Montag, 19. Juli 2010

Tag 107 - Seelengebäumel in Mosselsbaai

Alridy, da bin ich nu also in meiner Chillout-Location. Und, es ist ja auch wirklich nett hier, in Mossel Bay oder Mosselsbaai wie die Buren sagen würden.






Ich hänge ein paar Tage ab im Huijs te Marquette, einem Guest House, zwei bis drei Sterne mit angehangener Backpacker-Absteige. Ich hatte mich am Sonntag gegen einen Raum im Backpacker entschieden und bin stattdessen in's Guest House eingecheckt. Mit allem dazugehörigen "Luxus". Vernünftige Internet-Verbindung inklusive. Nur meinen Parkplatz auf dem Hinterhof des Guest Houses hätte ich mir besser aussuchen können. Während der drei Tage, die ich hier bleibe, stoße ich mir mindestens zwanzigmal meine Hohlrübe an diesem dämlichen Schild, was direkt über meinem Mopped hängt. Mann-o-Mann, jedes Mal bricht eine Schimpftriade aus mir raus, aber es nützt nix, wenig später, brumme ich schon wieder mit meinem Schädel dagegen. Damn!


Die Leute im Guest House sind wieder mal sehr nett. Ein Typ sieht aus wie ein Surfer, und bueno, ist es auch. Er erklärt mir, wo in Mossel Bay die besten Strände zum Surfen sind, und ich entschließe mich, mir die Jungs in den kalten Wellen mal anzugucken und ein paar Fotos zu schießen.

Ansonsten lasse ich es ruhig angehen. Lesen, einfach nur abhängen, ein bisschen in der Stadt rumlaufen. Ich sitze auf der Terasse meines Zimmers rum, knuddele den feinen Hund. Well, ich lass es mir gutgehen.



Ich mache einen Schuster ausfindig und bringe meine mittlerweile ziemlich abgefuckten Stiefel zur Reparatur. Mal sehen, ob sich da noch was machen lässt. Wahrscheinlich muss ich mir aber eher früher als später sowieso neue Boots zulegen. Aber der alte Künstler schafft es tatsächlich noch, die Sohlen irgendwie nochmal zu kleben, so dass ich wenigstens provisorisch weiter fahren kann mit den Teilen und nicht auf die Turnschuhe umsteigen muss... 10 Rand will er für seine Dienste haben. Mann-o-Mann, das ist umgerechnet etwas mehr als 1€, was mir ganz schön peinlich ist. Also gebe ich ihm 30 Rand, was immer noch viel zu wenig ist für die Mühe, die er in die alten Botten investiert hat...


Meinen Helm habe ich inzwischen auch schön verkabelt. Die In-Helm Kopfhörer, die mir Nina nach Kamerun mitgebracht hatte, habe ich jetzt fein in den Helm eingebaut. Bislang hatte ich sie nicht sonderlich vermisst, aber jetzt werden die Straßen Richtung Namibia/Botswana wieder etwas "langweiliger", und ein bisschen Musik kann sicher nicht schaden.

Noch am Montag setze ich mich auf's Bike und schaue mir ein bisschen die Halbinsel an. Und yep, Felicias Schwester aus Port Elizabeth hatte mir nicht zuviel versprochen. Es ist wahrhaft schön hier, hier lässt's sich aushalten.








Ich fahre auch zu dem Strand, den mir der Typ aus dem Guest House empfohlen hatte und schaue mir die Surfer an, die bei ziemlich frischen 8° in den Wellen unterwegs sind. Oh Mann, ich hätte echt Bock, selbst mal zu surfen bzw. anzufangen es zu lernen. Das macht schon beim Zuschauen extrem Laune. Und gerade in diesem kalten Wasser, also ohne dieses ganze Sommer Trallala finde ich es eigentlich auch richtig cool... Na ja, vielleicht erstmal wieder ein paar Kilos abspecken und dann mal im Wellenbad im heimsichen "Blub" probieren, gel?









Um die gesunde Ernährung sicher zu stellen, gucke ich mir gleich mal eine Stammpizzeria aus, wo ich die nächsten Tage essen werde. Lecker, lecker.



In Mosselsbaai gibt es auch ein paar Läden, in denen ich mich ein bisschen ausstatten kann. Da es (auch in meinem Zimmer im Guest House) einfach nur arschkalt ist, statte ich mich in einem Surferladen mit einem (ach so trendigen) Billabong-Sweater aus und laufe nur noch damit (bzw. natürlich das neue T-Shirt, welches ich zwecks Promo von Peter Marshall Motorcycles in Pinetown bekommen hatte) herum. Yummie, das ist mal wieder warm und angenehm ;-) Ausserdem gibt's ne neue schicke Sonnenbrille für innen Helm. Und, das wichtigste, ich bekomme endlich, nachdem ich zweimal mein Piercing (in Kribi, Kamerun, und später in Kinshasa, DRC) verloren hatte, ein neues Piercing. Genau das, was ich gesucht hatte. Und umgerechnet gerade mal 5€, also ein Bruchteil dessen, was ich in good old Germany dafür gezahlt hätte. Dufte.



Am Montagabend telefoniere ich mit Nina, und ich bin begeistert, als sie meint, dass sich eventuell ganz kurzfristig eine Möglichkeit auftut, dass sie runter kommen kann nach Südafrika bzw. in's südliche Afrika. Wow! Ich bin geflashed und versuche, meine Gedanken zu sortieren und irgendwie wieder in einen "Planungsmodus" zu kommen. Das war mir in letzter Zeit ziemlich schwer gefallen. Aber jetzt, wo meine Süße sich ankündigt, geht's dafür um so besser.

Am Dienstag checken wir schon mal alle möglichen Flugverbindungen. Als Stichtag visieren wir den Samstag an. Aber egal, wo es hingehen soll in das südliche Afrika, alle Flüge gehen mehr oder weniger über Johannesburg. Wir überlegen uns deshalb die Strategie, dass ich zurück nach Johannesburg fahre, Ninalein am Flughafen abhole (aber diesmal wirklich pünktlich!!!), und wir dann gemeinsam nach Mosambique rüber fahren, nach Maputo. Den Ort für den Rückflug müssen wir uns nochmal überlegen. Je weiter nördlich, desto besser, weil wärmer und gemütlicher. Zuviele Kilometer sollen es dann aber auch nicht, also müssen wir uns das nochmal anschauen. Die Verfügbarkeiten in den Fliegern sehen auf jeden Fall gut aus, also das sollte kein Problem sein. Yippie! Ich bin aufgeregt, regelrecht zappelich. Ich freu mich sooo, dass es jetzt doch noch so schnell klappt mit einem Besuch Ninas. Wir überlegen uns, dass ich morgen, also am Mittwoch, rüber fahre nach Kapstadt, mir kurz die Stadt angucke und dann am Donnerstag/Freitag die ca. 1400 Kilometer Richtung Joburg mache, damit ich am Samstag püntlich am Flughafen bin. Juchei, ich liebe dich, Nina!!!

Am Mittwochmorgen kommt dann aber die große Enttäuschung. Nina bekommt keinen Urlaub, jedenfalls nicht jetzt und so kurzfristig. Damn fucking shit. Nach der Euphorie am Montag und Dienstag ist das schon ein ganz schön heftiger Schlag. Und ich fühle mich ganz schön durcheinander. Oh Mann, ist ganz schön viel das Hin und Her, und jetzt sieht's doch wieder so aus, dass ich noch ein ganz paar Wochen alleine unterwegs sein werde. Nina bekommt wohl erst Ende August den Urlaub, so dass wir nochmal zwischen dem 23. August und 5. September gemeinsam "on the road" sein können. Aber dann werde ich das 'richtige' Afrika wohl schon hinter mir gelassen haben und eher in Ägypten oder Nahost oder so unterwegs sein. Oh Mann, muss jetzt sowieso langsam mal einen groben Zeitplan für die Rückroute erstellen...

Na ja, da war er wieder, der Blues, der kurzzeitig durch sanfte Geigen unterbrochen wurde...

Weil ich mich unfähig fühlte, so schnell wieder umzuplanen und v.a. weil ich immer noch daran glaubte, dass es vielleicht doch noch eine Chance gibt, dass Nina ihren Urlaub doch noch bekommt, entschloss ich mich, am Mittwoch nach drei Nächten im Huijs te Marquette auszuchecken und die restlichen 350 Kilometer oder so nach Kapstadt zu fahren. Der Abschied fiel mir schon ein bisschen schwer. Viel chilligere Locations wird's wohl kaum geben, gel? Für das Guest House (und auch den angehangenen Backpacker) kann ich auf jeden Fall eine deutliche Empfehlung aussprechen. Super nettes Personal, der Preis war mehr als okay (weniger als 400 Rand die Nacht), tolles Frühstück und, well, der Ort ist einfach mal auch geil.

Mick, mein dänischer Kollege, mit dem ich schon seit ein paar Monaten in Kontakt stehe, den ich aber bislang noch nie persönlich getroffen hatte, war schon seit einer Weile in Kapstadt und hatte mir die Adresse eines wohl ziemlich guten Hostels, dem SaltyCrax, gegeben. Das wird also meine nächste Station sein.

Und vielleicht stellt sich ja doch noch heraus, dass Nina ihren Urlaub bekommt. Und dann fahre ich mit wehenden Fahnen eben am Donnerstag nach Joburg und hole meinen Schatz ab!

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