ. Am Anfang dachte ich nur, au Backe, was für ein Freak. Ist immer mit einer Quetschkommode bewaffnet über das Gelände stolziert und hat mit todernster Miene irgendwelche Alpen-Sounds in die doch so schöne Gegend geschmettert. Okay. Hab dann aber noch erfahren, dass er seit ca. zwanzig Jahren in Afrika unterwegs ist. Angefangen hat er damit, Autos von Europa über die Sahara nach Mali etc. zu überführen und sich so sein Taschengeld aufzubessern. Musste bzw. muss wohl immer noch sehr lukrativ sein angesichts der exorbitanten Einführzölle. Na ja, und irgendwann hat er sich die Location hier ausgeguckt und die Bar aufgebaut. Scheint ganz zufrieden mit seiner Familie hier zu leben. Uschi (seine Frau) jedoch scheint’s auch mal wieder nach Europa zu ziehen… Obwohl es insgesamt ganz ordentlich läuft, ist der Besuch in den letzten Jahren eher rückläufig. Viele Overlanders zögern ein bisschen, durch Mauretanien zu fahren. Das Land hat in den letzten Jahren eben nicht so viele positive Schlagzeilen produziert. Selbst die Rally Dakar findet ja nicht mehr hier statt, sondern in Südamerika, was ich dann aber mal ganz schön verwirrend finde...

Ist ja auch schön hier, wenngleich nicht der günstigste Ort ‚to be‘. Es gibt zwar auch einige französischer Urlauber, die hier her kommen – teilweise wohnen sie aber irgendwo hier in der Nähe, im Senegal, in Mali etc. – aber der Schwerpunkt liegt auf jeden Fall auf Individualreisenden, die mit ihren Jeeps oder Moppeds eine Erholungseinheit einlegen. Da gibt’s dann natürlich eine Menge zu erzählen und auszutauschen. Abends sitzt man dann nett zusammen an einer großen Tafel zum Futtern und so kommt man sehr gut in Kontakt mit allen, die da sind. Dementsprechend gut gefüttert mit neuen Infos verlasse ich auch die Zebrabar.



Auf dem Gelände der Zebrabar gibt’s ne ganze coole Aussichtsplattform, auf die man rauf klettern und sich dann den ganzen Spaß mal von oben anschauen kann. Nach reiflicher Überlegung habe ich den Aufstieg dann mal am zweiten oder dritten Tag gewagt und war begeistert. Schön hier!





Das Gelände ist liebevoll hergerichtet und, na ja, lädt einfach mal zum Faulsein ein. Hat mich vom Konzept her ziemlich an die Green Turtle Lodge in Ghana, Busua/Dixcove, erinnert, wo wir im Februar mit Nina so richtig schön ‚hängen geblieben‘ sind. Von solch einem Ort möchte man einfach nicht mehr so gerne weg.





Ein paar Tierchen zum Knuddeln gibt’s auch noch, als da wären: „Miez the Mauz“, zur Abwechslung mal eine ganz gepflegte Miezekatze in Afrika mit einer Lebenserwartung, die wohl mal über zwei Jahre liegt. Dann noch zwei putzige Schnuffis. Und natürlich Fury, das Pferdchen. Da muss man immer mal aufpassen, wenn man noch etwas verpennt aus seiner Butze kriecht, um zum Klo zu gehen. Fury-lein legt gerne mal auf dem Gelände einen kurzen Zwischensprint ein und dann sollte man lieber nicht im Weg stehen… Meinen Annäherungsversuchen gegenüber war das Pferdchen etwas skeptisch eingestellt. Ich hab’s nicht geschafft, es mal zu streicheln. Wahrscheinlich hätte ich besser nicht ‚laut denken‘ sollen, dass ich mich mal auf seinen Rücken schwinge und es als Fortbewegungsmittel zwischen meiner Butze und dem ‚Restaurant‘ auf dem Gelände benutze. Da hat es sicher Rot gesehen und den nächsten Bandscheibenvorfall vor der Tür. Und dann die ganzen nervtötenden Besuche beim Tier-Orthopäden. Lieber nicht. Ich glaube, auf den Rücken des Pferdchens durften sowieso nur ausgesuchte Kinners, keine 120 Kilo Berserker von meinem Kaliber. Schade.

Meine ‚Spezis‘ in den letzten Tagen waren vor allem Sam und Simon, die beiden Engländer, die ich schon in Nouakchott kennengelernt hatte und die einen längeren ‚Stay‘ in der Zebrabar eingelegt haben. Sie wollen ein paar Sachen an ihrem Jeep fixen, auch einen ‚offiziellen‘ Service in der Toyota-Werkstatt in St. Louis machen, und nach einer Weile hatten sie auch das notwendige Ersatzteil für ihren Fensterheber gefunden bzw. mit ein bisschen nachfeilen ‚passend‘ gemacht. Martin, der Schweizer der die Zebrabar betreibt, hat Simon einen entsprechenden Mechaniker besorgt, der ihm bei dieser Anpassung behilflich ist. Ich glaube, sie wollen am Dienstag oder Mittwoch aufbrechen. Allerdings werden sich unsere Routen wohl nicht mehr kreuzen, da sie eine ganze Weile in Westafrika zubringen wollen und wahrscheinlich erst im Juni oder so in Ghana sein wollen.




Ich war mit den beiden auch mal in St. Louis, was futtern. Und danach hat uns ein ziemlich zugedröhnter Senegalese irgendwie bequatscht, mit ihm zu einem ‚Konzert‘ zu gehen. Wir waren ziemlich skeptisch, sind dann aber doch hinterher getrottet. Nach einer Weile waren wir dann beim Konzert. Fünf Trommler, drei Besucher (ich, Sam und Simon). Well. Die Jungs gaben sich Mühe, aber trotzdem war’s natürlich ne etwas peinliche Angelegenheit. Nach einem Drink und ner guten halben Stunde kamen dann noch zwei weitere ‚irre geleitete (?)‘ Weißhäute des Weges und wir konnten wieder das Feld räumen. War gar nicht so leicht, unseren ‚Berater‘, den bekifften Senegalesen, wieder los zu werden. Obwohl das Taxi zur Zebrabar mit fünf Leuten (die Ehefrau des Taxifahrers begleitete ihn auf all seinen Fahrten…) durchaus gut gefüllt war, wollte er sich auf jeden Fall auch noch irgendwie mit rein quetschen und aus welchem Grund auch immer mit uns zur Zebrabar fahren. Wahrscheinlich um mir weiter auf den Geist zu gehen. Er hatte mir, als ich mal in Ruhe eine Kippe rauchen wollte, so einen komischen Schmuck um die Hand gemacht, den ich später kaum wieder abbekommen habe. Er dachte sicher, dass er mit damit das Gefühl vermittelt hätte, ich würde ihm irgendwas schulden. Und er laberte danach ständig irgendwas von „Participation“ und „Help“ und bla bla bla. Aber da hatte ich keine Nerven für an diesem Tag.

Neben Simon und Sam – das ist der jüngere der beiden (Onkel und Neffe) , mit dem ich mir einige packende Partien Fooseball (Tischfußball) geliefert hatte – gab es natürlich noch eine Menge weiterer interessanter Leute in der Zebrabar. Der Norweger, von dem ich schon erzählt hatte, Elding heißt er übrigens, ist aber schon am Samstag oder so nach St. Louis weiter gedüst. Ihm war’s zu ruhig und abgelegen in der Zebrabar. Musste wohl noch ein paar Sachen in der Stadt erledigen.

Monika, von der ich auch schon erzählt hatte, ist ja bereits eine Weile (5 Wochen oder so) auf dem Gelände und veranstaltete Abends vor ihrer Butze immer nette Get-Together-Events mit den anderen Travellern und auch die Mitarbeiter der Zebrabar haben sich des Öfteren mal dazu gesellt. Lagerfeuer, ein paar Stühle ringsum und meistens gab’s auch anständig was zu bechern. Sehr witzig.


Gleich jeht's wieda los mit schick Feuerchen und gemeinsames Abhängen bis der Arzt kommt...

Mal schau'n, wie lange es Monika hier noch aushält inner Zebrabar. Potential, ne kleine deutsche Stachelhecke aufzuziehen, ein paar anständige Gartenzwerge aufzustellen und 'nen Bratwurschtstand aufzubauen, gibt's ja reichlich. Wäre vielleicht auch 'ne coole Maßnahme à la "fuck the system", inmitten der Zebrabar eine kleine Parallelwelt entstehen zu lassen...


Sie nutzt die Zeit, während der sie hier ‚fest hängt‘ und auf eine Mitfahrgelegenheit irgendwohin wartet, mit Trommelunterricht, Ausflügen in die Nachbardörfer, und sie ist mittlerweile auch schon ganz gut ‚in touch‘ mit den Einheimischen hier…

Ich glaub am Samstag war’s, als Kim und Tanja mit ihrem Toyota-Jeep auf dem Gelände ankamen. Die beiden kommen aus Heilbronn und sind seit drei Jahren on the road, haben natürlich auch ne schicke Webseite. Geplant war mal ein Jahr durch Afrika, aber als sie dann erst in Tanzania waren, haben sie die Dauer ihres Trips mal spontan ein wenig erweitert. Sie machen meine Tour praktisch im Uhrzeigersinn, also genau umgedreht zu meiner Route. Mittlerweile haben sie genug von Afrika und wollen in sechs Wochen  wieder daheim sein in der Heimat, wo sie ihr Heim haben… Die beiden waren sehr angenehm und entspannt, und an Monikas Lagerfeuer haben sie so einige interessante Anekdoten rausgehauen.


Witzig fand ich zum Beispiel die Geschichte vom „Dragon Man“. Das ist so ein Reiseunternehmen, welches Überlandfahrten durch Afrika in solchen riesigen Trucks anbietet. Wird in erster Linie von Engländern und Australiern genutzt. Und das müssen wohl so richtige Ballermann-Touren durch den schwarzen Kontinent sein. Party ohne Ende. Die Leute sitzen in den Trucks auf ihren Bänken und fangen schon während der Fahrt an zu saufen, dann wird ein Campingplatz gestürmt. Wenn man nicht schnell genug weglaufen kann, wird man unter dem Meer ihrer Zelte begraben. Eine regelrechte Invasion eben. Und dann geht’s los. Party bis um vier Uhr morgens, ab in den Truck zur Weiterfahrt um fünf Uhr morgens. Und das jeden Tag. Junge, Junge!
Ah well, und dann gab’s natürlich noch Raphael und seine Familie, ein echt witziger Typ, von dem ich lange nicht wusste, woher er eigentlich kommt.


Also, Raphael und seine Frau sind französische Staatsbürger, haben aber ihre Wurzeln in Afrika. Raphael in Guinea und seine Frau in Mali. Seit ca. sechs Jahren leben sie in Bamako, Mali, mit ihrer Familie und arbeiten dort als Lehrer. Sie bereisen Westafrika ziemlich intensiv, erstens um ihren eigenen Wurzeln auf die Spur zu kommen und zweitens, um ihren Kindern einen entsprechenden Bezug zu vermitteln. Langfristig wollen sie noch weiter in den Süden, auf eine französische Insel in der Nähe von Madagaskar. Hab leider den Namen vergessen, ist in der Nähe von Le Reunion. Coole Sache, Raphael spricht auch ein sehr passables Englisch und so kommen wir sehr oft ins Gespräch und ich bekomme auch von ihm eine Menge Tipps für die Weiterreise.

Ob es sich Raphael gut überlegt hat, das halbe Camp zu sich nach Hause nach Bamako einzuladen, weiß ich aber nicht. Sein Problem wird sein: wir kommen! ALLE! Na, ich bin mal gespannt...

Darüber hinaus gibt’s noch eine Reihe weiterer Traveller, mit denen ich aber nicht weiter in Kontakt gekommen bin. Strengt ja auch ein bisschen an die vielen Gespräche, auch wenn sie immer super interessant und für mich nützlich sind. Zwei ziemlich junge Kanadier sind in einem Truck unterwegs und nehmen eine ziemlich außergewöhnliche Route an der west-afrikanischen Küste entlang über Guinea, Sierra Leone, Liberia und so weiter. Wahrscheinlich auch gut möglich, wird aber von den allermeisten Leuten im Moment aufgrund der Sicherheitslage gemieden. Zwei französische Motorradfahrer verpasse ich leider. Sie sind mit ihren BMWs unterwegs und bleiben offenbar nur eine Nacht. Wäre ja mal gespannt gewesen, wo es sie hingezogen hat oder ob sie vielleicht einfach nur eine Spritztour von Dakar hierher unternommen haben. Es gibt ja wie gesagt eine Menge Franzosen, die hier einfach in der Gegend leben…

Well, fassen wir mal kurz zusammen, was wir von den Kollegen in den letzten Tagen bzgl. der weiteren Route so erfahren haben. Erkenntnis Nummer 1 ist, dass es heiß wird, sehr heiß, um genauer zu sein. Ab Mali werden die Temperaturen deutlich über 40 Grad sein. Die beiden Heilbronner sind regelrecht vor der Hitze im Osten geflohen und in einer 1200 Kilometer Gewalttour bis an die Senegalesische Küste durch geprescht. Au Mann. Raphael bezeichnete seine derzeitige Heimatstadt Bamako als „Hell’s Kitchen“, kaum auszuhalten in der jetzigen (heißesten) Phase des Jahres. Wunderbar! Außerdem gibt’s dort auch einige Sicherheitsprobleme, allerdings in erster Linie nachts. Deshalb: don’t drive at night! Es gibt sogar Carjacker, die sich auf Moppeds (allerdings die kleinen Roller der Einheimischen) konzentrieren und mit über die Straße gespannten Seilen arbeiten. Ouch! Das klingt echt übel.

Für Kayes (Hotel Khasso), Bamako (Hotel Tamana) und Quagadougou (Okay Inn) bekomme ich Tipps bzgl. guter Unterkünfte (mit WiFi und anderen Travellern vor Ort). Getrieben durch Simon setzen wir uns eine Stunde zusammen mit Kim, dem Heilbronner, hin und gehen die Route bis nach Südafrika durch. Ich lerne, dass ich in Kamerun wohl ein Stückchen durch die Regenzeit komme, diese sich aber, sobald ich südlich des Äquators bin, umkehrt und erst im November startet. D.h. Kamerun wird eine Herausforderung. Außerdem gibt es dort auf meiner Route ca. 270 Kilometer „dirt road“, die aber größtenteils ‚okay‘ ist. Well, schau’n mer mal. Ansonsten ist die Straße durch Mali, Burkina Faso und Niger wohl ganz ordentlich, allesamt geteert. In Mali, nach Bamako, habe ich die Option, in den Norden zu fahren nach Mopti. Das ist wohl eine sehr geile Gegend, hat aber den Nachteil, nicht auf meiner direkten Route Richtung Osten zu liegen und außerdem schlechtere Straßen als die ‚main route‘. Wahrscheinlich werde ich Mopti knicken, ist mir sicher sowieso zu heiß und ich will so schnell wie möglich durch diese Hitze-Hölle rauschen…

Die Bekanntschaften on the road mit anderen Individualreisenden werden sich wohl spätestens ab Quagadougou mächtig ausdünnen. Laut Kim sind die meisten Leute schon ‚durch‘ diese Gegend gefahren und bereits südlich des Äquators. Es sind danach nur noch sehr wenige Leute unterwegs und es wird einigermaßen schwierig werden, Konvois zu bilden. Schade, denn gerade für die Strecken durch Niger, Nigeria und Kamerun würde ich liebend gerne mit ein paar Leuten gemeinsam fahren. Aber mal sehen, vielleicht ergibt sich etwas. Kim meinte auch, dass er ziemlich erstaunt war, als er selbst in Ghana noch Konvois von holländischen Campern getroffen hat, die zu acht von Holland durch das komplette Westafrika mit ihren Wohnmobilen gedüst sind. Soviel zum Thema „Abenteuer Westafrika“!

In Kamerun werden wie gesagt die größten Probleme die Regenzeit in Teilen des Landes sowie die 270 Kilometer „dirt road“ sein. Im schlimmsten Fall muss ich auf der „dirt road“ einen LKW fragen, ob er meine Maschine auflädt und mich durch diese Region ‚mit schleppt‘. Aber ma gucken, ich möchte ja schon so viele Kilometer wie möglich selbst auf dem Mopped machen und so wenig wie möglich als Passagier auf einer Fähre oder auf nem LKW.

Mein Plan, über Cabinda nach Angola einzureisen, ist wahrscheinlich auch eine Schnapsidee. Ich hatte mir gedacht, dass es eine Fähre von Cabinda nach Angola geben müsste. Davon weiß aber niemand etwas. Wahrscheinlich gibt es die gar nicht. Außerdem ist die Sicherheitslage in Cabinda – sagen wir mal – nicht so doll. Es gibt kaum bzw. keine Leute, die diese Route wählen. Stattdessen fahren die Leute von Kamerun nach Gabun, dort dann ein ganzes Stück in östlicher Richtung über ziemlich bescheidene Straßen (Elding, der Norweger, meinte, das sind die übelsten Straßen in ganz Afrika) weiter in den Congo und dort nach Brazzaville. Dann rüber nach Kinshasa in die DRC. Ein Land, das ich eigentlich meiden wollte. Sollte man aber die 1100Uhr Fähre von Brazzaville nach Kinshasa bekommen, hat man gute Chancen, bis zum Nachmittag zur Angolanischen Grenze weiter zu fahren. Leider gibt es nur zwei Fähren täglich an der Grenze zwischen Congo-Brazzaville und der Democratic Republic Congo und die Fahrt auf der Fähre und der anschließende Grenzeintritt in der DRC sollen wohl alles andere als ein Zuckerschlecken sein. Besonders die Einheimischen werden von den dortigen Grenzposten wie Vieh behandelt und man braucht zwingend einen Guide für die Grenzformalitäten in Kinshasa. Sonst hat man keine Chance. Hmm, ein bisschen blöd. Zumal ich mir dann noch in Brazzaville ein Visum für die DRC besorgen muss. Aber vielleicht nutze ich dann auch die Gelegenheit und quartiere mich für eine Nacht in’s Intercontinental in Kinshasa ein, ein Hotel, über das ich schon eine Menge gelesen habe in meinem Mobutu-Buch. Da ging’s ganz schön ab Ende der Neunziger, Anfang der 2000er. Na ja, okay, ist ja noch ein Stückchen hin. Ich denke, ich werde noch ein bisschen mehr Infos bekommen, wenn ich weiter in diese Richtung fahre. Und, vor allem, muss ich erst mal dahin kommen. Yaounde in Kamerun ist der nächste große Meilenstein. Da werde ich mir dann wieder ein paar Tage Auszeit gönnen, im Hilton in Yaounde oder vielleicht auch irgendwo am Strand, z.B. in Kripti. Da soll’s sehr schön sein. Und vielleicht kommt meine Süße dann ja auch nach Yaounde und wir können diese Zeit gemeinsam genießen. Yummie!

Von Kim bekomme ich dann noch eine ziemlich detaillierte Anleitung, wie ich am besten Angola in fünf Tagen durchkreuze. Die Straßen in Nord-Angola bis Luanda sind wohl noch mal richtig übel, danach beruhigt es sich aber wieder und es geht auf einer annehmbaren Teerstraße weiter Richtung Süden. Auch wenn ich merken sollte, dass ich es nicht innerhalb von fünf Tagen in Angola schaffe, sollte ich trotzdem weiter zur Grenze fahren und auf gar keinen Fall nach Luanda, um dort z.B. das Visum verlängern zu lassen. Dies ist nahezu aussichtslos, die dortigen Behörden stellen sich stur, haben keinen Bock oder sonst was. Laut Kim ist Angola ein herrliches Land und auch die Leute sind wahnsinnig nett. Nur die Behörden – die kannste inne Tonne treten. Keine Chance. Außerdem bietet Luanda wohl das größte Verkehrschaos überhaupt auf dem afrikanischen Kontinent…

Habe mir alles fein notiert, und spätestens an der Angolanisch-Namibischen Grenze beginnt für mich dann wieder das Wellness-Cruisen ;-)

Am Samstag gab’s dann für ein bis zwei Stunden ausnahmsweise mal eine Riesenhektik auf dem Gelände der Zebrabar. Alle Leute, die ich kannte, wurden in eine noch nie da gewesenen Suchaktion involviert. Irgendwie war mir meine geliebte Paperdose abhanden gekommen auf dem Weg vom Restaurant zu meiner Hütte. Panik. Angst. Namenloses Entsetzen. Wer mich kennt, weiß, wie viel ideeller Wert für mich in dieser ranzigen Dose steckt. Ich war aber zuversichtlich, dass sie nicht weg sein konnte, hatte mir ja eben noch eine Kippe gedreht. Aber nach einer Stunde oder so war ich dann schon ganz schön beunruhigt. Ganz schöne Scheiße. Ich habe dann bestimmt dreimal meine Hütte auf den Kopf gestellt und alles durchsucht. Na ja, und beim vierten Mal habe ich sie dann gefunden. Lag ganz brav und unschuldig neben dem Handy auf dem Nachttisch. Hmm, okay. Die ganze Panik umsonst. Puh, aber Hauptsache, das Ding ist wieder da, yummie! Danach habe ich mir aber überlegt, dass es eigentlich ganz schön blöd ist, so sehr an bestimmten materiellen Dingen zu hängen. Das erzeugt Abhängigkeit und Unfreiheit. Vielleicht wäre es ja eine schöne Geste, meine geliebte Paperdose, sollte ich denn in Südafrika am Kap der Guten Hoffnung ankommen, dort einfach zu verbuddeln und so der Erde ‚zurück zu geben‘ in einer Art ritueller Zeremonie. Asche zu Asche, Sand zu Sand…

Yep, was ist sonst noch gelaufen an der Zebrabar? Ich war natürlich nicht komplett faul, und auch wenn es mir schwer fiel, habe ich mich doch ab und an aufgerafft, etwas ‚zu erledigen‘. So habe ich mit aller innerer Disziplin Waschtag Nummer 2 durchgezogen. Klamotten wohlgemerkt, geduscht habe ich noch gar nicht (scherz!). Nee, also das zweite Mal die Klamotten gewaschen. Ging schon besser als beim ersten Mal in Chefchaouen in Marokko. Nehmen wir mal 30 Tage unterwegs, jeweils drei Paar Unterhosen und Socken sowie die zweite Wäsche jetzt, dann  ergibt das eine durchschnittliche Tragedauer der Socken und Unterhosen von fünf Tagen. Ist doch gar nicht so übel, oder?

Den MP3 Player habe ich auch endlich mal mit einer Ladung frischer Mucke bestückt, auf dass er mir durch die nächsten Länder treu zur Seite stehe! In St. Louis hatte ich bereits meine Barreserven aufgestockt, einige Besorgungen gemacht, getankt und mal kurz das Internet gecheckt. Trotz oder vielleicht auch wegen der vielen Fixer, die mir zur Seite standen, kein Problem.


Nach vorherigem Telefonat mit Papa habe ich mich dann sogar endlich mal wieder mit dem Mopped beschäftigt und eine kleine ‚Inspektion‘ durchgeführt. Hier die Ergebnisse:
  • Luftdruck vorne und hinten bleibt konstant, war aber etwas zu niedrig für die Beladung, die ich aktuell drauf habe. Also mal schön ein paar Zehntel Bar nachgepumpt.
  • Der hintere Reifen (Metzelder Tourance) sieht nach nunmehr knapp 4000 Kilometern absolut okay aus. Leichte Gebrauchsspuren, aber kaum Abnutzungserscheinungen.
  • Der Vorderreifen (Bridgestone TrailWing) hat mittlerweile ja schon deutlich über 20000 auf dem Buckel und sieht auch dementsprechend ziemlich fertig aus. Ich komme sicher noch ein ganzes Stückchen mit dem Teil, aber die Unebenheiten und Wellen im Vorderreifen machen das Fahren nicht gerade zum Vergnügen.
  • Mit ziemlicher Erleichterung habe ich festgestellt, dass die Maschine dann doch ein bisschen Öl verbraucht und ich mal wieder 200-300ml 10W40 nachkippen konnte. Muss ja nix schlimmes bedeuten, es hatte mich nur irritiert, dass sie auf immerhin 8000 Kilometer scheinbar kein Öl gezogen hatte…
  • Den Luftfilter ausgebaut und mal angekiekt. Okay, waren schon ein paar Staubkörner dran, die ich so gut es ging entfernt habe. Ein bisschen ausgekloppt, ausgepustet und dann wieder rein das Teil. Richtig versandet oder so war er jedenfalls nicht.
  • So, dann mal ran an die Kupplung. Die Kupplungsflüssigkeit ist absolut im grünen Bereich, also es geht nix verloren oder so. Ich wollte dann noch die Kupplung entlüften, hab es aber gelassen, da ich keinen passenden Schlauch für diese Aktion dabei hatte. Lasse das erst mal und beobachte, wie sich die Kupplung weiter verhält. Hatte jetzt auch schon länger keine Probleme mehr beim Runterschalten. Vielleicht hat es sich inzwischen ja auch von selbst erledigt.
  • Dann die Federung/Dämfpung. Die Idee war, alles etwas härter einzustellen, weil ich ja praktisch immer noch mit den Standard-Einstellungen (Solo-Fahrer 85kg ohne Gepäck) unterwegs war. Hinten war’s kein Problem, die Federung und Dämpfungsschraube entsprechend zu verstellen. Vorne bin ich diesmal gescheitert mit dem ‚Spezialwerkzeug‘. Hatte wahrscheinlich einfach keine Nerven dafür und probiere es nochmal einen anderen Tag. D.h. hinten bin ich jetzt ziemlich hart unterwegs, vorne immer noch recht weich. Fährt sich aber gar nicht so übel. Ich teste das erst mal und gucke, wie ich das weiter ‚fein tune‘.
  • Yeppie, bei dieser Gelegenheit nochmal alle (Torx-)Schrauben am Cockpit und der Verkleidung durchgegangen und schön fest gezogen. Kommt ja ab und zu vor, dass sich was bei einer Buckelpiste löst und dann fängt es so hässlich an zu klappern…
  • Die Bremsbeläge hinten (neu) und vorne sehen ganz ordentlich aus, soweit ich das beurteilen kann. Fühle mich immer noch nicht so 100% in der Lage, das richtig einschätzen zu können. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein, aber irgendwie kann ich den ganzen Salat aus Bremsbelag, Bremsscheibe etc. nicht auseinander halten. Technisches Genie halt!
  • Die Verkabelung am Helm (mit meinem MP3 Player) hatte sich als nicht so optimal erwiesen. Mittlerweile hatten sich durch die nicht so gut angebrachten Kabelbinder die Innenfutter des Helms gelöst und es war eine ziemlich hässliche Angelegenheit. Hab jetzt aber alles nochmal schön neu verkabelt und die Innenfutter wieder fein eingesetzt. 
  • Last but not least, den gröbsten Schmutz vom Helm, dem Cockpit und den Spiegeln entfernt. Die Maschine würde sicher eine richtige Grundreinigung gut vertragen können. Aber das muss noch warten, gibt’s wahrscheinlich auch hier in Senegal, muss ich mal die Augen offenhalten.
  • Offen bleibt natürlich noch mein Problem mit der Beleuchtung. LAMPF ist immer noch aktuell. D.h. ich habe kein Abblendlicht. Ganz selten kommt’s aber mal wieder zurück – für kurze Zeit. Außerdem streiken die Nebelscheinwerfer. Und die Hupe setzt hin und wieder mal aus nach mehrmaliger Betätigung. Alles nicht so schön, weil alles wichtige Instrumente sind (v.a. auch die Hupe für den Stadtverkehr). Aber ich sehe mich da nicht in der Lage, irgendwas daran zu machen und hoffe auf die nächste richtige BMW Werkstatt (in Windhuk, Namibia).
  • Der Spritverbrauch macht mir übrigens auch ein bisschen Gedanken. Laut Bord Computer bewege ich mich aktuell in einem Bereich von 9-10 (!!!) Litern auf 100 Kilometern. Ich glaube, er berechnet das falsch. Wenn es aber stimmt, wäre das schon echt eine Menge. Okay, die Spritqualität hier ist sicher nicht so prall. Ich fahre vielleicht auch etwas zu ‚dynamisch‘. Aber 10 Liter ist definitiv zu viel, oder?
Well, um zu unterstreichen, was er von meinen technischen Fertigkeiten hält, kackt mir so ein wunderschöner, bunter Vogel während meiner wichtigen Inspektionsarbeiten volles Rohr auf den Tank, genauer gesagt auf die Tanköffnung. Er hatte wohl gehofft, dass ich den Tank vorher aufschließen würde, aber den Gefallen habe ich ihm natürlich nicht gemacht. Mist-Viech!

Die Tage in der Zebrabar waren aber nicht nur faul und verschlafen. Trotz der vielen Gesellschaft, die ich hatte, fühlte ich mich trotzdem ziemlich einsam mitunter. Besonders beim chilligen Rumhängen an Monika’s Lagerfeuer habe ich Nina ziemlich krass vermisst. Solange ich unterwegs bin auf dem Mopped und relativ viel um die Ohren habe, bin ich ganz gut abgelenkt und muss mich die ganze Zeit konzentrieren. Viel Zeit für sehnsüchtige Gedanken bleibt da gar nicht. Anders in der Zebrabar. Das ist einfach ein Ort, wo wir super zu zweit abhängen hätten können. Allein isses aber nix für mich. Deshalb, nix wie weg von hier und weiter, immer weita!

Freitag, 23. April 2010

Arabisch für Anfänger

Bin ja mittlerweile raus aus dem arabischen Kulturraum und nicht unbedingt traurig darüber. Dennoch, eine letzte Aktion in Sachen kultureller und sprachlicher Weiterbildung muss dann schon noch sein. Ich bin ja sowieso extrem affin was die Annahme toller auswärts gelernter Redewendungen angeht. "Grüzi", "Das geht sich schon aus" oder "Da leckt's mi doch am Orsch" sind praktisch schon feste Bestandteile meines Vokabulars. In den letzten Tagen in Marokko und Mauretanien habe ich eine weitere Redewendung bzw. ein Wort gelernt, was mir nicht mehr aus dem Kopf will: Inshallah. Ich finde es in seiner Bedeutung und in seinem Klang echt cool.

Checkt mal, was Wiki dazu zu sagen hat:




Inschallah, arabisch ‏إن شاء الله‎ in schā' Allāh, DMG in šāʾa llāh, „So Gott will“, ist eine häufig benutzte Redewendung in der arabischen Umgangssprache. Sie kann als islam-typischer Fatalismus gedeutet werden, ist aber häufig nur Ausdruck einer Demutshaltung, die zum Teil auch dem Christentum eigen ist: „Ohne Gottes Wille vermag der Mensch nichts“. In der Praxis dient die Redewendung auch oft dazu, eine klare Stellungnahme zu vermeiden und die Aussage nur zwischen den Zeilen anzudeuten.
Der Ursprung der Formulierung liegt im Koran, genauer in der 18:24 Sure Al-Kahf: „Sage niemals, 'Ich werde morgen etwas tun', ohne den Zusatz 'so Gott will!' Du wirst dich an Gott erinnern, solltest du es vergessen …“ Die Benutzung dient häufig auch dazu, durch den impliziten Hinweis auf die Zukunft sprachlichen Missverständnissen vorzubeugen. (Der entsprechende Hinweis auf die Vergangenheit ist Alhamdulillah (‏الحمد لله‎ al-ḥamdu li-llāh), zu vergleichen mit „Gott sei Dank!“)
Die Redensart „So Gott will“ ist eine sehr wörtliche Übersetzung der arabischen Wendung.
Bei dem spanischen und portugiesischen Wort für hoffentlich (ojalá bzw. oxalá) handelt es sich um Entlehnungen, die auf den arabischen Ausdruck Inschallah zurückgehen.



So werde ich also nach Südafrika zur WM reisen, Inshallah!

Dit Internet - dit macht ma krank

Yuppie, bin ja gerade in St. Louis, der nächst gelegenen größeren Stadt von der Zebrabar aus gesehen. Ich kann eigentlich glücklich sein, dass ich mich nicht in so ein schäbiges Internet-Café begeben musste. Stattdessen sitze ich im feinen Hotel de Postale oder so ähnlich und nutze kostenlos das hauseigene WiFi. Ein Luxus, der mir auf der weiteren Reise durch Länder wie Mali, Burkina Faso, Benin und weiß der Geier was wahrscheinlich nicht mehr so oft begegnen wird. Will sagen, die Lage an der Internet-Front wird sicher zunehmend schwieriger. Hab jetzt knapp zwei Stunden gebraucht, um meinen Kram von heute online zu stellen. So richtig viel Spaß macht das ja nicht gerade. Zumal ich die Zeit auch anders verbringen könnte und auch möchte. Na ja, hab schon die Bilder seit ein paar Einträgen schön komprimiert, trotzdem dauert's teilweise 'ne Ewigkeit bis was raufgeladen ist. Entweder stelle ich in Zukunft nur noch Mini-Thumbnails in mieser Qualität ein oder ich lasse es erstmal ganz mit den Bilders und stelle die dann nachträglich ein, wenn ich mal eine vernünftige Connection habe. Es kann in den nächsten Wochen auch mal passieren, dass ich eine ganze Weile am Stück gar nicht online sein werde. Also, immer daran denken, ick bin in Afrika, da kann ma nüscht passieren. Die Einheimischen hier essen mittlerweile auch lieber das Fast Food Futter von McDonald's als ihre Artgenossen. Also allet klar auf der Andrea Doria, auch wenn ich mich mal 'ne Weile nicht melde.

Juti? - Juti!

The Sound of Afrika – Sepultura

Jetzte, wo ich ja in Afrika angekommen bin, fühle ich gleich mal die afrikanischen Vibes. Für mich hat dieser Kontinent einen ganz bestimmten Rhythmus. Und der geht ab wie die Post. Die „Traditional Drums“, die an jeder Ecke verkauft werden und mittlerweile so ziemlich jedes gut aufgeräumte europäische Wohnzimmer als Souvenir zieren, sprechen da eine deutliche Sprache. So, es ist natürlich nochmal ein Stückchen voneinander entfernt, Afrika und Brasilien. Aber wenn man mal auf Landkarte die beiden Kontinente, Afrika und Südamerika, ausschneidet und dann zusammen klebt, passen sie wunderbar zusammen und formen ein völlig neuartiges Gebilde. Süd-Afremika. Toll, ne? Die Beats passen sowieso zusammen wie der Deckel auf’n Topf. Deshalb hier mal eine paar Afro-Beats von die brasilianischen Hau-Drauf-Berserkers, Seppel-tura.



Sepultura - Ratamanhatta

(Xavantes tribe's singings)

(Max:) AH...AH...AH...AH...AH...AH...AH...AH...

(Carlinhos Brown:)Biboca garagem favela, (Max:) BIBOCA GARAGEM FAVELA!!!
Fubunga maloca bocada, (Max:) FUBUNGA MALOCA BOCADA!!!
Maloca bocada fubunga, (Max:) MALOCA BOCADA FUBUNGA!!!
Favela garagem biboca, (Max:) FAVELA GARAGEM BIBOCA,PORRA!

(Max:) UN,DOIS,TRES,QUATTRO...
AH...AH...AH...AH...AH...AH...AH...
Ze do Caixao,Zumbi,Lampiao...ze do Caixao,Zumbi,Lampiao...
Ze do Caixao,Zumbi,Lampiao...ZE DO CAIXAO,ZUMBI,LAMPIAO!!!

(Carlinhos:) Hello,uptown...hello,downtown...hello,midtown...hello,trenchtown

(Max and Carlinhos singing and screaming "Ratamahatta")

(Max's screaming: "Vamos detonar essa porra!")

(Carl.:)Hello,uptown...hello,midtown...hello,downtown...hello,trenchtown

(Max and Carl. screaming)

Tag 25 – Endlich Afrika!

Geschafft! Ich bin angekommen! Wie jetzt? Na in Afrika angekommen! Häh? Also, um genauer zu sein, bin ich jetzt so richtig tatsächlich in nem sozusagen afrikanischen Land angelangt, in Schwarz-Afrika um genauer zu sein. Senegal heißt das Land, und es is voll knorke hier!


Senegal heißt auch der Strom, der die Grenze zwischen Mauretanien im Norden und Senegal im Süden markiert und für mich die eigentliche Grenze zwischen den Arabern im Norden und den (Schwarz-)Afrikanern im Süden darstellt. Als ich die über die Brücke fuhr und die Grenzanlagen passierte, ist mir irgendwie ein Stein vom Herzen gefallen und ich habe mich seltsamerweise „back at home“ gefühlt. Die Straßen und Dörfer, die ich dann durchfuhr, haben mich doch schon sehr an Ghana erinnert und an das Afrika, wie ich es mir in meinem Kopf zurecht konstruiert habe. In Wikipedia habe ich gelesen, dass der Senegalesische Präsident den Opfern des Erdbebens von Haiti angeboten hat, nach Senegal überzusiedeln und dort sogar, wenn es ausreichend viele sind, eine eigene Region in Aussicht gestellt. Schließlich haben die Haitianer als Nachfahren der vor Jahrhunderten deportierten Sklaven auch ein Anrecht auf ihre ursprüngliche Heimat. So tickt das hier, cool, ne? Ick fühl ma wohl.

Aber der Reihe nach, bis in den Senegal war es gestern doch noch ein recht langer Weg. Natürlich war meine optimistische Prognose, es eventuell bis zum frühen Nachmittag schaffen zu können, absolut unrealistisch.

Also erst mal noch die Vorzüge der Auberge Sahara in Nouakchott genossen, fein gefrühstückt, geduscht, ein letztes Mal mit diesem wunderbaren WiFi vor Ort meinen Blog aktualisiert, die Sachen gepackt, von Tarmo, dem ebenfalls Internet-süchtigen Esten, und der Miezekatze verabschiedet und ab ging’s Richtung Grenze.


Die Straße war weiterhin in gutem Zustand, wenngleich es deutlich mehr Schlaglöcher und Risse im Asphalt gab als auf der bisherigen Strecke von Südmarokko bis hier hinunter. Das hat mich einigermaßen gewundert, da ich gehört hatte, dass es eine „neue“ Teerstraße von Nouakchott bis Dakar geben sollte, die das Reisen zwischen diesen Orten mittlerweile zum Kinderspiel macht. Aber okay, es ist immerhin eine Teerstraße und mit ein bisschen Aufpassen ging’s auch gewohnt flott voran Richtung Rosso, zum Grenzort an der senegalesischen Grenze. Um dorthin zu gelangen, musste ich zunächst mal durch die Innenstadt von Nouakchott durch, und der Anblick, der sich mir dort bot, war ganz schön mies. Ein ziemliches – sorry – Kacknest. Ich war es ja schon gewohnt, dass die bislang sehr gute Teerstraße immer in den Ortschaften erheblich an Qualität einbüßt und es dort teilweise regelrechte Krater in der Straße gibt. In Nouakchott, immerhin der Hauptstadt Mauretaniens, fand ich’s bislang aber am schlimmsten. Okay, die Schlaglöcher sind die eine Sache. Aber dass fast jede Kreuzung bzw. jeder Kreisverkehr nahezu komplett versandet ist und die Fahrt dadurch wie  eine Offroad-Wüstentour anmutet, hat mich schon ziemlich erstaunt. Hätte gedacht, dass das hiesige Straßenamt etwas mehr auf Zack ist ;-) Dazu natürlich die gewohnten Schrotthaufen auf der Straße, gemischt mit einer ganzen Reihe von Esel-Karren, die ebenfalls kreuz und quer über die Straßen fegten. Die Ausschilderung war ebenfalls miserabel, so dass es eine Weile gedauert hat, bis ich Nouakchott hinter mir lassen konnte und wieder „on the road“ war Richtung Rosso.

Bereits wenige Kilometer nach Nouakchott bemerke ich, dass sich da was verändert. Damit meine ich nicht nur den Zustand der Straße, sondern in erster Linie die Vegetation. Die unglaublich eintönige Wüsten- und Wüstensteppenlandschaft der letzten Tage bricht auf und die ersten richtigen Gewächse und sogar Bäume tauchen am Straßenrand auf. Junge, Junge, dass ich das nochmal erleben darf! Ich habe aber einige Probleme, mich an dem willkommenen Wechsel der Landschaft zu erfreuen, zu sehr brummt mir heute der Schädel. Ich hatte ja nicht besonders lange geschlafen. Aber das Hauptproblem war: es wurde heiß, so richtig heiß. Die Luftfeuchtigkeit hält sich in Grenzen, aber diese heiße Luft drückt wie die Sau und mir tut der Kopf weh von dieser Demse. Verflixt nochmal, bis zu 43° habe ich heute auf dem Thermometer meines Bord Computers. Das ist nicht mehr die Wohlfühltemperatur, bei der ich (und das Bike?) am besten funktionieren.

Mir ist klar: das hier sind erschwerte Bedingungen. Und ich merke, dass ich dringend eine Pause benötige. Nicht nur jetzt im Moment während der Fahrt, sondern vielmehr für ein paar Tage zum richtig chillen. Mein Pensum ist nicht ganz ohne, und ich aufpassen, dass ich mir nicht zu viel zumute und mich in den roten Bereich bringe. Im Senegal muss ich mir wohl mehr oder weniger eine Auszeit „verdonnern“, bevor es weiter gehen kann in Richtung Osten. Da steht ja noch so einiges bevor…

Zu der lebhafteren Vegetation bemerke ich zudem, dass die Gegend hier südlich von Nouakchott geradezu „dicht“ besiedelt ist. Auf den 200 Kilometern zwischen Nouakchott und Rosso gibt es mehr durchfahrene Ortschaften, als ich an zwei Händen abzählen kann. Ich komme mir fast schon vor wie im Ruhrpott zur Rush Hour am Freitagnachmittag. Hoffentlich bin ich diesen Menschenauflauf noch gewohnt…

Wo es „viele“ Menschen in ihren Dörfern und dazu auch noch Bäume am Straßenrand gibt, muss ich wieder umdenken. Denn allerlei Viehzeugs steht am Straßenrand bereit, um kurzentschlossen – kurz vor ich vorbei donnern möchte – nochmal die Straßenseite zu wechseln. Kamele, Kühe, Esel, Ziegen, Hunde  und dazu natürlich die verspielten Kinners und die teilweise verpeilten Alten. Später, zwischen Rosso und Dijemma, sind kurz vor mir sogar mal ein paar Wildschweine, eine Sau und ihre kleinen Ferkel, aus dem Gebüsch über die Straße gesprintet. Die Zeiten, an denen die Straße gefühlte 500 Meter breit ist in Ortsdurchfahrten (war vor allem in der West Sahara der Fall), sind vorbei. Also heißt es wieder mal: Sinne schärfen und aufpassen. Und das mit dem Brummschädel heute, mann-o-mann.

In Rosso soll es die Abzweigung Richtung Dijemma geben, die ich nehmen muss, um diesen alternativen Grenzübergang zu nehmen. Ich mache eine längere Pause in Rosso und stärke mich ein wenig in dieser Bullenhitze. Leider gibt’s nur ‚normale‘ Cola, aber is ja auch Wurscht, Hauptsache was zu trinken.
Ein ziemlich trostloses Nest, dieses Rosso, und heiß isses hier, au weia.



Indiskret wie ich bin, habe ich auch mal eine kleine Seiten-„Straße“ fotografiert. Der Mann, der da kniet, betet nicht etwa. Ich hab ihn beim Pipi-Machen fotografiert.


Die Leute in Rosso waren cool und ließen sich trotz der sengenden Hitze die Laune nicht verderben. Die Bäcker, die ihr Handwerk interessanterweise im gleichen Gebäude wie der Automechaniker verrichteten, ließen es sich nicht nehmen, ein paar Posen für diesen ständig fotografierenden seltsamen Obruni hinzulegen.



Nachdem ich mir den Weg nach Dijemma von einem netten Autofahrer erklären ließ, ging’s aber auf die Piste. Schon nach wenigen Kilometern frage ich mich jedoch: was mache ich hier eigentlich? Ich hatte ja von jedem Traveller den „Tipp“ bekommen, auf jeden Fall über Dijemma und nicht direkt über Rosso in den Senegal einzureisen. Auf den nächsten 2-3 Stunden habe ich verzweifelt versucht, mich an die Gründe dafür zu erinnern. Der Grenzübergang in Rosso muss ja wohl überkrass beschissen sein, dass trotz der Strecke, die ich jetzt gerade fahren muss, Dijemma zu bevorzugen ist.  Es ist die erste „dirt road“, die ich bislang in Afrika fahre. Die Strecke kann sich nicht entscheiden, was sie sein will: eine Sandpiste, ein bruchstückhaft geteerte Holperpiste, ein Schotterhaufen, ein Fußballfeld oder was weiß ich was. Es macht auf jeden Fall keine Laune, als ich merke, dass ich selbst bei einem Speed von 30-40 immer mal wieder ins Rutschen komme mit meinem Lastwagen. Es gibt einige Schreckmomente, wo ich denke: huh, das war aber knapp. Ich habe absolut keine Lust, hier in dieser gottverlassenen Pampa mit meinem Mopped in den Dreck zu stürzen. Scheiße aber auch, worauf habe ich mich da eingelassen? Es gibt Abschnitte, die stark versandet sind. Dann wieder spitze größere Steine, tiefe ausgefahrene Furchen und harte festgebackene Dreckbatzen. Teilweise ist die „Straße“ extrem breit und es ist im Labyrinth der vielen ausgefahrenen ‚alternativen‘ Spuren nicht mehr zu erkennen, wo es jetzt eigentlich geradeaus geht. Das hat mich dann wieder an den „wahrscheinlich schönsten Grenzstreifen der Welt“ zwischen Marokko und Mauretanien erinnert. Klammere ich mal diese 4 Horrorkilometer aus, war die Strecke hier mit Abstand das schwierigste Teilstück, welches ich bislang gefahren bin (okay, die Tour durch die Kif-Berge war auch nicht zu verachten, auf eine andere Art und Weise). Sehr cool waren auch die immer wieder plötzlich auftauchenden Abschnitte, auf denen sich die inzwischen recht feste Sandpiste in einen Wellblech-artigen Untergrund verwandelte. Keine Ahnung, wie solch eine Struktur in die Piste kommen kann, vielleicht durch viele LKWs oder so. Auf jeden Fall ist es exakt so, als würde man auf Wellblech fahren. Viele, viele kleine Minihügel nach einander. Wenn die Geschwindigkeit ausreichend ist, komme ich teilweise massiv in Schwierigkeiten, weil sowohl das Vorderrad als auch das Hinterrad kaum noch in der Spur bleiben und am liebsten in irgendeine Richtung abfliegen wollen. Meine Fresse. Ich denke wehmütig an meine TKC80, die noch als Gepäck auf meinem Top Case verschnürt sind. Diese Strecke hier verlangt meinem Bridgestone TrailWing vorne und dem Metzelder Tourance hinten alles ab und ist eigentlich definitiv zu viel für die beiden Kollegen. Ich beschließe aber, die Zähne zusammen zu beißen und es mit diesem ‚Team‘ bis nach Dijemma zu schaffen. Das Problem ist auch, dass ich bei dieser Bullenhitze einfach nicht anhalten möchte. Der wenige Fahrtwind, der bei der geringen Geschwindigkeit hier produziert wird, ist wenigstens etwas. Im Stand ist es kaum auszuhalten. Und mir hängt auch schon die Zunge auf halb Neun.

Natürlich – wie sollte es auch anders sein – ist auch diese Kackstrecke hier von Polizei-Checkpoints gesäumt. Es gibt zwar hin und wieder mal ein Auto, welches mir entgegen kommt oder mich überholt. Aber summa summarum dürften hier auf 3 Autos ein Polizist kommen, der die drei Autos kontrolliert bzw. deren Durchfahrt protokolliert. Ich hab‘ langsam die Nase voll von diesem Rumgechecke und Nachgefrage und bla bla bla. An einem Checkpoint nach ca. 45 Kilometer halte ich dann an. Ich wusste nicht genau, wie lange die Strecke bis Dijemma tatsächlich sein würde. Hatte dazu nur sehr unterschiedliche Aussagen von den Mitreisenden bekommen. Wenn ich gewusst hätte, dass es zwischen Rosso und Dijemma insgesamt 100 Kilometer sein sollten, hätte ich diese Strecke wahrscheinlich nicht gewählt. Ich lerne daraus, dass es mit den Informationen, die man „on the road“ von anderen Travellern bekommt, so eine Sache ist. Man muss trotzdem noch immer alles gegen checken und sich ein eigenes Bild machen. Der eine bezeichnet eine Straße als „absolut kein Problem“, während ein anderer die selbe Straße als „pure Hölle“ kategorisiert. Die Leute, die unterwegs sind, haben eben alle ihre subjektiven Erfahrungen und Standards. Und diese Standards können nicht immer problemlos projiziert werden. Später erfahre ich, dass Dijemma vor allem deshalb Rosso vorzuziehen ist, weil in Rosso die Ärgernisse an der Grenze (Baksheesh, Verzögerungen, Stress mit den Behörden etc.) ungleich größer sein sollen als in Dijemma und man dort an der Grenze durchaus mal einen ganzen Tag verbringen kann…

Na ja, der Stop an dem Checkpoint gestaltet sich sehr angenehm. Der Typ von der Polizei ist sehr cool, er wohnt gleich im Dorf nebenan und ist allein an seinem Post. Der Kollege muss mal gerade was mit seinem Auto checken und ist deshalb in der Werkstatt. Dürfte nicht auffallen, dass der Post nicht voll besetzt ist. Denn bis auf ein paar LKWs, die eine mächtige Staubwolke hinter sich her ziehen, kommt keine Sau vorbei in den 30 Minuten, die ich hier verbringe. Nach einer Weile kommt ein grauhaariger Opi aus dem Polizei-Post raus gekrabbelt, offenbar der Baba von dem Polizisten hier. Der Opi steckt sich seine Pipe an und gemeinsam mit ihm und seinen Sohn chille ich eine Runde, bevor ich mich wieder auf’s Bike schwinge. Als deutscher Fußball-Fan und Raucher, der mit ner BMW unterwegs ist zur WM nach Südafrika, habe ich hier eigentlich immer sehr gute Karten im Umgang mit den Ordnungskräften. Es gibt meist überhaupt keine Probleme und die Kontakte laufen in einem sehr entspannten lockeren Stil ab.

Ca. zwanzig Kilometer vor der Grenze ging’s dann los mit dem großen Finale in Mauretanien: die Zeit der Abzocker hatte geschlagen. Ich hatte mir ja schon Gedanken gemacht, wie ich meine doch recht vielen Ouguiyas (Mauretanische Kohle) noch los werden bzw. an der Grenze in CFA’s (benötigt man dann in großen Teilen Westafrikas) umtauschen kann. Die Gedanken hätte ich mir gar nicht machen brauchen. Es gibt eine Menge hilfsbereiter Kollegen in Grenznähe, die sich dieses Problems mit rührseliger Fürsorge annehmen. An einem Checkpoint hatte sich zu dem Bullizisten ein Typ gesellt, der „Gebühren“ für das Durchfahren des Nationalparks, durch den man offensichtlich kommt, wenn man von Rosso nach Dijemma will, einzog. Ich habe ihn ausgelacht und rumdiskutiert. Aber offenbar hatte er Rückendeckung von der Polizei und so musste ich wohl oder übel zahlen. Vielleicht stecken die auch unter einer Decke oder – ein Gedanke, den ich allerdings ziemlich absurd finde – die Gebühr ist tatsächlich offiziell berechtigt. Sei’s wie es ist. Abzockerei.




Dann plötzlich die Grenzanlagen wie aus dem Nichts. Okay, nochmal durchgehen, was ich an der letzten Grenze gelernt habe und an die Dreifaltigkeit aus Polizei, Gendarmerie und Zoll gedacht. Zuerst zum Zoll. Abzocker Nummer zwei. Ein ziemlich zugekifft aussehender bulliger Typ erklärt mir feierlich, dass es in seinem Land eine Spezialität gibt: man zahlt die Zoll-Gebühren nicht nur, wenn man in’s Land einreist, sondern auch wenn man das Land verlässt noch einmal. Aha, so ist das also in deinem Land, Keule? Natürlich war das Tünnef und der Typ wollte 10€ für seine Extrakasse haben, das war so klar wie Kloßbrühe. Oh Mann, blödes Arschloch. Ich konnte ihn auf 1500 Ouguiyas (entsprechen 5 Ois) runterhandeln, hab ihm dann aber die Kohle in die Hand gedrückt und bin mit meinem Reisepass, aus der das Mopped wieder ausgetragen wurde, raus aus seiner Butze.

Mal ein Wort zum Thema Korruption und Schmiergelder. Das, was ich hier eben erlebt hatte, werde ich auf meiner weiteren Reise durch so wunderbare Staaten wie Nigeria, Congo, Angola und wie sie nicht alle heißen, sicher noch öfters erleben. Meiner Meinung ist das aber keine Sache, die mit einer bestimmten Mentalität, einen bestimmten Land oder einem bestimmten System zusammen hängt. Das jeweilige System begünstigt es allenfalls. Korrupt und bestechlich sind immer nur die Personen, die in dem System eine entsprechende Funktion bekleiden. Ich meine, der bekiffte Typ von eben hat mit Sicherheit auch einen feierlichen Eid auf irgendwas geschworen, ist aber im Laufe seiner Amtszeit zum „Arschloch“ geworden und hat gemerkt, dass man sich ein ordentliches Zubrot verdienen kann mit so einem Job an der Grenze. Ob aber eine Person „korrekt“ ist oder nicht, hängt nur von ebendieser Person ab. Rechtschaffenheit und Integrität gab und gibt es überall, genau wie umgekehrt die Korruption und Bestechlichkeit. Die Wahrheit steckt in einem selbst und wird einem nicht von außen auf oktruiert. Leider gibt es aber viel zu viele Idioten auf der Welt, Mitläufer, die sich „anpassen“ und das tun, was alle tun. „Man hat ja keine Wahl“. Aber die hat man, egal wo und egal wann. So gab es bestimmt auch irgendwo „korrekte“ Nazis, die trotz der unmenschlichen Diktatur, deren Teil sie waren, ein gewisses Maß an Integrität oder Menschlichkeit bewahrt hatten (siehe Schindler). Auch die Transformation der ostdeutschen Gesellschaft mit dem Mauerfall kommt mir da in den Sinn und das schöne Wort des „Wendehalses“. Für mich ist ein „Wendehals“ ein Mensch, der im Osten aus Karrieregründen oder reinem Opportunismus heraus („what is in it for me?“) in „die Partei“ eintrat und dort einen auf Sozialist machte, nur um direkt nach der Wende den „wind of change“ zu riechen und unter dem Postulat der Freiheit und Demokratie in die CDU einzutreten. Und auf einmal war der ehemalige Parteigenosse ein aufrechter Demokrat, der ja im Prinzip schon immer „dagegen“ war und leider nur nicht seine oppositionelle Haltung in dem repressiven System ausleben konnte. Man könnte auch sagen, solche Menschen haben kein Rückgrat, keine innere Position. Sie flattern mit dem Wind. Vorgestern Nazi, gestern Stasi-Spitzel, heute über Hartz IV mucken und den Mindestlohn abschaffen wollen. Für mich haben die Leute, die wahren Sozialisten, die tatsächlich aus Überzeugung in der SED waren und es geblieben sind nach der Wende, wesentlich mehr Rückgrat und Stil. Während die Opportunisten schonst längst in der CDU, FDP oder der SPD saßen, wurde die PDS mit Leuten wie Gysi, Pau und so weiter zum demokratiegefährdenden Dämon hoch stilisiert. Also ich finde ja, die Onkelz und die PDS haben da einiges gemeinsam… Na ja, schiss ja auch der Hund druff.

Zurück zum Thema. Abzockerei. Der Grenzübertritt in Dijemma funktionierte zugegebenermaßen recht smooth. Insgesamt war das Aufkommen an Grenzgängern extrem gering. Wie ich dem „Logbuch“ der Grenzer entnehmen konnte, gab es jeden Tag nur ein paar Handvoll Leute, die hier über die Grenze gingen. Es gab keine Gedarmerie, durc h die ich noch musste und so war die Polizeistation  an der Grenze meine letzte Etappe in Mauretanien. Auch hier wäre man Baksheesh (10€) nicht abgeneigt gewesen, aber die Leute hier haben nicht so viel Druck und Stress gemacht wie der anderer Kiffer-Typ am Zoll. Also nix gezahlt hier und mit dem Mopped über den Damm gezuckelt und schon mal aufgeatmet. Allerdings etwas zu früh. Am Ende der Brücke stand ein Agent mit einem Block Quittungen in der Hand und fertigte jedes Fahrzeug einzeln ab. Als ich an der Reihe war, erfuhr ich auch warum: Gebühr für die Passage der Brücke. 8€ in Ouguiyas bitte schön. Au Backe, hab den Typen wieder ausgelacht und gefragt, ob er mich verarschen möchte (auf Französisch klingt das natürlich wesentlich netter), musste aber dieses Sinnlos-Gebühr auch noch zahlen. Abzocker Nummer 3.

Dann war ich drüben und konnte die ganzen Formalitäten an der Senegalesischen Grenze regeln für den Eintritt in das Land. Zur Polizei, keine Probleme, den Stempel bekommen und ab zum Zoll. Dort nochmal 10€ in Ouguiyas. Dann zum Versicherungsbüro und 35€ in Ouguiyas für den Mehr-Länder-Versicherungsschein, den man zwingend für’s Mopped benötigt. Cool, denn jetzt habe ich bis Angola Ruhe damit. Nur Nigeria ist nicht in dieser westafrikanischen Union mit drin, ansonsten sind alle Länder abgedeckt. So, das Geld reichte gerade noch, um mir im Versicherungsbüro meine neue Pre Paid SIM Karte für Senegal zu organisieren und dann war ich fertig mit dem Grenzübertritt. Keine Kohle mehr, aber dafür alles fertig organisiert. Hatte auch nix vergessen. Wunderbar.

Ich war in Afrika!



An der Grenze in Dijemma gab es noch eine ganze Reihe anderer Europäer, hauptsächlich in riesigen Trucks unterwegs. Teilweise schienen das Travel-Organisationen zu sein, die Afrika-Expeditionen anbieten. Mit ein paar Italienern bin ich in’s Gespräch gekommen und sie kündigten an, dass die Temperaturen, die ich heute erlebt habe, erst der Anfang sind. Mali und Burkina Faso sind zu dieser Jahreszeit brütend heiß. Geilio, da freu mich ja jetzt schon drauf, wenn das Thermometer selbst nachts nicht unter 40° abrutscht.

So, es war mittlerweile schon wieder recht spät, 1830Uhr. Und ich musste ja noch meine Unterkunft finden, die Zebrabar in der Nähe von St. Louis. Und ich wollte unter keinen Umständen nochmal ins Dunkel kommen.

Die Suche der Zebrabar gestaltete sich etwas schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich musste zunächst mal die 30 Kilometer bis St. Louis, dann dort durch den ganzen Stadtverkehr. Es dämmerte bereits und ich versuchte einigermaßen verzweifelt am Straßenrand eine Bank auszumachen, damit ich an einem ATM etwas Cash (CFAs ) ziehen konnte. Die Ausschilderung Richtung Dakar war natürlich auch nicht so prall, aber mit Hilfe meines Navis (als Kompass) und einiger Fragerei war ich dann wieder en route und bin ca. 10 Kilometer hinter St. Louis der Ausschilderung zur Zebrabar gefolgt – allerdings ohne Cash, ich konnte einfach keine Bank finden. Abgelegener konnte die Zebrabar nicht liegen und ich habe mich ein bisschen über die vielen Tipps für diese Location. Ist ja echt am Arsch. Selbst nach 15 Kilometern auf der Seitenstraße immer noch keine Zebrabar. Dann noch durch ein komisches Dorf, eine weitere Seitenstraße finden und über eine halbwegs befestigte Sandpiste am Strand entlang und dann endlich sah ich sie vor mir: die sagenumwobene Zebrabar. Huch! Es war mittlerweile 1930Uhr, ich war müde, geschafft, hungrig. Also erst mal Futter gefasst und mit Nina telefoniert. Ein Bungalow kostet ihr 10€ die Nacht und es scheint tatsächlich eine sehr nette Location zu sein. Ziemlich weitläufig, direkt am Strand. Es gibt eine Menge Traveller, also alles im Lot. Ich entschließe mich, hier mindestens zwei Nächte zu bleiben.




Die Engländer, Sam und Simon, aus der Auberge Sahara habe ich gleich wieder getroffen. Sie bleiben auch noch etwas länger und mittlerweile ist es schon eine Art Routine, „alte Bekannte“ auf dem Trip wieder zu treffen. Ich meine, das Ganze hat seine Vor- und Nachteile. Verlasse ich mich auf die Tipps für Unterkünfte und Herbergen von anderen Travellern, kann ich sicher sein, dass ich immer wieder auf diese Leute treffe und mich austauschen kann, was extrem wichtig ist. Außerdem haben die empfohlenen Locations meist einen ausreichenden Komfort, damit man sich dort als Europäer auch so richtig wohl fühlt. Also eine ganz coole Geschichte. Der Nachteil daran ist aus meiner Sicht, dass man sich auf diese Weise wie einer „Glasglocke“ durch ein fremdes Land und eine fremde Kultur bewegt. Mir ist das eigentlich immer aufgefallen, wenn ich z.B. mit einem Lonely Planet oder so unterwegs war. Die Locations, die dort gelistet sind, werden von den europäischen oder amerikanischen Reisenden angesteuert. Und das heißt, dass man die dann auch überall wieder antrifft. Man könnte sich genauso gut daheim zu einem Videoabend verabreden und dort zusammen abhängen. Ich bin ja eigentlich nach Afrika gefahren, um Afrika zu sehen und zu erleben und nicht in erster Linie, um mich mit anderen Leuten aus meiner Heimat über Afrika auszutauschen. Na ja, die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie immer irgendwo dazwischen. Ich versuche mal, einen Kompromiss einzugehen. Vielleicht so eine Abwechslung in den nächsten Wochen aus Bush Camps oder ‚einheimischen‘ Locations und solchen Traveller Meetings Points wie der Auberge Sahara in Nouakchott oder eben der Zebrabar hier in St. Louis.


Beim Essen gestern Abend auf der Terrasse des Restaurants hat mich gleich mal eine an die Wand gemalte Landkarte von Afrika angelächelt und ich konnte nicht anders, als während des gesamten Essens an diese Karte zu starren. Wo bin ich schon langgefahren? Wo bin ich gerade? Welche Strecke liegt noch vor mir? In welche Teiletappen kann ich diese verbleibende Strecke aufteilen? Welche Probleme und Herausforderungen könnten noch vor mir liegen? Wie werden die Straßen wohl sein, wenn ich erst mal aus Dakar Richtung Osten aufgebrochen bin?

Ich merke, dass ich innerlich nervös und unruhig bin. Angespannt sogar. Wie auf einer inneren Jagd. Und das ist nicht gut so. Ich hatte ja von vornerein geplant, in Senegal eine Auszeit zu nehmen, und ein bisschen an den Stränden zu chillen, bevor es weiter geht. Aber ich habe in diesem Moment ein bisschen Angst davor, mir diese Zeit zu nehmen. Weil ich dann vielleicht eine Leere spüren könnte? Hmm, Fakt ist, dass ich mir diese Auszeit nehmen muss. Immerhin bin ich jetzt knapp 7500 Kilometer auf dem Mopped gesessen, und ich brauche ein bisschen Ruhe, um die Akkus aufzuladen. Es ist ein erster wichtiger Meilenstein, Dakar, den ich jetzt de facto geschafft habe. Die schwierigen Streckenabschnitte durch West- , Zentral- und Südafrika kommen noch. Da muss ich topfit für sein, vor allen Dingen auch im Kopf. Also Loslassen, Alta! Relax, chillout, drop off, ganz sachte, yep? Beim Blick auf die Karte überlege ich mir, die verbleibende Strecke zu unterteilen in drei Abschnitte.

Erstens, von Dakar nach Yaounde (Kamerun). Nach Gambia und den Süd-Senegal werde ich nicht mehr fahren. Stattdessen chille ich ein bisschen hier in der Zebrabar, fahre dann noch nach Dakar, um das Cap Vert (den westlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents, gegenüber liegen dann die Kapverdischen Inseln) zu sehen, abzuhaken und dann nach Osten aufzubrechen. Durch den ganzen Senegal nach Mali, über Bamako Richtung Burkina Faso, Quagadougou. Dann weiter entweder direkt nach Niger oder über Benin nach Niger. Und dann vom Norden rein nach Nigeria, über Kano die kürzeste Nigeria-Route nehmen und nach Kamerun. Dann bis Yaounde und dort ein paar Nächte im Hilton verbringen. Yeah!

Die zweite Etappe wird dann die Strecke von Yaounde, Kamerun, bis zur Grenze in Namibia sein. Also Kamerun, Gabun, Congo und Angola. Es ist schwer zu sagen, welche der beiden Etappen anstrengender sein wird. Fakt ist, dass das die beiden „Königsabschnitte“ sind. Wenn ich die geschafft habe, bin ich praktisch „durch“. Denn die dritte Etappe ab der namibischen Grenze bis runter nach Südafrika ist zwar streckenmäßig auch nochmal lang, aber vergleichsweise leicht. Und spätestens bei der dritten Etappe bin ich ja hoffentlich nicht mehr allein unterwegs, sondern hab meine Süße auf dem Sozius und wir können weiter an unserer neuen Geheimsprache, Soziosisch , feilen ;-)


Zwei Monate habe ich knapp für diese drei Etappen. Da habe ich mir ganz schön was vor genommen. Bis zum 30.06. will ja spätestens in Südafrika sein zum ersten WM-Spiel, für welches ich die Tickets habe. Im Prinzip jeder Reisende, den ich treffe, rät mir, es langsam angehen zu lassen, mir mehr Zeit zu nehmen in einer bestimmten Region und mir diese genauer anzugucken anstatt diese ‚Jagd‘ nach Südafrika fortzusetzen und mehr oder minder durch zu brausen. Well, ich höre mir alle Ratschläge gerne an. Und, ehrlichweise, muss ich den Leuten auch Recht geben. Bei meiner Art der Reise muss ich viele interessante Dinge rechts und links des Weges liegen lassen und verpasse einiges. Aber, auch wenn ich ‚nur‘ durchrausche, so bekomme ich dennoch eine ganze Menge mit und sauge eine Menge Futter für meine Sinnesorgane und mein Hirn auf (siehe dieser Blog). Ich fühle mich nicht unterversorgt an Eindrücken. Sicher, besser wäre es, für diese Route ein ganzes Jahr zu veranschlagen oder auch zwei oder drei. Oder das halbe Jahr nur in einer Handvoll Länder, z.B. Westafrika, zu verbringen. Aber die Überlegungen führen ja zu nichts. Ich habe für mich entschieden, dieses halbe Jahr für eine ‚große‘ Reise kreuz und quer durch Afrika zu nutzen. Mir ist bewusst, dass ich unterwegs nicht alles sehen kann und die Fahrt auf dem Mopped an sich der zentrale Bestandteil der Reise ist. Und, ich will es schaffen, zur WM in Südafrika zu sein und mir die Spiele dort anzuschauen. Das ist mein Fokus, das ist mein Ziel. Wenn ich dabei nicht jede Sehenswürdigkeit oder jeden Nationalpark gesehen habe, sei es drum. Ich kann darauf verzichten. Ein Leben ist sowieso zu kurz für alles ,was es in der Welt zu entdecken gibt. Jetzt mal ganz im Ernst, selbst meine Heimatstadt Berlin bietet so viel Abwechslung und Unterschiedliches zu entdecken, dass ich im touristischen Sinne durchaus ein paar Jahre dort verbringen könnte, vielleicht sogar ein ganzes Leben. Es ist alles relativ und jeder muss für sich die ‚richtige‘ Entscheidung treffen.  Meine Entscheidung steht fest. Es soll weitergehen. Dakar ist noch nicht das Ende. Ich halte mir aber offen, wie es nach Südafrika ausschaut. Immerhin ist der zur Verfügung stehende Zeitraum für die Rückreise aus Südafrika bis Deutschland mit knapp zwei Monaten noch enger bemessen als der Zeitraum für die Hinreise. Da muss ich mir gut überlegen, ob ich das dann tatsächlich durchziehen möchte oder ob ich nicht vielleicht alternativ noch ein bisschen im südlichen Afrika umher cruise, dort etwas mehr Zeit verbringe und dann das Mopped auf’s Schiff verlade und selbst heim fliege. Mal sehen, bis dahin ist es ja noch eine Weile hin…

Aber erst mal Pause machen im Senegal ;-)


Habe beim Frühstück in der Zebrabar den Norweger mit unaussprechlichem Namen getroffen, von dem mir Sam und Simon gestern Abend schon begeistert berichtet hatten. Witziger Typ. Er hat auf seiner einjährigen Afrika-Tour auf dem Mopped (Yamaha) eine ähnliche Route wie ich verfolgt, nur entgegen gesetzt, also von Norwegen aus in den Nahen Osten, dann die Ostküste runter nach Südafrika und die Westküste wieder rauf. Er ist jetzt fast durch, hat 45000 Kilometer auf dem Tacho (hat hin und wieder mal einen ‚Schlenker‘ eingebaut) und natürlich eine Menge zu berichten. Offenbar hat er schon einiges an Erfahrung auf dem Buckel, war zum Beispiel auch schon mal für 15 Monate in Südamerika unterwegs…

Der Norweger bestätigt meine Annahme, dass Afrika mittlerweile eigentlich ein leicht zu bereisender Kontinent ist. Es gibt ganz überwiegend Teerstraßen und nur kurze Abschnitte von „dirt roads“, die zu befahren entsprechend länger dauert, aber auch keine übermäßige Komplikation darstellt. Da er sich selbst auch eher als „Straßenfahrer“ betrachtet, schenke ich seiner Aussage mehr Vertrauen als z.B. Didis, der ja ein bekennender Wüstenfuchs ist und das Heizen durch die Dünen über alles liebt. Der Norweger meint aber auch, dass es nicht ausbleibt, hin und wieder mal von der Maschine zu fallen, aufgrund der Straßenverhältnisse oder Sandpisten. Hier ist es wichtig, dass man die Maschine, auch wenn man sich mal weh getan haben sollte, selbst mit den eigenen Händen wieder aufrichten kann. Sonst kann man durchaus – wenn man in der Pampa und vor allem allein unterwegs ist – in „deep shit“ geraten. Okay. Meine GS habe ich ja im Rif-Gebirge schon einmal aufrichten können, im Sand oder vielleicht im Matsch wird das sicherlich schwieriger und ich muss mir irgendeine Art Hebel einfallen lassen. Kommt Zeit, kommt Rat… Für bestimmte schwierige Etappen sollte ich mich aber auf jeden Fall nach Gesellschaft umschauen. Es kann durchaus mal Etappen geben, wo man 200-300 Kilometer auf einer unbefestigten Piste unterwegs ist und es keine Sau gibt, die einem helfen kann. Solche Strecken mache ich dann doch lieber im Konvoi, und wenn’s ein Jeep ist, mit dem ich dann fahre…

Insgesamt hält er es aber für durchaus möglich, in zwei Monaten vom Senegal bis nach Südafrika zu reisen, insbesondere wenn man – wie ich – bereits alle notwendigen Visa in der Tasche hat. Eigentlich alle Traveller, denen ich bislang begegnet bin, planen das ein oder andere oder sogar alle Visa unterwegs zu beschaffen. Das erfordert dann noch einmal ein gehöriges Maß an zusätzlicher Planung, weil man in den entsprechenden Hauptstädten vorbei muss und die ohnehin nicht unkomplizierten Formalitäten auch noch im Ausland erledigen muss. Und das kostet mitunter mal richtig Zeit. Zeit, die ich nicht ‚verschwenden‘ muss.

Dem Norweger ist unterwegs die Federung/Dämpfung eingegangen, er hatte irgendwie Öl verloren und ist jetzt ganz besonders daran interessiert, „bumpy roads“ sowie Sandpisten und ähnliches zu meiden. Ich gebe ihm einen umfangreichen Bericht über die Strecke von Rosso nach Dijemma, auf der ich gerade gekommen bin, und er muss nun entscheiden, ob er sie nimmt oder doch die einfachere aber stressigere Strecke über den Grenzposten in Rosso.

Von ihm bekomme ich noch weitere wertvolle Tipps. Insbesondere für die Möglichkeiten, Nigeria zu durchqueren. Er sieht drei Optionen. Entweder mit der Fähre von einer Stadt in Südnigeria direkt nach Kamerun. Eine zentrale Strecke über Abuja und dann Mamfé nach Kamerun, wobei diese Strecke in einem ziemlich üblen Zustand sein soll. Außerdem ist diese zentrale Strecke aufgrund der Sicherheitslage in Nigeria nicht gerade Top of the Pops…

Oder eben die Nordroute von Niger kommend über Kano und Maiduguri nach Nord-Kamerun. Auf dieser Strecke hat man auch ca. 300 Kilometer „dirt road“, die aber ganz okay sein soll. Ich werde wohl diese Route nehmen. Bevor es jedoch soweit ist, werde ich mich nochmal eingehender mit der ganzen Sicherheitsproblematik in Niger/Benin/Nigeria auseinander setzen. Soll ja auch alles Spaß machen, die Geschichte, gel?

Während der Norweger weiter will nach St. Louis, um einige organisatorische Dinge zu regeln,, und verzweifelt versucht, seine Rechnung hier in der Zebrabar zu bekommen, gucke ich mir mal seine Maschine an. Eine Yamaha, entsprechend angepasst für die Herausforderungen in Afrika ;-)



Die Service-„Qualität“ in Afrika ist eben eine andere, daran konnte sich der Norweger offenbar noch nicht so richtig gewöhnen. Für ungeduldige Naturen isses halt auch schwer. Ich gehöre auch dazu, ma gucken, was mich noch so an Herausforderungen erwartet.

Witzig und speziell am Norweger ist, dass er keinerlei Internet-Seite oder Blog oder ähnliches betreibt. Alle, die ich bislang getroffen habe, machen so etwas. Er nicht. Und das finde ich interessant. Er möchte jegliche Publicity vermeiden und rümpft die Nase über Leute, die sich auf diese Art irgendwie auf eine Bühne hieven wollen. Ich glaube ihm als er mir von Globetrottern und Overlandern berichtet, die ausschließlich aufgrund der Publicity, die ihre Reisen erzeugen, unterwegs sind. Ich merke es selbst an mir. Es gibt definitiv die Versuchung, sich während des Trips von sich selbst zu entfernen und eine „Inszenierung“ zu beginnen. Vielleicht tue ich das ja auch schon die ganze Zeit? Wann tue ich etwas nur für mich und wann fange ich, bestimmte Dinge in erster Linie für jemand anderes zu tun? Ist vielleicht schwer nachzuvollziehen, aber das ist genau der Punkt, der mir an den DVDs vom „Long Way Down“ mit Ewan MgGregor und Charlie Boorman so ein bisschen aufgestoßen ist. Aber ich fühle, dass mein Blog in erster Linie für mich selbst da ist, eine Möglichkeit, alles abzuladen, was sich anhäuft. Nach einem Blog-Eintrag fühle ich mich immer irgendwie befreit und offen für Neues. Trotzdem ist es auch eine willkommene Möglichkeit, meine Erlebnisse und Gedanken zu teilen. Und ich freue mich darüber, wenn die Einträge gelesen werden und Kommentare kommen.

Anyway, ich respektiere und achte die Haltung des Norwegers. Wir tauschen diesmal keine Kontakte aus, es gibt keine Blog-Adressen und ich fotografiere auch nur seine Maschine, nicht ihn selbst. Ich wünsche ihm viel Glück für seine letzten (8000 oder so…) Kilometer und wir verabschieden uns.

Auf dem Campingplatz, den ich langsam immer mehr erkunde, scheinen so einige „Overlander“ zu campieren. Mir waren schon an der Grenze in Dijemma einige „Monster Trucks“ aufgefallen, die ich hier auch wieder antreffe. Eine Deutsche, Monika, vielleicht 40-45, treffe ich ebenfalls. Sie macht einen etwas hippiemässigen Eindruck und scheint dem Stress in Deutschland entflohen zu sein. Wir können uns ganz nett unterhalten. Sie ist mittlerweile schon seit 5 Wochen hier in der Zebrabar und sucht nach einer geeigneten Mitfahrgelegenheit Richtung Osten. Sie war ursprünglich auch mit so einem Truck mitgefahren. Die Leute, mit denen sie gereist war, hatte sie über ein Inserat gefunden. Nach einer Weile war die Dreisamkeit (sie und ein Pärchen) aber too much und sie hat es nicht mehr ausgehalten und ist ausgestiegen. Ich kann das extrem gut nachvollziehen. Diese Reisepartnerschaften sind so eine Sache. Am Anfang mag es noch wunderbar funktionieren und auch harmonieren, nach einer Weile geht man sich aber erbarmungslos auf die Nüsse. Auf so einer Reise sind die Bedingungen einfach etwas extremer. Man muss ständig Kompromisse eingehen und jede noch so kleine Macke des anderen offenbart sich früher oder später. Entweder ist man dann extrem gut im Einstecken oder übertolerant. Oder man ist eben nach einer Weile total genervt und hat die Schnauze gestrichen voll. Wenn die Chemie zwischen den Leuten nicht stimmt, ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Selbst  wenn man zu Beginn der Reise beste Freunde ist, kann so ein Trip eine harte Bewährungsprobe für eine Freundschaft darstellen.

Also, ich bin eigentlich ganz zufrieden, dass ich allein unterwegs bin und vorher auch nicht aktiv nach Reisepartnern im Internet recherchiert habe. Leute treffe ich ohne Ende auch unterwegs. Klar, würde ich gerne auch mal eine Teilstrecke in Gesellschaft fahren. Macht ja auch Spaß, und ich hoffe, es ergibt sich demnächst mal. Aber allein die Vorstellung, die gesamte Strecke mit jemand anderes zu fahren, der vielleicht auch noch ein bissel komisch drauf ist – nein, danke.

Die einzige Person, mit der ich mir das wirklich vorstellen könnte, ist mein Ninalein. Wir waren ja schon mal in Ghana unterwegs, zugegebenermaßen eine etwas andere Konstellation. Aber ich bin mir sicher, dass wir auch ein halbes Jahr gemeinsam schaffen würden, ohne uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen (eine Situation, die mit jeder anderen Person definitiv irgendwann eintreten würde).

Alright, ich wünsche Monika, so heißt die Deutsche auf dem Campingplatz, alles Gute für die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit und drücke die Daumen. Die Engländer haben derweil einige Problemchen mit ihrem Jeep. Die Klimaanlage ist ausgefallen und der elektrische Fensterheber in der rechten Tür funktioniert nicht mehr. Schöne Scheiße, und das vor den bevorstehenden Hitzeländern Mali und Burkina Faso. Hoffentlich kriegen sie’s gefixt…

Ach ja, ich hab mir ja für heute vorgenommen, auch etwas fleißig zu sein. Es steht ein Waschtag an und ich will mein Mopped mal gründlich durchchecken. Das unglaublich geringe Ölverbrauch macht mir sowieso schon lange Zeit Gedanken. Dazu mal die Kupplung abchecken. Die Reifen angucken und den Luftdruck korrigieren. Dazu irritiert mich die ganze Beleuchtungsanlage und Elektrik am Cockpit mittlerweile ganz ordentlich. Das Abblendlicht geht wie durch ein Wunder wieder, die Lampf-Meldung scheint nicht mehr auf. Dafür setzt die Hupe hin und wieder mal aus, geht dann aber auch wieder. Und die Nebelscheinwerfer scheinen komplett ausgefallen zu sein, warum auch immer. Ich werde das Gefühl, dass diese Probleme alle irgendwie miteinander zusammen hängen. Vielleicht ist irgendwo zu viel Sand reingekommen. Ma gucken, vielleicht kann ich heute auch mit Papa telefonieren und er gibt mir ein paar Tipps.

Erst mal fahre ich aber nach St. Louis, Cash ziehen an nem ATM und mal kurz ins Internet gehen, meinen Blog online stellen ;-)

Und dann will ich mich auch mal an den Strand legen und einfach nur chillen. Ich fahre dann wohl erst am Sonntag oder Montag weiter nach Dakar. Hier isses wirklich schön!