Knapp 600 Kilometer hatte ich am Sonntag ja "nur" geschafft bei meinem ersten "vollen" Tag "on the road nach dem Zwangsaufenthalt in Kinshasa. Aber dafür hatte ich zwei Grenzen schon so gut wie geschafft.
Aber an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe musste ich ja leider noch nachsitzen. Ich hatte eine Nacht im Motel direkt an der Grenze in Chirundu zugebracht, musste aber nochmal zurück zu der Grenzbehörde, um irgendeine bescheuerte Carbon Tax zu bezahlen. Erst dann würde ich meinen Carnet de Passage, den ich als "Pfand" bei so einem bedepperten Security-Idioten hinterlassen musste, wieder bekommen. Okay, also in aller Frühe aufgestanden, damit ich Punkt 0600Uhr beim Öffnen der Büros da sein würde. Schön in der Dämmerung mein Mopped besattelt und dann zurück die 500 Meter zur Grenze. Dann erst mal ein schöner Schreck. Natürlich war der Volldepp von gestern Abend nicht mehr da, und er schien auch niemanden von seinen Kollegen Bescheid gesagt zu haben, dass sie mir den Carnet wieder aushändigen sollen. Oh Mann, ich könnt kotzen.
Die Typen, die jetzt das "Gate" besetzten wollten mich sogar nicht mal durchlassen zurück zum Grenzgebäude, sondern haben mir einen "alternativen" Weg gezeigt, wie ich dorthin zurückkommen würde. Aber war mir dann auch scheißegal, und ich bin einfach durchgefahren. Durch einen glücklichen Zufall kamen mir dann zwei Typen entgegen, die doch Bescheid wussten bzgl. meines "Falls", und sie meinten, dass mein Carnet schon beim Zoll im Grenzgebäude liegen würde. Also allet jut und in trockenen Tüchern.
Ok, im Grenzgebäude lief dann alles halbwegs glatt. Nach 45 Minuten hatte ich alles erledigt. Allerdings hatte ich keine US Dollar mehr, und niemand dort wollte mir Euros oder was auch immer umtauschen, um diese depperte Gebühr (15 Dollar oder so) zahlen zu können. Letzten Endes musste ich mit meinem Bike nochmal über die Brücke auf die andere Seite des Sambesi zurückfahren, zur Sambia-Seite sozusagen, wo die ganzen Geldwechsler-Freaks unterwegs waren. Glücklicherweise sind sie zeitige Vögel, und sie haben mit mir dann ja auch einen besonders dicken Wurm gefangen...
Also wieder zurück, diese Gebühr geblecht, sogar noch den Exit-Stempel vom Sambischen Zoll in den Carnet reingestempelt. Boah, wunderbar. Weiß nicht warum, aber auf die Frage (von wem auch immer das war...), ob ich mit dem Mopped für Simbabwe bereits versichert sei, habe ich mit ja geantwortet. Eigentlich blöd, die paar Dollar hätte ich jetzt auch noch abdrücken können, aber irgendwie war's mir zu beknackt, für die 12 Stunden oder so, die ich im Lande sein würde, auch noch ne eigene Versicherung abzuschliessen, die letzten Endes sowieso total sinnfrei ist.
Hier sehen wir übrigens einen Beamten der Grenzbehörden, auf seinem (eiligen) Weg zur Arbeit. Ein unverzichtbarer und kompetenter Helfer, ohne den das Reisen heutzutage nicht denkbar wäre! Toll!
Na ja, jedenfalls war ich um 0645Uhr auf dem Rücken meiner lieben GS und auf der Straße Richtung Harare, so früh wie noch nie während meiner janzen Reise. Und es ging von Anfang an super voran. Das Wetter war toll, die Straßen breit, leer und in gutem Zustand. Also alles in allem optimale Bedingungen. Am Anfang, d.h. am frühen Morgen, war's noch teilweise empfindlich kühl.
In Karoi, ca. 150 Kilometer nach Chirundu und nicht ganz auf halber Strecke nach Harare, gab's dann die erste Pause. Frühstücken, yummie. Bei der Gelegenheit habe ich mich gleich mal mit Schokoriegeln und einheimischen Kippen eingedeckt. Kosten hier auch nur einen Dollar oder so. Alles fein. Und ich habe beschlossen, dass es Zeit ist, mich für die kühlen Außentemperaturen zu rüsten. Also wieder die Innenjacke meiner Motorradjacke rausgeholt und das erste Mal seit Europa wieder angelegt. Noch 'n Sweatshirt dazu, so sollte es auch mit dem kühlen Wetter kein Problem sein...
Ich war echt gespannt, wie ich heute voran kommen würde, aber die Straßen waren z.T. wirklich so super, dass ich locker flockig mit 150-160 lang heizen konnte. Die 350 Kilometer von Chirundu über Makuti, Karoi und Chinhoyi bis Harare waren so bis um elf Uhr weg gerattert. Es lief einfach wie am Schnürchen. Vor Harare konnte ich mir den "Spaß" auch nicht verkneifen, so einen komischen Troß von "Regierungs-Karossen" zu überholen. Die sind ebenfalls ganz schön lang geheizt, drei Autos, die z.T. nebeneinander unterwegs waren. Aber beim Überholen haben Autos in der Regel gegenüber Motorrädern gewisse Nachteile, und so habe ich sie schliesslich nach einer Weile überholt und abgehängt.
Haben bestimmt nicht schlecht geguckt, weil sie sicher davon ausgegangen waren, dass sie die "Sheriffs" der Straße sind. Die waren mir irgendwie unsympathisch mit ihren blöden Staatskarossen. Erst dämliche (Verkehrs-) Gesetzte schaffen, und sich dann selbst nicht daran halten (Stichwort: Immunität vor Strafverfolgung). Das nervt. Aber bei der Gelegenheit habei ich viel über das Konzept der "Immunität" nachgedacht. Eigentlich eine coole Sache. Man sollte einfach einen Antrag auf Immunität stellen (aber bei wem nur?) und sich so von dem ganzen Stress befreien, den man im Alltag so auferlegt bekommt. Passkontrolle hier, Carnet de Passage dort, Falschparken, Steuern nicht bezahlen (da kann ich mich sogar dran erinnern an so ein Formular zum Runterladen im Internet zwecks "Abmeldung" beim Finanzamt - als Witz gemeint, aber wenn man mal drüber nachdenkt, eigentlich eine sehr feine Sache...). Und wenn einer ankommt und was will? Ick bin immun, leckt's mir oam Oarsch. Ist doch eigentlich eine ideale Sache und der Inbegriff von Freiheit, sich aus diesem ganzen komplexen Regelwerk einfach mal auszuklinken, gel? Um's mal etwas weiter zu treiben: wir wär's mit einer Antragstellung darauf, von jeglicher Staatsbürgerschaft befreit zu werden. Schließlich isses ja so: ick bin icke, und nicht dafür bestimmt, wie eine Marionette von einem System fremd bestimmt zu werden, dass mir sowieso am Arsch vorbei geht. Du musst dies tun, das wird von dir erwartet, wenn du dich nicht so und so verhälst, bist du der böse Bube. Oh Mann, wie nervig ist das alles? Uiii, hoffentlich hat meine Afrika-Reise nicht zur Folge, dass ich danach total unfähig bin, jegliche Autoritäten zu akzeptieren. Ich merke das schon, dass ich zunehmend Probleme habe, wenn mir jemand "autoritär" in irgendeiner Art und Weise kommen will... Aber jenuch damit erstmal und weitta mitta Reise, nä?
In Harare wollte ich nen kurzen Stopp einlegen. Eigentlich nur Kippen kaufen, Kaffee trinken und Kohle abheben am ATM. Die drei berüchtigten K's sozusagen. Aber all das gestaltete sich ziemlich schwierig. Okay, die Kippen hatte ich relativ schnell bekommen. Aber die Suche nach einem (funktionierenden!) ATM gestaltete sich fast aussichtslos. Ich bin extra in die City gefahren, hab mein Bike abgestellt und mich dann zu Fuß auf die Suche begeben. Aber entweder gab's in den Banken keine ATMs, oder sie wollten einfach nicht funktionieren. Den Versuch, in einem Café etwas Koffein aufzutanken, habe ich auch relativ schnell wieder aufgegeben, las mich der Kellner mit großen Augen wie ein Vollbehinderter anstarrte, als ich was von Kaffee erzählte. Da bin ich nur raus aus dem Laden und dacht mir: okay, Alter. Da hab ich jetzt nicht die Nerven für, darauf zu warten, bis er versteht, was ich will und vor allen Dingen bis er das dann auch umsetzt. Well, Service in Afrika ist so eine Sache. Aber gerade in solchen Orten wie Harare (Salisbury), die sehr westlich wirken (die Infrastruktur in der Innenstadt ist kaum von einer europäischen Stadt zu unterscheiden), verlässt mich da sehr oft sehr schnell die Geduld...
Na ja, meinen dringend benötigten Cash (US Dollar) sollte ich erst nach zahllosen weiteren Versuchen in zahllosen Banken an zahllosen ATMs kurz vor dem Verlassen der Stadt bekommen. Junge, Junge, das war schwierig. Als ich in einer Bank eine Mitarbeiterin nach einem ATM fragte, bekam ich auch nur wieder eine vollbehinderte Antwort, die mir keinen Millimeter weiter half. Erst durch die Hilfe eines (weißen) Typen inner Schlange bekam ich einen Tipp, wo ich mit meiner VISA-Karte wohl doch noch etwas Cash ziehen könnte...
Um den nervigen Aufenthalt in Harare komplett zu machen, habe ich auch noch meine Sonnenbrille irgendwo liegen lassen (am ATM Automaten?). Mann, ich war froh, als ich endlich raus war aus der Stadt, ich hatte hier wegen Nichts über eine Stunde "verloren". Und ich hatte ja nicht viel Zeit...
Thomas, den ich über das GS-Forum kennengelernt hatte, und der in bzw. bei Harare wohnt, konnte ich diesmal leider keinen Besuch abstatten. Dafür war die Zeit einfach zu knapp. Aber ich denke, dass ich auf meiner Rückroute nochmal in Zimbabwe vorbeikommen und das dann nachhole, gel, Thomas?
Well, ich hatte mit meinem Navi und mit Hilfe der Michelin-Karte die weitere Route bis zur südafrikanischen Grenze abgesteckt. Über Beatrice, New Featherstone sollte es erstmal 140 Kilometer nach Chivhu gehen, danach 150 Kilometer nach Masvingo. Und dann nochmal lockere 380 Kilometer über Ngundu nach Beitbridge, wo der Grenzübergang nach Musina/Messina war. Schwierig dabei war, dass die Ortsnamen im Navi und in der Michelin-Karte sich oft unterschieden. Fast für alle Orte gibt es in Rhodesien (aber auch in Südafrika) sowohl einen "afrikanischen" Namen als auch einen "alten"/"englischen" Namen. Masvingo hieß z.B. früher Fort Victoria, Harare Salisbury und so weiter. Das macht die Orientierung zuweilen schon etwas schwerer...
Ich hatte noch fast 700 Kilometer vor mir, als ich in Harare losfuhr. Entsprechend eilig hatte ich es dann auch. Meine Annahme war eigentlich, dass es sowas wie "Blitzer" in Afrika generell nicht gäbe. War aber nicht ganz richtig, die Annahme. Ca. 40 Kilometer vor Chivhu sah ich am linken Straßenrand eine Polizeikontrolle, und sie hatten ein Blitzgerät dabei. Das Problem war nur, dass ich nicht so schnell anhalten konnte. Ich mein, ich hab's ja versucht, aber dadurch, dass meine Kupplung rumzickte, konnte ich die Motorbremse nicht einsetzen und eine Vollbremsung inklusive 90° Schräglage direkt vor den Bullizisten wollte ich dann auch nicht machen. So habe ich mehr oder weniger ungewollt die Kontrolle "überfahren" und als ich da mit 50, 60 schon an ihnen vorbei gefahren war, ging ich kurz in mich und sagte mir dann: ach, scheiß drauf. Gib Gas, Alter! Im Prinzip hatte ich auch nur Angst, dass ich durch einen Aufenthalt und das obligatorische Gequassel mit den Ordnungswächtern zu viel Zeit verlieren würde. Da entschied ich mich, einfach weiter zu fahren. Auf den nächsten Kilometern schaute ich oft in den Rückspiegel, um zu gucken, ob sie mich vielleicht verfolgen würden, was natürlich Quatsch war. Als dann auch in den nächsten zwei, drei Städten keine Straßenblockade oder ähnliches zu sehen war, beruhigte ich mich langsam und wusste: ok, das gibt keinen Ärger mehr...
Bei einer Ortseinfahrt wurde ich dann später aber doch nochmal "geblitzt". Zumindest meinte der Kollege, der mich anhielt, dass ich zu schnell gewesen sei. So wahnsinnig schnell konnte es da eigentlich nicht gewesen sein, ich hatte (ausnahmsweise) tatsächlich mal ordentlich abgebremst. Er wollte noch alle möglichen Personalien aufnehmen, ich meinte aber nur, dass ich es eilig hätte, gab ihm die gewünschten 20 Dollar und weiter ging's.
In Masvingo stand noch mal ein Zwischenstopp zum Kaffee und Sprit tanken auf dem Programm und dann ging's weiter zur letzten Etappe durch Zimbabwe, die ca. 380 Kilometer bis Beitbridge. Ich hätte mir echt in den Arsch beißen können, durch dieses herrliche Land so g'schwind durch zu heizen. Aber meine Mission war ja, zum Halbfinale in Südafrika zu sein. Nach Zimbabwe würde ich nochmal zurückkehren auf der Rückroute. Also alles zu seiner Zeit...
Wie bereits den ganzen Tag über bin ich aber auch die Strecke bis Beitbridge zur Grenze super zügig voran gekommen und um ca. 1730Uhr war ich an den Grenzanlagen. Dann aber erst mal ein großer Schreck. Das hier war ziemlich GROSS und unübersichtlich. Und ziemlich viele Leute, die in langen Schlangen überall anstanden. Well, ich war auch schon ordentlich platt, vor allem im Kopf, nach den über 1000 Kilometern, die ich heute schon auf dem Buckel hatte.
Als ich mich in der langen Schlange bei der Immigration anstellte, kamen die Typen, die mich schon beim Parken des Bikes "belästigt" hatten, noch mal auf mich zu und "boten mir ihre Hilfe an". Ich bin allergisch gegen Fixer jeglicher Art, aber angesichts der langen Schlange war ich gewillt, mir "ihr Angebot anzuhören". Well, der Typ verklickerte mir, dass ich insgesamt 20 Dollar zu zahlen hätte. 10 Dollar für den obligatorischen Gate Pass, mit dem ich auch die "Brücke" nach Messina passieren dürfe. Und zehn für ihn als Honorar. Er hätte "Kontakte" zu den Leuten in den Büros und könnte innerhalb kürzester Zeit alle erforderlichen Stempel einholen, damit ich schnell weiterfahren könne. Okay, scheiß drauf, dachte ich. 10 Dollar "Gebühr" ist mir das hier schon wert. Dummerweise hatte ich aber keinen 20 Dollar-Schein parat und gab ihm einen Fuffi. Und dazu natürlich alle relevanten Papiere (Reisepass, Carnet etc.). Oh Mann, das war ein Fehler. Er kam recht bald wieder zurück, allerdings gab er mir nicht die erwarteten 30 Dollar Wechselgeld zurück, sondern nur 15. Er meinte, er hätte den Rest als "Gebühr" bei den Büros zahlen müssen. Als ich ihn darauf hinwies, dass er mir vorher nichts von dieser neuen Gebühr erzählt hatte und ich glaube, dass er mich verarscht, fing er immer wieder an, seine auswendig gelernten Phrasen runter zu spulen. Verdammte Kacke, da wurde ich ja mal auf dem letzten Meter so richtig schön "verarscht". Natürlich hatte er auch nicht alle Stempel besorgt, sondern nur den Exit-Stempel von der Immigration und den Gate Pass. Oh, ich war echt wütend. Diese dummen Motherfucker. Denkt der, ich bin total behindert oder was? Der Witz war, dass er "noch nicht fertig mit mir war" und dachte, er könnte mir noch weitere Dollars aus dem Kreuz leiern. Er wollte nochmal Kohle haben, damit er nun noch den Stempel vom Zoll holen kann. Ich hab ihn beschmipft und zum Teufel gewünscht. Ich fand's einfach extrem dreist. Ich hab die 15 Dollar und meine Papiere zurück genommen und mich damit abgefunden, dass ich gerade 30 Dollar in den Sand gesetzt hatte. Der Gate Pass hatte laut Quittung etwas weniger als 5 Dollar gekostet; die anderen 30 Dollar hat sich dieser Freak eingesteckt; ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er bei seinen "Kumpels" in der Immigration wirklich auch nur einen Dollar abgedrückt hat. Verdammt, verdammt. Ich war wirklich pissed. In der Schlange hätte ich vielleicht 20 Minuten gewartet, maximal. Teurer Spaß, aber am ärgerlichsten war ich über mich selbst, kurz "vor Ende" noch mal so dumm zu sein...
Na ja, die restlichen Sachen (Zoll, Interpol und was weiß ich für welchen Blödsinn) habe ich dann noch alleine abgewickelt, ging auch recht schnell und unkompliziert. Und dann durfte ich so zwischen sechs und halb sieben raus aus Simbabwe und rüber nach Südafrika.
Dadurch, dass ich so "geladen" war, konnte ich gar nicht bewusst wahrnehmen, dass ich gerade über die Brücke in mein "Zielland", nach Südafrika, fuhr. Und es stand ja auch noch eine finale Hürde vor mir: die südafrikanische Immigration. Wobei ich nicht erwartet hätte, dass ich mich hier auch nochmal so aufregen würde. Well, es war schon alles etwas cooler und strukturierter als auf der Simbabwe-Seite. Aber meinen Carnet de Passage hat die Lady von SARS (das ist die lokale Zollbehörde) mit ihren großen Glubschaugen auch wieder angeguckt wie ein Auto. Ich war schon extrem genervt, und das hat man mir angemerkt. Ich hab ihr dann erklärt, wie das funktioniert mit diesem Dokument. Also praktisch habe ich ihr ihren Job erklärt. Na ja, da fühlte sie sich ein wenig angepisst, aber trotz der ganzen Spannung hat's dann doch ganz gut funktioniert, und ich hab mich sogar noch entschuldigt, weil ich selbst gemerkt hab, wie zickig ich gerade drauf bin. War sogar ganz nett dann noch, mit den Leuten von der Immigration und vom Zoll zu plaudern. Auch mit einem südafrikanischen Security-Typ kam ich supernett in's Gespräch. Seitdem ich aus Kinshasa losgefahren bin, verpasse ich kaum eine Gelegenheit, jedem, der es nicht hören will, zu erzählen, wie beschissen die Angolanische Bürokratie ist. Ich betrachte das inzwischen als eine Art Mission, die Welt darüber aufzuklären, dass Angola ein Kackland und ihre Bürokratie einfach zum Kotzen ist. Ich glaub natürlich nicht dran, dass Angola scheiße ist, aber irgendwie verschafft es mir Befriedigung, mich allerorts über Angola auszukotzen...
Ok, ich dachte eigentlich, jetzt hätte ich es geschafft und bin endlich in Südafrika. Aber weit gefehlt. Zum ersten Mal überhaupt in Afrika sollte ausgerechnet heute mein Gepäck vom Zoll gefilzt werden Oh fuck, schönen Dank auch! Alle Koffer aufmachen und dann gemütlich alles vorzeigen, was ich so mit mir führe. Auf meine (zugegebenermaßen zynische) Frage, was sie denn speziell suchen würden und ob ich ihnen irgendwie "behilflich" sein könnte, reagierten die Jungs nicht so amüsiert. Na ja, an meiner Tasche mit den Medikamenten haben sie sich dann festgebissen. Eine "Expertin" eilte herbei und stellte sofot fest: "That's too much". Okay, jetzt reicht's mir aber langsam. Ich war kurz vor'm Platzen. Diese dämliche, strunzdumme Tussi will mir jetzt erklären, dass die Medis, die ich da für meinen sechsmonatigen Afrika-Trip mitführe, zu umfangreich sein sollen? Uaaarrrgh. Als besonders Problem stellt sich dabei auch die Kommunikation heraus. Ich verstehe so gut wie kein Wort von dem Gebrabbel, was sie von sich geben. Es ist ein sehr "spezielles" Englisch, was hier (von den Schwarzen) gesprochen wird. Dazu gehört eine sehr eigenartige, will nicht sagen, völlig indiskutable, Grammatik. Aber auch der Inhalt der Sätze ist einfach nur als Kauderwelchsch zu bezeichnen. Die Tussi, die wegen der Medis so rumstresste, fragt mich "How long you here?". Okay, jetzt war es an mir, irgendeinen Sinn aus dieser Frage abzuleiten. Was meint sie wohl damit, "how long you here"? Wie lange ich schon in Südafrika bin? Wie lange ich vorhabe, dort zu bleiben? Wann ich aus Deutschland aufgebrochen bin? Wie lange ich schon mit dieser dämlichen Zollprozedur meine Zeit verschwende? Ich denke, dass es am besten ist, wenn ich kurz erkläre, dass ich mit dem Mopped aus Deutschland unterwegs bin und eine Afrika-Reise mache; gerade aus Simbabwe komme und nach Südafrika einreisen möchte. Aber das ist alles bei weitem zu komplex für ihr Spatzenhirn. Oh Mann, es ist zum wahnsinnig werden; wir brauchen sicher 5-10 Minuten, um uns gemeinsam eine zufriedenstellende Antwort auf ihre völlig bekloppte Frage zu erarbeiten. Egal, nach einer Weile präsentiere ich ihr die von mir mitgeführten und bislang nirgends benötigten mehrsprachigen Arztverschreibungen für meine Medikamente und sie stellt triumphierend fest, dass es das war, was sie sehen wollte und ich nun passieren dürfe. Oh, vielen Dank, wie großzügig!
Okay, aber das Spaß war noch immer nicht ganz vorüber. Eine Prozedur, die ich aus einiger Entfernung schon beobachtet hatte, aber auf die ich mir keinen Reim machen konnte, erwartete mich noch. Als ich mit meinem Bike endlich los wollte, wurde ich nochmal von einer ziemlich umfangreichen Gruppe von herumsitzenden Uniformierten angehalten. Sie bedeuteten mir, ich solle vom Mopped absteigen und zeigten dann auf eine auf dem Boden liegende Matratze. Mir geht's tierisch auf die Nüsse, wenn jemand mit mir per Zeichensprache kommunizieren möchte. Sätze bringen sie nicht zu stande, aber die Zeichensprache ist einfach mal sowas von daneben. Wie ich später feststellen sollte, ist die Verwendung von Zeichensprache hier aber extrem verbreitet Es tut mir leid, aber ich glaube, selbst die Konzepte von "rechts" und "links" scheinen bei vielen Leuten hier nicht so recht vertraut zu sein. Bei Fragen nach 'ner Richtung bekomme ich oft wildeste Wirbeleien mit Händen und Füßen präsentiert, aber keine brauchbare Ansage nach dem Motto "zweite Ecke links, dann rechts" oder so... Es ist manchmal wirklich zum Haareraufen. Sind die hier alle auf Crack oder was?
Na ja, meinen letzten Nerventest für heute bestehe ich aber auch noch. Ich bekomme raus, was die Freaks von mir wollen. Ich soll vom Motorrad absteigen und über eine Matratze, die mit einem Desinfektionsspray eingesprüht ist, drüber latschen. Maul- und Klauenseuche (Mouth & Foot Disease). Ich komme mir original vor wie bei "Verstehen Sie Spaß?". Ca. 5-8 Leute passen auf, dass ich ordentlich über diese bescheuerte Matratze drüber wate. Ich frage mich, ob sie tatsächlich der Meinung sind, dass das jetzt eben auch nur den geringsten Sinn ergeben hat? Ich kann es nicht fassen und bin einigermaßen erleichtert, als ich diese Ansammlung von Vollbehinderten endlich, endlich hinter mir lassen kann.
Für heute reicht's mir endgültig. Es ist mittlerweile stockdunkel, und ich will nur noch ein Hotel in Messina finden. Auf dem Weg über die Brücke verliere ich auf der Schnellstraße auch noch meine Handschuhe, die ich nur so zwischen Lenker und Tank geklemmt hatte. Kotz. Ich muss auf die linke Seite fahren und dann im Dunkel zurück zur Stelle, wo die Handschuhe jetzt wohl auf der Straße liegen. Mit Hilfe des Lichts von gelegentlich vorbei kommenden Autos sehe ich wo sie liegen und taste mich zu ihnen vor. Oh fuck, ich muss in's Bett!
In Messina angekommen, frage ich ein paar Passanten, wo es denn hier bitte schön zum Stadtzentrum geht. Aber auch die Kollegen scheinen ordentlich an der Crackpfeife gezogen zu haben. Ich verzweifle fast. Das kann doch nicht so schwierig sein. Ein Typ will mich sogar in's 500 Kilometer entfernte Pretoria schicken. Na ja, dabei wäre "geradeaus und die erste rechts" die richtige Antwort gewesen...Okay, irgendwie hab' ich's dann ja doch noch geschafft und hab auch ein brauchbares Hotel gefunden. Ich wollte auf jeden Fall als erstes Nina und meinen Eltern Bescheid sagen, dass ich jetzt in Südafrika angekommen bin und mir dafür eine Telefonkarte besorgen. Aber im Gegensatz zum restlichen Afrika liefen hier nicht mehr tausend Leute rum, die Telefonkarten zu jeder Tages- und Nachtzeit verchecken. Und es kostete mich sicher 45 Minuten, bis ich durch entsprechende Hilfe eines Typen von der Hotel Security meine neue südafrikanische Telefonkarte hatte und endlich mit meiner Süßen reden konnte. Juchuh!
Dann noch ausreichend Südafrikanische Rand am Automaten gezogen, denn US Dollar werden hier natürlich wieder nicht akzeptiert, und die Tussi im Hotel sah sich nicht mal in der Lage, mir den ungefähren Preis einer Übernachtung - umgerechnet in US Dollar - zu nennen. Mann, ist das hier das Land der total Bekloppten, oder was? Ist doch eine Grenzstadt, und es kann doch eigentlich nicht zuviel verlangt sein, dass man in einem Hotel den Umrechnungskurs in die Währung des Nachbarlandes kennt, oder? Na ja, wieder mal ein Weißer (Gast) kann mir meine Frage beantworten. Ich bin einfach verblüfft. Ich hatte nicht annährend solche Probleme, Informationen zu erfragen bzw. mich überhaupt zu verständigen, in anderen afrikanischen (frankophonen) Ländern.
Na ja, noch als letzte Aktion des Tages mein Bike getankt und dann auf den gesicherten Parkplatz des Hotels abgestellt. Dann rein inne Butze und nochmal in's Restaurant zum Futter fassen. Kein Witz, aber durch meine Frage, wie ich zum Restaurant des Hotels komme, ist die Dame an der Rezeption ganz schön in's Schwitzen gekommen. Auf sowas war sie offenbar nicht vorbereitet und sie machte erst mal eine Weile ein ziemlich bescheuertes Gesicht, bevor sie anfing, mit ihren Händen rum zu wirbeln. Okay, danke. Ich werd's schon finden.
Hab ich ja auch, das Restaurant war sogar ganz cool und es gab leckere Pasta zu futtern. Vor mir lief auf einem großen LCD-Bildschirm ESPN und eine Übertragung aus Coney Island, Brooklyn, New York. Was die wenigsten Leute wissen: während die ganze Welt auf die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika schaut, findet in Brooklyn eine mindestens ebenso bedeutsame sportliche Großveranstaltung statt. Und zwar die Hot Dog Eating Weltmeisterschaften. Diese Sportler zwingen mir den größten Respekt ab. Die Bilder aus New York sind einfach spektakulär und genau das richtige, um mich von den nervtötenden Strapazen an der Grenze abzulenken.
Mein Fazit des Tages ist zwiegespalten. Auf der einen Seite bin ich ziemlich stolz, diese Mammut-Etappe heute geschafft zu haben. Anderthhalb Grenzübergänge und über 1000 Kilometer stehen zu Buche. Das ist schon mal ganz ordentlich. Auf der Straße hatte ich stets ein Hochgefühl. Ich kam mir mit meiner Maschine wie ein Uhrwerk vor, welches präzise und perfekt Kilometer für Kilometer abspult. Einfach ein geiles Flow-Gefühl. Das ist es! Es fliesst einfach, und das tut meiner Seele gut!
Im Gegensatz dazu stehen die unglaublichen Nervereien an den Grenzen, bzw. überhaupt "off-the-road". Gerade wenn ich in diesem Flow-Gefühl unterwegs bin, empfinde ich die Hindernisse, die sich außerhalb meiner Kontrolle befinden, als unwahrscheinlich schwer zu akzeptieren. Inkompetenz und Dummheit, gepaart mit einer Portion Autorität in Form von Grenzbeamten - das ist der Stoff, aus dem meine Albträume sind. Okay, in den letzen zwei Tagen habe ich drei Grenzübergänge, das sind dreimal Exit und dreimal Entry, absolviert. Das ist eine ganze Menge und ein hartes Brot für eine geplagte Seele wie mich. Ich glaube aber, dass ich mich nie an so viel geballten Schwachsinn gewöhnen werde. Auch wenn ich hundert afrikanische Grenzen überquerte habe, werde ich mich immer noch aufregen über die absolute Sinnfreiheit dieser ganzen Prozeduren. Ich bin soo fucking froh, dass die Grenze heute erst einmal für eine Weile die letzte gewesen sein wird. Jetzt bin ich im "Gelobten Land", und jetzt bleibe ich auch erst mal eine Weile hier. So!
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