Mittwoch, 23. Juni 2010

The Sound of Afrique - Ich bin wieder hier

Well, was soll ich sagen? Kinshasa und icke, das muss wohl Liebe sein. Diese Stadt zieht mich an, wie das Licht die Fliegen. Wir können nicht voneinander lassen. Bin wieder in meiner Hood, bei meinen Homies, den Priestern und Schwestern in der Katholischen Mission. Echt 'n cooles Ding.

Mal sehen, vielleicht find ich ja auch demnächst mal ne schicke Wohnung hier. Eventuell mit Garten. Dann kann ich mir Gartenzwerge besorgen und mit ihnen gemeinsam auf das Angola-Visum warten...


Westernhagen - Ich bin wieder hier

Ich hab Dich wirklich lieb, wenn es so etwas gibt.
Ich hab Dich wirklich lieb, in meinen Träumen.
Ich find Dich wunderschön, zu schön um zu verstehn.
Das alles mal vergeht, in meinen Träumen.

Ich bin wieder hier, in meinem Revier,
war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.
Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein
und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein.

Ich hab Dich wirklich lieb, auch wenn ich Dir nie schrieb
und Dich verleugnet hab, in meinen Träumen.
Wenn Du vergessen kannst, alles vergessen kannst,
dann schenk mir diesen Tanz, ich will nichts versäumen.

Ich bin wieder hier, in meinem Revier,
war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.
Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein
und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein.

hm hm hm hm hm

Ich bin wieder hier, in meinem Revier,
war nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.
Ich rieche den Dreck, ich atme tief ein
und dann bin ich mir sicher, wieder zu Hause zu sein.

Ich bin wieder da, noch immer ein Star,
noch immer ein Held, für kein Geld der Welt.
War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt
und eines ist sicher, ich geh nie wieder weg.
Ich bin wieder hier.

Tag 86 - Und wieder mal Kinshasa

Boah, das war dann wohl wieder nix. Bin am Montagnachmittag wie verabredet hin zum Angolanischen Konsulat in Muanda. Ich hab mir wie immer die ‚akademische Viertelstunde‘ genehmigt und war dann ‚cum tempore‘ pünktlich um 1545Uhr am Konsulat. Der Typ von der Security begrüßt mich gleich mal mit einem Kopfschütteln. Ich sollte doch um 1530Uhr wieder kommen, jetzt wäre es schon 1555Uhr (geht meine Uhr falsch,  oder was?). Okay, Keule, was willst du mir jetzt damit sagen? Dass ich den ganzen beschissenen Tag in Muanda umsonst gewartet hab, oder was? Ich fass es nicht, aber genau das ist die Message! Der Typ geht nochmal in’s Gebäude, kommt nach einer Weile wieder raus und sagt mir, dass das Büro jetzt geschlossen sei und der Typ, mit dem ich am Vormittag geredet hatte, inzwischen nach Hause gegangen ist.


Well, jetzt reicht’s. Jenuch is jenuch. So lasse ich mich jetzt nicht abfrühstücken. Ich hab einen – enorm – dicken Hals und erkläre dem Security-Freak, was Sache ist. Es ist echt zum Kotzen. Diese Wichser haben sowieso den ganzen Tag über nix zu tun, weil El Cheffe nicht da. Und wenn die Katze aus’m Haus ist, tanzen die Mäuse auf den Tischen. Okay, kann ich ja alles wunderbar verstehen. Aber das der Typ vom Vormittag sich einfach so nach Hause verpisst, ohne wenigstens eine Nachricht zu hinterlassen, finde ich schon extrem abartig. Ich hatte ihm ja lang und breit meine missliche Situation erklärt, und ich hatte schon das Gefühl, dass er es verstanden hatte. Jetzt sagt mir der Security Typ, ich solle doch morgen früh wieder kommen. Aha, nochmal 120 Dollars für ein beschissenes Zimmer investieren, noch einen Tag verlieren? Und das nur, um zu erfahren, wann dieser beknackte Konsul gedenkt, wieder zur Arbeit zurück zu kehren? Scheiße, Alter! Na ja, ich mache jedenfalls eine Menge Wind und gebe mich nicht zufrieden. Ich will die Adresse des Typen, mit dem ich am Vormittag geredet hatte, oder wenigsten die Telefonnummer. Kann ja wohl nicht so schwierig sein, diese simple Information zu übermitteln, oder? Okay, es dauert und dauert. Aber noch 30-45 Minuten geschieht das Wunder: der Typ vom Vormittag steht mir plötzlich gegenüber. Also doch wieder da. Toll! Well, dann geht’s sehr schnell. Ich brauche bloß einen Satz hören. Er beginnt mit „malheurissment“ (sorry für die französische Rechtschreibung). Der Konsul kommt erst am Freitag oder Samstag wieder. D.h. ich kann den Visumsantrag (dauert normalerweise hier für Transitvisa zwei bis drei Tage) frühestens am Montag nächster Woche abgeben. Das Visum hätte ich dann frühestens am Mittwoch oder Donnerstag. Okay, das ist doch alles, was ich hören wollte. Bemerkenswert finde ich, dass die Übermittler schlechter Nachrichten immer ein breites Lächeln auf dem Gesicht haben. So war es heute, so war es auch schon am Freitag in der Botschaft in Kinshasa. Hmm, ich muss mich ein bisschen zusammen reißen, um mich dadurch nicht provoziert zu fühlen. Aber mittlerweile begreife ich allmählich, dass das Lächeln auch nicht provozierend gemeint ist. Ist eine Mentalitätssache, denke ich mal – und sicher gewöhnungsbedürftig… Genauso wie die Szenen, die ich auf meiner Anreise nach Muanda am Sonntag beobachtet hatte. Sonntag ist offenbar ‚Beerdigungstag‘. Ich hatte in einigen Städten gesehen, wie eine Menschenmenge auf der Straße entlang läuft. Sie trugen einen Sarg die Straße entlang. Aber es war nicht wirklich eine Trauerprozedur. Die Menge machte stattdessen eher eine „Party“! Sie sangen, tanzten, lachten – schienen fröhlich zu sein. Eine ziemlich makabre Situation – in meiner Sichtweise als Europäer… 

Okay, im Konsulat bedanke ich mich fast überschwänglich für die (eigentlich total beschissene) Information, die gerade erhalten hatte. Ich weiß jetzt, dass der Weg nach Muanda umsonst war und dass ich wieder zurück fahren werde nach Kinshasa. Ich lasse mir die Telefonnummer von Francois geben, der Typ, mit dem ich geredet hatte. Wer weiß, ob ich nicht noch einmal hier zurückkehre(n muss). Der Security Typ ist offenbar der Meinung, dass er sich durch seinen Service (?) ein Trinkgeld verdient hätte und fragt mich danach. Ich gucke ihn ungläubig an, kann mir ein bitteres Lächeln nicht verkneifen, packe meine Sachen und fahr los.

Ich fühle mich aber insgesamt nicht wirklich angepisst. Ich weiß, dass ich mein möglichstes getan habe, in dem ich Muanda probiert hab. Klar, ich hätte wohl besser mal versuchen sollen, vorher anzurufen. Dann hätte ich mir womöglich die 1200 Kilometer und zwei verlorene ‚Business Tage‘ sparen können. Aber ich beruhige mich damit, dass ich höchstwahrscheinlich sowieso niemanden an’s Telefon bekommen hätte. Ich erinnere mich an meine zahlreichen Versuche, in der Anfangsphase meines Angolanischen Visumantrags in Berlin die Angolanische Botschaft per Telefon zu erreichen. Aussichtslos. Hab dann relativ bald mit diesen törichten Versuchen aufgehört…

Na ja, sei’s wie’s is. Es war mittlerweile 1630Uhr, und ich wollte am Montagabend wenigstens noch den schwierigen Abschnitt zwischen Muanda und Boma schaffen, damit ich morgen nicht wieder so einen Höllenritt vor mir hab. Ich schreibe Nina noch eine SMS und kündige an, dass ich mir demnächst wohl eine Angola-Flagge besorgen werde und diese solange zum Arschabwischen benutze, bis ich das Visum endlich habe. Muss mir bloß noch überlegen, wie ich die Kackfahne dann in geeigneter Form an eine Angolanische Botschaft oder ein Konsulat übergebe. Per Post oder persönlich? Hmm, vielleicht per DHL, die sind ja auch ziemlich groß hier unten in Afrika und können bestimmt solch wichtige Sendungen zuverlässig und ‚in time‘ liefern.

Ich hatte mich am Sonntagabend nicht getäuscht: der Weg zwischen Boma und Muanda ist einfach beschissen, zumindest für Moppedfahrer. Es gibt weite Abschnitte mit viel losem Sand, und ich nehme das als weitere Gelegenheit, meine Skills im Sandfahren zu verbessern. Mittlerweile habe ich den Wert der Hinterradbremse begriffen. Auf dem Asphalt benutze ich sie praktisch nie – allenfalls im Schritttempo, wenn ich versuche, so langsam wie möglich zu schleichen. Im Sand jedoch ist sie unverzichtbar, und ich konnte auf der Fahrt am Montagabend schön üben. Finger weg von der Vorderbremse und immer den rechten Fuß auf der Hinterradbremse haben. Ganz schöne Umgewöhnung. Aber auf die Hinterradbremse kann ich praktisch im Sand volles Rohr drauf gehen, ohne das Bike zu destabilisieren. Well, wieder was gelernt. Trotzdem dauert die Fahrt gen Boma wieder fast vier Stunden. Zumindest den ultra hardcore Teil (die ersten 20-30 Kilometer ab Muanda) konnte ich heute mal im Hellen fahren, was schon mal wesentlich angenehmer war als gestern. Ca. 30 Kilometer vor Boma war’s dann stockduster. Junge, Junge. Ich schaff’s auch jedes Mal, mich in eine ‚herausfordernde‘ Situation zu bringen.






Eine neue großartige Begleiterscheinung auf meinen Fahrten durch die DRC sind die Feuerchen, die am Straßenrand lodern. Irgendwie scheint das hier die bevorzugte Methode zum Rasenmähen zu sein, was weiß ich. Im Dunkeln sieht es ganz putzig aus, wenn am Horizont diese Feuer aufscheinen. Ich hab’s aber auch schon überlegt, dass mich in einer schlecht einsehbaren Kurve plötzlich eine Wand aus Qualm und Funken erwartet. Die kennen da kein Pardon und fackeln das Gestrüpp ab, ohne Wenn und Aber. Hatte schon einige Male richtig Angst, dass meine Motorradklamotten (Polyester!) Feuer fangen. Abgesehen davon, dass es in den Augen brennt wie Sau und ich nix sehe… Es wird echt nie langweilig auf der Reise…

Aber ich schaffe es – wenn auch ziemlich erschöpft und müde – unbeschadet bis nach Boma. Fast… Mir geht die ganze Zeit durch den Kopf, dass das Spanien-Honduras Spiel bereits angefangen hat, und ich würde mich gerne damit belohnen, zumindest noch die zweite Halbzeit gucken zu können. Kurz nach dem Ortseingang von Boma sehe ich dann auch die erhoffte Menschenmenge vor einem Fernseher, der am Straßenrand aufgebaut ist. Ich halte an, dreh meinen Rüssel in ihre Richtung und versuche, irgendwas auf dem Bildschirm zu erkennen. Dummer Junge. Ich merke nicht, dass der Untergrund hier ziemlich geneigt ist. Ich drehe mich noch weiter um. Und dann merke ich, dass ich mich vielleicht zu sehr gedreht hab. Die Maschine neigt sich zur Seite und ich versuche mich mit dem rechten Fuß gegen zu stemmen. Aber ich hab‘ keine Power mehr heute Abend. Voila. Umfaller Nummer 5. Wie sollte es anders sein, natürlich auf die rechte Seite. Aua. Na ja, mittlerweile fast schon Routine. Ich mache mir keine Sorgen um’s Bike. Die schwarze Prinzessin ist das ja schon gewohnt. Aber wieder mal einer super peinliche Aktion. Die Leute aus der Menge gucken natürlich nicht schlecht, aber zumindest gibt’s keine höhnischen Kommentare oder so. Okay, Bike aufrichten. Ich brauche Hilfe, aber der hoffnungslos verpeilte Typ, den ich deswegen anspreche, ist einfach zu blöd. Irgendwie schaffe ich es dann aber doch mit seiner Hilfe und der Hilfe eines Straßenpolizisten, der durch die Situation angezogen wurde, das Bike wieder hoch zu hieven.  Aber auch der Bullizist scheint von einem anderen Stern zu sein. Er meint, er könne Englisch, also versuche ich, mit ihm Englisch zu reden und ihm begreiflich zu machen, dass er bitte das Bike halten solle, damit ich um das Mopped herumgehen und es auf den Seitenständer stellen kann.  Nix comprende. Aber mit viel Zeichensprache rafft er’s dann doch noch. Er fragt mich „do you drink“? Und ich krieg mich nicht mehr ein. Er glaubt, dass ich im Suff unterwegs bin und herum torkele. Ist das hier „Verstehen Sie Spaß?“ oder was. Wo sind die versteckten Kameras? Na ja, alles halb so wild. Ich kauf mir erst mal wat zu Trinken und stecke mir ne Kippe an. Dann versuche ich mir den Weg durch die Menge zu bahnen hin zum Fernseher. Wie steht’s denn nu eigentlich? Aber die surreale Situation vervollständigt sich, als ich sehe, was die Leute hier eigentlich gucken. Ist auf jeden Fall nicht Fußball. Sondern so eine Art Soft Porno. Und Jung und Alt scheinen sich prächtig zu amüsieren, auch die Kids. Irre, dieses Land ist echt irre. Aber ich mag es irgendwie ;-)

Okay. Ich lasse mir von den Leuten ein Hotel empfehlen. Boma ist ein ziemlich großes Städtchen, hab ich den Eindruck. Zwar nicht vergleichbar mit Matadi oder gar Kinshasa, aber auch kein kleines Nest.

Das Hotel meiner Wahl ist das „Titi Espoir – Nkuangilalele“. Auch wen ich mir bestimmt fünfzehn Mal den Namen sagen lasse, muss ich es letzten Endes aufschreiben lassen. Wie kompliziert kann ein Name sein? Na ja, auf jeden Fall ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass es noch ein zweites Hotel mit gleichem Namen gibt…

Das Hotel ist ganz nett, die Leute sind cool, mit 70 Dollars zwar kein Schnäppchen, aber immer noch besser als die Hotels in Muanda. Irgendwie bin ich ganz schön überdreht. Nachdem ich mein Mopped auf dem Parkplatz des Hotels abgestellt hab, hole ich in einer leicht verrückten Euphorie meine Deutschlandfahnen, die ich in Kinshasa gekauft hatte, raus und hisse sie auf dem Mopped. Leckt’s mi do oam Oarsch! Ich nehm’s wie’s kommt. Ist zwar eine ganz schöne Scheiße, aber passt schon…


Ich ziehe mir noch ein paar Folgen Lost rein, ratze dann und wache ziemlich verkatert auf. Fühle mich erkältet und ziemlich schlapp. Aber nützt nix, ich muss weiter nach Kinshasa. Es dauert eine Weile, bis ich aus dem Hotel ausgecheckt habe. Ich bekomme keine Kohle an den Geldautomaten der Stadt und muss mal wieder ein paar meiner geliebten Euronen abdrücken.







Um halb zehn breche ich dann schließlich auf. Es ist noch eine lange Strecke zurück nach Kinshasa, ca. 460 Kilometer… Mit fällt’s heute relativ schwer, voran zu kommen. Ich fühle mich nicht fit, und die Strecke zieht sich.

Um kurz nach zwölf habe ich die 120 Kilometer von Boma nach Matadi geschafft und mache eine Pause zum Cash abheben, Futtern, Tanken und Telefonieren. Das Telefonat mit Nina bzw. die vielen Telefonate ziehen sich in die Länge. Entweder bricht die Verbindung ab, oder der Kredit ist mal wieder abgelaufen und ich muss beim Checker nebenan aufladen gehen. Die Qualität der Verbindung ist auch nicht gerade erste Sahne, und wir müssen unsere Sätze immer wieder wiederholen, bis der andere es auch ansatzweise verstanden hat, was wir sagen wollten. So ist Telefonieren kein Zuckerschlecken. Und dabei ist es so wichtig, dass wir wieder einmal so ‚richtig‘ miteinander reden. Ich verdränge  zu leicht angesichts meiner eigenen Probleme, die ich hier unten habe, dass es auch noch eine andere Realität gibt. DIE Realität, zu Hause. Und in dieser Realität gibt es Ängste und Sorgen, Einsamkeit und das Gefühl von Verlassensein, vielleicht auch hin und wieder eine Portion Wut und Unverständnis. Ich kann es verstehen, gut verstehen. Und ich stecke in einem Dilemma. Warum mache ich diese Reise? Warum ‚klinke‘  ich mich ein halbes Jahr aus und lasse den Menschen, den ich liebe, allein?  Ich kann keine Antwort aussprechen. Es gibt da aber dieses Gefühl im Bauch, dass mir sagt, dass ich diese Reise machen MUSS. Das es richtig ist. Und das es gerade deswegen richtig ist, weil es alles andere als leicht ist.  Und, für mich steht die Reise in keinem Widerspruch zur Liebe. Im Gegenteil, sie ist ein Teil davon, ein essentieller, notwendiger Teil. Aber wie kann ich das verständlich machen, wenn ich selbst nicht einmal richtig begreife?

Well, es ist halb zwei. Und ich setze meinen Weg fort, von Matadi nach Kinshasa. Zum nun mehr vierten Mal geht’s auf die 360 Kilometer. Ich weiß, dass die Strecke zurück nach Kinshasa etwas schwieriger ist, der Straßenbelag auf dieser Seite ist einfach welliger und schlechter. Ich will vorsichtig fahren; ich möchte – was auch immer passiert –nicht ein weiteres Opfer auf irgendeiner blöden Unfallliste sein. Das ist erst mal das Wichtigste, und darauf muss ich mich konzentrieren. Wenn ich was gelernt habe bislang, ist es, das es absolut nicht geht, ‚emotional‘ zu fahren. Auf dem Mopped muss ich 100% konzentriert sein; ich darf weder abgrundtief traurig oder himmelhochjauchzend fröhlich sein. Diese Gefühle sind auf dem Bike absolut gefährlich. Ich genieße das ja auch gerade. Dieses unbeschreibliche Flow-Gefühl, was es in mir auslöst, einfach zu fahren. Abzuschalten und mich einzig und allein auf das Motorrad und die Straße zu konzentrieren. Und dabei die vielen Informationen um mich herum aufzusaugen, zu verarbeiten und in die entsprechenden Hand- und Fußbewegungen zu ‚übersetzen‘. Es gibt kaum etwas besseres…

Heute geht’s aber wie gesagt schleppend vorwärts. In Songololo mache ich nochmal eine Pause, mir tut der Arsch weh und ich hab Durscht. Dann geht’s weiter. Nochmal knapp 120 Kilometer bis Mbanza-Ngungu. Ich beschließe, hier eine weitere Pause zu machen und eine Location zu suchen, wo ich den Rest der zweiten Halbzweit der Gruppe A Vorrundenspiele anschauen kann. In einem Hotel werde ich auch fündig. Ich sehe, wie die Franzosen ihr Waterloo erleben. Ich bin einigermaßen geschockt. Wie kann eine Mannschaft mit so großartigen Einzelspielern so eine grottenschlechte WM spielen? Einfach katastrophal. Aber wenigstens kommen die Südafrikaner nochmal zu einem Erfolgserlebnis, auch wenn es zu spät ist. Ich kotze ein bisschen, weil es null Infos zum anderen zeitgleich stattfindenden Spiel zwischen Uruguay und Mexiko gibt. Ich überlege auch die ganze Zeit, wie eigentlich die Regeln ausschauen bei Punktgleichheit in den Gruppen. Zählt dann das Torverhältnis oder der direkte Vergleich? Es wurmt mich irgendwie. Das muss ich doch wissen, Mann! Na ja, die Leude hier meinen auf jeden Fall, dass Südafrika und Frankreich raus sind. Ein bisschen deprimierend. Ich hätte es beiden Teams gewünscht, weiter zu kommen. Aber so isset halt im Leben, ähem, im Fußball, meine ich natürlich…

Juti, ich hätte vielleicht besser überlegen sollen, wo und vor allem wie lange ich anhalte. Es ist 1700Uhr, als ich weiter fahre. Und es sind noch knapp 150 Kilometer. Schöne Scheiße. Ich werde – wieder einmal – im Dunkeln ankommen. Und das heute, wo ich ja eigentlich besonders sicher fahren wollte. Und dann noch rein nach Kinshasa, das wird bestimmt nicht angenehm. Ich bemühe mich, so viele Kilometer wie möglich im Hellen zu machen und komme noch bis zur Peage-Station, ca. 40 Kilometer vor Kinshasa. Wenigstens.

Der Weg rein nach Kinshasa ist dann aber tatsächlich die pure Hölle. Tagsüber war hier nicht so viel los, aber abends geht die Post ab. Stau ohne Ende, Smog, Abgase, Staubwolken. Dazu entgegen kommende Kamikaze-Fahrer. Ständig bekomme ich Lichthupe gezeigt. Ich kann nur mit offenem Visier fahren, weil ich sonst nichts sehe. Ständig kriege ich irgendein Fliegen-/Mücken-/Weiß-der-Geier-was-Geschmeiss in die Augen. Voll Kacke, voll anstrengend. Aber es klappt.

Ich komme kurz vor halb acht auf den Boulevard, in der City. Und ich habe das Gefühl, wieder ‚zu Hause‘ zu sein, als ich den Boulevard hinab cruise. Wie gesagt, vielleicht ist der ganze Stress mit dem Angola-Visum ja auch eine Art ‚Bestimmung‘ und ich soll (?) hier in der DRC, in Kinshasa, sein. Wer weiß. Auf jeden Fall freue ich mich schon, wieder in die Mission einzuchecken. Komisch, gel? Ich fahre die vertrauten Straßen lang und auf das Gelände der Mission. Puah, geschafft.

Ich hatte von Matadi aus den Priester angerufen, der mir in Kin schon beim Kauf der Batterie geholfen hatte. Er hat dann die Zimmerreservierung für mich gemacht. Mir fiel dennoch ein ziemlicher Stein vom Herzen, als ich den Zimmerschlüssel tatsächlich (bei der Schlafmütze an der Bar) bekommen hab. Ich lade meinen Kram ab, dusche das erste Mal seit ein paar Tagen und begeb mich dann in die Bar. Es läuft die zweite Halbzeit zwischen Nigeria und Südkorea. Wie es ausschaut, fliegt hier und jetzt die nächste afrikanische Mannschaft aus dem Cup.

Ich führe nochmal ein langes Skype-Telefonat mit Nina, in dem endlich mal wieder ‚richtig‘ und ohne Zeitdruck reden können. Meine Bekannten aus der Mission trudeln nach und nach ein. Und immer wieder muss ich meine Geschichte von der erfolglosen Fahrt nach Muanda wiederholen. Auf der einen Seite nervt es und strengt an. Auf der anderen Seite tut es aber auch irgendwie gut, es wieder und wieder loszuwerden und ein bisschen ‚Trost‘ einzuheimsen… Und dann geht's ab in's Bettchen. Das Kruzifix nochmal schön gerade rücken und aus das Licht. Bonne nuit.

The Sound of Afrique - Mein Ding

Udos letzte Pladde find' ich einfach mal sehr geil. Eigentlich alle Songs, aber den hier besonders. Wie's Bela B. ausdrücken würde: "Mach dein Ding! Steh dazu! Heul nicht rum, wenn andere lachen!"


Udo Lindenberg - Mach dein Ding

Als ich noch ein junger Mann war
saß ich locker irgendwann da
Auf der Wiese vor´m Hotel Kempinsky

Trommelstöcke in der Tasche
in der Hand ´ne Kognak flasche
Und ´n Autogramm von Klaus Kinsky

Ich guckte hoch auf´s weiße Schloß
oder malochen bei Bloom und Voss?
Irgendwie das war doch klar
irgendwann, da wohn´ ich da

In der Präsidentensuit
wo´s nicht reinregnet und nicht zieht
Und was bestell´ ich dann?
Dosenbier und Kaviar und ich mach mein

Ding egal, was die anderen sagen,
ich geh´ meinen Weg, ob g´rade, ob schräg das ist egal ich mach mein
Ding egal, was die anderen labern

Tag 85 – Muanda: Tolle Landschaft, unglaubliche Abzocke und immer noch kein Visum

Nachdem ich am Samstagmorgen meinen Entschluss gefasst hatte, meine Visumsodyssee in Muanda statt in Kinshasa fortzusetzen, stand Abschied Nummer 2 auf dem Programm. Zum ersten Mal habe ich deshalb am Samstagnachmittag meinen beleibten Körper die Stufen zum Dach der Mission hinauf geschleppt, um die Aussicht von dort oben zu genießen. Ist zwar nicht der chilligste Ort, den man sich vorstellen kann, aber das Panorama ist schon sehr nett. Ich hab’s sowieso extrem spät gerafft, dass wir hier in unmittelbarer Nähe des Congo River wohnen. Aber auch „Downtown“ ist nur einen Steinwurf entfernt. Die Lage der Mission ist einfach perfekt für solche armen Seelen wie mich, die eine unbestimmte Zeit in Kinshasa verbringen müssen, um beispielsweise ein Visum zu beantragen…



 


Ansonsten stand am Samstag nur noch Chillen, auf Sonntag vorbereiten sowie Futte und Lost gucken auf dem Programm. Ich habe in der Mission ausgecheckt und meine Rechnung über 240 US Dollar (40 pro Nacht) beglichen. Ziemlich korrekt würde ich sagen.



Well, ich hatte mich zum Schluss auch ziemlich wohl gefühlt in der Mission. Nicht, dass ich die Abläufe hier mittlerweile ansatzweise verstanden hätte, aber ich hatte zu den meisten Angestellten bzw. Leuten, die hier einfach rumhängen (so leicht kann man das nicht auseinander halten) ein sehr gutes Verhältnis, und praktisch alle wussten über meine Situation Bescheid. Am Freitag oder Samstag hatte ich sogar mal die Gelegenheit, aus meinem Selbstmitleid und Egoismus ein wenig rauszukommen. Bernadett, eine Nonne aus dem Schwarzwald, lebt irgendwie im Ost-Kongo mitten im Dschungel und kommt einmal im Jahr nach Kin, um Sachen zu organisieren. Sie hängt auch in der Mission rum und schläft dort mitunter auf dem Boden.     Sie zieht also ne ganz harte Nummer durch. Nun, ich hatte in meiner Butze zwei Matratzen und konnte ihr eine abgeben…

Well, zwei Wochen sind aber auch definitiv genug, 6 Nächte auf der Wiese und 6 weitere Nächte in meinem Zimmerchen, und ich bin froh, endlich wieder etwas „tun“ zu können und nicht nur zu warten.

Am Sonntag, den Tag meines Abschieds, habe ich das erste Mal geschafft, pünktlich zum Frühstück im Essenssaal der Mission aufzutauchen. Es stand ja auch einiges bevor, immerhin wollte ich die Strecke nach Muanda an einem Tag schaffen. Die 350 Kilometer bis Matadi kenne ich ja mittlerweile in- und auswendig, so kommt’s mir jedenfalls vor. Mir war noch nicht klar, wie ich von Matadi wieder über den Congo River kommen würde. Gibt es da eine Fähre oder vielleicht doch ne Brücke? Nach Matadi standen dann nochmal zwei weitere Etappen auf dem Programm. Matadi-Boma, soweit ich es verstanden hatte eine Piste de Terre, also Dirt Road, 120 Kilometer, und dann nochmal zum Abschluss 95 Kilometer von Boma nach Muanda, auf einer neuen „sehr guten“ Straße. Dass ich da etwas verwechselt hatte, sollte ich später noch deutlich merken…

Na ja, Sachen gepackt, von den Leuten verabschiedet, etwas Öl nachgefüllt, nochmal zur Bank und zur Tanke. Um ca. zehn Uhr war ich ‚on the road‘ gen Matadi. Zum dritten Mal diese Strecke. Schon beim ersten Mal ist mir aufgefallen, wie schön Kongo eigentlich ist. Ich mag die Gegend, die bewaldeten Hügel, das bisschen Dschungel, den man in diesem Teil des Landes nur erahnen kann und über allem der mächtige Strom der sich seinen Weg gen Westen bahnt. Und, es ist ein geiles Gefühl, wieder auf der Maschine zu sitzen und fahren zu können. 98 Pferdestärken unter’m Arsch; zurück auf der Piste; endlich wieder Gas geben. Ich hatte schon einige Sorgen, wie es heute laufen würde. Immerhin war ich zwei Wochen praktisch ‚auf der Couch‘. Außerdem steckt die Geschichte mit Mikey im Hinterkopf.

Aber ich habe mich wohl gefühlt auf der Straße heute. Fit und konzentriert. Die 350 Kilometer bis Matadi hatte ich in knapp viereinhalb Stunden abgerissen. Ich hatte mir noch überlegt, ob ich vielleicht nochmal in ‚meinem alten‘ Hotel oder vielleicht sogar in der Polizeibutze, wo ich den vorvergangenen Samstag verbracht hatte, vorbei schaue. Aber was hätte es gebracht? Ich hatte ja noch ein Stückchen vor mir und beschloss, lieber Gas zu geben.



Gott sei Dank gibt’s tatsächlich ne Brücke, kurz nach Matadi in Richtung Boma. Ich hätte es kaum für möglich gehalten. Immerhin ist der Congo nicht gerade ein kleines Fließ. Und, die Brücke vor dem Hafen (in Richtung Meer) zu bauen, finde ich auch ziemlich komisch. Ist mir aber auch scheißegal, auf jeden Fall konnte ich für 1000 Franc die Brücke passieren und war drüben. Jetzt sollte bald die Dirt Road anfangen, gel? Well, die Straße wurde schlechter, als sie es auf dem Weg von Kin nach Matadi ist. Aber Dirt Road? Dirt Road war’s dann auch nicht. Viele Schlaglöcher und zwischendurch mal Sand, aber in zweieinhalb Stunden war ich durch und in Boma.



Mittlerweile war’s halb sechs und mir dämmerte, dass ich es wohl nicht mehr im Hellen nach Muanda schaffen würde. Aber es hatte mich mal wieder gepackt, und ich wollte weiter. Noch ging ich ja davon aus, dass die Straße von nun an wieder toller Teer sein würde. Well, lag ich daneben. Die Dirt Road begann jetzt, ich hatte die Info beim Frühstück verdreht. Noch 95 Kilometer. Hmm. Na ja, bis ca. zur Hälfte hatte ich noch etwas Licht, und die Dirt Road war gar nicht so übel. Die zweite Hälfte (ohne Licht) war schon etwas unangenehm, zumal die Piste immer sandiger wurde. Die letzten 20-25 Kilometer waren dann eine regelrechte Qual. Ich hatte das Gefühl , auf nem Strand an der Ostsee unterwegs zu sein. Feinster Dünensand, härrlich zum Picknicken, Scheiße zum Moppedfahren. Hab dann auch für diese 20 Kilometer mehr als eine Stunde gebraucht und war ordentlich ‚im Arsch‘, als ich um neun in Muanda ankam. Meine Hände haben sich nach der heutigen Tour auch wieder ‚zurück gemeldet‘. Sie tun praktisch genauso weh, wie nach den Dirt Roads in der Republik Kongo. Ich hoffe mal, ich bekomme jetzt nicht die Gicht oder so’n Scheiß… Das Motorschutzblech, dessen Schrauben Simon in Kinshasa geklebt hatte, hielt prächtig. Auch wenn ich nicht vor hatte, es weiteren Prüfungen zu unterziehen, gab’s einige heftige Schläge unten drauf. Aber alles noch bestens, thanks, Simon!

Auf ner großen Leinwand wurde das Spiel Brasilien – Elfenbeinküste übertragen und ich hab noch das 3:1 durch Drogba gesehen. Trotzdem wieder mal ein desaströser Tag für den afrikanischen Fußball. Mann, Mann, Mann.

Auch in der Stadt waren die Straßen nicht besser. Sand, wohin ich sah. Toll. Einer von den Jungs, mit denen ich am Straßenrand abhing, schien ein Hotel zu kennen, und er quetschte sich irgendwie auf den Sozius ,wo ja schon die Kackwurst drauf lag. Well, nach ziemlichen Hin- und Herrudern mit der Gummikuh sind wir dann im Hotel angekommen, Hotel Eunice oder so. Ziemlich nobler Laden (so sah er jedenfalls aus). Na ja, wollte noch was futtern und dann in die Heia. Morgen früh raus zum Konsulat, bloß nicht verpennen… Die „Servicekräfte“ im Hotel gingen mir dann aber sowas auf den Keks. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis ich was zu futtern bekam. Der Typ, der mich hergeführt hatte, lag mir ständig mit irgendeinem Scheiß in den Ohren. Es war offensichtlich, dass er hier irgendwie dazu gehörte. Ich hab aber kein Wort verstanden, was er wollte und mich auch nicht so richtig dafür interessiert. Wollte einfach nur meine Ruhe haben. Aber auch der Typ von der Security hatte ständig was zu erzählen, und auch der Kellner war nicht gerade wortkarg. Mann, Mann. Ab inne Butze. Sowohl Kellner (Rezeptionist?) als auch Security-Typ begleiten mich. In meiner Butze angekommen, muss ick erst mal bezahlen. Danke, sehr angenehm, können wir das nicht morgen früh machen? Nee, muss gleich sein. Toll! Mir fällt die Kinnlade runter, als ich die Preise erfahre. Für das Käsesandwich, 2 Soft Drinks und einen Teller Ekelsalat sind 17000 Franc fällig (knapp 15€). Das Zimmer kostet sage und schreibe 120 US Dollar. Boah, eh. Das ist mal ne Ansage! Ich zahle alles klaglos, hab ja sowieso keine Alternative. Und wenn ich eine hätte, ich bewege meinen Arsch heute nirgendwo mehr hin. Mir wird klar, dass ich schon eher die Luxusvariante des Afrika Overland Trips mache. Ich wäre auch einfach zu faul und bequem, mir jetzt irgendeine Location zum Bushcampen zu suchen und in das Zelt zu kriechen. Egal. Der Hammer ist aber, als nacheinander nochmal der Security-Typ und der Kellner an die Tür meiner Butze klopfen und fragen, ob ich ihnen nicht noch etwas Geld für sie persönlich geben könne, so als Trinkgeld. Ich kotze. Was für ein Rip-off in diesem Scheiß-Hotel. Ich bin doch keine Milchkuh. Aber das wissen sie leider nicht und gehen offenbar fest davon aus. Ich überlege, ob ich sie nicht fragen sollte, ob ich sonst noch irgendwas für sie tun kann. Mann, Mann, Mann. Was für eine Abzocke geht hier ab? Ich merke es, aber auch an Kleinigkeiten. Biete ich jemanden eine Kippe an, ist es keine Seltenheit, dass gleich mal zwei, drei, vier Kippen genommen werden. Sehr eigenartig. Am Montag habe ich im Laufe des Tages mein Handy an einer Telefonkartenbutze aufgeladen. Da laden noch zig andere Akkus rum, die aufgeladen wurden. Der Preis für 20 Minuten Aufladen: 1000 Franc. Boah!





Also ich mag die Leute hier, ehrlich. Ich fühle mich wohl und komme gut mit ihnen aus. Aber diese „Geldgeilheit“ geht mir mächtig auf den Sack. Okay, man kann natürlich ne Menge Argumente anführen, warum sie so denken/handeln müssen. Aber das ist in letzter Konsequenz Quatsch. Ich habe ärmere Gegenden gesehen, und die Leute dort waren definitiv anders drauf, was Baksheesh angeht.

Na egal. In meiner 120 Dollar-Butze konnte ich die Klimaanlage nachts nicht laufen lassen, weil ich dazu den Strom hätte anschalten müssen, was wiederum ein ohrenbetäubendes Geräusch produziert hätte… Okay, dann eben nicht. Nen Stalker habe ich mittlerweile übrigens auch. Das ist mit Sicherheit immer noch der Typ, der mir vor zwei Wochen in Matadi die Telefonkarte organisiert hatte. Ich bekomme so ca. zwei bis drei Anrufe, meistens abends. Gehe aber nie ran. Idiot. Vielleicht sollte ich nochmal die Urschrei-Taktik anwenden: klingeln lassen, nach einer Weile ran gehen und einen undeutlichen (aber lauten!) Urschrei los lassen. Das wirkt manchmal Wunder und bewahrt einen vor lästigen Anrufen…

Am nächsten Morgen gab’s dann – sehr zu meiner Überraschung – Frühstück inklusive und meinen katastrophalen  Eindruck vom Vorabend konnte ich ein bisschen revidieren. Die meisten der (wie immer zahlreichen) Angestellten waren ganz nett und witzig. Aber 120 Dollar – da gibt’s kein Zweifel – ist mindestens dreimal zu teuer. Aber so viele Hotels scheint’s hier nicht zu geben, und man hält eben die Hand auf, wo es nur geht…

Okay, aber heute stand das Angolanische Konsulat auf dem Programm. Ich habe bestimmt zehnmal nach dem Weg gefragt, und irgendwie immer unterschiedliche Antworten erhalten. Offenbar wollten mich einige Leute zum Grenzposten zwischen DRC und Cabinda schicken, andere zum Grenzposten DRC/Angola (Soyo). Mich hat das fast wahnsinnig gemacht, zumal jeder Meter hier in den Sanddünen in der Stadt mit der GS eine Qual ist. Irgendwie habe ich es dennoch geschafft, halbwegs direkt zu diesem beschissenen Konsulat zu kommen. Total abgelegen in irgendeiner Seitenstraße. Meine Fresse. Well, Aufregung pur. Ich geh rein, quatsche kurz mit der Security. Sie meinen, ein Typ komme gleich. Doch dieser Typ, der da kam, war offensichtlich auch ‚nur‘ ein Security-Freak. Ich erkläre ihm lang und breit, was ich hier vor habe. Er zuckt mit den Schultern. El Cheffe ist nicht da, der ist unterwegs, und man wisse nicht so genau, wann er wieder kommt. Es sieht also schlecht aus.


Boom-Bang. Das sitzt. Nach dem Tag gestern mit der langen Fahrt, lasse ich mich natürlich nicht so leicht abschütteln und ich gehe mit dem Typen alle Möglichkeiten durch. Es gibt offenbar definitiv keine andere Person, die in Abwesenheit des Konsuls Visa ausstellen kann. Der Tag der Rückkehr des Konsuls ist unklar. Könnte morgen sein, oder übermorgen oder sonst wann. Neben Kinshasa, Matadi und eben hier in Muanda gäbe es auch keine anderen Möglichkeiten, ein Visum für Angola zu bekommen. Ich verabrede mit dem Typen von der Security, dass er den Konsul, der ‚in politischer Mission‘ (wahrscheinlich vögelt er an einem Stand seine Sekretärin) in Cabinda unterwegs ist, anruft und fragt, wann er gedenkt, wieder zurück zu kommen. Unverständlicherweise ist es nicht möglich, ihn gleich anzurufen, sondern erst am Abend… Well, sicher, natürlich, verstehe ich absolut. Okay, wir verabreden außerdem, dass ich um 1530Uhr zum Konsulat zurück komme, und dann in Erfahrung bringe, was der werte Herr Konsul zum Besten gegeben hat.

Junge, Junge. Angola ist echt ein Klasse-Land. Hat immer ein weiteres Ass im Ärmel. Ich bin eine Weile niedergeschlagen, aber dann fange ich mich wieder, und es geht weiter. Falls der Konsul hinreichend lange Zeit weg ist, fahre ich eben wieder zurück nach Kinshasa und probiere es dort weiter an der Botschaft. Ich könnte heute noch zurück bis Boma kommen; das sollte ich sogar im Hellen schaffen. Morgen fahre ich dann die Strecke Boma-Kinshasa, und am Mittwoch gehe ich wieder zur Botschaft. Ich hab schon in der Mission Bescheid gegeben und gefragt, ob jemand für mich zur Botschaft gehen könnte und Bescheid gibt, dass mein Visumsantrag weiterhin aufrecht erhalten werden soll…

Well, ich bin ja mal gespannt, ich geh gleich los zum Konsulat und dann erfahre ich, was Sache ist.

Um mir die Zeit zu vertreiben, bin ich ein bissel mit dem Mopped rumgefahren in und um Muanda. Dabei bin ich auch an das Ufer des Congo gekommen, etwas südlich von Muanda. Da gibt’s ein paar Fischerdörfer, sehr idyllisch. Und schließlich den Grenzübergang. Ich habe mal ausgecheckt, wie ich rüber kommen könnte, falls ich denn das Visum bekomme und mich dazu entschließe, nicht wieder nach Matadi oder Songololo zurück zu fahren. Well, wenig überraschend, wird auch bei der Bootsüberfahrt über den Congo ordentlich abgezockt. 300 US Dollar beträgt die „Gebühr“ für mich und mein Mopped. Die Begründung für diesen Rip-off ist auch witzig: es ist ja ein teures Motorrad und da gäbe es gewisse Risiken. Als ob diese Freizeit-Fährleute mir irgendetwas erstatten würden, wenn bei der Überfahrt etwas mit dem Mopped passiert. Mann, Mann, Mann. Natürlich haben sie ein Monopol und den längeren Hebel in der Hand. Aber ich kann ja auch genauso gut wieder zurück nach Matadi und dort über die Grenze. Ist aber ein ziemlicher Umweg. Well, Spaß macht diese Geschäftsmentalität hier auf jeden Fall nicht.




So, jetzt muss ich aber los zum Konsulat. Ich weiß schon nicht mehr, was ich hoffen soll. Ich lass es einfach auf mich zukommen. Schlimmer geht’s nimmer. Oder doch?

… to be continued…

The Sound of Afrique - Let it be

Well, komischerweise fühle ich mich nach der weiteren Abfuhr in der Angolanischen Botschaft seltsam 'befreit'. Natürlich mischt sich noch immer mal wieder Enttäuschung und Wut mit ein, wenn ich an die Kollegen aus den diversen Angolanischen Ämtern (Berlin, Matadi, Noqui, Kinshasa) denke. Aber ich habe alles getan, was in meiner Macht steht, um dieses Scheiß-Visum noch "rechtzeitig zur WM" zu bekommen. Aber auch nicht mehr; ich bin froh, dass ich mich dazu entschlossen habe, das abgelaufene Visum nicht zu fälschen. Ich werde weiter alles versuchen, aber ich lasse es auf mich zukommen. Ich bin nicht mehr vom "Zwang besessen", unbedingt 'pünktlich' ankommen zu müssen. Ich checke mal aus, welche Möglichkeiten es gibt, die Tickets zurück zu geben. Soweit ich gehört hab', gibt's die Möglichkeit, einen Antrag auf Wiederverkauf oder so zu stellen. Ist ja schon eine ganze Menge Kohle gewesen, die ich für die Tickets ausgegeben hab', und es lohnt sich sicher, da mal ein bisschen zu recherchieren. Ich denke, dass ich erstmal die Tickets für das Achtelfinale am 28.6. und das Viertelfinale am 3.7. zurück gebe. Das Spiel um Platz 3 am 10. Juli ist ja immer noch mehr oder weniger in Reichweite...

Na ja, wie gesagt, es hat neben der Enttäuschung auch etwas Befreiendes, mich von dem Ziel zu lösen, pünktlich unten anzukommen. Ich schätze, es ist vergleichbar mit dem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören; wenn man die letzte angefangene Schachtel wegwirft.

Eine neue Art von Freiheit, so sehe ich's jetzt: Scheiß drauf. Es geht schon weiter.


Hmm, hab' auf Youtube leider nicht die Version von (Neuen Slowenischen Künstlern) Laibach gefunden, deshalb hier 'nur' das Original der Beatles. Is aba auch nich zu verachten, gel?

The Beatles - Let it be

When I find myself in times of trouble, mother Mary comes to me,
speaking words of wisdom, let it be.
And in my hour of darkness she is standing right in front of me,
speaking words of wisdom, let it be.

Let it be, let it be, let it be, let it be.
Whisper words of wisdom, let it be.

And when the broken hearted people living in the world agree,
there will be an answer, let it be.
For though they may be parted there is still a chance that they will see,
there will be an answer. let it be.

Let it be, let it be, .....

And when the night is cloudy, there is still a light, that shines on me,
shine until tomorrow, let it be.
I wake up to the sound of music, mother Mary comes to me,
speaking words of wisdom, let it be.

Let it be, let it be, .....

Samstag, 19. Juni 2010

Tag 83 - Licht am Ende des Tunnels?

Well, ob es nun ein entgegen kommender Zug ist oder tatsächlich Grund zur Hoffnung vermag ich noch nicht zu sagen. Isabel hatte für heute Morgen (0730Uhr...) ein Treffen organisiert mit Augustine und dessen Bruder, der irgendwie in der Kongolesischen Politik unterwegs ist. Well, natürlich habe ich verpennt, aber um neun waren sie glücklicherweise immer noch da. Ich hatte meinen Entschluss ja schon gefasst, hier in Kinshasa bis zum bitteren Ende durchzuhalten und auf das Visum zu warten.

Okay, Augustines Bruder war nicht gekommen, dafür aber sein Onkel. Ich hab nicht alles 100% verstanden, aber Isabel hat beim Übersetzen geholfen. Also, es gibt abgesehen von Kinshasa und Matadi eine viel bessere Möglichkeit, ein Visum zu bekommen. Zumindest für reine Transit-Kandidaten wie mich. Und zwar an der Grenze zwischen der DRC und Cabinda. In Mouanda. Das ist nochmal 120-150 Kilometer westlich von Matadi, an der Küste. Es gibt ein Konsulat und laut Insider-Informationen, die Augustines Onkel zu haben scheint/glaubt, sollte es dort für mich problemlos möglich sein, ein Transitvisum innerhalb eines Tages zu bekommen. Boah. Krasse Info. Ich tue mich ein bisschen schwer, dass alles zu glauben und überlege mir eine Strategie. Ich frage mich, warum ich davon heute das erste Mal höre. Sowohl in den Traveller Reports anderer Afrikareisender als auch in den Botschaften, in denen ich bislang war, ist darüber kein Wort gefallen. Seltsam. Ist die Info so top secret oder einfach nur falsch?

Nach einigem Hin- und Herüberlegen entschließe ich mich zu folgendem: Ich packe meine Sachen und fahre morgen (Sonntag) früh los nach Matadi. Bleibe da über Nacht und begebe mich am Montagmorgen so früh wie möglich nach Mounada zum dortigen Angolanischen Konsulat. Falls die Info stimmt, bekomme ich mein Visum dort und kann über Matadi bzw. Songololo endlich nach Angola einreisen. Falls die Info nicht stimmt, muss ich eben wieder zurück nach Kinshasa; habe einen Tag verloren (den Montag) und bin ca. 900 Kilometer umsonst durch die DRC gegondelt und gehe am Dienstagmorgen wieder wie ein Volldepp zur Botschaft am Boulevard 30. Jouin, um mein Glück zu versuchen.

Hmm, hört sich für mich vertretbar an, das Risiko. Außerdem kann ich es mal gebrauchen, wieder ein bisschen auf dem Mopped zu sitzen. Die Mission kenne ich mittlerweile schon sehr gut, und ich kann mir den Trip nach Mouanda ja auch als eine Art "Ausflug" zurecht legen. Vielleicht gucke ich mir unterwegs auch mal was an (Zongo Waterfalls?).

So mach ick's!

Heute steht nochmal Fernsehen auf dem Programm. WM-Spiele. Ghana - Australien sowie die Spiele aus der Holland-Gruppe. England hat gestern ganz schön verkackt, aber diese WM ist irgendwie sowieso etwas komisch. Irgendwie scheint alles passieren zu können, und ich kann mir noch keinen richtigen Reim machen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass die afrikanischen Mannschaften möglichst weit kommen. Aber maximal in's Finale, wo Deutschland wartet ;-)

A ja, was sind die Lehren aus dem gestrigen Deutschlandspiel? Poldi hatte nicht seinen besten Tag, was die Chancenverwertung angeht, aber ich fände es bescheuert, auf ihn rumzuhacken. Den Elfer zu schießen, heißt Verantwortung zu übernehmen. Und das hat er gemacht, ohne Happy-End. C'est la vie. Die Frage ist, warum sich Schweini oder Lahm das Leder nicht vor Poldi gegriffen haben... Well, Klose ist mit Gelb-Rot runter, aber auch hier: keine Bläme. Der Schiedsrichter hatte seine Art, die Gelben zu verteilen; vielleicht hätte das Klose eher begreifen müssen. Aber mir hat es ehrlich gesagt gefallen, dass unsere Offensivabteilung so 'engagiert' zu Werke ging. Normalerweise hätte es dafür niemals zwei Gelbe gegeben, das war gestern einfach mal eine ordentliche Portion Pech bzw. Schicksal. Klose muss so spielen, und ich hoffe, dass er es (wenn er die Chance dazu bekommt) weiterhin tut. Badstuber hatte einen schlechten Tag. Sowas kann bei solch einem Jungspund schon mal passieren. Er muss da jetzt durch, die Sache abhaken und im nächsten Spiel wieder sein Potential abrufen. Es ist sowieso bewunderswert, wie wenige Aussetzer sich dieser Newcomer in der gesamten Saison geleistet hat. Er ist auf jeden Fall gesetzt. Aber ich sage auch: Badstuber muss statt Friedrich in die Innenverteidigung, neben Mertesacker. Auf links sollte Boateng spielen. Der Spielaufbau geht momentan nur über Lahm auf der rechten Seite. Boateng kann pushen und das Spiel der Deutschen variabler, unberechenbarer machen. Badstuber kann zwar alles mögliche spielen, aber am besten ist er als Innenverteidiger. Keine übermässige Kritik an Arne, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht so richtig, dass er das Niveau hat, was man braucht, um Weltmeister zu werden. Sorry... Jut, was gibt's noch? Ich werde wohl nie ein Fan von Gomez werden. Klar, hat er Potential und Fähigkeiten, aber in den entscheidenen Momenten hat er sie einfach schon zu oft vermissen lassen. Von Özil hängt sehr viel (zu viel?) ab in der Offensive. Wenn er schwächelt, haben wir ein Problem. Und Özil ist noch nicht so weit, um konstant absolute Top-Leistungen zu bringen. Mit Marin gibt es einen weiteren Spieler, der ballsicher, dribbelstark und kreativ ist. Falls es mit Özil an einem Tag nicht funktioniert, würde ich zur Halbzeit (!) Marin bringen - auf Özil's Position in der Zentrale, nicht unbedingt außen. Interessant wär's sicher, auch mal zu sehen, wie die beiden zusammen wirbeln. Für mich sind sie sowas wie die Wiederauferstehung unseres Kölner Zwergenduos, Icke Hässler und Pierre Littbarski. Und die haben '90 beide im Finale gespielt...

Yep, so sieht's mal aus. Aber Jogi wird's schon richten. Auch wenn's gestern eine bittere Pille war. Es ist besser, gegen Serbien in der Vorrunde zu verlieren, als im Achtelfinale rauszufliegen. Ein Dämpfer zur rechten Zeit? Auf jeden Fall muss gegen Ghana eine Top-Leistung her, um weiter zu kommen. Ich hoffe, dass Ghana neben Deutschland (optimalerweise als Gruppenzweiter) in's Achtelfinale kommt, also heute gegen die Australier Unentschieden spielt oder gewinnt, während die Australier am letzten Spieltag gegen die Serben und die Deutschen selbstredend (...) gegen die Ghanaer gewinnen. Wird in jedem Fall eine enge Kiste... Am Ende stehen vielleicht noch die Australier als Gruppenerster und die Serben im Achtelfinale. Diese WM ist irgendwie komisch...

Freitag, 18. Juni 2010

The Sound of Afrique - Onkelz

Well, an solchen Tagen hilft nur eine kräftige Portion "Los Tioz". Gerade wenn ich mich mal richtig Scheiße fühle, geniesse ich es regelrecht, mir die Songs der Frankfurter reinzuziehen. Ihre Songs haben diese magische Wirkung, Niedergeschlagenheit in Kraft, Mut, Hoffnung und Zuversicht zu verwandeln.

Anlässlich der heutigen Doppel-Kacke (Visum im Eimer, Deutschland verliert), gibt's hier das Doppelpack von den Onkelz.

Immer schön daran denken, "... und selbst die größte Scheiße geht mal vorbei"!


Onkelz - Scheiße passiert

Immer am falschen Ort
Zur falschen Zeit
Voll daneben
Zu allem bereit
Mal auf und mal ab
Ich hab' s oft nicht geblickt
Mich wieder und wieder
in die falsche Richtung geschickt.

Was soll's
Scheiße pasiert
Man gewinnt und verliert
Scheiße passiert
Man frißt oder stirbt
Scheiße passiert
Man gewinnt und verliert
Scheiße passiert
Friß oder stirb.

Mein Mund war zu groß
Mein Hirn zu klein
Ein falsches Wort
Dann war es soweit
Wer nicht hören will
Muß bezahlen
Also ging ich
Durch das Haus der Qualen.


Onkelz - Nichts ist für immer da

Ein leerer Bauch
Ein wilder Blick
Das Herz verhärtet
Den Kopf im Strick
Ein Tag wie jeder andere
Ohne Liebe ohne Glück
Ein Schritt nach vorne
Zwei zurück

Doch-
Nichts hat Bestand
Nicht mal das Leid
Und selbst die größte Scheiße
Geht mal vorbei

Laß'es zu - das die Zeit sich um dich kümmert
Hör mir zu - mach es nicht noch schlimmer
Denn es gibt'nen neuen Morgen
'Nen neuen Tag, ein neues Jahr
Der Schmerz hat dich belogen
Nichts ist für immer da

Die Angst vor Schlimmerem
Treibt dich voran
Denn alles was du sahst
Von Anfang an - waren
Kleine Tragödien
Von Liebe und Tod
Von Armut und Elend
Von Sehnsucht und Not